Ende der Suche

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Wed Jan 07, 2026 6:00 pm

1. Kannst du mit geschlossenen Augen bestätigen, dass das Erlebte „Schwärze“ ist, wie ich sie beschrieben habe?
Ja, kein Problem.
2. Gibt es im „Sehen“ irgendetwas anderes als „Schwärze“?
Nein, so wie du es definierst (kleinere Lichterscheinungen etc. eingeschlossen) nichts.
3. Kann das gefunden werden, was sich der Schwärze bewusst ist?
Ja, da ist zunächst die Absicht, die Aufmerksamkeit auf das visuelle Feld zu lenken, dann die Schwärze und das Bewusstsein davon, klar und deutlich.
4. Können ein Paar Augen, ein „Ich“ / „Selbst“, eine Person gefunden werden, die die Schwärze wahrnimmt? Oder ist da einfach nur „Schwärze“ zu finden?
Kein Paar Augen, nicht zwangsläufig ein Ich (aus Gedanken bestehend), aber schon ein Feld des Bewusstseins.
Was findest du?
Kann ein INHÄRENTER SEH-ER gefunden werden?
Wäre irgendetwas, das der Seh-er zu sein scheint, etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?
Kein Seher als Person, schon aber ein lebendiges, empfindsames Feld, das die Schwärze umfasst.

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Re: Ende der Suche

Postby You » Wed Jan 07, 2026 9:02 pm

Du beschreibst dein Erleben sehr präzise:
kein Seher als Person, kein Ich, aber ein “Feld des Bewusstseins”, das die Schwärze umfasst.

Schließe nun noch einmal die Augen und untersuche folgendes:

Gibt es irgendwo eine Grenze, wo Schwärze endet und Bewusstsein beginnt?

Antworte ausschließlich aus der direkten Erfahrung heraus, nicht aus Überlegung.



Nun geh dem Ganzen auch noch mit geöffneten Augen nach:

Übung: Sehen - Teil 2

Mit geöffneten Augen erscheint eine Welt von Objekten … ein Raum … ein Computerbildschirm usw.
Was genau gesehen wird, ist hier nicht von Interesse. Was immer es ist, wird im Folgenden einfach als „das Gesehene“ bezeichnet.
Das ist vielleicht etwas kniffliger; nimm dir Zeit und betrachte es genau.

1. Kannst du mit geöffneten Augen bestätigen, dass das, was erfahren wird, einfach „das Gesehene“ ist, wie oben beschrieben?

2. Gibt es im „Sehen“ noch irgendetwas anderes als „das Gesehene“?

3. Lässt sich etwas finden, das „das Gesehene“ wahrnimmt?

4. Lässt sich ein Augenpaar, ein „Ich“ / „Selbst“, eine Person finden, die „das Gesehene“ wahrnimmt? Oder ist da einfach nur „das Gesehene“ zu finden?


Was findest du? (Beantworte die beiden folgenden Fragen jeweils einzeln)
Lässt sich ein INHÄRENTER SEH-ER finden?
Wenn etwas der Seh-er zu sein scheint - ist das etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Thu Jan 08, 2026 9:16 pm

Gibt es irgendwo eine Grenze, wo Schwärze endet und Bewusstsein beginnt?
Nein, Schwärze und Bewusstsein durchdringen sich vollkommen.
1. Kannst du mit geöffneten Augen bestätigen, dass das, was erfahren wird, einfach „das Gesehene“ ist, wie oben beschrieben?
Ja, definitiv.
2. Gibt es im „Sehen“ noch irgendetwas anderes als „das Gesehene“?
Nein, im Sehen ist nur das Gesehene, wiederum wundersam gehalten im visuellen Feld oder im offenen Raum des Bewusstseins.
3. Lässt sich etwas finden, das „das Gesehene“ wahrnimmt?
Ja, da ist eine Art von Wissen, Erkenntnis oder wie auch immer man sagen will. Aber es ist selbst nicht sichtbar, wohl aber spürbar.
4. Lässt sich ein Augenpaar, ein „Ich“ / „Selbst“, eine Person finden, die „das Gesehene“ wahrnimmt? Oder ist da einfach nur „das Gesehene“ zu finden?
Über das oben Beschriebene hinaus nicht - keine Augen, kein Selbst, keine Person.
Lässt sich ein INHÄRENTER SEH-ER finden?
Nein, kein inhärenter "Seher" als Person.
Wenn etwas der Seh-er zu sein scheint - ist das etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?
Ein Seh-er als Person oder "ich" wäre wirklich nur ein Konzept (wie wir schon sagten, manchmal ein nützliches für praktische Zwecke, aber nicht wirklich aufzufinden).

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Re: Ende der Suche

Postby You » Fri Jan 09, 2026 3:37 am

Schwärze und Bewusstsein durchdringen sich vollkommen.
Ja. Keine Trennung. Und so voneinander durchdrungen… erscheinen „Schwärze“ und „Bewusstsein“ dann überhaupt noch als zwei unterschiedliche Phänomene, oder ist da einfach ein Erleben?


Nein, im Sehen ist nur das Gesehene, wiederum wundersam gehalten im visuellen Feld oder im offenen Raum des Bewusstseins.
Und gibt es eine Grenze zwischen dem Gesehenen und dem visuellen Feld?


3. Lässt sich etwas finden, das „das Gesehene“ wahrnimmt?
Ja, da ist eine Art von Wissen, Erkenntnis oder wie auch immer man sagen will. Aber es ist selbst nicht sichtbar, wohl aber spürbar.
Wie genau zeigt sich das, was da spürbar ist? Hat es eine Ausdehnung, Lokalisation, Grenze, Dichte, Temperatur oder sonstige andere Qualität? Ist es statisch oder bewegt oder verändert es sich?


Nimmt das, was da spürbar ist, „das Gesehene“ wahr? Oder ist es einfach auch da - neben dem Sehen?


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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Fri Jan 09, 2026 9:13 pm

Ja. Keine Trennung. Und so voneinander durchdrungen… erscheinen „Schwärze“ und „Bewusstsein“ dann überhaupt noch als zwei unterschiedliche Phänomene, oder ist da einfach ein Erleben?
Es sind zwei unterschiedliche Phänomene, auch wenn sie in der Moment-zu-Moment-Wirklichkeit fast deckungsgleich sind - aber wenn ich meine Augen öffne, ist Schwärze verschwunden, Bewusstsein aber ist immer noch da.
Und gibt es eine Grenze zwischen dem Gesehenen und dem visuellen Feld?
Jaund nein. Das Gesehene füllt das visuelle Feld aus, aber der Raum ist tiefer, weiter oder wie auch immer man sagen will - umfassender.
Wie genau zeigt sich das, was da spürbar ist? Hat es eine Ausdehnung, Lokalisation, Grenze, Dichte, Temperatur oder sonstige andere Qualität? Ist es statisch oder bewegt oder verändert es sich?
Es klingt ein wenig schräg, wenn nicht verrückt, es zu sagen, aber: da ist eine Art Freude, eine Art stiller Jubel in der Wahrnehmung.
Nimmt das, was da spürbar ist, „das Gesehene“ wahr? Oder ist es einfach auch da - neben dem Sehen?
Es entspringt gleichzeitig, wie aus dem selben Quell und gibt der bewussten Wahrnehmung eine ganz besondere Qualität.

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Re: Ende der Suche

Postby You » Sat Jan 10, 2026 2:27 am

Es sind zwei unterschiedliche Phänomene, auch wenn sie in der Moment-zu-Moment-Wirklichkeit fast deckungsgleich sind - aber wenn ich meine Augen öffne, ist Schwärze verschwunden, Bewusstsein aber ist immer noch da.
Nun beobachte weiter:
Wenn du die Augen öffnest und die Schwärze verschwindet, steht das Bewusstsein dann für sich allein - getrennt von Erfahrung? Oder ist es gleich wieder mit anderen Wahrnehmungen (Farben, Geräuschen, etc.) genauso durchdrungen, wie es einen Moment vorher mit der Schwärze durchdrungen war?


da ist eine Art Freude, eine Art stiller Jubel in der Wahrnehmung.
Ist diese Freude, dieser stille Jubel in der Wahrnehmung auch manchmal spontan im Alltag da? Achte mal darauf, was passiert, wenn jedes Mal, wenn dich etwas daran erinnert, du auch bei ganz alltäglichen Aktivitäten auf die gleiche Weise deine Wahrnehmung untersuchst, wie du es mit diesen Übungen gemacht hast. Nimm dir Zeit, tauche ganz ein in die direkte Erfahrung und berichte hier, was du entdeckst.

———————————

Zusätzlich lasse ich dir eine Übung hier für den Fall, dass du zwischendrin noch einen weiteren Sinn gezielt untersuchen möchtest. Es ist nicht nötig, alles auf einmal zu bearbeiten und die folgenden Fragen gleich im nächsten Posting zu beantworten. Ich möchte dir dieses „Experimentiermaterial“ jedoch einfach schonmal zur Verfügung stellen.

Übung: Spüren

Schließe für diese Übung bitte die Augen. Nimm einfach wahr, welche „mentalen“ Bilder oder Gedanken auftauchen, und lass sie beiseite.
Lege eine Hand auf einen Tisch oder eine andere flache Oberfläche – die Augen bleiben geschlossen.
Geh nun zu der Empfindung, die normalerweise als „Hand auf dem Tisch“ bezeichnet wird, und antworte aus dem heraus, was du in der direkten Erfahrung finden kannst.

1) Wie viele Dinge findest du? Sind da zwei Dinge (Hand und Tisch) oder ist da nur ein Ding – Empfindung?

2) Lässt sich in dem, was gefühlt wird, ein „Fühlender“ finden?

3) Wird wahrgenommen, dass „eine Sache eine andere fühlt“ – oder gibt es einfach nur „Empfindung“?

4) Findest du ein „Ich“, einen Körper, eine Hand, die „fühlt“ … oder gibt es einfach nur „Empfindung“?

Was findest du?
Lässt sich ein INHÄRENTER FÜHLENDER finden?

Wenn etwas der Fühlende zu sein scheint - ist das etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Sat Jan 10, 2026 8:17 pm

Nimm dir Zeit
Mache ich, mein Leben ist gerade auch sehr turbulent, so dass ich eh langsam vorgehen muss - vielleicht gar nicht so schlecht. Du hörst von mir und nochmals Danke für deinen unermüdlichen Einsatz!

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Tue Jan 13, 2026 8:42 pm

So, da bin ich wieder, danke für deine Geduld!
Wenn du die Augen öffnest und die Schwärze verschwindet, steht das Bewusstsein dann für sich allein - getrennt von Erfahrung? Oder ist es gleich wieder mit anderen Wahrnehmungen (Farben, Geräuschen, etc.) genauso durchdrungen, wie es einen Moment vorher mit der Schwärze durchdrungen war?
Ganz eindeutig: das Bewusstsein ist gleich wieder mit anderen Wahrnehmungen durchdrungen, ich konnte bislang nichts ausmachen, was wie isoliertes Bewusstsein aussähe.
Ist diese Freude, dieser stille Jubel in der Wahrnehmung auch manchmal spontan im Alltag da? Achte mal darauf, was passiert, wenn jedes Mal, wenn dich etwas daran erinnert, du auch bei ganz alltäglichen Aktivitäten auf die gleiche Weise deine Wahrnehmung untersuchst, wie du es mit diesen Übungen gemacht hast. Nimm dir Zeit, tauche ganz ein in die direkte Erfahrung und berichte hier, was du entdeckst.
Tja, tatsächlich kommt häufig schon beim Erinnern an diese Untersuchung so etwas wie Freude auf, das ist be-merkens-wert... Es scheint so, als ob Freude die Natur der direkten Wahrnehmung ist, sobald die Überlagerung durch Konzepte durchlässiger, der Schleier sozusagen dünner wird. Hmm. "Ich" kann das aber nicht machen, wenn ich zu sehr davon fasziniert bin und darüber philosophiere, rückt es wieder in die Ferne und ist nicht mehr greif- bzw. fühlbar.

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Re: Ende der Suche

Postby You » Tue Jan 13, 2026 10:55 pm

Willkommen zurück! Es freut mich, wieder von dir zu lesen!

Ganz eindeutig: das Bewusstsein ist gleich wieder mit anderen Wahrnehmungen durchdrungen, ich konnte bislang nichts ausmachen, was wie isoliertes Bewusstsein aussähe.
Ja, genau. Das ist sehr präzise beobachtet.

Tja, tatsächlich kommt häufig schon beim Erinnern an diese Untersuchung so etwas wie Freude auf
:)

"Ich" kann das aber nicht machen, wenn ich zu sehr davon fasziniert bin und darüber philosophiere, rückt es wieder in die Ferne und ist nicht mehr greif- bzw. fühlbar.
Auch sehr gut beobachtet. Denn beim Philosophieren beschäftigen wir uns mit Gedankeninhalt, und genau diese Überlagerung durch Konzepte, die du vorher genannt hast, passiert.


Als Nächstes tauch nochmal in die direkte Wahrnehmung ein - mit der Übung, die ich dir in meiner letzten Nachricht schon einmal dagelassen hatte.

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Wed Jan 14, 2026 8:42 pm

Zur "Hand auf Tisch"
1) Wie viele Dinge findest du? Sind da zwei Dinge (Hand und Tisch) oder ist da nur ein Ding – Empfindung?
Da ist nur eine Berührungsempfindung, allerdings steht sie in deutlichem Kontrast zu dem "Rest" des Arms, dem Teil, der nicht in Berührung ist - die Berührungsfläche ist kühler, irgendwie deutlicher.
2) Lässt sich in dem, was gefühlt wird, ein „Fühlender“ finden?
Kein Fühlender, wohl aber ein größerer Kontext, in dem dieses spezielle Fühlen stattfindet.
3) Wird wahrgenommen, dass „eine Sache eine andere fühlt“ – oder gibt es einfach nur „Empfindung“?
Weder noch - es ist eher ein besonderer Bereich im Feld der Empfindungen, klar unterschieden aber sicher keine "Sache".
4) Findest du ein „Ich“, einen Körper, eine Hand, die „fühlt“ … oder gibt es einfach nur „Empfindung“?
Einfach nur Empfindung, aber so einfach nun auch wieder nicht - ein ziemlich komplexes Phänomen, vergleichbar mit dem Fokus eines Scheinwerferlichts im visuellen Bereich, nur dass im Reich des Empfindens die Worte fehlen.
Was findest du?
Lässt sich ein INHÄRENTER FÜHLENDER finden?
Kein inhärenter Fühlender, wohl aber so etwa wie ein inhärentes Fühlen.
Wenn etwas der Fühlende zu sein scheint - ist das etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?
"Der Fühlende" wäre sicher ein Konzept, eine Verdinglichung eines Prozesses.

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Re: Ende der Suche

Postby You » Wed Jan 14, 2026 11:22 pm

In den letzten Untersuchungen zeigt sich viel Klarheit: Es lässt sich kein Seher finden, kein Fühlender, kein Ich, und auch nichts, was als ein von Wahrnehmungen unabhängiges, isoliertes Bewusstsein auftaucht.

Schauen wir nun auf einen anderen Bereich, in dem häufig stillschweigend ein „Ich“ vorausgesetzt wird: Zeit und Erinnerung.
Berichte einfach, was sich in der direkten Erfahrung finden lässt - oder auch, was sich nicht finden lässt. Bleib bei dem, was tatsächlich erlebt wird. Es braucht keinen Sinn zu ergeben und muss sich nicht erklären lassen.


Beginnen wir mit Zeit:

Es gibt die weitverbreitete Annahme, dass es eine lineare Zeit gibt, die (sofern sie überhaupt einen Anfang hatte) irgendwo in ferner Vergangenheit begonnen hat und sich in eine ferne Zukunft hinein fortbewegt. Der gegenwärtige Moment (das „Jetzt“) wird dabei als ein sehr kleiner Ausschnitt der Zeit betrachtet oder als ein Ereignis, das sich auf einer Zeitlinie vorwärts bewegt; aus der Vergangenheit kommend und in die Zukunft fortschreitend.

Aber:
Gibt es eine Erfahrung davon, dass sich das „Jetzt“ entlang einer Zeitlinie bewegt?

Gibt es irgendeine Erfahrung davon, dass ein „Moment“ dem nächsten weicht?

Gibt es irgendeine tatsächliche oder direkte Erfahrung davon, dass ein Ereignis auf ein anderes folgt?

Wie schnell bewegt sich der „gegenwärtige Moment“ eigentlich?

Schau einfach auf diesen Moment: Lässt sich ein Punkt finden, an dem er begonnen hat?

Wie lange dauert das „Jetzt“?

Wo beginnt das „Jetzt“ und wo endet es?

Wann genau wird das „Jetzt“ zur „Vergangenheit“?

Was ist die „Vergangenheit“ in der direkten Erfahrung?

Gibt es also eine tatsächliche Erfahrung von „Zeit“ – oder nur Gedanken über „Zeit“?

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Thu Jan 15, 2026 6:05 pm

Gibt es eine Erfahrung davon, dass sich das „Jetzt“ entlang einer Zeitlinie bewegt?
Nein, es gibt nur jetzt... und jetzt... und jetzt...
Und selbst das ist schon irgendwie zuviel gesagt, sicherlich ist da nichts wie eine Linie zu finden.
Gibt es irgendeine Erfahrung davon, dass ein „Moment“ dem nächsten weicht?
Das ist schon diffiziler zu beantworten. Es gibt Empfindungen verschiedenster Art und irgendwie haben sie schon verschiedene "Dauer", so dass beispielsweise "hell" auf "dunkel" folgt usw. Aber natürlich ist streng genommen in dem Moment, wo "hell" auftaucht, "dunkel" schon eine Erinnerung und damit keine direkte Erfahrung mehr.
Gibt es irgendeine tatsächliche oder direkte Erfahrung davon, dass ein Ereignis auf ein anderes folgt?
... und damit ist es in der direkten Erfahrung nicht wirklich möglich, dass etwas auf das andere folgt, ebensowenig wie Vögel in der Luft Spuren hinterlassen. Und doch bleibt in mir der Eindruck, dass es so etwas wie eine Abfolge gibt, einfach weil sich verschiedene Empfindungen teilweise überschneiden und nicht alles sauber in einzelne Ereignisse aufteilbar ist.
Wie schnell bewegt sich der „gegenwärtige Moment“ eigentlich?
Das hängt davon ab, mit welcher Geschwindigkeit Empfindungen auftauchen und vergehen.
Schau einfach auf diesen Moment: Lässt sich ein Punkt finden, an dem er begonnen hat?
Nein, da ist kein Anfang - "Moment" ist sicher ein Konzept und hat somit keine Bewegung, keinen Anfang und kein Ende. Aber Empfindungen und Veränderungen kann ich schon deutlich beobachten.
Wie lange dauert das „Jetzt“?
Auch hier: ein Jetzt kann ich so nicht ausmachen, nur, dass Empfindungen da sind und dann wieder nicht.
Wo beginnt das „Jetzt“ und wo endet es?
Weder beginnt und endet es - aber viele Dinge beginnen und enden jeweils in ihrem eigenen "Jetzt“.
Wann genau wird das „Jetzt“ zur „Vergangenheit“?
Vergangenheit gibt es nur in der Erinnerung, mich erinnern ist aber ein Gedanke - wenn auch oft ein sehr nützlicher.
Was ist die „Vergangenheit“ in der direkten Erfahrung?
Nicht vorhanden, bestenfalls an ihren Folgen zu sehen, aber die sind ja dann wieder gegenwärtige Erfahrungen.
Gibt es also eine tatsächliche Erfahrung von „Zeit“ – oder nur Gedanken über „Zeit“?
Streng genommen gibt es keine Zeit, aber wie gesagt, was sich bei mir sträubt, ist die Wahrnehmung von Veränderung und zwar in ganz verschiedenen Rhytmen, so dass ich das Geschehen nicht in einzelne diskrete Erfahrungen oder Momente zerlegen kann. Wenn bspw. ein Licht kommt und geht, so geschieht das in einem anderen Ablauf als der nachfolgende Gedanke "da ist Licht" und wieder in einem anderen als das Nachbild auf der Netzhaut und z.B. das begleitende Geräusch - das alles ergibt eher eine Sinfonie als einzelne, isolierbare Empfindungen.

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Re: Ende der Suche

Postby You » Thu Jan 15, 2026 10:10 pm

Nun: Erinnerung

Fast jeder geht davon aus, dass eine Erinnerung sich auf etwas bezieht, das geschehen ist, und dass Erinnerungen irgendwie anders sind als sonstige Gedanken. Aber ist das wirklich so?


Geh nicht in gedankliche Erklärungen, sondern lass einfach eine Erinnerung da sein und schau sie an.
Schau auf das, was tatsächlich geschieht, und nicht darauf, was Gedanken sagen. Beobachte nur, was wirklich da ist.

Was ist Erinnerung genau?

Woraus „besteht“ die Erinnerung?

Wann erscheint die Erinnerung?

Was ist der exakte Unterschied zwischen einem „allgemeinen“ Gedanken und einem „Erinnerungsgedanken“?

Woran ist es exakt erkennbar, dass sich ein „Erinnerungsgedanke“ auf etwas bezieht, das geschehen ist?



Dann schau auf einen Gedanken über die Zukunft.

Woraus „besteht“ der Zukunftsgedanke?

Wann erscheint der Zukunftsgedanke?

Was ist der exakte Unterschied zwischen einem „allgemeinen“ Gedanken und einem „Zukunftsgedanken“?

Woran ist es exakt erkennbar, dass sich ein „Zukunftsgedanke“ auf etwas bezieht, das geschehen wird?



Vergleiche nun einen Gedanken über die Vergangenheit mit einem Gedanken über die Zukunft.

Was ist der exakte Unterschied zwischen Gedanken über Vergangenheit und Gedanken über Zukunft?

Falls es einen Unterschied gibt: Wie genau ist dieser Unterschied erkennbar?

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Fri Jan 16, 2026 8:24 pm

Was ist Erinnerung genau?
Erinnerung... sind Gedanken, die sich auf etwas beziehen, was wir Vergangenheit nennen und was in irgendeiner Weise einen gefühlten sinnhaften Zusammenhang mit der Gegenwart hat.
Woraus „besteht“ die Erinnerung?
Erinnerung ist eine Mischung aus einer Geschichte, zumeist mit bildhaften und verbalen Bestandteilen sowie emotionalen Untertönen. Also: Gedanken, verbale und visuelle und Emotionen.

Wann erscheint die Erinnerung?
Manchmal kommt eine Erinnerung "aus dem Nichts", manchmal durch etwas ausgelöst, das uns "an etwas erinnert".
Was ist der exakte Unterschied zwischen einem „allgemeinen“ Gedanken und einem „Erinnerungsgedanken“?
Erinnerungen sind häufig persönlicher, fühlen sich "intimer" an als allgemeine Gedanken.
Woran ist es exakt erkennbar, dass sich ein „Erinnerungsgedanke“ auf etwas bezieht, das geschehen ist?
Es ist nicht exakt zu erkennen, vielmehr behauptet der Gedanke, dass er ein vergangenes Ereignis wiedergibt.

Dann schau auf einen Gedanken über die Zukunft.

Woraus „besteht“ der Zukunftsgedanke?
Stärker als Erinnerungen bestehen Zukunftsgedanken aus Worten, die visuellen Anteile sind unschärfer, halt nur imaginiert.
Wann erscheint der Zukunftsgedanke?
Auch hier: manchmal aus dem Nichts, manchmal, wenn ein Thema oder Element Hoffnungen oder Sorgen auslösen.
Was ist der exakte Unterschied zwischen einem „allgemeinen“ Gedanken und einem „Zukunftsgedanken“?
Auch hier: der Unterschied besteht nur innerhalb des Reichs der Gedanken, darüber hinaus gibt es keinen.
Woran ist es exakt erkennbar, dass sich ein „Zukunftsgedanke“ auf etwas bezieht, das geschehen wird?
Nur an dem Inhalt, der behauptet, zukunftsbezogen zu sein.

Vergleiche nun einen Gedanken über die Vergangenheit mit einem Gedanken über die Zukunft.

Was ist der exakte Unterschied zwischen Gedanken über Vergangenheit und Gedanken über Zukunft?
Gedanken an die Vergangenheit scheinen deutlicher, fester zu sein, Gedanken über die Zukunft hingegen von Natur aus ungewiss. Als reine Gedanken betrachtet, besteht kein wirklicher Unterschied, es ist eben: Denken.

Falls es einen Unterschied gibt: Wie genau ist dieser Unterschied erkennbar?

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Re: Ende der Suche

Postby You » Fri Jan 16, 2026 11:25 pm

Was ist Erinnerung genau?
Erinnerung... sind Gedanken, die sich auf etwas beziehen, was wir Vergangenheit nennen und was in irgendeiner Weise einen gefühlten sinnhaften Zusammenhang mit der Gegenwart hat.
Wie genau kommt dieser Zusammenhang zustande?

Was ist das, was wir Vergangenheit nennen, in der direkten Erfahrung?


Woraus „besteht“ die Erinnerung?
Erinnerung ist eine Mischung aus einer Geschichte, zumeist mit bildhaften und verbalen Bestandteilen sowie emotionalen Untertönen. Also: Gedanken, verbale und visuelle und Emotionen.
Ja, Erinnerung besteht aus Gedanken. Aber bei den Emotionen muss ich nochmal nachhaken: Sind sie wirklich Bestandteil der Erinnerung und gleichzeitig etwas anderes als Gedankeninhalt? Untersuche es einmal anhand zwei konkreter Beispiele:

Eine Erinnerung taucht auf. Teil der Erinnerung sind nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch, dass du damals eine starke Emotion gefühlt hast. Vielleicht warst du wütend, traurig, oder hast dich sehr gefreut. Aber jetzt berühren dich die Umstände überhaupt nicht mehr.
Besteht die Erinnerung aus Gedanken und Emotionen, oder nur aus Gedanken?

Eine Erinnerung taucht auf und ihr Inhalt berührt dich. Emotionen entstehen und du spürst die dazugehörigen Empfindungen im Körper.
Sind diese Empfindungen Bestandteil der Erinnerung? Oder sind sie neue, direkte Erfahrung?

Wann erscheint die Erinnerung?
Manchmal kommt eine Erinnerung "aus dem Nichts", manchmal durch etwas ausgelöst, das uns "an etwas erinnert".
Wann erscheint der Zukunftsgedanke?
Auch hier: manchmal aus dem Nichts, manchmal, wenn ein Thema oder Element Hoffnungen oder Sorgen auslösen.
Ja. Diese Fragen waren aber eigentlich ganz einfach gemeint: Erscheinen diese Gedanken jemals wann anders als jetzt?

Was ist der exakte Unterschied zwischen einem „allgemeinen“ Gedanken und einem „Erinnerungsgedanken“?
Erinnerungen sind häufig persönlicher, fühlen sich "intimer" an als allgemeine Gedanken.
Was genau ist es, was Erinnerungsgedanken persönlicher erscheinen lässt?


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