Meine Reise

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Barbarossa
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Re: Meine Reise

Postby Barbarossa » Tue Mar 01, 2022 5:32 pm

Nimm dir alle Zeit die du brauchst, antworte einfach wie es dir am besten passt.

Es gibt etwas, das meint, ohne Ich wäre das Leben vielleicht schwierig.
Warum sollte das Leben denn schwieriger sein?

Und: für wen?

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Re: Meine Reise

Postby Barbarossa » Tue Mar 08, 2022 9:39 pm

Hi Kemanci,
wie geht's dir soweit, ist bei dir alles klar?

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Re: Meine Reise

Postby Kemanci3 » Tue Mar 08, 2022 10:04 pm

Lieber Barbarossa,
ich war 4 Tage weg und hatte es nicht mehr geschafft, mich vorher bei Dir zu melden. Jetzt bin ich wieder da.
Warum sollte das Leben denn schwieriger sein?

Es gibt hier öfters eine Furcht davor, allein zu sein. Die Gedanken "ich kümmere mich darum, ich schaffe das" usw., mit denen ich mir bisher Kontrolle suggeriert habe, haben nun ihre Bedeutung verändert. Daher fällt es mir schwer zu sagen, ob etwas fehlt.

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Re: Meine Reise

Postby Barbarossa » Wed Mar 09, 2022 8:51 pm

Es gibt hier öfters eine Furcht davor, allein zu sein.
Wie gehst du damit um?
Was machst du mit dieser Furcht, mit dieser Empfindung, wenn sie da ist?

Die Gedanken "ich kümmere mich darum, ich schaffe das" usw., mit denen ich mir bisher Kontrolle suggeriert habe, haben nun ihre Bedeutung verändert.
Was passiert, wenn diese Gedanken abgeändert werden, sodass sie dem was Erfahren wird eher entsprechen?
Wenn z.b. aus "ich schaffe dass" ein "das Problem wird gelöst" oder "die Schwierigkeit wird überwunden" wird?

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Re: Meine Reise

Postby Kemanci3 » Wed Mar 09, 2022 10:24 pm

Lieber Barbarossa,
vielen Dank, dass Du weiter Fragen stellst. Das fühlt sich sehr hilfreich an. Wir waren ja zu beginn mit dem Thema Emotionen vs. Ich-Illusion eingestiegen. Ich habe gerade den Beginn unseres Dialogs nochmal durchgelesen. Nun kommt es mir so vor, dass wir an meinen Ausgangspunkt nochmal anknüpfen, beim Thema Wunsch nach Kontrolle...
"Es gibt hier öfters eine Furcht davor, allein zu sein."
Wie gehst du damit um? Was machst du mit dieser Furcht, mit dieser Empfindung, wenn sie da ist?
Wenn ich das fühle, denke ich, dass sich da etwas zusammenbraut, das ich nicht ertrage. Hm. War mir gar nicht so klar. Wo Du mich so fragst, spüre ich den wunden Punkt sehr deutlich, der quasi "zu doll" zu sein scheint und wo mein Erleben in die Vermeidungs- Ablenkungsschiene abbiegt. Alleinsein und Verlassenseinsgefühle rufen Bilder von Starre und Not auf. Wo Du mich so fragst und ich wahrnehme merke ich, dass die aufkommende totale Hilflosigkeit eine sehr unangenehme Erinnerung ist, aber mehr halt nicht. Es ist eine Erinnerung. Und diese Erinnerung kommt öfters auf. Das brauche ich nicht zu ändern, kann ich eh nicht.
Was passiert, wenn diese Gedanken abgeändert werden, sodass sie dem was Erfahren wird eher entsprechen?
Wenn z.b. aus "ich schaffe dass" ein "das Problem wird gelöst" oder "die Schwierigkeit wird überwunden" wird?
Es fühlt sich ungewohnt an. Mein Leben kommt mir unvorhersehbar vor, was es ja auch ist. Da schimmert ein schmerzliches Abschiedsgefühl vom Aufpasser-Kontroll-Ich auf, mit der begleitenden Frage, wer dessen Job nun übernehmen wird. Natürlich niemand. Dann spüre ich eine Öffnung dahin, dass es halt nicht für mich fassbar ist, was geschieht, was ich mache/denke usw. Ich kriege es alles eh erst mit, wenn es schon geschehen ist. Die Welt rückt erstaunlich nah, also, die Illusion vom Ich hatte ja Abstand hergestellt, und ich merke, dass es hier um sowas wie Vertrauen geht. Mir kommen Bilder wie als ob ich doch noch mein Schneckenhaus behalte, oder das Licht mir grell vorkommt, die Welt sehr krass... ist ok, mein Herz wird sich Schritt für Schritt an das ganze Fühlen gewöhnen.

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Re: Meine Reise

Postby Barbarossa » Thu Mar 10, 2022 9:50 pm

Ich möchte unbedingt anmerken, dass ich zu therapeutischen Arbeiten nicht befähigt bin.
Alles was mir zur Verfügung stehr sind meine eigenen Erfahrungen mit Emotionen und dem Umgang damit.
Wo Du mich so fragst, spüre ich den wunden Punkt sehr deutlich, der quasi "zu doll" zu sein scheint und wo mein Erleben in die Vermeidungs- Ablenkungsschiene abbiegt.
Ist der Punkt wirklich zu doll?
Ist die Vermeidung/ Ablenkung wirklich nötig?

Ablenkung ist vielleicht kurzfristig angenehmer.
Den "Problemen" aus dem Weg zu gehen löst sie aber nicht.

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Re: Meine Reise

Postby Kemanci3 » Fri Mar 11, 2022 1:12 pm

Lieber Barbarossa,
ich bin Dir sehr sehr dankbar dafür, dass Du mir weiterhin so schöne Fragen stellst, auch wenn durch Deine Fragen auch schmerzliche Punkte in den Fokus rücken. Vielen vielen Dank! Da ich versuche, Dir ganz ehrlich zu antworten, konnte ich diese emotionalen Dinge nicht aus unserem Dialog heraushalten.
Ist der Punkt wirklich zu doll?
Ist die Vermeidung/ Ablenkung wirklich nötig?
Nein, der Punkt ist schon "doll", aber nicht "zu doll".
Es ist eine körperlich eingeübte Reaktion, bei diesem starken unangenehmen Gefühl in die Vermeidung und Ablenkung zu gehen, da überlege ich nicht lang. Als ich diese Reaktionsweise gelernt habe, war sie nötig. Aber heute ist sie nicht mehr nötig.

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Re: Meine Reise

Postby Barbarossa » Fri Mar 11, 2022 7:13 pm

Du hast sicher schon mal versucht bei der Empfindung zu bleiben, also nicht in die Ablenkung/ Vermeidung zu gehen?

Wie ist das, wenn nicht in die Ablenkung/ Vermeidung gegangen wird?
Was ist dann anders?

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Re: Meine Reise

Postby Kemanci3 » Sat Mar 12, 2022 9:43 pm

Lieber Barbarossa,
ja, das habe ich schon oft versucht. Ich habe mir zweitweilig eine Art überzogene Achtsamkeit auf meine Gefühle angewöhnt, von der ich zunächst dachte, sie wäre akzeptierend, und letztlich war sie doch kontrollierend. D.h. ich hatte eine bestimmte Art der Ablenkung aufgegeben und unbemerkt eine neue erfunden.

Unser Dialog hat zu einer klareren Trennung von Gefühl und Gedanken und einfach Existieren geführt. Da es kein Ich gibt, ist es mir endlich klarer geworden, dass es unmöglich ist, in die Gefühlswelt einzugreifen, oder sie auch nur zu verstehen. Es fügt sich nicht zu einer kohärenten Geschichte. Die Gefühle sind einfach wie sie sind. Es hat sich eine neue Neugierde entwickelt, oder gewisse Bereitschaft, hier den Geschehnissen ihren Lauf zu lassen. Die "lieber nicht, Achtung, stop, vorsicht, kann zu doll werden"-Seite hat sich jedoch noch nicht in Luft aufgelöst. Die Neugierde und die Vorsicht gibt es jetzt beide. Ich habe eine Meditation, da sagt er "don't feel it, be it". Das heißt so viel wie "schieb kein Ego zwischen Dich und Deine Empfindung". Nun verstehe ich, wie das geht. Das ist schön.
Wie ist das, wenn nicht in die Ablenkung/ Vermeidung gegangen wird?
Was ist dann anders?
Wenn ich bspw. in meine innere Nervosität spüre, dann höre ich meine Gedanke sowas sagen wie "guck, das ist Angst, guck, das ist Trauer usw, also ich höre dieses permanente kontrollierende Labelling. Das ist teilweise so penetrant, dass ich gar nix mehr fühle. Es ist für mich neu, dass ich merke, dass ich dem nicht zuhören muss, und dass es für meine Gefühle irrelevant ist, was die Gedanken sich so denken. Dann sind diese Gefühle da. Ich höre noch den Kommentar, ich hätte mir sehr ein einfacheres Leben gewünscht. Den Zahn hast Du mir ja zu Beginn gezogen. Es ist, wie es ist. Jetzt gerade in diesem Moment (ich habe ca. 20 min über Deiner Frage meditiert) kommt wieder ein Festhalten auf.

Ohne Vermeidung wird es weit und strudelig, aber auch gruselig in mir, und dann greift wieder der Schutzmechanismus. Das braucht wohl etwas Zeit, wirklich auch mit dem ganzen Körper zu merken, dass ich den nicht brauche.

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Re: Meine Reise

Postby Barbarossa » Tue Mar 15, 2022 9:41 am

Hallo Kemanci,
bitte entschuldige, dass ich mich so spät melde.
Es ist nur so, bezüglich der Ich-Illusion und der Arbeit mit Emotionen kann ich dir offenbar nichts mehr mitgeben.
Und ja, Zeit spielt hier ganz sicher eine wichtige Rolle.

Wenn du willst, kann ich dir die Abschlussfragen stellen.
Ein Austausch und weiteres Aufklären kann danach natürlich noch stattfinden.

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Re: Meine Reise

Postby Kemanci3 » Tue Mar 15, 2022 9:48 pm

Lieber Barbarossa,
das denke ich auch, es wird alles durchsickern, das braucht etwas bei mir. Stell mir gern die Abschlussfragen!

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Re: Meine Reise

Postby Barbarossa » Wed Mar 16, 2022 7:24 am

In Ordnung.

1. Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges „Ich“, „mich“ oder „Selbst“? Gab es das jemals?

2. Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.

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Re: Meine Reise

Postby Kemanci3 » Sun Mar 20, 2022 9:41 pm

Lieber Barbarossa,
jetzt habe ich auch wieder ein paar Tage gebraucht.
1. Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges „Ich“, „mich“ oder „Selbst“? Gab es das jemals?
Nein, es gibt kein eigenständiges Ich in irgendeiner Form, die sich mit den Sinnen wahrnehmen lässt, und es hat es auch nie gegeben. Das, was ich Ich nenne, ist einfach nur eine Vorstellung.
2. Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Meine Ich-Illusion besteht aus dem Gedanken, da wäre etwas, was meine Handlungen kontrollieren kann, und nicht nur das, auch die Ergebnisse der Handlungen. Und da ist nicht nur diese Vorstellung, dieser Kontrollvorstellung folgt der Gedanke, es sei für mein Überleben sehr wichtig, besonders gut zu handeln. Dabei ensteht Druck, spürbar in Form einer körperlichen Aufregung, und die nahm ich bisher als "Selbstgefühl" wahr. Das habe ich als "Ich" missverstanden. Also diese Feedbackschleife zwischen den fordernden Gedanken und der körperlichen nervösen Reaktion ist wie ein innerliches Theaterstück. Es folgen Schuld- und Schamgefühle daraus.
Wie erlebe ich das jetzt gerade? Ich nehme meine Gedanken wahr, ich nehme meinen Körper wahr. Ich nehme die unangenehmen Gefühle wahr. Alles taucht irgendwie auf, keine Ahnung woher, und dann ist es eben da. So ist das jetzt. Es gibt noch die Kontrollwünsche- und impulse. Auch die nehme ich wahr.

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Re: Meine Reise

Postby Barbarossa » Sun Mar 20, 2022 10:06 pm

Hallo Kemanci,
danke für deine Antworten.
Es soll so lange dauern, wie es dauern soll. :-)
Hier die nächsten Fragen:


3. Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4. Was hat dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

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Re: Meine Reise

Postby Kemanci3 » Sun Mar 20, 2022 10:17 pm

3. Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Da sind Gefühle von Ergebenheit gegenüber allem, was zu spüren ist. Es gibt hier und da unmittelbare Reaktionen, wie ein Lachen, die sich neu anfühlen. Fühle mich durchlässiger, spontaner. Es fühlt sich ruhiger an, und weniger verschämt.
4. Was hat dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Es war verwunderlich herauszufinden, dass ich nicht selber entscheide, dass ich das Entscheiden nicht beobachten kann, dass es keine Entscheiderin gibt. Nachdem das untersucht war, ging die Ich-Illusion verloren.


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