1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein.
2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Entstehen tut sie vermutlich in fast allen Fällen im Kindesalter, durch den Einfluss der Eltern. Diese geben die Illusion an die Kinder weiter.
Dinge werden nicht mehr nur wahrgenommen, sondern bekommen auf einmal eine Wertung und einen Bezug. Es wird ein Weltbild aus Glaubenssätzen erzeugt. Dinge die "Gut" sind, Dinge die "schlecht" sind.
3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.
In der meisten Zeit fühlt es sich ganz normal an. Erst bei Ereignissen auf die man früher mit einem starken Ich-Bezug reagiert hat, fühlen sich nun anders an. Die "gewohnte" Gefühlsregung ist nun weg(oder zumindest sehr geschwächt), was gerade am Anfang ein gewisses Erstaunen und auch Belustigung hevorruft. Erlebtes wird klar wahrgenommen, so wie es ist, ohne Erwartungshaltung oder Gewichtung. Es fühlt sich wahr an.
4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Eine geplatzte Aterie nach einer Nasen-OP. :-) Ich war bereits zu Hause, als dies passierte. Also schnell den Arzt angerufen und in die Praxis fahren lassen. Dort angekommen hat mich der Arzt sofort in den OP geführt um mich zu behandeln. Die Anspannung bei ihm und der Arzthelferin war sehr deutlich spürbar. Da der Anästhesist nicht mehr vor Ort war, musste die Behandlung bei vollem Bewusstsein erfolgen. Aber statt selbst unruhig oder gar panisch zu sein, war ich absolut ruhig. Es kam kein Gedanke: "Was passiert jetzt mit mir?" "Geht alles gut?" oder Ähnliches.
Selbst der Schmerz durch den Eingriff löste keine Unruhe aus. Ich konnte ganz emotionslos dem Arzt und der Schwester zuhören und das Handeln der bieden Personen verfolgen. In meinem Kopf herrschte absolute Klarheit. Da war klar, dass es dieses ICH nicht gibt. Dass dies so ist wusste ich zwar vorher schon, aber in diesem Moment konnte man es spüren. Es war keine Vermutung oder Glaube, es wurde erlebt und erkannt.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden und geschehen sein können?
All diese Worte passen nicht richtug auf das was tatsächlich geschieht. Die Welt dreht sich und Dinge passieren einfach. In Bezug auf "mich" kann man sagen, dass es Impulse gibt, etwas zu tun, und zwar in diesem Augenblick. Und wenn man diesem Impuls nachgibt, macht man etwas, was Freude bereitet. Allerdings sucht man sich das nicht aus, man bestimmt nicht was gerade das "Richtige" ist, es passiert einfach. Staubsaugen ist etwas was mir keine Freude bereitet, aber wenn dieser Impuls auf Staubsaugen anspricht und man diesem dann nachgibt, verrichtet man diese Aufgabe in dem Moment mit Freude und Harmonie. Wobei ich gemerkt habe, dass manche Impulse wesentlich öfter auftreten, als z.B. Staub saugen. :-D
6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
Man fühlt sich nach dieser Erkenntnis erleichtert. Man ist das ständige Gefühl, dass man sein Leben meistern/kontrollieren muss los. Niemand muss etwas kontrollieren. Es gibt nichts zu kontrollieren. Das Gefühl von Zwang verschwindet. Man muss Nichts tun, da niemand da ist, der etwas tun müsste. Dadurch lebt es sich freier und man kann die Welt wahrnehmen wie Sie wirklich ist. In diesem Sinne kann man sagen, dass die Fragestellung meines Themas beantwortet und gelöst worden ist.
Vielen Dank an meinen Guide, mich dabei geführt zu haben. Es war sehr interessant.