Liebe Karin, vielen Dank, hier kommen die Antworten:
Einige der folgenden Fragen hast du so ähnlich schon beantwortet. Schau aber bitte trotzdem nochmal genau hin und beantworte die Fragen detailliert und aus deiner Erfahrung heraus.
1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"?
Ein (von irgendwas) getrenntes Etwas/Ich/Selbst gibt es nicht.
Gab es das jemals?
Nein.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Ich-Illusion ist der Glaube, dass es ein „ich“ gibt, das hier z.B. nach einem Stift greifen könnte.
Ich-Illusion entsteht in dem Moment, wo Identifikation mit dem Ich-Gedanken passiert.
Sie funktioniert so: Greifen nach einem Stift passiert, der Gedanke „Ich nehme den Stift“ taucht auf, Identifikation mit „Ich“ passiert, und zack –, schon scheint es ein „ich“ zu geben, das in der Lage war einen Stift zu greifen.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Das Dasein fühlt sich entspannter an. Es wird jetzt (meist) so erfahren, dass ich mit Anke, Welt, und Erscheinungen einerseits gar nichts zu tun habe, andererseits wird der Alltag „normal“ erlebt bzw. gelebt. Festhalten an Gedanken/Gefühlen etc. passiert immer seltener. In Situationen, wo „ich“ „mich“ z.B. früher angegriffen fühlte, tauchen jetzt zwar entsprechende Gedanken dazu auf, jedoch passiert immer seltener Identifikation damit. Außerdem passiert im Beisammensein mit anderen immer seltener Aufgreifen von Ego-Spielen. Geschichten laufen meist und immer öfter ins Leere.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Das kann ich letztendlich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, dass z.B. beim Lesen einer Übung, wo „Sinneserfahrungen pur“ gefragt waren (also Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen ohne „ich“), sich dies wie ein Befreiungsschlag anfühlte. Außerdem war während der Vertiefung in eine Frage (zum Thema Verantwortung) auf einmal etwas wie ein „unergründlicher Ruck“ erfahrbar, als würde etwas abfallen, danach rauschten die Gedanken vorbei wie ein Wasserfall. Abgesehen davon passieren seitdem immer mal wieder Einsichten, wie z.B. „Es ist jetzt sowas von klar, dass das, was ich in Wahrheit bin, höchstens sowas wie eine Leinwand für Filme war bzw. sein kann“.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Entscheidung: „Ich habe mich entschieden zu schreiben“. Schreiben passiert, wenn es passiert.
Absicht: „Ich scheine die Absicht gehabt zu haben, Schreiben in die Tat umzusetzen.“ Dachte ich früher.
Freier Wille: „Ich habe den freien Willen, Schreiben zu tun oder zu lassen.“ Das entscheide nicht „ich“. Entscheidung passiert.
Wahl: Ich wähle die Worte aus, die mir gefallen. Pfeifendeckel. Auswählen passiert.
Kontrolle: „Ich habe die Kontrolle darüber, was ich als nächstes machen möchte“, denkt der Schmetterling und wird vom Wind erfasst.
Die genannten Erfahrungen entstehen durch die Identifikation mit dem Gedanken „Ich“. Sie funktionieren nur bzw. sind nur so lange erfahrbar, wie der Glaube, dass „ich“ ein eigenständiger Teil bzw. ein von etwas anderem getrenntes „Etwas“ wäre, existiert.
Niemand ist verantwortlich.
Gleichzeitig erscheinen weiterhin Gedanken, wie „Ich bin dafür verantwortlich wie ich z.B. diesen Körper, diese Wohnung, meine Mitmenschen, die Umwelt etc. behandle.“
Handlung bzw. Unterlassen von Handlung passiert hier (und überall) gemäß des jeweiligen Reifegrades an Selbstrealisation im Kontext zum Ordnungsprinzip des Ganzen.
Je klarer erkannt wird, das hier Niemand ist, der irgendwas tun könnte, umso stimmiger ergibt sich das Erkennen einer naturgegebenen Verantwortung in Situationen.
In diesem Sinne werde ich jetzt gleich wieder aufhören mit schreiben.
Und Niemand ist dafür verantwortlich.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Mir schien, als hätte ich mich schon tausende Male mit Fragen, die auf De-Identifikation ausgelegt waren, beschäftigt, aber hier bei LU gab/gibt es die Erfahrung den Verstand auf NEUE Weise effektiv nutzen zu lernen bzw. den als begrenzt erfahrenen Verstand auszutricksen.
Allerdings denke ich nicht, dass das Durchschauen an dieser Stelle zu Ende ist, sondern, dass ein weiterer großer Schritt in diese Richtung getan ist.
Tausend Dank für diese geniale Möglichkeit „das was ist“ auf diese Weise zu untersuchen!
Herzlichen Dank an alle LU`s
und besonders an Dich, Karin!
Anke