Direct Pointing mit Ernesto

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Tue May 20, 2014 2:02 pm

Sehen jetzt: Schaue auf meinen Monitor, sehe Buchstaben, schaue auf die Tastatur, sehe Tasten. Es ist eine ständige Rückkopplung, ein Abgleich zwischen Gedanken und Geschriebenem. Der Ablauf des Sehens im Detail: Stufe eins ist wohl optische Wahrnehmung, Stufe zwei ist Konstruktion von Symbolen (Buchstaben, Wörter), Bedeutungsbelegung, Erleben einer Emotion des Gedeuteten.
Ja, sehr gut.
Zu „Bedeutungsbelegung“: Wie läuft der Prozess des „Bedeutungsbelegung“?
Wenn ich den Kontakt zum Jetzt suche, sehe ich ein wenig anders. Ich konzentriere mich mehr auf den Vorgang des Sehens und spüre eine direktere Nähe zum Gesehenen, das Gesehene kommt mir realer vor. Wenn ich mein Ich auflösen möchte, ziehe ich mich in der Wahrnehmung zurück und erlebe mich als Wahrnehmung, wie eine randlose Fläche, ein Raum.
“Wenn ich mein Ich auflösen möchte“ – Wer/was bleibt, wenn das „Ich“ aufgelöst ist?
Sich zurückziehen von was?

Der Zeichen _()_ ist „Händefalten“ : http://4.bp.blogspot.com/-Ph27luCy1e4/U ... G_6220.JPG
Alles anderes, wenn wir das Torlose Tor überquert Haben ;-)

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Tue May 20, 2014 2:37 pm

Zu „Bedeutungsbelegung“: Wie läuft der Prozess des „Bedeutungsbelegung“?
Bedeutung ergibt sich durch Abgleich mit bereits Erlebtem, mit Vergangenem, gespeicherten Mustern, ggf. in Kombination solcher. Es ist eine Verknüpfung mit Erinnerungen. Es sind Automatismen am Werk. So gesehen, ist der Schritt entkoppelt vom Jetzt, nicht wahr?
“Wenn ich mein Ich auflösen möchte“ – Wer/was bleibt, wenn das „Ich“ aufgelöst ist?

Es bleibt ein Bewusstsein.
Sich zurückziehen von was?
Vom alten Ich, von den Automatismen, dem Traum.

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Tue May 20, 2014 2:58 pm

Bedeutung ergibt sich durch Abgleich mit bereits Erlebtem, mit Vergangenem, gespeicherten Mustern, ggf. in Kombination solcher. Es ist eine Verknüpfung mit Erinnerungen. Es sind Automatismen am Werk. So gesehen, ist der Schritt entkoppelt vom Jetzt, nicht wahr?
Bedarf es eine „Ich-Instanz“ um den „Dinge“/Erscheinungen, Bedeutung zu geben?
“Wenn ich mein Ich auflösen möchte“ – Wer/was bleibt, wenn das „Ich“ aufgelöst ist?
Es bleibt ein Bewusstsein.
Würdest Du diesen „Bewusstsein“ als „Ich“ bezeichnen?
Sich zurückziehen von was?
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Kann man also sagen: Sich von alte Mustern und Ansichten zurückziehen?

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Tue May 20, 2014 8:12 pm

Bedarf es einer „Ich-Instanz“ um den „Dingen“/Erscheinungen, Bedeutung zu geben?
Nein, es passiert von allein. Vielleicht sind Herz oder Gewissen beteiligt. Ich würde sogar sagen Bedeutungen sind nicht so wichtig, sie wandeln sich zu Neutralem, das Geschaute wird interessant und liebenswert und ich kann ihm mit Sanftmut statt mit Befremdung und Distanz begegnen. Die Abwehr wandelt sich in Akzeptanz.
“Wenn ich mein Ich auflösen möchte“ – Wer/was bleibt, wenn das „Ich“ aufgelöst ist?
Es bleibt ein Bewusstsein.
Würdest Du dieses „Bewusstsein“ als „Ich“ bezeichnen?
Nein, es ist egofrei, es ist reines Schauen.
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Kann man also sagen: Sich von alten Mustern und Ansichten zurückziehen?
Ja, das trifft’s. Heute habe ich durch deinen Hinweis die Aufmerksamkeit auf das Sehen zu richten, auch das Hören als vollkommen neu erlebt. Ich habe mich plötzlich gefragt, wie das funktioniert und wunderte mich darüber. Ich werde mir die Wahrnehmungen vertieft anschauen. In den Gliedern fühle ich mehr Wärme und Präsenz und ich höre auch tagsüber dieses leise Rauschen, das in der Luft liegt, wenn man sonst nichts hört. Der Dialog hat mein Schauen intensiviert.

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Wed May 21, 2014 5:16 am

In den Gliedern fühle ich mehr Wärme und Präsenz und ich höre auch tagsüber dieses leise Rauschen, das in der Luft liegt, wenn man sonst nichts hört.
Schön. Es ist wohl mehr Achtsamkeit da :-)

Gibt es in der Erfahrung „Wärme und Präsenz“, oder auch im „leisen Rauschen“ ein kleines „Ich“ zu finden? Oder vielleicht ein großes „Ich“?

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Wed May 21, 2014 8:25 am

Schön. Es ist wohl mehr Achtsamkeit da :-)
Ja, mir ist als öffnete ich die Augen.
Gibt es in der Erfahrung „Wärme und Präsenz“, oder auch im „leisen Rauschen“ ein kleines „Ich“ zu finden? Oder vielleicht ein großes „Ich“?
Nein, ich nehme dies einfach wahr. Wenn, dann würde ich's eher dem ICH zuordnen, aber es widerstrebt mir eine Zuordnung. Es ist alles in mir. Heute wurde mir bewusst, wie nah jedes Erleben über die Sinne ist, jedes Vogelzwitschern (wohne auf dem Land), jedes Bild. All dies ist bereits in mir und kann es näher sein? Ich möchte noch dieses Eintauchen in die Sinne vertiefen. Der Hinweis auf den Vorgang des Sehens war sehr wertvoll. Was mir gestern mit dem Hören geschah, war ein außerordentliches Erlebnis, eine Öffnung. Etwas Ähnliches habe ich zuletzt vor vielen Jahren beim Lesen von Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen verspürt, wonach ich die Konzepte "Verb" und "Nomen" für verwundernswert unklar und ihre Abgrenzungen für willkürlich hielt. Die Abgrenzungen lösen sich auf. Ich glaube auch ein wenig mehr zu verstehen, warum ich ein gewisses Leiden hatte. Das kleine Ich erinnerte sich an diese radikale Erfahrung des Erwachens und sehnte sich nach einer Wiederholung. Dieser radikale Wandel kann jedoch nicht täglich konsumiert werden wie Brot. Der Wandel hat sich bereits vollzogen, es ist die Unachtsamkeit und Trägheit, die das kleine Ich wieder zum Vorschein kommen lassen konnte, wobei dies nur wie eine Turbulenz in einem Wasserstrudel ist. Wie in einem Trichter fließt das Wasser unvermeidlich nach unten und es bleibt die Leere. Der Pfad ist gezeichnet. Sorry, das war vielleicht gar nicht gefragt, es kam jetzt so in mir hervor.

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Wed May 21, 2014 9:36 am

Gibt es in der Erfahrung „Wärme und Präsenz“, oder auch im „leisen Rauschen“ ein kleines „Ich“ zu finden? Oder vielleicht ein großes „Ich“?
Nein, ich nehme dies einfach wahr. Wenn, dann würde ich's eher dem ICH zuordnen, aber es widerstrebt mir eine Zuordnung. Es ist alles in mir. Heute wurde mir bewusst, wie nah jedes Erleben über die Sinne ist, jedes Vogelzwitschern (wohne auf dem Land), jedes Bild. All dies ist bereits in mir und kann es näher sein? Ich möchte noch dieses Eintauchen in die Sinne vertiefen.
„es widerstrebt mir eine Zuordnung.“ Und „Wenn, dann würde ich's eher dem ICH zuordnen“ – wie passt das zusammen?
Das kleine Ich erinnerte sich an diese radikale Erfahrung des Erwachens und sehnte sich nach einer Wiederholung. Dieser radikale Wandel kann jedoch nicht täglich konsumiert werden wie Brot.
Auf der Frage: Hat der Wind eine Farbe? Antwortest Du: „Nein, aber wenn doch, dann rot, oder Dunkelrot“… ;-)

Auf der Frage: „Gibt es in der Erfahrung „Wärme und Präsenz“, oder auch im „leisen Rauschen“ ein kleines „Ich“ zu finden? Oder vielleicht ein großes „Ich“?“, hast Du geantwortet: „Nein, ich nehme dies einfach wahr.“ – um dann zurück zu „ich“ und „ICH“ – wo ist ein „ich“ oder „ICH“ in der Erfahrung zu finden?

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Wed May 21, 2014 10:13 am

Gibt es in der Erfahrung „Wärme und Präsenz“, oder auch im „leisen Rauschen“ ein kleines „Ich“ zu finden? Oder vielleicht ein großes „Ich“?
Nein, ich nehme dies einfach wahr. Wenn, dann würde ich's eher dem ICH zuordnen, aber es widerstrebt mir eine Zuordnung. Es ist alles in mir. Heu-te wurde mir bewusst, wie nah jedes Erleben über die Sinne ist, jedes Vogelzwitschern (wohne auf dem Land), jedes Bild. All dies ist bereits in mir und kann es näher sein? Ich möchte noch dieses Eintauchen in die Sinne vertiefen.
„es widerstrebt mir eine Zuordnung.“ Und „Wenn, dann würde ich's eher dem ICH zuordnen“ – wie passt das zusammen?
Passt nicht. Unter ICH fasse ich eine Egolosigkeit, daher mein Zuordnungsversuch. Mein Unmut rührt daher, dass ich letztlich sowohl das Ich wie auch das ICH als begriffliche Konzepte ansehe, die hier nicht greifen. Meine Verneinung halte ich also gerne aufrecht, die Zuordnung gebe ich gerne auf. Warum führst du mich auch in Versuchung ;-). Als Fingerzeige mögen das Ich und das ICH eine Berechtigung haben, aber sie treffen nicht. Dein Bild trifft es hier gut, ich sage, nein, der Wind hat keine Farbe, aber wenn, dann rot. Autisten können übrigens solcherlei erstaunliche Zuweisungen gelingen. Eine sieben kann schon mal grün sein oder eine Tonart dunkelblau :-). Aber dies nur zum Spaße, wenngleich ich glaube zu wissen, dass die tiefste Farbe der Welt ein ganz bestimmter Rotton ist. Dazu benötige ich wohl aber noch eine separate Behandlung.
Kann das Sein im Hier und Jetzt einem Konzept zugeordnet werden? Nein. Gibt es ein Subjekt? Nein. Offenbar gibt es einen Wahrnehmungsapparat im Sinne des Descartschen "Ich bin", wenngleich man es nicht wissen kann sondern es erfährt. Da ist etwas, das erfährt, dies ist die einzige Sicherheit.
"Wo ist ein „ich“ oder „ICH“ in der Erfahrung zu finden?"
Die Erfahrung ist Erfahrung, es ist. Kein rot. Es sind hier die Formen der Sprache, die hier einen Streich spielen. Das "ich" deutet keine Entität an.

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Wed May 21, 2014 11:35 am

"Wo ist ein „ich“ oder „ICH“ in der Erfahrung zu finden?"
Die Erfahrung ist Erfahrung, es ist. Kein rot. Es sind hier die Formen der Sprache, die hier einen Streich spielen. Das "ich" deutet keine Entität an.
Sind es die Formen der Sprache, oder die Unachtsamkeit, die hier einen Streich spielen/spielt? Worte ( = Konzepte ) erfüllen ihren Zweck nur dann wenn beide, der der geschrieben hat und der der liest, darunter das Gleiche verstehen.
Wenn das "ich" keine Entität andeutet, nur ein „Platzfüller“ ist, dann vielleicht so wenig wie möglich und schon gar nicht mit „ich“ und „ICH“ kommunizieren, da die Gefahr missverstanden zu werden, viel zu groß ist ;-)
Kann das Sein im Hier und Jetzt einem Konzept zugeordnet werden? Nein. Gibt es ein Subjekt? Nein. Offenbar gibt es einen Wahrnehmungsapparat im Sinne des Descartschen "Ich bin", wenngleich man es nicht wissen kann sondern es erfährt.
Wir haben das Gleiche wieder: das „SEIN“ kann kein Konzept zugeordnet werden, ABER: Offenbar gibt es einen Wahrnehmungsapparat im Sinne des Descartschen "Ich bin".
Daraus folgt: das „SEIN“ ist ein Wahrnehmungsapparat namens: "Ich bin". Der Wind hat keine Farbe, ist aber rot…

Wieder: Gibt es jemand der erfährt? Ist der Wahrnehmungsapparat eine getrennte Identität? „Ich denke, also bin ich“ – und wenn „ich“ nicht denke? Bin „ich“ dann „nicht“? – so ein Quatsch… ;-)
Da ist etwas, das erfährt, dies ist die einzige Sicherheit.
Was ist das was erfährt?

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Wed May 21, 2014 12:55 pm

Kann das Sein im Hier und Jetzt einem Konzept zugeordnet werden? Nein. Gibt es ein Subjekt? Nein. Offenbar gibt es einen Wahrnehmungsapparat im Sinne des Descartschen "Ich bin", wenngleich man es nicht wissen kann sondern es erfährt.
Wir haben das Gleiche wieder: das „SEIN“ kann kein Konzept zugeordnet werden, ABER: Offenbar gibt es einen Wahrnehmungsapparat im Sinne des Descartschen "Ich bin".
Daraus folgt: das „SEIN“ ist ein Wahrnehmungsapparat namens: "Ich bin". Der Wind hat keine Farbe, ist aber rot…
Mit dieser Folgerung wäre die Windmetapher tatsächlich wiederholt. Gedacht war es wie folgt: Der Apparat (Sinne, Gehirn) ist Form, das Sein ist nicht sein Inhalt oder seine Erscheinungsform sondern seine Funktion. Könnte das Erwachen nicht auf der Fähigkeit zu dieser Unterscheidung bzw. dem Erkennen dieser Trennung letztlich beruhen? Die Funktion ist formlos, sie hat keine Farbe.
Wieder: Gibt es jemand der erfährt? Ist der Wahrnehmungsapparat eine getrennte Identität? „Ich denke, also bin ich“ – und wenn „ich“ nicht denke? Bin „ich“ dann „nicht“? – so ein Quatsch… ;-)
Nein, kein Subjekt. Der Apparat nimmt nicht die Stelle einer Identität ein, er ermöglicht sowohl jegliche Täuschung wie auch das Erkennen solcher. Den Teil "Ich denke" aus Descartes Ausspruch habe ich explizit ausgeklammert und nur das "Ich bin" verwendet. Der gesamte Ausspruch ist problematisch, wir kritisieren ihn beide aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Es ist alles gut. Hier habe ich nur zur Verwirrung gesorgt. Ich bringe dich etwas zur Verzweiflung? Ich umarme deine Bemühungen. Sei dir gedankt.
Ernesto wrote: Da ist etwas, das erfährt, dies ist die einzige Sicherheit.
Was ist das, was erfährt?
Hier war ich sprachlich nicht achtsam, Asche auf mein Haupt. Sicher ist, dass eine Erfahrung des Seins existiert. Also der Part des Descartschen Auspruchs ohne das "Ich denke" ist ok, ohne dabei das "Ich" in dem "Ich bin" als Ich-Illusion lesen zu müssen. Das "Ich bin" ist eine Seinserfahrung ohne Subjekt (bei Descartes ist die Reihenfolge verdreht, seine Schlussfolgerung ist die Erfahrung also das Zuvorgehende). Subjekte wären bereits nachgelagerte Konstrukte, vor ihnen ist die Wahrnehmung. Die Wahrnehmung der Wahrnehmung. Diese (Möglichkeit) der Selbstbezüglichkeit, also einer Spiegelung des Seins im Sein ist das, worauf Descartes aufsetzt, wenn er es dann aber fälschlicherweise oder weil er auch sprachlich es anders meinte vom Denken abhängig macht. Ich erfahre, also bin ich. Es erfährt sich, also gibt es ein Sein. Das Sein erfährt sich selbst. Und das Sein ist formlos. Es ist als Verb zu verstehen nicht als Nomen. Folgende Aussage nicht wörtlich nehmen (Gott nicht als neues Subjekt verstehen): Gott schaut in den Spiegel. :-) Es gibt keine Subjekte, und wenn dann nur als Illusionen und die Illusion wird nicht von einem "wahren" Subjekt erlebt sondern sie ist eine Erscheinungsform des Seins, eine falsche Wahrnehmung, eine Identifikation des Seins mit Formen. Eine Abstraktion, die konditionierte Idee, dass nämlich jeder Mensch eine eigene Identität hat, ist die Täuschung. Wir sind Spiegelungen des Seins und dessen kann man nur gewahr werden, man kann sie aber nicht besitzen. Was im Menschen bestenfalls als Besitz verbleibt sind Erinnerungen an dieses Gewahrwerden. Also ich glaube viel besser kann ich es nicht fassen. Habe hier länger ausgeführt, damit du ggf. bestehende Täuschungen erkennen kannst. Können Täuschungen, die über die Verfangenheiten anhand von Subjekt-Objekt-Anschauungen hinausgehen, bestehen? _()_

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Wed May 21, 2014 2:48 pm

Das waren viel mehr als 15 Zeilen ;-) und es bring gar nichts lange Kopfgeschichten zu erzählen, oder zu philosophieren. (War lange in einem philosophischen Forum unterwegs – bringt gar nichts. ;-)

Also:
Sicher ist, dass eine Erfahrung des Seins existiert.
Ja. Stimmt. Und wer/was existiert? Aus eigener Erfahrung bitte…
Die Wahrnehmung der Wahrnehmung.
Was kannst Du dazu aus eigener Erfahrung sagen?
Es erfährt sich, also gibt es ein Sein. Das Sein erfährt sich selbst. Und das Sein ist formlos.
Gibt es, im „Sein“, irgendeine Trennung?

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Wed May 21, 2014 9:04 pm

Sicher ist, dass eine Erfahrung des Seins existiert.
Ja. Stimmt. Und wer/was existiert? Aus eigener Erfahrung bitte…
Nur kurz, alle Philosophen liegen mir am Herzen. Seien sie in unsere Gebete eingeschlossen. Mögen sie Weisheit finden und erkennen, dass sie nicht wissen, was sie denken. :-) Meine Ausdrucksweise mutet philosophisch an, es sollte die Wahrheit ausgesprochen und nicht über sie gesprochen werden. Aber alles, was rein und wahr ist, verdient auch kurz und einfach benannt zu sein.
Es existiert das Sein. Das Schauen, die Wahrnehmungen, das Erlebnis des Seins. All dies existiert ohne eine getrennte Identität des Beobachters. Ein Schritt zurück und das Meer so weit, der Himmel unendlich - dieser Satz trifft auch wunderbar. Der Schritt geschieht in der Wahrnehmung und bedarf keines Subjektes :-).
Die Wahrnehmung der Wahrnehmung.
Was kannst Du dazu aus eigener Erfahrung sagen?
Diese Wahrnehmung ist sehr befreiend, beruhigend, es ist der natürliche Zustand. Heute handelte ich aus diesem Sein heraus. Das Handeln benötigte kein Ich und kein Abwägen, es war spontan, angstfrei und zutiefst ehrlich und es zaubert ein Lächeln auch in die Seelen des Gegenübers. Auch aus der Stille heraus erwächst dieser Zugang, wenn der Körper sich beruhigt, die Atmung kaum mehr spürbar ist. Es bringt Verständnis und Sanftmut, es trägt sich selbst und genügt sich selbst. Es bedarf keiner Bemühung. Ich glaube der Dialog hat geholfen, das sich das Ich durch ein Schauen erneut ersetzte, heute gab es kritische Situationen, die sonst zu Leiden geführt hätten, doch sie lösten sich im Schauen auf. Es ist eine ungeheuer tiefe Nachsicht und Sanftmut im Raum.
Es erfährt sich, also gibt es ein Sein. Das Sein erfährt sich selbst. Und das Sein ist formlos.
Gibt es, im „Sein“, irgendeine Trennung?
Nein. Dieses Nein möge wie ein seligmachendes Schwarz sein :-). Kleiner Spaß. _()_

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Thu May 22, 2014 8:20 am

Schön, dass der Austausch für dich hilfreich war. :-)

Unsere obligatorischen Abschlußfragen, wenn du möchtes kannst du sie noch beantworten,
sie sind auch gut um nochmal zu sehn wo man steht.

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Gibt es irgendwelche Ereignisse im Leben, über die Du Kontrolle ausübst? Kannst Du über irgendetwas entscheiden, es beeinflussen oder herbeiführen? Gib ein paar konkrete Beispiele aus Deiner Erfahrung.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Thu May 22, 2014 10:48 am

Schön, dass der Austausch für dich hilfreich war. :-)
Ich danke dir/euch für die Begleitung und diese Plattform und die wunderbare Arbeit, die ihr hier leistet. Sie ist von unschätzbarem Wert.
Unsere obligatorischen Abschlussfragen, wenn du möchtest kannst du sie noch beantworten,
sie sind auch gut um nochmal zu sehen, wo man steht.

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Ein eigenständiges "Ich" gibt es nicht. Es ist ein Konstrukt der Wahrnehmung, eine Identifikation mit Formen. Wenn im Schauen erkannt wird, dass dieses "Ich" nie existierte, verbleibt man im Schauen, es verbleibt ein namenloses, formloses Sein.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Diese Frage hat mir bereits jemand geschickt, jetzt weiß ich woher es kommt :-). Ist unter 1) schon kurz beschrieben, ergänzend kann man sagen, es ist eine Täuschung des Seins selbst. Die Illusion entsteht durch den unhinterfragten und durch Konditionierung gestärkten Gedanken, dass es ein eigenständiges "Ich" gäbe, das den Menschen kennzeichnet und das er ist und mit dem er identisch ist. Diese Identität hat es nie gegeben, sie ist eine hingenommene, zumeist nicht hinterfragte, weil sehr stark verinnerlichte Abstraktion. Ihr Akzeptieren wird auch durch die Sprache gefördert und das gesamte kulturelle Umfeld, die Familie, Medien, die gewohnten Lebenskonzepte. Wenn diese Täuschung erkannt wird, löst sich die Bindung zu dieser Idee des "Ich" auf. Es wird nicht mehr wie ein Besitztum verteidigt und die Geschichte dieses "Ichs" wird nicht mehr als Leidensgeschichte erlebt. Vielmehr erkennt man, dass das Festhalten an einem "Ich", wie ein Wahn ist. Man weiß es in dem Augenblick nicht besser. Erwacht man von dieser Illusion und erfährt das Sein in seiner Natürlichkeit, ist dies sehr befreiend, Ängste fallen ab, man versteht plötzlich und versteht nicht gedanklich sondern weil man erfahren hat. Und es bleibt dies schwer in Sprache zu vermitteln, weil die Erfahrung ohne Subjekt auskommt, das Sein schaut sich selbst. Wenn Gläubige glauben müssen, so WEISS man nach dem Erwachen über das, was Gott, letzter Grund etc. genannt wird. Es sind nur verschiedene Namen für das Eine, das existiert. Man hat es geschaut und braucht nicht mehr zu glauben. Das Erleben des Moments gerade ist eine Erfahrung von Freiheit, Tiefe, von Raum. Auch die Zeit wird nicht mehr konstruiert, sondern es wird erkannt, dass der Moment alles ist. Die Illusion der Zeitlichkeit ist der Ich-Illusion verwandt. Im Grunde sind sie eins, die Zeit-Illusion ist nur gedanklich schwerer zu fassen, in der Erfahrung lösen sich Ich-Illusion und Zeit-Illusion gleichzeitig auf. Form und Inhalt werden bei beiden Illusionen verwechselt. Das Leben kann man nicht besitzen, man kann es nur leben. Die Gewohnheit des körperlichen Festhaltens verleitet die Menschen zu der Idee, dass sie selbst auch Vergleichbares wären. Dem ist aber nicht so. Das, was im Schauen erlebt wird, ist ein Bewusstsein des Bewusstseins, der menschliche Körper kann Anteil daran haben, es erleben, es ist aber unsterblich, daher braucht man keine Angst haben zu sterben. Es gibt da nichts, was sterben könnte. Wir sind nicht der menschliche Körper. Das Höchste, zu dem der Mensch fähig ist, ist die Anteilhabe an diesem Bewusstsein. Es ist ein Geschenk.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Befreiend, ein Gefühl von Ruhe, Stille, Natürlichkeit, Angekommensein. Vor dem Dialog hatte ich bereits ein Erwachenserlebnis, aber ich bin in die Ich-Illusion teilweise zurückgefallen. Mir ist heute folgender bildlicher Vergleich dafür gekommen: Mir war vor dem Dialog als wäre ich wieder eingeschlafen. Der Film Matrix eignet sich so schön für Veranschaulichungen, wahrscheinlich haben ihn Erwachte entworfen. Ich war in einem Zustand wie ein Neo, der in der von den Maschinen konstruierten Kapsel aufwacht ohne etwas sehen zu können aber weder abgekabelt, noch von Morpheus und Seinesgleichen abgeholt wird. Und dann langsam wieder einschläft und darüber sinniert, was die Erschaffer der Matrix treiben mögen, dass die Welt so beschaffen ist, wie er sie erfahren hat. Nach meinem Erwachen 2012 erlebte ich eine rasante Entwicklung, habe (es hat :-)) alles mit neuen Augen gelesen, gefühlt, "Ich" war nicht mehr und das, was ich wurde, war ein Raum, der bestand, ein Mysterium, aber die Wahrheit. Ich hatte den Drang zu verkünden, mich mitzuteilen, dachte ein Verschenken eines Buches von Tolle müsste Andere einfach zum Erwachen bewegen. Aber es ist viel schwerer als man denkt. Die Täuschung klebt wie eine Orangenhaut an der Orange, die Wahrheit ist so nah und die Helfer bemüht und man schafft den Schritt dennoch nicht. Ich habe als irgendein Subjekt auch nie einen Schritt ins Erwachen vollzogen, mir ist es passiert, heute, jetzt, kann ich in diesem Sein verweilen, das kein Subjekt benötigt und doch handelt, erlebt, fühlt. Es ist ein wundersames Sein, das Buddhas Lächeln so tief verständlich macht. Es ist nicht einmal ein Gefühl, auch wenn es mit Ekstase oft beschrieben wird, es ist Freiheit und eine Leere. Es gibt hier keine Inhalte in diesem erfahrenen Raum, das Sein ist der Inhalt und Herz und Bauch brodeln fröhlich vor sich hin :-).
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Früher die Beschäftigung mit spiritueller Literatur (über Bretz zu Tolle, Yogananda, Levine, Tart, Mooji, Babaji, Maharshi und einige wunderbare Lehrer mehr). In diesem Dialog die Hinweise, genau auf die Wahrnehmungen zu schauen. Was passiert genau? Wer sieht, was passiert beim Sehen? Dies führte zu mehr Achtsamkeit und dem Schauen. Die wunderbare Geduld des Gegenüber.
5) Gibt es irgendwelche Ereignisse im Leben, über die Du Kontrolle ausübst? Kannst Du über irgendetwas entscheiden, es beeinflussen oder herbeiführen? Gib ein paar konkrete Beispiele aus Deiner Erfahrung.
Nein, das Leben entfaltet sich. Kontrolle würde bedeuten selbst das Sein zu tragen. Es kann nur geschaut werden, das Handeln ergibt sich. Keine Kontrolle, es ist eine wichtige Lektion zu lernen, die Ereignisse anzunehmen. Diese Einsicht ergab sich für mich im Sein. Jeder Versuch einer Kontrolle ist das Etablieren einer inneren Instanz, die sich gegen das Leben sträubt, um abstrakte Konzepte zwanghaft im Äußeren abzubilden. Wir dürfen das Sein erfahren. Kontrolle implizierte einen Wünschenden, der gerade nur eine Abstraktion ist. Kontrolle ist die Illusion besitzen zu können.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Ich danke euch, dass ich in eurer Begleitung Illusionen lösen konnte und das Schauen mich wieder in seine Hände empfing. Ich sage "ihr", weil hinter der LU ein Team oder eine Gemeinschaft steht. Ich habe gelernt im Gespräch achtsamer zu sein (gerade mit den vielen ichs: ich, Ich, ICH), um Missverständnisse zu vermeiden. Ihr habt mich erneut ins Schauen gesetzt, das Sein in mir angeregt, dass sich dieses der Illusionen stellt um aufzuwachen. Ihr habt einen Spiegel an den Stellen vorgehalten, wo die Täuschung sich verbirgt. Ich danke aber auch ganz persönlich dir, lieber Joram, ich werde mich gerne an deine Hinweise erinnern und trage dich in meinem Herzen.
Da ich persönlich nie einem Erwachten begegnet bin, würde ich mich freuen, dich Joram oder Freunde aus dem LU-Team irgendwann zu treffen, ich werde mich ferner bei Matthias bedanken, der mich zu LU gelotst hat, damit es noch "einen kleinen Schubs" erhält. _()_ Sei Friede in euch und Güte und Herzlichkeit. In Stille, Ernesto.

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Thu May 22, 2014 10:59 am

Schön. Danke auch Dir. :-)

Danke für deine Antworten, es werden jetzt andere Guides sie lesen
und wenn noch Fragen kommen werden diese gepostet.
Dies kann ein Weilchen dauern

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