Aufwachen

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Klaus
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Aufwachen

Postby Klaus » Sun Feb 18, 2018 8:51 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Es bedeutet das Ende falscher Identifikationen und des daraus resultierenden Leids. Es ist die Voraussetzung handeln zu können und nicht bloß nur zu reagieren. Und es ist ein Einblick in den Sinn des Lebens.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Meine lange spirituelle Suche ( Beginn mit TM 1972, dann Aurobindo, besonders Ramana Maharshi und Lehre des Buddha) . Konkret ein Interview auf Youtube von Teresa Arrieta mit einem Tom. Dieser erwähnte Liberation Unleashed.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Der Tod meines Freundes und die schwere Erschütterung durch das hautnahe Erleben, hat eine Dringlichkeit für die Notwendigkeit des Aufwachens in mir ausgelöst, der ich nicht mehr ausweichen kann. Seit ich 18 Jahre war, habe ich spirituelle Interessen gehabt (bin nun 66), doch mit großen Unterbrechungen. Der Tod dieses mir sehr lieben Menschen war vor zweieinhalb Jahren der Wendepunkt und obwohl ich weiter arbeite - bin bildender Künstler- mit den Themen Vergänglichkeit/Tod/Sexualität/Sinn des Lebens muss ich wissen, "was los ist", warum man diese Welt ertragen soll und wie man das macht.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Einen offenen Gesprächspartner, der mir überlegen sein sollte im Hinblick auf das Aufwachen und der mich durch seine Fragen systematisch leitet. Ich muss wissen, was ich bin, um weiter leben zu können. Mein Ich macht mir das sehr schwer. Trauer/Sinnlosigkeit - das Leben war bislang ein fast ununterbrochener nahezu fruchtloser Kampf. Kurz gesagt: Ich bin äußerst unglücklich.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
10/10

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Glueckseligkeit
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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Sun Feb 18, 2018 11:31 pm

Hallo Klaus,


dann lass uns keine Zeit verlieren. Vergiss alle Strategien, Überlegungen, Überzeugungen zum "Erwachen" und ebenso den Glauben, dass es eine Systematik gibt, wie man erwacht. Wenn Du morgens aus dem Schlaf aufwachst, hast Du auch keine Technik verwendet, es ist einfach passiert. Und ein "Ich" oder ein "Denker" spielt dabei überhaupt keine Rolle.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
10/10

Hierzu eine weitere Frage: Wie stark ist Dein Antrieb, Dein Leben kontrollieren zu wollen (1-10)?
Der Tod meines Freundes und die schwere Erschütterung durch das hautnahe Erleben, hat eine Dringlichkeit für die Notwendigkeit des Aufwachens in mir ausgelöst, der ich nicht mehr ausweichen kann.

Was genau macht es "dringlich"? Sehnsüchte, Ängste, Misstrauen,...?
Liebe Grüße
Andreas

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Klaus
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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Mon Feb 19, 2018 11:22 am

Hallo Andreas,
erst Mal großen Dank, dass Du mir helfen willst!
Hierzu eine weitere Frage: Wie stark ist Dein Antrieb, Dein Leben kontrollieren zu wollen (1-10)?
Groß, mindestens 8 würde ich sagen.
Was genau macht es "dringlich"? Sehnsüchte, Ängste, Misstrauen,...?
Der Tod des geliebten Menschen hat alle "Fragen", die ich schon immer an unser Leben hatte, äußerst "virulent" gemacht.
Was ist der Sinn des Lebens, wenn wir sowieso sterben werden und alles wieder verlieren, wofür wir uns (auch erfoglos oft) abgemüht haben?
Die leidvolle Situation des Lebens, in der ich mich psychisch befinde seit Kindertagen, wurde mir durch das "Schicksal" dieses Menschen, der fast ausschließlich gelitten hat unter sehr schwerer Krankheit, so drastisch vor Augen geführt, dass alle Verdrängung, Beruhigung oder alles Aufschieben von Selbsterkenntnis nicht mehr geht. Ich habe richtig Angst und das Gefühl jeden Morgen nach dem Aufwachen, "ich kann nicht mehr". Ja, Sehnsucht, endlich zu mehr Selbsterkenntnis zu kommen, spielt wohl die größte Rolle. Ich verspreche mir davon einen anderen Umgang mit Leid und einem klaren Ziel für´s Leben.
Danke so far
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Mon Feb 19, 2018 2:52 pm

Hallo Klaus,

Deine Wahrnehmung, also das, was Du "für WAHR" hältst, kann ich sehr gut nachvollziehen.
(Wenn Du übrigens einen Text zitieren möchtest, dann markiere ihn einfach und klicke oben auf die Schaltfläche "Quote".)

Die leidvolle Situation des Lebens, in der ich mich psychisch befinde seit Kindertagen, wurde mir durch das "Schicksal" dieses Menschen, der fast ausschließlich gelitten hat unter sehr schwerer Krankheit, so drastisch vor Augen geführt, dass alle Verdrängung, Beruhigung oder alles Aufschieben von Selbsterkenntnis nicht mehr geht.

Wenn Du schreibst, dass Du seit Kindertagen das Leben als leidvoll wahr-nimmst, dann ist das eine sehr, sehr lange Zeit der Konditionierung. Mit zunehmendem Alter und durch entsprechende Erfahrungen, wie Leiden und Tod eines Freundes, wird der Leidensdruck ggf. immer größer. Alles wirkt möglicherweise immer verwirrender, vielleicht auch sinnloser. Diese Konditionierung ist eine Hypnose (hypnos = Schlaf). Du möchtest gerne aus diesem Schlaf erwachen, was verständlich ist.

Die ganzen Erfahrungen und Vorstellung erwecken natürlich den Eindruck als ob sie real wären. Aber wer oder was wärst Du, wenn Du in diesem Moment einen vollkommenen Gedächtnisverlust hättest? Was wäre nach einem Gedächtnisverlust - ohne die ganzen hartnäckigen Geschichten - noch da?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Mon Feb 19, 2018 4:28 pm

Hallo Andreas,
danke für das schnelle Antworten!
Was wäre nach einem Gedächtnisverlust - ohne die ganzen hartnäckigen Geschichten - noch da?
Wahrscheinlich wäre nur noch reine Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks da. Ein extrem ersehnter Zustand!Ich "weiß" ja, dass ich nichts weiß, aber trotzdem kursieren die Erinnerungen an die Vergangenheit (und über die gesamte Lebensspanne sind das im Endeffekt überwältigend bittere) in meinem Kopf und beherrschen das Lebensgefühl. Und das hat sich, wie Du zutreffend schreibst, richtig verfestigt. Dabei merke ich ja jeden Tag, wie Gefühle sich ständig ändern und es äußerst unklug wäre, den vor allem negativen, nachzugeben, oder sie überhaupt für "die Wahrheit" zu halten. Wahrscheinlich ist ziemlich alles davon hormongesteuert.
Das durchweg negative Lebensgefühl, das ich habe, wird eigentlich nur in Schach gehalten von künstlerischer Arbeit und Meditation, bzw. dem ständigen Wunsch, die Wirklichkeit zu erfahren oder wenigstens in die Richtung mich zu bewegen.
Irgendwie läuft es alles auf Erkenntnis hinaus, ob es nun ein Ich gibt oder nicht. Aber eins halte ich für ziemlich wahr: Das Denken, also Gedanken, kann man dabei vergessen. Der Zugang ist sicher nur frei von jeglichen Gedanken möglich. Ok., ich hör schon auf mit der Theorie.
Liebe Grüße
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Mon Feb 19, 2018 7:18 pm

Hallo Klaus,

Das durchweg negative Lebensgefühl, das ich habe, wird eigentlich nur in Schach gehalten von künstlerischer Arbeit und Meditation, bzw. dem ständigen Wunsch, die Wirklichkeit zu erfahren oder wenigstens in die Richtung mich zu bewegen.

Etwas in Dir betrachtet das "negative Lebensgefühl" als absolute Realität. Deshalb scheint eine Kraft notwendig zu sein, mit irgendwelchen Maßnahmen (künstlerische Arbeit, Meditation,...) das Ganze in Schach zu halten.

Wirst Du abends um 21 Uhr in den Supermarkt fahren, wenn Du absolut davon überzeugt bist, dass er bereits seit 20 Uhr geschlossen hat? Wirst Du etwas in Frage stellen, an das Du felsenfest glaubst? Das negative Lebensgefühl ist genauso zu einer Gewissheit geworden, wie die Gewissheit, dass der Supermarkt um 20 Uhr schließt.

Aber etwas in Dir beobachtet Beides: Die Gewissheit bzgl. des negativen Lebensgefühls UND den Kampf und die Maßnahmen dagegen. Diesen "Beobachter" suchen wir.

Vielleicht hast Du Lust, mal eine Selbsterforschung zu machen? Weg vom Kopfkino, direkt ins Erfahren? Wenn ja...

Suche Dir einen ruhigen Ort und einen ruhigen Moment.
Setze oder lege Dich hin, schließe die Augen und entspanne Dich.

Richte die ganze Aufmerksamkeit in einer entspannten Art und Weise auf die körperlichen Empfindungen.
Blende für die Dauer der Erforschung Gedanken, die das Erleben mit Begriffen versehen, einfach aus.

Gedanken mögen vielleicht sagen: "Ich liege/mein Körper liegt/der Körper liegt auf einem Sofa"

Sind diese Informationen in der reinen Empfindung zu finden?

Gedanken mögen vielleicht sagen: "Da ist ein angenehmer Druck an meinem Rücken".
Doch sagt reine Empfindung etwas über "Druck" oder "Rücken"?

Wenn die Aufmerksamkeit ganz auf der Empfindung ruht, betrachte bitte folgende Fragen:

Kann gewusst werden, wie groß der Körper ist?

Hat der Körper ein Gewicht, eine bestimmte Form?

Ist da eine Trennung zwischen dem Körper und der Kleidung?
Ist da eine Trennung zwischen dem Körper und dem Untergrund?
Ist da Kleidung? Ist da ein Untergrund?

Gibt es ein Innen? Gibt es ein Außen?
Wenn ja, Innen wovon genau, Außen wovon genau?

Wie viele Zehen hast Du?

Bitte beantworte die Fragen einzeln.
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Mon Feb 19, 2018 9:35 pm

Hallo Andreas,
Etwas in Dir betrachtet das "negative Lebensgefühl" als absolute Realität.
Ich betrachte das negative Lebensgefühl nicht als "absolute Realität". Es wird nur durch die sich über Jahrzehnte erfahrenen Frustrationen, vergeblichen Bemühungen und sich daher einstellendem Gefühl der Sinn-Ausweg-und Hoffnungslosigkeit immer wieder neu genährt. Es ist also eher eine SUBJEKTIVE als eine absolute Realität. An den Frusterlebnissen sowie vergeblichem Bemühen kann ich ja aufgrund meiner Beobachtung schlecht zweifeln. Ich verlasse mich aber vollkommen auf die Existenz einer sog. "absoluten Realität". Wahrscheinlich habe ich deswegen noch nicht "das Handtuch geworfen". "Wer redet hier eigentlich die ganze Zeit?" , geht es mir durch den Kopf.
Nun zu Deinen Fragen:
Kann gewusst werden, wie groß der Körper ist?
In etwa ja, so 2m eben, ich spüre das "Strömen" des Blutes im ganzen Körper, ein gewisses Körpergefühl dadurch.
Hat der Körper ein Gewicht, eine bestimmte Form?
Dass er nicht federleicht sein kann sondern einiges wiegt, spüre ich durch den Druck, den der Körper auf die Unterlage ausübt, eigentlich eher umgekehrt den Druck auf das Körpergewebe durch das Gewicht. Ich glaube, Du weißt, was ich meine. Die Form ist eher länger als breit, da das Gefühl in den Füßen weiter entfernt liegt als das in den Händen.
Ist da eine Trennung zwischen dem Körper und dem Untergrund?
Ja, durch den auf die Unterlage ausgeübten Druck.
Ist da Kleidung? Ist da ein Untergrund?
Kleidung ist da. Weil, wenn nackt z.B. ganz klar das Gefühl "keine Kleidung an". Untergrund ist auch da, weich.
Gibt es ein Innen? Gibt es ein Außen?
Gibt ein Innen, mit Temperaturgefühl, gibt ein Außen, auch mit -anderem- Temperaturgefühl.
Wenn ja, Innen wovon genau, Außen wovon genau?
Innen, da ist die Wärme (oder Kälte) im Körper, abgegrenzt vom Außen um den Körper herum.
Wie viele Zehen hast Du?
Kann die Anzahl nicht bestimmen.

Ich will noch mal sagen, wie "froh" ich bin, in Dir ein Gegenüber/Coach oder wie immer man es nennen mag, zu haben, wenn mir das "Experiment" von vorhin auch schon aus anderen Posts bekannt war. Dort allerdings mit total anderen Antworten.
Liebe Grüße
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Mon Feb 19, 2018 10:08 pm

Hallo Klaus,
"Wer redet hier eigentlich die ganze Zeit?" , geht es mir durch den Kopf.

Ja, wer redet hier eigentlich die ganze Zeit?

Das ist eine bedeutende Frage.

Wer redet hier die ganze Zeit? Halte einen Moment inne und negiere jedwede Antwort.
Wer redet hier? Spürst Du, wie automatisch eine Antwort kommen möchte? Lass die Frage offen. Für ein paar Minuten. Wer redet hier? Was passiert?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Mon Feb 19, 2018 10:46 pm

Hallo Andreas,
Wer redet hier?
Ich glaube, ich weiß, was Du meinst.
Ich kann (könnte) auch gar keine Antwort geben, wer der Redende ist. Es ist der Beobachter im Hintergrund , der Zeuge, und der ist ziemlich neutral, unparteiisch und man(?) kann ihm auch nichts vormachen. Eine Instanz sozusagen, ziemlich unangreifbar, was ich ja auch nie versuchen würde. Nun habe ich also doch eine Antwort gegeben, aber der Beobachter lacht sich vermutlich kaputt darüber. Also: In Wirklichkeit bin ich recht ahnungslos, wer hier redet. Andernfalls könnten wir uns das hier ja auch sparen. Ich nenne es mal das ICH. Aber wissen tu ich es nicht, ist nur so ein "Wunschgefühl".
Lieben Gruß
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Tue Feb 20, 2018 2:26 pm

Ich glaube, ich weiß, was Du meinst.
Ich kann (könnte) auch gar keine Antwort geben, wer der Redende ist. Es ist der Beobachter im Hintergrund , der Zeuge, und der ist ziemlich neutral, unparteiisch und man(?) kann ihm auch nichts vormachen.
Wer oder was beobachtet den "Beobachter im Hintergrund", den "neutralen, unparteiischen Zeugen"? Entsteht in diesem Moment ein neuer Beobachter und immer wieder ein neuer Beobachter? Wer sitzt ganz am Ende der "Kette"?

Ein Guide hat folgendes Video zum Thema Wahrnehmung gemacht. Schau es Dir mal an...
https://www.youtube.com/watch?v=YanLQwrzwaU
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Wed Feb 21, 2018 2:59 pm

Hallo Andreas,
Wer oder was beobachtet den "Beobachter im Hintergrund", den "neutralen, unparteiischen Zeugen"? Entsteht in diesem Moment ein neuer Beobachter und immer wieder ein neuer Beobachter? Wer sitzt ganz am Ende der "Kette"?
Ja, es ist ein Konstrukt, sich aufzuspalten in mehrere Unterichs, dennoch spricht die Sprache ja z.B. von "Ich beobachte meine Handlungen" oder "ich denke über mich nach". Immer sind es also mindestens 2 "Personen", die daran beteiligt sind.
Wo ist der Grund oder das Ende der "Kette", von der sich all diese Ichs ableiten? Und ohne den Grund (meine Annahme) gar nichts möglich wäre an Selbstbespiegelungen und Theateraufführung.
Aber etwas in Dir beobachtet Beides: Die Gewissheit bzgl. des negativen Lebensgefühls UND den Kampf und die Maßnahmen dagegen. Diesen "Beobachter" suchen wir.
(Das stammt aus einer vorvorigen Post von Dir)
Aber WER sucht denn dann den Beobachter? Er soll bitteschön doch mal das Steuer in die Hand nehmen und erscheinen.
Wo ist also die"letzte Instanz"? Das würde dann wohl im Aufwachen deutlich, aber nicht mehr dualistisch ich/mir/mein, sondern eben ohne Aufspaltung. Ich merke, ich theoretisiere schon wieder.
Hab das Video angeschaut mit den Wellen: Sicher, das Hören geschieht innen, nicht außen. Aber innen von was? Innerhalb der Körperhülle wohl. Oder nicht? Ich glaube, eher nicht. Denn was ist Körper denn für ein Gefäß? Sicher sich nicht selbst bewusst ohne die Sinneswahrnehmungen.
Ich bleibe ratlos aber natürlich weiter am Ball.
Liebe Grüße
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Wed Feb 21, 2018 11:35 pm

Aber WER sucht denn dann den Beobachter? Er soll bitteschön doch mal das Steuer in die Hand nehmen und erscheinen.

Was, wenn "er" das Steuer selbst wäre, immer präsent, immer untrennbar eins? Wahrnehmender und Wahrgenommenes eins?

Du schreibst, dass Du durch Meditation und künstlerische Aktivitäten die Balance zu einer bestehenden Dissonanz erreichst. Sinngemäß.

Kann es nicht sein, dass Du in der künstlerischen Aktivität oder der Meditation dieses "Einheitsgefühl" hast? Eins bist im Moment? Dann wäre es kein Gegenpol zu einer von Dir erlebten Dualität sondern einfach ungeteilte Präsenz? Das vielleicht "reale Sein"?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Thu Feb 22, 2018 12:16 am

Hallo Andreas,
Kann es nicht sein, dass Du in der künstlerischen Aktivität oder der Meditation dieses "Einheitsgefühl" hast? Eins bist im Moment? Dann wäre es kein Gegenpol zu einer von Dir erlebten Dualität sondern einfach ungeteilte Präsenz? Das vielleicht "reale Sein"?
Ja, es stimmt und ich hätte es sowieso nächstens geschrieben: Mir ist aufgefallen, dass ich, wenn ich meine "künstlerische" Arbeit mache, wirklich ohne das Denken auskomme und sogar dies als absolut störend und "unkreativ" erfahre, wenn es sich einmischt ins Tun. Ich weiß nicht, woher das kommt, dieses "richtige" Arbeiten ohne Nachdenken, einfach so, in großer Konzentration. (Da fällt mir der Bogenschütze im Zen ein, der ohne Gedanken, "schlafwandlerisch" ins Ziel trifft). Entweder ist das ein Überbewußtsein oder Unterbewußtsein, was da agiert. Ich versuche immer, in der Arbeit mich dem völlig zu überlassen und ich stimme zu, das "ist das Steuer", nichts anderes. Das ist fantastisch, dass es sowas gibt. Und in der Meditation sind es einfach die Momente, wenn es mal gelingt, für eine Zeit gedankenfrei zu sein.
Der Verstand will immer alles besser wissen, zweifelt fast alles an, gibt sich nie zufrieden, und hat doch nicht den geringsten Schimmer, worum´s geht, alle seine Kriterien sind steril und abgestanden. Wer sagt das jetzt?
Danke für Dein gutes Nachhaken!
Lieben Gruß
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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Thu Feb 22, 2018 12:25 pm

Eben, beim Arbeiten an einer Collage, fiel mir noch Folgendes dazu ein:
Ich glaube, bei jeder Tätigkeit, die hohe Aufmerksamkeit erfordert und die man gern macht, tritt dieser gedankenlose Zustand auf, den man nicht zwangsläufig bemerken muss. Es gibt ja aber etwa den Spruch: "Ich gehe darin auf". Das Aufgehen oder vorübergehende "Verschwinden" des Ichs zeigt also, dass es auch ohne, und zwar NUR ohne geht. (Das Denken allein ist nicht kreativ). Was bleibt "übrig", wenn das Ich "weg" ist zeitweise? Das Steuer. Und das Gefühl, es ist alles in Ordnung und richtig so, wie es ist. Auch mit den Schlachthäusern der Erde? Das weiß ich nicht genau, das ist doch nicht tolerierbar.
Ich habe vor etwa 40 Jahren unter LSD dies Einheitsgefühl erlebt, das Staunen für die Pflanzen, Mitgefühl für Menschen und Tiere. Aber eben nur geklaut für einige Stunden. Und das weiß man, selbst in dem Augenblick.
Vermutlich ist es noch schwerer, dieses Aufwachen zur wahren Natur nüchtern zu "erreichen", wenn man immer die abgestandenen wunderbaren Erlebnisse aus der Vergangenheit als Abgleich zum Jetzt hat.
Lieben Gruß
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Thu Feb 22, 2018 1:26 pm

Vermutlich ist es noch schwerer, dieses Aufwachen zur wahren Natur nüchtern zu "erreichen", wenn man immer die abgestandenen wunderbaren Erlebnisse aus der Vergangenheit als Abgleich zum Jetzt hat.

Das ist ein ganz entscheidener Punkt, den Du ansprichst. Und damit sprichst Du auch eine wesentliche Aktivität des Verstandes an: "Abgleich zum Jetzt". Der Verstand, das Ego oder wie auch immer Du den Denkmechanismus bezeichnen möchtest, ist nicht irgendein Bösewicht sondern lediglich eine Art Software, die ihr Programm herunterspult.

Als Kind warst Du wach, pures Wahrnehmen des Seins und Geschehens. Ähnliches erlebst Du, wenn Du in Deinem künstlerischen Handeln aufgehst. Es ist eigentlich kein Aufgehen sondern Einheit.
Die Erwachsenenwelt (konditionierte Kopfkinowelt) hat Dich dann mit viel Mühe in eine Traumwelt gezerrt und konditioniert. Und jetzt läuft dieses sehr wirklich wirkende Softwareprogramm unablässig und gleicht unentwegt Soll-Ist ab. Und das führt dazu, dass sich irgendwann die (virtuelle) Software aufhängt.
Es ist wie ständig im selben Karussell zu sitzen, das ganze Gelabere im Kopf kennt man zu genüge und man will aus dem Karussell endlich herauskommen.

Die Frage ist: Existiert das Karussell überhaupt? Davon gehst Du aus. Der "Denkapparat" hat eine unbeschreibliche Glaubwürdigkeit erlangt. Er generiert Wünsche, schafft den Abgleich, wie weit die Verwirklichung schon ist und dann hängen sich Unuzfriedenheitsgefühle dran. Genauso wie bei Deinem Wunsch, dieses ganze Kopfkino endlich loszuwerden, Ruhe zu haben und die Wirklichkeit zu erkennen. Aber selbst wenn Du die Wirklichkeit BIST, taucht das Kopfkino auf: "Hey, der LSD-Tripp war aber noch viel besser!"

Ungutes Gefühl triggert ungute Gedanken an, ungute Gedanken ungute Gefühle. Und etwas ist da, das all dem mit seinem Glauben daran die Lebensenergie zur Verfügung stellt. Du gehst davon aus, dass Dein Leben im Vergleich zu dem riesen Anspruch, den Dein Verstand produziert, total übel, ein ständiger Kampf usw. ist. Du erlebst das auch so. Aber was passiert, wenn alles zu künstlerischem Handeln wird? Wenn Gedanken, auch schlechte, kommen und gehen und sie keiner mehr ernst nimmt, sie keine Bedeutung mehr für den Wahrnehmenden mehr haben? Wer ist der Herr im Ring? Der, der Bedeutung schenkt oder das Ereignis?
Liebe Grüße
Andreas


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