Stille

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maureena
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Stille

Postby maureena » Mon Sep 11, 2017 6:14 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Es bedeutet für mich, dass Stille einziehen kann. Stille statt "Ich-Geschichten". Diese Stille ist von Gedanken unbeeinflusst. Gedanken kommen und gehen, finden nichts, wo sie sich anheften können. So kann dann nichts mehr bewertet werden; alles darf so sein wie es ist.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Da ist ein großer Wunsch nach Stille. Eine Stille, die nicht nur in den Momenten der Meditation spürbar ist, sondern die dauerhaft, bleibend ist. Ein Wunsch, alles loslassen zu können, was mich am Fluss des Lebens behindert. Dieses "Ich", was sich im Laufe meines Lebens herausgearbeitet hat und was wie ein Filter meine Wahrnehmung beeinflusst und bewertet, verschwinden lassen.
Ich habe von dem LU-Netzwerk erzählt bekommen. Und nun fühle ich mich bereit, auf Entdeckungstour zu gehen. Um zu erfahren, dass es dieses "Ich" nicht gibt.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Die Lehre der Nicht-Dualität hat vor einigen Jahren bei mir große Resonanz ausgelöst. Zuvor war ich diffus und intuitiv auf der Suche nach Wahrheit und Wirklichkeit. So suchte ich Antworten in der Natur, in der christlichen Spiritualität, in der Anthroposophie. Es gab immer "Wohlfühl-Momente", aber nichts Bleibendes. Die Lehre der Nicht-Dualität als eine eigentlich ganz einfache Lehre über das Wesen der Wirklichkeit hat meiner Suche eine neue Richtung gegeben. Eigentlich scheint ja alles ganz einfach zu sein - ich verstehe es intellektuell, habe selbst aber noch nicht die Erfahrung gemacht, dass es so einfach ist.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Durch das Gespräch erhoffe ich zu erfahren, dass es dieses "Ich", das ich schon so lange kenne, gar nicht gibt. Dass es kein komplexes System von Konditionierungen gibt, dass da nichts ist, was mich bindet. Es wäre schön, könnte ich eines Tages dieses "Ich" durch "Stille" und "Frei-Sein" ersetzen.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Joram
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Re: Stille

Postby Joram » Mon Sep 11, 2017 8:01 pm

Hi :-)
Durch das Gespräch erhoffe ich zu erfahren, dass es dieses "Ich", das ich schon so lange kenne, gar nicht gibt.
was macht das "ich" zu etwas reales?
Zeig mir was das "ich" ist.

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maureena
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Re: Stille

Postby maureena » Mon Sep 11, 2017 9:05 pm

Ich habe den Eindruck, dass dieses „Ich“ eine Art Grundstruktur in mir ist. Wie eine Art Matrix. Diese Matrix umfasst all das, was ich bewusst und unbewusst erlebt habe. Auf sie kann ich quasi zugreifen, um nicht immer wieder von vorne anzufangen. So muss ich mir nicht jeden Tag die Frage stellen, wer meine Eltern, Freunde, Nachbarn sind. Wo ich arbeite. Was ich gerne mag. Was ich nicht gerne mag. Das „Ich“ ist wie ein Tonband, das alles aufzeichnet. Und das ich abspielen kann. Das sich aber leider auch ungefragt abspielen kann.
Mein tagtägliches Handeln erlebe ich als real. Entscheidungen, die ich treffe, erlebe ich als real. Es scheinen stets Intentionen dahinter zu sein. Und diese Intentionen scheinen im Zusammenhang mit dem „Ich“ zu stehen. Aber ob ich deswegen sagen kann, dass das „Ich“ real ist? Wohl eher nicht… Diese von mir beschriebene Grundstruktur bzw. Matrix existiert ja nur als Gedankenkonstrukt. Und ist von daher eher flüchtig als real.

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Joram
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Re: Stille

Postby Joram » Mon Sep 11, 2017 9:18 pm

Ich habe den Eindruck, dass dieses „Ich“ eine Art Grundstruktur in mir ist.
Das „mir“ sieht das „Ich“?
Gibt es also zwei „Ichs“?

Aber ob ich deswegen sagen kann, dass das „Ich“ real ist? Wohl eher nicht… Diese von mir beschriebene Grundstruktur bzw. Matrix existiert ja nur als Gedankenkonstrukt. Und ist von daher eher flüchtig als real.
Und woher die Macht des „Ichs“ wenn es etwas Unreales und flüchtig ist?
Wozu so viel Energie investieren um den „Ich- Gedankenkonstrukt“ los zu werden?

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maureena
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Re: Stille

Postby maureena » Mon Sep 11, 2017 9:59 pm

Lieber Joram,
erstmal noch vielen Dank, dass du mich begleitest!---

Nein, das Ich kann sich nicht selbst zum Gegenstand der Betrachtung machen. Das funktioniert nicht. Dann würde es sich ja spalten, trennen.
Wer nimmt denn dann die Gedanken wahr? Wer kann sich erinnern? Erinnerte Bilder, da sehe ich mich. Ich sehe sie und denke sie dann auch. Es kommen bekannte Gedanken. Ich denke sie, aber wo waren sie vorher, als ich sie noch nicht gedacht habe? Wo waren sie z.B. gestern? Ich habe sie ja schon einmal gedacht, sie sind mir vertraut.
Also befinden sie sich wohl in einer Art Pool. Im Verstand. Der bewahrt alles auf. Vielleicht verknüpfe ich besser den Verstand mit dem Tonbandgerät.

Und es ist wohl der Verstand, der dafür sorgt, dass das Ich als real erlebt wird. Der Verstand scheint manchmal richtig zu kämpfen, um seine Macht zu demonstrieren. Um mir mitzuteilen, was ich bin und was ich nicht bin. Der ist sehr hartnäckig. Der will, dass ich das alles glaube.
Ja, dem würde ich gerne die Macht entziehen!

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Joram
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Re: Stille

Postby Joram » Tue Sep 12, 2017 7:39 am

Normalerweise suche ich nur ein Punkt oder zwei, hier sind sie aber alle perfekt. Such dir was aus und gehe in die Tiefe. Schau das genau an, kontempliere:

„Betrachtung“: – Bedarf „Betrachtung“ ein „Betrachtender“?

„Wer nimmt denn dann die Gedanken wahr?“: - Bedarf „Denken“ ein „Denkender“?

„Erinnerte Bilder, da sehe ich mich.“: - Bedarf „Erinnerungsprozess“ ein „Erinnernder“?

„da sehe ich mich.“: - Stell dir ein Einhorn vor – siehst du den Einhorn? Gibt es das Einhorn wirklich, oder ist es nur eine Fantasie? ;-)
Und „Ich sehe mich“, ist es mehr als Fantasie/Täuschung?

„Ja, dem [Verstand] würde ich gerne die Macht entziehen!“ – Was gibt dem Verstand Macht?


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Re: Stille

Postby maureena » Tue Sep 12, 2017 7:53 pm

Nein. Das Denken braucht keinen Denkenden. Die Gedanken scheinen zu kommen und zu gehen.
Das Betrachten bedarf keinen Betrachtenden. Das Betrachten geschieht. Reine Betrachtung ist reine Wahrnehmung. Ohne Interpretation. Ein Kind, gerade ein paar Monate alt, weiß nicht, dass das runde Ding in seinen Händen ein Greifring ist. Es weiß nicht, dass dieses Holzding mit vier Beinen ein Tisch ist. Da ist reine Wahrnehmung. Später dann kommt das Wissen. Und was passiert dann?
Wenn ich vor einem leeren Teller sitze, kann ich Form, Farbe, Oberfläche usw. betrachten. Ohne Intention. Ohne Interpretation. Doch dann kommen Gedanken dazu, kommen sie einfach so? „Das ist ein Teller.“ „Der ist zerbrechlich.“ „Er ist von Nutzen für….“ Was passiert denn da? Woher kommen die ganzen Gedanken? Dieses „erworbene Wissen“? Ist das „Betrachten“ eines Gedankens ähnlich wie das Betrachten eines Baumes? Ist beides einfach nur Wahrnehmung?
Und noch ein Wort zum Verstand: Der gibt sich selbst die Macht! Manchmal habe ich den Eindruck, er läuft wie eine Geldmaschine und spuckt einen Gedanken nach dem anderen aus. Und die Energie, die ihn laufen lässt, treibt ihn selbst wieder an.

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Re: Stille

Postby Joram » Tue Sep 12, 2017 8:06 pm

Und noch ein Wort zum Verstand: Der gibt sich selbst die Macht!
Gib mir ein Beispiel wie der Verstand sich selber die Macht gibt.
Ist es wirklich der Verstand?

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Re: Stille

Postby maureena » Tue Sep 12, 2017 9:05 pm

Nein, ich kann dir wohl kein Beispiel geben. Denn manche Gedanken, die ich wahrnehme, wie z.B. „destruktive Glaubenssätze“, haben je nach Situation eine andere Wirkung auf mich. So können sie mich manchmal aus der Bahn werfen, mich dagegen manchmal gar nicht berühren. Obwohl es die gleichen Gedanken sind. Somit hat das, was der Verstand so plappert, eine unterschiedliche Wirkung auf mich. Er arbeitet vielleicht tagtäglich so vor sich hin, verurteilt dieses, kritisiert jenes. Ich weiß nur nicht, warum die Gedanken so unterschiedlich wirken können. Als ob sie sich manchmal festsaugen / festsetzen können. Dann braucht es einen Moment, bis sie sich wieder lösen.
Vielleicht ist der Verstand „unschuldig“, macht nur seinen Job. Sucht Aufmerksamkeit. Versucht permanent wahrgenommen zu werden. Will sich in den Vordergrund stellen und gesehen werden. Aber ob er das schafft, steht nicht in seiner Macht.

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Re: Stille

Postby Joram » Tue Sep 12, 2017 9:22 pm

Was brauchen „destruktive Glaubenssätze“, damit sie Macht haben? Was gibt denen Kraft?

„Vielleicht ist der Verstand „unschuldig“…“ Gibt es eine Instanz die „Verstand“ heißt? Wo ist sie zu finden?

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Re: Stille

Postby maureena » Wed Sep 13, 2017 8:11 am

Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was den destruktiven Gedankenstrukturen Macht gibt, woher sie die Kraft nehmen. Immer wieder kommt das „Ich“ ins Spiel. „Ich“ glaube den Gedanken, spreche ihnen eine Wahrheit zu. Dadurch werden sie mächtig und groß. „Ich“ halte sie quasi fest. Und wenn ich das weiterdenke, wird ein großes Buch aufgeschlagen. Das Buch der eigenen Geschichte. So gibt es „gewohnte Gedanken“, die scheinbar dazugehören. Bekannte Gedanken gaukeln irgendeine Kontinuität vor. Scheinen es leichter zu haben, sich festzusetzen. Sie gehören dazu und „formen das Ich“.
Letztendlich merke ich aber auch, dass das alles wiederum Gedanken sind. So begründet ein Gedanke den nächsten. Und so weiter. Wie eine Spirale. Ein Konzept, in dem ich fest drin stecke. Wo ist der Ausgang?
Und so scheint der Verstand auch nur ein Gedankenkonstrukt zu sein. Er existiert nicht wirklich, denn ich finde ihn nicht. Ich denke ihn.
Das ist schon alles sehr verwirrend.

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Re: Stille

Postby Joram » Wed Sep 13, 2017 8:24 am

Dafür dass es „sehr verwirrend“ ist, hast du es sehr gut beschrieben ;-)
Es hat, wie du sagtest, mit „Glauben“ zu tun. Mit „Identifikation“.
Denn wenn ein Gedanke „richtig“ ist, so muss passend gehandelt werden…
Wenn ein Gedanke aber „nur ein Gedanke“ ist, vielleicht stimmig, vielleicht aber auch nicht – dann kommt etwas mehr Ruhe in der Geschichte und es muss nicht unbedingt gehandelt werden…

Nur: WER DENKT?

Suche den der denkt – was passiert dann, wenn du suchst?

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Re: Stille

Postby maureena » Wed Sep 13, 2017 7:51 pm

Ich suche die Denkende - und sehe bzw. beobachte ein Meer von Gedanken. Die blubbern und plätschern so vor sich hin… sehr chaotisch. Eine Denkerin sehe ich aber nicht. Und frage mich, wo diese ganzen Gedanken eigentlich herkommen, wenn es doch niemanden gibt, der sie denkt, der sie anstößt…
Gedanken anstoßen. Ein gängiger Ausdruck. Das heißt ja, dass ich einen Gedanken, den ich vorher noch nicht hatte, anstoße. Oder jemand anders stößt ihn an. Ein Stoß bringt etwas in Bewegung. Das was angestoßen wird, muss ja schon da sein. Durch den Stoß kommt ein vielleicht neuer Gedanke zu mir. Ich denke den neuen Gedanken also nicht selbst, sondern er wird angestoßen. Er bewegt sich, „kommt zu mir“. Er war also schon da. Wo auch immer. Und dann nehme ich ihn wahr. So bewegen sich vielleicht viele Gedanken umher, stoßen sich mal in die eine, mal in die andere Richtung und werden zwischendrin wahrgenommen. Also ein Meer von Gedanken, die darauf warten, wahrgenommen zu werden.

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Re: Stille

Postby Joram » Wed Sep 13, 2017 8:13 pm

Ich suche die Denkende
Suche die, die die Denkende sucht.

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Re: Stille

Postby maureena » Wed Sep 13, 2017 9:28 pm

Ich nehme nur Gedanken wahr. Unzählige Gedanken. Und dann kommen irgendwie Widerstände; das „Ich“ - in diesem Fall also die Suchende“ - muss doch gefunden werden! Manchmal ist es für Momente ganz ruhig. Dann tauchen plötzlich über Körperempfindungen wieder Gedanken auf. Habe den Eindruck, dass „etwas“ hinter meinen Augen sitzt. Der Gedanke „da ist das Ich“ taucht auf. Ein nächster Gedanke „So ein Quatsch“. Ich versuche wahrzunehmen, was hinter den Augen ist. Nichts. Dennoch gibt es da gefühlt eine Verdichtung. Und die vielen Gedanken nehme ich wie eine Art Mauer gegen die Stille wahr.


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