Ende der Suche

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Ryodo
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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Sun Feb 01, 2026 5:04 pm

Hallo Elea,
leider muss ich berichten, dass meine Erkenntnisse keine nachhaltigen Auswirkungen gehabt haben - es schreibt dir immer noch der alte Andreas, der aus seinen Augen auf die Welt schaut, mit seinen Ohren die Geräusche der Welt hört und gefühlt in dem Kopf dahinter wohnt, als ein Ich, dass die Dinge da draußen wahrnimmt.
Wie es aussieht, komme ich so nicht weiter.
Ich danke dir für all die Geduld und deine Unterstützung, ich fühle mich jetzt allerdings eher hoffnungslos. Keine Befreiung in Sicht. Vielleicht ist mein Leben zur Zeit aber auch zu bewegt und lässt keinen Raum, wirklich loszulassen.
Wie auch immer, nochmals vielen Dank und liebe Grüße
Andreas

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You
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Re: Ende der Suche

Postby You » Mon Feb 02, 2026 3:04 am

Lieber Andreas,

ich danke dir für deinen Bericht. Ich spüre die Hoffnungslosigkeit, die aus ihm spricht.

Doch Hoffnungslosigkeit wird vor allem von Gedanken gespeist, und Gedankeninhalte sind nicht real.
Es scheint mir, dass sie auch von einer unrealistischen Erwartung mitgetragen wird. Die Ich-Illusion als solche durchschaut zu haben, bedeutet nämlich nicht, sich nie mehr als ein Ich zu empfinden. Dieses Gefühl, das du beschreibst, ein separates Ich zu sein, ist eben genau das: ein Gefühl - wir könnten es das „Ich-Gefühl“ nennen. Der entscheidende Punkt ist nicht, dass dieses Gefühl nie wieder auftritt, sondern es bei genauem Hinsehen als Illusion erkannt werden kann.

Es ist wie mit einer Fata Morgana in der Wüste. Wenn du aus eigener Erfahrung erkannt hast, dass ein solches Phänomen eine Illusion ist, wird dies nicht zur Folge haben, dass du nie wieder eine Fata Morgana siehst, sondern nur, dass wenn du eine siehst, sie als Illusion erkennst und nicht mehr glaubst, dass am Horizont eine Oase sein muss.

Hier noch ein zweiter Vergleich aus eigener Erfahrung: In Sichtweite des Parks, in dem ich immer gegen Abend spazieren gehe, gibt es ein Logo eines Geschäfts. Es befindet sich auf einem runden, weiß leuchtenden Hintergrund, hoch oben auf einem Pfahl. Wenn ich es nur aus dem Augenwinkel erhasche, glaube ich jedes Mal, es wäre der Vollmond! Dass das immer noch passiert, obwohl ich es so oft schon gesehen habe, heißt weder, dass es der Mond ist, noch, dass ich an dem Glauben festhalte, dass es der Mond sei, wenn ich es dann direkt ins Auge fasse.

Mit dem Ich-Gefühl ist es genauso. Es ist wie die Fata Morgana, oder diese runde, weiß leuchtende Form hinter dem Park. Alle diese Phänomene tauchen weiterhin auf, und für einen Moment denken wir „Oase!“, „Vollmond!“, oder eben „Ich!“, und wenn wir dann genau hinschauen, wird klar: „Oh, doch nicht!“

Für viele Menschen ist dieses „Oh, doch nicht!“ ein stilles Erkennen, das selten so dramatisch ist, wie manche Erwachensberichte erwarten lassen. Außerdem ist das Erkennen, dass in der direkten Erfahrung kein getrenntes Ich zu finden ist, nur der Anfang der Befreiung, nicht das Ende. Das buddhistische „Modell der zehn Fesseln“ („fetter model“ auf Englisch) differenziert zehn verschiedene Schichten der Identifikation als eine getrennte Entität. Hier in LU arbeiten wir mit den ersten ein bis drei Fesseln. Die zweite Fessel ist übrigens „Zweifel“. Dass Zweifel nach dem Sehen auftauchen, kommt vor und bedeutet nicht, dass nicht wirklich klar gesehen wurde. Und das Gefühl, als ein Subjekt einer Welt von Objekten gegenüberzustehen, bleibt sogar bestehen, bis die sechste Fessel gelöst ist.

Falls du englischsprachige Videos schaust, kann ich dir den YouTube-Kanal „The Awakening Curriculum“ empfehlen, der extrem detailliert und strukturiert durch alle zehn Fesseln führt.
https://youtube.com/@theawakeningcurric ... A5r6AO2L3v

Ich habe natürlich vollstes Verständnis dafür, wenn du die Untersuchung erst einmal ruhen lassen möchtest.

Falls ich es allerdings geschafft haben sollte, dir mit dem, was ich geschrieben habe, wieder Mut zu machen, wäre es mir eine Freude, dich weiter hier zu begleiten und als Nächstes mit dir dieses Ich-Gefühl zu untersuchen, sodass du es genau erkennst, wenn es auftaucht, und bei genauem Hinsehen immer wieder sagen kannst: „Oh, doch nicht!“

So oder so, egal ob jetzt oder später, wann immer es für dich stimmig ist, bist du herzlich willkommen, dich hier bei mir zu melden.

Mit vielen lieben Grüßen
Elea


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