Stille

User avatar
Joram
Posts: 3306
Joined: Fri Mar 21, 2014 6:19 pm

Re: Stille

Postby Joram » Mon Oct 02, 2017 6:12 am

Es ist alles in jedem Moment da, es gibt da keine wirkliche Sucherin und kein „Ich“, das irgendetwas vermissen könnte. Dennoch sind die Gedanken, die genau das Gegenteil erzählen, sehr hartnäckig und aufdringlich. Ihnen wird oft geglaubt. Viellicht in „unbewussten“ Momenten? Es bedarf viel Konzentration, mich immer wieder „frei“ von diesen Gedanken zu machen.
Lass die Gedanken zu, überhaupt kein Wiederstand aufkommen lassen. Beobachte die Gedanken. Nur beobachten.
Was geschieht?

_()_

Ps. Viel Spaß im Urlaub :-)
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?

User avatar
maureena
Posts: 93
Joined: Mon Sep 11, 2017 6:11 pm

Re: Stille

Postby maureena » Mon Oct 09, 2017 12:28 pm

Ich bin am Meer, und es gibt hier viel Ruhe und Zeit. Und es gibt Momente, wo nur wahrgenommen wird. Dann gibt es nur das Rauschen des Meeres, dann gibt es nur den Wind - eine irgendwie unmittelbare Wahrnehmung ohne Instanz. Für Momente bin ich dann das Meer, die Wellen, der Wind. Und dann kommen Gedanken wie Wellen, sie scheinen auch wahrgenommen werden zu wollen. Und es ist interessant, wie die Beschäftigung mit den Gedanken dann eine Trennung hervorruft: Dann gibt es plötzlich wieder diese abgegrenzte Einheit „maureena“ - hier maureena, dort das Meer. Der innere Dialog, das Aufspringen auf Gedanken lässt scheinbar eine ganz eigene, innere Welt entstehen. Das ist dann „meine“ Welt, „mein“ Innenleben. Ich tauche ab in Geschichten, alles andere läuft dann außen weiter, ohne dass es wirklich wahrgenommen wird. Wenn das dann bemerkt wird, kommt es zu einer Korrektur, und es wird dann auf einen Gedanken, der „erfolgsversprechender“ ist, aufgesprungen: „Konzentriere dich auf die reine Wahrnehmung dessen, was mit den Sinnen wahrgenommen werden kann!“ So lösen sich Gedanken und Handlungen immer wieder ab und es fällt nicht leicht, einfach nur zu beobachten; ohne dass auf einen Gedanken aufgesprungen wird zu beobachten.
Entsprechend habe ich derzeit auch das Gefühl, dass nicht viel passiert. Der Gedanke „Es passiert nicht viel“ löst immer noch Frust-Gedanken aus. Und dann auch manchmal Frust-Gefühle. Dann versuche ich den Frust anzuschauen, zu finden, zu verstehen - doch ich finde nichts außer einem großen „Ich will“. Und auch dieses „Ich will“ kippt bei näherer Betrachtung, hat keine Substanz. Es verschwindet - bis es später wieder auftaucht.
So übe ich weiter und versuche, die Gedanken so wahrzunehmen wie das Meer. Einfach staunend wahrnehmen, ohne dass irgendetwas passieren muss. Während ich das schreibe, taucht der Gedanke auf, dass das ja alles ganz anstrengend ist. Warum? Weil ich „gelernt“ habe, dass das Leben anstrengend ist? Interessant, dass Konditionierungen sich wirklich überall einmischen müssen.——….Ich hoffe, dass das Rad irgendwann zerbricht….

User avatar
Joram
Posts: 3306
Joined: Fri Mar 21, 2014 6:19 pm

Re: Stille

Postby Joram » Mon Oct 09, 2017 2:45 pm

Schön :-)

doch ich finde nichts außer einem großen „Ich will“. Und auch dieses „Ich will“ kippt bei näherer Betrachtung, hat keine Substanz. Es verschwindet - bis es später wieder auftaucht.
„Wollen“ und „Ich“ haben viel miteinander zu tun…
Was passiert wenn das „Wollen“ still ist? Ist da ein „Ich“ zu finden?

_()_
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?

User avatar
maureena
Posts: 93
Joined: Mon Sep 11, 2017 6:11 pm

Re: Stille

Postby maureena » Wed Oct 11, 2017 12:56 pm

Gestern musste ich erstmalig richtig über dieses „Wollen“ lachen. Mir ist so richtig bewusst geworden, dass dieses „Wollen“ wie ein Motor funktioniert. Ich sah die vielen schönen und attraktiven Gefühle, die „ich will“, die ich mir wünsche, und die vielen unerwünschten Gefühle, die „ich nicht will“. Als ob jemals die unerwünschten Gefühle verschwinden würden! Warum sollten sie? Die Vorstellung, nur einen Teil dessen, was passiert, anzunehmen und den anderen Teil nicht zu wollen und „dagegen zu kämpfen“, weil etwas anderes gewollt wird, war wirklich sehr amüsant! Soviel Energieverschwendung!
In Situationen, in denen ich einfach so mitfließen kann, ist das „Wollen“ still. Entweder weil es Befriedigung erlebt oder weil es nicht auftaucht. Wenn mir etwas nicht passt, wenn ich Widerstände in einer Situation wahrnehme, dann wird etwas anderes gewollt. Das „Wollen“ wird laut, es taucht ein Ich auf und lässt mich aus der Situation irgendwie herausfallen.
Über das „Wollen“ sehe ich mich als abgetrennte Einheit. Das „Wollen“ füttert das „Ich“. Wenn es ruhig ist, kann einfach das passieren, was passiert. Es werden dann keine Widerstände wahrgenommen, die Sinneswahrnehmungen werden intensiver, es darf dann alles so sein. Für kurze Zeit ein Mitfließen, ohne dass auftauchenden Gedanken viel Beachtung geschenkt wird.

User avatar
Joram
Posts: 3306
Joined: Fri Mar 21, 2014 6:19 pm

Re: Stille

Postby Joram » Wed Oct 11, 2017 1:12 pm

Super.
Richtig gut erkannt :-)

Was passiert wenn das „Wollen“ still ist – ist da ein „ich“ zu finden?
Schau ganz leise hin, wenn es still ist...

_()_
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?

User avatar
maureena
Posts: 93
Joined: Mon Sep 11, 2017 6:11 pm

Re: Stille

Postby maureena » Sun Oct 15, 2017 12:31 pm

Ich finde kein "Ich" ohne "Wollen".....
Gestern war ich auf einem Wochenmarkt am Gemüse-Verkaufen. Es gab viel zu tun; es gab oft keine Zeit zum Verfolgen von Gedanken. Die Arbeit wurde gemacht - es passierte einfach, ohne dass überlegt werden musste. Es gab kein "Wollen", kein Entscheiden, kein "Ich". Alles passierte einfach, das Einpacken der Waren, das Wiegen, das Rechnen, das Reden mit den KundInnen, usw.... Scheinbar nur Handlung ohne eine Instanz, die irgendetwas bestimmen würde.
Erst in Momenten, wo Gedanken wahrgenommen und angeschaut wurden, entstand ein "Ich" durch "etwas anderes wollen".
"Ich will den Kunden da hinten nicht bedienen!"
"Ich will nicht so viel Reden!"
"Ich will Ruhe!" usw.
Vielleicht waren diese Gedanken vorher auch schon da, nur wurde ihnen dann keine Beachtung geschenkt. Erst das Wahrnehmen dieser Gedanken und das Identifizieren mit ihnen ließ ein "Ich" entstehen, das alles kommentierte und vieles anstrengend fand. Und diese Identifizierung mit den Gedanken, etwas anderes zu wollen als das, was gerade passiert, führte dann zu Körperempfindungen wie Müdigkeit und Erschöpfung. Was natürlich nochmals mehr dafür sorgte, die "anstrengende Situation" verlassen zu wollen....
Enorm, wie eine Art "flow" angehalten, gebremst und verhindert werden kann.

User avatar
Joram
Posts: 3306
Joined: Fri Mar 21, 2014 6:19 pm

Re: Stille

Postby Joram » Sun Oct 15, 2017 3:45 pm

Wenn „Wollen“ da ist – ist auch ein „Ich“ da?

_()_
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?

User avatar
maureena
Posts: 93
Joined: Mon Sep 11, 2017 6:11 pm

Re: Stille

Postby maureena » Sun Oct 15, 2017 8:25 pm

Es gibt keine Ich-Instanz. Es findet nur immer wieder Identifizierung mit "Ich-Gedanken" statt. Und der Gedanke, dass etwas gewollt wird, scheint besonders attraktiv zu sein.
Ich lese immer wieder andere Dialoge im Forum. Heute las ich bei jemandem das Durchschauen der Ich-Illusion. "Das will ich auch erreichen!" - schoss es mir durch den Kopf. Und dann sah ich, wie dieser Gedanke etwas vorgaukelt. Und auch eine Trennung impliziert. Er gaukelt einen Weg vor, den es gar nicht gibt. Denn ist alles bereits da. Da ist nichts getrennt. Die Gedanken / der Verstand spielt nur etwas vor - als ob es etwas zu erreichen gäbe. Zudem kann das "Ich" ja auch gar nichts erreichen - da es nicht existiert.
Und dann sah ich auch, dass das Bild der Gedanken-Mauer ein Bild ist, das nicht mehr stimmt. Letztendlich ist es nur ein Bild / ein Gedanke, der eine Trennung impliziert. Da werden "schöne" Bilder benutzt, um einen gefühlten Zustand zu beschreiben - und dabei wird immer eine Trennung "hochgehalten".
Da scheint eine Riesen- Maschinerie am Werk zu sein, um immer wieder offensichtlich oder subtil ein Getrennt-Sein zu verdeutlichen. Und gleichzeitig fungiert es wie ein Köder - "hier entlang"....
Wer schreibt das denn nun alles? Wer oder was ordnet und sortiert die Gedanken? Der Verstand? Wer oder was führt diesen Dialog? Passiert es einfach so? Ist es das "gleiche Passieren" wie z.B. das Ausführen des Handlungsimpulses, das Fenster zu schließen?

User avatar
Joram
Posts: 3306
Joined: Fri Mar 21, 2014 6:19 pm

Re: Stille

Postby Joram » Sun Oct 15, 2017 8:51 pm

Wer schreibt das denn nun alles? Wer oder was ordnet und sortiert die Gedanken?
Was ist die Antwort?
Die Antwort aus dem Erleben.

_()_
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?

User avatar
maureena
Posts: 93
Joined: Mon Sep 11, 2017 6:11 pm

Re: Stille

Postby maureena » Sun Oct 15, 2017 9:54 pm

Nun soll dem Joram geschrieben werden. Alle Gedanken, die wahrgenommen werden, könnten nun wie in eine Art Brainstorming aufgeschrieben werden. Es wäre wahrscheinlich sehr wirr und durcheinander. Die Gedanken würden quasi unmittelbar durch die Hände getippt werden.
So soll dem Joram aber nicht geschrieben werden. Der Wunsch, relativ klar zu schreiben, ist ein Gedanke, der umgesetzt werden soll. So werden dann Gedanken gesucht und gefunden, die es wert sind, formuliert zu werden. Es findet eine Selektion statt. Die Hand tippt. Immer wieder innehalten und spüren, ob das Geschriebene stimmt.
Da ist eine Steuerungsinstanz. Aber wer hält inne und spürt?
In den Momenten des Innehaltens werden Gedanken angeschaut. Wie ein Warten auf den richtig Gedanken. Scheint dieser da zu sein, gibt es den Handlungsimpuls "Schreiben ". Dann wird geschrieben. Dann hört die Hand plötzlich auf und warte auf einen neuen Gedanken / einen neuen Handlungsimpuls.
Ganz viele Impulse, die einfach stattfinden.
Das Schreiben passiert einfach, ja.
Es wird geschrieben, nachdem der Gedanke da war, etwas schreiben zu wollen. Welche Gedanken formuliert werden, wird irgendwie geregelt / gesteuert. Es geschieht mit Hilfe einer steuernden Instanz. Aber sie kann nicht wirklich gesehen werden. Als ob es auch nur ein Gedanke ist. Aber das weiß ich nicht, das ist mir irgendwie noch unklar.

User avatar
Joram
Posts: 3306
Joined: Fri Mar 21, 2014 6:19 pm

Re: Stille

Postby Joram » Mon Oct 16, 2017 5:51 am

Wer schreibt das denn nun alles? Wer oder was ordnet und sortiert die Gedanken?

Aus was ist diese Frage „gemacht“? Ist diese Frage „Realität/echt“, ist die mehr als ein Gedanke?
Was für Instanz erkennt die Fragen und Gedanken? Was für Instanz nimmt die wahr?
Was macht diese Instanz aus?

Es reicht wenn du nur diese Frage beantwortest:
Was kannst du über die Instanz die die Gedanken und Fragen erkennt sagen?

_()_
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?

User avatar
maureena
Posts: 93
Joined: Mon Sep 11, 2017 6:11 pm

Re: Stille

Postby maureena » Mon Oct 16, 2017 11:43 am

Irgendwie sehe ich da nichts. Sehe keine Instanz. Da sind viele Gedanken und auch die Frage, wer das denn schreibt, ist ein Gedanke. So gibt es Gedanken, die dem Gedankenstrom quasi entnommen und formuliert werden. Ich sehe aber nicht, wer oder was da irgendetwas tut. Es findet eine Art Suchen von Gedanken statt, eine Art Inneres Schauen, Überprüfen; aber dass es da wirklich eine Instanz gibt, die das alles managt, das sehe ich nicht. Denn auch das Überprüfen und Abgleichen von Gedanken erfolgt durch Gedanken.
Den Verstand habe ich stets mit einer Steuerungsinstanz verglichen. Doch irgendwie finde ich die nicht. Bin gerade etwas ratlos.

User avatar
Joram
Posts: 3306
Joined: Fri Mar 21, 2014 6:19 pm

Re: Stille

Postby Joram » Mon Oct 16, 2017 1:13 pm

Irgendwie sehe ich da nichts. Sehe keine Instanz. Da sind viele Gedanken und auch die Frage, wer das denn schreibt, ist ein Gedanke. So gibt es Gedanken, die dem Gedankenstrom quasi entnommen und formuliert werden. Ich sehe aber nicht, wer oder was da irgendetwas tut. Es findet eine Art Suchen von Gedanken statt, eine Art Inneres Schauen, Überprüfen; aber dass es da wirklich eine Instanz gibt, die das alles managt, das sehe ich nicht. Denn auch das Überprüfen und Abgleichen von Gedanken erfolgt durch Gedanken.
Den Verstand habe ich stets mit einer Steuerungsinstanz verglichen. Doch irgendwie finde ich die nicht. Bin gerade etwas ratlos.

Kann sein, dass es mehr nicht gibt?

_()_
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?

User avatar
maureena
Posts: 93
Joined: Mon Sep 11, 2017 6:11 pm

Re: Stille

Postby maureena » Mon Oct 16, 2017 4:27 pm

Von dem, was ich da wahrnehme, kann es schon so sein...
Da gibt es jetzt aber ganz viel Rebellion in mir!l
Sind denn alle Konventionen Gedanken, die wiederum andere Gedanken zulassen oder unterbinden? Wer oder was "entscheidet" denn, dass z.B. nicht alles angesprochen wird, was gedacht wird? Oder wenn ich Eis essen gehe und mich nicht entscheiden kann, was ich essen möchte.... Wer oder was gleicht denn die vielen Gedanken / Eissorten ab? Sind es stets Erinnerungen an vergangene Geschmackssorten? Gedanken über Gedanken, die irgendwie in Beziehung gesetzt werden? Der Verstand nichts anderes als ein Gedanke?.... Jetzt wird es kompliziert....

User avatar
Joram
Posts: 3306
Joined: Fri Mar 21, 2014 6:19 pm

Re: Stille

Postby Joram » Mon Oct 16, 2017 4:35 pm

Die wichtigste Frage ist:
Bedarf „Denken“ ein „Denkender“, oder ist der „Denker“ auch nicht mehr als ein Gedanke/Vorstellung?

_()_
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?


Return to “Deutsch”

Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 5 guests