1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
In diesem Sinne gibt es das nicht, gab es das nie, wird es das nie geben.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Tut mir leid, aber ich bin in den vergangenen Tagen weder allwissend noch ein Definitionskünstler geworden :-). Für diese Illusion gibt es keinen alleinigen Grund und auch keinen erkennbaren fixen Entstehungszeitpunkt. Es treten Wahrnehmungen auf, die mit Gefühlen verbunden sind. Dazu melden sich Gedanken, die Beurteilungen und Reaktionsempfehlungen abgeben. Die Körper- und Umwelt-Unterscheidung, sowie die Meinung, selbständig auf die Erfahrungen reagieren zu können, bewirken diese Ich-Vorstellung.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Empfinde eine stille Ruhe und Gelassenheit. Am passendsten erscheint mir hier der Ausdruck „Stromeintritt“. Ich muß nicht mehr suchen - ich werde finden, was ich brauche, ich handle - obwohl ich nichts mehr tue.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Die Erkenntnis, daß die als „meine“ empfundenen Gedanken ohne mein Zutun und ohne meine Wahlmöglichkeit kommen und gehen.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
All diese Begriffe sind Schöpfungen des Denkens. Nachdem das Denken aus einem gigantischen Reservoir von überwiegend unbewußten Erfahrungen schöpft ist letztendlich jede Wahl fremdbeeinflusst. Goethe drückte es passend aus: „Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.“ Auch wenn man meint, nach dem eigenen „Geschmack“ zu entscheiden: Auch dieser ist nicht originär von mir selbst. Wäre ich ein Küstenbewohner, würde ich wahrscheinlich eher Fisch essen als Kartoffeln. Wäre ich bei Pygmäen aufgewachsen, hätte ich andere Schönheitsideale, bei Eskimos einen anderen Kleidungsstil etc etc etc. Verantwortung gibt es nur als Begriff in der Alltagswelt, wo den Dingen sozusagen nicht auf den Grund gegangen wird.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Diese Ich-Durchschauung steht mir nicht ununterbrochen zur Verfügung. Bei Ereignissen, die mit sehr starken Gefühlen verbunden sind, reagiere ich mehr oder weniger lang wie ein reiner Automat, der oft nicht einmal über ein Alltags-Ich verfügt.