Lucrezia - Ingen

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Ingen
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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Ingen » Fri Feb 08, 2013 12:37 am

Heute dachte ich, ich kapituliere, ich geb's auf, verstehen zu wollen. Das bringt mich nur in ein Durcheinander und weg vom Schauen. Was meinst du?
Ja, gib auf! :)
Du hast es kapiert. Du willst es nur (noch) nicht wahrhaben:
Will ich es nicht wahrhaben, dass ich es eigentlich immer schon gelebt habe? Ist da immer noch die grosse Angst, etwas zu verlieren? Stellen sich mir Vorstellungen und Ideen immer noch hartnäckig wie eine Fata Morgana davor, bunt und verführerisch, soviel verlockender als die Wüste...?
Vielleicht ist da immer noch die Hoffnung, dass es einen Fluchtweg gibt, weg von dem bösen Leben? Dass es das Hollywood-happy end doch gibt?
Und diese Erwartung verschleiert den Blick auf das was jetzt ist.
Ich weiss es nicht, ich weiss wirklich nichts mehr.
Nicht-Wissen ist der Weg. Alles angesammelte vermeintliche Wissen ist Ballast.
Und hör' nicht auf meine weisen Sprüche! Ich weiß auch nix...

Ein Tip für die Gruppen-Situation: Wer sagt denn, dass du souverän, strahlend und brillant sein mußt? Es gibt immer nur eine einzige Möglichkeit, wie sich die Situation entwickeln kann, und das ist gemäß der Gegebenheiten. So wie Wasser einen ganz bestimmten Weg den Hügel runterfließt. Es gibt keine Personen, sondern nur Gedanken und Beziehungen, die sich kreuzen und beeinflussen.
Wenn unangenehme Situationen entstehen, dann guck' einfach, wer oder was diese Situation als unangenehm klassifiziert, und ob da nicht Gedanken aus alter Gewohnheit versuchen, ein (armes) Ich zu konstruieren.

Als Inspiration für die Zugfahrt kriegst du hier ein Video von Rupert Spira!
https://www.youtube.com/watch?v=MnEL3W6u34k
Ansonsten ist die Aufgabe wie immer: Wie funktioniert "Ich"?

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Lucrezia
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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Lucrezia » Sun Feb 10, 2013 7:51 pm

Liebe Ingen

Ich habe unseren Prozess hier nicht vergessen, leider klappte das mit der Internetverbindung doch nicht und so habe ich ein Internetcafe finden müssen.
Ja, gib auf! :)
Du hast es kapiert. Du willst es nur (noch) nicht wahrhaben
Ja. Doch wie kann ich es wahrhaben? Heut war da ein Satz, ganz stark und deutlich: "Ich will sterben, ich will loslassen" (bezieht sich nicht auf den physichen Körper, keine Suizidgefahr...) Da häng ich jetzt drin: Ich will aufgeben, loslassen, da ist ein ganz starkes Bedürfnis danach, eine Art Verzweiflung eigentlich. Nicht eine "ich"-Verzweiflung, was Tieferliegendes (ist das ein Widerspruch?). Und dann kam, nachdem da dieser Satz vom Sterben war, eine solche Erleichterung, Leichtigkeit und Freude. Und danach wieder Traurigkeit und Verzweiflung, weshalb ich das einfach nicht jetzt grad "schaff"... Schon wieder ich ich ich: Warum schaff ICH das nicht? Warum stehe ICH mir davor? Was hindert MICH am Aufwachen? etc etc. Alles wird vom "ich" vereinnahmt, sogar das Aufwachen-Wollen wird ein ich-Thema. Hilfe: Wie bitte sehr komme ich da raus? Ich fühl mich klaustrophobisch eng da drin! Mir kommen meine Träume in den Sinn, von denen ich dir ganz zu Beginn geschrieben habe: Dieser Wille, loszulasen und diese Angst davor, den letzten Schritt zu tun. Mir scheint, fast der ganze Thread dreht sich hauptsächlich darum. Oder ist es eher so, dass ich das einfach aushalten muss, dieses "Hängen", diese Enge, bis es einfach nicht mehr anders geht, als loszulassen? Ich bin so ungeduldig und tadle mich ständig dafür, was es auch nicht besser macht. Hm, auch hier die Lucrezia-Vorstellungen...
Vielleicht ist da immer noch die Hoffnung, dass es einen Fluchtweg gibt, weg von dem bösen Leben? Dass es das Hollywood-happy end doch gibt?
Durchschaut. Die sitzt da, diese Happyend-Vorstellung, seit Kindheit leitet die mein Tun und Handeln und Denken. Wie kann ich mich davon überzeugen, dass es sie nicht braucht? Wie kann ich sie einfach sein lassen, ohne dass sie mich blockiert?
Wenn unangenehme Situationen entstehen, dann guck' einfach, wer oder was diese Situation als unangenehm klassifiziert, und ob da nicht Gedanken aus alter Gewohnheit versuchen, ein (armes) Ich zu konstruieren.
Da sind so viele (alte) Gedanken, die das konstruieren, Millionen davon. Aber ich durchschau sie inzwischen mal sofort, mal erst später, auf jeden Fall setzen sie sich selten mehr fest. Meine Frage dazu: Kann das sein oder verdränge ich da einfach was?

Danke für den Film. Die Zugfahrt war interessant, ein ständiger Wechsel zwischen "es geht durch mich" und "ich gehe durch die Welt".
Ansonsten ist die Aufgabe wie immer: Wie funktioniert "Ich"?
Vergleiche, Gedanken, Vorstellungen, Ängste, Kontrollwille... Alles weg-vom-Moment-Bewegungen.

War das alles etwas wirr? Ich sitze grad irgendwie sehr in der ganzen Sache drin und bin ein wenig emotional und vielleicht auch konfus.

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Ingen » Sun Feb 10, 2013 9:45 pm

Liebe Lucrezia,
Ich kann den Schritt nicht für dich tun.
Gibt es überhaupt einen Schritt zu tun?
Ist Lucrezia mehr als eine Gedankengeschichte?

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Lucrezia » Mon Feb 11, 2013 1:32 pm

Gibt es überhaupt einen Schritt zu tun?
Ist Lucrezia mehr als eine Gedankengeschichte?
Gibts da nicht den Schritt, die Illusion ein für allemal zu durchschauen? Die "ich"-Überzeugung ist da noch, immer wieder: Gedankengeschichten, die mit aller Vehemenz und aller Schläue "mich" wieder ins Spiel bringen. Das macht mich so elend traurig zur Zeit, fühl mich in einer Sackgasse.

Es scheint so klar, eigentlich. Und doch hindert mich anscheinend was daran, meinen Gedankengeschichten nicht mehr aufzusitzen und das Ich wirklich als Illusion zu durchschauen.

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Ingen » Mon Feb 11, 2013 3:05 pm

Vielleicht stellst du dir das "Durchschauen" dramatischer vor, als es ist. Wie dramatisch war es denn, als du rausfandest, dass es das Christkind nicht gibt? Und wieviel hat sich dadurch geändert?

Wenn du einen Film siehst, sitzt du dannn nicht auch der Illusion auf, und du zitterst mit der Hauptperson mit? Bekümmert dich das auch?

Erinnere dich an das Bild der Fata Morgana. Die verschwindet auch nicht, wenn man weiß, dass die Oase nicht echt ist. Trotzdem würde man nicht hinrennen, um Wasser zu holen.

Oder wenn du im Zug sitzt und der Nachbarzug sich bewegt: Dann hat man doch auch unweigerlich das Gefühl, der eigene Zug würde fahren - solange biss man nachguckt, was wirklich los ist.

Wenn du nachguckst, was wirklich los ist: Ist da ein Ich - jetzt, in diesem Moment?

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Lucrezia » Mon Feb 11, 2013 8:05 pm

Vielleicht stellst du dir das "Durchschauen" dramatischer vor, als es ist.

Ja sicher: Wie kann sowas Wichtiges nicht dramatisch sein? Auch das wieder ist eine Vorstellung.
Wie dramatisch war es denn, als du rausfandest, dass es das Christkind nicht gibt? Und wieviel hat sich dadurch geändert?
Kein Drama war da, eher eine Belustigung und eine Freude. Geändert hat sich die Sichtweise auf das und die Bedeutung des Christkinds.
Wenn du einen Film siehst, sitzt du dannn nicht auch der Illusion auf, und du zitterst mit der Hauptperson mit? Bekümmert dich das auch?

Ich zittere mit, ich "bin" diese Personen, voll und ganz. Das ist übrigens einer der Momente - im Kino - wenn das Lucrezia-ich nicht existiert, ganz und gar nicht, denn nichts wird auf Lucrezia bezogen, alles geschieht "dort". Deshalb liebe ich das Kino!
Wenn du nachguckst, was wirklich los ist: Ist da ein Ich - jetzt, in diesem Moment?
Jetzt in diesem Moment: türkische Stimmen, Geklapper der Tastatur, ein Hungergefühl, ab und zu Gedankenwolken, Bildschirm, Buchstaben, rotes Kabäuschen etc. etc. Und keine fixe Lucrezia. Wenn dann: Erinnerungen an all die Emotionen die letzten Tage, daran gekoppelt Ideen und Vorstellungen und Wünsche einer Lucrezia. Im Moment nichts von alledem.

Habe mich wieder beruhigt, zumindest jetzt grad. Das wurde wieder mal zur fixen Idee, dass die Lucrezia aufwachen will oder eher schon: SOLL. Das wurde so ein richtiges "ich"-Programm. Und gleichzeitig tauchen all diese Gedanken auf wie "du schaffst es halt nicht" und "du musst jetzt" und bla und bla, die dann dieses Programm torpedieren. Hab´s wirklich satt, dieses Theater, es ist so sinnlos. Das ist das Drama, in der Lucrezia die Hauptrolle spielt. Und die möchte sie anscheinend nicht so ohne nichts abgeben... Einfach das Theater anschauen meinst du? Und wenn möglich noch zurückgelehnt es geniessen ;-)...?

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Ingen » Tue Feb 12, 2013 11:00 am

Kann Lucrezia denn aufwachen? Was ist Lucrezia?

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Lucrezia » Wed Feb 13, 2013 12:31 am

Kann Lucrezia denn aufwachen? Was ist Lucrezia?
"Lucrezia" hat die Idee, aufwachen zu können und ahnt gleichzeitig, dass sie das nie schaffen werden kann. Sie bildet sich ein , nur genug viel dafür tun zu müssen, dann klappe das dann schon mal in hundert Jahren, wenn sie es wert sei. Leider übersieht sie dabei gerne, dass es sie ja gar nicht gibt d.h. dass sie nur aus Gedanken, Erinnerungen und Vorstellungen besteht und sie deshalb gar nicht aufwachen kann, egal wie fest sie sich anstrengt.

Es gab heut immer wieder Momente, da war keine Lucrezia da. D h das Schöne war, dass "sie" da sein konnte, also Gedanken, Ideen etc, und gleichzeitig war da auch niemand. Bis jetzt war da oft Lucrezia bzw ich-Vorstellungen und etwas, das so TAT, als wär's nicht ich und alles beobachtete und verurteilte etc. Heut wurde mir so klar, dass auch dieser Teil eine sehr perfide Fata Morgana ist. Heut hatte alles Raum, alle Fata Morganas und ich's die da sein wollten, sie mussten nicht bekämpft werden. Und das berührt mich grad und macht frei. Sie sind da und so ist's halt. Das ist nicht immer einfach auszuhalten aber mit Geduld lern ich sie wohl besser durchschauen (Da taucht die Frage auf: Wer muss da was aushalten...?)
Bis zur nächsten trickreichen Fata Morgana, wenn das Ich-Rad wieder zu drehen beginnt...

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Ingen » Wed Feb 13, 2013 1:17 am

Ja, es ist eine gut eingeübte Fata Morgana!
Leider übersieht sie dabei gerne, dass es sie ja gar nicht gibt d.h. dass sie nur aus Gedanken, Erinnerungen und Vorstellungen besteht
Wie kann sie dann etwas wollen und etwas übersehen? Wie funktioniert der Mechanismus?
Bis jetzt war da oft Lucrezia bzw ich-Vorstellungen und etwas, das so TAT, als wär's nicht ich und alles beobachtete und verurteilte etc.
Das, was beobachtet und verurteilt usw: Gibt es das wirklich? Schau mal genau hin:
Gibt es einen Verurteiler oder nur verurteilende Gedanken?
Wenn der verurteilende Gedanke auftaucht: Gibt es dann noch eine zusätzliche "Instanz" die diesen Gedanken liest und verkündet?
Oder ist ein Gedanke schon bewußt, wenn er auftaucht?

Wir hatten es glaub' ich schon mal weiter oben, wie ein Gedanke "Ich tue, ich will, ich muss.. " auftaucht - so ziemlich unabhängig von dem, was tatsächlich passiert, oder als nachträglicher Kommentar.

"Mehr Ich" ist da nicht. Kann dieser Ich-Gedanke denken?

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Lucrezia » Thu Feb 14, 2013 11:16 pm

Liebe Ingen

Bin zurück und zumindest bis Dienstag Abend wieder täglich computernah...
Wie kann sie dann etwas wollen und etwas übersehen? Wie funktioniert der Mechanismus?
Tja, wie kann sie das? "Sie" existiert ja eigentlich nur in Erinnerungen und Zukunftsvorstellungen. D.h. wohl, sie übersieht nichts, sondern es kommen einfach immer wieder diese Gedanken, die davon sprechen, dass "sie" z.B. aufwachen möchte, Vorstellungen davon schwadronieren vorbei, wie das sein sollte, könnte, müsste etc. Lauter Gedankenwolken, die wiederum allerlei Gefühle mit sich bringen, die wiederum von Gedanken kommentiert werden etc. etc. Ein Teufelskreis. Und total unberechenbar. Was mir einfach nicht klar wird ist, wieso immer wieder dies so auftaucht, so real erscheint, "ich" (oder wer denn?) sich daran klammert. Es ist zum Verrücktwerden! Kann es sein, dass dies schlimmer wird, je mehr ich mich immer wieder hinterfrage, was das Ich denn eigentlich sei, oder fällt es einfach mehr auf, weil ich überhaupt hinterfrage, was vorher ja einfach normal war?!
Gibt es einen Verurteiler oder nur verurteilende Gedanken?
Nur die Gedanken (Bei genauerem Hinsehen: Welch ein Schock und welche Erleichterung: NUR DIE GEDANKEN! Noch bleibt etwas Skepsis... Auch das wieder ein Gedanke.)
Wenn der verurteilende Gedanke auftaucht: Gibt es dann noch eine zusätzliche "Instanz" die diesen Gedanken liest und verkündet?
Es gibt Gedanken, die verurteilen, solche die rechthaben, solche die ängstliche Besorgnis ausdrücken etc. Und die "reagieren" aufeinander, d.h. ein Gedanke folgt dem anderen, es ist wohl kein aktives Reagieren, es scheint nur so. Das lässt sie wie Teile eines "ichs" erscheinen mit Instanzen und so.
Oder ist ein Gedanke schon bewußt, wenn er auftaucht?
Das geht so schnell, dass ich das fast nicht beantworten kann. Er ist einfach da, der Gedanke. Der folgende Gedanke bezieht sich dann vielleicht auf den vorhergehenden, vielleicht auch nicht mehr. Im Zug habe ich eine Stunde lang einfach meine Gedanken und anderen Wahrnehmungen verfolgt. Das war ein wüstes und belustigendes Springen von hier nach dort und im Kreis, keine Ahnung, woher das teilweise kam. Anscheinend versucht etwas (wer?) ständig, diesem Schauspiel eine Logik und eine klare Abfolge abzugewinnen. Genau betrachtet ist dies völlig absurd. Was ist schon konstant? Ich schliesse die Augen: Dunkelheit mit Lichtreflexen, Geräusche, Körperempfindungen etc. Ich öffne die Augen: Computer, Chaos auf dem Schreibtisch, andere Geräusche. Ich drehe den Kopf: Schneegestöberblick aus dem Fenster... Eigentlich gibt es gar kein Kontinuum bei allem, was ich wahrnehmen kann, es verändert sich ständig alles. Und irgendwas tut so, als gebe es da eine lineare Abfolge und etwas, das sich logisch fortsetzt. Die Vorstellung, dass dies nur Lug und Trug ist, ist ungewohnt und auch etwas beängstigend: Kann man leben ohne diese Illusion? Fällt nicht alles auseinander? Ein Geistesblitz: Es kann ja nur die Illusion auseinanderfallen, das "Leben" selber nicht! Bin grad etwas verwirrt, irgendwie verstehe ich das, weiss, dass das so ist - und irgendwie entzieht es sich auch meinem Verständnis, meinem Verstand.
Bin ich jetzt abgeschweift?
Wir hatten es glaub' ich schon mal weiter oben, wie ein Gedanke "Ich tue, ich will, ich muss.. " auftaucht - so ziemlich unabhängig von dem, was tatsächlich passiert, oder als nachträglicher Kommentar.
Ja, das war mir (damals) sehr klar, das habe ich so empfunden und kann es auch jetzt wieder so erleben, wenn ich mich darauf konzentriere. Es ist einfach so, dass mir dies im Getümmel der Emotionen und der Erfahrungen manchmal schlicht nicht gelingt, dann verhänge ich mich völlig in all diese Gedanken. Aber sag: WER verhängt sich denn? Da kommt nur noch ein Fragezeichen, wie das funktioniert. Kann ich überhaupt entscheiden, mich nicht zu verhängen, genauer hinzuschauen oder wie funktionert das? Irgendwoher muss ja der Impuls kommen, hinzuschauen oder eben nicht. ((Du siehst, ich kann das Verstehen-Wollen einfach nicht sein lassen! Ständig kommen die Impulse, wissen zu wollen, wie das funktioniert. Wenn ich einfach bin und schaue, dann ist egal, wie das funktionert. Aber irgendwas will ständig wissen und einordnen.))
"Mehr Ich" ist da nicht. Kann dieser Ich-Gedanke denken?
Ein denkender Ich-Gedanke? Eine lustige und auch beängstigende Vorstellung! Nein, ein Gedanke ist einfach da, dann wieder weg.
Ab und zu passiert es, dass da angstvolle Gedanken auftauchen, weil ich nicht weiss, was als nächstes gedacht wird. Manchmal höre ich mir selber beim Reden zu und staune, was da geschwatzt wird. "Ich" habe das nicht so zurechtgelegt, das kommt einfach so und spricht. Genau gleich ist das mit anderen Impulsen: Da ist ein ständiges "Aufpoppen" von Gedanken, Gefühlen, Handlungen etc. Da ist kein Ich, das dies macht. Nur irgendwas, das versucht, dem allem eine Logik zu geben oder ein "Ich" zuzuordnen. Ich stell mir schon vor, dass du jetzt nachhaken wirst: Was denn das irgendwas sei, das da eine Logik versucht. Sind auch das nur Gedanken? Aber wie schaffen die das, diese Logik ins Spiel zu bringen? Da sind wir wieder beim Verstehen-Wollen. Vielleicht glaub ich halt doch noch an irgendeine "Ich"-Instanz und den Sankt Nikolaus...

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Ingen » Fri Feb 15, 2013 8:05 pm

Ein Geistesblitz: Es kann ja nur die Illusion auseinanderfallen, das "Leben" selber nicht! Bin grad etwas verwirrt, irgendwie verstehe ich das, weiss, dass das so ist - und irgendwie entzieht es sich auch meinem Verständnis, meinem Verstand.
Bin ich jetzt abgeschweift?
'

Nicht abgeschweift, sondern aufgewacht!

Auch der ganze vorige Absatz ist wunderbar klar und könnte wahrlich aus der Feder eines non-dualen Gurus stammen. Ich hab' dem nichts hinzuzufügen.
Nur irgendwas, das versucht, dem allem eine Logik zu geben oder ein "Ich" zuzuordnen. Ich stell mir schon vor, dass du jetzt nachhaken wirst: Was denn das irgendwas sei, das da eine Logik versucht. Sind auch das nur Gedanken? Aber wie schaffen die das, diese Logik ins Spiel zu bringen? Da sind wir wieder beim Verstehen-Wollen. Vielleicht glaub ich halt doch noch an irgendeine "Ich"-Instanz und den Sankt Nikolaus...
Das ist einfach ein Automatismus. Wenn Sachen oder Gedanken passieren, dann folgen weitere Gedanken nach, die eine lineare Geschichte draus machen.
Zum Verstehen wie die ganze Sache funktioniert hilft vielleicht Dawkins Mem-Theorie. Die gehört nicht zum direkten Erleben, aber manchmal sind Geschichten ja auch hilfreich. "Meme" sind kulturelle Einheiten - so was ähnliches wie Gene. Ideen, Konzepte, Erfindungen, die kopiert werden können und sich verbreiten. Sie "wollen" sich sozusagen vermehren und sich in möglichst vielen Gehirnen festsetzen. Das "Ich" ist so ein Mem. Und die Idee, dass das Ich nur ein Mem und nicht wirklich ist, ist auch ein Mem. Und diese beiden Meme streiten gerade um die Vorherrschaft in "deinem" Gehirn...

Welche Idee gewinnt wohl?

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Lucrezia » Fri Feb 15, 2013 8:52 pm

Nicht abgeschweift, sondern aufgewacht!
Schluck...! Das war ein Sekundenaufwachen mit Nachklang. Ich kann das (noch) nicht den ganzen Tag so erleben, muss mich dafür extra Zeit nehmen und sehr aufmerksam sein bzw. loslassen. Es war einfach grad so kristallklar für einen Augenblick, wie wenn kurz ein Vorhang aufreisst und wieder zugeht, aber es steckt noch ein Zündholz dazwischen, und aus dem Spalt weht die Nicht-Ich-Brise - oder so.
Auch der ganze vorige Absatz ist wunderbar klar und könnte wahrlich aus der Feder eines non-dualen Gurus stammen. Ich hab' dem nichts hinzuzufügen.
Das löst verlegen-gebauchpinselte Ich-Gedanken aus ;-)
Das "Ich" ist so ein Mem. Und die Idee, dass das Ich nur ein Mem und nicht wirklich ist, ist auch ein Mem. Und diese beiden Meme streiten gerade um die Vorherrschaft in "deinem" Gehirn...
Welche Idee gewinnt wohl?
Ein Mem und ein Gegenmem - und irgendwo die "Wahrheit", nicht fass- und "membar". Dieses Dilemma muss ich wohl aushalten können, auch wenn es mich manchmal fast zum Verzweifeln bringt.
Der Streit ist manchmal ziemlich heftig, v.a. das Ich-Mem zückt immer wieder alle Waffen, die zur Verfügung stehen, je stärker das Nicht-Ich-Mem sich zeigt. Sie streiten noch, Ausgang ungewiss, Wunschtendenz klar...

Und hast du mir einen konkreten Auftrag?

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Ingen » Sat Feb 16, 2013 10:17 am

Das war ein Sekundenaufwachen mit Nachklang. Ich kann das (noch) nicht den ganzen Tag so erleben, muss mich dafür extra Zeit nehmen und sehr aufmerksam sein bzw. loslassen. Es war einfach grad so kristallklar für einen Augenblick, wie wenn kurz ein Vorhang aufreisst und wieder zugeht, aber es steckt noch ein Zündholz dazwischen, und aus dem Spalt weht die Nicht-Ich-Brise - oder so.
Und wie ist es, wenn die nicht-Ich-Brise sich legt? Dann materialisiert sich ein Ich?

Das wäre der "konkrete Auftrag". Beschreibe, wie sich im täglichen Leben das Ich zeigt.

Wie zum Beispiel das hier:
Das löst verlegen-gebauchpinselte Ich-Gedanken aus ;-)
Heißt das, dass eine Person "Lucrezia" existiert?

Und achte darauf, dass das Ich-Gedankenmuster die nicht-existierende Person vor schlechten Gefühlen beschützen möchte. Was passiert, wenn die "schlechten Gefühle" (falls so was aufkommt, könnte ja sein!) zugelassen werden, weil es nichts zu beschützen gibt?

Wer oder was will ewigen Sonnenschein haben?

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Lucrezia » Sat Feb 16, 2013 10:53 pm

Und wie ist es, wenn die nicht-Ich-Brise sich legt? Dann materialisiert sich ein Ich?
Nein, es materialisiert sich kein Ich, es kommen einfach vermehrt Gedanken auf, die penedrant ein Ich zu konstruieren versuchen und sich schleiermässig über die nicht-Ich-Erfahrung (oder wie immer man das nennen will) legen. In diesem Satz sitzt sicher auch wieder was Ungereimtes: über die Erfahrung legen? Ich höre dich das weiter oben Geschriebene erwähnen bezüglich der Gedanken (ob da Gedanken UND etwas ist, das diese wahrnehmen kann oder in diesem Fall selber überdeckt werden kann). Aber wie um Himmels willen kann ich das besser schreiben?
Beschreibe, wie sich im täglichen Leben das Ich zeigt.
Du lässt mich hier in die Falle tappen: Ich kann jetzt z.B. schreiben, dass das Ich sich zeigt durch enttäuschte Gedanken, weil Vorstellungen eines Tagesablaufs sich nicht erfüllt haben. Aber: Es ist ja nicht ein konkretes Ich, das sich da zeigt, sondern es sind eben einfach Gedanken, die "Ich" im Vokabular führen und Handlungen, Gefühle etc. auf ein imaginäres Ich beziehen. Ein konkretes Bsp.: "Ich kann nicht einschlafen." (So geschehen letzte Nacht) Der Körper schläft nicht und es denkt den obigen Satz - und sofort ist da scheinbar ein Ich, das dafür verantwortlich ist, dass hier nicht geschlafen wird, was wiederum Ärger und Angst auslöst und Gedanken wie: "Ich bin morgen nicht genug fit." Und schon geht der Ich-Zirkus wieder los. Nur passiert es die letzte Zeit, dass zudem gleichzeitig die nicht-ich-Mem aktiv wird und dann wird die Sache erst so richtig lustig, weil sich da etwas einfach rein schickt in was jetzt grad ist (Hellwachsein obwohl spät nachts) und andererseits sich da Gedanken tummeln, die finden, es könne "mir" doch nicht so egal sein, weil morgen ein wichtiger Tag sei und auf einmal ist das Nicht-ich-Mem schwups verdrängt von diesen Gedanken, bis es wieder Überhand gewinnt und die Gedanken und die damit verbundenen Gefühle wie Ärger und Angst einfach wahrnimmt. Wie gesagt sind es diese Gedanken, die da ein Ich ins Spiel bringen. Ein weiteres Bsp: Auf die Frage von jemandem, ob sie einen Keks haben dürfe, reagiere ich mit "Aber nur einen!" und dann folgen sogleich ängstliche Gedanken wie: "Das hat sie wohl jetzt nicht humorvoll aufgefasst wie's gemeint war und ich bin wohl etwas daneben und ich hätte mich anders verhalten sollen" und blabla. Diese Gedanken kommentieren die Handlungen und sorgen sich darum, was folgen könnte, und in all diesen Gedanken geht es um ein "Ich", das ja in diesem Moment grad eben gar nicht existiert, sondern nur in Bezug auf Vergangenes oder Zukünftiges konstruiert wird.
Heißt das, dass eine Person "Lucrezia" existiert?
In Gedanken vermeintlich schon (siehe oben). Aber Gedanken sind ja nicht in dem Sinn existierend oder ein "Ich". Die Gedanken kommen und gehen.
Und achte darauf, dass das Ich-Gedankenmuster die nicht-existierende Person vor schlechten Gefühlen beschützen möchte. Was passiert, wenn die "schlechten Gefühle" (falls so was aufkommt, könnte ja sein!) zugelassen werden, weil es nichts zu beschützen gibt?
Wer oder was will ewigen Sonnenschein haben?
Die Ich-Gedankenmuster sind ständig dran, Gefühle abzuwehren, v.a. unangenehme aber auch angenehme. Als würden diese Gefühle irgendwas oder -wen bedrohen. Da sind Vorstellungen dran gebunden wie "Wenn ich jetzt die ganze Wut fühle, dann zerplatze ich" oder "Ich will diese Wut und Trauer weg haben, es ist unangenehm, ich will das nicht (sondern Sonnenschein)". Dies sind dann ja alles Gedanken, die Vergleiche auffahren, Wertungen beiziehen, Vorstellungen nähren. DAS ist neben dem Ich-Mem das fieseste Mem, das sich wohl auf der ganzen Welt festgesetzt hat, das Gefühl-Abwehr-Mem. Es ist der treuste Diener des Ich-Mem. Eigentlich ist das absurd, denn unangenehm ist das krampfhafte Abwehren und Bewerten von Gefühlen, nicht die Gefühle selber. Denn wenn die Gefühle einfach zugelassen werden ohne Abwehrgedanken, dann sind sie da, bis sie wieder vergehen und neue auftauchen. Auf jeden Fall, wenn ich genau hinschaue, ist noch nie ein Gefühl ewig sitzen geblieben. Höchstens wahrscheinlich ins Unterbewusste geschoben worden - doch da nähern wir uns psychologischen Theorien.
Das tönt alles zu gut! Wenn ich das so aufschreibe, ist mir das ja alles klar. In der Praxis sieht's dann oft etwas anders aus...

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Re: Lucrezia - Ingen

Postby Ingen » Sun Feb 17, 2013 2:53 pm

Also, so langsam gehen mir die Ideen aus, was ich dir noch "beibringen" könnte, Lucrezia!
Das tönt alles zu gut! Wenn ich das so aufschreibe, ist mir das ja alles klar. In der Praxis sieht's dann oft etwas anders aus...
Wie sieht es denn in der Praxis aus?

Könnte es sein, dass es auch nur ein Ich-Mechanismus ist, der sagt: "da muss noch mehr passieren! So einfach kann's nicht gewesen sein"... ?

An der Keks-Szene siehst du sehr schön, wie das Ich sich konstruiert. Wie fühlt es sich an, das zu durchschauen?


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