Ich bin überwältigt (im positiven Sinn) von den vielen klugen Nachfragen. Das muss ich jetzt erst mal abarbeiten. Zu fühlen auf Kommando ist gar nicht so leicht.
Ehrlich gesagt fühlt sich nichts von dem, was ich so von mir gebe, wirklich stimmig an. Außer dem Schmerzempfinden und dem diffusen Leidensdruck und der Angst. Immer fällt mir Deine Bemerkung "Hypnose" ein, dass ich hypnotisiert bin. Das klingt auch "recht gut", aber ich glaube sogar, dass es stimmt. Irgendwie bin ich in einem Wattebausch, Kokon gefangen oder fahre auf dem "Karussell" immer in die Runde. Als ob es etwas geben muss, aber man erkennte es nicht. Und dann der Gedanke: "Und wenn es das nicht gibt, was machste dann?".
Das Augendrehexperiment hat immer noch zu keinem Ergebnis geführt. Entweder ich kann mich nicht genug konzentrieren oder ich bin nicht in der Lage, konstant etwas Negatives absichtlich ohne Anlass zu fokussieren. Nebenbei bin ich sehr von meiner Arbeit in Besitz genommen, die mich "zwingt", dauernd damit fortzufahren. Ich werde die Augendreh-Übung aber noch Mal versuchen später.
Es sind zwei Quellen.
1.) Die Gedanken entstehen aus bereits vielmals gemachten Erfahrungen aus der Vergangenheit. Ich erlerne dadurch diese Gedanken, aus denen dann leider oft das Gedachte sich ereignet.
2.) Die Quelle der emotionalen Reaktion auf die Gedanken ist eine andere: Das ist das "Nervenkostüm", die sog. Psyche, in der die Gedanken (also die Gedanken in Folge bereits gemachter Erfahrungen) einen Abdruck hinterlassen, eine Emotion auslösen.
Das klingt recht gut, aber ist das wirklich DIREKT wahrnehmbar? Oder ist das eine logisch klingende Geschichte? Achte immer und ausschließlich auf Dein Empfinden, das Du bei Aussagen hast. Fühlt es sich wirklich stimmig an? Gibt eine Formulierung ein gutes Gefühl? Fühlt sich die Formulierung angestrengt oder leicht an?
Deine Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten für mich. Kann ich nicht unterscheiden zwischen Denken und Fühlen? Es ist sicher ausgedacht und eine Interpretation aufgrund von Nachdenken. Also eine ausgedachte Geschichte. An die "Quelle" komme ich eigentlich garnicht heran, will mir jedenfalls so scheinen. Also, woher kommen Gedanken und Gefühle? Ich kann doch mein Ich nicht zurückverfolgen bis ich an einer "Quelle" ankomme. Aber auch bei diesen Gedanken habe ich ein mulmiges Gefühl. Alles sehr unklar.
Wenn die Aufmerksamkeit auf immer dasselbe Gedachte fällt, welche Veränderung im Leben kann man dann erwarten? Kann ein Auto, dessen Lenkrad fixiert ist, die Richtung ändern?
So, wie Du es formulierst, ist klar: Da kann sich nicht mehr viel bewegen. Nun ist es aber ja nicht so, dass ich pausenlos auf "immer dasselbe Gedachte" meine Aufmerksamkeit richte. Nur in manchen, nun gut, recht vielen Situationen, tue ich das. Ansonsten erlebe ich ja auch noch mehr oder weniger gute Situationen z.B. bei der künstlerischen Arbeit oder Meditation. Letztere kommt etwas kurz in den letzten Tagen. Also "mein Lenkrad" ist nicht so fixiert, wie ich vielleicht den Eindruck vermittelt habe. Allerdings besteht ein Übergewicht an Aufmerksamkeit auf das Negative. Aber das mach ich ja nicht extra, sondern weil ich etwas als belastend/negativ empfinde. Also krass gesagt: Im KZ kann man schlecht was Anderes empfinden als Unerträglichkeit. Natürlich ein ziemlich ungehöriger Vergleich: Niemand will mich töten aber das Leben ist insgesamt doch schon so etwas wie eine Haft: Haftraum Lebenszeit. Aus dem dann eben nur das Erwachen die Befreiung darstellt. Klingt das wie graue Theorie? Ist es für mich nicht.
Das Nervenkostüm ist die Konserve.
Stimme ich Dir zu: Ich würde es gerne loswerden, so vorhersehbar sind die Reaktionen.
Ich weiß, aber alles Dasein ist Leiden, und das ist auch meine Erfahrung.
Wer oder was erfährt dieses Leid?
Das, was man "ICH" nennt, erfährt das Leid. Was das Leid ausmacht? Au Mann, wo soll ich anfangen? Körpereindrücke ist klar: Migräne vor Allem seit über 50 Jahren (10 mal im Monat, seit ich mich vegan ernähre (also seit 6 Monaten) Halbierung der Attacken.
Gefühle: Das auch schon ein halbes Jahrhundert alte, aber immer wieder neue schmerzhafte Gefühl, nicht zugelassen zu werden zum Kreis der Lebenden. Also fast kein Echo oder eben Ablehnung, Desinteresse zu spüren.
Gedanken: Dass das Leben auf diesem Planeten ein einziges Hauen und Stechen ist und das sich das auch niemals ändern wird/kann. Als Quintessenz also: Alles Dasein ist Leiden - und besser, man wäre nicht geboren. Ich kann das endlos weiterschreiben, aber vielleicht reicht Dir das schon.
Liebe Grüße
Klaus