Aufwachen

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Klaus
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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Thu Feb 22, 2018 6:17 pm

Als Kind warst Du wach, pures Wahrnehmen des Seins
..und so ihr nicht werdet wie die Kindlein...
Diese Offenheit und der ungefilterte Blick, mit dem man Allem begegnen sollte. Angreifbar kommt man sich dann vor (meint man zumindest) - ohne Panzer/Maske, schutzlos wie ein Kind. Aber als Erwachsener sicher auch "mächtig", mit der Gewissheit: Das ist es. Kein Zombieleben, second Hand, (alb)traumhaft.
Wer ist der Herr im Ring? Der, der Bedeutung schenkt oder das Ereignis?
Solange da noch ein Ring ist, wohl der Ring - aus der Perspektive des Träumers. Der Ring ist doch die relative Wirklichkeit, die mir höllische Angst macht täglich. Aus der es kein Entrinnen zu geben scheint. Ja, ich sehe sie als real an, genauso wie meinen Körper und alle Sinneswahrnehmungen. Dass sie relativ sind (alles verändert sich ständig), dies Wissen hilft mir nicht viel, wenn es mir auf die Pelle rückt und ich nicht weg kann (Z.B. nachbarlicher Geräuschpegel).
Im Traum wissen, dass man träumt, das wär´s. Gut, daran arbeiten wir!?
Künstlerische Arbeit und Meditation sind für mich (wenn´s einigermaßen gut geht) eine Flucht aus dem Karussell. Aber eine Dauerlösung ist das nicht. Der Druck oder die Angst ist zu hoch.
Liebe Grüße
Klaus

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Glueckseligkeit
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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Thu Feb 22, 2018 6:26 pm

Der Ring ist doch die relative Wirklichkeit, die mir höllische Angst macht täglich. Aus der es kein Entrinnen zu geben scheint.

Was wäre die reale Konsequenz, die Angst zu ignorieren?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Thu Feb 22, 2018 8:48 pm

Was wäre die reale Konsequenz, die Angst zu ignorieren?
Die Angst zu ignorieren, hieße notwendig, dem Aufwachen sein Leben zu "widmen", also innerlich aus allen Bezügen, die bei mir sowieso auf äußerster Sparflamme laufen seit dem Tod meines Freundes, "auszusteigen". Das würde ich sogar machen, wenn ich nicht so sehr allein damit wäre. Aber ich muss es sowieso machen, das tue ich ja jetzt schon so gut wie. Das heißt, ich tue es gar nicht, weil ich es will, sondern weil es mir gar nicht anders möglich ist als Außenseiter.
Irgendwie hab ich das unbestimmte Gefühl, der Frage noch nicht gerecht geworden zu sein.
Liebe Grüße
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Thu Feb 22, 2018 10:52 pm

Nochmal ein Versuch, es zu formulieren:
Was wäre die reale Konsequenz, die Angst zu ignorieren?
Die Angst ignorieren geht nicht, sie ist da, genauso wie die Gründe, auch wenn ich mir erkläre, dass es wie eine Angst im Traum ist, die man ja manchmal hat. Und wenn man dann aufwacht, ist es wieder gut, na jedenfalls ein bisschen.
Mein Vorgehen ist glaube ich so: Ich mache einfach immer weiter, obwohl die Angst mich stark behindert. Bislang ging das auch so lala, es kann natürlich täglich plötzlich anders aussehen, wenn ich mal wieder das Gefühl habe, dass es nun wirklich nicht mehr auszuhalten ist.
Mein Wunsch ist aufzuwachen, obwohl der Wunsch ja schon wieder mit Habenwollen zu tun hat. Aber es ist ganz klar die Quintessenz aus meinem bisherigen Leben, das ging nicht weg, war/ist immer im Hintergrund da. Ich denke, es ist auch nicht viel deutlicher geworden, wenn es sehr wichtig ist, bitte ich um Umformulierung der Frage.
Liebe Grüße
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Fri Feb 23, 2018 12:05 am

Mein Vorgehen ist glaube ich so: Ich mache einfach immer weiter, obwohl die Angst mich stark behindert. Bislang ging das auch so lala, es kann natürlich täglich plötzlich anders aussehen, wenn ich mal wieder das Gefühl habe, dass es nun wirklich nicht mehr auszuhalten ist.

Der, der diese Gedanken hat, hat er irgendeine Kontrolle über etwas? Wenn er Kontrolle hätte, bräuchte er dann Angst zu haben?

Einer, der keine Kontrolle hat, kann dieser verantwortlich handeln? Trifft das ein, was Gedanken beschreiben oder passiert einfach etwas und Gedanken erzählen eine Geschichte dazu?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Fri Feb 23, 2018 12:15 am

Der, der diese Gedanken hat, hat er irgendeine Kontrolle über etwas?
Ist schon klar, hat null Kontrolle, deswegen mache ich (?) ja einfach weiter, also Es macht einfach weiter und "Ich" guckt ihm dabei zu. Das ist jetzt aber nicht wie Schizophrenie.
Lieben Gruß
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Fri Feb 23, 2018 10:25 am

Trifft das ein, was Gedanken beschreiben oder passiert einfach etwas und Gedanken erzählen eine Geschichte dazu?
Ja, es trifft oft ein, was Gedanken beschreiben. Da ich die "Realität" um mich herum einschätzen kann, treffen Gedanken das, was geschehen wird, die z.B. die nahe Zukunft betreffen. Das gedanklich Erwartete wird erfüllt, leider meistens. Ich erwarte, dass ich z.B. irgendwann in der nahen nächsten Zeit belästigt werde von Lärm, rohem, brutalem Lärm, unbewusster schlafender Individuen, auch Nachbarn genannt- und es passiert mehrmals jeden Tag. Ich bin also praktisch in Dauererwartung diesbezüglich. Deswegen Kampf, ein kleiner Ausschnitt davon. Wie könnte ich anders damit umgehen, frage ich mich natürlich? Und die Antwort ist immer dieselbe: Ich mussssss aufwachen, um diesem Ungemach anders begegnen zu können. Ich hänge an den Schnüren, die die Anderen ziehen, wobei diese gar nichts davon mitkriegen müssen.
Liebe Grüße
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Fri Feb 23, 2018 11:52 am

Ich in Not.
Wer oder was ist es, der oder das die Fiktionalität des Ich´s als Täuschung und Konstrukt durchschauen soll/kann? Wer ist "das"? Das "Steuer" ("Buddhanatur") kennt sie oder weiß nicht von einer Täuschung, sie existiert einfach nicht und braucht vom Absoluten deshalb auch nicht durchschaut werden. Ebenso existiert die Not des Ich nicht für die Buddhanatur in uns. Also, wer bleibt dann noch übrig, um irgendwas zu durchschauen als Fata Morgana?
Lieben Gruß
Klaus
P.S.: Danke, dass es Dich gibt.

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Fri Feb 23, 2018 12:30 pm

Ist schon klar, hat null Kontrolle

Wem ist das klar? Diese Aussage kommt sicherlich nahezu automatisch, aber von welcher Instanz in Dir wird sie tatsächlich erkannt und durchschaut?

deswegen mache ich (?) ja einfach weiter

Null Kontrolle und "ich" mache weiter? Widerspruch in sich.

also Es macht einfach weiter und "Ich" guckt ihm dabei zu.
OK, wenn ein "Ich" zuschaut. Was verbindet das "Ich" dann mit dem, was passiert? Warum schaut das "Ich" ausgerechnet bspw. auf Angst, wenn draußen die Sonne scheint? Warum ist dieses "Ich" ausgerechnet auf einen bestimmten Gedanken, ein bestimmtes Gefühl oder Geschehen konzentriert?

Ist die Quelle des schlechten Gedankens eine andere Quelle als die Quelle, aus der dann eine emotionale Reaktion auf den Gedanken resultiert? Oder ist alles dasselbe? Schaue Dir das mal genau an, wenn ein Angst-Gedanke auftaucht und dann eine empfindungsseitige Reaktion erfolgt.
Das ist jetzt aber nicht wie Schizophrenie.

Wer kommt auf diese Idee? Wer will gleich klarstellen, dass er "gesund" ist?

Hierzu eine grundsätzliche Anmkerung: Für mich bist Du vollkommen in Ordnung, nur dass Dir das klar ist! Du selbst magst das Gefühl haben, dass irgendetwas oder vieles nicht in Ordnung ist. Aber aus meiner Perspektive ist das nicht so.

Wenn die Identifikationen durch sehr häufige Wiederholungen sich bereits im vegetativen Nervensystem manifestiert haben, ist das Gefühl von Gefangenschaft da. Obwohl diese Gefangenschaft nur in Gedanken existiert, wirkt das unglaublich solide und echt.

Deshalb eine kleine Übung, die diese "Enge" nicht auf der kognitiven Ebene angeht sondern direkt auf der Ebene des Nervensystems:

Setze Dich gemütlich auf einen Stuhl. Den Kopf gerade, nach vorne gerichtet. Bitte diese Kopfhaltung beibehalten und ab jetzt nur noch die Augen bewegen.

Jetzt denke an eine unangenehme Situation, einen unangenehmen Gedanken oder an ein unangenehmes Gefühl.
Dann bewege Deine Augen langsam waagerecht von links nach rechts und rechts nach links und suche einen Fixpunkt, an dem der unangenehme Gefühl stärker wird. Wenn Du eine Augenstellung entdeckt hast, an der das negative Gefühl besonders stark ist, schaue, ob das Gefühl noch intensiver wird, wenn Du auch noch in der Vertikalen die Augen bewegst. Mache das spielerisch, ohne Anstrengung. Suche nach dem Augenfixpunkt, an der das Gefühl am schlechtesten ist. Wichtig: Der Kopf bleibt gerade! Nur die Augen bewegen sich.

Wenn Du einen Punkt gefunden hast, an dem es besonders intensiv ist, dann verharre in diesem Punkt. Fixiere diesen Punkt! (Es muss nicht der "perfekte Punkt" sein!!!) Bleibe in der Augenstellung und lass einfach geschehen. Möglicherweise entlädt sich dann etwas. Es kann Weinen, Ärger, was auch immer hochkommen. Lass es einfach geschehen, bis die Ruhe einkehrt. Wichtig ist... erst wenn Ruhe und Gleichgültigkeit eingekehrt sind, die Fixierung aufheben.

Dann berichte bitte von Deiner Erfahrung.
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Fri Feb 23, 2018 1:34 pm

Ist schon klar, hat null Kontrolle
Von keiner Instanz in mir wird die fehlende Kontrolle durchschaut, das war pure Ich-Reflexion und ohne Aussagewert.
deswegen mache ich (?) ja einfach weiter
Etwas macht weiter. Was ich Ich nenne, lachhaft. Das Ich bestätigt sich selber.
Warum schaut das "Ich" ausgerechnet bspw. auf Angst, wenn draußen die Sonne scheint? Warum ist dieses "Ich" ausgerechnet auf einen bestimmten Gedanken, ein bestimmtes Gefühl oder Geschehen konzentriert?
Das Ich sucht die unangenehmsten Wahrnehmungen und fokussiert diese, weil sie als Störungen des Wohlbefindens im Vordergrund stehen und den angenehmen Sonnenschein übertönen.
Ist die Quelle des schlechten Gedankens eine andere Quelle als die Quelle, aus der dann eine emotionale Reaktion auf den Gedanken resultiert? Oder ist alles dasselbe? Schaue Dir das mal genau an, wenn ein Angst-Gedanke auftaucht und dann eine empfindungsseitige Reaktion erfolgt.
Es sind zwei Quellen.
1.) Die Gedanken entstehen aus bereits vielmals gemachten Erfahrungen aus der Vergangenheit. Ich erlerne dadurch diese Gedanken, aus denen dann leider oft das Gedachte sich ereignet.
2.) Die Quelle der emotionalen Reaktion auf die Gedanken ist eine andere: Das ist das "Nervenkostüm", die sog. Psyche, in der die Gedanken (also die Gedanken in Folge bereits gemachter Erfahrungen) einen Abdruck hinterlassen, eine Emotion auslösen.
Das ist jetzt aber nicht wie Schizophrenie.
Das nehme ich zurück, sollte mehr lustig gemeint sein.
Das Experiment muss ich später noch mal machen. Stelle beim ersten Durchlauf keine Intensivierung fest.
Für mich bist Du vollkommen in Ordnung
Übrigens empfinde ich mich selbst auch als vollkommen in Ordnung. Deshalb "verstehe" ich nicht, weshalb ich so mit der Welt "über Kreuz liege".
Obwohl diese Gefangenschaft nur in Gedanken existiert
Ich weiß, aber alles Dasein ist Leiden, und das ist auch meine Erfahrung.
Liebe Grüße
Klaus

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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Fri Feb 23, 2018 3:43 pm

Es sind zwei Quellen.
1.) Die Gedanken entstehen aus bereits vielmals gemachten Erfahrungen aus der Vergangenheit. Ich erlerne dadurch diese Gedanken, aus denen dann leider oft das Gedachte sich ereignet.
2.) Die Quelle der emotionalen Reaktion auf die Gedanken ist eine andere: Das ist das "Nervenkostüm", die sog. Psyche, in der die Gedanken (also die Gedanken in Folge bereits gemachter Erfahrungen) einen Abdruck hinterlassen, eine Emotion auslösen.

Das klingt recht gut, aber ist das wirklich DIREKT wahrnehmbar? Oder ist das eine logisch klingende Geschichte? Achte immer und ausschließlich auf Dein Empfinden, das Du bei Aussagen hast. Fühlt es sich wirklich stimmig an? Gibt eine Formulierung ein gutes Gefühl? Fühlt sich die Formulierung angestrengt oder leicht an?

Wo ist eine konkret wahrnehmbare Trennungslinie zwischen Gedanken und Gefühlen?
Wenn die Aufmerksamkeit auf immer dasselbe Gedachte fällt, welche Veränderung im Leben kann man dann erwarten? Kann ein Auto, dessen Lenkrad fixiert ist, die Richtung ändern?

Das Nervenkostüm ist die Konserve. Der manifestierte Ausdruck von Wiederholung. So, wie wenn Du jeden Tag auf eine bestimmte Stelle der Wand mit der Faust schlägst. Irgendwann gibt es einen Abdruck. Na und?

Ich weiß, aber alles Dasein ist Leiden, und das ist auch meine Erfahrung.

Wer oder was erfährt dieses Leid? Beschreibe, was genau das Leid ausmacht. Körpereindrücke, Gefühle, Gedanken... Seziere mal das Ganze und leg es auf den Präsentationsteller.
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Fri Feb 23, 2018 8:42 pm

Ich bin überwältigt (im positiven Sinn) von den vielen klugen Nachfragen. Das muss ich jetzt erst mal abarbeiten. Zu fühlen auf Kommando ist gar nicht so leicht.
Ehrlich gesagt fühlt sich nichts von dem, was ich so von mir gebe, wirklich stimmig an. Außer dem Schmerzempfinden und dem diffusen Leidensdruck und der Angst. Immer fällt mir Deine Bemerkung "Hypnose" ein, dass ich hypnotisiert bin. Das klingt auch "recht gut", aber ich glaube sogar, dass es stimmt. Irgendwie bin ich in einem Wattebausch, Kokon gefangen oder fahre auf dem "Karussell" immer in die Runde. Als ob es etwas geben muss, aber man erkennte es nicht. Und dann der Gedanke: "Und wenn es das nicht gibt, was machste dann?".
Das Augendrehexperiment hat immer noch zu keinem Ergebnis geführt. Entweder ich kann mich nicht genug konzentrieren oder ich bin nicht in der Lage, konstant etwas Negatives absichtlich ohne Anlass zu fokussieren. Nebenbei bin ich sehr von meiner Arbeit in Besitz genommen, die mich "zwingt", dauernd damit fortzufahren. Ich werde die Augendreh-Übung aber noch Mal versuchen später.
Es sind zwei Quellen.
1.) Die Gedanken entstehen aus bereits vielmals gemachten Erfahrungen aus der Vergangenheit. Ich erlerne dadurch diese Gedanken, aus denen dann leider oft das Gedachte sich ereignet.
2.) Die Quelle der emotionalen Reaktion auf die Gedanken ist eine andere: Das ist das "Nervenkostüm", die sog. Psyche, in der die Gedanken (also die Gedanken in Folge bereits gemachter Erfahrungen) einen Abdruck hinterlassen, eine Emotion auslösen.

Das klingt recht gut, aber ist das wirklich DIREKT wahrnehmbar? Oder ist das eine logisch klingende Geschichte? Achte immer und ausschließlich auf Dein Empfinden, das Du bei Aussagen hast. Fühlt es sich wirklich stimmig an? Gibt eine Formulierung ein gutes Gefühl? Fühlt sich die Formulierung angestrengt oder leicht an?
Deine Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten für mich. Kann ich nicht unterscheiden zwischen Denken und Fühlen? Es ist sicher ausgedacht und eine Interpretation aufgrund von Nachdenken. Also eine ausgedachte Geschichte. An die "Quelle" komme ich eigentlich garnicht heran, will mir jedenfalls so scheinen. Also, woher kommen Gedanken und Gefühle? Ich kann doch mein Ich nicht zurückverfolgen bis ich an einer "Quelle" ankomme. Aber auch bei diesen Gedanken habe ich ein mulmiges Gefühl. Alles sehr unklar.
Wenn die Aufmerksamkeit auf immer dasselbe Gedachte fällt, welche Veränderung im Leben kann man dann erwarten? Kann ein Auto, dessen Lenkrad fixiert ist, die Richtung ändern?
So, wie Du es formulierst, ist klar: Da kann sich nicht mehr viel bewegen. Nun ist es aber ja nicht so, dass ich pausenlos auf "immer dasselbe Gedachte" meine Aufmerksamkeit richte. Nur in manchen, nun gut, recht vielen Situationen, tue ich das. Ansonsten erlebe ich ja auch noch mehr oder weniger gute Situationen z.B. bei der künstlerischen Arbeit oder Meditation. Letztere kommt etwas kurz in den letzten Tagen. Also "mein Lenkrad" ist nicht so fixiert, wie ich vielleicht den Eindruck vermittelt habe. Allerdings besteht ein Übergewicht an Aufmerksamkeit auf das Negative. Aber das mach ich ja nicht extra, sondern weil ich etwas als belastend/negativ empfinde. Also krass gesagt: Im KZ kann man schlecht was Anderes empfinden als Unerträglichkeit. Natürlich ein ziemlich ungehöriger Vergleich: Niemand will mich töten aber das Leben ist insgesamt doch schon so etwas wie eine Haft: Haftraum Lebenszeit. Aus dem dann eben nur das Erwachen die Befreiung darstellt. Klingt das wie graue Theorie? Ist es für mich nicht.
Das Nervenkostüm ist die Konserve.
Stimme ich Dir zu: Ich würde es gerne loswerden, so vorhersehbar sind die Reaktionen.
Ich weiß, aber alles Dasein ist Leiden, und das ist auch meine Erfahrung.

Wer oder was erfährt dieses Leid?
Das, was man "ICH" nennt, erfährt das Leid. Was das Leid ausmacht? Au Mann, wo soll ich anfangen? Körpereindrücke ist klar: Migräne vor Allem seit über 50 Jahren (10 mal im Monat, seit ich mich vegan ernähre (also seit 6 Monaten) Halbierung der Attacken.
Gefühle: Das auch schon ein halbes Jahrhundert alte, aber immer wieder neue schmerzhafte Gefühl, nicht zugelassen zu werden zum Kreis der Lebenden. Also fast kein Echo oder eben Ablehnung, Desinteresse zu spüren.
Gedanken: Dass das Leben auf diesem Planeten ein einziges Hauen und Stechen ist und das sich das auch niemals ändern wird/kann. Als Quintessenz also: Alles Dasein ist Leiden - und besser, man wäre nicht geboren. Ich kann das endlos weiterschreiben, aber vielleicht reicht Dir das schon.
Liebe Grüße
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Re: Aufwachen

Postby Glueckseligkeit » Sat Feb 24, 2018 12:12 am

Wer oder was erfährt dieses Leid?
Das, was man "ICH" nennt, erfährt das Leid.

Wer oder was ist "man"?
Was ist "ICH"?
Wie wird Leid erfahren?

OK. Migräne. Schmerzen werden wahrgenommen. Aber wer nimmt wahr? Was leidet, wenn Schmerzen da sind?

Suche engagiert nach dem, was "ich" sagt und "ich" meint. Klar, dass da Gedanken wie "schwierig" auftauchen. Lass Dich nicht davon abbringen, dem Ganzen auf den Grund zugehen. Es gibt nichts zu lernen, nur zu erkennen. Und das mühelos.

Du kannst der Wahrheit niemals näher sein als Du es in jedem Moment bist. Indem Du bestimmte Aspekte als unvollkommen betrachtest, sie verurteilst (ur-teilen, im Ursprung teilen), geht das Spiel los und das Karussell bekommt wieder Geschwindigkeit.

Halte einen Moment inne. Pssst. Absolute Ruhe. Was wäre, wenn alles schon vollkommen wäre und nur irregeleitete und verwirrte Gedanken auftauchen, die Geschichten erzählen und Unzufriedenheit durch unerfüllte Vorstellungen und Wünsche stiften?
Liebe Grüße
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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Sat Feb 24, 2018 1:06 pm

Was ist Ich?
Das Ich ist Knechtschaft, die latent in den Hintergrund tritt, wenn "ich", also wenn das Ichgefühl, etwas verschwindet, wie gesagt in der künstlerischen Arbeit für manche mehr oder weniger lange Strecken. Sobald der Verstand wieder mit Bewertung, ob das wirklich standhält, was man da fabriziert hat, sich einschaltet, ist es aus damit. Absicht ist Gift, nur Spekulation.
Wer oder was ist "man"?
"Man", das ist das sich selbst reflektierende Ich, geht also gar nicht. Wie will das Ich sich selbst verstehen, geschweige denn auf die Schliche kommen, dass es gar nicht existiert? Das ginge ja nur durch das Denken und das ist ein Rohrkrepierer.
Suche engagiert nach dem, was "ich" sagt und "ich" meint.
Ja gut, mach ich, aber WER sucht denn? Ich kann mich nur fallen lassen, einem Unbekannten überantworten oder der Stille, dem Schweigen, wie ich es in der Meditation ja versuche zu machen: Atem-Gewahrsam.
Und das mühelos.
Ich weiß (ich benutze mal weiterhin diese Konvention, "ich" zu sagen, eine Krücke), dass jede Anstrengung kontraproduktiv ist, und dass es nichts zu erreichen gibt. "Sei das, was du bist", nach dieser Devise. Man kann endlos um den heißen Brei herum reden (damit meine ich nicht unseren Dialog).
Du kannst der Wahrheit niemals näher sein als Du es in jedem Moment bist.
Ein toller Satz, den ich natürlich schon lange kenne. Trotzdem gut, sich immer wieder (gerade in der Verzweiflung) daran zu erinnern.
geht das Spiel los
Ja, das Spiel... für den Träumer, der aufwachen WILL. Eben Traumspiel, aber leider ohne echte, also nicht verstandesmäßige, Bewusstheit für den Traum. Denn dann könnte man ihn ja sogar genießen.
Halte einen Moment inne. Pssst. Absolute Ruhe. Was wäre, wenn alles schon vollkommen wäre und nur irregeleitete und verwirrte Gedanken auftauchen, die Geschichten erzählen und Unzufriedenheit durch unerfüllte Vorstellungen und Wünsche stiften?
Wenn alles schon vollkommen wäre, also "ich" echt in diesem Bewusstsein wäre, wäre Ruhe im Karton. Nur noch Staunen über diese Inkarnation und das Spiel der Welt. Frieden auch, durch nichts zu erschütternder Frieden, wie zu Hause Sein.
Wenn irregeleitete Gedanken auftauchen würden, sofortiges Durchschauen und vergessen derselben. "Ich" würde mich sofort auf die wirkliche Wirklichkeitsebene "begeben", nicht auf die relative.
Lieben Gruß
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Re: Aufwachen

Postby Klaus » Sat Feb 24, 2018 3:58 pm

Wie wird Leid erfahren?
Leid wird erfahren als Trennung von ? ich weiß es nicht. Leid auf der physischen Ebene lasse ich jetzt mal weg. Alles übrige Leid wird als Getrennt-Sein und nicht Ganz-Sein erfahren. Es fehlt was. Wenn Du mich jetzt fragst "Hast Du das so erlebt oder ist das nur gedacht?" muss ich sagen, es ist eine Mischung von Beidem, erlebt und gedacht im Nachhinein. An sich ist es "nur" ein Gefühl von Allein-Sein (im negativen Sinn, da es ja auch Allein-Sein im positiven Sinn gibt). Aber hier fehlt augenscheinlich etwas, etwas Verbindendes wird schmerzlich vermisst, Abgespalten-Sein und vor Allem auch Ohnmacht, Ausgeliefert- Sein.
Mit der Augendreh- Übung, das krieg ich bislang nicht hin, ich fühle Garnichts, da tut sich nix.
Lieben Gruß
Klaus


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