Postby asmaha » Thu Feb 12, 2015 8:23 pm
Also, diese Angst um die es da ging, war ja die Angst, diese Einsicht wieder zu verlieren – „Angst“ ist dafür ein ziemlich dramatisches Wort, es ist ja eher eine Sorge. Aber ich habe auch das Gefühl, dass es sehr sinnvoll ist, wenn ich konkret werde. Ich beschreibe einfach mal ein bisschen, was so konkret in letzter Zeit bei mir vorgeht, dann ist das vielleicht greifbarer, woran ich festhänge…
Ich lebe gerade in so einer Pendelbewegung. Klarheit und Verwirrung, Einfachheit und Kompliziertheit, Ausdehnung und Zusammenziehung wechseln sich so circa im Zwei-Tages-Rhythmus ab (so als grobe Tendenz, im Kleinen gibt es dann auch alle möglichen Veränderungen).
Da ist manchmal diese Wahrnehmung von „es gibt nur DIES HIER“, Sinneseindrücke, Gedanken tauchen in dieser Wirklichkeit, diesem JETZT, auf und verschwinden und eine Geschichte die dazu auftaucht, wie z.B. „Das ist MEINS“ ist nur eine Geschichte, die eben auch jetzt auftaucht.
Und dann wieder: Na klar bin ICH da. Oder was ist das hier?? Dass das Ich eine Illusion ist – das ist eben so ein Wissen, so was wie „die Erde ist rund“. Das ist ja mittlerweile auch der Stand der Neurowissenschaft, fast Allgemeingut. Und okay, ich kann auch in der Introspektion kein „Ich“ finden, aber was verändert das?
Dann wieder sehe ich, dass sich natürlich schon viel verändert, bereits verändert hat und vieles unter einer neuen Perspektive wahrgenommen wird.
Und dann denke ich: Das verändert einfach Alles!
Und dann: Oh mein Gott!! Ist das wahnsinnig!! Es gibt mich gar nicht, und auch sonst niemanden, ach du scheiße!! Wie kann das sein? Irgendwie gibt es dann ja überhaupt nichts! Vielleicht werde ich einfach nur verrückt??
Dann wieder: Das sind nur Gedanken, die gerade auftauchen. Was ist jetzt sonst noch da, außer Gedanken? – und dann: Einfaches Geschehen, Körperempfindungen, Sinneseindrücke, Gefühle. Frieden.
Und dann wieder: Kann es so einfach sein? So unspektakulär? Was macht es überhaupt für einen Unterschied? Müsste es dann nicht jeder checken, oder zumindest viel mehr Leute?
Oder ist das doch nur Einbildung? Vielleicht wurde einfach nicht genau genug nachgeschaut? Vielleicht lässt sich das Ich nicht auf diese Art finden (nicht dass mir eine andere einfallen würde), aber ernsthaft anzunehmen, es sei nicht da?? Was ist das für ein komischer Spleen?
Und Verwirrung.
Und dann irgendeine einfache Tätigkeit, Gemüse schneiden, Fahrrad fahren, und plötzlich Staunen: Wie geht das alles? Was ist das alles hier? Alles ist einfach da, alles scheint ganz von alleine zu geschehen… Was für ein unglaubliches Wunder alles ist! Und wo soll da „Ich“ sein, außer in genau diesem Gedanken?
Dieser Körper, diese Gedanken die dieses Empfinden hier als „Körper“ benennen… Unfassbar!
Und dann der Versuch, es doch zu fassen, zu verstehen, das Erkannte in gedanklichen Formeln zu konservieren um es zu behalten – und die Feststellung: Es entzieht sich, ich verstehe das alles überhaupt gar nicht, ich weiß gar nichts mehr – Verunsicherung, Verwirrung.
Und dann wieder Angst: Wie unendlich sinnlos alles wäre, wenn das Ich tatsächlich eine Illusion ist! Was bleibt dann übrig von meinem Leben?
Und dann wieder: Frieden. Trotz Zeitdruck und auch unter Menschen, in der Uni z.B., heimlich Frieden, und das Gefühl: Ich bin das alles hier, alles, was „es gibt“… Alles, was in der Wahrnehmung erscheint (ohne dass es da eine Wahrnehmung ohne Objekt gäbe). Wie konnte ich nur glauben, ich sei dieser Körper hier, der etwas tut, oder ein etwas in diesem Körper drin?
Und dann z.B. der Wunsch, durch dieses Durschauen besser zu sein als andere, überlegen zu sein. Fantasien, wie ich andere belehre – und dann Scham wegen diesen. Und Gedanken: Du bist so verhaftet! Hast du dir eingebildet, irgendwas verstanden zu haben? Blödsinn!!
Dann ein sich-Einlassen auf dieses Gefühl, z.B. Scham: Es spüren, erleben, erlauben. Dadurch bald wieder Weite. Und die Frage Wer fühlt dieses Gefühl?... und keine Antwort, aber Stille.
Dann wieder die Beobachterempfindung: Ich bin eben das, was diese Gedanken, diese Sinneseindrücke wahrnimmt. Verbunden mit so einem diffusen Empfinden, als sei dieser Beobachter sozusagen an der Hinterseite meines Körpers lokalisiert, von da aus die ganze innerliche und äußerliche Szenerie vor ihm wahrnehmend.
Dann, dieses Empfinden überprüfend, die Feststellung: Dieser Beobachter erscheint nur in Gedanken, da gibt es nichts.
Und dann plötzlich Lachen, beim Anziehen oder Zähneputzen oder Sitzen: Wie klar, wie unverständlich, wie einfach! Natürlich ist da kein Ich, wie sollte das auch gehen??
Und dann später wieder: Vielleicht ist das Ich ja die Aufmerksamkeit? Wenn ich mich stark auf etwas konzentriere ist dieses Willensgefühl besonders spürbar. Aber dann ist Aufmerksamkeit, genau wie Wahrnehmung, nicht von ihrem Objekt trennbar.
Dann z.B. lese ich andere, abgeschlossene Dialoge hier im Forum und denke: Oh Mann, was die alles verstehen und erleben, bei mir passiert ja überhaupt nichts, ich bin so viel dümmer und verwirrter als die, scheiße!
Und dann wieder: Okay, das sind Gedanken die auftauchen… Wer hat diese Gedanken? Oh, da ist niemand zu finden! Da sind einfach Gedanken, die auftauchen, Zweifel die auftauchen… Es ist total sinnlos, zu vergleichen…
Und dann irritiert mich z.B., dass Tony Parson immer betont, das Ich sei eine energetische Kontraktion und kein Gedanke – vielleicht ist das gar nicht der richtige Weg, zu versuchen, das Ich als Gedanken zu entlarven? Steigt als Zweifel auf.
Und dann wieder: „Energetische Kontraktion“ ist auch nur ein Gedanke, was bitte soll das sein? Und wer denkt das eigentlich gerade? Oh, Niemand…
Puh, ein ganz schönes Durcheinander…