Ist eine Entscheidung etwas das gemacht wird, oder ein Teil eines Prozesses?
Wenn eine Entscheidung etwas ist das gemacht wird, dann muss es einen geben der das macht, separat, eigenständig.
Ist eine Entscheidung ein Teil eines Prozesses, einer von vielen anderen, warum sollte es dann einen Entscheider brauchen?
Nimm folgende Beobachtung mit in den Tag:
Werden Entscheidungen getroffen, oder werden Entscheidungen erfahren?
Morgenstund hat Gold im Mund.
Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Es reichen mir die Beobachtungen der letzten 5 Min. vor dem Bildschirm :-) Wohin ich den Blick wende, abrupt wechsele, welche Gedanken verworfen und welche weitergesponnen gelassen werden, dass ich mich plötzlich aufsetze und meinen Rücken durchstrecke, ... Die Erinnerung an das spontane sich Kratzen, als der "Juckreiz" erst nachträglich denkerisch rekonstruiert wurde - alles spricht definitiv für erfahrene Entscheidungen und nichts anderes.
Geht es um Entscheidungen am Ende eines denkerisch dominierten Prozesses, mag der Eindruck entstehen, ein Ich hätte das getan. Das liegt aber am Denken und seiner Möglichkeit der besonderen Eigendynamik ...
Geht es um Entscheidungen am Ende eines denkerisch dominierten Prozesses, mag der Eindruck entstehen, ein Ich hätte das getan. Das liegt aber am Denken und seiner Möglichkeit der besonderen Eigendynamik ...
- Barbarossa
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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Gibt es eine Möglichkeit in diese Prozesse einzugreifen, Entscheidungen zu beeinflussen, den Ausgang einer Entscheidung zu bestimmen?
Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Der Gedanke, „es hätte auch anders gehen können“, ist nur ein Gedanke ...
„Möglichkeiten“ sind nur Gedanken …
Gedanken kommen aus dem Nichts und gehen nirgendwo hin, sind unwillkürlich da, wechseln chaotisch ...
Der Wahrnehmungsprozess läuft ...
Reset: Es gibt keine Entscheidungen - also auch keine beeinflussbaren.
Verflixt. Das muss ich erstmal verdauen. Ich fahr´ mal ´ne Runde Rad.
„Möglichkeiten“ sind nur Gedanken …
Gedanken kommen aus dem Nichts und gehen nirgendwo hin, sind unwillkürlich da, wechseln chaotisch ...
Der Wahrnehmungsprozess läuft ...
Reset: Es gibt keine Entscheidungen - also auch keine beeinflussbaren.
Verflixt. Das muss ich erstmal verdauen. Ich fahr´ mal ´ne Runde Rad.
- Barbarossa
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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Tu das.Das muss ich erstmal verdauen.
Und überprüfe das, ob das tatsächlich so ist.
Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Was gestern noch als „der gesamte Wahrnehmungsprozess ist eine einzige Abfolge von Entscheidungen“ empfunden wurde, ist schlicht eine Abfolge wechselnder Sinnes- und
Denk-Wahrnehmungen. Der Kapitän ist keiner im Sinne eines entscheidenden Subjektes. Wahrnehmen ist.
Das Gefühl, etwas entscheiden zu können, ist wohl eng verknüpft mit dem Ichgefühl. Das bringt das gesamte Konzept von „Freiheit“ aus der Fassung. Also muss Punkt 5 meines Beitrages vom 24.05. neu geschrieben werden … alles rund um „Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle und Wofür bist du verantwortlich?“ wackelt.
Da brauche ich noch einiges Hinterfragen :-) Auf jeden Fall hat dein stetes Nachhaken ein steigendes Druckgefühl ausgelöst, dem ich ausweichen wollte … und mit jedem Ausweichen zog sich die Schlinge fester zu … bis ich „den Kern“ fallen gelassen habe. Dann war es wieder da: Jenes Gefühl der Erleichterung.
Denk-Wahrnehmungen. Der Kapitän ist keiner im Sinne eines entscheidenden Subjektes. Wahrnehmen ist.
Das Gefühl, etwas entscheiden zu können, ist wohl eng verknüpft mit dem Ichgefühl. Das bringt das gesamte Konzept von „Freiheit“ aus der Fassung. Also muss Punkt 5 meines Beitrages vom 24.05. neu geschrieben werden … alles rund um „Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle und Wofür bist du verantwortlich?“ wackelt.
Da brauche ich noch einiges Hinterfragen :-) Auf jeden Fall hat dein stetes Nachhaken ein steigendes Druckgefühl ausgelöst, dem ich ausweichen wollte … und mit jedem Ausweichen zog sich die Schlinge fester zu … bis ich „den Kern“ fallen gelassen habe. Dann war es wieder da: Jenes Gefühl der Erleichterung.
- Barbarossa
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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Was meinst du denn mit Freiheit - frei wovon?Das bringt das gesamte Konzept von „Freiheit“ aus der Fassung.
Und was wäre das, was dann frei wäre?
Wie würdest du denn momentan Frage nr. 5 beantworten?
(5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden oder geschehen können?)
Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Die „Nr.5“ mit all ihren Konzepten („Entscheidung“, „Absicht“, „freier Wille“, usw.) ist mir noch zu viel. Wende mich erst einmal der „Freiheit“ zu.
*Schau, da geschieht eine Bewegung: Die ganze Nr.5 vermittelt ein Gefühl von „zu viel“, von erdrückt-werden, es setzt eine Ausweichbewegung ein, eine Blick-Verengung auf „Freiheit“. Wie durch ein Tor bewegt sich Aufmerksamkeit durch dieses Wort hindurch, es öffnet sich etwas. Der Fokus auf das eine nimmt Druck weg, erleichtert, der Gedankenhorizont weitet sich, hier kann Wahrnehmung verweilen:*
Hier war gerade das direkte Erleben von Freiheit. Damit verbunden ist 1. das spüren eines unangenehmen Zustandes, 2. das „instinktive“ Suchen nach einem Ausweg und 3. das (gedankliche) Durchschreiten des “Tores“. Es geschieht schlicht. Dazu braucht es wache Wahrnehmung, keinen Entscheider. Ob ich eine Wahl gehabt hätte, ist nicht relevant, weil der Augenblick zählt, also erlebt wird.
*Jetzt verweile ich in der Weite des Begriffes „Freiheit“.*
Philosophische Betrachtung: 1. „Ich“ als Basis bedeutete einen unabhängigen Steuerer, der uneingeschränkt durch leibliche, emotionale oder denkerische Einschränkungen entscheiden kann, wo´s langgehen soll …
2. Wahrnehmung als Basis erfordert wach sein für die – oft extrem schnell ablaufende – „Wechselwirkung“ … tja und nun wird’s anders: … Wechselwirkung zwischen „innen“ und „außen“ oder zwischen „Wahrgenommenem“ und „Wahrnehmer“ …? Aber diese „beiden“ (innen-außen, Wahrgenommenes-Wahrnehmer) sind eins. „Wechsel“wirkt da überhaupt etwas? Was ist dieses empfundene „Pendeln“ zwischen Wahrnehmen und einer Reaktion darauf?
*Jetzt stehe ich auf weiter „Freiheits“flur und wundere mich nur noch nur.*
Na ja – Punkt 1 denke ich nicht weiter („ich“ als Basis). Für Punkt 2 brauche ich Hilfe …
*Schau, da geschieht eine Bewegung: Die ganze Nr.5 vermittelt ein Gefühl von „zu viel“, von erdrückt-werden, es setzt eine Ausweichbewegung ein, eine Blick-Verengung auf „Freiheit“. Wie durch ein Tor bewegt sich Aufmerksamkeit durch dieses Wort hindurch, es öffnet sich etwas. Der Fokus auf das eine nimmt Druck weg, erleichtert, der Gedankenhorizont weitet sich, hier kann Wahrnehmung verweilen:*
Hier war gerade das direkte Erleben von Freiheit. Damit verbunden ist 1. das spüren eines unangenehmen Zustandes, 2. das „instinktive“ Suchen nach einem Ausweg und 3. das (gedankliche) Durchschreiten des “Tores“. Es geschieht schlicht. Dazu braucht es wache Wahrnehmung, keinen Entscheider. Ob ich eine Wahl gehabt hätte, ist nicht relevant, weil der Augenblick zählt, also erlebt wird.
*Jetzt verweile ich in der Weite des Begriffes „Freiheit“.*
Philosophische Betrachtung: 1. „Ich“ als Basis bedeutete einen unabhängigen Steuerer, der uneingeschränkt durch leibliche, emotionale oder denkerische Einschränkungen entscheiden kann, wo´s langgehen soll …
2. Wahrnehmung als Basis erfordert wach sein für die – oft extrem schnell ablaufende – „Wechselwirkung“ … tja und nun wird’s anders: … Wechselwirkung zwischen „innen“ und „außen“ oder zwischen „Wahrgenommenem“ und „Wahrnehmer“ …? Aber diese „beiden“ (innen-außen, Wahrgenommenes-Wahrnehmer) sind eins. „Wechsel“wirkt da überhaupt etwas? Was ist dieses empfundene „Pendeln“ zwischen Wahrnehmen und einer Reaktion darauf?
*Jetzt stehe ich auf weiter „Freiheits“flur und wundere mich nur noch nur.*
Na ja – Punkt 1 denke ich nicht weiter („ich“ als Basis). Für Punkt 2 brauche ich Hilfe …
- Barbarossa
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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Einen Ausweg aus unangenehmen Zuständen nehmen zu müssen klingt nicht gerade nach Freiheit.Hier war gerade das direkte Erleben von Freiheit. Damit verbunden ist 1. das spüren eines unangenehmen Zustandes, 2. das „instinktive“ Suchen nach einem Ausweg
Wenn unangenehme gleich wie angenehme Zustände sein dürften, das wäre Freiheit.
Was wäre das, was frei wäre?
Wie meinst du das genau, welche Wechselwirkung?Wahrnehmung als Basis erfordert wach sein für die – oft extrem schnell ablaufende – „Wechselwirkung“
Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Tja, das Wahrnehmen von „Wechselwirkung“ offenbart wohl doch wieder die dualistische Sicht. Ähnlich wie „Entscheidung“. Wieder und wieder und wieder: Es ist nur Wahrnehmen. Freiheit wäre dann wohl genau das: Erkennen, dass alles „nur“ ichloses Wahrnehmen ist. Es gibt nichts, was frei sein könnte. Genauso wie es nichts gibt, was gefangen sein könnte. Alles ist eins, angenehme Erfahrungen, unangenehme sowie neutrale.
Ist es dieses eingewöhnte dualistische Ich, das erst Bewertungen wie angenehm, unangenehm und egal entstehen lässt? Hatten wir dieses Thema nicht schon? Ich glaube, es sind noch viele Schleifen nötig.
Ist es dieses eingewöhnte dualistische Ich, das erst Bewertungen wie angenehm, unangenehm und egal entstehen lässt? Hatten wir dieses Thema nicht schon? Ich glaube, es sind noch viele Schleifen nötig.
- Barbarossa
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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Naja, eine Bewertung ist eine Bewertung, nicht mehr und nicht weniger.Ist es dieses eingewöhnte dualistische Ich, das erst Bewertungen wie angenehm, unangenehm und egal entstehen lässt?
Was gibt diesen Bewertungen Gewicht, was sagt, dass es jetzt anders sein sollte als es ist, das unangenehmes nicht sein darf?
Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Eine Gewohnheit ..., sich angewöhnt haben, Glück nur als eine erfolgreiche Flucht vor „Unangenehmem“ zu sehen, bzw. als erfolgreiches Erlangen von Angenehmem. Dass dieser Weg zu endlosen Wiederholungen führt aufgrund der Vergänglichkeit eben jenes „Glückes“, ist klar.
Dass Erkennen all jener „Reaktionen“ („Entscheiden“, „Wechselwirken“, „Beurteilen“ und ich nehme mal an, auch „Absicht“, „freier Wille“, „Wahl“, „Kontrolle“ und „Verantwortung“) schlicht als Denkkonzepte ist erstaunlich. Wobei es eben nicht einfach nur denkerisches Erkennen ist. Damit einher gehen Gefühle der Verblüffung, kurzen Orientierungslosigkeit, … Gewohntes wird „schön“ auseinandergenommen. Ganz schön anstrengend … aber gut.
Sind denn jene Gefühle (Erleichterung, Verblüffung, Orientierungslosigkeit, ..) auch „nur“ gedacht? Na ja, zumindest gehören sie zum Wahrnehmungskosmos dazu. Ich sollte sie wohl auch „einfach“ so belassen, wie sie sich anfühlen, ohne weiter darüber zu grübeln. Sie sind halt da und wieder weg, eigentlich sehr ähnlich wie Gedanken. Vorläufiges Fazit: Dieses Rumdenken und Konzepte bilden IST das Ich, was sich bei genauerer Betrachtung auflöst: es ist das, was „Gewicht“ verleiht, so dass sich Konzepte gefühlsmäßig „aufladen“.
Dass Erkennen all jener „Reaktionen“ („Entscheiden“, „Wechselwirken“, „Beurteilen“ und ich nehme mal an, auch „Absicht“, „freier Wille“, „Wahl“, „Kontrolle“ und „Verantwortung“) schlicht als Denkkonzepte ist erstaunlich. Wobei es eben nicht einfach nur denkerisches Erkennen ist. Damit einher gehen Gefühle der Verblüffung, kurzen Orientierungslosigkeit, … Gewohntes wird „schön“ auseinandergenommen. Ganz schön anstrengend … aber gut.
Sind denn jene Gefühle (Erleichterung, Verblüffung, Orientierungslosigkeit, ..) auch „nur“ gedacht? Na ja, zumindest gehören sie zum Wahrnehmungskosmos dazu. Ich sollte sie wohl auch „einfach“ so belassen, wie sie sich anfühlen, ohne weiter darüber zu grübeln. Sie sind halt da und wieder weg, eigentlich sehr ähnlich wie Gedanken. Vorläufiges Fazit: Dieses Rumdenken und Konzepte bilden IST das Ich, was sich bei genauerer Betrachtung auflöst: es ist das, was „Gewicht“ verleiht, so dass sich Konzepte gefühlsmäßig „aufladen“.
- Barbarossa
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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Was ist ein Gefühl, und was ist ein Gedanke?Sind denn jene Gefühle (Erleichterung, Verblüffung, Orientierungslosigkeit, ..) auch „nur“ gedacht?
Was ist der Unterschied zwischen einem Gefühl und einem Gedanken?
Das musst du mir erklären.Dieses Rumdenken und Konzepte bilden IST das Ich
Rumdenken kenne ich.
"Rumdenken ist das Ich" - das verstehe ich nicht, gibt es nun doch ein Ich?
Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Danke für die Erinnerung: Gefühl ist die direkte Erfahrung dessen. Sobald es benannt wird, ist das zwar der Versuch einer „Etikettierung“, jener Name für das Gefühl ist aber nicht das Gefühl selber. Soweit ist der Unterschied wieder klar.
„Dieses Rumdenken und Konzepte bilden IST das Ich, was sich bei genauerer Betrachtung auflöst“, sollte heißen, dass eben diese sehr starke Gewohnheit des gedanklichen Benennens und dann Konzepte bildens vermischt mit dem Stolz darauf sein, was für ein Schlaumeier da doch ist …, all das, das ist das Ich. Wenn aber genauer draufgeschaut wird, alle Einzelgedanken und Fehlschlüsse aufgedröselt werden, dann bleibt eben nichts aus sich heraus Beständiges übrig. So war´s gemeint.
„Dieses Rumdenken und Konzepte bilden IST das Ich, was sich bei genauerer Betrachtung auflöst“, sollte heißen, dass eben diese sehr starke Gewohnheit des gedanklichen Benennens und dann Konzepte bildens vermischt mit dem Stolz darauf sein, was für ein Schlaumeier da doch ist …, all das, das ist das Ich. Wenn aber genauer draufgeschaut wird, alle Einzelgedanken und Fehlschlüsse aufgedröselt werden, dann bleibt eben nichts aus sich heraus Beständiges übrig. So war´s gemeint.
- Barbarossa
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- Joined: Sun Apr 30, 2017 7:22 pm
Re: Morgenstund hat Gold im Mund.
Ah ok, ich verstehe.
Kannst du da bitte genauer darauf eingehen, mir das genauer erklären?Wahrnehmung als Basis erfordert wach sein für die – oft extrem schnell ablaufende – „Wechselwirkung“
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