Hallo Grace!
Ja, es ist wahr, dass ich tatsächlich immer versuche, der Sache mit den Gedanken, der Logik, also intellektuell auf dich Schliche zu kommen. Das scheint die dominante alte Gewohnheit zu sein. Ich werde versuchen, es auf die Wahrnehmungs-Ebene zu bringen. Bitte pfeif mich immer wieder zurück, wenn ich wieder mal ganz offensichtlich im alten Muster stecke.
Ja, in meiner Wahrnehmung ist immer noch ganz stark dieses Ich-Gefühl vorhanden. Diese Ich-Verhaftung. Für einen kurzen Moment kam es mir so vor, als habe sich diese Wahrnehmung verändert. Aber das hilft ja offenbar nicht weiter.
Bei dem, was du geschrieben hast, ist mir wieder klar geworden, dass das Ich ja permanent nicht da ist, nie da war. Von daher ist ja auch jetzt kein Ich hier und die Wahrnehmung nimmt auch jetzt wahr, wie es ohne Ich ist. Nur eben noch inklusive dieses Gefühls von Ich.
Das ist mal wieder die intellektuelle Ebene und wenn ich dich richtig verstehe, könnte ich die deiner Meinung nach auch genauso gut weglassen. Okay.
Erklär mir das mal, wie es ist, wenn das ICH "weg" ist!
Und wie macht es sich bemerkbar, wenn es dann wieder "da" ist?
Ich kann nur vom Ich-Gefühl schreiben. Wenn das Ich-Gefühl da ist, dann kommt es mir so vor, als würde ICH das alles beobachten, machen, entscheiden, denken, fühlen, wahrnehmen... Alles ist irgendwie meins und auf mich bezogen.
Es ist schon immer wieder klar, dass ich die Entscheidung nicht getroffen habe, jetzt einen Schluck Wasser zu trinken. Das passiert ohne bewusste Entscheidung und ich beobachte dann nur, dass es geschieht. Und wenn ich "bewusst" dabei bin, dann wundere ich mich zuweilen darüber, dass "ich" diese Entscheidung doch gar nicht getroffen habe, und dennoch wird da nach dem Glas gegriffen... Aber oft genug fühlt es sich auch noch so an, als habe ICH die Entscheidung getroffen.
Aber die Beobachtung. Die Wahrnehmung. Die ist noch total mit diesem Ich-Gefühl verbunden. So als würde ICH das wahrnehmen. Wobei das auch schwankt. Manchmal (so wie jetzt gerade) ist diese Verbindung auch weniger stark. Aber ja: Fühlt sich an, wie die alte Gewohnheit, das gedanklich mit ICH zu belegen.
Und ja: Keine Ahnung, wie es sich anfühlen könnte, wenn dieses Ich-Gefühl sich aufgelöst hat, aber eben eine Vorstellung. Ich versuche mal, die beiseite zu legen, und mich überraschen zu lassen.
Berichte ausschließlich aus deiner DIREKTEN ERFAHRUNG!!!
Wenn das ICH also jetzt gerade "da" ist, wie genau ERFÄHRST du das dann?
Wie erlebst du es JETZT in diesem Moment?
Geh nicht gedanklich in die Vergangenheit! Was ist JETZT?
Gerade sitze ich hier, versuche, das Ich-Gefühl bewusst wahrzunehmen, um es beschreiben zu können und erlebe gefühlsmäßige Verwirrung. Da ist nichts so richtig greifbar.
Hmpf. Ratlosigkeit. Also gut, Wahrnehmung: Angespanntes Gefühl im Bauch. Fühlt sich an, wie MEIN Gefühl. Kenne ich schon lange, ist eklig. Dazu kommt ein Gefühl von Abwehr, von Ärger, von Verzweiflung und Tränen in den Augen. Fühlt sich erstmal an, wie MEINS, weil es eben so gewohnheitsmäßig als MEINS empfunden wird.
Ich versuche, zu erforschen, ob es auch anders empfunden werden kann. Die Gedanken driften ab. Erinnerungen an den gestrigen Abend kommen dazwischen. Jetzt ist das bewusst geworden und ich schreibe darüber. Also die Finger. Reiben im Gesicht. Ratlosigkeit, Tränen in den Augen, nicht weiter wissen. Traurigkeit, das Gefühl, es nicht richtig zu machen, nicht wissen, wie ich es besser oder richtig machen kann.
Verwirrtheit. Ratlosigkeit.
Das lasse ich jetzt erst mal so stehen. Gerade ist da nicht mehr an Produktivität...