wir haben zusammen bereits herausgefunden, dass "Du" weder im Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Fühlen oder Denken zu finden bist. Es schien da einen Beobachter zu geben, der das alles wahrnimmt. Doch bei genauerer Untersuchung war auch er nicht zu finden. Zuletzt haben wir folgenden Dialog geführt:
Denn ich habe festgestellt, dass ich immer noch Erwartungen habe und auf irgend etwas Besonderes oder Grossartiges warte, das sich vielleicht irgendwann einmal einstellen wird. Und diese Erwartungen lenken natürlich von dem ab, was ist, und so habe ich oft das Gefühl, das kann es doch nicht sein, da muss doch noch etwas anderes passieren, oder ich zweifle wieder an meinen Wahrnehmungen und die Suche geht von neuem los... Das scheint wie ein Automatismus zu sein, obwohl ich weiss, dass es hier nicht um besondere Erfahrungen oder Erlebnisse geht.
Wie fühlt es sich an dieser Raum zu sein, in dem alles andere geschehen kann, ohne dass es den Raum irgendwie berührt?
Manchmal empfinde ich das sehr deutlich; das fühlt sich dann sehr lebendig an, wobei es kein körperliches Geschehen ist, sondern eher wie eine Energie, die alles durchdringt und belebt. Und dann tritt es wieder in den Hintergrund und wird kaum oder gar nicht wahrgenommen.
Es mag sein, dass Du auf etwas Großartiges wartest. Es mag sogar sein, dass etwas Großartiges passiert. Aber egal was es ist: es wird in dem "Raum" passieren, der Du bist. Es wird einfach eine weitere Erfahrung sein, die jetzt gerade nicht da ist, dann da sein wird, und dann wieder vorbei ist. Denke Dir die absolut gigantischte Erfahrung aus - wird es mit ihr anders sein?
Du schreibst auch, dass Dich diese Erwartungen von dem ablenken, was jetzt ist. Aber in dem Moment, wo sie auftauchen, sind die Erwartungen das, was jetzt ist. Oder nicht? Anschließend mag ein Gedanke kommen, dass Du mehr im Jetzt sein und nicht solche Erwartungen haben solltest. Auch das ist dann, was jetzt ist.
Wie geht es Dir mir all dem jetzt gerade?
Im Moment ist es so, dass das Schauen und Untersuchen immer mehr in meinen Alltag hineinwirkt. Egal, ob ich unterwegs bin, zuhause oder bei der Arbeit, -- immer mehr kann ich mit dem sein, was gerade da ist, auch mit den Widerständen und der Unruhe. Und immer wieder wird mir bewusst, dass auch das einfach nur Gedanken sind. Und wie immer wieder eine Ich-Vorstellung mit diesen Gedanken einhergeht und mit diesen auch wieder verschwindet.
Und dazwischen immer mal wieder: nichts. Oder einfach Offenheit für: alles.
Das ganze scheint mir schon eine Art bewusstes Deconditioning zu sein. Das ist manchmal auch ziemlich anstrengend, wenn man immer so auf der hut ist. Aber alles in allem bereitet es sehr viel Freude und auch Erleichterung im wahrsten Sinne des Wortes!
Ja, das mit der Dekonditionierung kann ich nachvollziehen. Wobei das für mich auch einen "doppelten Boden" hat: ist das vielleicht nicht nur eine neue Konditionierung, die "richtiger" zu sein scheint als die alte? Vorher hast Du angenommen es gibt ein Ich und dem entsprechend hat Deine Welt funktioniert. Jetzt nimmst Du an es gibt kein Ich und dem entsprechend baust Du nun Deine Welt um. Also... mal überspitzt gesagt. Was sagt denn die "Quelle" dazu? Ist Konditionierung oder Dekonditionierung richtiger? ;)
Wie sieht es denn jetzt gerade aus mit den oben genannten Erwartungen? Was würde "etwas Grossartiges" an dem ändern, was Du bereits entdeckt hast? Was glaubst Du scheint noch zu fehlen? Würdest Du behaupten, dass Du die Illusion des Ichs grundsätzlich durchschaut hast?Deine Bemerkung über den doppelten Boden kann ich gut nachvollziehen. Trifft das aber nicht auf alles zu, auch auf die sog. Quelle? ... Früher war da Identifikation mit den wechselnden Bewusstseinsinhalten, jetzt gibt es Identifikation mit der Quelle. Sind nicht Quelle, Bewusstsein, "Raum" etc. auch alles nur Konstrukte? Das Einzige, was mir unhintergehbar scheint, ist, dass ich bin. Alles andere scheint mir irgendwie ausgedacht.
Es ist da, was da ist. Sinneseindrücke, Körperempfindungen, Gefühle. Und immer wieder Gedanken, die sich als eine Art „augmented reality“ vor das schieben, was jetzt gerade da ist. Das wird manchmal gesehen, manchmal nicht. Und mit den Gedanken gehen Ich-Vorstellungen einher. Auch das wird manchmal gesehen, manchmal nicht. Was immer da ist, – je nach Perspektive: alles ist Veränderung / der Raum, in dem all dies stattfindet. Und Entspannung im Wissen, dass es nicht mehr braucht, als was da ist. Auch Letzteres ist nicht konstant: Suchimpulse kommen und verpuffen wieder. Von alleine.
Ich möchte dir noch einmal ganz herzlich für deine Unterstützung danken – deine Hinweise haben mir sehr dabei geholfen, die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Dabei hat sich einiges für mich geklärt: z.B. dass es einfach nur Erfahrung von Moment zu Moment gibt und kein separates „Ich“, das von dieser Erfahrung getrennt ist. Aber wenn ich das aufschreibe, zögere ich schon wieder, weil dies so nach fixer Erkenntnis tönt, obwohl da niemand ist, der irgendeine Erkenntnis haben könnte. Deshalb ist es auch so schwierig festzustellen, wo man überhaupt in diesem Prozess steht bzw. wie tief die Wahrheit eingesunken ist.

