Jetzt will ich´s wissen

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wolf
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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby wolf » Wed Jan 30, 2013 11:28 pm

Hinter der Angst treten Mitgefühl, Zuneigung und Liebe auf.
Das Anatta-Ich sagt, es sei selbst mit diesen Emotionen gemeint. „Ich mag Anatta offensichtlich“.
Wolf bezweifelt das.
Wolf sagt, diese Emotionen treten auf und Dankbarkeit obendrein, und sie werden nicht interpretiert oder auf irgendwen bezogen. So wie du selbst schriebst:
„Während der Meditation hatte ich schon Momente, in denen ich nur wahrgenommen habe. Ohne irgendwelche Interpretation des Wahrgenommenen“.
Mag sein, dass der Anlass für das Auftreten der Emotionen das sich Auflösen von Anatta war.
Und dann werden Mitgefühl, Zuneigung und Liebe empfunden und Dankbarkeit und Glückseligkeit . . . für ? ? ?
Gibt sich der wolf hier einer Traumvorstellung hin, oder ist da was dran? (1. Frage)

Das Anatta-Ich befürchtet: „Die Fähigkeit, im Alltag zu funktionieren“ könnte verlorengehen.
Das ist typisch „Ich“. ** Ohne „mich, Anatta-Ich“ funktioniert hier garnix! **
Nein, das Leben geht weiter, wie es bisher gegangen ist.
Denn bisher hatte die Ich-Illusion nie etwas bewirkt.
Sie hatte das nur ständig von sich behauptet, dass sie der Macher sei.
**“Ich“ bin der Schöpfer meiner Gedanken; „Ich“ kontrolliere, was ich fühle; „Ich“ entscheide täglich über mein Leben und für das Beste meiner Kinder**
Alles Lügen! Oder nicht ? (2. Frage)

Anatta schrieb:
„Irgendwo her muß doch die Motivation kommen, sich überhaupt mit so etwas wie Ich-Illusion und deren Auflösung zu beschäftigen?“
Ja, woher kommt deine Motivation? Woher kommt dein Gedanke, dich mit der Ich-Illusion zu beschäftigen? Gibt es irgendwo einen Motivations-Auslöser, einen Gedanken-Produzent? Wird der eventuell „Ich“ genannt? Oder „Anatta“? (gehört zur zweiten Frage)

Anatta schrieb:
„Sind es also doch zwei Dinge, die in mir sind? Das Herz und der Geist?“
„in mir“ . . . sagt das Anatta-Ich.
Wolf bezweifelt das „in mir“.
Denn, was wahrgenommen wird ist das, was wahrgenommen wird bevor es (vom Anatta-Ich) als Herz und Geist interpretiert wurde – ob „in mir“ oder wo auch immer bleibt offen.

Ganz schön raffiniert, dieses Anatta-Ich, wo es sich überall dazwischen drängt.

Wolf fragt nochmal: „Was ist also das Ich?“ und meint, Anatta könnte noch mehr dazu sagen.

PS: das hast du schön gesagt:
„Was allerdings nicht verloren gehen kann ist die Liebe. Das Herz bleibt und strahlt auch über das, was verloren gehen könnte.“
.-.-.-.-.
Anatta schrieb:
„… Dadurch empfinde ich auch Liebe für mich. In diesem Kontext bedeutet mir Anatta sehr viel. Aber ist es Anatta, den ich meine? Oder ist es etwas Unbenanntes?“
Ich erlaube mir wieder deinen Text zu ändern und du prüfst, welche Version zutreffender ist: „…dadurch wird Liebe deutlich (hervorgerufen). In diesem Kontext bedeutet mir das Wahrnehmen von Liebe sehr viel. Ich weiß nicht aus welcher Quelle diese Liebe fließt.“

Danke, wolf

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby Anatta » Thu Jan 31, 2013 10:46 pm

Hallo Gegenüber,

ich komme gerade aus unserem Zen-Dojo zurück und habe 1,5 Stunden mit dem Gesicht zur Wand sitzend genutzt, um Antworten auf deine Fragen zuzulassen. Ich habe dabei das Gefühl, dass mein Forschen eine Wendung nimmt. Ich kann aber noch nicht genau sagen, was sich gerade ändert. Ich hatte auf jeden Fall öfters das "So ist es" vor mir. Völlig undramatisch. Ich finde jetzt auch, dass mein Avatar, die Vorstellung eine Nuss zu knacken, nicht der Wirklichkeit entspricht. Es gibt keine Nuss, die geknackt werden kann. Es ist eher so, wie Herbert Grönemeyer in einem Lied singt: "Alles bleibt anders".
**“Ich“ bin der Schöpfer meiner Gedanken; „Ich“ kontrolliere, was ich fühle; „Ich“ entscheide täglich über mein Leben und für das Beste meiner Kinder**
Alles Lügen! Oder nicht ?

Nein, keine Lügen. Das würde Absicht voraussetzen. Es gibt niemand, der eine Absicht hat. Nur Unbewußtheit.
Gibt es irgendwo einen Motivations-Auslöser, einen Gedanken-Produzent? Wird der eventuell „Ich“ genannt? Oder „Anatta“?
Ich denke, es ist das Bewußte selbst, das sich seinen Weg bahnt. Irgendwann bricht es durch und ist einfach da. Wir können es nur zulassen.
„Was ist also das Ich?“

Das Ich ist das, was das Erscheinen der Welt (in uns) in Anspruch nimmt. Ohne "ich" bleibt nur noch das Erscheinen.

Gassho (als Geste gegenüber Allem und gleichzeitig Nichts)
"Von einem gewissen Punkt an gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser Punkt ist zu erreichen." [Franz Kafka]

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby wolf » Sat Feb 02, 2013 12:03 pm

Das Ich ist das, was das Erscheinen der Welt (in uns) in Anspruch nimmt. Ohne "ich" bleibt nur noch das Erscheinen.
Wow . . . so vollständig habe ich das noch nie gehört. Ich verbeuge mich, demütig und dankbar und von Liebe berührt.

Anfangs schrieb Anatta:
Ich spüre in mir diese "Dringlichkeit", den klaren Blick zu bekommen. Den Schleier zu lüften. Mein Bewußtsein zu entlarven
Ist sie da angekommen ? Ist der Blick klar genug? Ist der Schleier genügend gelüftet ?
Und auf wunderbare Weise „Völlig undramatisch“.

Nachdem du so eindrucksvoll erklärt hast, was es mit dem „Ich“ auf sich hat, magst du noch beschreiben, wie es kam, dass du es durchschaut hast. Was hat dich überzeugt?
fragt der dankbare wolf

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby Anatta » Sun Feb 03, 2013 11:46 am

Lieber Wolf,

zunächst möchte ich nochmal meinen Dank für deine Begleitung zum Ausdruck bringen. Ich empfinde es als besonderes Geschenk, dass sich über dieses Portal die Möglichkeit für diese Form des Austauschs findet.

Ich habe die letzten beiden Tage etwas Ruhe gebraucht. Der Prozess hat mich doch auch angestrengt (wenig Schlaf, erhöhte Aufmerksamkeit). Gestern konnte ich mich für 4 Stunden aus dem familiären Umfeld entfernen und bin in die Sauna gegangen. Meine Selbsterforschung ging dort natürlich weiter. Die veränderte Sicht konnte ich auch dort feststellen. Es sind aber immer nur kurze Ausschnitte im Gedanken- und Bewußtseinsstrom. Dann passieren aber zum Teil überraschende Dinge. So habe ich z.B. die Menschen um mich herum erstmals wie (lebende) Figuren empfunden, die sich einfach nur "verhalten". So als ob alles ein Theaterstück sei, bei dem die Figuren auf der Bühne aber nicht wissen, dass sie zu den Schauspielern gehören. Und ich bin Zuschauer, erkennend, das es bei mir nicht anders ist. Das war für einen Moment etwas befremdlich. Es kam aber auch Mitgefühl und Liebe in mir auf. Weil jeder irgendwie "unschuldig" und nicht-wissend seine Rolle spielt.
Ist sie da angekommen ? Ist der Blick klar genug? Ist der Schleier genügend gelüftet ?
Wolf, ich weiß es nicht. Zurückblickend (und auf längere Sicht) ergibt sich für mich ein Sinn. Alles baut aufeinander auf bzw. hängt zusammen. Die Einsicht in die Ich-Losigkeit ist darin ein Baustein, der sicherlich sehr wichtig ist für Weiteres, dass noch kommen kann. Der Zustand ist aber sehr..., ich würde es mal als "flüchtig" bezeichnen. Nicht auszuschließen, dass er wieder gänzlich abhanden kommt. Es ist derzeit ein Wechsel zwischen Bewußtheit und Unbewußtheit. In den kurzen Momenten der Bewußtheit erkenne ich die Gedanken und der Körper im Raum wird mir bewußt. Wenn ich diese Präsenz länger halten kann, kommt es fast automatisch zu einer weiteren Ausgestaltung dieser Einsicht. Es kommen Empfindungen auf, denen ich mich zuwenden kann, ohne von diesen direkt vereinnahmt zu werden.
Mir ist nun klar was gemeint ist mit: die Dinge sehen, wie sie wirklich sind. Es findet eine "Entzauberung" statt. Das könnte sehr ernüchternd sein, wenn es nicht eine Ahnung davon gäbe, dass es eine Verankerung in etwas gibt, dass über das erkennbare Wesen der Dinge, des Körpers und des Ego-Verstandes hinaus geht. Vielleicht ist es auch nur eine Hoffnung? Es gilt, dies herauszufinden. Der Weg liegt vor mir. Der Punkt, ab dem es kein zurück mehr gibt ist erreicht.
Nachdem du so eindrucksvoll erklärt hast, was es mit dem „Ich“ auf sich hat, magst du noch beschreiben, wie es kam, dass du es durchschaut hast. Was hat dich überzeugt?
Ich habe jetzt länger darüber nachgedacht, was ich zu diesem Punkt mitteilen könnte.
Es gibt nicht viel zu erklären. Letztendlich habe ich Vertrauen gefunden und konnte die Illusion loslassen.
Die Gedanken kommen, ein Körper ist da, Gefühle kommen, Wahrnehmung ist. Alles ohne mein Zutun. Es ist garnicht nötig, dies im Nachhinein gedanklich wieder einzufangen und alles mit dem Ego-Verstand zu zerbröseln. Es ist einfach so wie es ist. Und es war ohnehin nie anders.

Mit einem Zitat möchte ich auf die Schwierigkeit hindeuten, das Erkennen der Ich-Illusion zu erklären:

"Er [Ludwig Wittgenstein] begrüßte mich einmal mit der Frage: 'Weshalb sage die Leute, es wäre ganz natürlich, zu denken, dass die Sonne die Erde umläuft, statt dass sich die Erde um ihre eigene Achse dreht?' Ich antwortete: 'Ich vermute, weil es so aussieht, als würde sich die Sonne um die Erde bewegen.' 'Nun', fragte er, 'wie hätte es denn ausgesehen, wenn es so ausgesehen hätte, als würde sich die Erde um ihre Achse drehen?'
[Elizabeth Anscombe, An Introduction to Wittgenstein´s Tractatus]

Gassho,

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby wolf » Sun Feb 03, 2013 1:55 pm

„zunächst möchte ich nochmal meinen Dank für deine Begleitung zum Ausdruck bringen. Ich empfinde es als besonderes Geschenk, dass sich über dieses Portal die Möglichkeit für diese Form des Austauschs findet.“
. . . Auch für mich ist es ein Gnade, dich begleiten zu dürfen . . .
„Meine Selbsterforschung ging dort natürlich weiter. Die veränderte Sicht konnte ich auch dort feststellen. Es sind aber immer nur kurze Ausschnitte im Gedanken- und Bewußtseinsstrom. Dann passieren aber zum Teil überraschende Dinge. So habe ich z.B. die Menschen um mich herum erstmals wie (lebende) Figuren empfunden, die sich einfach nur "verhalten". So als ob alles ein Theaterstück sei, bei dem die Figuren auf der Bühne aber nicht wissen, dass sie zu den Schauspielern gehören. Und ich bin Zuschauer, erkennend, das es bei mir nicht anders ist. Das war für einen Moment etwas befremdlich. Es kam aber auch Mitgefühl und Liebe in mir auf. Weil jeder irgendwie "unschuldig" und nicht-wissend seine Rolle spielt.“
. . . Du bist durch das Torlose Tor hindurch und gibst dich dem neuen Erfahren hin.
Hier sind wir weiterhin Weggefährten mal als Schauspieler, mal ohne jede Persönlichkeit.
Wie es weiter geht ist (eigentlich) schon sichtbar.
Außer Hingabe ist nichts zu tun – und auch diese nicht.
„ . . ., wenn es nicht eine Ahnung davon gäbe, dass es eine Verankerung in etwas gibt, dass über das erkennbare Wesen der Dinge, des Körpers und des Ego-Verstandes hinaus geht.“
Auf welche Weise wird das sichtbar sein? ; . . . auch hier gibt es nichts zu tun und auch nichts zu wünschen. Nicht mehr als einfach nur bei der Wahrnehmung dessen zu bleiben, was gerade jetzt ist.
„. Der Zustand ist aber sehr..., ich würde es mal als "flüchtig" bezeichnen. Nicht auszuschließen, dass er wieder gänzlich abhanden kommt. Es ist derzeit ein Wechsel zwischen Bewußtheit und Unbewußtheit. In den kurzen Momenten der Bewußtheit erkenne ich die Gedanken und der Körper im Raum wird mir bewußt. Wenn ich diese Präsenz länger halten kann, kommt es fast automatisch zu einer weiteren Ausgestaltung dieser Einsicht. Es kommen Empfindungen auf, denen ich mich zuwenden kann, ohne von diesen direkt vereinnahmt zu werden.“
Wer erkennt die Gedanken? Wem wird der Körper im Raum bewußt? Wer kann die Präsenz halten? Wer wendet sich den Empfindungen zu? . . . hat es sich wieder eingeschlichen, dieses raffinierte „Ich“?
Und: darf das sein? Oder: sollte das nicht sein? . . . wer? Entscheidet darüber?
Anatta kommt über den scheinbar festgefügten bewährten Grund von Verstand und Logik. Sie hat auf diesem Fundament erkannt, dass wesentliches unbeantwortet bleibt. Sie lässt von nun an ihre Gedanken einfach vorüberziehen und schenkt nur noch der direkten Erfahrung Beachtung. Damit gleitet sie hinüber – auf das scheinbar dünnes Eis (wo Argumente kraftlos sind). „Das Ich ist das, was das Erscheinen der Welt (in uns) in Anspruch nimmt. Ohne "ich" bleibt nur noch das Erscheinen.“ Nur noch das Erscheinen bleibt . . . darin eingeschlossen ist die Hingabe an ebendas.
Im Alltag fällt es anfangs schwer, nur das Erscheinen wahrzunehmen. Zu groß ist die Kraft der Illusion, die eigene Verantwortlichkeit vorgaukelt. Zum Erscheinen gehören allerdings auch die eigenen Erkenntnisse über in der jeweiligen Situation angemessenes Handeln – wird gelegentlich als „flow“ empfunden.

Und so komme ich zu meiner vielleicht letzten Frage:
Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie die Existenz eines eigenständigen "Ichs" bezweifelt hat und nichts von alldem gehört hat?

Wenn du dann das Gefühl hast, das Ziel, nämlich das Erkennen der Ich-Illusion, sei erreicht, werde ich andere „guides“ darum bitten, zu prüfen, ob sie noch etwas fragen wollen.
Damit würde danach dieser Dialog hier enden und ein neuer Dialog mit vielen anderen in einem Facebook-Forum beginnen können.

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby Anatta » Sun Feb 03, 2013 10:56 pm

Ich bin innerlich hin- und hergerissen. Zweifel kommen auf. Die ganzen Begriffe. Vielleicht war alles nur ein (Wunsch)gedanke. Wenn ich meine vorherigen Zeilen lesen kommt es mir z.T. so vor, als hätte ich sie selbst nicht geschrieben. Ich weiß gerade überhaupt nichts mehr. Ich vertraue mich dir an. Was soll ich tun...?
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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby wolf » Mon Feb 04, 2013 7:54 am

Ich bin innerlich hin- und hergerissen. Zweifel kommen auf. Die ganzen Begriffe. Vielleicht war alles nur ein (Wunsch)gedanke. Wenn ich meine vorherigen Zeilen lesen kommt es mir z.T. so vor, als hätte ich sie selbst nicht geschrieben. Ich weiß gerade überhaupt nichts mehr. Ich vertraue mich dir an. Was soll ich tun...?
Nimm dir Zeit.

Sagt nicht dein Herz, dass es noch ein wenig weiter schauen möchte?

Gib den Zweifeln Raum. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Und natürlich weißt du nichts (mehr) - ich weiß ja auch nichts.

Dein Vertrauen spricht mein Herz an.

Und vertrauen dürfen wir nur uns selbst, denn letztendlich ist jeder allein.

Also schau nochmal nach:
was waren Wunschgedanken?
welche Begriffe sind nicht durch deine direkte Erfahrung gestützt?
was mußt du noch wissen?
Und wo bist du zufrieden, weil du es erfahren hast, obwohl du es nicht als Wissen weitergeben kannst?

sagt wolf, der seine anatta als Weggefährtin schätzt

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby Anatta » Tue Feb 05, 2013 11:44 am

Hallo Wolf,
Nimm dir Zeit. Gib den Zweifeln Raum. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Danke für deine Geduld. Ich werde mir Zeit nehmen.
Also schau nochmal nach: was waren Wunschgedanken?
Hierzu fällt mir am ehesten ein Bild ein, um mich auszudrücken:

Stell´ dir vor du wärst Kind und es ist Weihnachten. Bescherung. Du bist in freudiger Erwartung. Du hast dir, sagen wir mal, einen Pullover gewünscht. Du suchst unterm Christbaum. Findest aber nichts. Du suchst im Raum. Findest aber auch dort nichts. Du schaust deine Eltern fragend an. Und sie sagen dir: Kind, den Pullover, den du dir so gewünscht hast du doch schon die ganze Zeit an!

Was würde dann bei dem Kind wohl zurück bleiben? Wir wird es sich dann fühlen?

Fühlt es Enttäuschung? Oder Freude? Wurde ihm der "Weihnachtszauber" genommen? Kann es glauben, dass es DAS jetzt war?

So ähnlich geht es mir im Moment...

Gassho,

Anatta

(to be continued...)
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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby wolf » Tue Feb 05, 2013 9:49 pm

Fühlt es Enttäuschung? Oder Freude? Wurde ihm der "Weihnachtszauber" genommen? Kann es glauben, dass es DAS jetzt war?
Als ich mit meiner Suche begann wollte ich bald etwas erreichen, das ich Erleuchtung nannte.
Jahre später meinte ich Erwachen wäre genug
Dann kam Glückseligkeit oder "the state"
dann Liebe ausstrahlen
zur Zeit ist es gute Laune zu haben
und irgendwann wird auch das nicht mehr wichtig sein.

Der Sinn des Lebens ist es, dieses Leben zu leben - und das reicht völlig aus, völlig!
Und Gott ist so groß. Du kannst diesen Weg nehmen oder jenen, kannst Umwege machen und dich im Kreise drehen, nur Ihn kannst du nicht verfehlen. (nach Neale Donald Walsch, Conversations with God).

Ist das Leben nicht schön? Hallelujah, wolf

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby Anatta » Sat Feb 09, 2013 11:01 pm

Hallo Wolf,

nach einer nun doch etwas länger gewordenen Zeit des Überprüfens melde ich mich wieder zu Wort.

Ich habe ernsthaft versucht, tief in mich hineinzuhören und kritisch nachzuforschen, was wirklich ist.

Der Zustand hat sich verändert. Das Leben ist leichter geworden. Gedanken kommen und gehen wieder. Es ist mehr Ruhe da. Vor allem in der Begegnung mit anderen Menschen empfinde ich mehr Gelassenheit. Ich kann länger in dem Verweilen, was gerade ist. Und das ist definitiv nichts, was ich mir nur einbilde.
Es bleiben dennoch letzte Zweifel, auf die ich gleich noch näher eingehen werden. Zunächst aber ein Versuch, die von dir gestellte Frage zu beantworten.
Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie die Existenz eines eigenständigen "Ichs" bezweifelt hat und nichts von alldem gehört hat?
Erklärungen sind hier vielleicht gar nicht das beste Mittel, da sie letztendlich wieder auf subjektiven Vorstellungen und Konzepten beruhen. Es geht vielmehr um die Selbsterfahrung. Man muß auf sich selbst zurückgeworfen werden um es verstehen zu können.
Ich würde denjenigen daher fragen, ob er JETZT in diesem Moment beobachten kann, dass er
- seinen Herzschlag „macht“ oder dies steuern kann?
- ob er seinen Atemfluss „macht“?
- das Hören „macht“?
- das Sehen „macht“?
- seine Gefühle „macht“?
- seine Gedanken „macht“?
- sein Leben „macht“?
Wenn dem nicht so ist, wer „macht“ dann etwas? Gibt es einen „Macher“, den man als Ich bezeichnen kann? Hat man jemals tatsächlich sein Leben selbst „gemacht“ oder ist es einfach nur „Leben“ ?

Derjenige könnte mir aber eine Gegenfrage stellen: "Wenn es kein ICH gibt, wer ist es dann, der aus verschiedenen Handlungsoptionen wählt? Wer entwickelt den Willen, etwas zu tun oder zu lassen? Wer ist es, der willentlich seine Aufmerksamkeit auf etwas lenken kann?".
Ich wüsste keine Antwort darauf. Und daher kommt es vermutlich auch, dass sich letzte Zweifel hartnäckig halten können.
Wenn du dann das Gefühl hast, das Ziel, nämlich das Erkennen der Ich-Illusion, sei erreicht...
Lieber Wolf, wir waren offensichtlich zu voreilig. Ich habe nicht das Gefühl, das dies schon erreicht ist. Es fehlt die Gewißheit. Und es gibt eines, was ich von allem am wenigsten möchte: mir selbst etwas vormachen.
Ich spüre, das mein anfänglich drängendes Verlangen nach Wahrheit langsam einem Ohnmachtsgefühl weicht. Ich will aber nicht aufgeben...

Gassho,
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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby wolf » Sun Feb 10, 2013 10:30 am

Liebe Anatta,
deine Erklärung und Hinweis auf Selbsterfahrung über die Fraglichkeit eines Machers gefallen mir.
"Wenn es kein ICH gibt, wer ist es dann, der aus verschiedenen Handlungsoptionen wählt? Wer entwickelt den Willen, etwas zu tun oder zu lassen? Wer ist es, der willentlich seine Aufmerksamkeit auf etwas lenken kann?".
Meine Antwort auf diese Fragen würden nicht helfen. . .Du findest deine Antworten selbst.

Du stehst z.B. vor der Wahl, dein Kind ins Gymnasium oder Realschule zu schicken. Wägst die ganzen Gründe ab. Dein das Kind liebevoll betrachtendes Abwägen wird von vorliegenden Informationen, deinem Selbstbild und dem was dir in dieser Welt wichtig ist gesteuert.
Welchen Einfluss hattest du auf die Vorstellung, die du von dir selbst und der Welt hast?
Hast du selber da irgendwas beigetragen, was nicht durch deine Gene, deine liebevollen Eltern und alles was (von dir unbeeinflussbar) auf dich einwirkte?
Ist es wirklich so, dass wir unserer Persönlichkeit und Geschichte entsprechend bestimmt sind Entscheidungen zu fällen?
Als du deinen Beruf wähltest, wie war es da? Als du dich verliebtest? Als du heiratetest? Schau dir all diese Gabelungen deines Lebensweges an.

Und bei Kleinigkeiten: die Berührung deiner Schläfe eben, war das automatisch oder hattest du dich dazu entschieden. Wenn entschieden: woher kam der Gedanke?

warte nicht bis die Fortsetzung kommt, antworte lieber gleich. wolf

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby wolf » Sun Feb 10, 2013 6:27 pm

„Wer ist es, der willentlich seine Aufmerksamkeit auf etwas lenken kann?“
Beobachte mal, wie deine Aufmerksamkeit gelenkt wird. Ist es nicht so, dass du dich immer für das interessierst, was am meisten „leuchtet“?
Trotzdem hast du selber den Eindruck, als könntest du bestimmen, welchem Gedanken du dich als nächstes zuwendest.
Beispiel: hier sitzen und dir schreiben, oder Abendessen kochen, oder Tennis-Termin absagen, oder einfach nur Tee trinken . . . was werde ich tun? – wenn ich garnicht nachdenke du mich treiben lasse, schreibe ich weiter. Wenn ich bewußt eine Wahl treffen will, wähle ich: Tennistermin absagen. (und mache das dann doch erst später, sondern schreibe weiter und trinke Tee). Hätte ich wirklich selber meine Aufmerksamkeit dahin gelenkt?
Wer denn sonst?
Könnte es Folge meines Bedürfnisses, Freunde nicht hängen zu lassen, gewesen sein? Und dieses Bedürfnis, ist es nicht Folge meiner Gene und äußerer Einflüsse?
Könnten auch die Gene und äußeren Einflüsse ursächlich für das Focussieren auf Tee zu trinken sein?

Ist es „meine“ Aufmerksamkeit? Oder ist da einfach Aufmerksamkeit, so wie da auch Hören und Sehen ist?
Ist das „mein“ Hören? „mein“ Sehen?
Kann es Hören geben ohne „mich“? Wahrnehmen ohne „mich“? Wie soll das denn funktionieren?

Nimm bei deiner Antwort ruhig die Position des „Derjenige könnte mir aber eine Gegenfrage stellen“ ein und gib den Zweifeln Raum.

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby Anatta » Sun Feb 10, 2013 9:41 pm

Ich habe (zumindest verstandesmäßig) erkannt, dass es ein Sehen, Hören, Fühlen, einen Körper und auch Denken ohne "mich" gibt. Sicher sind die äußeren Einflüsse, Vorlieben und Dispositionen auch für die Entscheidungsfindung maßgeblich. Dein Beispiel mit dem Tee trinken passt diesbezüglich gut und ist auch klar.
Nehmen wir aber statt der Optionen Tee zu trinken, Tennis zu spielen oder zu schreiben mal etwas völlig Neutrales.
Stellen wir uns eine wissenschaftliche Versuchsanordnung vor, bei der Anatta in einem sonst leeren Raum an einem Tisch sitzt. Auf dem Tisch stehen drei völlig identisch aussehende schwarze Schachteln. Anatta hat vorher mitgeteilt bekommen, dass in nur einer der Schachteln ein schöner Gegenstand zu finden ist. Anatta soll eine Schachtel auswählen und öffnen. Irgendwann wird eine Entscheidung getroffen. Wer trifft die Entscheidung? Es gibt in diesem Fall keine Vorlieben, keine äußeren Einflüsse die die Wahl beeinflussen könnten. Keine der Schachteln "leuchtet". Und dennoch fokussiert sich das Bewußtsein auf genau eines der drei Objekte.
Man könnte den Einwand erheben, dass Anatta z.B. immer eher nach links tendiert und deshalb diese Schachtel wählt. Man könnte daher den Versuch mehrfach wiederholen. Anatta würde dann wahrscheinlich zusätzlich bei jedem neuen Versuch Überlegungen anstellen wie: Ist der Gegenstand vielleicht immer in der selben Schachtel? Oder sollte ich mal abwechseln? Das ließe sich beliebig fortsetzen...
Exkurs:
ich habe es gerade kurz mal selbst ausprobiert mit drei identischen Gegenständen offen auf einem Tisch. Folgendes konnte ich feststellen: die Augen springen zu den einzelnen Objekten hin und her. Vielleicht 4-5 mal. Dann kommt ein Gedanke "Ich muß mich entscheiden!". Dann bleiben die Augen bei einem Objekt stehen. Dieses wird fixiert. In der Brustgegend entsteht ein Gefühl von Kontraktion gepaart mit Wärme. Anspannung ist da. Dann der Gedanke "Ich habe gewählt". Entspannung folgt. Exkurs Ende.
Mmmh, war da jetzt ein "ich" beteiligt? War es "meine" bewußte Entscheidung, das rechte Objekt auszuwählen?
Ich muß gerade schmunzeln: nein, ich habe keinen Entscheider bei dieser Entscheidung gefunden. Wenn ich es nochmal vergegenwärtige lief das Ganze völlig von selbst ab. Schon krass...

Ich glaube, ich habe mir eine der Antworten gerade selbst gegeben.

Das muß ich erst mal setzen lassen. Jetzt gehe ich in die Küche und nehme mir ein Bierchen aus dem Kühlschrank.
Ist das jetzt eine bewußte Entscheidung...?! Egal, Prost Wolf !

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby wolf » Tue Feb 12, 2013 6:57 am

Und jetzt?

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Re: Jetzt will ich´s wissen

Postby Anatta » Tue Feb 12, 2013 10:11 am

Und jetzt?
Das ist eine gute Frage...

Am Mittwoch beginnt die Fastenzeit. Anatta hat sich für dieses Jahr vorgenommen, auf das "Ich" zu verzichten.
Das ist nur zur Hälfte als Scherz gemeint :-)

Wie ist der "Zustand" jetzt?
Ich sitze z.B. jetzt gerade im Büro und arbeite. Ich schaue auf den Monitor, eine Stimme im Kopf kommentiert das was ich mit meinen 10 Fingern (ohne die Fingerbewegungen kontrollieren zu müssen) schreibe. Gedanken steigen auf, diese Formen sich in Worte die irgendwo im Kopf wiederhallen. Ich weiß nicht, was als nächster Gedanke kommt. Warten...Stimme im Kopf ist zu hören...gleichzeitig tippen...sehen, was auf dem Monitor geschrieben steht. Ich kann im Grunde genommen nicht erkennen, das "Ich" das bin, der hier etwas schreibt. Auch eine kognitive Überprüfung kommt zu dem Ergebnis, dass da nichts ist, was als "Ich" bezeichnet werden kann. Punkt.

Aber es fühlt sich nicht so an, als ob sich hier grundlegend und dauerhaft etwas verändert hätte. Kein bahnbrechendes Aha-Erlebnis, das alles bisher Wahrgenommene in einem neuen Licht erscheinen lässt. Die Erkenntnis ist völlig nüchtern. Wenn es so ist, dann würde ich das "torlose Tor" eher als ein "Vorher-wie-Nachher" bezeichnen. Was wiederum auch nicht stimmt, da ja offensichtlich eine Einsicht dazugekommen ist. Der Eindruck bleibt aber, als ob diese Einsicht auch schon zuvor da war. Es hatte bisher nur noch niemand konkret danach gefragt.

Ich will nochmal ein Bild bemühen, um mich auszudrücken:
Es ist in etwa so, als ob ich von einer Krankheit wüsste, die heilbar ist. Ich kenne aber die Symptome nicht genau und kann daher auch nicht mit Gewißheit sagen, ob ich von der Krankheit betroffen bin. Irgendwo im Innern spüre ich aber, dass etwas nicht so ist, wie es sein könnte.
Jemand bietet mir also eine Medizin an. Ich lese den Beipackzettel und ich habe das Gelesene auch verstanden.
Jetzt fragt derjenige nach: "Und jetzt?". Ich bin mir aber garnicht sicher, ob ich die Medizin überhaupt genommen habe. Ich sehe nirgendwo etwas fehlen, noch ist irgendwo etwas dazugekommen. Warten auf die Wirkung!

Gassho,

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