Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Wed May 27, 2026 4:25 pm

Weist irgendetwas in einem Erinnerungsgedanken selbst darauf hin, dass das, was er sagt, wirklich stattgefunden hat?
Weist irgendetwas in einem Zukunftsgedanken selbst darauf hin, dass das, was er sagt, wirklich passieren wird?
Nein, in beiden Fällen ist da einfach nur der Gedanke. Die "Beweise" sind darauf folgende Gedanken.
Woran ist es exakt erkennbar, dass sich ein „Erinnerungsgedanke“ auf etwas bezieht, das geschehen ist?
Wenn ich direkt schaue, dann stelle ich fest: der Gedanke allein weist nicht darauf hin, dass etwas wirklich geschehen ist. Es ist ein weiterer Gedanke (oder mehrere), dessen Inhalt diesen "Beweis" vornimmt.
Ich sehe, dass du “Beweis(e)” schon in Anführungsstrichen geschrieben hast, und vermute, dass du damit zum Ausdruck bringen wolltest, dass es nur scheinbare Beweise sind. Um sicherzugehen, frage ich trotzdem nach: Geben diese nachfolgenden Gedanken Gewissheit, dass der Inhalt des Erinnerungsgedankens tatsächlich stattgefunden hat? Allgemein und/oder in der Weise, wie der Erinnerungsgedanke es darstellt?
Warum das relevant ist:
Gedanke 1: “Ich habe entschieden, ____ zu ____”.
Gedanke 2: “Das ist tatsächlich vorhin/letzte Woche/letztes Jahr passiert”.
Beweist Gedankeninhalt 2 die Realität/Wahrheit von Gedankeninhalt 1?


Ich taucht immer erst "after the fact" auf
Ja.


wenn "ich" die zuvor erlebte Erfahrung gedanklich interpretiere.
wie "ich" dann nachträglich feststelle.
Aber auch hier kann "ich" erst rückwirkend durch Gedanken und weitere Interpretationen diese Erfahrung vereinnahmen und darüber sprechen.
Auch hier, obwohl du “ich” in Anführungsstrichen geschrieben hast:
Ist da jemand, der das tut, oder tauchen interpretierende Gedanken und gesprochene Sätze einfach auf?


Ein besserer Begriff ist vielleicht das Wort Gewahrsein?
Wenn eine Pause zwischen zwei Gedanken auftritt, ist da einfach Gewahrsein
Was ist die direkte Erfahrung von “Gewahrsein”?

Es ist kein dauerhaft aktiver Beobachter zu finden. [...] Der "Beobachter" ist ebenfalls einfach ein Gedanke, der dann auftritt.
Also… kurz gesagt: Die direkte Erfahrung zeigt, dass da kein Beobachter ist?


Danke für die Anregungen für den Alltag. Ja, auf einmal kommen vermehrt "solche" Gedanken auf - ich halte dich gerne auf dem laufenden, was ich in der kommenden Zeit beobachte... :) Es passiert jetzt jedenfalls häufiger am Tag, dass "mir in den Sinn kommt": "Wie kommt es, dass du das noch nie hinterfragt hast?"
Das klingt nach einem guten, lebendigen Prozess. Bin gespannt und freue mich darauf, zu lesen, was du berichtest.


Ich taucht immer erst "after the fact" auf
In der direkten Erfahrung "jetzt" ist kein "ich" auffindbar. Nur passives "Wahrnehmen" oder "Gewahrsein".
Wie fühlt es sich an, das zu sehen?


Hier noch ein weiterer Bereich zum Schauen und Experimentieren - zuerst mit den Übungen und dann immer wieder im Alltag. Berichte wieder einfach von der direkten Erfahrung:

Schließe die Augen.
Mit geschlossenen Augen wirst du nun „Schwärze“ erleben. Es mag auch andere Dinge geben, die du wahrnehmen kannst, klar. Wenn du auf eine helle Lichtquelle geschaut hast, kann es ein rötliches Glühen geben. Es können funkelnde Punkte oder wolkige Flecken auftauchen und wieder verschwinden – die konkreten Details spielen keine Rolle.
Um es einfach zu halten, werde ich alles, was mit geschlossenen Augen gesehen werden kann, der Einfachheit halber als „schwarz“ oder „Schwärze“ bezeichnen.

Kannst du bestätigen, dass mit geschlossenen Augen das Erlebte „Schwärze“ ist, wie oben beschrieben?

Gibt es im „Sehen“ irgendetwas anderes als „Schwärze“?

Kann das gefunden werden, was die Schwärze wahrnimmt?

Können eine Person, ein „Ich“ / „Selbst“, ein Etwas gefunden werden, das die Schwärze beobachtet? Oder ist da einfach nur „Schwärze“ zu finden?

Was findest du? Kann ein INHÄRENTER SEH-ER gefunden werden?

Wäre irgendetwas, das der Seh-er zu sein scheint, etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?



Öffne nun die Augen.
Geh die Übung wieder ganz einfach an – für den Moment untersuchen wir nur den Sinn des „Sehens“.
Mit geöffneten Augen erscheint eine Welt von Objekten … ein Raum … ein Computerbildschirm usw.
Was genau gesehen wird, ist hier nicht von Interesse. Was immer es ist, wird im Folgenden einfach als „das Gesehene“ bezeichnet.

Das ist vielleicht etwas kniffliger – nimm dir Zeit und betrachte es genau.

Kannst du bestätigen, dass das, was mit geöffneten Augen erfahren wird, einfach „das Gesehene“ ist, wie oben beschrieben?

Gibt es im „Sehen“ noch irgendetwas anderes als „das Gesehene“?

Lässt sich etwas finden, das „das Gesehene“ wahrnimmt?

Lässt sich eine Person, ein „Ich“ / „Selbst“, ein Etwas finden, das „das Gesehene“ wahrnimmt? Oder ist da einfach nur „das Gesehene“?

Was findest du? Lässt sich ein INHÄRENTER SEH-ER - ein Etwas, das sieht - finden?

Wenn etwas der Seh-er zu sein scheint - ist das etwas anderes als ein Konzept / eine Vorstellung / ein Gedanke?

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Wed May 27, 2026 7:55 pm

Geben diese nachfolgenden Gedanken Gewissheit, dass der Inhalt des Erinnerungsgedankens tatsächlich stattgefunden hat? Allgemein und/oder in der Weise, wie der Erinnerungsgedanke es darstellt?
Nein, in der direkten Erfahrung sind nur die Gedanken und deren Inhalt. "Das hat stattgefunden" ist der Inhalt eines Gedankens, eine Interpretation.
Beweist Gedankeninhalt 2 die Realität/Wahrheit von Gedankeninhalt 1?
Nein. Gedanke 1 und Gedanke 2 erscheinen und vergehen einfach. Gedanke 2 unterscheidet sich qualitativ nicht von Gedanke 1. In der direkten Erfahrung ist keine "Sondergattung Realitätsgedanken" auffindbar, nur Gedanken, die auf Gedanken folgen.
Ist da jemand, der das tut, oder tauchen interpretierende Gedanken und gesprochene Sätze einfach auf?
Nein, da ist niemand, der etwas tut. Das "Ich", das nachträglich hinzugefügt wird, entsteht in Gedanken, die einfach entstehen und vergehen, so wie die Gedanken davor.
Was ist die direkte Erfahrung von “Gewahrsein”?
Vielleicht hätte es das von dir bereits etablierte Wort "Erfahrung" auch getan, statt ein neues Wort einzuführen. Die direkte Erfahrung ist: Sehen passiert, Hören passiert, Empfindung passiert, Denken passiert etc. Wenn keine Gedanken erscheinen, die die direkte Erfahrung oder eben das Gewahrsein in diese Sinne unterteilen, dann ist da einfach nur ungeteilte Erfahrung? ... oder eben "Gewahrsein", das sollte dieser Begriff zum Ausdruck bringen.
Also… kurz gesagt: Die direkte Erfahrung zeigt, dass da kein Beobachter ist?
Genau. In der direkten Erfahrung findet sich kein Beobachter.
Wie fühlt es sich an, das zu sehen?
Erleichternd, leichter. Vielleicht eine komische Wortwahl, aber die Alltagserfahrung fühlt sich "gemütlicher" an.

Dazu vielleicht eine Beobachtung von heute: mir fällt immer häufiger und deutlicher auf, wie sich mein Körper, speziell meine Magengegend verkrampft, wenn "mir" z.B. Unrecht getan wurde oder "ich" mich schäme etc. Dann zu bemerken, da ist diese körperliche Reaktion und dann bauen sich Gedanken dazu auf, die dem ganzen ein Narrativ, eine Erklärung verleihen wollen. Es war recht eindrucksvoll, sich dessen bewusst zu werden und zu erkennen: das passiert einfach so, ohne Auslöser, ohne Grund, ohne Adressat - und dann verschwindet diese Erfahrung bereits wieder und weicht einer anderen.

Übung
Kannst du bestätigen, dass mit geschlossenen Augen das Erlebte „Schwärze“ ist, wie oben beschrieben?
Ja.
Gibt es im „Sehen“ irgendetwas anderes als „Schwärze“?
Nein, mit den von dir gemachten Einschränkungen.
Kann das gefunden werden, was die Schwärze wahrnimmt?
Nein.
Können eine Person, ein „Ich“ / „Selbst“, ein Etwas gefunden werden, das die Schwärze beobachtet? Oder ist da einfach nur „Schwärze“ zu finden?
Nein, da ist einfach nur "Schwärze".
Was findest du? Kann ein INHÄRENTER SEH-ER gefunden werden?
Ich finde nur die Schwärze. Da ist kein inhärenter Seher.
Wäre irgendetwas, das der Seh-er zu sein scheint, etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?
Der Seher wäre ein Konzept, ein Gedanke. In der direkten Erfahrung kann er nicht gefunden werden.

Kannst du bestätigen, dass das, was mit geöffneten Augen erfahren wird, einfach „das Gesehene“ ist, wie oben beschrieben?
Ja.
Gibt es im „Sehen“ noch irgendetwas anderes als „das Gesehene“?
Nein, da ist nur "das Gesehene".
Lässt sich etwas finden, das „das Gesehene“ wahrnimmt?
Nein, es lässt sich nur "das Gesehene" finden.
Lässt sich eine Person, ein „Ich“ / „Selbst“, ein Etwas finden, das „das Gesehene“ wahrnimmt? Oder ist da einfach nur „das Gesehene“?
Nein, es lässt sich keine Person, kein "Ich" und kein "Seher" finden, nur "das Gesehene".
Was findest du? Lässt sich ein INHÄRENTER SEH-ER - ein Etwas, das sieht - finden?
Nein, ich finde nur "das Gesehene" ohne inhärenten Seher.
Wenn etwas der Seh-er zu sein scheint - ist das etwas anderes als ein Konzept / eine Vorstellung / ein Gedanke?
Der Seher ist ein Konzept, ein Gedanke. In der direkten Erfahrung lässt sich kein Seher finden.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Thu May 28, 2026 2:38 am

Wunderbar. Das ist alles sehr klar.


Was kommt auf, wenn du das Folgende von weiter vorne in unserem Dialog jetzt liest?
Was genau ist es, das du im Gegensatz zum „Rest der Welt“ als dich empfindest?
Ich würde sagen, was ich im Gegensatz zum Rest der Welt als mich empfinde ist eine Kombination aus der Vorstellung, dass ich der Inhaber meiner Gedanken bin und dieses Ich sitzt irgendwo „hier drinnen“, während der Rest der Welt „da draussen“ stattfindet und der damit verbundenen Vorstellung, dass dieser Körper die offensichtliche physische Grenze dieses „Ichs“ darstellt. Das „ich“ sitzt dem Gefühl nach also irgendwo hinter meinen Augen. Wenn ich gezielt danach schaue, finde ich dort natürlich nichts.
Beziehungsweise: Welche Aktionen oder Vorgänge scheinen von dir auszugehen?
Ich habe mir schon öfter diese Fragen bezüglich Intentionalität gestellt. Gefühlt ist es so, dass Gedanken einfach so erscheinen und verschwinden und bei ausgewählten Gedanken kommt dann noch die Ebene der Identifikation hinzu: „Das war jetzt mein Gedanke, ich habe diesen Gedanken gehabt“. Es scheint so, als würde meine Aufmerksamkeit auf einmal „einschalten“ und dann durch Identifikation zupacken. Dadurch entsteht ein komischer Zwiespalt zwischen „zwei Ichs“, dem einen, das Opfer seiner Illusionen ist und quasi ein getrenntes Selbst annimmt und das andere Ich, das schlauere Ich, das hinter die Fassade schaut und z.B. der Beobachter während der Meditation ist, hinterfragt und „direkt schaut“ und jetzt diese Fragen beantwortet. Wenn ich länger drüber nachdenke, beginnt das ja schon bei „Ich und meine Aufmerksamkeit“, die irgendwie zwei Dinge zu sein scheinen.





Wie fühlt es sich an, das zu sehen?
Erleichternd, leichter. Vielleicht eine komische Wortwahl, aber die Alltagserfahrung fühlt sich "gemütlicher" an.
:)

Fehlt irgendetwas?



Dazu vielleicht eine Beobachtung von heute: mir fällt immer häufiger und deutlicher auf, wie sich mein Körper, speziell meine Magengegend verkrampft, wenn "mir" z.B. Unrecht getan wurde oder "ich" mich schäme etc. Dann zu bemerken, da ist diese körperliche Reaktion und dann bauen sich Gedanken dazu auf, die dem ganzen ein Narrativ, eine Erklärung verleihen wollen. Es war recht eindrucksvoll, sich dessen bewusst zu werden und zu erkennen: das passiert einfach so, ohne Auslöser, ohne Grund, ohne Adressat - und dann verschwindet diese Erfahrung bereits wieder und weicht einer anderen.
Das ist eine bemerkenswert klare und präzise Beobachtung. Hier eine Anregung, dem noch weiter nachzugehen:
Wenn wieder einmal “Scham” oder eine andere solche Emotion auftaucht, schau:
Was geschieht, wenn du diese narrativen, erklärenden Gedanken nicht weiter beachtest (womit nicht gemeint ist, sie zu unterdrücken) und alle Aufmerksamkeit den körperlichen Empfindungen zuwendest? Schau ganz genau hin: Was ist da? Wie fühlt sich das Verkrampfen an? Sind da noch andere Empfindungen? Wo genau sind sie? Sind sie statisch oder verändern sie sich? Etc.



Hier noch zwei weitere Experimentierfelder:


Spüren

Schließe für diese Übung bitte die Augen. Nimm einfach wahr, welche „mentalen“ Bilder oder Gedanken auftauchen, und lass sie beiseite.
Lege eine Hand auf den Tisch oder eine andere flache Oberfläche – die Augen bleiben geschlossen.
Geh nun zu der Empfindung, die normalerweise als „Hand auf dem Tisch“ bezeichnet wird, und antworte aus dem heraus, was du in der direkten Erfahrung finden kannst.

Wie viele Dinge findest du? Sind da zwei Dinge (Hand und Tisch) oder ist da nur ein Ding – Empfindung?

Lässt sich in dem, was gefühlt wird, ein „Fühlender“ finden?

Wird wahrgenommen, dass „eine Sache eine andere fühlt“ – oder gibt es einfach nur „Empfindung“?

Findest du ein „Ich“, einen Körper, eine Hand, die „fühlt“ … oder gibt es einfach nur „Empfindung“?

Lässt sich ein INHÄRENTER FÜHLENDER finden?

Wenn etwas der Fühlende zu sein scheint - ist das etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?




Hand anheben

(Führe diese Übung mit geöffneten Augen aus.)

1. Lege beide Hände mit den Handflächen nach unten auf einen Tisch vor dir.
2. Ruhe einen Moment. Hebe dann eine Hand in die Luft, aber nicht die andere.

Geh nicht in Gedanken – untersuche deine direkte Erfahrung.
Wiederhole dies so oft du möchtest und prüfe dabei jedes Mal:

Was genau wählt aus, welche Hand angehoben wird?

Lässt sich ein getrenntes Individuum oder irgendetwas finden, das diese Wahl trifft?

Was kontrolliert die Bewegung der Hand?

Lässt sich ein „Kontrolleur“ irgendeiner Art finden?

Lässt sich irgendetwas finden, das bewirkt, dass sich die Hand bewegt?

Wie wird die Entscheidung getroffen?

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fievkant
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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Thu May 28, 2026 7:33 pm

Was kommt auf, wenn du das Folgende von weiter vorne in unserem Dialog jetzt liest?
Ich habe diese Fragen nicht durch das Schauen in der direkten Erfahrung beantwortet, sondern mit Konzepten und Ideen. Wenn ich in der direkten Erfahrung schaue, dann sind da keine "zwei Ichs", niemand, der sich "einschaltet", sondern einfach nur Sinneswahrnehmungen und Gedanken, die erscheinen und verschwinden.
Fehlt irgendetwas?
Nein, es fehlt nichts. :)
Was geschieht, wenn du diese narrativen, erklärenden Gedanken nicht weiter beachtest und alle Aufmerksamkeit den körperlichen Empfindungen zuwendest?
Dann sind da die zuvor beschriebenen Empfindungen, aber sie sind nicht speziell unangenehme, auch nicht angenehme, sondern einfach nur passierende Empfindungen, die kommen und gehen. Wenn meine Aufmerksamkeit ohne diese Narrative auf die Empfindungen direkt fällt, lösen diese sich häufig bald danach auf und eine Entspannung ist spürbar. Dann kommt irgendwann eine nächste Empfindung und verschwindet.

In diesem Zusammenhang ist mir heute aufgefallen, wie sehr automatisiert diese Kette abläuft. Gedanke: "Jemand anders triggert mich" --> Empfindung, die auftritt --> Gedanke: "ICH fühle mich jetzt schlecht!" --> Gedanke: "Beweis: ich bin wütend, das merke ich an diesem Gefühl in meinem Bauch!" - ... etc. (Das ist jetzt sehr plakativ, aber die Idee wird hoffentlich klar. :D) Es ist nach wie vor sehr spannend festzustellen, dass diese automatischen Reaktionen weiterhin ablaufen, aber immer häufiger dann eben nicht einen Autopiloten hervorrufen, sondern die Feststellung: "Dieses Denken passiert gerade - habe "ich" das jetzt gedacht?" - und dann aber am Ende des Tages auch das einfach weitere Gedanken sind, die kommen und gehen, ohne jetzt inhärent besser oder erhabener zu sein, sondern einfach nur das, was dann eben auftauchte.

Spüren
Wie viele Dinge findest du? Sind da zwei Dinge (Hand und Tisch) oder ist da nur ein Ding – Empfindung?
Da ist einfach nur die eine Empfindung.
Lässt sich in dem, was gefühlt wird, ein „Fühlender“ finden?
Nein, da ist nur die Erfahrung selbst.
Wird wahrgenommen, dass „eine Sache eine andere fühlt“ – oder gibt es einfach nur „Empfindung“?
Nein, es gibt nur die Empfindung.
Findest du ein „Ich“, einen Körper, eine Hand, die „fühlt“ … oder gibt es einfach nur „Empfindung“?
Nein, nur die Empfindung.
Lässt sich ein INHÄRENTER FÜHLENDER finden?
Nein, es lässt sich nur die Empfindung selbst finden.
Wenn etwas der Fühlende zu sein scheint - ist das etwas anderes als ein Konzept / eine Idee / ein Gedanke?
Ein Fühlender, ein Körper, eine Hand - Das sind Konzepte über die Empfindung.


Hand anheben
Was genau wählt aus, welche Hand angehoben wird?
Bereits vor dem ersten Anheben kamen verschiedene Gedanken auf: "Wird es die rechte oder die linke Hand sein? Kann ICH das antizipieren? Da ist ein Impuls, die rechte zu heben - sollte ich jetzt also die Linke heben?" Dann das Anheben der rechten Hand nach kurzem Zurückzucken. Direkte Erfahrung: Ich finde in der direkten Erfahrung nicht, wer oder was diese Hand angehoben hat.
Lässt sich ein getrenntes Individuum oder irgendetwas finden, das diese Wahl trifft?
Mehrmaliges Überprüfen: in der direkten Erfahrung lässt sich niemand finden, der diese Wahl trifft.
Was kontrolliert die Bewegung der Hand?
Es lässt sich nicht feststellen, was diese Bewegungen kontrolliert.
Lässt sich ein „Kontrolleur“ irgendeiner Art finden?
Nein, es lässt sich kein "Kontrolleur" finden.
Lässt sich irgendetwas finden, das bewirkt, dass sich die Hand bewegt?
In der direkten Erfahrung lässt sich nichts finden, das die Bewegung der Hand bewirkt.
Wie wird die Entscheidung getroffen?
Es lässt sich nicht beobachten, wie die Entscheidung getroffen wird. Da ist die Empfindung und Gedanken die erscheinen, deren Inhalt eine Interpretation des Ereignisses ist. "Es gab eine Entscheidung" ist bereits ein Inhalt dieser Gedanken.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Thu May 28, 2026 8:32 pm

Dann sind da die zuvor beschriebenen Empfindungen, aber sie sind nicht speziell unangenehme, auch nicht angenehme, sondern einfach nur passierende Empfindungen, die kommen und gehen. Wenn meine Aufmerksamkeit ohne diese Narrative auf die Empfindungen direkt fällt, lösen diese sich häufig bald danach auf und eine Entspannung ist spürbar. Dann kommt irgendwann eine nächste Empfindung und verschwindet.

In diesem Zusammenhang ist mir heute aufgefallen, wie sehr automatisiert diese Kette abläuft. Gedanke: "Jemand anders triggert mich" --> Empfindung, die auftritt --> Gedanke: "ICH fühle mich jetzt schlecht!" --> Gedanke: "Beweis: ich bin wütend, das merke ich an diesem Gefühl in meinem Bauch!" - ... etc. (Das ist jetzt sehr plakativ, aber die Idee wird hoffentlich klar. :D) Es ist nach wie vor sehr spannend festzustellen, dass diese automatischen Reaktionen weiterhin ablaufen, aber immer häufiger dann eben nicht einen Autopiloten hervorrufen, sondern die Feststellung: "Dieses Denken passiert gerade - habe "ich" das jetzt gedacht?" - und dann aber am Ende des Tages auch das einfach weitere Gedanken sind, die kommen und gehen, ohne jetzt inhärent besser oder erhabener zu sein, sondern einfach nur das, was dann eben auftauchte.
Ja, die Idee wird sehr klar :)

Was du hier beobachtest, kann man in einer kleinen Formel ausdrücken:

Emotion = Empfindung + Gedanke

Würdest du dem aus deiner Erfahrung heraus zustimmen, wenn du hierauf schaust:
Was geschieht mit der Emotion, wenn der Gedanke verschwindet?
Was geschieht mit der Emotion, wenn die Empfindung Aufmerksamkeit erhalten hat, gespürt wurde und sich aufgelöst hat?






Es spricht klares Sehen aus allen deinen Antworten und Beobachtungen.


Ist noch irgendein Zweifel vorhanden?


Gibt es irgendetwas, das noch gesucht werden müsste? Oder ist das Suchen eher in ein Erforschen übergegangen?


Gibt es etwas, das du hier noch (vertieft) untersuchen möchtest?



Ich bin noch neugierig: Ist dieses Gefühl noch da?
Das "ich" sitzt dem Gefühl nach also irgendwo hinter meinen Augen.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Fri May 29, 2026 7:18 am

Würdest du dem aus deiner Erfahrung heraus zustimmen, wenn du hierauf schaust:
Was geschieht mit der Emotion, wenn der Gedanke verschwindet?
Was geschieht mit der Emotion, wenn die Empfindung Aufmerksamkeit erhalten hat, gespürt wurde und sich aufgelöst hat?
Ja, dem stimme ich zu. In beiden Fällen löst sich dann die Emotion selbst auf und verschwindet.
Ist noch irgendein Zweifel vorhanden?
Nein, ich kann ja jederzeit in meine direkte Erfahrung schauen. So simpel.
Gibt es irgendetwas, das noch gesucht werden müsste? Oder ist das Suchen eher in ein Erforschen übergegangen?
Das bringt es sehr gut auf den Punkt. Ich bin weiterhin fasziniert und gespannt, in welche Richtungen sich das Erforschen weiterentwickelt.
Gibt es etwas, das du hier noch (vertieft) untersuchen möchtest?
Das kann ich dir gerade nicht bzw. mit "Nein" beantworten. Ich bin, wie gesagt, gespannt, "wohin die Reise geht", aber ich habe keine konkrete Frage mehr, die mich umtreibt.
Ist dieses Gefühl noch da?
Nein, da ist nur die Sinneserfahrung und Interpretation, auch Identifikation, die immer wieder in Gedanken entsteht und verschwindet. Niemand hinter den Augen, niemand, der beobachtet, kein suchendes Ich, kein "aufmerksames Ich".

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Fri May 29, 2026 3:43 pm

Ja, so simpel :) Das drückt es schön aus.

Bist du bereit, eine Reihe von Checkpoint-Fragen zu beantworten, die dazu dienen sollen, aufzudecken, ob wir in dieser Untersuchung noch irgendetwas übersehen haben?


Nein, da ist nur die Sinneserfahrung und Interpretation, auch Identifikation, die immer wieder in Gedanken entsteht und verschwindet. Niemand hinter den Augen, niemand, der beobachtet, kein suchendes Ich, kein "aufmerksames Ich".
Wunderbar. Das ist sehr klar.

Nur zum Spaß noch ein kleines Experiment - weil es so schön sichtbar machen kann, wie die Illusion, bzw. Interpretation eines “jemands” hinter den Augen zustande kommt. Es ist nicht nötig, jede Frage einzeln zu beantworten. Du kannst dir die Fragen einfach beim Experimentieren stellen und dann hinterher von deiner Erfahrung erzählen. Hier ist es:

Der Effekt wird wahrscheinlich am deutlichsten sein, wenn du beim Experimentieren auf der Seite liegst, du kannst aber auch sitzen, stehen oder auf dem Rücken liegen.

Schließe für einen Moment die Augen und öffne dann nur ein Auge.
Schau dich langsam im Raum um.
Nimm dir Zeit.
Achte besonders auf Folgendes:
- Entsteht ein Eindruck davon, wo im Raum „du“ dich befindest?
- Wo genau scheint dieser Ort zu sein? Ist es der Punkt, von dem aus gesehen wird? Wo genau im Raum befindet er sich? Wie hoch oder tief? Wie weit rechts oder links? Ist er irgendwo innerhalb des Kopfes? Wenn ja, wo genau?

Schau nun mit dem einen geöffneten Auge auf das, was von deiner Nase sichtbar ist. Vielleicht wirst du auch andere Teile deines Gesichts sehen können. Schau sie dir an und achte auf folgendes:
- Beginnen die beiden Gesichtshälften sich vielleicht unterschiedlich „anzufühlen“? Fühlt sich vielleicht eine „fremder“ an als die andere? Wenn ja, welche?
- Entsteht vielleicht sogar das Gefühl, dass „du“ auf einer Seite bist, aber nicht auf der anderen?

Nun schließe das Auge wieder und öffne kurz darauf das andere.
Achte sehr genau auf den Effekt dieses Wechsels und untersuche:
- Scheint es, als ob du dich plötzlich in einer anderen Position im Raum befindest? Etwas weiter oben/unten oder rechts/links?
- Befindest „du“ dich plötzlich auf der anderen Seite deiner Nase?
- Dieser Eindruck kann sehr stark sein - aber entspricht er dem, was tatsächlich geschieht?
- Bist du wirklich von einer Position irgendwo hinter einem Auge zu einer Position irgendwo hinter dem anderen Auge gesprungen?

Öffne und schließe jetzt mehrere Male die Augen abwechselnd und untersuche:
- Wo genau hinter dem geöffneten Auge ist der Punkt, von dem aus scheinbar gesehen wird?
- Befindet sich dort irgendeine Entität, ein Ich, ein Beobachter? Bist „du“ dort?
- Springst „du“ von diesem Punkt hinter dem Auge zu einem Punkt hinter dem anderen Auge?
- Kann überhaupt etwas gefunden werden, das sich bewegt hat?
- Oder wechselt einfach nur die Perspektive, aus der der Raum gesehen wird, und blitzschnell folgt eine Schlussfolgerung, dass dort, von wo aus gesehen wird, sich „jemand“ befinden muss?

Schau zum Abschluss auch noch mit beiden Augen.
- Wird irgendwo ein Beobachter gefunden?
- Oder nur Sehen?

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Fri May 29, 2026 8:39 pm

Bist du bereit, eine Reihe von Checkpoint-Fragen zu beantworten, die dazu dienen sollen, aufzudecken, ob wir in dieser Untersuchung noch irgendetwas übersehen haben?
Ja, ich bin bereit.


Auch dieses Experiment war wieder sehr spannend. In der direkten Erfahrung konnte ich keine Räumlichkeit entdecken und dementsprechend auch keine Position oder etwas, das es zu verorten gäbe. Die Übungsteile, bei denen nur ein Auge geöffnet war, fand ich ebenfalls sehr aufschlussreich. Wenn ich nur ein Auge öffne, verschwindet der Eindruck "Da schaut jemand von innen durch ein Guckrohr in die Welt hinaus" völlig. Ich könnte nicht sagen, welche Gesichtshälfte sich fremder oder vertrauter anfühlte, nur, dass in diesem "geteilten Schauen" einmal mehr deutlich wurde, dass dort kein "Seher" oder "Beobachter" hinter den Augen - weder auf der einen noch auf der anderen Seite noch in der Mitte - sitzt.
Vielmehr ist da einfach nur Sehen, dessen "Färbung" sich im Laufe des Experiments verändert hat.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Fri May 29, 2026 9:27 pm

Schön, dass dir das Experiment gefallen hat :)


So, hier sind also die Checkpoint-Fragen. Geh sie in Ruhe durch und nimm dir alle Zeit, die du brauchst.


1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges, getrenntes Selbst oder "Ich"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist - wann sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an, das zu sehen? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.

4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen? Gab es einen Moment des Umschwungs mit einem klaren „Vorher“ und „Nachher“?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Betrachte und beschreibe jeden dieser Aspekte einzeln.

6) Was lässt geschehen, was geschieht? Wie funktioniert das?

7) Wofür bist du verantwortlich? Gib Beispiele aus deiner Erfahrung.

8) Gibt es noch etwas hinzuzufügen?

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Sat May 30, 2026 8:26 am

1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges, getrenntes Selbst oder "Ich"? Gab es das jemals?
Nein, es gab und es gibt kein getrenntes Selbst oder "Ich", das irgendwo auffindbar wäre.
2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist - wann sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich-Illusion entsteht in Gedanken. Die verschiedenen Sinneswahrnehmungen und das Denken selbst werden in gewissen Gedanken interpretiert, unterteilt, getrennt. Dies geschieht automatisch und ohne Einfluss eines "Denkers", der bereits Ausdruck solcher Gedanken ist. So entstehen Konzepte und Ideen z.B. eines Verursachers, eines Ausführenden, eines "Körperbesitzers" oder eines Beobachters, die sich durch die direkte Erfahrung nicht bestätigen lassen, unhinterfragt aber die Illusion eines getrennten Selbst mit Körper und allerhand Narrativen bilden.
3) Wie fühlt es sich an, das zu sehen? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.
Es fühlt sich nach wie vor friedlich und entspannt an. Weniger wie eine grandiose Erkenntnis wie vom Blitz getroffen, sondern eher ein immer häufiger werdendes "Sein-Lassen" gewisser automatischer Denkschleifen. Vor dem Dialog habe ich ja meine Erwartungen geschildert und unter anderem über die Vorstellung eines "zukünftigen Zugewinns" gesprochen. Jetzt ist es eher das Gefühl einer Abwesenheit, aber ohne dass tatsächlich eine Leerstelle entstanden wäre - "War da was?" Gleichzeitig aber auch die Erkenntnis: nichts hat sich fundamental verändert. Gedanken passieren weiter, Identifikation passiert weiter, Gedanken, die diese Identifikation in Frage stellen passieren weiter, steigen auf, verschwinden. Es ist ja so eine absolute Platitüde, das mit einer optischen Täuschung zu vergleichen, aber hat man es direkt erfahren, macht dieses Bild schon Sinn: Einmal gesehen, kann ich sowohl die alte als auch die junge Frau oder sowohl die Vase als auch die Gesichter erkennen und keine Perspektive ist fundamental richtiger - einfach eine andere Perspektive, die gesehen werden kann.
4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen? Gab es einen Moment des Umschwungs mit einem klaren „Vorher“ und „Nachher“?
Nein, ich kann keinen klaren Moment bestimmen. Wenn ich aber den Dialog erneut lese, dann lässt sich erkennen, dass ich am Anfang viel mehr anhand von Konzepten und Ideen geantwortet habe. Die direkte Erfahrung zu schildern schien mir viel zu simpel und unterkomplex. Jetzt erkenne ich genau da Identifikationsgedanken: "Schau mal, wie clever ICH bin." Es ist auch ein gewisser Gewöhnungsprozess, in die direkte Erfahrung zu schauen und wirklich nur dort. Irgendwann, das hast du ja auch angemerkt, passierte das dann immer mehr ganz automatisch.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Betrachte und beschreibe jeden dieser Aspekte einzeln.
Wenn ich z.B. meine Hand hebe, dann gibt es in der direkten Erfahrung nur Sehen und Empfindungen, die "Bewegung" vorgaukeln, was für sich genommen bereits eine Interpretation dieser Reize ist. In weiteren Gedanken entsteht dann das Konzept einer "Entscheidung, die gefällt wurde". Dadurch entsteht auch die Illusion eines "Entscheiders" - so entsteht der Eindruck, den ich ja eingangs in Alltagssprache auch mit "Ich hebe die Hand" beschrieben habe.

Die Illusion eines Entscheiders ist auch an weitere Konzepte geknüpft. Wenn angenommen wird, dass Entscheidungen passieren und ein Entscheider entscheidet, dann entsteht die Idee von Absicht oder Intention, was ja auch eines der "Probleme" war, die ich zu Beginn des Dialogs geschildert habe. Eine automatisierte Gedankenkette, die ich während der Experimente häufiger beobachten konnte (besonders bei der Hand-heben-Übung) war die Vorstellung: Wenn ICH diese Entscheidung getroffen habe, dann MUSS es ja MEINE Absicht gewesen sein - oder: "mein Körper" hat gegen "meine Absicht" gehandelt. Diese Gedanken habe ich ja geschildert, als sie aufkamen im Zusammenhang mit anderen Gedanken "Welche Hand werde ICH wohl heben?" Alle diese vermeintlichen Zusammenhänge entstehen als Inhalt von Gedanken. Auch der Zusammenhang von "Entscheidung", "Absicht" etc. sind Gedanken über Gedanken - nichts, das in der direkten Erfahrung, die man, ebenfalls gedanklich, "Hand heben" etikettieren könnte, finden kann.

Unhinterfragt entsteht dann die Vorstellung eines Entscheiders mit freiem Willen. "Freier Wille" zeigt sich in meiner "Ideenwelt" z.B. durch Gedanken "Ich kann jederzeit entscheiden, meinen Arm zu heben, aufzustehen oder zu rennen." Stillschweigend wird in diesen Gedanken auch das Narrativ gesponnen "Ich kann jederzeit entscheiden, welche Gedanken ich habe und haben werde (und dementsprechend, welche Entscheidungen ich treffe)." Dies, konnte ich klar in der direkten Erfahrung beobachten, ist nicht der Fall. Gedanken entstehen und verschwinden ohne einen Denker. Gedankeninhalte entstehen und verschwinden ohne einen "Redakteur". All diese Prozesse passieren, wie ebenfalls beobachtet, "after the fact". Die Idee von "Ich, der Entscheider, habe mit Absicht gehandelt in Ausübung meines freien Willens" entsteht nach der direkten Erfahrung "Hand heben" und verleiht ihr quasi rückwirkend einen vermeintlichen Kontext. Wie gesagt, all diese Konzepte sind letztendlich einfach Gedanken ohne "Grundlage" in der direkten Erfahrung. Sie sind ebenfalls eng geknüpft an die Illusion einer "autonomen Einheit mein Körper".

All dies führt zu dem weiteren Gedanken, "Kontrolle" über z.B. körperliche Bewegungen oder gedankliche Prozesse zu haben, was sich, wie erwähnt, nicht mit der direkten Erfahrung deckt: Es gibt keinen Kontrolleur und auch niemanden, der kontrolliert wird. Gleichzeitig, und das ist sicher eine der verblüffenderen Erkenntnisse und ein besonders kurioses Paradox, passieren Handlungen und z.B. Ideen einfach. Relativ gesprochen gibt es keinen Entscheider, aber Entscheidungen werden gefällt: Der Arm hebt sich, dieser Text wird geschrieben, deine Antwort wird gelesen. So entsteht die Illusion von Kontrolle, wenn auch ohne Kontrolleur. Am Ende ist alles sprechen über "Das ist passiert" auch nichts weiter als eine gedankliche Interpretation von Erfahrungen und Empfindungen. Nichts von diesen ganzen Konzepten lässt sich in der direkten Erfahrung beweisen. Auch "Kontrolle" ist eine weitere Interpretation dieser Erfahrung - wie letztlich auch das Gegenteil "keine Kontrolle".
6) Was lässt geschehen, was geschieht? Wie funktioniert das?
Nichts und niemand lässt geschehen, aber Geschehen wird erfahren und interpretiert. Veränderungen im Sehen, Hören, verschiedene Empfindungen etc. werden in Gedanken etikettiert. Gedanken entstehen: "Da passiert etwas." Gedanken, die andere Gedanken etikettieren, entstehen und verschwinden. Alles, was passiert, passiert in Gedanken - aber auch das ist nur ein weiterer Gedanke. Dieser Strom aus Ereignissen ist durch die Sinne in der direkten Erfahrung wahrnehmbar. Erfahrung lässt sich nicht abschalten, unterbrechen oder aufhalten. Sie ist, besser kann ich es nicht ausdrücken, das, was ist.
7) Wofür bist du verantwortlich? Gib Beispiele aus deiner Erfahrung.
Letztendlich bin "Ich" für nichts verantwortlich, weil hinter diesem "Ich" niemand ist, der ausführt und niemand ist, der "Verantwortung tragen" könnte. Relativ gesprochen kann ich natürlich trotzdem "beobachten", dass dieser Text hier geschrieben wird, dass im alltäglichen Sprachgebrauch "Ich" diesen Text mit meinen Händen schreibe. "Verantwortung" kann "ich" dafür dennoch nicht übernehmen, denn "ich" habe keinen Einfluss darüber, dass dieses Schreiben in Gang gesetzt wurde und noch viel weniger, welche Worte hier erscheinen. "Verantwortung" im positiven Sinne könnte "ich" alltagssprachlich auch für die Experimente und Erkenntnisse, über die "ich" hier berichtet habe, übernehmen - "meine Leistungen", denn es hat sie ja niemand anders geleistet - aber bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass diese Erinnerungsgedanken in der direkten Erfahrung "leer" sind. So kann "ich" auch nicht Verantwortung für Vergangenes oder für "Leistungen" übernehmen.
8) Gibt es noch etwas hinzuzufügen?
Gedanken stiegen auf, jetzt mit einer schlauen Schlussbemerkung zu enden, aber wenn ich genau hinschaue, habe ich dem nichts hinzuzufügen. ;)

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You
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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Sat May 30, 2026 3:57 pm

Danke für deine Antworten. Nun schauen noch andere Guides darauf. Eine erste Rückfrage gibt es bereits:

"Please look at what happens in planning your future, thinking about your past, and in relating with others, and in thoughts about yourself and your life. What is the same and what is different? Please do not answer from thinking, but rather explore this in your life for a while and then answer what is seen and felt."

(Du kannst gerne auf Deutsch antworten, wenn dir das lieber ist. Ich leite die Antwort dann übersetzt weiter.)

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Sat May 30, 2026 6:35 pm

Alles klar, ich nehme mir mal einen guten Tag Zeit zum Schauen und melde mich morgen Abend wieder.
Englisch ist kein Problem. :)

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Sun May 31, 2026 7:40 pm

"Please look at what happens in planning your future, thinking about your past, and in relating with others, and in thoughts about yourself and your life. What is the same and what is different? Please do not answer from thinking, but rather explore this in your life for a while and then answer what is seen and felt."
As you mentioned yourself, the notion of "my life" persists.
Planning "my future" still happens. This does not, however, imply that a separate planner can be found in direct experience when I search for it. Yet, planning and goal-setting simply happen as part of the mental movements that arise and dissipate.
The biggest change I was able to notice is just this discovery over and over again: "There is no separate self to be found in direct experience" and thoughts that now appear (and ever more frequently so) "Can this [mental event] be verified in direct experience?" So this is an ongoing discovery of all the stuff that is habitually added onto direct experience.
Yet my day-to-day experience is pretty much the same: thinking about the past keeps going on but there's no thinker to be found when it occurs to me to check.
Relating with others has not changed much either. If I look into direct experience, I cannot find neither "I" nor "the others", only sense data and thinking, yet conversations unfold, arguments are had etc.
Thoughts about "myself" and "my life" arise, unfold and fade away. Looking into direct experience occurs, then back to identification, rinse and repeat. None of this is perceived as a problem, however - just habitual patterns of thinking that keep unfolding interspersed with mental events that deal with actual experience and sense data more directly.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Sun May 31, 2026 11:33 pm

Vielen Dank! Ich habe deine Antwort weitergeleitet und werde mich ganz bald wieder melden.


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