Wenn ich mir genau anschaue, was "glauben" eigentlich ist, kann ich das gar nicht genau sagen. Ich probiere mal:Benötigt es denn ein Ich, damit Gedanken geglaubt wird?
Wenn da die Empfindung von Hunger ist, "glaube" ich das sofort - dazu ist kein Ich notwendig. Eine Empfindung braucht nicht geglaubt zu werden. Sie ist unmittelbar.
Wenn ich Hunger habe, aber da ist der Gedanke "Ich habe keinen Hunger" ... ist da eine unmittelbare Empfindung von "unwahr", - das läuft auch nicht über ein Ich. Ich brauche keine Untersuchung und das Wort "unwahr" um das zu wissen - letzteres ist nur der Ausdruck der unmittelbaren Empfindung.
Wenn ich denke "eines Tages werde ich sterben" (also ein echter Gedanke, das basiert ja auf keiner Empfindung) oder "Die Erde ist eine Scheibe" ... da passiert interessanterweise gar nichts. Ich halte das eine für wahr und das andere nicht. Ich "glaube" dass das eine wahr ist und das andere nicht. Aber warum, kann ich nicht sagen. Es ist ein Glaubenssatz. Und als solcher benötigt er auch kein Ich. Er scheint "für sich" wahr zu sein. Das Ich kommt erst dann ins Spiel, wenn der Gedanke einen Impuls auslöst, z.B.:
Ich glaube, dass ich eines Tages sterben werde > Angst = Ich habe Angst.
Es braucht immer erst einen Impuls. Irgendetwas muss da sein, dass sich der Ich-Gedanke aneignet. Hunger + Ich = Ich habe Hunger.Benötigt "Wollen" ein Ich? Oder ist es anders rum?
Wenn man z.B. sagt: "Ich weiß nicht, was ich will ... " dann ist der Impuls eine diffuse Unzufriedenheit (bzw. eine Empfindung mit einem Namen) die einfach "so ist". Mit dem Ich-Gedanken wird daraus die Identität von "Jemanden", der "nicht weiß, was er will"
Wenn es keinen Widerstand gibt, kein Gefälle, keine Impulse ... gibt es auch Nichts aus dem die Illusion eines Ichs entstehen könnte. Das ist aber - glaube ich - nie der Fall. "Leben" besteht ja aus dem ganzen Zeug.

