Lieber Daniel,
auf Deine Fragen:
Wie geht es Dir? Was hat sich getan in den letzten Tagen?
Wo herrscht momentan noch Unklarheit?
Ist die Suche beendet?
Magst Du weiter untersuchen?
Hier ein paar versuchte Antworten.
Meine Tage waren sehr wechselhaft. Zweifel, auch Gefühle von Haltlosigkeit, aber immer auch Frieden, Klarheit und Stille. System in Aufruhr! Zur Zeit geht es mir gut. Die Klarheit ist zurückgekehrt und doch bleiben offene Fragen.
Vielleicht gebe ich Dir ein paar Eindrücke aus meinen Notizen der letzten Tage wieder, damit ich nicht wieder ein klares konzeptuelles Resümee abliefere. Was hat sich verändert?
Impressionen:
Gelassenheit und Vertrauen in den Lebensfluß... Ende April fliege ich alleine nach San Francisco....Angst weicht einem Vertrauen, dass zur rechten Zeit das Richtige entschieden und getan wird (Hatte mich bevor ich mich in diesem Forum angemeldet habe, zu einem Retreat/Satsang bei Jon Bernie angemeldet. Hingehen oder nicht? Die Entscheidung wird fallen)
Volle Vase fällt um. Inhalt ergießt sich über den ganzen Tisch....Reaktion, Handlung geschieht bei einer totalen inneren Stille.Keine Geistesregung. Bemerkenswert!
Bin mehr im Fluß....immer wieder Zurückkehren in die Stille...
Frieden und Gelassenheit beim Autofahren....Lebendigsein....Leichtigkeit....Offenheit....feines Vibrieren. (Dieses feine, perlige Vibrieren des Körpers ist bemerkenswert, geschieht häufig.. und dahinter ist Stille)
"Alles ist aus Stille gemacht, geschieht in der Stille und aus der Stille heraus."
Warten auf Antwort von Daniel. Wer wartet? Keiner. Einfach nur Danielgedanken und dann zurückkehren in die Stille.
Aber dann wieder Warten und schauen... Daniel antwortet immer noch nicht... Fühle mich verlassen. Kenne dieses Verlassenheitsgefühl, wechselt ab mit Getriebensein, Anspannung, Unruhe... Sehnsucht. Wann meldet er sich, wann geht es endlich weiter?
Zweifel!!! Da ist es doch das Ich. Also doch nichts erkannt? Das dürfte doch nicht passieren dieses Gefühl von Festhängen, verwickelt, besessen Sein oder was auch immer das ist. Alles nur um dieses Gefühl des Verlassenseins nicht zu fühlen.
Dann die Erkenntnis, mich mit Daniel beschäftigt halten, verhindert dass nicht klar gesehen wird.
Die Untersuchung kann doch weiter gehen ohne Daniel.
Als Stütze Robert Saltzman gelesen. War ein riesen Fehler. Verwirrung verstärkte sich und Gefühle von Sinn- und Hoffnungslosigkeit.... Haltlosigkeit.. nichts mehr war sicher, alles in Frage gestellt...
Dann wieder zur eigenen Erforschung zurückgefunden.
Was ist unumstößlich wahr? Nicht nur kognitiv. Kein Ich , das ist Klar. Empfinden von bewusstem, wahrnehmendem Dasein. Alles geschieht von alleine: Sehen, spüren,denken, bewegen, schreiben, schmecken, reden...Keiner, der das Ganze steuert oder kontrolliert. Macht jemand das Sehen? Nein. Gibt es ein Ich/Person die sieht? Nein.Ist Sehen getrennt von Wahrnehmen? Nein. Gibt es einen Wahrnehmenden? Nein. Wie kommt die Wahrnehmung ins Bewusstsein? Sie kommt nicht, sondern ist einfach da. Es gibt kein Außen und somit kein Innen.
Das Dasein, das Wahrgenommene und das Wahrnehmen lassen sich nicht voneinander trennen.
Und dann trotzdem immer dieses Empfinden, dass alles Wahrnehmen, beobachten von einem Zentrum ausgeht. Als ob es da einen getrennten Beobachter gäbe. Ist der Beobachter nun das neue Ich?
Offene Fragen:
Ist Bewusstsein ein Produkt des Gehirns und damit begrenzt oder universell und unbegrenzt? Bewusstsein erscheint zwar unbegrenzt, aber ist das nur eine Illusion? Wenn Bewusstsein Gehirngebunden ist, dann zerfällt es, wenn das Gehirn zum Beispiel durch Alzheimer erkrankt. Wenn alles im Bewusstsein erscheint und nichts davon getrennt ist, gibt es etwas Unabhängiges außerhalb von Bewusstsein? Ist Bewusstsein und Liebe dasselbe und eine universelle Kraft oder ist Liebe nur ein Menschending, gebunden an persönliche Belange? War meine durch Meditation ausgelöste Erfahrung von grenzenloser Liebe und Bewusstsein nur fake? Ein Wunschglaube?
Ist das Ego eine Fehlsteuerung des Systems, die wenn erkannt dazu führt, dass die Welt ein liebevollerer, freundlicherer Ort wird? Lebendigsein schön und gut, aber Leben kann sehr grausam sein. Dem Leben ist das einzelne Lebewesen egal. Ist das Ich nicht auch ein Bollwerk gegen die Vernichtung, die allerorten und zu allen Zeiten droht? Gibt es etwas nach der Vernichtung dieses Körpers? Das sind doch existenzielle Fragen oder?
Das hats einfach reingespült in den letzten Tagen und für sehr viele Turbulenzen gesorgt und den Boden unter den Füßen weggezogen, haltlos gemacht.
Und vorhin die letzte Erfahrung durch die Spiegelübung:
Bewegung geschieht in dieser unbewegten Stille, bezeugt durch Stille. Diese unbewegte Stille bezeugt diese Bewegung ohne Verursacher. Körper ist Vibrieren im Raum. Lebendigsein und Klarheit. Kein Ich-keine Dagmar. In diesen Momenten ist alles fraglos gut. Ist viel Stoff so auf einmal. Kriegst nun die geballte Ladung ;)
Herzliche Grüße und herzlichen Dank für Alles, vor allem für diese gleichbleibende Geduld und Freundlichkeit.
Dagmar