lieber Daniel!
Herrje, wow - was für eine fiese Erfahrung. Kaum hatte ich es abgeschickt, gab es einen Impuls von "nä, das kann und soll so nicht stehen bleiben, das ist nicht wahr. Das ist doch alles ein Fake. Das ist die alte "ohnmachts-Nummer". Scheisse, fühlt sich das fies an". Dann gab es einen dringenden Impuls, den Raum zu verlassen ( war ein Raum, in dem ich zu Gast bin, voll mit Kisten bis oben hin.)
Jetzt sitze ich zwischen Pflanzen an der frischen Luft. Seufzen, erleichtertes schnaufen, ungläubiges Lachen, wie nach einer Achterbahnfahrt. Danke für Deine schnelle Antwort heute Morgen. Ich schreibe Dir einmal, was heute MOrgen zu den ersten beiden Fragen auftaucht, denn die Trance klebt. Es ist eigenartig.
Darum zurück zum Erleben...
1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Aus diesem Erleben kann ich schreiben, dass es wohl ein "ich BIN" gibt, ein Erleben vom "Selbst" als Existenz,
aber nicht als persönliche Institution "ICH". Da gibt es keine Monika. Monika ist ein Label für eine Existenz, in menschlicher Form, weiblicher Natur. Mit einem Körper, Sinnesempfindungen und -wahrnehmungen, Emotionen, Gedanken, Erfahrungen.
Aber da ist kein ICH, da ist nichts.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die ICH -Illusion ist die Idee, dass es etwas wie einen Besitz von Persönlichkeit gibt. ICH ist eine Identifiktion mit allen Sinneswahrnehmungen, den ätherischen eingeschlossen, Emotionen und - vor allem - allen Gedanken/ Weltbildern.
So konstruiert sich das ICH als Selbst-Bild über die Jahre.
Das ICH entwickelt sich in Beziehung, mit einem Gegenüber, mit dem ich mich in Beziehung setzen kann, mich als anders und getrennt, mit einer eigenen Innenwelt erfahre.
Erfahrungen von Handlung und Wirkung in der Welt werden als Selbst-Wirksam oder ohnmächtig erlebt ( "ICH" spreche jemandem Mut zu, und das gegenüber fühlt sich unterstützt/ "ICH" fühle Angst in Situationen, die als bedohlich bewertete Erinnerungen triggern, und erstarre innerlich und äußerlich).
All dies wird unterstützt, gelobt oder bestraft- Erfahrungen sammeln sich an, und diese Erfahrungen ergeben das Bild von "ICH".
In meinem ICH - Erleben gibt es erwünschtes und nicht erwünschtes Erleben, DU und ICH, innen und außen. Es gibt eine Idee von Teilhabe am großen Weltengeschehen durch das, was durch mich geschieht. Eine Möglichkeit von Zielen, von "wahr und nicht wahr". Gelingen Pläne und geschieht Leben, wie in der ICH Welt-Vorstellung, gibt es ein Empfinden von Freude, "richtig sein/ in Übereinstimmung mit dem Lebensfluss sein", Gnade.
Geschieht Leben entgegen der ICH -Wünsche, gibt es Leiden in vielerlei Form- in erster Linie bezogen auf "mein eigenes" ICH Bild. "Falsch handeln", "Schuld tragen" ,"nicht genug sein", "es nicht schaffen", "abhängig von...sein", alles GEdanken und Erwartungsbilder im Kopf. Trauer und Scham kann auch zum Leiden werden, je nachdem wie leicht sie "sein dürfen" und vom Label gelöst sind.
Zu meinem ICH Bild gehört auch das Empfinden, "eine alte Seele" zu sein. Ein schmaler Grad zwischen Gefühl, Erinnerung, Gedanke oder Einsicht.
Im Erkennen der ICH Illusion hebt sich alles auf. Alle Dramen. Alle Machtverhätnisse, Hierarchien, alle Ziele.
Auf einmal ist alles, was es ist, frei vom Wunsch etwas zu ändern- und ein großer Friede kehrt ein.
Im Erleben der ICH Illusion oder ICH-Trance wirkt alles wahnsinnig echt. Gedanken werden als wahr erlebt und das Drama beginnt von vorne, etwas aufzulösen oder in Harmonie zu bringen, was es so gar nicht gibt. Die katze, die sich selbst in den Schwanz beisst.
Die größte Sehnsucht in der ICH Illusion, in Frieden zu kommen und alle Widersprüche aufzulösen, ist zugleich die größte Angst, weil es dadurch seine Existenz verliert. Wenn ich mich aber fühe, als wäre ICH, dieses Erleben, fühlt es sich an wie sterben. Das Erleben ist hier vergleichbar mit kleinen Kindern, die vor lauter Übermüdung so sehr schreien dass sie nicht einschlafen können. Sobald eine Spur von "Lösen" aus dem aktuellen Zustand geschieht, auch wenn es ja eine Entspannung ist, schlägt das System Alarm und beginnt das Drama von vorne.
In meiner ICH Illusion gibt es einen Glauben zu wissen, wie das Leben "funktioniert". Dazu gehört das Paradoxon, dass es ein Mysterium gibt, und es sozusagen ein "Wissen im Nichtwissen" gibt.
Lieber Daniel,
das waren jetzt fast alles Gedanken.
Es gibt hier eine echt große Überraschung über dieses Heer von Widerstand, das auftaucht,
sobald ich formuliere, dass es kein ICH gibt und mit diesem ICH auch
keine Absicht, keine Verantwortnug, keinen Glauben.
Woooooooow, das rüttelt an einem Kern, die Verantwortung, und die Absicht.
Eine unfassbare Trauer schwemmt da durch mich, ein "nicht-wahr haben wollen".
HInter der Trauer sitzt die Angst, nun kommt sie doch wieder. Angst, alles zu verlieren. Nicht mehr glaubwürdig zu sein. NIcht mehr in diese Welt zu passen. NIcht mit dieser Welt zurecht zu kommen.
UNd doch findet doch so etwas statt wie "sich ausrichten", "MItgefühl".
es ist, als ob der Verstand verstehen möchte, was in den letzten Tagen an Gardine gelüftet wurde, und damit sind quasi die Rolläden gleich mit runter gegangen. Dä.
Bis später,
Monika