Hier sind die Antworten von Sisi zu den Abschlußfragen, wegen Forumsferien per Email erhalten:
Die erste lautete ja: Gibt es ein ich in irgendeiner Form oder Zustand?
Nein. Es gibt kein Ich, bei nichts und niemandem. Es existiert lediglich der Glaube oder die Illusion, Körper hätten ein solches, sie wären abgegrenzt und individuell, würden selber denken oder handeln. Wird diese Illusion durchschaut, wird klar, daß es kein ich in irgendeiner Form gibt. In Wirklichkeit gibt es nur Sein, Wahrnehmung, eben nur Dies.
Die zweite Frage lautete: Erkläre, wie das ich funktioniert, und wie es kam, dass Du es durchschaut hast. Was hat Dich überzeugt?
Das "ich" bastelt sich aus Gefühlen und Gedanken und Körperempfindungen sowie den Ereignissen eine persönliche Lebensgeschichte, indem es quasi diese eigentlich aus dem Nichts auftauchenden Phänomene auf sich bezieht und behauptet, es existiert eine Ursache-Wirkungs-Kette. Es behauptet dann, diese Geschichte sein wahr. Es sucht nach einem Ziel, nach Sinn und Zweck des Lebens und bastelt damit weiter an der Geschichte. Wichtig ist dabei die Illusion, dies alles passiere wirklich und sei wahr. Dadurch wird der Glaube an eine getrennte, individuelle Existenz weiter untermauert.
Wie wurde es durchschaut? Zunächst war da die Erkenntnis, dass Gedanken und Gefühle "außerhalb" von mir entstehen und quasi "durch "mich" hindurch ziehen". Dies wurde beobachtet und war teilweise sehr erheiternd. Dann wurde die Problematik der Entscheidungen thematisiert. Zu diesem Zeitpunkt kam es zu einer Art "Krise". Der Glaube an das "ich" war stark erschüttert, alle möglichen Gefühle und Gedanken kamen sehr schnell. Dann wurde erkannt, dass auch eine vermeintliche "Entscheidung" nichts anderes als eine Gedanken-Gefühle Kette ist, nur untermauert von dem Glauben, "man selber" habe ausgewählt. Der nächste Schritt war die Erkenntnis, dass es kein "innerhalb" und "außerhalb" gibt, und dass wirklich niemand da ist, der denkt oder handelt. Es gab kein Zentrum mehr. Der Glaube brach für eine Zeit lang zusammen.
Es kam an einem Morgen direkt danach zu einer Erfahrung von "Dies ist es". Es war nur Wahrnehmung da, keine Trennung mehr, keine Zeit mehr. Niemand war da, nur reines Sein. Eben "Dies". Worte können das nicht beschreiben. Diese Erfahrung hielt für eine gewisse Dauer an, dann tauchte wieder ein Glaube an "ich" auf. Jetzt ist es egal was ist, da alles das Sein ist. Die Erfahrungen wie oben beschrieben tauchen auf und verschwinden wieder, niemand ist hier, manchmal wird noch an ein "ich" geglaubt, aber auch Dies ist es. Es gibt nur Dies, Punkt.
Zur Frage, was "mich" überzeugt hat, kann "ich" kaum antworten. Die Fragen, die "schockierend" waren und "den Verstand" an die Wand fahren ließen, waren sehr hilfreich. Die Erfahrung der Klarheit, dass niemand da ist, und Dies alles ist, war sicherlich "erlösend". Eine große Entspannung ist eingetreten, frei von Stress, etwas unbedingt erreichen zu wollen. "Ich" existiere nicht und habe nie existiert, niemand da. Derzeit wird geschrieben und nach Worten gesucht. Gefühle kommen und gehen, sind kürzer da und dabei klarer. Aber eigentlich war es eher eine Art "Wissen" das plötzlich da war dass wirklich niemand da ist und dass "Dies" in seiner Fülle alles ist. Dieses "Wissen" kam nicht als Gedanken-Gefühlskette, sondern ist eher da und "man" erfasst es/nimmt es wahr.
Damit ist ja schon fast die dritte Frage beantwortet. :)
Wie fühlt es sich an, von dieser Vorstellung befreit zu sein?
Befreit, weiter, erweitert eben. Und sehr, sehr erheiternd. Selbst wenn manchmal noch an ein "ich" geglaubt wird, ist das eigentlich erheiternd, weil "im Hintergrund" das Wissen eben da ist: Niemand ist da, Dies ist alles. Phänomene/Ereignisse tauchen auf und vergehen wieder, und werden nur mehr gelegentlich "auf mich" bezogen, aber auch dieser "Glaube" ist nur von kurzer Dauer. Und viel, viel gelassener.
Wie würde ich das jemandem erklären, der noch nie die Existenz eines "ich" bezweifelt hat und auch noch nie von diesen Dingen gehört hat?
Zuallererst würde "ich" fragen, ob er überhaupt ernsthaftes Interesse daran hat, darüber zu hören. Lautet die Antwort "ja", dann würde ich vielleicht von einem Baby oder einem sehr kleinen Kind reden, dass ja auch noch nicht an ein "ich" glaubt und sich als ungetrennt und im reinen Sein wahrnimmt, bis es eben "lernt", durch die Eltern und die Gesellschaft, den Glauben an ein "ich" zu haben.
Dann wird es schwierig. "Ich" würde fragen, woher denn die Gedanken kommen, und die Gefühle, ebenso würde "ich" fragen, wo denn dieses "ich" sein sollte.
Als nächstes würde "ich" der Person erklären, dass sie eigentlich nur wahrnimmt was eben so auftaucht, aber aufgrund des anerzogenen Glaubens diese Gedanken und Gefühle für die eigenen hält. Genauso würde "ich" mit den Ereignissen verfahren, "ich" würde fragen, wieso denn jedes Ereignis unbedingt die Existenz eines "ich" belegen sollte, da Ereignisse ja passieren und nur ein Bezug zum "ich" konstruiert wird.
Der Erklärungshergang wäre sicherlich sehr abhängig von der Aufgeschlossenheit der Person. Dennoch, als nächstes würde "ich" erklären, dass wenn der glaube an das "ich" entfallen würde, er/sie bemerken würde, dass nur noch Sein und Wahrnehmung übrigbliebe, und dass nichts passiert, weil niemand handelt, da eben niemand da ist - auch vermeintliche andere Personen nicht. Wenn die Person Hirnforscher wäre, hätte "ich" sicherlich ein Problem :)
Dann würde "ich" vielleicht noch eine "Was-wäre-wenn-ich-nicht-existiert" Frage stellen, und vielleicht kämen wir dann auf die Antwort, dass nur reines Sein übrig bliebe.
Dies wäre kurz dargestellt, wie "ich" es versuchen würde zu erklären. Ach ja, vielleicht würde ich noch das Thema mit der "Suche" reinbringen, nämlich dass "jeder" irgendetwas sucht in seinem Leben. "jeder" merkt ja irgenwie, dass etwas verloren oder vergessen wurde, und "ich" würde der Person versuchen zu erklären, dass es Dies ist, was jeder sucht, und das es längst da ist, und keine Anstrengungen unternommen werden müssten, um es zu erreichen.
So, "ich" hoffe die halbwegs richtigen Worte gefunden zu haben. Aber da ja niemand da ist, und nur geschrieben wurde, wird vielleicht auch geantwortet werden. :)