Erwachen

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Sat Feb 11, 2017 1:54 am

Lieber Truthcounts,
Geniesse weiterhin das Bad im Urgrund der Ruhe.


Heute war ich immer wieder entspannt in der Ruhe. Und immer wieder fasziniert und gefesselt vom Schauspiel der Gedanken. Heute war es ein Hin und Her. Aber die Rückkehr zur Ruhe kommt immer natürlicher und schneller. Auch in einer hitzigen Diskussion oder einer sehr emotionalen Situation kann ich die Ruhe wahrnehmen.

Eine gewisse Synchronizität ist in meinem Leben aufgetaucht. Ich bin dort wo ich sein muss, wann ich sein muss. Treffe ohne Planung die richtigen Zeiten, Leute, Gegebenheiten. Die Lyrics der Musik aus meinem Kopfhörer - crazy!! - beschreibt durch den Tag immer wieder die Situation in der ich grad Stecke.

Ich beobachtete mich heute den ganzen Tag, mal mit mehr, mal mit weniger Involvement. Wie ein Zoom bei der Camera, mal näher, mal weiter weg. Meine Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse. Alles Reaktionen. Das passiert so vor sich hin. Ich kann mitfiebern oder in der Ruhe verweilen, der Ablauf der Dinge bleibt derselbe. Diese Kette von Ereignissen hat etwas von der früheren Faszination auf mich eingebüsst, jetzt wo das Gefühl "etwas tun zu müssen" schwächer wird.

Welches Gefühl stellt sich mit der "inneren Stimme zu diesem Prozess" ein? Lass es plappern und das Gefühl sich innerlich austoben


Hui, gefährlich, sagt die Stimme in meinem Kopf, in der Ruhe zu bleiben. Wenns so schön ist, wird es dann noch einen Impuls geben überhaupt etwas zu tun? Aufzustehen? Zu Essen? Werde ich verhungern? Dann kommen mir deine Worte, Truthcounts, in den Sinn und ich lasse es plappern. Und dann kommt mir die neugewonnene Synchronizität in den Sinn und die Stimmer verliert ihre Kraft.
Was soll da noch klicken, Du badest ja schon drin?


:D
Ein klarer Fall von Erwartungen!
Plantsche darin also erst mal weiter und berichte mir, ob es wirklich noch zusätzlich eines Quietsche-Entchens namens "Ich" zur Unterhaltung bedarf.


Ich lese diese Frage nun schon zum x-ten Mal. Ich glaub ich verstehe sie nicht. Verstehe nicht genau wie sie mit dem zusammenhängt, was ich in den letzten Tagen erfahren habe. Hmm o_0

Liebe Grüsse,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Sat Feb 11, 2017 10:26 am

Liebe Sarah,
Ich lese diese Frage nun schon zum x-ten Mal. Ich glaub ich verstehe sie nicht. Verstehe nicht genau wie sie mit dem zusammenhängt, was ich in den letzten Tagen erfahren habe.
Ich hätte besser "jemals" statt "wirklich" geschrieben. Und gut, dass es Dich schon befremdet, ein Ich unterstellt zu bekommen ;o)
Hui, gefährlich, sagt die Stimme in meinem Kopf, in der Ruhe zu bleiben. Wenns so schön ist, wird es dann noch einen Impuls geben überhaupt etwas zu tun? Aufzustehen? Zu Essen? Werde ich verhungern?
Das sind auch Erwartungen, vielleicht von Erleuchtungsgeschichten über andere, die jahrelang auf der Parkbank oder Couch sitzengeblieben sind. Das mag für die gestimmt haben, aber bei Dir deutet sich das ja nicht gerade an.
Meine Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse. Alles Reaktionen. Das passiert so vor sich hin. Ich kann mitfiebern oder in der Ruhe verweilen, der Ablauf der Dinge bleibt derselbe. Diese Kette von Ereignissen hat etwas von der früheren Faszination auf mich eingebüsst, jetzt wo das Gefühl "etwas tun zu müssen" schwächer wird.
Das liest sich so, als säße da ein Ich in Ruhe vor einer Leinwand, auf der das Leben abläuft, und könnte sich manchmal in die Geschehnisse hineinziehen lassen, wäre aber eigentlich immer unberührt davon. Ist da wirlich ein Ich in direkter Erfahrung zu finden, das mitfiebern oder in der Ruhe verweilen kann? Braucht die Ruhe ein Ich, das darin verweilt, oder ruht es ohne Ruhenden?

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Sun Feb 12, 2017 12:53 am

Lieber Truthcounts,

Heute war es schwieriger, in die Ruhe zu fallen. Mögliche Ursachen: aktive Meditationen, Tanzen, Tantra-Rituale, Zucker essen. Ich werd's beobachten.
Das liest sich so, als säße da ein Ich in Ruhe vor einer Leinwand, auf der das Leben abläuft, und könnte sich manchmal in die Geschehnisse hineinziehen lassen, wäre aber eigentlich immer unberührt davon. Ist da wirlich ein Ich in direkter Erfahrung zu finden, das mitfiebern oder in der Ruhe verweilen kann? Braucht die Ruhe ein Ich, das darin verweilt, oder ruht es ohne Ruhenden?


Wenn ich zwischen Ruhe und Leben unterscheide, scheint mir das Ich ein Teil des Lebens zu sein. Wenn ich mich in die Ruhe fallen lassen, löst sich das ich darin auf. Aber wenn "ich" mich wieder in die Geschehnisse hineinziehen lassen, scheint das ich wieder aufzuerstehen. Es scheint zu der Action auf der Leinwand zu gehören. Wo das Zombie-Ich nach der auflösung immer wieder herkommt ist mir nicht klar. Aber das Ich wollte heute immer wieder Recht haben in Diskussionen.

Die Ruhe scheint mir ewig. Dort ruht es sich. Es braucht keinen Ruhenden.
Hmm, ich beobachte an mir grad ne Ungeduld. Ich gebe schon wieder diese Antwort. Und bin immer noch nicht weiter. Und wann kommt endlich der Klick? Fragt die Erwartung.

Ungeduldig,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Sun Feb 12, 2017 8:59 am

Liebe Sarah,
Heute war es schwieriger, in die Ruhe zu fallen. Mögliche Ursachen: aktive Meditationen, Tanzen, Tantra-Rituale, Zucker essen. Ich werd's beobachten.
Offensichtlich bist Du auf einem Tantra Seminar. Ein gutes Übungsfeld, um in der direkten Erfahrung zu bleiben, denn nichts geht einem in direkter Erfahrung näher als Berührung. Und in Ritualen übergibt sich das Ich der Kraft von Bewusstheitsfeldern. Also ein spannendes Umfeld, nach einem Handelnden Ausschau zu halten und ob es den geben muss, nur weil Anweisungen gefolgt wird.
Wenn ich zwischen Ruhe und Leben unterscheide, scheint mir das Ich ein Teil des Lebens zu sein. Wenn ich mich in die Ruhe fallen lassen, löst sich das ich darin auf. Aber wenn "ich" mich wieder in die Geschehnisse hineinziehen lassen, scheint das ich wieder aufzuerstehen. Es scheint zu der Action auf der Leinwand zu gehören. Wo das Zombie-Ich nach der auflösung immer wieder herkommt ist mir nicht klar. Aber das Ich wollte heute immer wieder Recht haben in Diskussionen.


Vielleicht gehört das Rechthaben zu Balzverhalten - das Partnersuchprogramm ist eine starke Kraft. Da wird häufig erst mal die Polarität zwischen Shiva und Shakti erst recht kultiviert und sich ein Profil gegeben, um sich dann in der Begegnung um so heftiger zu verschmelzen. Das ist natürlich erst mal ein Nährboden für das Ich und die für eine Verschmelzung notwendige Hingabe kann wohl eher nur in einer sehr vertrauten Beziehung geschehen. Und was kann man dabei entdecken, wenn sich die Wogen wieder gelegt haben? Ruhe ;o)
Die Ruhe scheint mir ewig. Dort ruht es sich. Es braucht keinen Ruhenden.
Hmm, ich beobachte an mir grad ne Ungeduld. Ich gebe schon wieder diese Antwort. Und bin immer noch nicht weiter. Und wann kommt endlich der Klick? Fragt die Erwartung.
Du hast es ja bereits erfahren, ein Ich existiert nur in der Fantasie und das hineinziehenlassen bedeutet Widerstand gegen das was geschieht und reagiert damit, ein Ich hineinzuglauben, das den Lauf der Dinge richten soll, wenns nicht schnell genug geht. Dabei hast Du auch schon erkannt, dass die Ich-Auferstehung nur ein Bremsklotz sein kann, da die damit einhergehende Fehlinformation nur zu suboptimalen Reaktionen führen kann. Statt Dich also zu entrüsten, schon wieder dieselbe wahre Antwort zu geben, wäre es vielleicht angemessener, sich darüber aufzuregen, zum hunderttausendsten Mal die Ich-Illusion zu bevorzugen.

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Mon Feb 13, 2017 12:36 am

Lieber Truthcounts,
Ein gutes Übungsfeld, um in der direkten Erfahrung zu bleiben, denn nichts geht einem in direkter Erfahrung näher als Berührung.
Ok.
Wie stehen denn die Ruhe und die direkte Erfahrung der Berührung zueinander? Mir ist aufgefallen, dass in der Berührung oft nichts anderes vorhanden ist, auch nicht die Ruhe.
Du hast es ja bereits erfahren, ein Ich existiert nur in der Fantasie und das hineinziehenlassen bedeutet Widerstand gegen das was geschieht und reagiert damit, ein Ich hineinzuglauben, das den Lauf der Dinge richten soll, wenns nicht schnell genug geht. Statt Dich also zu entrüsten, schon wieder dieselbe wahre Antwort zu geben, wäre es vielleicht angemessener, sich darüber aufzuregen, zum hunderttausendsten Mal die Ich-Illusion zu bevorzugen.
Ich habe offensichtlich einen Schwanzbeisser zur Erhaltung des Ich erschaffen.

Die Entrüstung über „schon wieder dieselbe Antwort“ basiert wohl wirklich darauf, schon wieder auf das Ich hereingefallen zu sein. Und das, obwohl ich weiss dass das Ich Fantasie ist. Das nervt mich! Gleichzeitig ist mir klar, dass das Nerven natürlich wieder vom Ich ausgeht. Das Ich entrüstet sich, dass ich nicht weiterkomme, dass ich immer wieder bei derselben Frage lande. Das ist natürlich falsch, findet das ich, und dadurch ist das Ich wieder nötig um das Falsche zu richten. Aha, macht es da, diese Ich-Spiel kenne ich, das brauche ich nicht mehr und lasse mich in die Ruhe fallen. Ich stelle keinen Ruhenden fest, es braucht also kein Ich. Und „schon wieder dieselbe Antwort“, der Kreis schliesst sich, das Ich wird wieder erschaffen.

Ich erschaffe also auch dann wieder ein Ich, wenn ich erkenne, dass es kein Ich braucht :(

Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Mon Feb 13, 2017 7:38 am

Liebe Sarah,
Mir ist aufgefallen, dass in der Berührung oft nichts anderes vorhanden ist, auch nicht die Ruhe.
Ich sag ja, nichts geht einem näher als Berührung und dabei stellst Du nun offenbar fest, dass selbst die Ruhe Fantasie ist, eine künstliche Zerlegung der Erfahrung in leere Ruhe (also eigentlich Nichts) und dem, was darin geschieht (also eigentlich das Einzige, was dann gerade wirklich ist). Und wenn dann die Idee ist, eigentlich bin ich diese allumfassende Ruhe und nicht das kleine Ich, was darin auftaucht, dann bleibt halt eben dennoch ein Ich-Gefühl zurück, ein großartigeres, das aber immer noch genug Wurzel darstellt, sich gleich schon wieder in die Handlung zu verwachsen.
Ich habe offensichtlich einen Schwanzbeisser zur Erhaltung des Ich erschaffen. ... Ich erschaffe also auch dann wieder ein Ich, wenn ich erkenne, dass es kein Ich braucht :(
Wenn ich es dann richtig verstehe, ist für Dich das Feststellen, dass da in Wirklichkeit kein Ich ist, auch eine Bestätigung, dass Du eben vorher wieder darauf reingefallen bist, was das Ich auf den Plan ruft, das sich ärgert. Oder ist da einfach Ärgern ohne Ich? Was ist besonders am Ärgern, dass es ein Ich bräuchte?

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Tue Feb 14, 2017 12:30 am

Lieber Truthcounts,

Ich habe heut einige Erwartungen gefunden:
dabei stellst Du nun offenbar fest, dass selbst die Ruhe Fantasie ist
Genau, auch das mit der Ruhe war einen Erwartung.
Alles gut, ein Ich gibt es nur in der Vorstellung/Einbildung/Fantasie. Könnte das für ein Nicht-Ich anders sein?
Ob das Nicht-Ich das Ewige sein könnte? Inzwischen scheint mir, dass ich auch zum Nicht-Ich Erwartungen hatte. Bei der Suche nach dem Nicht-Ich hatte ich erwartet, etwas von mir getrenntes zu finden? Ich habe keine Trennung gefunden und schloss, kein Nicht-Ich. Die Annahme, es gäbe eine Trennung zwischen „mir“ und dem Ewigen war wohl falsch… bin ich nicht einfach Teil davon?
Oder ist da einfach Ärgern ohne Ich? Was ist besonders am Ärgern, dass es ein Ich bräuchte?
Auch der Ärger braucht kein Ich. Ich schaue mal dahinter. Da ist Frustration, das Gefühl nicht weiter zu kommen. Und Angst, dass du mich aufgibst. (Von wegen Balzverhalten - mein Ego findet dich toll und möchte dir unbedingt gefallen). Dahinter die Angst, nicht geliebt zu werden. Die Angst vor der Einsamkeit. Frustration über mein Übergewicht. Eine gewisse Flucht vor dem jetztigen Moment; wenn ich dann schlank bin werde ich dies und das. Und dahinter Ruhe.

All diese Dinge, auch die Ruhe, kommen gut ohne ein Ich aus, wenn ich sie im nachhinein untersuche. In Tanz- und Berührungs-Ritualen kommt es vor, dass ich schon im Moment des Erlebens ohne Ich auskomme. Im Fluss des Erlebens schwimme. Da falle ich aber immer wieder raus. Wie bleibe ich da drin?
Vielleicht gehört das Rechthaben zu Balzverhalten
Manchmal sitze ich hier und habe das Gefühl, ich verstehe kein Wort unserer bisherigen Konversation. Ich kann mich nicht erinnern, die Dinge jemals gefühlt zu haben, welche ich dir geschrieben hatte. Mein Kopft schwirrt. Dann frage ich mich jeweils, ob ich wohl immer nur auswendig gelerne Antworten (es gibt kein Ich) geschrieben hatte. Ein Trick meines Ichs, dir zu gefallen? Oder bin ich wirklich diesen Weg schon gegangen? Ich habe viel gezweifelt. Jetzt zweifle ich scheinbar an allem!

Dankbar,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Tue Feb 14, 2017 7:51 am

Liebe Sarah,
Ob das Nicht-Ich das Ewige sein könnte? ... Die Annahme, es gäbe eine Trennung zwischen „mir“ und dem Ewigen war wohl falsch… bin ich nicht einfach Teil davon?
Ich kann mich nicht erinnern, in unserem Dialog von "Ewigem" gesprochen zu haben. Wir suchen hier nicht nach Ewigkeit, sondern erforschen, ob ein Ich außerhalb der Vorstellung existiert. Danach ist auch die Suche nach Ewigem vorbei - mangels Sucher.
Manchmal sitze ich hier und habe das Gefühl, ich verstehe kein Wort unserer bisherigen Konversation.
Das Balzverhalten meinte ich nicht in Bezug auf mich. Ich dachte, dass Du mit Rechthaberei auf dem Tantra Seminar vielleicht auf Dich aufmerksam gemacht hast. Vielleicht bringt das schon mal Entwirrung - wenn Du aber über die Deutung einer Frage unsicher bist, teile das mit.
Ich kann mich nicht erinnern, die Dinge jemals gefühlt zu haben, welche ich dir geschrieben hatte.
Gilt das auch für nachfolgenden Absatz - der liest sich so erlebnisecht ...
Auch der Ärger braucht kein Ich. Ich schaue mal dahinter. Da ist Frustration, das Gefühl nicht weiter zu kommen. Und Angst, dass du mich aufgibst. (Von wegen Balzverhalten - mein Ego findet dich toll und möchte dir unbedingt gefallen). Dahinter die Angst, nicht geliebt zu werden. Die Angst vor der Einsamkeit. Frustration über mein Übergewicht. Eine gewisse Flucht vor dem jetztigen Moment; wenn ich dann schlank bin werde ich dies und das. Und dahinter Ruhe.
Ja, in der Tiefe ist Frieden.
Mein Kopft schwirrt. ... Ich habe viel gezweifelt. Jetzt zweifle ich scheinbar an allem!
Gut, dass die Vorstellungswelt überfordert ist, sie darf in Punkto Ich auch einfach kapitulieren.
All diese Dinge, auch die Ruhe, kommen gut ohne ein Ich aus, wenn ich sie im nachhinein untersuche. In Tanz- und Berührungs-Ritualen kommt es vor, dass ich schon im Moment des Erlebens ohne Ich auskomme. Im Fluss des Erlebens schwimme. Da falle ich aber immer wieder raus. Wie bleibe ich da drin?
Frag Dich lieber, wie der Glaube an ein Ich wieder entstanden ist. War da die Feststellung "ach, wie schön" und dann der Wunsch "das soll so bleiben" und vorbei war es mit dem Flow? Taugt der Ich-Manager also dafür, den Wunsch zu erfüllen, aus dem er geboren wurde? Mach den Reality Check, ob da jemand in direkter Erfahrung zu finden ist, der im Fluß bleiben will.

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Wed Feb 15, 2017 1:02 am

Lieber Truthcounts,

Gestern war ich etwas wirr, sorry.
wenn Du aber über die Deutung einer Frage unsicher bist, teile das mit.
Ok, das werd ich.
Gilt das auch für nachfolgenden Absatz - der liest sich so erlebnisecht ...
Nein, dieser und ähnliche Absätze sind echt. Ich glaub ich habe inzwischen das Problem gefunden:
Kommt eine Frage wie "gibt es eine Suchende" dann antworte ich inzwischen mechanisch nein, anstatt in die direkte Erfahrung zu gehen. Eine Anwort aus dem Kopf anstatt der direkten Erfahrung. Ich sage nein, weil ich es denke, nicht weil ich es erfahre. Daher zweifle ich später daran.
Mach den Reality Check, ob da jemand in direkter Erfahrung zu finden ist, der im Fluß bleiben will.
Hmm, wer stellt sich denn all diese Fragen? Wer stellt sich eigentlich die Frage nach dem Ich? Ich schaue zurück auf meinen Tag: eigentlich spielt es ja keine Rolle ob ich bei meinen Tätigkeiten grad in der Ruhe ruhte oder an ein Ich glaubte, ein Ich gab es trotzdem niemals. Also frage ich mich, ob ich bezüglich diese Glaubens überhaupt was unternehmen muss? Ich schaue zurück auf meinen Tag und frage mich: wäre es nicht genau derselbe Tag gewesen, mit oder ohne den Glauben an ein Ich? Ich denke schon. Der jetztige Moment wär anders, ohne den Glauben wär der Tag einfach zu Ende, mit dem Glauben gäbs noch Schuldgefühle, Todolisten, Wichtige durchs Ich zu Regelden Ding für den nächsten Tag. Ist es nur eine Erwartung von mir, dass es ohne den Glauben ans Ich so sehr anders wäre als jetzt?

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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Wed Feb 15, 2017 5:23 am

Liebe Sarah,
Ist es nur eine Erwartung von mir, dass es ohne den Glauben ans Ich so sehr anders wäre als jetzt?
Ja, da sind viele unklar. Die Überlegung, dass der Glaube an ein Ich wirkungslos bleiben müsste, weil es ja tatsächlich das Ich nicht gibt, würde übersehen, dass geglaubte Fantasie mit realen Reaktionen einhergeht. Erinner Dich an den Engel aus der ersten Übung. Er war so etwas wie der perfekte Lebenspartner. Wird nun tatsächlich geglaubt, dass der immer irgendwie da ist, obwohl er ein reines Fantasiegebilde wie der Nikolaus ist, dann folgt ein Verhalten, das das Zusammenkommen mit einem echten Lebenspartner behindert, weil Du ja schon besetzt bist. Natürlich macht das einen großen Unterschied für den Lauf der Dinge und das Erleben, auch wenn in beiden Fällen kein Ich wirklich den Ablauf lenken könnte. Über mich oder inzwischen schon automatisch bei Dir selbst erscheint dann der Hinweis: mach den Reality Check. Und dem wird gefolgt oder nicht und Fantasie und Realität werden entwirrt oder nicht. Braucht es dafür ein Ich?
wer stellt sich denn all diese Fragen? Wer stellt sich eigentlich die Frage nach dem Ich?
Warum soll es mit dem Frage-stellen anders sein als mit allen anderen Abläufen? Was ist diesbezüglich der qualitative Unterschied, ob in Gedanken eine Frage kommt oder sich Dein Arm hebt?

Gehe in einen Park oder in die Natur und nimm dir Zeit zu schauen. Achte auf die Bewegung der Bäume, Sträucher, Pflanzen, Wolken...
Sieh, wie sich alles bewegt.

Was bewegt das alles? Gibt es etwas, was das Wetter macht? Gibt es etwas, was macht, dass die Pflanzen wachsen? Was macht, dass die Wolken ziehen und der Wind sich bewegt? Sitzt irgendwo ein Generalmanager, der das alles bewegt?

Richte die Aufmerksamkeit auf die Körperempfindungen. Beobachte, wie auch sie sich bewegen wie alles andere auch. Sieh wie Gedanken Teil derselben einen Bewegung sind.

Gibt es irgendetwas, was von allem anderen getrennt ist?

Gibt es dich, außerhalb des Lebens, das Leben betrachtend? Bist du von der Natur getrennt? Wo ist die Trennlinie, die dich vom Leben selbst trennt? Wo ist die Grenze zwischen hier und dort?

Ich freue mich auf deine Beobachtungen und wünsche viel Freude beim Erkunden.

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Thu Feb 16, 2017 12:21 am

Lieber Truthcounts,
Sieh, wie sich alles bewegt.
Es erinnert mich an den Fluss, den ich so mag. Er ist nicht besonders tief, hat aber viele grossen Steine auf dem Grund, die man jedoch nicht sieht. An der Oberfläche sieht man nur die Wirbel, die dadurch entstehen. All die verschiedenen schönen Dinge, die das Leben enthält, eine Blume, ein Menschenleben, ein Gewitter sind wie die Wirbel im Fluss: sie entstehen, vergehen wieder, jeder Wirbel einzigartig und doch nur Fluss.

Es ist ganz wunderbar, die Bewegungen im Innen und im Aussen zu beobachten. Es hinterlässt ein friedliches Gefühl. Früher hatte ich oft ich-sollte-noch-dies-und-das-tun-Stress - es ist quasi das Gegenteil davon. Alles ist ja eh in bewegung, es gibt absolut nichts, was ein "Ich" tun müsste.
Gibt es irgendetwas, was von allem anderen getrennt ist? Gibt es dich, außerhalb des Lebens, das Leben betrachtend?
Ich sehe nichts, das ausserhalb des Lebens wäre. Auch diese Betrachtungen geschehen von innen, sind also Teil des Lebens.


Langsam kriege ich Schwiergkeiten mit der Sprache, die ich verwende um dir zu schreiben. So viele Ichs Mirs Meins Dus... Wie würde ich es denn richtig nennen? Mir ist folgendes aufgefallen: zuerst habe ich wohl gesagt:
ich ziehe mich an, weil ich raus muss. Dann:
Ich ziehe meinen Körper an, weil ich raus will. Wie könnte ichs denn jetzt formulieren:
Dieser Körper zieht sich an, weil es halt Zeit dafür ist?

Liebe Grüsse,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Thu Feb 16, 2017 7:52 am

Liebe Sarah,
All die verschiedenen schönen Dinge, die das Leben enthält, eine Blume, ein Menschenleben, ein Gewitter sind wie die Wirbel im Fluss: sie entstehen, vergehen wieder, jeder Wirbel einzigartig und doch nur Fluss.
Das ist eine schöne Analogie.
Es ist ganz wunderbar, die Bewegungen im Innen und im Aussen zu beobachten. Es hinterlässt ein friedliches Gefühl. Früher hatte ich oft ich-sollte-noch-dies-und-das-tun-Stress - es ist quasi das Gegenteil davon. Alles ist ja eh in bewegung, es gibt absolut nichts, was ein "Ich" tun müsste.
Ist der Zweifel damit befriedet?
Ich sehe nichts, das ausserhalb des Lebens wäre. Auch diese Betrachtungen geschehen von innen, sind also Teil des Lebens.
Langsam kriege ich Schwiergkeiten mit der Sprache, die ich verwende um dir zu schreiben. So viele Ichs Mirs Meins Dus... Wie würde ich es denn richtig nennen? Mir ist folgendes aufgefallen: zuerst habe ich wohl gesagt:
ich ziehe mich an, weil ich raus muss. Dann:
Ich ziehe meinen Körper an, weil ich raus will. Wie könnte ichs denn jetzt formulieren:
Dieser Körper zieht sich an, weil es halt Zeit dafür ist?
Vielleicht "körperanziehen und rausgehen" - aber wir brauchen die Sprache nicht ändern, sie ist ein reichhaltiges Informations-Transportmittel. Man kann damit beim Zuhöher einen inneren Film auslösen, der die Geschichte erzählt, die vermittelt werden soll. Solange bewusst ist, dass das nicht momentane Realität ist und die Akteure in der Geschichte nicht wirklich eigenständig existieren, ist das doch sehr hilfreich und Basis des menschlichen Fortschritts und auch dieses Guidings hier.

Also, jetzt ist Dir das Ich schon so fremd, dass Du es aus der Sprache verbannen willst. Wie sicher bist Du Dir also, dass ein Ich nur in der Fantasie existieren kann? Fehlt noch etwas, was gefunden oder verstanden werden muss?

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Fri Feb 17, 2017 12:00 am

Lieber Truthcounts,
Ist der Zweifel damit befriedet?
Nun, ich bin mir nicht ganz sicher...

Es ist nicht so, dass ich mir tagein tagaus jederzeit bewusst wäre, dass das Ich Fantasie ist. Ich vergesse, nehme wieder die Ich-Rolle ein. Vielleicht aus Gewohnheit..? Ich habe auch einige Trigger identifiziert, siehe unten. Dann jedoch fällt mir plötzlich ein, dass das was ich gerade zu erleben glaube gar nicht real sein kann. Dann mach ich den Reality Check und das hält dann wieder eine Weile. Wieso und wann mir das einfällt ist mir auch nicht klar. Dies passiert mir immer noch regelmässig. Die Zeit, die ich in der Ich-Fantasie verbringe, nimmt aber stetig ab. Gibt es daran noch etwas zu ändern oder kommt das mit dem Üben? Kann ich einen Zustand erreichen, wo ich nie mehr meinen alten Gewohnheiten verfalle? Oder geht es darum, möglichst gut auf diese Situationen vorbereitet zu sein, wenns wieder passiert?

Trigger für die Ich-Fantasie:
- wenn der Fokus mehr beim Denken ist als beim Fühlen
- wenn ich glaube wahrzunehmen, dass mich jemand für nicht intelligent hält, muss das sofort gerichtet werden!

Wenn ich dies ausfühle: Angst, ich werde nicht ernst genommen - Angst, meine Bedürfnisse blieben unbefriedigt - Angst, zu verhungern - Wut über das brutale Leben - Ruhe. Auch in diesem Fall wieder: sobald ich den Reality Check mache, ist's vorbei mit der Ich-Fantasie.
Fehlt noch etwas, was gefunden oder verstanden werden muss?
Die ganz grosse Frage ist immer noch offen: wie konnte mir das passieren? Wie konnte es dazu kommen, dass ich über Jahrzehnte diese Illusion glaubte?

Was löst immer noch das Ich-Gefühl aus?


Bei deiner Frage wird mir etwas mulmig. Fehlt noch etwas? Heisst das wir sind am Ende? Huch! Ich habe immer noch das Gefühle - eine Erwartung wohl - dass ich irgendwas erreichen oder irgendwohin kommen sollte. Ich fühle aus: dahinter liegt das Gefühl, dass ich und andere eine Veränderung wahrnehmen können, wenn ich etwas erreicht habe - was denken wohl die anderen, wenn ich nichts erreiche? - ich habe keine Kontrolle über mein Leben, werde von aussen kontrolliert - Angst, machlos zu sein - Angst, in einer Situation zu landen, wo ich bewusst bin und alles mitkriege, aber nichts tun kann - Ruhe.

Aber wie kann ich wissen, ob noch etwas gefunden werden muss, wenn ich's noch nicht gefunden habe?
Wie sicher bist Du Dir also, dass ein Ich nur in der Fantasie existieren kann?
Ziemlich sicher! Seit ich mit diesem Prozess begonnen habe, habe ich keine Spur davon entdeckt. Mein wissenschaftlicher Verstand hingegen sagt, dass ich erst am eine meiner Tage sicher sein könne, da ich von meinen Stichproben nicht aufs ganze schliessen könne.

Liebe Grüsse,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Fri Feb 17, 2017 9:31 am

Liebe Sarah,
Die ganz grosse Frage ist immer noch offen: wie konnte mir das passieren? Wie konnte es dazu kommen, dass ich über Jahrzehnte diese Illusion glaubte?
Das erinnert mich an Deinen Trigger:
wenn ich glaube wahrzunehmen, dass mich jemand für nicht intelligent hält, muss das sofort gerichtet werden!
Ja, wie konnte Dir das bloß passieren, das beleidigt Deine Intelligenz. Kann jemand gefunden werden, dem das passiert ist und der beleidigt sein könnte?
Kann ich einen Zustand erreichen, wo ich nie mehr meinen alten Gewohnheiten verfalle? Oder geht es darum, möglichst gut auf diese Situationen vorbereitet zu sein, wenns wieder passiert?
Gibt es ein Ich, dass einen Zustand erreichen oder gut vorbereitet sein kann? Schau nach!

Kann St. Nikolaus noch beeindrucken, wenn die Geschenke auch ohne ihn kommen?

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Sat Feb 18, 2017 2:28 am

Lieber Truthcounts,
Kann jemand gefunden werden, dem das passiert ist und der beleidigt sein könnte? Gibt es ein Ich, dass einen Zustand erreichen oder gut vorbereitet sein kann? Schau nach!
Es gibt kein Ich, dem das passiert ist. Kein Ich, dass beleidigt ist. Kein Ich, das etwas erreichen muss. Kein Ich, welches vorbereitet ist. Ich habe nachgeschaut. Aber:
Kann St. Nikolaus noch beeindrucken, wenn die Geschenke auch ohne ihn kommen?
Ja.

Wie schon früher beschrieben, hat sich das Gefühl der Angst vor dem St. Nikolaus eben erst mal gar nicht verändert, als ich erfuhr, dass er nicht echt ist!

Und so beeindrucken auch Ich-Geschichten immer wieder, obwohl ich weiss, dass da kein Ich zu finden ist.

Liebe Grüsse,
Sarah
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