Vom Verstand zum Fühlen

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prembodha
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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Tue Jan 10, 2017 5:22 pm

Liebe Britta,

das hast du sehr schön gesehen und beschrieben. Genau so ist es!

Möchtest du noch etwas ergänzen nach dem Weiteren Durchfühlen?
Liebe Grüße, prembodha

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Britta11
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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Wed Jan 11, 2017 8:01 pm

Liebe Prembodha,

...vielleicht nur recht kurz... Ich hatte ja geschrieben, dass die Spannung vor allem dann aufkommt, wenn der Verstand etwas anderes möchte. Das wird sehr deutlich, wenn ich mich auf eine Sinneswahrnehmung konzentriere -- aber wenn es um Handlungen geht, finde ich es teilweise sehr schwierig zu erkennen, wann der Verstand in die "falsche" Richtung lenkt...

Herzliche Grüsse

Britta

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prembodha
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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Wed Jan 11, 2017 8:34 pm

Liebe Britta,
Ich hatte ja geschrieben, dass die Spannung vor allem dann aufkommt, wenn der Verstand etwas anderes möchte.
Du hattest auch geschrieben
Wenn "ICH" nicht dagegen angehe, ist es wie ein Fluss -- wenn ICH aber dagegen angehe, weil der Verstand etwas anderes möchte, entsteht eine Spannung/ Widerstand.
Das heißt doch, wenn der Verstand aufhört etwas anderes zu wollen, dann ist das Erleben des Geschehens im Augenblick... leicht und fließend. Dies gilt dann auch für Handlungen. Kein Handelnder, keine der entscheidet. Das Wichtigste ist, die Gedanken mit ihren Vorstellungen, Bewertungen, und "anders haben wollen" von der Wirklichkeit zu trennen, d.h. sich auf die reine Wahrnehmung zu fokussieren. Real ist das, was nicht verschwindet wenn man nicht mehr daran glaubt!
aber wenn es um Handlungen geht, finde ich es teilweise sehr schwierig zu erkennen, wann der Verstand in die "falsche" Richtung lenkt...
Wie definierst du Verstand? Kann ein Gedanke sich selbst bilden und sich selbst lenken?
Schaue nochmal wie die ICH Illusion über die Gedanken, die Etikettierung usw entsteht. Wo ist das ICH, dass etwas anderes will und damit Spannung erzeugt? Wer oder was ist das ICH, das handeln kann, der Handelnde?
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Fri Jan 13, 2017 10:20 am

Liebe Prembodha,

das bedeutet dann also, das auch Handeln geschieht -- ohne einen Handlenden...

Mit "Verstand" meinte ich die Summe aller dieser Gedanken... aber das ist, wie gerade sehe, etwas missverständlich, da es eine eigenständige Einheit suggeriert, die es ja nicht gibt...und damit auch keinen Handelnden.

"Real ist da, was nicht verschwindet, wenn man nicht mehr daran glaubt!"

Was für eine schöne Formulierung - die weiterhilft!

Herzlich Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Fri Jan 13, 2017 4:23 pm

Liebe Britta,
Di Dez 20, 2016 7:54 pm

Liebe Prembodha,

Also:

Wer entscheidet z.B, morgens was du aus dem Schrank nimmst und anziehst? Wer entscheidet was du zu Mittag isst?


Es wird eindeutig entschieden, gehandelt, etc. -- aber, das fühle ich jetzt immer deutlicher, da ist kein separates, abgetrenntes ICH, welches hier lenkt. Da ist nichts. In keiner Handlung. Es passiert alles.

Kannst du daraus schließen, und feststellen, ob du einen freien Willen hast etwas zu tun? Gibt es ein ICH das das kann und wo wäre es zu finden?


Das ICH ist nicht da! In keiner der Handlungen, Entscheidungen.
Wie du in deiner Überschrift gesagt hast.... "Vom Verstand zum Fühlen"

Mache folgende Übung:
Schreibe 10 Minuten lang, was du gerade erlebst und benutze dabei "ich" und "mein".
Beispiel: Ich höre das Klackern der Tastatur. Ich spüre den Druck unter meinen Fingern von den Tasten. Ich sehe, wie die Buchstaben auf dem Bildschirm erscheinen. Ich spüre einen leichten Rückenschmerz. Ich spüle Geschirr ab. Ich gehe spazieren.

Spüre deinen Körper. Empfindest du so etwas wie Anspannung oder Entspannung?

Dann schreibe 10 Min. lang, was du gerade lebst ohne "ich" und mein".
Klackern der Tasten. Wechselnder Druck unter den Fingerkuppen. Buchstaben erscheinen auf dem Bildschirm. Schwenken des Baukranes. Leichtes Ziehen in den Schultern….etc.

Spüre wieder, was im Körper geschieht.

Vergleiche jetzt die beiden Möglichkeiten, die Erfahrung zu beschreiben. Ist eine realer/wirklicher als die andere? Wenn ja, welche? Was ist ohne die Benennung vorhanden? Beeinflussen Benennungen die Erfahrung oder beschreiben sie sie einfach?


Ich bin gespannt was du berichtest.
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Sun Jan 15, 2017 7:37 pm

Liebe Britta,

Ist wieder viel los bei dir an der Uni oder schöner Schneeurlaub :-)

Wenn du fragen hast oder ein anderes Thema aufgetaucht ist, frage mich ruhig!
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Sun Jan 15, 2017 8:53 pm

Liebe Prembodha,

alles zusammen! Ich bin auch gerade wieder recht viel unterwegs gewesen und brauche doch immer ein wenig Ruhe für die Übungen und zum Schreiben...
Schreibe 10 Minuten lang, was du gerade erlebst und benutze dabei "ich" und "mein".
Also.. ich gebe jetzt einmal nur einige kurze Auszüge von meinen Aufzeichnungen, da ich auch verschiedene Situationen ausprobiert habe.

Ich sitze am Schreibtisch, ich schlage die Beine übereinander, ich spanne den Unterkiefer an, ich spüre ein Ziehen im Nacken, ich richte den Kopf etwas auf, ich spüre Entspannung. Ich tippe auf dem Laptop, ich höre das Klackern der Tasten, meine Finger fühlen sich kalt an – ich friere etwas, ich höre die Strasse im Hintergrund. Ich denke, dass ich das Fenster schliessen sollte, habe aber keine Lust aufzustehen. Ich schaue aus dem Fenster. Ich sehe eine Bewegung vor dem beleuchteten Fenster meiner Nachbarn gegenüber. Ich sehe, dass es Schneeflocken sind. Ich spüre den Impuls aufzustehen und aus dem Wohnzimmerfenster auf die Flocken zu schauen. Ich gehe zum Fenster (das Wohnzimmer ist kalt; ich müsste die Heizung anmachen) und sehe den Tanz der Flocken im Schein der Strassenlaternen.

Kurz zusammengasst: Ich spüre sehr viel Anspannung -- es ist fast so als ob mich die "ICH"-Gedanken mit starker Spannung fokussieren. Es kostet sehr viel Energie.
Dann schreibe 10 Min. lang, was du gerade lebst ohne "ich" und mein".
Etwas kürzer: Reiben des Gesichts in den Händen. Kälte überträgt sich von den Händen auf das Gesicht. Der Blick geht aus dem Fenster. Bewegung von Schneeflocken vor dem Fenster. Anspannung in der Schulter und Kiefergelenk lösen sich. Leises Rauschen im Zimmer. Blick aus dem Fenster. Ein Nachbar, der mit seiner Freundin kocht.

Es ist eine Weite im Körper – so als ob sich die Schultern öffnen. Weite im Körper; die Anspannungen sind deutlicher – und lösen sich leichter. Es ist mehr Bewegungsraum da.

Oder auch hier:

Fall 1: Ich laufe durch den Schnee. Ich rutsche. Ich muss mich konzentrieren, dass ich auf dem leicht hügeligen Weg nicht hinfalle.

Fall 2: Laufen durch den Schnee. Wenig Halt – aber es gibt einige Stellen, wo besser gelaufen werden kann. Pulvriger Widerstand im Schnee. Geräusch der Bewegung.
Vergleiche jetzt die beiden Möglichkeiten, die Erfahrung zu beschreiben. Ist eine realer/wirklicher als die andere? Wenn ja, welche?
Die zweite Variante ist intensiver, sie ist breiter, sie nimmt mehr auf. In der ersten Situation wird – weil so stark auf das ICH fokussiert wird – ganz viel verdrängt, beiseite geschoben, damit überhaupt der Fokus beim ICH bleiben kann. Die erste Version – obwohl sie ganauso wortreich ist wie die zweite – scheint viel kleiner in der Wahrnehmung zu sein.
Was ist ohne die Benennung vorhanden? Beeinflussen Benennungen die Erfahrung oder beschreiben sie sie einfach?
Alles passiert auch ohne die Benennung. Die Bennungen beschreibe nicht nur, sie legen auch fest. "Ich sehe Schneeflocken". Bei der ersten Beschreibung gab es ein klares Bild vor Augen: Dichte Flocken, sehr sichtbar. Zum Zeitpunkt der zweiten Beschreibung sind sie schon längst zum Schneegrieseln geworden (das Flockenbild dominiert aber immer noch). Genauso "Stille": Es ist nicht absolute Abwesenheit von Klang oder Lärm -- sondern es gibt ganz viele andere feine Geräusche.

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Mon Jan 16, 2017 3:56 pm

Liebe Britta,

du machst die Übungen wirklich sehr ordentlich und gut und lässt dir die Zeit, die du brauchst. Sehr schön :-)
P: Was ist ohne die Benennung vorhanden? Beeinflussen Benennungen die Erfahrung oder beschreiben sie sie einfach?

B: Alles passiert auch ohne die Benennung. Die Bennungen beschreibe nicht nur, sie legen auch fest. "Ich sehe Schneeflocken". Bei der ersten Beschreibung gab es ein klares Bild vor Augen: Dichte Flocken, sehr sichtbar. Zum Zeitpunkt der zweiten Beschreibung sind sie schon längst zum Schneegrieseln geworden (das Flockenbild dominiert aber immer noch). Genauso "Stille": Es ist nicht absolute Abwesenheit von Klang oder Lärm -- sondern es gibt ganz viele andere feine Geräusche.
Genau... Alles passiert einfach. Die Benennung erfolgt ja NACH der Erfahrung, d.h. die Wahrnehmung, interpretiert/ordnet ein/beurteilt und fügt ein ICH hinzu.
Und die ICH-Illusion entsteht. Aus z.B. "im Schnee laufen und Hören von Knirschgeräuschen" wird "ICH laufe im Schnee und höre das Knirschen des Schnees unter meinen Füßen".
P: Vergleiche jetzt die beiden Möglichkeiten, die Erfahrung zu beschreiben. Ist eine realer/wirklicher als die andere? Wenn ja, welche?

B: Die erste Version scheint viel kleiner in der Wahrnehmung zu sein. Ich spüre sehr viel Anspannung -- es ist fast so als ob mich die "ICH"-Gedanken mit starker Spannung fokussieren. Es kostet sehr viel Energie. In der ersten Situation wird ganz viel verdrängt, beiseite geschoben, damit überhaupt der Fokus beim ICH bleiben kann.

Die zweite Variante ist intensiver, sie ist breiter, sie nimmt mehr auf. Es ist eine Weite im Körper – so als ob sich die Schultern öffnen. Weite im Körper; die Anspannungen sind deutlicher – und lösen sich leichter. Es ist mehr Bewegungsraum da.
Kann ich das so verstehen, dass du in der direkten Erfahrung-zweite Variante- kein ICH, mich oder selbst finden kannst? Gab es das jemals?
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Tue Jan 17, 2017 8:13 pm

Liebe Prembodha,
Kann ich das so verstehen, dass du in der direkten Erfahrung-zweite Variante- kein ICH, mich oder selbst finden kannst?
Ganz genau!
Gab es das jemals?
Da es in diesen durchgefühlten Erfahrungen nicht existiert, kann es auch vorher nicht existiert haben -- und das fühlt sich auch stimmig an. Eine etwas unheimliche Erkenntnis -- angesichts der vielen Geschichten, die um das Selbst herum konstruiert worden sind...

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Wed Jan 18, 2017 7:27 pm

Liebe Britta,

wenn es kein ICH gibt und niemals eins gab, warum glauben dann alle "ICHs" zu sein? Wie kommt es dazu?
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Fri Jan 20, 2017 5:42 pm

Liebe Prembodha,

gute Frage... Also ich habe das jetzt ja bei mir gesehen -- das ICH-Bild ist sehr stark. So als ob sich ganz viele Gedanken, die man so lange festgehalten hat, bis sie geglaubt werden, zu einer Geschichte oder sehr dichten Illusion übereinander gehäuft haben. Da ist dann kein Raum mehr, etwas anderes zu hören oder wahrzunehmen. Und dann ist das ICH auch mit viel Angst verbunden -- die Angst zu verschwinden. Es ist ja ein sehr farbiges Bild -- das die Illusion vermittelt, dass die Alternative ohne ICH sehr grau ist. Es ist dann auch ziemlich frustrierend: Da ist ein Bild eines ICHs über all die Jahre aufgebaut worden mit all den Kämpfen, Leid etc. -- und das war eigentlich alles überflüssig? Energieverschwendung -- für nichts? Das wird nicht so schnell aufgegeben. Eigentlich hat das auch eine komische Seite, wenn ich das jetzt schreibe...

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Sat Jan 21, 2017 9:36 pm

Liebe Britta,
Leider muss ich aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Dein neuer Guide wird sich demnächst hier in diesem Dialog bei dir melden und dich weiter begleiten.

Ich werde jedoch euren Dialog weiterhin lesen und
aus der Ferne sozusagen dabei sein und bin schon gespannt wie es weitergeht :-)

Ganz herzliche Grüße
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Sun Jan 22, 2017 1:31 pm

Liebe Prembodha,

das ist natürlich sehr schade, denn der Dialog mit Dir war sehr spannend und angenehm -- aber das ist alles mehr als nachvollziehbar!

Vielen herzlichen Dank für den ganzen Input und alles Gute!

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Sun Jan 22, 2017 8:42 pm

Hallo Liebe Britta,

prembodha hat mich gefragt, ob ich Dich weiter begleiten möchte. Und wenn Du damit einverstanden bist, werde ich das sehr gerne tun.

Ich werde mir bis morgen den Thread durchlesen und mich dann mit weiteren Fragen bei Dir melden.

Bis morgen...
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Sun Jan 22, 2017 11:06 pm

Hallo Ichbin,

wie schön -- sehr gerne! Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht.

Herzliche Grüsse

Britta


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