Liebe Birgitta,
es war ganz schön viel in Bewegung in letzter Zeit und mein Körper hat erst mal für Ruhe gesorgt und sich mit Fieber ins Bett gelegt. Deshalb erst jetzt meine Antwort:
Was hat sich seitdem verändert in Bezug auf die obigen Antworten, Erwartungen, Hoffnungen...?
Ich habe für mich erkannt, dass alles Handel aus dem WOLLEN (haben wollen, vermeiden wollen) heraus anstrengend ist und möchte gern einfach nur entspannt SEIN.
An der Stelle muss „ich“ erst mal lachen. Was wollte ich nicht alles… und wie anstrengend war dieser Kampf um etwas zu erreichen oder zu bekommen. Und dann die Erkenntnis, dass es völlig zwecklos ist und „ich mir“ das einfach ersparen kann. Ab und zu kommt noch ein kurzer Gedanke, etwas zu wollen, aber er hat keine große Wirkung mehr und verschwindet sofort beim Erkennen.
„Wer bin ich, wenn ich nicht mehr Mutter, Partnerin oder über meinen Beruf definiert bin?. Und wozu bin ich überhaupt da? Was ist meine Aufgabe? Hat mein Leben überhaupt irgendeinen Sinn?“
Es fühlt sich sehr erleichternd an, alle Geschichten über mich als Person fallen zu lassen. Nichts, was es zu bestätigen, verteidigen, berichtigen, verstecken oder zu verbessern gilt. Keine Erwartungen an eine bestimmte Rolle oder Aufgabe mehr zu erfüllen. Auch die Suche nach „DER AUFGABE“ entfällt.
Wie fühlt sich ein Leben ohne ICH jetzt an... bei der Arbeit, Familie, Freunde? Was kannst du da feststellen? Was hat sich da verändert?
Insgesamt ist einfach mehr Aufmerksamkeit da für das, was gerade an Wahrnehmung da ist und kaum noch Gedanken an das, was sein könnte oder sollte. Eine große Akzeptanz und Liebe für andere Menschen aus dem Erkennen heraus, dass es keine Person gibt, die entscheidet, was sie tut, sagt, denkt, sondern nur Menschen, die gerade eine bestimmte Erfahrung machen. Dass niemand anders handeln kann als so, wie er gerade handelt oder spricht.
Ein Friede mit allem, was war, stellt sich ein. Friede mit dem, was das Leben mit „mir „ gemacht hat und Friede mit dem, was „ich“ getan oder unterlassen habe.
Es stellt sich nicht mehr die Frage, was richtig oder falsch war.
Es gibt kein schlechtes Gewissen mehr den (schon Erwachsenen) Kindern gegenüber, weil „ich“ den Kindern nicht alles mitgeben konnte, was „ich“ meinte, dass sie es brauchen. In dem Wissen, dass alles so sein soll wie es ist, kann „ich“ auch die Kinder vollkommen so sein lassen und ihren eigenen Weg gehen lassen ohne noch etwas gerade biegen zu wollen. Dann bin „ich“ erst wirklich präsent ihnen gegenüber und ganz da.
„Ich“ muss mir keine Gedanken mehr über meinen Beruf oder meine Bestimmung machen. Oder, ob „ich“ etwas hätte besser machen können im beruflichen Tun. Oder, ob „ich“ das „Richtige“ gesagt habe und dem anderen wirklich weiterhelfen konnte.
Das ICH ist noch nicht ganz verschwunden, schon die alten Sprachgewohnheiten aktivieren es immer mal wieder. Dann gibt es noch Geschichten oder Bewertungen. Sobald es jedoch bewusst wir, verschwindet es und Entspannung tritt ein.
Im schlimmsten Fall wird es weniger friedlich und entspannter und Gedanken, das Leben anders haben zu wollen nehmen zu.
Auf der körperlichen und energetischen Ebene ist es gerade eher weniger entspannt und friedlich. Da gibt es einen intensiven Prozess, der mit diversen körperlichen Beschwerden einhergeht. Das gab es vorher auch schon, aber es ist noch intensiver geworden. Anspannungen, alte Emotionen, verbunden mit irgendwelchen Glaubenssätzen wollen sich lösen (ist vielleicht auch nur ein Gedanke dazu…). Der körperliche Stress ist jedoch besser zu ertragen, da keine Gedanken daran da sind, dass etwas nicht in Ordnung ist, „ich“ etwas tun sollte oder es anders sein sollte. Da es nichts zu tun gibt, darf die Aufmerksamkeit einfach dort ruhen, wo gerade am meisten los ist. Manchmal fühlt sich das auch sehr liebevoll an.
Das Bedürfnis, mit anderen Menschen Kontakt zu haben oder Geschichten zu erleben ist noch geringer geworden als es sowieso in den letzten Jahren schon war. Es gibt eher ein großes Ruhebedürfnis.
Beruflich ist gerade gar nicht klar, wo es hingehen soll. Ob das Alte noch passt und ob es überhaupt noch gehen soll. Das ist aber gerade ganz in Ordnung.
Ich erwarte mir Fragen, die helfen, alte Denkmuster zu durchbrechen, eine andere Perspektive einzunehmen und mich aus der ICH-Verhaftung erlösen, möglichst dauerhaft.
Nicht nur zu verstehen, sondern zu erfahren, was wirklich ist und was Illusion ist.
Ja, dabei hat mir dieses Gespräch sehr geholfen, vor allem die konkreten Aufgaben, die sich auf die eigenen Erfahrungen beziehen, verbunden mit den entsprechenden Fragen.
Für deine Unterstützung in diesem Prozess der Bewusst-Werdung danke ich dir, liebe Birgitta, ganz herzlich,
liebe Grüße, Elke