aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

User avatar
prembodha
Posts: 72
Joined: Thu Apr 28, 2016 3:44 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Mon Nov 28, 2016 2:03 pm

Liebe Elke,
Gibt es irgendetwas was von allem anderen getrennt ist?
Wohl nicht. Mir scheint, viele kleine Systeme sind irgendwie mit einander verwoben und wenn irgendwo was passiert, hat das auf alle anderen Teile eine Auswirkung.
Das heißt doch, das doch vieles separat da ist ("kleine Systeme") getrennt voneinander. Gibt es diese Trennung wirklich?

Mache dazu auch folgende Übung...
Setz Dich hin und fühle Deinen Körper. Fühle dein Gesäß auf der Stuhlfläche und den Rücken an der Rückenlehne.
Kannst Du spüren, wo Dein Gesäß/Rücken aufhört? Wo fängt der Stuhl an? Sind die Berührungspunkt immer gleich oder verändern sie sich? Ist es heiß oder kalt? Gibt es eine konkrete/starre Grenze oder ist es eher "schwammig"? Wo ist außen und wo ist innen?
Ist da Jemand, der das erfährt, der von der Erfahrung getrennt ist?

Ich bin gespannt... :-)

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

User avatar
ElkeWe
Posts: 15
Joined: Mon Nov 14, 2016 5:46 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Tue Nov 29, 2016 1:31 pm

Liebe Birgitta,
danke für die Aufgabe.

Setz Dich hin und fühle Deinen Körper.
Kannst Du spüren, wo Dein Gesäß/Rücken aufhört? Wo fängt der Stuhl an? Sind die Berührungspunkt immer gleich oder verändern sie sich? Ist es heiß oder kalt? Gibt es eine konkrete/starre Grenze oder ist es eher "schwammig"? Wo ist außen und wo ist innen?
Da ist so was wie Druck. Erst ist es eher kühl, dann wird es wärmer. Man kann nicht feststellen, wo der Körper aufhört und der Stuhl anfängt. Es ist keine feste Grenze zwischen dem Körper und dem Stuhl wahrnehmbar, auch keine festen Berührungspunkte.
Die Empfindungen ändern sich. Die Aufmerksamkeit geht zu der Stelle, wo gerade eine Sensation besonders wahrnehmbar ist. Auch außen und innen können nicht eindeutig unterschieden werden.
Ist da Jemand, der das erfährt, der von der Erfahrung getrennt ist?
Es gibt keine Trennung zwischen jemandem, der etwas erfährt und der Erfahrung. Es ist eins – gehört alles zu einer Erfahrung.
Es ist schwierig, es in Worte zu fassen. Sowie ich das versuche, entstehen scheinbar mehrere Teile.

Liebe Grüße, Elke

User avatar
prembodha
Posts: 72
Joined: Thu Apr 28, 2016 3:44 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Tue Nov 29, 2016 6:27 pm

Hallo liebe Elke,
Es gibt keine Trennung zwischen jemandem, der etwas erfährt und der Erfahrung. Es ist eins – gehört alles zu einer Erfahrung.
sehr gut gesehen :-) prima!

Kontrolle, freier Wille, Entscheidungen und Handlung haben wir ja schon besprochen. Auch wie Gedanken entstehen und damit die ICH Identifikation.

Wie ist es mit Verantwortung? Für was bist du verantwortlich?

Hast du auch noch Fragen an mich Elke?

Ich bin auch hier wieder sehr gespannt was du herausfindest.

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

User avatar
ElkeWe
Posts: 15
Joined: Mon Nov 14, 2016 5:46 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Tue Nov 29, 2016 8:15 pm

Liebe Birgitta,

so ganz kann ich das, was ich herausgefunden habe, selber noch nicht glauben.
Wie ist es mit Verantwortung? Für was bist du verantwortlich?
Verantwortung kann ich nur übernehmen, wenn ich Entscheidungen treffen kann.
Wenn ich aber keinen freien Willen habe und Handlung einfach geschieht, bin ich nicht verantwortlich. Wenn Gedanken und Gefühle einfach da sind und nichts Persönliches sind, kann ich auch dafür keine Verantwortung übernehmen.
Vor Beginn unseres Dialoges hätte ich noch behauptet, zumindest die Verantwortung zu haben dafür, ob ich eine Erfahrung willkommen heiße oder ablehne. Oder dafür, Gefühle bewusst wahrzunehmen. Oder mich für Erfahrung und Bewusstwerdung zu öffnen. Oder, was ich sage und was nicht. Oder dafür, meine Bedürfnisse zu erfüllen.

Da ich darüber aber nicht entscheiden kann, kann ich jetzt gerade nichts finden, wofür ich verantwortlich bin.
Das ist sehr ungewohnt, wo ich doch sonst meinte, für alles mögliche die Verantwortung zu haben.

Fragen habe ich nicht, aber, wenn noch etwas fehlt, wirst du sicher noch Fragen oder eine Aufgabe für mich haben.
Hab`vielen Dank für deine Begleitung, die Fragen und die Aufgaben. Die Aufgaben zur Wahrnehmung und Beschreibung waren sehr hilfreich für das Erkennen.

Ganz liebe Grüße, Elke

User avatar
prembodha
Posts: 72
Joined: Thu Apr 28, 2016 3:44 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Tue Nov 29, 2016 8:26 pm

Liebe Elke,

super gesehen!!
Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Der Wunsch, zu verstehen und die Wahrheit zu erfahren. Zunächst wollte ich verstehen um mein Leben besser kontrollieren zu können (Finanzen, Beziehungen verbessern, Gesundheit, Leid vermeiden). Inzwischen habe ich verstanden, dass es darum nicht geht. Die Suche führte mich schließlich zu spirituellen Lehren und Lehrern, u.a. Gangaji und Ramana Maharshi. Ich habe mir selbst schon öfter die Frage gestellt "Wer bin ich?".
Vom Verstand her gibt es ein Verstehen, dass ich nicht mein Körper, meine Gedanken oder meine Gefühle bin. Einige Male meinte ich auch schon, ein Stück mehr wirklich zu erfassen, was es bedeutet. Aber es war immer nur so als lüftet sich der Vorhang ein Stück und fällt kurz darauf wieder - vielleicht nicht mehr ganz so tief. Im Alltag geht mir dieses Bewusstsein wieder verloren und ich agiere als "ICH"
Ich wünsche mir ein dauerhaftes Erwachen, ein Loslassen alter Glaubensvorstellungen und Muster. Ich habe für mich erkannt, dass alles Handel aus dem WOLLEN (haben wollen, vermeiden wollen) heraus anstrengend ist und möchte gern einfach nur entspannt SEIN.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Verlust und andere Krisensituationen bzw. Leid war der Beginn meiner Suche. Zum einen wollte ich Leid und Krankheit loswerden, zum anderen tauchte die Frage auf "wer bin ich, wenn ich nicht mehr Mutter, Partnerin oder über meinen Beruf definiert bin?. Und wozu bin ich überhaupt da? Was ist meine Aufgabe?Hat mein Leben überhaupt irgendeinen Sinn? Meine Suche führte mich zum Thema Erwachen und Erleuchtung und schließlich zu Ramana Maharshi (s.o.). Ich hatte mich auf keine bestimmte Lehre konzentriert. Das Buch von Ramana Maharshi "Gespräche des Weisen..." hat mich schon ein Stück vorwärts gebracht.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Ich erwarte mir Fragen, die helfen, alte Denkmuster zu durchbrechen, eine andere Perspektive einzunehmen und mich aus der ICH-Verhaftung erlösen, möglichst dauerhaft.
Nicht nur zu verstehen, sondern zu erfahren, was wirklich ist und was Illusion ist.
Was hat sich seitdem verändert in Bezug auf die obigen Antworten, Erwartungen, Hoffnungen...?

Wie fühlt sich ein Leben ohne ICH jetzt an... bei der Arbeit, Familie, Freunde? Was kannst du da feststellen? Was hat sich da verändert?

Bitte berichte ganz ausführlich. Lass dir Zeit damit. Keine Eile :-)

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

User avatar
ElkeWe
Posts: 15
Joined: Mon Nov 14, 2016 5:46 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Wed Nov 30, 2016 4:21 pm

Liebe Birgitta,

da die Beantwortung der Fragen Ruhe und Zeit braucht und ich erst mal bis Montag beruflich unterwegs bin, wird meine Antwort wohl frühestens Mitte nächster Woche eintreffen.

Bis dahin eine schöne Zeit, Elke

User avatar
prembodha
Posts: 72
Joined: Thu Apr 28, 2016 3:44 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Wed Nov 30, 2016 5:46 pm

Liebe Elke,

Ja ist gar kein Problem :-)
Danke fürs Bescheid geben.

Wünsche dir eine schöne Zeit bis dahin.

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

User avatar
ElkeWe
Posts: 15
Joined: Mon Nov 14, 2016 5:46 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Sun Dec 11, 2016 6:31 pm

Liebe Birgitta,

es war ganz schön viel in Bewegung in letzter Zeit und mein Körper hat erst mal für Ruhe gesorgt und sich mit Fieber ins Bett gelegt. Deshalb erst jetzt meine Antwort:
Was hat sich seitdem verändert in Bezug auf die obigen Antworten, Erwartungen, Hoffnungen...?
Ich habe für mich erkannt, dass alles Handel aus dem WOLLEN (haben wollen, vermeiden wollen) heraus anstrengend ist und möchte gern einfach nur entspannt SEIN.
An der Stelle muss „ich“ erst mal lachen. Was wollte ich nicht alles… und wie anstrengend war dieser Kampf um etwas zu erreichen oder zu bekommen. Und dann die Erkenntnis, dass es völlig zwecklos ist und „ich mir“ das einfach ersparen kann. Ab und zu kommt noch ein kurzer Gedanke, etwas zu wollen, aber er hat keine große Wirkung mehr und verschwindet sofort beim Erkennen.
„Wer bin ich, wenn ich nicht mehr Mutter, Partnerin oder über meinen Beruf definiert bin?. Und wozu bin ich überhaupt da? Was ist meine Aufgabe? Hat mein Leben überhaupt irgendeinen Sinn?“
Es fühlt sich sehr erleichternd an, alle Geschichten über mich als Person fallen zu lassen. Nichts, was es zu bestätigen, verteidigen, berichtigen, verstecken oder zu verbessern gilt. Keine Erwartungen an eine bestimmte Rolle oder Aufgabe mehr zu erfüllen. Auch die Suche nach „DER AUFGABE“ entfällt.
Wie fühlt sich ein Leben ohne ICH jetzt an... bei der Arbeit, Familie, Freunde? Was kannst du da feststellen? Was hat sich da verändert?
Insgesamt ist einfach mehr Aufmerksamkeit da für das, was gerade an Wahrnehmung da ist und kaum noch Gedanken an das, was sein könnte oder sollte. Eine große Akzeptanz und Liebe für andere Menschen aus dem Erkennen heraus, dass es keine Person gibt, die entscheidet, was sie tut, sagt, denkt, sondern nur Menschen, die gerade eine bestimmte Erfahrung machen. Dass niemand anders handeln kann als so, wie er gerade handelt oder spricht.

Ein Friede mit allem, was war, stellt sich ein. Friede mit dem, was das Leben mit „mir „ gemacht hat und Friede mit dem, was „ich“ getan oder unterlassen habe.
Es stellt sich nicht mehr die Frage, was richtig oder falsch war.

Es gibt kein schlechtes Gewissen mehr den (schon Erwachsenen) Kindern gegenüber, weil „ich“ den Kindern nicht alles mitgeben konnte, was „ich“ meinte, dass sie es brauchen. In dem Wissen, dass alles so sein soll wie es ist, kann „ich“ auch die Kinder vollkommen so sein lassen und ihren eigenen Weg gehen lassen ohne noch etwas gerade biegen zu wollen. Dann bin „ich“ erst wirklich präsent ihnen gegenüber und ganz da.

„Ich“ muss mir keine Gedanken mehr über meinen Beruf oder meine Bestimmung machen. Oder, ob „ich“ etwas hätte besser machen können im beruflichen Tun. Oder, ob „ich“ das „Richtige“ gesagt habe und dem anderen wirklich weiterhelfen konnte.

Das ICH ist noch nicht ganz verschwunden, schon die alten Sprachgewohnheiten aktivieren es immer mal wieder. Dann gibt es noch Geschichten oder Bewertungen. Sobald es jedoch bewusst wir, verschwindet es und Entspannung tritt ein.
Im schlimmsten Fall wird es weniger friedlich und entspannter und Gedanken, das Leben anders haben zu wollen nehmen zu.
Auf der körperlichen und energetischen Ebene ist es gerade eher weniger entspannt und friedlich. Da gibt es einen intensiven Prozess, der mit diversen körperlichen Beschwerden einhergeht. Das gab es vorher auch schon, aber es ist noch intensiver geworden. Anspannungen, alte Emotionen, verbunden mit irgendwelchen Glaubenssätzen wollen sich lösen (ist vielleicht auch nur ein Gedanke dazu…). Der körperliche Stress ist jedoch besser zu ertragen, da keine Gedanken daran da sind, dass etwas nicht in Ordnung ist, „ich“ etwas tun sollte oder es anders sein sollte. Da es nichts zu tun gibt, darf die Aufmerksamkeit einfach dort ruhen, wo gerade am meisten los ist. Manchmal fühlt sich das auch sehr liebevoll an.

Das Bedürfnis, mit anderen Menschen Kontakt zu haben oder Geschichten zu erleben ist noch geringer geworden als es sowieso in den letzten Jahren schon war. Es gibt eher ein großes Ruhebedürfnis.
Beruflich ist gerade gar nicht klar, wo es hingehen soll. Ob das Alte noch passt und ob es überhaupt noch gehen soll. Das ist aber gerade ganz in Ordnung.
Ich erwarte mir Fragen, die helfen, alte Denkmuster zu durchbrechen, eine andere Perspektive einzunehmen und mich aus der ICH-Verhaftung erlösen, möglichst dauerhaft.
Nicht nur zu verstehen, sondern zu erfahren, was wirklich ist und was Illusion ist.
Ja, dabei hat mir dieses Gespräch sehr geholfen, vor allem die konkreten Aufgaben, die sich auf die eigenen Erfahrungen beziehen, verbunden mit den entsprechenden Fragen.

Für deine Unterstützung in diesem Prozess der Bewusst-Werdung danke ich dir, liebe Birgitta, ganz herzlich,
liebe Grüße, Elke

User avatar
prembodha
Posts: 72
Joined: Thu Apr 28, 2016 3:44 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Sun Dec 11, 2016 6:56 pm

Liebe Elke,

ich freue mich von dir zu hören :-). Ja das Fieber erwischt dieses Jahr wirklich viele. Ich war auch schon dran...

Es war so schön deinen "Bericht" zu lesen was sich in der kurzen Zeit unseres Dialoges alles verändert hat und das du so gut mit den neuen Erkenntnissen und Loslassen der Erwartungen klar kommst. An einer Stelle jedoch habe ich gestutzt.
Das ICH ist noch nicht ganz verschwunden, schon die alten Sprachgewohnheiten aktivieren es immer mal wieder. Dann gibt es noch Geschichten oder Bewertungen. Sobald es jedoch bewusst wir, verschwindet es und Entspannung tritt ein.
Da möchte ich dich bitten mir das nochmal zu erklären und noch mal ganz genau hinzuschauen.

Wie soll etwas verschwinden was es erst gar nicht gibt, so wie du in deiner direkten Erfahrung ja festgestellt hast? Was aktiviert das ICH immer neu... Sprache oder Gedanken denen geglaubt wird? Kann/Darf eine ICH-Identifikation nach dem Durchschauen der Illusion sein? Welche Körperempfinden und Bewertungen treten dann auf bevor die Entspannung wieder geschieht?

Ich bin schon gespannt auf deine Antwort.

LG Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

User avatar
ElkeWe
Posts: 15
Joined: Mon Nov 14, 2016 5:46 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Tue Dec 13, 2016 7:01 pm

Liebe Birgitta,

ja, da war ich wohl beim Schreiben letztes Mal zum Teil noch nicht wieder so ganz bei der Sache.
Das ICH ist noch nicht ganz verschwunden, schon die alten Sprachgewohnheiten aktivieren es immer mal wieder. Dann gibt es noch Geschichten oder Bewertungen. Sobald es jedoch bewusst wir, verschwindet es und Entspannung tritt ein.
Wie soll etwas verschwinden was es erst gar nicht gibt
Da hast du natürlich recht. Das war nicht genau ausgedrückt und ich habe mich in der Formulierung wohl einfach auf deine Frage
Wie fühlt sich ein Leben ohne ICH jetzt an... bei der Arbeit, Familie, Freunde? Was kannst du da feststellen?
bezogen.
Es geht um die Identifikation mit dem ICH.
Kann/Darf eine ICH-Identifikation nach dem Durchschauen der Illusion sein?
In den ersten Tagen nach dem Durchschauen der Illusion war diese Erkenntnis sehr präsent und ich hatte wohl erwartet, dass es auch so bleiben würde. Dann war ich irritiert, dass es nicht so war. Es gibt Zeiten, in denen eine ICH-Identifikation da ist und Zeiten, in denen die Bewusstheit über die ICH-Illusion präsent ist. Sie darf nun auch nach dem Durchschauen der Illusion wieder da sein. Es ist eben mal so und mal so.
Welche Körperempfinden und Bewertungen treten dann auf bevor die Entspannung wieder geschieht?
Manchmal wird mir bewusst, dass mein Körper gerade irgendwo angespannt ist.
Dann halte ich inne und schaue, was da los ist und finde solche Gedanken wie „ich sollte……/ ich muss…../ das will ich jetzt nicht… oder: jemand anderes sollte….“
Sowie ich das bemerke und mir bewusstwird, dass es einfach nur Gedanken sind und da kein ICH ist, dass etwas sollte… entspannt sich der Körper wieder.
Da kommt dann auch manchmal der Gedanke „Ah, da ist ja wieder mein ICH“ (womit ich natürlich die Identifikation mit dem ICH meine).
Das ICH ist noch nicht ganz verschwunden, schon die alten Sprachgewohnheiten aktivieren es immer mal wieder.
Ja, da „aktivieren“ ist ziemlicher Quatsch.
Damit meine ich, dass ich ja, obwohl erkannt wurde, dass ICH nur ein Gedankenkonstrukt ist, wie gewohnt laufend solche Sachen sage wie: „ Ich tue jetzt dies…./ habe das getan…./ ich denke…..“ usw.
Das trägt nicht gerade dazu bei, in dem Bewusstsein zu bleiben, dass nicht „ich“ etwas tue, sondern, dass es einfach geschieht.
Und wenn ich „ich“ sage, dann gibt es natürlich auch sofort eine Trennung. Dann gibt es „mich“ und „die Welt um mich herum“ bzw. „mich“ und „dich“.
Insofern finde ich, dass die Sprachgewohnheiten auch etwas dazu beitragen, noch ein Stück der ICH-Identifikation aufrecht zu erhalten.

Ich hoffe, es ist jetzt irgendwie klarer, was ich tatsächlich ausdrücken wollte.

Liebe Grüße, Elke

User avatar
prembodha
Posts: 72
Joined: Thu Apr 28, 2016 3:44 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Tue Dec 13, 2016 8:12 pm

Liebe Elke,
In den ersten Tagen nach dem Durchschauen der Illusion war diese Erkenntnis sehr präsent und ich hatte wohl erwartet, dass es auch so bleiben würde. Dann war ich irritiert, dass es nicht so war. Es gibt Zeiten, in denen eine ICH-Identifikation da ist und Zeiten, in denen die Bewusstheit über die ICH-Illusion präsent ist. Sie darf nun auch nach dem Durchschauen der Illusion wieder da sein. Es ist eben mal so und mal so.
Manchmal wird mir bewusst, dass mein Körper gerade irgendwo angespannt ist.
Dann halte ich inne und schaue, was da los ist und finde solche Gedanken wie „ich sollte……/ ich muss…../ das will ich jetzt nicht… oder: jemand anderes sollte….“
Sowie ich das bemerke und mir bewusstwird, dass es einfach nur Gedanken sind und da kein ICH ist, dass etwas sollte… entspannt sich der Körper wieder.
Das hast du alles ganz toll erkannt und erklärt.

Mache dazu nochmal eine Übung zum Vertiefen.

Schreibe 10 Minuten lang, was du gerade erlebst und benutze dabei "ich" und "mein".
Beispiel: Ich höre das Klackern der Tastatur. Ich spüre den Druck unter meinen Fingern von den Tasten. Ich sehe, wie die Buchstaben auf dem Bildschirm erscheinen. Ich spüre einen leichten Rückenschmerz.

Spüre deinen Körper. Was empfindest du?

Dann schreibe 10 Min. lang, was du gerade erlebst ohne "ich" und mein".
Klackern der Tasten. Wechselnder Druck unter den Fingerkuppen. Buchstaben erscheinen auf dem Bildschirm. Leichtes Ziehen in den Schultern….etc.

Spüre wieder, was im Körper geschieht.

Vergleiche jetzt die beiden Möglichkeiten, die Erfahrung zu beschreiben. Ist eine realer/wirklicher als die andere?
Wenn ja, welche?
Was ist ohne die Benennung vorhanden?
Beeinflussen Benennungen die Erfahrung oder beschreiben sie sie einfach?

Ich bin gespannt :-)
Liebe Grüße, prembodha

User avatar
ElkeWe
Posts: 15
Joined: Mon Nov 14, 2016 5:46 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Thu Dec 15, 2016 6:23 pm

Liebe Birgitta,

obwohl ich mich auf die neue Aufgabe auch gefreut hatte und selbst neugierig war, fällt es mir gerade schwer, mich so hineinzuvertiefen.
Es ist ein Prozess in Gang gekommen und etwas will sich neu ausrichten, das ist irgendwie anstrengend. Und ich brauche einfach erst mal nur Ruhe. Mal sehen, wo es gerade hinführt.

Ich möchte daher an dieser Stelle unserten Dialog beenden.
Mit Hilfe deiner Begleitung bin ich in kurzer Zeit zu wesentlichen Erkenntnissen und Erfahrungen gekommen, habe sozusagen die Schwelle des Tores durchschritten und etwas Wichtiges über das Erforschen durch direktes Erleben gelernt, was mir in Zukunft sicher auch noch hilfreich sein wird.
Noch einmal ganz herzlichen Dank an dich.

Hab schöne Feiertage. Alles Liebe
Elke

User avatar
ElkeWe
Posts: 15
Joined: Mon Nov 14, 2016 5:46 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Tue Dec 20, 2016 6:27 pm

Liebe Birgitta,

nachdem ich nun etwas zur Ruhe gekommmen bin und inzwischen auch ein paar neue Erkenntnisse zu mir gefunden haben, möchte ich also wie besprochen doch weitermachen.

Bei der Übung mit der Beschreibung der Wahrnehmungen mit und ohne den Worten "ich" und "mein" habe ich folgendes festgestellt:

Im Wesentlichen gibt es keinen großen Unterschied. Beides beschreibt die gleiche Wahrnehmung oder die gleiche Tätigkeit.
Bei der Zuschreibung mit "ich" und "mein" erfolgt nur eine Zuordnung der Erfahrung zu einem bestimmten Menschen oder Körperteil. Letztendlich ist es aber das Gleiche.
Einen kleinen Unterschied konnte ich vielleicht wahrnehmen. Bei Verwendung von "ich" und "mein" schien mir der Focus mehr auf den Körper gerichtet. Ohne diese beiden Worte war die Wahrnehmung etwas "offener", mit etwas mehr Abstand (ich weiß nicht wie ich es ausdrücken soll und ob es verständlich ist).

Als ich die Übung jedoch das erste Mal machen wollte, war ich ziemlich angespannt, hatte Schmerzen im Kopf gespürt und einen Druck auf dem Kopf. Bei dem Satz "Ich spüre Schmerzen im Kopf und einen Druck", konnte ich wahrnehmen wie die Anspannung noch größer wurde und Unruhe sich bemerkbar machte. Da ich nicht entspannt war und nicht wirklich bei der Sache sein konnte, hatte ich die Übung erst mal abgebrochen und (es hatte) gedacht, ich mache es lieber später noch mal, wenn wieder mehr Klarheit da ist und ich entspannt bin. Im Nachhinein würde ich sagen, dass da vielleicht eine Identifikation da war und ich da die Anspannung stärker wahrgenommen habe.

Wenn ich jedoch nicht in der ICH-Identifikation war und ganz entspannt war, gab es keinen wesentlichen Unterschied. Also ist es vielleicht eher so, dass nicht die Worte die Identifikation aufrecht erhalten, aber die Wahrnehmung etwas anders ist, wenn eine Identifikation da ist.
Hoffentlich war das jetzt alles verständlich ausgedrückt.

Liebe Grüße und schöne Feiertage
Elke

P.S. Die nächste Antwort wird wahrscheinlich erst nach Weihnachten kommen.

User avatar
prembodha
Posts: 72
Joined: Thu Apr 28, 2016 3:44 pm

Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Fri Dec 30, 2016 12:41 pm

Wir haben haben seit dem 15.12.2016 im geschützten Bereich weitergemacht. Elke hat mir die gestellten obligatorischen Abschlußfragen dort beantwortet.

Hier ist die Kopie der Fragen und Antworten:


1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

Nein, das gibt oder gab es nicht. Das ICH ist nur ein Gedanke.


2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

Die ICH – Illusion entsteht, wenn versucht wird, Erscheinungen mi Worten zu benennen und scheinbare Teile eines Ganzen als getrennt wahrgenommen werden.
Ein Baby nimmt die Welt noch über die Sinne und das direkte Erleben wahr. Die Eltern nehmen jedoch die Welt schon als getrennte Erscheinungen war und sagen „hier bin ich“ und „das bist du“. So wird es dann vom Kind übernommen. Es entsteht der Eindruck als sei ICH eine eigenständige Person, der bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden und eine eigene Geschichte. Durch Verknüpfen des ICH-Gedankens mit Gedanken über Erlebtes oder Zuordnung bestimmter Eigenschaften entsteht eine Art ICH-Identität: Ich bin die, die dies und jenes erlebt hat und die diese oder jene Eigenschaften hat (ein Bild von mir als Person). Dabei ist nicht bewusst, dass das ICH nur ein Gedanke ist.
Dabei entsteht ein Schmerz oder eine Art Unruhe, weil es die Illusion einer Trennung gibt, das Gefühl der Unvollständigkeit oder des Verlustes. Und daraus wiederum der Antrieb, die Ganzheit wieder herzustellen. Gedanken, denen geglaubt wird und die sagen, ich müsste etwas tun, um diesen Schmerz nicht zu fühlen. Etwas tun um mich gut zu fühlen. Ich müsste nur „richtig“ sein um zu bekommen, was ich brauche oder das „richtige“ tun. Wenn diesen Gedanken geglaubt wird, entsteht eine körperliche Anspannung aus dem ständigen Bewerten, Sortieren, scheinbarem entscheiden kontrollieren ausweichen oder verteidigen müssen ohne zu sehen, dass es sich nur um gedankliche Konstruktionen handelt.
Es entsteht der Eindruck, dass es jemanden gibt, der etwas tun kann oder Entscheidungen treffen kann.


3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

Vor dem Durchschauen der Illusion war da fast ständig eine Anspannung im Körper spürbar, selbst, wenn es gerade nichts zu tun gab, war da eine Unruhe, so als gäbe es einen inneren Antreiber, der sagt, dass „ich“ etwas tun müsste.
Nach dem Durchschauen der Illusion gab es eine spürbare Entspannung. Es wechselten Phasen von großer Müdigkeit und innerem Frieden mit Phasen von aufgewühlt sein und starken Emotionen (Traurigkeit oder Ängsten).
In den letzten Tagen ist es eher ruhiger geworden.
Wenn ich jetzt manchmal noch Anspannung im Körper spüre, halte ich inne und schaue, was da ist. Dann sind da meist Gedanken von „ich sollte….“ oder der Versuch, etwas kontrollieren zu wollen (z.B. die Finanzen) . Oder Geschichten, die „ich“ mir in Gedanken erzähle. Mit dem Erkennen, dass es einfach nur Gedanken sind, tritt sofort Entspannung ein.
Das Leben sorgte für vertiefende Erkenntnisse. Vor einigen Tagen war plötzlich Ärger da über etwas, was eine Freundin zuvor gesagt hatte und in Gedanken sah ich sie vor mir und machte meinem Ärger Luft. Dann wurde ich stutzig und fragte, welcher Teil in mir denn da ärgerlich oder verletzt war. Und ich konnte keinen finden und musste lachen über diese Gedankenshow und das Selbstgespräch. Es war plötzlich klar, dass es nicht notwendig ist, in der Tiefe nach der Ursache des Ärgers oder der Angst zu suchen.
Manchmal gibt es noch eine Identifikation mit der Ich-Illusion oder Bewertungen. Meist ist jedoch eine große Akzeptanz da für das, was gerade ist. Eine Akzeptanz dafür, wie Menschen gerade handeln oder reden in dem Wissen, dass niemand etwas anders machen kann. Da ist (meistens) ein Friede mit dem eigenen Leben und dem eigenen Handeln. Keine Fragen, ob ich es richtig gemacht habe oder besser hätte sein können.
Auch eine Akzeptanz für die körperlichen Einschränkungen und die damit verbundenen Umstände. Die Aufmerksamkeit liegt mehr auf dem, was gerade ist, nicht bei Gedanken, wie es sein sollte.


4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

Vor dem Dialog war mir zwar schon irgendwie klar, dass ICH nur ein Gedanke ist, aber so richtig durchschaut hatte ich es nicht wie die Illusion entsteht und wie es funktioniert.
Es gab mehrere Schritte des Erkennens. Der wichtigste war wohl das Erkennen wie die Illusion einer Person entsteht. Dabei war eine Übung sehr hilfreich, bei der ich den ganzen Tag lang alle Wahrnehmungen benennen sollte, z.B. Hören, Riechen, Gedanke, Körperempfindung….
Die Gedanken wurden immer weniger, da die Aufmerksamkeit mehr auf dem direkten Erleben lag.
Abends tauchte dann ein Gedanke an die „dunklen Seiten“ eines Menschen auf. Und die Frage, ob es denn so was wie „gute und schlechte Seiten“ überhaupt gibt? Und die Erkenntnis, dass es einfach nur Menschen gibt, die aufeinanderfolgend verschiedene Erfahrungen machen, dass es Reaktionen und Handlungen, Gedanken und Gefühle gibt, aber keine Person, von der man sagen könnte „So ist sie“. Alles ist in ständiger Veränderung. Es gab ein Erkennen, dass einfach nur durch Zuschreibungen und Glauben an bestimmte Gedanken eine starre Vorstellung einer Person oder eines ICH entsteht. Nur ein gedankliches Bild von „sich selbst“ oder einer „anderen Person“ .


5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl, Kontrolle sind Gedanken, die mit dem ICH – Gedanken verknüpft sind. Es wird geglaubt, dass es ein ICH oder vielleicht eine andere Instanz im Körper gibt, die einen Einfluss hat auf das, was getan oder wahrgenommen wird, einen Einfluss auf die Lebensumstände. Eine Instanz, die etwas entscheiden oder zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen könnte oder bestimmte Bereiche des Lebens kontrollieren könnte.
Da das Leben einfach geschieht, Handlung, Reden, Denken, Erkenntnis geschieht, bin ich nicht verantwortlich für das, was gelebt wird. Verantwortung würde eine freie Entscheidungsmöglichkeit voraussetzen.
Gedankliche Planung gibt es manchmal schon, aber oft funktioniert es auch nicht. Es gibt z.B. Gedanken darüber, wie beruflich die nächsten Schritte aussehen könnten oder sollten. Aber gerade geht gar nichts. Der Körper streikt und ich habe auch den Eindruck, dass alles nicht so recht stimmig ist. Also bleibt nur, abzuwarten, bis „etwas“ geschieht. Manchmal geht schon etwas, aber ich weiß nie, wann was geht. Da ist gerade völliges Nicht –Wissen.
Kontrolle über die Finanzen auszuüben funktioniert auch nicht. Mal kommen unerwartete Kosten, mal kommt plötzlich unerwartet etwas Geld „herein“.
Und manchmal rede „ich“ auch irgendwelches Zeug zusammen, dass es „mich selbst wundert“, kann aber gerade nicht anders.
Da ist es sehr erleichternd, das einfach so annehmen zu können ohne zu kämpfen oder zu bewerten.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Liebe Grüße, prembodha


Return to “Deutsch (Archiv)”

Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 106 guests