Ok. Ich möchte gerne Deinen "Weg ins Bad"-Beitrag mal nehmen, um ein paar Punkte aufzuzeigen und zu erklären, was ich z.B. mit dem Buchwissen meine.
Ich war auf dem Weg ins Bad da sehe ich Formen die sich bewegen, die da sind und denke mir: Wie bewegt sich eigentlich dieser Körper? Wie macht der das? Ich gehe ins Bad ist ein Gedanke der aber erst kommt wenn er schon auf dem Weg ist. Wie macht der das? Er bringt mich da hin wohin er will und erzeugt dann Gedanken die ein Ich schaffen das glaubt das ES dahin will. Außerirdisch/Außerkörperlich Illusion von Jemanden schaffen der einen Willen hat.
"Ich war auf dem Weg ins Bad"... Das sagt man natürlich so und ich würde das selbst natürlich auch so sagen können. Doch in diesem Dialog hier geht es ja darum genau zu hinterfragen: was ist mit dem Ich in dem Satz gemeint? Wir haben ja schon festgestellt, dass "Ich" nicht der Körper ist. Aber es geht ja weiter: das Ich sieht Formen, die sich bewegen. Ist "Ich" also der Betrachter der Wahrnehmungen? Alle weiteren Sätze in diesem Absatz beschreiben einfach Gedanken, die dann aufgekommen sind. Diese Gedanken können und wollen wir aber nicht untersuchen. Gedanken tauchen einfach auf. Ob sie sich mit einem Erklärungsversuch beschäftigen wie der Körper Dich (wieder die Frage: wer oder was ist denn dieses Ich?) ins Bad bringt, ist für die Untersuchung der Ich-Illusion nicht relevant.
Da laufen Willensäußerungen die nicht vorher nachgedacht wurden und dann zu einer Entscheidung über eine Absicht, das will, muss ich jetzt so machen, ab. Das Erscheinen dieses Ich macht erst planen, nachdenken, einordnen möglich. Ich brauch nur zu üben nicht dieses Ich zu sein, besser es nur zu sein, nicht EIN ICH/so bin ICH, so mach ich das immer, sein, sonder jetzt nur dieses ich sein. Es entsteht nicht So gehe ich ins Bad, wie ich es immer tu sonder ich geh ins Bad wie ich es jetzt mache, ohne auf Geschichtliche Erfahrungen zurück zu greifen.
Die ersten Sätze beschreiben ein direktes Erleben. Prima! Denn das sind Dinge, die unmittelbar da sind und auf die wir uns beide verlassen können, dass sie keine Illusion sind. Ab dem Punkt, wo Du üben willst nicht dieses Ich zu sein, driftest Du aber wieder ab - bzw. wirst ungenau. "Ich brauch nur zu üben nicht dieses Ich zu sein" ist ja ein Widerspruch in sich. Das ist wie "lächle jetzt mal ganz spontan". Wer will denn üben nicht dieses Ich zu sein? Was genau ist denn "dieses Ich" überhaupt? "Dieses Ich" erscheint doch, weil entsprechende Gedanken erscheinen. Geht es also darum nicht die Gedanken zu sein? Bist Du denn die Gedanken, nur weil sie gerade wahrgenommen werden? Bist Du auch der Tisch, nur weil er gerade gesehen wird? Es gibt eine Perspektive, aus der man das so beschreiben könnte. Aber hier geht es ja erstmal darum glasklar festzustellen, ob da überhaupt ein Ich ist, das irgendetwas sein könnte.
Wesen/ Körper/ich geht ins Bad und weiss dann das es das jetzt tut, mehr nicht. Warum ist nicht mehr wichtig es ist was zu tun und das geht eben nur da, Punkt. Was da zu Tun ist führt zu einem weiteren Erscheinen von Gedanken die wenn ich nicht aufpasse zu EINEM ICH werden, wenn auch nur für wenige Sekunden.
Hier bist Du wieder sehr nah an der unmittelbaren Wahrnehmung dessen was ist. Doch zum Schluss schleicht sich wieder ein Ich ein, das angeblich das Erscheinen von Gedanken so kontrollieren kann, dass sich nicht zu EINEM ICH werden. Was ist dieses eingreifende Ich? Gibt es wirklich Kontrolle darüber, welche Gedanken auftauchen?
avijja Unwissenheit, das erste Glied von Paṭiccasamuppādo ist tatsächlich Dukkha erzeugend. Das Nicht-wissen, vergessen von "ES gibt SO BIN ICH" sondern nur ich. Bin ich unachtsam was diesen Punkt angeht entsteht sofort Glaube(Da ich es nicht wissen kann glaube ich an das was mir jetzt als Gedankenformation erscheint, ohne Prüfung auf Wirklichkeit zuzulassen). Entscheidend ist das nicht zulassen der Prüfung. Wie oft weiss ich das ich Glaube aber verweigere mich der Prüfung, weil: Zum Augenblicke dürft'(will) ich sagen: Verweile doch, du bist so schön!
Das meine ich mit Buchwissen. Es mag ja sein, dass Du das als richtig empfindest. Es mag im Kern sogar alles richtig sein. Aber um die Ich-Illusion wirklich zu fassen zu bekommen, helfen uns diese geliehenen Gedanken nicht wieder. Wir brauchen sie gar nicht. Wir brauchen nur das, was jetzt gerade direkt wahrgenommen wird. Und das ist nicht das Konzept "Dukkha". In der direkten Erfahrung sind da bestimmte Gedanken, die man als "negativ" oder "leidend" beschreiben könnte und Gefühle im Körper wie ein saures Gefühl im Magen - oder so.
Ich gehe ins Bad, weiss das ich das tue, aber eben nicht, noch nicht, warum. Der Gedanke: Wie macht der Körper das? lässt kein warum tut er das, zu. Ich gehe weiterhin ins Bad doch die Gedanken beschäftigen sich mit dem Wie nicht mit dem Warum. Das Warum erscheint erst dann in Gedankenform wenn das Ziel (von was eigentlich, was geht da eigentlich ins Bad) erreicht ist.
Was geht in Bad, ich/dies/MU/ die Kiefer vor dem Tempel.
Hier trifft wieder alles zu, was ich zum ersten Abschnitt geschrieben habe. Wenn Du möchtest, kannst Du die aufgeworfenen Fragen beantworten - aber bitte nur aus der direkten Erfahrung. Genau genommen müsstest Du also schreiben, während Du gerade ins Bad gehst und das beobachtest... ;) Geh doch mal zum Kühlschrank und trinke etwas. Was geschieht da vom Lesen bis zum Trinken?