Wolf - Ingen

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Wolf - Ingen

Postby Ingen » Thu Apr 19, 2012 9:50 pm

Herzlich willkommen, Wolf!

Die Reise kann beginnen. Würdest du dich kurz vorstellen und beschreiben, was dich hierherführt?

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Re: Wolf - Ingen

Postby Ingen » Sun Apr 22, 2012 9:27 pm

Hier ist die Antwort, die du mir per Email geschickt hast:

Während meiner Kindheit ist in meinem Körper-Geist-Organismus KGO (seltsame Abkürzung, aber ich lass es mal so) eine Ich-Vorstellung entstanden.
Diese stellt sich zwischen den KGO und alles was dieser denkt, empfindet, handelt und wahrnimmt
Meine Ich-Vorstellung ist so lebendig, so vordergründig, impertinent, dass es ihr gelingt, sich meinem KGO aufzupfropfen (wie ein Edelkirschzweig auf den Stamm einer Wildkirsche aufgepfropft wird)

Mein KGO reagiert nicht - (seit ein paar Jahren reagiert er doch)

Fortan bin ich mir meiner selbst (KGO) als Ich bewußt.
Mein Ich ist nicht ein Teil vom KGO, kein irgendwas, welches in mir irgendwo versteckt ist - ich bin der KGO Wolf (Wolf ist mein Pseudonym).
Als solcher werde ich von anderen gesehen.
Ich stelle mir auch Ingen vor als KGO Ingen. (... der es gelungen ist, die Edelkirsche los zu werden und mit dem Dasein als Wildkirsche gesegnet ist)

Als gepfropftes KGO habe ich meine Geschichte, meine Gedanken, Wahrnehmungen, Intellekt und die Möglichkeit zu Handeln.
Hier trage ich Verantwortung (z.B. für meine Kinder oder Patienten), ich verstehe, ich lerne, ich erlebe, ich gestalte meine Welt.

Ich laufe meist automatisch ab ,
kann meine Gedanken und Handlungen, Gefühle und Wahrnehmungen beobachten,
kann bewußt im Moment sein und mich selber dabei spüren oder vom Lebensgetriebe völlig absorbiert werden - bin dann mir selber nicht bewußt.

Mein Denken, Fühlen, Handeln bewirkt etwas in mir / für mich.

Und: wenn ich mir vorstelle, wie es ist, ohne Ich zu sein, einfach nicht da zu sein während Bilder, Geräusche, Gefühle, Gedanken ablaufen - das fühlt sich so wunderbar leicht an.
So leicht könnte mein Erleben immer sein, wenn es nicht in meiner Vorstellung sondern tatsächlich wäre.
Das ist also der Grund: ich möchte in dieser Leichtigkeit leben, tatsächlich, nicht in meiner (lebhaften) Einbildung.

Noch ist es nur eine hübsche Vorstellung in meinem Kopf, ohne Ich zu sein.

Damit das nicht so bleibt, habe ich dich, Reiseführerin, engagiert und grüsse dich erwartungsvoll, Wolf.

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Re: Wolf - Ingen

Postby Ingen » Sun Apr 22, 2012 9:57 pm

Ich wollte noch kurz den Ablauf mit dir besprechen. Ich werde dir Fragen stellen, und du sollst in deiner direkten Erfahrung nachschauen, und schreiben was in diesem Moment für dich wahr ist. Der Prozess funktioniert am besten, wenn du so viel Energie reinsteckst, wie du aufbringen kannst. Es ist nichts, was man so "zum Spaß" nebenher macht. Aber ich glaube, das ist dir klar :)

Die Ich-Illusion zu durchschauen ist keine Wunderpille, und manche sind enttäuscht, dass sich nicht die große Seligkeit einstellt. Es handelt sich nur um eine Verschiebung in der Wahrnehmung, die allerdings große Wirkung haben KANN...
Ich möchte dich bitten, wenn es irgendwie geht, dich mindestens einmal am Tag hier zu melden. Wenn du weißt,dass du verhindert sein wirst, kannst du das ja ankündigen. Ich werde es genauso handhaben.

Wenn du damit einverstanden bist, kann es losgehen:

--------------
Und: wenn ich mir vorstelle, wie es ist, ohne Ich zu sein, einfach nicht da zu sein während Bilder, Geräusche, Gefühle, Gedanken ablaufen - das fühlt sich so wunderbar leicht an.
Was passiert in dir wenn ich nun sage: So ist es jetzt schon. Das Ich, die "Edelkirsche", das dein Leben beschwert, gibt es nur in deiner Vorstellung. Dieses Zentrum, um das so viele Gedanken kreisen, existiert nicht.

Wenn du jetzt in diesem Moment nachschaust, was siehst und spürst du. Ist da ein Ich?

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Re: Wolf - Ingen

Postby wolf » Mon Apr 23, 2012 7:40 am

Liebe Ingen,

heute früh habe ich weiter nachgeschaut:
Mein KGO hat die Vorstellung/ das Bild/ die Erfahrung : ich.
Dieses bewährt sich im Alltag.

Ich beobachte, wie ich Rechtfertigungen für mein ich suche.
Ich glaube, ich könnte mit dem ich nicht einfach so aufhören (Klappse).

Aber:
Wenn mein KGO die ich-Vorstellung fallen lässt dann:
geschieht Schauen
und Zuordnung des Geschauten
und Vergleichen des Geschauten mit Erinnerung
und Gedanken zugehörig zum Schauen kommen
und andere Gedanken kommen auch
und Handlungen folgen den Gedanken.
Alles geschieht einfach in stillem Frieden mit einem staunenden Lächeln und Dankbarkeit.
Jetzt hier sitzend, in den Frühlingsgarten schauend wird Gedankenstille und Frieden genossen.

Mein KGO genießt.

Frage: was macht es aus, ob mein KGO genießt oder das Wolf-ich?

Beim Schauen in den Garten ohne ich ist: Entspannung – Friede – Stille – Einfachheit – Chaos – es ist wie es ist – Liebe einfach so – jetzt - . . .

Beim Schauen mit Wolf-ich ist: Wachsamkeit – Interesse – Veränderungsdrang – Besonderheit – Kontrolle – Ordnung – Verantwortung – bedingte Liebe – Zukunft – Bedeutung- . . .

Wenn ich die Wahl hätte, dann wählte ich das Leben ohne ich.

Heute wird Wolf darauf achten, wann und warum das Wolf-ich aktiv wird.

Oh, du liebe Reiseführerin, was hast du dir da für einen Kunden angelacht: wie ein junger Hund bleibt er fröhlich nicht bei der gestellten Aufgabe und sucht eifrig seinen eigenen Weg.
Auf deine Geduld und dein Lächeln vertrauend grüße ich dich liebevoll, Wolf.

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Re: Wolf - Ingen

Postby Ingen » Mon Apr 23, 2012 8:10 am

:) :) :)
Mein KGO hat die Vorstellung/ das Bild/ die Erfahrung : ich.
Dieses bewährt sich im Alltag.
Ja, Etiketten haben ihren Nutzen im Alltag. Aber wie sieht die tiefere Wahrheit aus?

Schau mal nach, woraus "mein KGO" besteht.

Körper und Geist? Was ist Geist?
Und auf wen oder was bezieht sich "mein"?

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Re: Wolf - Ingen

Postby wolf » Mon Apr 23, 2012 9:46 pm

Liebe Ingen,

also jetzt ordentlich, eins nach dem anderen:

du fragtest zuerst:
„Was passiert in dir wenn ich nun sage: So ist es jetzt schon. Das Ich, die "Edelkirsche", das dein Leben beschwert, gibt es nur in deiner Vorstellung. Dieses Zentrum, um das so viele Gedanken kreisen, existiert nicht. „
Zuerst passiert Protest. Auch wenn mein Ich nur eine Vorstellung ist, so hat es meinen Körper-Geist-Organismus (KGO) doch hierhergebracht und ihm geholfen, mein Leben zu gestalten.
Dann passiert Glauben: du kennst dich aus. Wenn du sagst, das Ich existiert nicht, glaube ich dir. Hier sind wir einer Meinung: was mein KGO sich vorstellt existiert nicht. Eine Vorstellung ist eine Einbildung, ist wie eine TheaterRolle beeindruckend wirksam im Theaterstück, aber sobald der Vorhang fällt, existiert nur noch, was wahr ist. Solange ich lebe wird mein KGO immerwieder mal Ich spielen wollen – ob ich das gut finde oder nicht.

Dann fragtest du
„Wenn du jetzt in diesem Moment nachschaust, was siehst und spürst du. Ist da ein Ich?“

Ich sehe kein Ich mit meinen Augen und spüre kein Ich mit meinen Tastkörperchen. Das geht auch gar nicht. Mein KGO erlernte vor Jahren die Vorstellung ich zu sein, und die hat sich bewährt. Diese Idee, diese Vorstellung ist nicht zu sehen und nicht zu fühlen, aber sie ist. Und sie hat Kraft, weil ich (und andere) sinnvoll mit ihr arbeiten kann.
Ja, da bin ich(KGO), das bin ich(KGO). Ich spüre meine Körperoberfläche, habe Lage- und Raumempfinden, Tiefensensibilität und sehe mich (im Spiegel).

Dann fragtest du:
Ja, Etiketten haben ihren Nutzen im Alltag. Aber wie sieht die tiefere Wahrheit aus?

Ich versuchs mal mit der tieferen Wahrheit auf deinen gnädigen Blick hoffend:
Meine Vorstellung ist, dass alle Wesen mittels einer Art KGO leben. So wie die Wesen sich im äußeren unterscheiden, sind auch die KGOs verschieden. Menschen ( Krone der Schöpfung) haben ein KGO, welches in der Lage ist, eine Ich-Vorstellung zu entwickeln. Bestimmt war das einmal ein Selektionsvorteil. Nachdem unser Überleben heute weitgehend gesichert erscheint, ist der weitere Gebrauch der Ich-Vorstellung für den Mensch-KGO zu überprüfen. Es wird Menschen geben, für die ihre Ich-Vorstellung überlebenswichtig ist und andere, wie mich, für die sie (bei der Suche nach Glückseligkeit) ein lästiges Entwicklungsüberbleibsel ist.

Dann fragtest du:
Schau mal nach, woraus "mein KGO" besteht.

Körper und Geist? Was ist Geist?


Also, Körper ist klar – Muskeln, Knochen, Bauch, Hirn, Augen, Füsse . . . Herz!!
Geist ist die Fähigkeit zu erinnern, logisch zu schließen, zu lachen, zu lieben, zu erkennen, Fragen zu stellen, sich was vorzustellen, zu erschaffen, zu urteilen . . .

Und zuletzt (das Schwierigste):
Und auf wen oder was bezieht sich "mein"?

Mein bezieht sich auf den der ich bin. Ich bin nicht mein Körper, nicht mein Verstand, nicht die Vorstellung, die mein KGO vom Ich hat.
All dieses (KGO) ist in mir enthalten, spielt sich in mir ab.
Der, der ich bin ist das was übrig bleibt, wenn alles Wissen und alle Erinnerung als unzuverlässig erkannt wurden, wenn alle Aktivitäten des Verstandes und der Sinne als täuschend erkannt wurden, wenn keine Vorstellung mehr bleibt - - - dann bleibt nichts. Nur ist dieses nichts kein leeres nichts wie die Null in der Mathematik (erst vor 1500 Jahren in Indien, Arabien und Südamerika erfunden). Dieses nichts ist existent und lebendig und hat etwas mit Gott zu tun.
Das Ich, von dem wir sprechen hat nichts mit dem zu tun, der ich bin. Trotzdem ist es darin enthalten, weil es zum KGO gehört. Bitte, wenn du erlaubst, lass uns hier nicht weiter in diese Richtung gehen. Ich habe Angst, weil hier Worte unzureichend sind und unzutreffende Vorstellungen erwecken können.
Wenn du einverstanden bist, wollen wir uns auf die Vorstellung des Ich konzentrieren, welche mein KGO hat. Siehe oben.

Boah, geschafft. Und meine Augen leuchten, mein Herz klopft und mein Mund lächelt dir zu, liebe Ingen, die du meine Reise so wundersam gestaltest. Wolf

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Re: Wolf - Ingen

Postby Ingen » Tue Apr 24, 2012 9:25 am

Danke für deine ausführliche (und ordentliche :)) Antwort.

Ich kann sehen, dass du dir ein gutes, durchdachtes und positives Weltbild zu eigen gemacht hast. Die Frage ist, ob du es nicht dabei belassen willst. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir den Boden unter den Füßen wegziehen will, solange es dir auf diesem Boden gut geht.
Solange ich lebe wird mein KGO immerwieder mal Ich spielen wollen – ob ich das gut finde oder nicht.
Genau so ist es. Nichts wird sich ändern und dir auf einen Schlag Glückseligkeit verschaffen. Das Ich gibt es jetzt schon nicht.

Und ich befürchte, wir müssen genau in die Richtung gehen, in die du nicht gehen willst, nämlich da hin:
Ich bin nicht mein Körper, nicht mein Verstand, nicht die Vorstellung, die mein KGO vom Ich hat.
All dieses (KGO) ist in mir enthalten, spielt sich in mir ab.
Wenn du trotzdem weitergehen willst, mußt du dein Gedankengebäude zumindest verlassen, wenn nicht gar einreißen.
Jetzt in diesem Moment, in deiner direkten Erfahrung, gibt es da ein "KGO"? Was siehst du, was hörst du, was nimmst du in diesem Moment wahr? Lass mal das "KGO"-Konzept und alle anderen Konzepte liegen und schaue nach (auch nach innen).

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Re: Wolf - Ingen

Postby wolf » Tue Apr 24, 2012 10:46 am

Liebe Ingen,

du schreibst:
Ich kann sehen, dass du dir ein gutes, durchdachtes und positives Weltbild zu eigen gemacht hast. Die Frage ist, ob du es nicht dabei belassen willst. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir den Boden unter den Füßen wegziehen will, solange es dir auf diesem Boden gut geht.“

Ja, bitte, zieh ihn mir weg, den Boden. Ich bin ein Glückskind. Mir wird es immer gut gehen.

*Solange ich lebe wird mein KGO immerwieder mal Ich spielen wollen – ob ich das gut finde oder nicht.*
"Genau so ist es. Nichts wird sich ändern und dir auf einen Schlag Glückseligkeit verschaffen. Das Ich gibt es jetzt schon nicht.“

Ist das Ich, von dem du sprichst, was es nicht gibt, ein anderes als das, was ich meine? Huhu jetzt hab ich Angst die ganze Zeit das Thema verfehlt zu haben. Sollte ich es nicht längst begriffen haben? Und ich verstehe es immernoch nicht! – hab Geduld mit mir, bitte.

„Und ich befürchte, wir müssen genau in die Richtung gehen, in die du nicht gehen willst, nämlich da hin:"
Ich bin nicht mein Körper, nicht mein Verstand, nicht die Vorstellung, die mein KGO vom Ich hat.
All dieses (KGO) ist in mir enthalten, spielt sich in mir ab.
"Wenn du trotzdem weitergehen willst, mußt du dein Gedankengebäude zumindest verlassen, wenn nicht gar einreißen.“

Verlassen ist oK; einreissen können wir später immernoch.
Also gut: ich höre einfach auf zu denken – so gut ich kann. Und das KGO-Konzept ist auch nicht mehr nötig.

„Jetzt in diesem Moment, in deiner direkten Erfahrung, gibt es da ein "KGO"? Was siehst du, was hörst du, was nimmst du in diesem Moment wahr? Lass mal das "KGO"-Konzept und alle anderen Konzepte liegen und schaue nach (auch nach innen).“

Ja, in meiner direkten Erfahrung gibt es meinen Körper (den ich spüre, wie er sitzt und atmet), meinen Verstand (den ich gebrauche, um zu schreiben), meine Emotion (zur Zeit: gelassen), meine Sensorik (sehen, hören, fühlen, Ostereier schmecken, riechen).
Ich sehe Birke und Sträucher, Tastatur und Monitor, Finger und Brillenrand usw.
Ich höre das Summen des PCs, meinen Tinnitus und meine die Stille zu hören.
Ich nehme war, verdutzt zu sein, meine Körperspannung, Interesse, ein Gefühl von Liebe und Dankbarkeit und damit verbunden Unsicherheit – ob ich mir das nur einbilde.

Egal wie: Liebe und Dankbarkeit bleiben als Resonanz auf deine Mühe mit mir. Wolf

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Re: Wolf - Ingen

Postby Ingen » Tue Apr 24, 2012 11:40 am

Ist das Ich, von dem du sprichst, was es nicht gibt, ein anderes als das, was ich meine?
Das werden wir rausfinden.
Ich sehe Birke und Sträucher, Tastatur und Monitor, Finger und Brillenrand usw.
Ich höre das Summen des PCs, meinen Tinnitus und meine die Stille zu hören.
Ich spreche von dem Ich, das ich hier mit fett hervorgehoben habe.
Lass uns die Sinneskanäle separat angehen. Und lass alles Gelernte hinter dir. Alles, was du jemals über Sinneswahrnehmung gelernt hast. Nix Sehzellen und Tastkörperchen! Ignoriere sprachliche Konventionen. Du bist der allererste Mensch, gerade in diesem Moment auf die Welt gekommen (und nichtmal das weißt du), und du versuchst rauszufinden, was passiert.

Erst mal Hören. Schließ die Augen und höre wo die Grenze ist zwischen DIR und dem Summen des PC's. Sind da Hörer, Hören, Gehörtes? Oder tauchen Geräusche im Bewußtsein (einem Bewußtseins-raum) auf, und sind da, bis sie wieder verschwinden.

Rieche an einer Blume. Da ist Duft. Einfach da, nicht wahr? Oder "machst" du "riechen"? Ist da mehr als der Duft? Ist dieser Duft separat von DIR? (Vergiß nicht, du weißt gar nix über irgendwas. Vollkommene Amnesie).

Gibt es "Seher", "Sehen" und "Gesehenes" in direkter Wahrnehmung? Wie findet Sehen statt? "Machst" DU sehen? oder ist da nicht eigentlich nur das Gesehene? Gibt es in deiner direkten Wahrnehmung mehr als Birke, Sträucher, Tastatur und Monitor, eine verschwommene Nasenwolke mit Brillenrand? Wo ist die Grenze zwischen Gesehenem und DIR?

Um zu berichten, darfst du deine Sprachfähigkeit wieder aktivieren. Viel Spaß!

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Re: Wolf - Ingen

Postby wolf » Tue Apr 24, 2012 8:09 pm

Liebe Ingen, ich folge dir:

Erst mal Hören. Schließ die Augen und höre wo die Grenze ist zwischen DIR und dem Summen des PC's.

Da gibt es keine Grenze, die ich hören kann.

Sind da Hörer, Hören, Gehörtes?

Ein Geräusch erregt meine Aufmerksamkeit, zu ersten Mal. Zum ersten Mal ist da ein Geräusch. Von Hörer, Hören, Gehörtem weiß ich nichts. (impertinente Gedanken fallen ein: du kannst doch nur dann von etwas sagen, es sei da, wenn du es kennst. Deshalb kann es doch da sein, aber weil du es nicht kennst, meinst du, es sei nicht da) Mir allererstem Menschen scheint: kein Hörer, kein Hören, kein Gehörtes ist da.

Oder tauchen Geräusche im Bewußtsein (einem Bewußtseins-raum) auf, und sind da, bis sie wieder verschwinden.

Ja, so ist es. (Bewußtsein, welches nicht an ein Wesen gebunden ist klingt ziemlich esoterisch – halt die Klappe, Wolf!!)

Rieche an einer Blume. Da ist Duft. Einfach da, nicht wahr?

Ja

Oder "machst" du "riechen"?

Nein ……………………….(manchmal schnüffele ich, wen ich was riechen will)

Ist da mehr als der Duft?

Ja, da bin ich, und da erregt ein Duft meine Aufmerksamkeit so sehr, dass ich mich vergesse, dann ist nur noch das Erleben von Duft da.

Ist dieser Duft separat von DIR? (Vergiß nicht, du weißt gar nix über irgendwas. Vollkommene Amnesie).

Wenn ich nix über mich weiß, weiß ich auch nicht ob ich jetzt gerade Duft bin oder ein andermal Geräusch bin;
Duft scheint was anderes zu sein als Geräusch. Ich weiß nicht, was zu mir gehört und was nicht.

Gibt es "Seher", "Sehen" und "Gesehenes" in direkter Wahrnehmung?

Sichtbares wird wahrgenommen. (impertinenter Gedankenausbruch: wahrnehmen macht nur Sinn, wenn es einen Wahrnehmenden gibt, einen Seher und etwas Sichtbares, das Gesehene – Maul halten, Wolf!!!!) Ohne Gedanken jedoch nimmt die Wahrnehmung keinen Seher wahr, nicht das Sehen und nicht, die Bedeutung des Gesehenen.

Wie findet Sehen statt? "Machst" DU sehen?

Nein, sehen geschieht einfach, so wie riechen (s.o.)

oder ist da nicht eigentlich nur das Gesehene?

Ja, da ist nur das Gesehene ohne Bedeutung (und, wenn es nicht gesehen wird, ist es nicht da)

Gibt es in deiner direkten Wahrnehmung mehr als Birke, Sträucher, Tastatur und Monitor, eine verschwommene Nasenwolke mit Brillenrand?

nein

Wo ist die Grenze zwischen Gesehenem und DIR?

Da ich als allererster Mensch nicht weiß, wer und wie ich bin, weiß ich auch nichts über Grenzen, die ich (oder anderes) haben könnte. In der ersten Erfahrung zeigt sich nur Gesehenes.
Erst wenn eine (jetzt unerlaubte) Verknüpfung dieser Erfahrungen mit dem Erfahrenden geschieht, wird der Erfahrende und damit auch seine Grenzen sichtbar.

Wenn ich ohne zu denken nur wahrnehme, nehme ich mich weniger wahr. Das bedeutet aber nicht, dass es mich nicht gibt. Denn ohne mich gibt es für mich (meine) Welt nicht und gibt es mein Bewußtsein nicht. Ohne mich gibt es keine Grenzen, die mich betreffen.

Mit kommt es schon so vor als wären das so meine letzten Zuckungen bevor dein Fragenschwert meinem Ich den Garaus macht.
Bis dahin einstweilen liebe Grüße aus dem Frühlingsgarten, Wolf

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Re: Wolf - Ingen

Postby Ingen » Tue Apr 24, 2012 8:54 pm

Wunderbar!!!! Applaus!
Das hier war besonders gut:
halt die Klappe, Wolf!!
Und jetzt mal ernsthaft.
Ohne Gedanken jedoch nimmt die Wahrnehmung keinen Seher wahr, nicht das Sehen und nicht, die Bedeutung des Gesehenen.
Brilliant! Lass das mal einsinken. Den Seher gibt es nur in Gedanken.
Wenn ich ohne zu denken nur wahrnehme, nehme ich mich weniger wahr. Das bedeutet aber nicht, dass es mich nicht gibt. Denn ohne mich gibt es für mich (meine) Welt nicht und gibt es mein Bewußtsein nicht.
Es gibt nur deine Welt.Das Universum kann nur von innen wahrgenommen werden. Objektivität ist eine Fiktion, eine nützliche Geschichte. Diese findet, genau wie der "Seher" lediglich in Gedanken statt. ("Wie sähe ich die Welt wenn ich jemand anders wäre...").

Und das, was komplett fehlt in "deiner" Welt, bist du.
Ohne mich gibt es keine Grenzen, die mich betreffen.
Kannst du diese Grenze mal beschreiben?

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Re: Wolf - Ingen

Postby wolf » Wed Apr 25, 2012 7:53 am

Liebe Ingen,

bevor ich deinen Wegweisern folge, leiste ich mir ein kurzes Ausbrechen. Heute früh wachte ich mit folgendem auf:

Alles was ist wird erst durch das wahrgenommen werden.

So wie die über die Radiowellen transportierte Musik erst durch den Radioapparat zur Musik wird.

Stell dir vor, weit weg im Universum, weiter als unsere Geräte schauen können – spielt es eine Rolle ob da was ist oder nicht?

Ich nehme an, da ist lebendiges existierendes Nichts.

Und was davon in unser Leben kommt hängt ab vom benutzten Apparat.

Solange kein Apparat für die Wahrnehmung vorhanden ist, gibt es nichts.

Der Apparat filtriert das chaotische Nichts und macht etwas aus diesem filtrierten Anteil: Musik – Bild – Film. Er erschafft eine Art von Illusion.

Mein Hirn funktioniert ähnlich?

Also ist alles (meine Welt) Illusion? Dieser Tisch, der morgen-sonnen-getränkte Frühlingsgarten und diese tippenden Hände.
Und auch der Apparat, mein KGO, ist Illusion.

So what ?!?!?

Ist das das Ergebnis? Wir hätten die Lösung vom Höhlengleichnis gefunden: hinfort wissen wir, dass nichts wirklich ist, sondern alles nur ein Traum.

Na und?!?!?

Die vielen Satzzeichen lassen meinen Zorn und Enttäuschung erkennen. Ich, happy go lucky, möchte mich drüberweg setzen: es ist mir wurscht, ob dieses wunderschöne Leben ein Traum ist – trotzdem wunderschön, danke, danke, danke!

Ich bin sicherlich mal wieder in eine (verbotene) Sackgasse gelaufen und muss es nun ausbaden.
Holst du mich da wieder raus?

Wolf, kleinmütig

Heute radle ich am sonnigen Bodensee und nehme deine Worte und deine Liebe mit. Ich lass was von mir hören sobald Internet verfügbar ist - dieser Austausch mit dir ist wunderschön, danke

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Re: Wolf - Ingen

Postby wolf » Wed Apr 25, 2012 8:35 am

Liebe Ingen, Gleich zu antworten war mir wichtiger als radeln:

Und jetzt mal ernsthaft.
*Ohne Gedanken jedoch nimmt die Wahrnehmung keinen Seher wahr, nicht das Sehen und nicht, die Bedeutung des Gesehenen.*
Brilliant! Lass das mal einsinken. Den Seher gibt es nur in Gedanken.

Danke für die Blumen, aber: nein, nein, wenn die Wahrnehmung keinen Seher wahrnimmt bedeutet (bei der Beschränktheit der Wahrnehmung) das nicht, dass es keinen Seher gibt. Er wird nur nicht wahrgenommen. ……………. Das wäre meine „normale“ Antwort gewesen.
Jedoch nachdem was ich heute früh schrieb bin ich bescheidener: der Seher ist wohl Illusion, Produkt meiner Vorstellungskraft.

*Wenn ich ohne zu denken nur wahrnehme, nehme ich mich weniger wahr. Das bedeutet aber nicht, dass es mich nicht gibt. Denn ohne mich gibt es für mich (meine) Welt nicht und gibt es mein Bewußtsein nicht.*
Es gibt nur deine Welt.Das Universum kann nur von innen wahrgenommen werden. Objektivität ist eine Fiktion, eine nützliche Geschichte. Diese findet, genau wie der "Seher" lediglich in Gedanken statt. ("Wie sähe ich die Welt wenn ich jemand anders wäre...").

Ja, so ist es.

Und das, was komplett fehlt in "deiner" Welt, bist du.

Das wäre ja noch schöner!! Ich bin der Schöpfer meiner Welt. (Mein Vater pflegte zu sagen, Wolf, du lebst im Wolkenkuckucksheim)

*Ohne mich gibt es keine Grenzen, die mich betreffen.*
Kannst du diese Grenze mal beschreiben?

Nein. - - Schau mal, wenn es mich nicht gibt, wo soll da nichts anfangen oder nichts enden?

Da sind wir wieder an der Stelle, wo ich zögere weiter zu gehen: der, der ich bin, ist lebendiges existierendes nichts und damit grenzenlos und zeitlos; das habe ich gemein mit allen anderen Wesen.

Und mit dir habe ich dieses humorvolle, wache, lebendige, liebevolle Gespräch gemein, welches in mir ein Überfließen von Dankbarkeit, Glückseligkeit und Liebe berwirkt.
Einfach so, Wolf.

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Re: Wolf - Ingen

Postby Ingen » Wed Apr 25, 2012 9:11 am

Ist das das Ergebnis? Wir hätten die Lösung vom Höhlengleichnis gefunden: hinfort wissen wir, dass nichts wirklich ist, sondern alles nur ein Traum.

Na und?!?!?
Nein, wir wissen nicht, dass nichts wirklich ist, wir wissen nur, dass wir nichts wissen.

Was es "da draußen" gibt, und ob es überhaupt etwas gibt, können wir nicht wissen. Du kannst es Chaos oder Gott oder lebendiges Nichts nennen. Wir kennen nur die virtuelle Wirklichkeit des Modells, der Höhle. und nur darüber können wir sprechen.
Die Unterscheidung "draußen" und "drinnen" ist sinnlos.
der Seher ist wohl Illusion, Produkt meiner Vorstellungskraft.
"wohl"? Ist er oder ist er nicht?
Ich bin der Schöpfer meiner Welt.
Wie machst du das?
Kannst du diese Grenze mal beschreiben?

Nein. - - Schau mal, wenn es mich nicht gibt, wo soll da nichts anfangen oder nichts enden?
Da sind wir wieder an der Stelle, wo ich zögere weiter zu gehen: der, der ich bin, ist lebendiges existierendes nichts und damit grenzenlos und zeitlos; das habe ich gemein mit allen anderen Wesen.
Wenn dir klar ist, dass es dich nicht gibt, dann macht es natürlich keinen Sinn, die Grenzen zu beschreiben. Ist es dir klar? Wenn du aber der Schöpfer deiner Welt bist, dann gibt es dich doch?
Und mit dir habe ich dieses humorvolle, wache, lebendige, liebevolle Gespräch gemein, welches in mir ein Überfließen von Dankbarkeit, Glückseligkeit und Liebe berwirkt.
Dieses Gespräch, in dem Gedanken sich gegenseitig anstoßen und Gefühle bewirken, gibt es. Dankbarkeit, Glückseligkeit und Liebe gibt es (auf beiden Seiten). Mich und dich gibt es nicht.

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Re: Wolf - Ingen

Postby wolf » Wed Apr 25, 2012 10:47 am

Trotz herrlichem Sonnenschein sitzt ich lieber hier im Dustern und antworte deinen Gedanken:

Nein, wir wissen nicht, dass nichts wirklich ist, wir wissen nur, dass wir nichts wissen.
Ja.

Was es "da draußen" gibt, und ob es überhaupt etwas gibt, können wir nicht wissen. Du kannst es Chaos oder Gott oder lebendiges Nichts nennen. Wir kennen nur die virtuelle Wirklichkeit des Modells, der Höhle. und nur darüber können wir sprechen.
Ja

Die Unterscheidung "draußen" und "drinnen" ist sinnlos.
Hab´ ich noch nicht begriffen – scheint aber relevant zu sein

*der Seher ist wohl Illusion, Produkt meiner Vorstellungskraft.*
"wohl"? Ist er oder ist er nicht?

Der Seher ist Produkt meiner Vorstellungskraft. Er dient mir zum Verstehen des Sehens.

*Ich bin der Schöpfer meiner Welt. *
Wie machst du das?

Ogottogott . . . das weiß ich jetzt auch nicht. Gib mir etwas Zeit, ich komme darauf zurück.

* Schau mal, wenn es mich nicht gibt, wo soll da nichts anfangen oder nichts enden?*
Wenn dir klar ist, dass es dich nicht gibt, dann macht es natürlich keinen Sinn, die Grenzen zu beschreiben. Ist es dir klar? Wenn du aber der Schöpfer deiner Welt bist, dann gibt es dich doch?

Nein, mir ist noch nicht klar, dass es mich nicht gibt.

Dieses Gespräch, in dem Gedanken sich gegenseitig anstoßen und Gefühle bewirken, gibt es. Dankbarkeit, Glückseligkeit und Liebe gibt es (auf beiden Seiten). Mich und dich gibt es nicht.

Bin glücklich über das, was es gibt. Dass es dich und mich nicht gibt ist mir noch rätselhaft. Ich bemerke in mir einen Widerstand – vielleicht gibt es einen Weg an dem vorbei? (fragt der faule Wolf)
Jedenfalls geht es jetzt für ein paar Tage in den sonnigen Frühling. Sei herzlich gegrüßt du kundige Reiseführerin von deinem Wolf.


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