Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

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Hermann
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Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Mon Nov 21, 2016 3:04 pm

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Hallo liebe Guides. Also möchte ich mich hier kurz vorstellen.
Im Forum werde ich mit dem Namen "Hermann" unterwegs sein, der sich auf den Autor Hermann Hesse bezieht, mit dessen Büchern meine "Reise" damals losging. Auf Liberation Unleashed bin ich in einem Blog gestoßen, als ich mal wieder das Internet nach irgendeiner Antwort durchsuchte, die ich immer noch nicht endgültig erhalten habe. Dort berichtete eine Frau von dem Ende ihrer Suche und verwies auf LU. Danach habe ich ein Interview von Tom mit Teresa Arrieta gesehen und dann wusste ich, dass hier meine Reise zu Ende sein wird. Da ich dieses ewige Konsumieren von "Weisheitswissen" leid bin, möchte ich nun meine Suche endgültig abschließen.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Seit langer Zeit (mittlerweile ca. 20 Jahre) bin ich auf der Suche nach irgendetwas Undefinierbarem. Angefangen hat es damals mit Büchern von Hermann Hesse, die mein Interesse geweckt und den Glauben ausgelöst haben, dass es irgendetwas zu erreichen bzw. zu sehen gibt. Im Laufe der Jahre habe ich mich mit den verschiedensten "Weisheitslehrern" und Systemen beschäftigt (z.B. Eckhart Tolle; zahlreiche Advaita Lehrer, wie Muni, Samarpan etc.; Buddhistische Lehrer in der Theravada Tradition, wie Ayya Khema und Charlie Pils....). Dabei habe ich über die Jahre unregelmäßig meditiert, aber regelmäßig "Weisheitswissen" konsumiert.
Meine Auseinandersetzung mit dem Buddhismus hat mich zur regelmäßigen Praxis gebracht. Seit etwas über einem Jahr meditiere ich fast jeden Tag ca. 45 Minuten (manchmal an Wochenenden ca. 3h über den Tag verteilt) und war auch schon auf verschiedenen Retreats. Das Längste war ein einwöchiges Schweige- und Meditationsseminar.
Die ganze Meditiererei ist ja ganz nett, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass mein Weg mich nicht unbedingt durch die Jhanas führen muss, um Klarblick zu erhalten (wie ich lange angenommen habe). Wobei ich sagen muss, dass ich das erste Jhana sehr unregelmäßig erreicht habe und das meinen Frust erheblich gesteigert hat, als ich festgestellt habe, dass dieses erste Jhana kommt, wenn "der Wille" dazu weg ist. Leider geht dieser Wille nur selten weg, so dass dieses unbeschreibliche Gefühl in der ersten Vertiefung nur äußerst selten da ist.
Durch das Lesen in diesem Forum habe ich nun den Eindruck gewonnen, dass der "Übeltäter" der wenig erfolgreichen Meditiererei nun vielleicht ausgemacht ist. Denn ich glaube, dass dieses "Ich" immer dazwischenfunkt. Es ist ja ein "Ich", welches eine erfolgreiche Meditation haben möchte. Also denke ich nun, dass ich vielleicht das Pferd von hinten aufgezäumt habe mit der Meditation. Mir erscheint es für mich vielversprechender mich mit diesem "Ich" auseinanderzusetzen und dann wird Meditation wohl einfach alleine passieren können. Allerdings nicht mehr als Zweck, um etwas zu erreichen, sondern nur aus Spaß.

Im Forum habe ich in den letzten Tagen einige Berichte gelesen und habe ein paar Übungen einfach mal so mitgemacht. Dabei habe ich den Eindruck, dass es tatsächlich nur die Gedanken sind, die ein "Ich" generieren. Wie die Schreiber in den Berichten auch, konnte ich kein reales "Ich" finden.
Eines abends untersuchte ich mal den "Sucher" in meinem Kopf und gewann den Eindruck, dass es nur ein Gedanke ist, der mein Suchen auslöst. Er sagt ungefähr so etwas: "Ich muss intensiv suchen. Es ist irgendwo da zu entdecken. Mach weiter. Ich habe schon so viel investiert, jetzt soll es auch klappen..." Eine weitere Triebfeder, die ich neben den Gedanken ausmachen konnte, ist ein latent vorhandenes Unzufriedenheitsgefühl, das nach dem Aufwachen endlich weg sein soll. So sagen das zumindest meine Gedanken...
Das "Ich" hinter alledem war für mich nicht zu entdecken. Allerdings bleibt dieser und andere Gedanken weiterhin aktiv, so dass ich verunsichert bin, ob ich WIRKLICH etwas entdeckt habe, oder mir nur etwas vormache, indem ich angelesenes Wissen bejahe, um endlich Ruhe vor dieser anstrengenden Erleuchtungssuche zu haben.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Im Rahmen des Gesprächs möchte ich intensiv alle vorgeschlagenen Übungen zusammen mit einem Guide machen. Ich möchte gemeinsam mit einer erfahrenen Person intensiv dieses Körper-Geist-System durchleuchten, damit ich nicht Gefahr laufe, mir irgendetwas einzubilden. Dabei möchte ich die direkte Erfahrung nutzen, um mal richtig nachzuschauen, "was da los ist". Da ich ein Kopfmensch bin, erhoffe ich mir von einem Guide, dass er vielleicht besser als ich erkennt, wann meine direkte Wahrnehmung durch Denkprozesse verzerrt wird und ich wieder auf die DE gestubst werde :)

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden? 11

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Mon Nov 21, 2016 8:03 pm

Hi :-)

Ayya Khema war meine erste Lehrerin…
Geh in der Meditation, die 1. Jhana wenn es klappt, verweile da ein wenig und schaue ob da ein „Ich“ zu finden ist.

Lass dir dafür so viel Zeit wie du brauchst :-)


_()_

Ps. kurze Antworten, max 15 Zeile, wären mir lieber...
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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Tue Nov 22, 2016 5:52 pm

Dass Ayya Khema deine erste Lehrerin war, ist ja ein schöner Zufall. Ihre Erklärungen schätze ich sehr :)

Nun zum Eingemachten: Gestern Abend und heute nach der Arbeit habe ich etwas länger "meditiert", bzw. meinen Atem beobachtet. Leider kam ich nicht in die erste Vertiefung. Insgesamt würde ich auch nur 3-4 Meditationen innerhalb eines Jahres mit diesem Begriff bezeichnen :(

Leider kam ich auch diese Male nicht in "richtige Meditation", sondern gestern Abend in angrenzende Sammlung und heute war nur ein unruhiger Geist zu beobachten. Die erste Vertiefung steht mir als Zustand zur Erforschung nicht zur Verfügung :(

"Leichte ICH´s" konnte ich dabei in den Gedankengängen ausmachen, die sich auf die tagesaktuellen Vergangenheits-geschichten bezogen. Diese Geschichten schwirrten durch den Geist und konnten leicht losgelassen werden.

Ein "starkes ICH" konnte ich gerade gegen Ende der heutigen Meditation ausmachen, als ich mich darüber ärgerte, dass es mit der Vertiefung nicht klappte. Da waren dann 1. ein ICH-Gedanke + 2. eine Story (kann das nicht) + 3. ein starkes Gefühl (Ärger) miteinander verknüpft. Dieses Dreiergespann ist allerdings stark identitätsstiftend und kann dann nicht mehr losgelassen werden.

Vielen Dank im Voraus für deine Hilfestellung dazu :)

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Tue Nov 22, 2016 6:17 pm

"Leichte ICH´s" konnte ich dabei in den Gedankengängen ausmachen…
Gehe in die Ruhe, so weit wie möglich, und schaue wer/was das „Ich“ sei, was das "Leichte ICH´s" erkennt.
Was kannst du zu diesem „Ich“, der „Beobachter“, sagen? Versuche „mit ihm“ „in ihm“ zu verweilen. Was wird erlebt?

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Tue Nov 22, 2016 8:52 pm

Was kannst du zu diesem „Ich“, der „Beobachter“, sagen? Versuche „mit ihm“ „in ihm“ zu verweilen. Was wird erlebt?
Die konkreten Erlebnisse decken sich leider überhaupt nicht mit dem, wie es eigentlich sein sollte. Meine Erwartung ist, dass irgendetwas mit Worten nicht Beschreibbares, aber konkret Erlebbares erfahren wird. Stattdessen können die Erfahrungen gut beschrieben werden, sind aber irgendwie total wechselhaft.

Meine Erfahrungen: Der Beobachter selbst ist total schwankend.

Einige leichtere Gedanken, dass heißt ohne stärkere Emotionen, wurden quasi an einem Ort wahrgenommen, der irgendwie im Kopf festgemacht werden kann. Es war ein bisschen so, als konnten sie in einem (Beobachter-)Raum wahrgenommen werden. Dieser Raum war aber nicht unendlich oder so, sondern erschien mir eher als "Räumchen".

Bei stärkeren Gedankengängen (also mit stärkeren Emotionen), wurden die Emotionen örtlich konkret von Solarplexus bis Hals wahrgenommen und die zugehörigen Gedanken erschienen quasi wie direkt vor meinen Augen, also ohne Raum oder sowas. Der Beobachter schien hier direkt an der Erfahrung zu kleben.

Manchmal kam dann ein weggetragen werden von einer im Inneren erzählten Geschichte. Dann war es so, als würde der Beobachter mitten in diesen Geschichten stecken, irgendwo weit weg in einer Fantasiewelt.

Dann gab es noch sowas wie ein "müdes Säuseln", so ähnlich wie abends vor dem Einschlafen. Wie es da um den Beobachter stand, kann ich irgendwie gar nicht beurteilen.

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Tue Nov 22, 2016 9:10 pm

Der Beobachter selbst ist total schwankend.
Und was/wer beobachtet den „Beobachter“?

Gäbe es kein „Beobachtung der Beobachter“, so könntest du darüber nicht berichten…
Das heißt dass es noch eine Etage tiefer geht und dass „du“ dazu ein Zugang hast.

Schau noch mal. Beobachte den Beobachter. Was wird erlebt?

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Wed Nov 23, 2016 9:25 pm

Und was/wer beobachtet den „Beobachter“?
Hallo Joram,
zuerst habe ich mir überlegt, wie das Beobachten des Beobachters gemacht werden könnte. Da es auf direktem Wege nicht ging, habe ich mir ein Beobachtungsobjekt genommen: Das Heben und Senken der Bauchdecke. Diese Bewegung konnte zwar gesehen werden, aber es gesellten sich auch schnell wieder Gedanken und Emotionen in diese Beobachtung. Sicher bin ich mir nur, dass da beobachtet wurde, aber der Beobachter selber ist irgendwie gar nicht auffindbar. Das Gleiche habe ich dann mit dem Sehen probiert, einen Seher konnte ich nicht sehen. Ein Beobachter des Beobachters ist für mich nur in Gedanken auffindbar, die sagen:" Oh, es wird beobachtet, also muss es einen Beobachter geben". Damit bin ich allerdings leider nicht "eine Etage tiefer" gegangen, sondern gewann nur den Eindruck, dass die Gedanken da etwas geschaffen haben.
Gäbe es kein „Beobachtung der Beobachter“, so könntest du darüber nicht berichten…
Diese Ausführungen implizieren, dass es da noch eine weitere beobachtende Instanz geben müsste. Also habe ich versucht herauszufinden, "wohin" die ganzen Beobachtungen gehen. Allerdings kann ich dazu nichts sagen, keine Ahnung. Ist der Beobachter des Beobachters vielleicht nur ein Gedankliches Etikett eines Körper-Geist-Systems hinsichtlich eines "übergeordneten" Beobachters?

Das Ganze macht ich gerade total durcheinander

LG Hermann

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Thu Nov 24, 2016 12:22 am

Hmm… vielleicht habe ich es zu kompliziert erklärt…
habe ich mir ein Beobachtungsobjekt genommen: Das Heben und Senken der Bauchdecke.
Bauchdecke ist wahrgenommen worden. Auch dass die Bauchdecke wahrgenommen ist, ist wahrgenommen.
aber der Beobachter selber ist irgendwie gar nicht auffindbar.
Bedarf der Beobachtungsprozess (der Bauchdecke) wirklich ein „Beobachter“?
Schau hin :-)

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Thu Nov 24, 2016 5:03 pm

Auch dass die Bauchdecke wahrgenommen ist, ist wahrgenommen.
Die Wahrnehmung kann ich als solche, d.h. als Anschauungsobjekt, zwar nicht wahrnehmen, aber mir ist sonnenklar, dass Bewusstsein da ist. Was die Wahrnehmung genau ist, kann ich allerdings nicht sagen. Es erscheinen irgendwie Dinge.
Bedarf der Beobachtungsprozess (der Bauchdecke) wirklich ein „Beobachter“?
Die Antwort darauf sollte wohl "nein" heißen.
Allerdings sieht meine Erfahrung etwas anders aus. Gestern bin ich mit dieser Frage - in meinem Bewusstsein - ins Bett gegangen. Dann habe ich geschlafen und die Frage war weg. Der komplette Beobachter war weg. Heute morgen schellte der Wecker und "schwups", der Beobachter wurde mitsamt der Frage wieder angeschaltet. Der Beobachter ist wohl mit dem Wach-Schlafrhythmus verbunden.
Mein derzeitiger Stand: Der Beobachter scheint eine Körperfunktion zu sein, wie die Verdauung.

Dann habe ich mich heute nach der Arbeit hingesetzt und mir das nochmal angeschaut. Bei der Beobachtung der Bauchdecke machte ich die gleiche Erfahrung, wie so oft. Die Anschauungsobjekte wechseln: Von der Bauchdecke zu irgendeiner Geschichte im Kopf, dann zu meiner Hand, zur Anspannung im Kopf und so weiter...
Es scheint also so zu sein, dass da immer 2 Dinge zusammenkommen müssen: Der Beobachter und das Beobachtete.
Es wirkt so, als würde der Beobachter durch den Körper und die Sinneswahrnehmungen hüpfen wie er will. Dabei ist noch nicht einmal feststellbar, ob der Geist unruhig ist, oder der Beobachter.

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Thu Nov 24, 2016 7:21 pm

Deine Beobachtungen sind schon stimmig. Da stecken aber eine Annahme oder zwei drin, die wir genauer anschauen müssen:
Die Wahrnehmung kann ich als solche, d.h. als Anschauungsobjekt, zwar nicht wahrnehmen, aber mir ist sonnenklar, dass Bewusstsein da ist. Was die Wahrnehmung genau ist, kann ich allerdings nicht sagen. Es erscheinen irgendwie Dinge.
Woher die Vermutung, dass die Wahrnehmung ein „Ding“ sein soll? – Keine einfache Frage…
Allerdings sieht meine Erfahrung etwas anders aus. Gestern bin ich mit dieser Frage - in meinem Bewusstsein - ins Bett gegangen. Dann habe ich geschlafen und die Frage war weg. Der komplette Beobachter war weg. Heute morgen schellte der Wecker und "schwups", der Beobachter wurde mitsamt der Frage wieder angeschaltet.
Und? Wie groß, wie schwer, was für Farbe hat der Beobachter? ;-)

Was ist definitiv da, ein „Beobachter“, oder die Tatsache, dass ein „Beobachtungsprozess“ Stattfindet?

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Thu Nov 24, 2016 8:28 pm

Erstmal muss ich ein Dankeschön loswerden, dass du dich um die Suche von irgendeiner dir fremden Person kümmerst :)
Hermann hat geschrieben:
Die Wahrnehmung kann ich als solche, d.h. als Anschauungsobjekt, zwar nicht wahrnehmen, aber mir ist sonnenklar, dass Bewusstsein da ist. Was die Wahrnehmung genau ist, kann ich allerdings nicht sagen. Es erscheinen irgendwie Dinge.

Woher die Vermutung, dass die Wahrnehmung ein „Ding“ sein soll? – Keine einfache Frage…
Da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Mit "Es erscheinen irgendwie Dinge", meinte ich, dass die Beobachtungen (Körper liegt auf dem Bett, Atemvorgang etc.)einfach geschehen und ich eben nicht sagen kann, was die Wahrnehmung überhaupt ist. Sie selber erscheint mir eben nicht als Ding und ist daher nicht anschaubar.
Die Wahrnehmung selber ist das große Fragezeichen, quasi "Aktenzeichen xy ungelöst".

Hermann hat geschrieben:
Allerdings sieht meine Erfahrung etwas anders aus. Gestern bin ich mit dieser Frage - in meinem Bewusstsein - ins Bett gegangen. Dann habe ich geschlafen und die Frage war weg. Der komplette Beobachter war weg. Heute morgen schellte der Wecker und "schwups", der Beobachter wurde mitsamt der Frage wieder angeschaltet.

Und? Wie groß, wie schwer, was für Farbe hat der Beobachter? ;-)

Was ist definitiv da, ein „Beobachter“, oder die Tatsache, dass ein „Beobachtungsprozess“ Stattfindet?
Dieser Beobachter ist ja leider nicht auffindbar, das ist ja das, was mich so nervt :/
Während meiner Suche habe ich so oft gehört und gelesen, dass mein wahres ICH der Beobachter sei, aber der ist ja gar nicht auffindbar. Meine Vermutung ist, dass die Meditationspraxis sich noch nicht weit genug entwickelt hat und er daher noch nicht sichtbar wird?!?

Der Beobachtungsprozess selber dagegen ist völlig klar, den gibt es natürlich. Keine Ahnung, was es genau ist, aber dass es ist, ist natürlich klar. Das ist beim Schreiben in diesem Moment auch deutlich.
Wenn dieser Beobachtungsprozess selber wenigstens konstant wäre, dann könnte ich wenigstens zu diesem Prozess sagen, dass er mein wahres ICH ist. Aber Nachts schaltet er sich ja immer ab und nach dem körperlichen Tod wohl auch :/

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Thu Nov 24, 2016 9:06 pm

Dieser Beobachter ist ja leider nicht auffindbar, das ist ja das, was mich so nervt :/
Während meiner Suche habe ich so oft gehört und gelesen, dass mein wahres ICH der Beobachter sei, aber der ist ja gar nicht auffindbar. Meine Vermutung ist, dass die Meditationspraxis sich noch nicht weit genug entwickelt hat und er daher noch nicht sichtbar wird?!?
„gehört und gelesen“ – genau das ist das Problem.
„mein wahres ICH der Beobachter sei“ - Der Satz ist so „dualistisch“, dass er gar kein Wahrheitsinhalt haben kann…

Ansonsten hast du schon richtig erkannt:
Kein Beobachter zu finden. – Das ist wahr.

Fang doch mit der eigene direkte Erfahrung an, bevor du irgendetwas glaubst ;-)
Was wird erlebt, was IST? Was kann nie geleugnet werden? Nur das ist wahr.

Ist es ein „Problem“ oder vielleicht die „Lösung“, dass der „Beobachter“ nicht auffindbar ist?

Was wäre, wenn wirklich kein Beobachter existiert?

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Thu Nov 24, 2016 10:00 pm

Ansonsten hast du schon richtig erkannt:
Kein Beobachter zu finden. – Das ist wahr.
Ok, ich kann sagen, dass ich noch nie direkt einen gesehen habe und auch jetzt keinen sehe.
Was wird erlebt, was IST? Was kann nie geleugnet werden? Nur das ist wahr.
Was definitiv erlebt wird sind die Wahrnehmungen der fünf Sinne, die Körperempfindungen und Gedanken. Genauso sind die Verbindungen dazwischen erlebbar, z.B. habe ich gerade gesehen, dass du geantwortet hast, dann kam eine Körperempfindung (Anspannung) und Gedanken ("Oh, das muss ich jetzt unbedingt lesen.").

Erlebbar ist indirekt auch, dass die Wahrnehmung nachts pausiert, indem sie morgens wieder "anspringt".

Erlebbar ist auch, dass sich die Wahrnehmungen auf ein Zentrum ausrichten, welches der Körper ist. Gerade schaue ich auf den Bildschirm und die Bilder sind quasi auf den Kopf ausgerichtet. Wahrnehmungen gibt es immer nur dort, wo auch gleichzeitig der Körper wahrnehmbar ist.
Ist es ein „Problem“ oder vielleicht die „Lösung“, dass der „Beobachter“ nicht auffindbar ist?
Gerade fällt mir auf, dass ich zwar nicht direkt den Beobachter wahrnehmen kann, aber weil sich eben die Wahrnehmungen auf den Körper als Zentrum ausrichten, der Körper für mich als "Verursacher" und damit als "quasi Beobachter" des Wahrnehmungsprozesses erscheint. Da steckt eine extrem starke gefühlte Identifikation mit dem Körper drin und folgende Gedanken entstehen:

"In Wirklichkeit bin ich wohl doch der Körper." und "Auf den Körper muss extrem aufgepasst werden, ansonsten versagt er seinen Dienst und der Wahrnehmungsprozess ist weg und das wars dann!" und "Scheiße, irgendwann wird er sowieso verschwinden. Das kann doch eigentlich alles nicht wahr sein." und "Ich muss doch verdammt nochmal irgendwie dauerhaft überleben können. In einem Beobachter, als Wahrnehmungsprozess oder sonst wie."

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Thu Nov 24, 2016 10:23 pm

Gerade eben kommt eine kleine Panik bei dem Gedanken auf, dass es irgendeine "höhere Wahrnehmung" oder Bewusstseinsstufe oder so gar nicht gibt, sondern nur einen Wahrnehmungsprozess, der durch den Körper bedingt ist.

Denn der nächste Gedanke geht gerade ungefähr so:
"Früher oder später ist mit dem Körper ja eh zu Ende und ich muss in das schwarze Loch, wo nichts mehr ist und sein wird. Dann gibt es keine Wahrnehmung mehr oder sonst was."

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Thu Nov 24, 2016 10:53 pm

Es sind alles schöne Gedanken die ich auch gerne beantworten würde, nur ist es zu viel für jetzt…
Ist es ein „Problem“ oder vielleicht die „Lösung“, dass der „Beobachter“ nicht auffindbar ist?
Gerade fällt mir auf, dass ich zwar nicht direkt den Beobachter wahrnehmen kann, aber weil sich eben die Wahrnehmungen auf den Körper als Zentrum ausrichten, der Körper für mich als "Verursacher" und damit als "quasi Beobachter" des Wahrnehmungsprozesses erscheint. Da steckt eine extrem starke gefühlte Identifikation mit dem Körper drin und folgende Gedanken entstehen:
"In Wirklichkeit bin ich wohl doch der Körper." und "Auf den Körper muss extrem aufgepasst werden, ansonsten versagt er seinen Dienst und der Wahrnehmungsprozess ist weg und das wars dann!" und "Scheiße, irgendwann wird er sowieso verschwinden. Das kann doch eigentlich alles nicht wahr sein." und "Ich muss doch verdammt nochmal irgendwie dauerhaft überleben können. In einem Beobachter, als Wahrnehmungsprozess oder sonst wie."
Die wichtigste Trennung machst du nicht und dadurch übersiehst du immer noch das Wichtigste.

Es gibt das was direkt erfahren wird und das was daraus zusammengereimt wird. Die Zwei müssen unbedingt getrennt werden.
Nachts wissen wir nicht was mit der Wahrnehmung passiert. Es ist nicht so dass die Wahrnehmung „nicht da ist“. Wahr ist nur das „Nicht wissen“. Punkt. Im „Nicht Wissen“ zu verweilen ist für uns nicht angenehm. Deshalb erfinden wir Geschichten wie „Die Wahrnehmung ist nicht da“. Es ist leichter zu ertragen als „nicht zu wissen“.

Zu: „die Wahrnehmungen auf den Körper als Zentrum ausrichten“ – Stimmt nicht. Das „Sehen“ zum Beispiel, richtet sich nach außen. Man vergisst sich selbst, wenn ein Film spannend ist… (Ist aber eine Nebenbaustelle, lassen wir das jetzt)
"Scheiße, irgendwann wird er sowieso verschwinden. Das kann doch eigentlich alles nicht wahr sein." und "Ich muss doch verdammt nochmal irgendwie dauerhaft überleben können. In einem Beobachter, als Wahrnehmungsprozess oder sonst wie."
Die Gedanken kommen nur weil du nicht weißt wer du bist *lach* ;-)

Die Frage ist immer noch nicht beantwortet worden:
Ist es ein „Problem“ oder vielleicht die „Lösung“, dass der „Beobachter“ nicht auffindbar ist?
Gerade eben kommt eine kleine Panik bei dem Gedanken auf, dass es irgendeine "höhere Wahrnehmung" oder Bewusstseinsstufe oder so gar nicht gibt, sondern nur einen Wahrnehmungsprozess, der durch den Körper bedingt ist.

Denn der nächste Gedanke geht gerade ungefähr so:
"Früher oder später ist mit dem Körper ja eh zu Ende und ich muss in das schwarze Loch, wo nichts mehr ist und sein wird. Dann gibt es keine Wahrnehmung mehr oder sonst was."
Na, identifizieren wir uns mit dem Körper? ;-)
Es ist nur eine Identifikation, keine Wahrheit ;-)

Und hast du keine Angst schlafen zu gehen? Da fällst „du“ gerne in dem „nicht wissen Zustand“.

Wenn du den Körper siehst/erkennst, kannst du nicht der Körper sein…
Eher bist du dann das was den Körper sieht/erkennt…
Aber auch das was den Körper erkennt, wird erkannt. Da sind wir aber an einem Punkt wo die Sprache versagt.
Etwas Ewiges muss auch da, „in mir“ sein, ansonsten könnte dieser Körper in einer ewigen Welt nicht eistieren…

Und wenn "wir" nur "Ichlose Abläufe" sind - ist es schlimm?

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