1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Es gibt kein Selbst/Ich/Mich. Es gibt nur die Sinneseindrücke plus Denken. Das alles geschieht automatisch, es braucht keinen Seher zum sehen, Denker zum denken etc.
Selbst jetzt als ich das schreibe, führt es wieder zu erstaunen. Das alles hier geschieht keinem.
Demzufolge war da auch vorher niemand. Nur ein Strom von Gedanken, die immer wieder ein Ich behauptet haben.
Tatsächlich ist da aber nur Denken.
2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich Illusion besteht darin, alles wahrnehmbare, gedanklich auf ein vorgestelltes Ich, eine scheinbare innewohnende Entität zu beziehen.
Dadurch entsteht automatisch ein Hier und Dort. Ich, in Abgrenzung zur restlichen Welt.
Vermutlich macht das die Menscheit seit Beginn aller Zeiten. Wird man nun im Umfeld von anderen scheinbaren Ichs herangezogen/konditioniert, beginnt irgendwann offensichtlich der feste Glaube an ein innewohnendes Selbst.
3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben?
Es gibt nichts zu durchschauen, nur immer wieder die Erkenntnis, dass da keiner ist und es nur Wahrnehmung gibt, nur Leben.
"Ich habe durchschaut" ist nur ein Gedanke, glaubt man diesem Gedanken auch noch, ist man wieder zurück auf Los...
Vielleicht ist das mit dem torlosen Tor gemeint, dass ist gedanklich einfach nicht machbar und gleichzeitig war es noch nie anders...
Was ist anders im Vergleich zu davor?
Einerseits ist alles wie vorher. Wut, Freude, Entspannung etc., dass ganze Erleben bleibt gleich.
Und doch ist jedesmal klar, das hat/macht keiner, es geschieht einfach. Dadurch ist bei vielen "Geschichten" schneller die Luft raus. Kleinere persönliche Geschichten verpuffen dadurch meist innerhalb kürzester Zeit.
Die anstrengenden Geschichten, die man jahrelang geglaubt hat, stehen jetzt wie ein Elefant im Raum und werden wahrgenommen, anstatt gedanklich schmerzhaft weggedrückt. Keine Ahnung wo da die Reise hingeht.
Auch hier gilt das macht keiner und die Gedanken erscheinen einfach. Ein Riesen Unterschied zu, "Ich bin Schuld".
4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Klingt vielleicht bescheuert, aber irgendwann kam das Gefühl "Die Mitte ist leer" auf. Da wo ich dachte gefühlt im Körper zu sein, war nix.
Durch das immer wieder nachschauen mit dir, war irgendwann klar, dass es nur Wahrnehmung gibt, aber ein innewohnender Wahrnehmender nicht mehr als eine gedankliche Vorstellung ist.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich?
Das alles findet ausschliesslich in Gedanken darüber statt, nachdem eine Situation bereits geschehen ist.
Jegliches Handeln findet im Kontext der gerade gegebenen äußeren Einflüsse statt, dazu kommt die eigene Konditionierung/Lebensgeschichte, die das jeweilige unmittelbare Handeln bestimmt.
Es gibt keinen Handelnden und somit auch keinen Verantwortlichen. Das wirklich zu erkennen, ist aktuell mein Gradmesser geworden, um zu erkennen wo noch Geschichten geglaubt werden...auch wenn das ganze geschriebene ziemlich sachlich klingt, ist hier doch noch ganz schön Achterbahn...
Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden sein oder geschehen können?
Nein, es ist unmöglich. Ich weiß ja nichtmal hundertprozentig den nächsten Satz, bevor die Finger ihn hier tippen.
Es ist völlig egal was ich anführe. Ob das kratzen am Kinn gerade, dass hören eines bellenden Hundes, der Gedanke "wo kommt das her", die Lust kurz aus dem Fenster zu sehen.
Es ist einfach da und kann im Nachhinein erst gedanklich interpretiert/zu eigen gemacht werden.
Demzufolge hätte nichts anders geschehen/entschieden werden können, egal wie schmerzhaft/sehnsüchtig etc. Gedanken das im Nachhinein darstellen.
6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
Das ganze hier hat nichts mit der Art Spiritualität zu tun, nach der alle suchen und die überall angeboten wird.
Hier gibt es kein persönliches Happy-End.
Eher ist es sogar so, dass es jetzt kein ausweichen/schönreden/vormachen im Erleben mehr gibt.
Wer sollte das machen und wie ? Diese kindliche auf andere zeigen funktioniert nicht mehr richtig.
Und gleichzeitig fühlt sich das alles so viel echter an.