Postby wer » Sat May 29, 2021 11:34 pm
Am 24.05. schrieb ich: „Verantwortlich bin ich für jede Entscheidung, so oder so zu handeln, beispielsweise, bei LU mitzumachen. Mit jeder Handlung verbindet sich eine Absicht, also eine Richtung, in der gehandelt werden möchte … und sei es, diesem Ich-Gefühl auf den Grund zu gehen. Dem freien Willen gegenüber bin ich misstrauisch geworden: Wie frei ist Mensch, wenn sie oder er im Ich-Gefühl gefangen ist, dieses als die Grundlage allen Seins annimmt? Selbst mit dieser großartigen Erkenntnis ist jenes Ich-Gefühl so eingewöhnt, dass ich es noch oft durchschauen muss, bis ich ihm nie wieder zu Liebe so oder so handele.“
Unsicher bin ich noch ordentlich auf ichlosen Beinen …
So, jetzt noch weiter zurück:
Da ist die Erkenntnis, dass Gedanken etwas sehr sprunghaft, assoziatives haben. Auf sie ist kein Verlass. Wenn freier Wille ausschließlich auf Gedanken beruht, muss er also in „zufälliger Wille“ umbenannt werden. Dennoch gibt es Entscheidungen: Möglichst keinem Menschen Gewalt anzutun, Kinder in die Welt zu setzen und sie möglichst gut in diese Welt hineinzuführen. Nicht zu lügen. Meiner Wahrnehmung von der Welt möglichst weit auf den Grund zu gehen … es gibt also Entscheidungen. Wenn ich aber keine Entscheidungsmöglichkeit sehe, kann ich nicht entscheiden. Dann ist jeder freie Wille hier nutzlos. Es hängt also von der Sicht …, der Perspektive auf eine Situation ab. Sind Entscheidungsmöglichkeiten sichtbar, ist mein Wille gefragt. Ich ahne, dass in sehr ichlastigen Momenten ein freier Wille deshalb nicht da ist, weil der Ich-Blick nur eine oder wenige Perspektiven eröffnet, dann also von einem freien Willen kaum gesprochen werden kann.