Morgenstund hat Gold im Mund.

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Barbarossa
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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby Barbarossa » Sat May 22, 2021 9:04 am

Entweder weil noch der Glaube besteht es gäbe ein Ich.
Oder, wenn das nicht mehr der Fall ist, durch die Konditionierung, weil Jahre lang an das Ich geglaubt wurde.

Ist die Ich-Illusion durchschaut?
Bist du dir zu 100% sicher, dass es kein Ich gibt?

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby wer » Sat May 22, 2021 11:44 am

Ja – es ist sicher, dass es kein Ich gibt. Es fühlt sich noch ein bisschen „wacklig auf den ichlosen Beinchen“ an … die Sorge vor diversen Rückfällen … da muss ich wieder schmunzeln: ALLES ist, wie es wahrgenommen wird. Auch das Gefühl aus diesem ALLEN herauszufallen, weil ein Ichgefühl mit so einem Sich-zusammenzieh-Gefühl verbunden wird, ist dann halt das, was da ist. Trotzdem „strömt“ es weiter, mal mit -, mal ohne Ich. Beständig ist´s nicht.
Das zu sehen, ist so in der täglichen Meditation angekommen, dass es gut tut. Letztendlich ist alles wie vorher, nur mit gefühlt klarerem Blick. Auch im Alltag ist es „klarer“ geworden. Durch eine Distanziertheit gegenüber jenem Ichgefühl entsteht eine neue Inniglichkeit … da fehlt mir noch eine passende Ausdrucksweise. Auf jeden Fall bin ich für diese „Anleitungen“ sehr dankbar. Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl … davon kommt bestimmt ein bisschen bei Dir an :-)

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby Barbarossa » Sat May 22, 2021 12:10 pm

Auf jeden Fall bin ich für diese „Anleitungen“ sehr dankbar. Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl … davon kommt bestimmt ein bisschen bei Dir an :-)
Ja, das tut es. :-)

Durch eine Distanziertheit gegenüber jenem Ichgefühl entsteht eine neue Inniglichkeit … da fehlt mir noch eine passende Ausdrucksweise.
Inniglichkeit passt doch gut.
Ungetrenntheit oder Ganzheit finde ich gut. Oder Ein-heit.


"Rückfälle" sind normal und in Ordnung.
Ein alter Glaube sitzt tief.
Wann immer es scheint als gäbe es ein Ich ist es eine gute Idee mit den Sinnesorganen nachzuschauen ob wirklich ein Ich da ist, bzw. was jetzt wirklich alles da ist.
Dann werden die wackeligen ichlosen Beinchen stärker, und stabiler und hören auf zu wackeln. ;-)


Hast du ansonsten noch Fragen?
Unsererseits wären dann nur noch die Abschlussfragen offen.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby wer » Sun May 23, 2021 11:26 pm

Lieber Barbarossa, das habe ich befürchtet :-) Habe selten eine so intensive „Selbstauseinandersetzung“ erlebt. Genieße gerade jeden Augenblick, jede kleine Entdeckung, jede Anstrengung, jedes altgewohnte Gefühl, weil ich nun weiß, dass es so wie es ist ganz ist. Da ist nichts mehr, was nicht perfekt wäre, weil alles so ist, wie es ist. Am Anfang ist der Berg der Berg, in der Mitte ist der Berg nicht mehr der Berg, am Ende ist der Berg der Berg. Es ist wahrhaftig so. Dieser Spruch ist nun lebendig …
Ich habe vor 25 Jahren Zuflucht genommen und das Bodhisattvagelübde abgelegt und tue es jeden Tag mit „Hung“ und „Ho“ in der denkbar schlichtesten Form immer noch täglich. Außer dem Wahrnehmen des steten Strömens ist mir keine Praxis geblieben. Wenn ich in irgendeiner Weise dazu beitragen kann, anderen auch diese Entdeckung zu ermöglichen, das was schon immer da ist als solches zu erkennen, dann täte ich es gerne.

Ich bin beeindruckt, so etwas über digitale Medien zu erleben. Natürlich würde ich Dir gerne in der analogen Welt begegnen … alles zu seiner Zeit. Dann lege mal los mit den Abschlussfragen.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby Barbarossa » Mon May 24, 2021 9:04 am

Wenn ich in irgendeiner Weise dazu beitragen kann, anderen auch diese Entdeckung zu ermöglichen, das was schon immer da ist als solches zu erkennen, dann täte ich es gerne.
Ja da gibt es tatsächlich eine Möglichkeit.
Natürlich würde ich Dir gerne in der analogen Welt begegnen … alles zu seiner Zeit.
Alles zu seiner Zeit. :-)

1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.

4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden oder geschehen können?

6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby wer » Mon May 24, 2021 11:16 pm

Hier die Antworten zu den Fragen:
1) Ein eigenständiges Ich (Mich, Selbst) gibt und gab es nirgendwo – zu keiner Zeit, an keinem Ort.

2) Die Ich-Illusion besteht darin, einen Beobachter aller Wahrnehmung als unabhängig und außerhalb der Wahrnehmung zu denken. Unterstützt wird diese Verwirrung durch das Verwechseln und unscharfe Trennen von Gedanke und Empfindung. Ist das Denken eines vermeintlich unabhängigen Beobachters zur Gewohnheit geworden, so fühlt sich das wie eine Empfindung an, obwohl es „nur“ ein Gedanke ist.
Die Ich-Illusion entsteht also dadurch, dass sich das Denken um sich selber dreht und es sich wie heraushebt aus allen anderen Sinneswahrnehmungen. Es beginnt mit dem Benennen reiner Sinneswahrnehmungen (Fühlen, Schmecken, Riechen, Hören, Sehen). Hier beginnt die erste Verwirrung: Eine Wahrnehmung ist alleine die reine Wahrnehmung, die Benennung eines Sinneseindruckes ist bereits gedacht. Zwischen beiden besteht keine Verbindung, jene Benennung ist wie „draufgelegt“ auf die Sinneswahrnehmung. Schnell wird jedoch die Benennung verwechselt mit der reinen Wahrnehmung. In diesem diffusen Sinneseindrucks-Denken-Konglomerat entsteht ein Ich-Gefühl. Das gedankliche Verarbeiten von Sinneseindrücken (Benennen → Einsortieren, Systematisieren → Interpretieren, Beurteilen → Handlungsmuster aktivieren → …) fühlt sich dann immer „ichiger“ an.
Besonders stark wird das Ich-Gefühl empfunden, wenn andere Menschen ein Verhalten leben, das so garnicht zu den gewohnten Denkmustern passt. Das Ich-Gefühl steigert sich zu einem gefühlten „Kern“, der verteidigt werden muss.

3) Die Entdeckung, dass jenes Ich der Trugschluss einer Verwirrung ist, dass es also allein Wahrnehmung gibt - Gedanken und Sinneseindrücke alle zu einer Wahrnehmung gehören, außerhalb derer es nichts gibt - diese Entdeckung geht mit einem starken Gefühl der Befreiung und Erleichterung einher. Es ist zum Lachen.
Anders ist der distanzierte, „emanzipierte“ Blick auf dieses Ich-Gefühl. Das Ich ist nicht mehr existenziell. Treten Zustände auf, in denen das Gefühl der „Kern-Verteidigung“ stark wird, so werden diese Gefühle schärfer wahrgenommen, ausgehalten und deren Abklingen genauer beobachtet. Unangenehme Gefühle werden angenommen und durchlebt. Schöne Momente natürlich auch. Das Leben fühlt sich voller an. Freude, pure Freude.

4) Das Ermutigen, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, war wichtig. Natürlich war davor schon immer wieder die angeleitete Entdeckung, dass die Wahrnehmung schlicht richtig so ist, wie sie ist. Das musste wohl offensichtlich öfter von verschiedenen Seiten her kommend wiederholt werden. Irgendwann wird klar, dass immer das gleiche Beobachtungsresultat vorliegt: Dieses außenstehende Ich gibt es nicht.
Interessanterweise wuchs die Sicherheit durch zuvor immer erneut erlebte kurze Verunsicherungen. Diese Zeilen markieren den „letzter Schubs“:
„Diese Aufgabe, zwischen Sinneseindrücken und Gedanken zu unterscheiden, hat zu Verwirrung geführt. Aber das ist auch nichts anderes als eine Wahrnehmung – zugegeben eine unangenehme, aber das spielt keine Rolle. Interessant: Dieses Überfordertsein mit dem ständigen „Registrieren“ hat sich sehr ichig angefühlt.
In dem Moment, als klar wurde, dass ALLES in der Wahrnehmung erscheint – auch das Beobachten derselben – trat eine Erleichterung ein. Ich musste lachen. Das Gefühl, dass mir da etwas entwischt, trat nur auf, weil ich sehr perfektionistisch unterscheidend an die Beobachtung ranging. Letztendlich fehlt da nichts. Wahrnehmung ist vollständig. Außerhalb dessen gibt’s nichts.“

5) „Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden oder geschehen können?“ Diese Frage stellt sich nicht – es ist wie es ist.
Verantwortlich bin ich für jede Entscheidung, so oder so zu handeln, beispielsweise, bei LU mitzumachen. Mit jeder Handlung verbindet sich eine Absicht, also eine Richtung, in der gehandelt werden möchte … und sei es, diesem Ich-Gefühl auf den Grund zu gehen. Dem freien Willen gegenüber bin ich misstrauisch geworden: Wie frei ist Mensch, wenn sie oder er im Ich-Gefühl gefangen ist, dieses als die Grundlage allen Seins annimmt? Selbst mit dieser großartigen Erkenntnis ist jenes Ich-Gefühl so eingewöhnt, dass ich es noch oft durchschauen muss, bis ich ihm nie wieder zu Liebe so oder so handele.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby wer » Mon May 24, 2021 11:17 pm

Die Wahl habe ich sicher immer wieder, jenen ich-entlarvenden Blick zu üben. Diese Entscheidung steht ganz in meiner Verantwortung. Damit schließt sich der Kreis
Kontrolle hat also wer? Sicher nicht „Ich“. Kontrolle dieses stets weiter strömenden Wahrnehmungsprozesses gibt es nicht. Nur die immer neue Entscheidung ist möglich, jenes Ich-Gefühl immer wieder loszulassen, zu durchschauen.

6) Soweit erst einmal.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby Barbarossa » Tue May 25, 2021 5:11 am

Danke für deine Ausführlichen Antworten. :-)

Zu Punkt Nr.5:
Bitte beschreibe Entscheidung aus der direkten Erfahrung.
Also beobachte eine Entscheidung und schildere den Ablauf.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby wer » Tue May 25, 2021 11:28 pm

Gedanken und Sinneswahrnehmungen sind da. Nun gibt es stets die Entscheidungsmöglichkeit, die Aufmerksamkeit den Gedanken (Wort-, Bild- oder Gefühlsgedanken) oder dem Wahrnehmen der Sinneseindrücke zuzuwenden. Gedanken können in ihrer unkontrollierbaren Art zu entstehen, sich zu verändern und wieder zu verschwinden eine sehr beeindruckende Dynamik entfalten. Wieder gibt es die Entscheidungsmöglichkeit, dieser Dynamik weiter Raum zu geben, oder die Aufmerksamkeit zu „verschieben“ hin zum Wahrnehmen aller Sinneseindrücke. Dies entspricht dem Gefühl des „Loslassens“ der Gedanken … sie werden „dünner“ oder verschwinden ganz … nur um dann wieder zu entstehen.
Ich entscheide mich ständig für das eine oder das andere. Jetzt, wo ich den Unterschied zwischen Ich-Illusion und Nicht-Ich geschmeckt habe, beginne ich mich ständig für den Blickwinkel des Nicht-Ich zu entscheiden. Dies geschieht immer, wenn jenes alte Gefühl von „ich beobachte von hier aus, was da drüben läuft“ - jenes altbekannte „getrennte-Subjekt-Gefühl“ - bemerkt wird. Dann geschieht das Loslassen.
Ganz konkret: Ich werfe einen letzten Blick in ein Zimmer, das ich gleich verlassen werde und schließe dann die Tür. In Gedanken male ich mir aus, dass es dort drinnen immer noch so aussieht, wie drei Sekunden zuvor. Vielleicht bleibt dieses Zimmer für recht lange so … Diese Gedanken beobachte ich so und schmunzele über jenes Ich-Gefühl, was dabei entsteht. Gedanken über jenes Zimmer sind eben nur Gedanken – was tatsächlich jetzt in jenem Zimmer passiert, weiß ich nicht. Keine Wahrnehmung dessen: Kein Zimmer existiert. Nur mein Arm juckt … Gedanken weg, Zimmer weg, Ich weg … die wahrgenommenen Sinneseindrücke und Gedanken strömen einfach ichlos weiter.
Diese Entscheidung für die „rechte Sicht“ auf „die Dinge“ wird immer wieder neu gefällt.
Das ist im Moment die Übung.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby Barbarossa » Wed May 26, 2021 4:21 am

Danke für deine ausführliche Antwort, du schießt damit aber an der Aufgabenstellung vorbei.
Beobachte nochmal eine Entscheidung, am besten eine ganz simple wie etwa dich am Kopf zu kratzen oder dir ein Glas Wasser zu holen.
Beobachte den Ablauf der erfahren wird.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby wer » Wed May 26, 2021 11:49 pm

Oh – gut: Ich betrachte die Entscheidung mich zu kratzen. Aus dem Wahrnehmungsstrom taucht ein Sinneseindruck auf, der vorübergehend etwas dominanter erscheint als die anderen Wahrnehmungen, er „ragt ein wenig heraus“… und schon hat die Hand jene juckende Stelle auf der Haut zielsicher erreicht und die Finger haben sich punktgenau gekrümmt, um zu kratzen. Eine gedankliche Einordnung á la „Juckreiz auf der Haut, Adresse: rechter Unterarm innen nahe Ellenbogen“ erfolgt garnicht. Das kann ganz unkontrolliert ichlos ablaufen. Das kann sogar so ablaufen, dass der Juckreiz garnicht wahrgenommen wird, sondern erst der durch das Kratzen verursachte „stärkere“ Sinneseindruck. In diesem Fall existiert das Jucken garnicht, sondern erst das Kratzgefühl. Eine Entscheidung im Sinne von „ich kratze mich jetzt“ ist da nie gefallen.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby Barbarossa » Thu May 27, 2021 7:29 am

Sehr schön beobachtet.

Versuche mal folgende Beobachtung.
Das tolle daran ist, dass sie immer wieder beliebig oft reproduzierbar ist:
Entscheide dich für eine Zahl zwischen 1 - 100.

-Für welche Zahl hast du dich entschieden?
-Wie ist die Entscheidung für diese Zahl zustande gekommen?
-Wusstest du welche Zahl es werden wird, bevor du an sie gedacht hast?
-Ist das Treffen dieser Entscheidung eine Handlung, oder Teil des strömenden Wahrnehmungsprozesses?

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby wer » Thu May 27, 2021 11:07 pm

Was für eine Übung. Habe deine Anleitung heute Mittag gelesen und tagsüber öfter durchgeführt – immer spontan dann, wenn ich dran gedacht habe:
Schnell bin ich zu der Entscheidung (1) gekommen, immer die Zahl zu wählen, die mir als erstes einfällt, d.h. mir fiel irgendwann diese Beobachtungsaufgabe ein und dann jagten sich auf einmal die Zahlen …, wobei ich versuchte auf jeweils die erste zu achten – die war´s dann. Die „Entscheidung“ wurde also „vorverlegt“. Mit der plötzlichen Erinnerung an diese „Übung“ war auch schon die Zahl da. Fertig. Dem entsprechend konnte ich garnicht eine Zahl wissen, bevor ich an sie gedacht hatte. Einmal gab es so eine zwanghafte Denksituation, in der ich häufig hintereinander an diese Übung dachte und ständig die 17 hatte – wie so ein Sprung in der Platte/ Kratzer in der CD, ts. Als letztes eben gerade formte sich aus einem gedachten Zahlensalat die 71. Das habe ich für ungültig erklärt (Entscheidung 2), weil im gesehenen Zahlensalat nur einstellige Zahlen unterwegs waren, so dass ich spontan die Vier dachte … also lustigerweise tatsächlich dachte, sie danach erst als 4 sah.
So, und all das war/ ist ein Teil des strömenden Wahrnehmungsprozesses, inklusive des Schmunzelns bei Entscheidung 2. Beeindruckend ist die hohe Geschwindigkeit, in der die Gedankenketten ablaufen: Erst die aus dem sonstigen „Strömen“ auftauchende Erinnerung an die Übung, sofort danach plötzlich eine Zahl gefolgt von der nächsten und nächsten …, so dass ich die jeweils erste noch haarscharf am Zipfel erinnern konnte, nun die gedankliche Bestätigung, „ja die 56 ist´s“, dann war´s schonwieder vorbei. Vorbei im Sinne von andere Themen oder Sinneseindrücke strömten nach.

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby Barbarossa » Fri May 28, 2021 4:49 am

Wieder sehr schön beobachtet.

So, nun ist das Aussuchen einer Zahl ja keine Entscheidung von besonders großer Tragweite.
Versuche nun eine komplexere Entscheidung zu beobachten, wie z.B. die Wahl der nächsten Mahlzeit, die Wahl der zu tragenden Kleidung (oder welche auch immer sich gut beobachten lässt).

Versuche zu beobachten wie so eine Beobachtung abläuft, welche Faktoren da mitspielen die schlussendlich zu einer Entscheidung führen.

Welcher Faktor ist willentlich herbeigeführt bzw. willentlich beeinflusst, und nicht Teil des Wahrnehmungsprozesses?

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Re: Morgenstund hat Gold im Mund.

Postby wer » Fri May 28, 2021 1:42 pm

Lieber Barbarossa,
jetzt hilf mir bitte bei der Präzisierung der Aufgabenstellung: „Welcher Faktor ist willentlich herbeigeführt bzw. willentlich beeinflusst, und nicht Teil des Wahrnehmungsprozesses?“ Eine „willentliche Teilnahme“ am Wahrnehmungsprozess findet ebenso innerhalb desselben statt und nicht separat davon. Auch eine „Entscheidung“ irgendetwas irgendwann zu essen wird sicherlich durch ein Hungergefühl begünstigt … alles innerhalb der einen Wahrnehmung. Insofern verstehe ich die Aufgabenstellung gerade nicht. hm.
Oder „Faktoren, die schlussendlich zu einer Entscheidung führen“, sind die – wie beim nicht bemerkten Juckreiz – die außerhalb der Wahrnehmung liegen und trotzdem zu Handlungen (sich kratzen) führen? Dann gibt es eben keine Entscheidung, sich zu kratzen oder etwas zu Essen zu organisieren. Es geschieht einfach. Ist natürlich der Hammer für ein Ich, das „glaubt“ alles „im Griff“ zu haben.


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