Suche nach Gewissheit

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barb
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Re: Suche nach Gewissheit

Postby barb » Fri Jun 26, 2020 11:20 am

So stellt sich langsam heraus, dass die Illusion nicht nur das "Ich" ist, nicht nur "Entscheidung ", "Gewissen" und "Schuld", sondern letztlich ist alles Illusion, alles Gedankeninhalt, was die Unmittelbarkeit und Unschuld der direkten, unbenannten Wahrnehmung verlässt.
Ist Gedankeninhalt „schuldig“? Werden nicht Gedanken auch unmittelbar „jetzt“ wahrgenommen? Was wäre, wenn die Gedanken auch einfach da sein dürften und ebenso als Erscheinung anerkannt werden würden wie jede andere unmittelbare Wahrnehmung?
Fast alles spielt sich ja nur in Gedanken ab.
Ist das wahr? Spielt sich wirklich was „in“ Gedanken ab? Oder erscheinen Gedanken genauso wie z. B. ein Geräusch?
Hör mal auf irgendein Geräusch das gerade da ist: Autos, Vogelzwitschern, Kühlschrank - ganz egal was. Wird nicht das Geräusch gleichermaßen wahrgenommen wie Gedanken?


:))
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Re: Suche nach Gewissheit

Postby seeadler » Fri Jun 26, 2020 10:07 pm

Ist Gedankeninhalt „schuldig“? Werden nicht Gedanken auch unmittelbar „jetzt“ wahrgenommen? Was wäre, wenn die Gedanken auch einfach da sein dürften und ebenso als Erscheinung anerkannt werden würden wie jede andere unmittelbare Wahrnehmung?
Gedankeninhalt ist nicht "schuldig". Da findet wohl noch eine Art Bewerten statt; ein Gedanke mit "dies ist richtig, jenes nicht so gut " wird geglaubt.
Ja, Gedanken jeglicher Art sind einfach da, erscheinen und verblassen; aber keiner, der sie "hat" oder aus dem sie kämen. Sie werden wahrgenommen, wie Wind, wie ein Geräusch; und die Wahrheit der direkten Erfahrung betrifft genauso das Wahrnehmen der Gedanken.
Ist das wahr? Spielt sich wirklich was „in“ Gedanken ab? Oder erscheinen Gedanken genauso wie z. B. ein Geräusch? 
Hör mal auf irgendein Geräusch das gerade da ist: Autos, Vogelzwitschern, Kühlschrank - ganz egal was. Wird nicht das Geräusch gleichermaßen wahrgenommen wie Gedanken?
Ja, man kann also eigentlich nicht sagen, dass sich "in Gedanken etwas abspielt ". Unerheblich, ob es Fussballgucken ist, Urlaubsplanung, ein Gespräch oder einfach Dasitzen- Gedanken unterschiedlichster Art kommen einfach; mal viele auf einmal, mal nur wenige- und dass sich darin etwas "abspielt", ist selbst nur ein Gedanke. Wie zB "Konsequenz".
Das "Fussballspiel", das "Bewerbungsgespräch" läuft einfach ab; denn bevor irgendeine geistige Regung, irgendein Gedanke wahrgenommen wird, sind die Weichen schon gestellt.

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Re: Suche nach Gewissheit

Postby barb » Sat Jun 27, 2020 11:50 am

Sehr schön hört sich das alles an was du schreibst... :)

Scheint als würde sich der Schleier immer mehr lichten... Wie ist es so für dich? Was hat sich seit Beginn der Untersuchung getan und wie erlebst du so deinen Alltag?

Lust auf ein weiteres Gedankenexperiment?

Es könnte geschehen, dass auffällt, dass sich ein Großteil der Gedanken um ein „Ich“ dreht, dass es nur in Gedanken gibt.

Nimm dir für diese Übung einen Zettel und Stift, teile ihn mit einem Strich in der Mitte und dann mache es dir richtig gemütlich, entspanne, weicher langer Atem. Schließe kurz die Augen und beobachte die Gedanken.

Und dann mache für jeden Gedanken, der sich um „Ich“ dreht einen Strich, und für jeden nicht-Ich Gedanken einen Kreis. Achte auch auf verkleidete Ich-Gedanken wie z. B. Dieses Auto ist nicht schön, huch ist das heute heiß....(gefällt Hannes nicht) usw....

:)
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Re: Suche nach Gewissheit

Postby seeadler » Sat Jun 27, 2020 7:21 pm

Wie ist es so für dich? Was hat sich seit Beginn der Untersuchung getan und wie erlebst du so deinen Alltag?
- Sämtliche Erwartungen wurden fallen gelassen/ aufgegeben.
- Der Gedanke, dass "ich" etwas tun muss/kann, wurde (fast) aufgegeben. Der Stress und die Frustration der ersten 3-4 Wochen ist weg.

1. Es ist immer da.
2. Jegliches "persönliche" Bemühen/Stressen/ UnterDruckSetzen ist unnötig, weil eine auf-sich-gestellte Person "Hannes " nicht existiert, und inzwischen ein Vertrauen da ist, dass alles zur rechten Zeit angezeigt ist und einfach passiert.

Das sind Gewissheiten, die sich im Laufe der letzten 3-4 Wochen hier eingenistet haben- also nicht nur im Kopf, sondern ganz zart und anfänglich in der Erfahrung.

Allerdings läuft die allgemeine Wahrnehmung nicht viel anders ab als früher. Sinneswahrnehmungen laufen oft
"halbbewußt" nebenher; und Gedanken, die auch fast permanent halbbewußt mitlaufen.
Nur dass eigentlich kein Gedanke mehr großartig Stress erzeugen kann (bisher...). Kommentar aus 2. Hand: "der strahlt ja eine Ruhe aus!". Wenn neben mir Leute in Stress geraten oder sich in irgendwelche Geschichten reinsteigern, ist da kaum noch innere Beteiligung oder Parteinahme, sondern eher verwunderte, manchmal interessierte Betrachtung eines Schauspiels.
Nimm dir für diese Übung einen Zettel und Stift, teile ihn mit einem Strich in der Mitte und dann mache es dir richtig gemütlich, entspanne, weicher langer Atem. Schließe kurz die Augen und beobachte die Gedanken.

Und dann mache für jeden Gedanken, der sich um „Ich“ dreht einen Strich, und für jeden nicht-Ich Gedanken einen Kreis. Achte auch auf verkleidete Ich-Gedanken wie z. B. Dieses Auto ist nicht schön, huch ist das heute heiß....(gefällt Hannes nicht) usw....
In ca. 5-6 Minuten: 7 Gedanken mit Ich-Bezug, 4 ohne...
:)

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Re: Suche nach Gewissheit

Postby seeadler » Sat Jun 27, 2020 7:47 pm

Wie kann überprüft werden, welche Gedankeninhalte noch für wahr gehalten werden?

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Re: Suche nach Gewissheit

Postby barb » Sun Jun 28, 2020 11:55 am

- Sämtliche Erwartungen wurden fallen gelassen/ aufgegeben.
- Der Gedanke, dass "ich" etwas tun muss/kann, wurde (fast) aufgegeben. Der Stress und die Frustration der ersten 3-4 Wochen ist weg.

1. Es ist immer da.
2. Jegliches "persönliche" Bemühen/Stressen/ UnterDruckSetzen ist unnötig, weil eine auf-sich-gestellte Person "Hannes " nicht existiert, und inzwischen ein Vertrauen da ist, dass alles zur rechten Zeit angezeigt ist und einfach passiert.

Das sind Gewissheiten, die sich im Laufe der letzten 3-4 Wochen hier eingenistet haben- also nicht nur im Kopf, sondern ganz zart und anfänglich in der Erfahrung.
Sehr schön :)
Allerdings läuft die allgemeine Wahrnehmung nicht viel anders ab als früher. Sinneswahrnehmungen laufen oft
"halbbewußt" nebenher; und Gedanken, die auch fast permanent halbbewußt mitlaufen.
Sollte das anders sein, oder ist das ok so?
Wie kann überprüft werden, welche Gedankeninhalte noch für wahr gehalten werden?
Das geht am besten mit immer wieder nachschauen, ob das was Gedanken erzählen wirklich jetzt hier ist. Wenn nicht, dann ist es einfach nicht wahr. Emotionen können da ein guter Wegweiser sein, bzw. Verspannungen des Körpers weisen auch öfter auf Kopfkino hin. Es kann ganz hilfreich sein, wenn man sich ein paar Entspannungstechniken aneignet um die Achtsamkeit dahin zu schulen. Wenn du willst kann ich dir gerne wenn wir hier durch sind ein paar Ressourcen dafür nennen :)

Möchtest du auf das Thema Emotionen noch näher eingehen?

Und bezüglich Gedanken und Wahrheit habe ich auch noch ein cooles Experiment für dich:


Überlege vorher, was du gerne für den Zweck der Übung hernehmen möchtest und sei sicher, dass du es zu Hause hast. Bevor du es dir holst und bevor du es isst, schließe die Augen und beschreibe aus der Erinnerung den Geschmack der Frucht (oder sonstiges) ihre Textur, Farbe, den Klang den es macht beim Hineinbeißen und beim Essen. Schreibe alles auf, was dir dazu einfällt.

Danach iss die Frucht und beobachte währenddessen, was du dabei wahrnimmst.

Nun schaue auf deine geschriebenen Worte und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.

Nun frag dich:

Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?

Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?

Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?

Können Gedanken denn die absolute Realität verstehen?
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Re: Suche nach Gewissheit

Postby seeadler » Sun Jun 28, 2020 10:47 pm

Allerdings läuft die allgemeine Wahrnehmung nicht viel anders ab als früher. Sinneswahrnehmungen laufen oft
"halbbewußt" nebenher; und Gedanken, die auch fast permanent halbbewußt mitlaufen.
Sollte das anders sein, oder ist das ok so?
Da hab ich mich ja direkt selbst entlarvt- eine Erwartung war noch da: "die Sinneswahrnehmungen müssen sich verstärken, die Gedanken weniger werden".
Nein. Es ist, wie es ist, und diese Erwartung ist ein Gedanke, eine Einbildung, aber nicht wirklich da.
In dem "Allerdings..." aus meiner letzten Antwort äußert sich ein leiser "etwas fehlt"- Ich-Gedanke, der nicht als solcher erkannt wurde ;-)
Überlege vorher, was du gerne für den Zweck der Übung hernehmen möchtest und sei sicher, dass du es zu Hause hast. Bevor du es dir holst und bevor du es isst, schließe die Augen und beschreibe aus der Erinnerung den Geschmack der Frucht (oder sonstiges) ihre Textur, Farbe, den Klang den es macht beim Hineinbeißen und beim Essen. Schreibe alles auf, was dir dazu einfällt.

Danach iss die Frucht und beobachte währenddessen, was du dabei wahrnimmst.

Nun schaue auf deine geschriebenen Worte und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.

Nun frag dich:

Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?
Die "Beschreibung" besteht aus Gedanken, die eine vergangene, vermeintlich ähnliche Erfahrung zum Inhalt haben.
Ein Gedanke ist ein Gedanke und eine Erfahrung ist eine Erfahrung; zwei unterschiedliche Qualitäten- wie das Foto von einem Kopfsprung ins Wasser und der Erfahrung selber.
Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?
Nein, die Erfahrung selber ist etwas ganz anderes als jegliches Wort.
Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?
Erfahrung ist einfach kein Gedanke. Erfahrung, im Sinne von Wahrnehmung, ist jetzt, ist wahr und gewiss; auch dass Gedanken da sind, ist wahr und gewiss; aber kein Gedanke kann selber etwas wissen, der Gedankeninhalt ist schlicht NICHT DA.
Können Gedanken denn die absolute Realität verstehen?
Nein. Die Realität kann nur staunend von Moment zu Moment erfahren werden.
"Verstehen-Wollen" ist Teil des automatisch ablaufenden Denkapparates, der ein unglaubliches Navigationsinstrument ist, aber die Realität kann eben nicht verstanden werden.
Möchtest du auf das Thema Emotionen noch näher eingehen?
Ja gern. Identifikation findet ja immer wieder überraschend statt ;-)

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Re: Suche nach Gewissheit

Postby barb » Mon Jun 29, 2020 11:25 am

Nein, die Erfahrung selber ist etwas ganz anderes als jegliches Wort.
Ja genau :)
Ja gern. Identifikation findet ja immer wieder überraschend statt ;-)
Das wird noch eine Weile so weitergehen :)), es ist nur wichtig immer wieder hinzuschauen und eine Identifikation als solche zu erkennen.
Zu den Emotionen wäre es wichtig, dass aktuell eine vorhanden ist wenn du die Untersuchung machst; aus der Erinnerung heraus bringt es nicht viel. Hast du irgendeine immer wiederkehrende Emotion die du beleuchten möchtest? Oder soll ich dir die Übung einfach schreiben damit du sie im Ärmel hast, wenn eine Emotion hochkommt?


Und dann wäre es eine gute Idee eine Gelegenheit zu finden, in der Natur oder in einem Park mit einigen Bäumen spazieren zu gehen. Du kannst dich auch in ein Café setzen und dort das Treiben beobachten, oder du schaust einfach aus dem Fenster, auf den Verkehr oder so... Was auch immer für dich möglich ist..


Sobald du dort bist, setze dich oder stehe einfach für eine Weile still und bemerke, was passiert: Vogelgezwitscher, Wind, vielleicht Sonne, Bäume, Gras, vielleicht Wasser, alle Erlebnisse die in diesem Moment geschehen. Tiere, Geräusche, Insekten. Alles ist gleichzeitig lebendig und erfahrbar. Und bemerke auch Gefühle und Gedanken, die geschehen.

Suche nun nach einer Grenze oder Trennung in der Erfahrung, hinter der sich "Du" befindest und hinter der sich "alles andere" befindet.

Ist es möglich, eine solche Grenze zu finden?

Dann schau: Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”? Fehlt hier irgendetwas? Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein? Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?

Genieße und staune :)
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Re: Suche nach Gewissheit

Postby seeadler » Mon Jun 29, 2020 7:20 pm

Zu den Emotionen wäre es wichtig, dass aktuell eine vorhanden ist wenn du die Untersuchung machst; aus der Erinnerung heraus bringt es nicht viel. Hast du irgendeine immer wiederkehrende Emotion die du beleuchten möchtest?
Lustigerweise ging es heute direkt mit voller Wucht los. Mein Alltag ist derzeit geprägt von (Klein-)kinderbetreuung..... :-)
Die Nacht war schon nicht so toll. Als "ich" dann frühmorgens lautstark und physisch bedrängt wurde, jetzt endlich aufzustehen, bewirkte der Blick auf den Wecker (05:50) den bestätigenden Gedanken "Zu früh! Ihr habt mich schon die halbe Nacht wachgehalten" und unmittelbare Wut und Selbstmitleid und Beharren auf dem "Recht, wenigstens bis 7 zu schlafen" ;-)
Generell taucht im Moment öfter so ein Gedanke/Gefühl des Selbstmitleids auf, und das es anders sein müsste als das permanente Da-Sein für Kinder und Haushalt.
Sobald du dort bist, setze dich oder stehe einfach für eine Weile still und bemerke, was passiert: Vogelgezwitscher, Wind, vielleicht Sonne, Bäume, Gras, vielleicht Wasser, alle Erlebnisse die in diesem Moment geschehen. Tiere, Geräusche, Insekten. Alles ist gleichzeitig lebendig und erfahrbar. Und bemerke auch Gefühle und Gedanken, die geschehen.

Suche nun nach einer Grenze oder Trennung in der Erfahrung, hinter der sich "Du" befindest und hinter der sich "alles andere" befindet.

Ist es möglich, eine solche Grenze zu finden?
Wahrnehmung ist grenzenlos.
Dann schau: Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”?
Da ist nur Beobachten, nur Wahrnehmen der Fülle. Gedanken, für die "ich mich" früher heimlich geschämt habe, dürfen da sein (müssen sogar..), sie sind Erscheinungen wie ein vorbeifahrendes Auto.
Fehlt hier irgendetwas? Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein?
Fehlen ist nur ein Gedanke. Da ist Wahrnehmung einer endlosen Fülle- Wunder neben Wunder.
Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?
Da ist niemand, der diesen Moment oder irgendetwas verändern könnte!
Unser "Handeln", unser "Wissen", unser "Wille" - nur Gedanken, Bilder, die von selber erscheinen :-)

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Re: Suche nach Gewissheit

Postby barb » Tue Jun 30, 2020 12:17 pm

Lustigerweise ging es heute direkt mit voller Wucht los. Mein Alltag ist derzeit geprägt von (Klein-)kinderbetreuung..... :-)
Die Nacht war schon nicht so toll. Als "ich" dann frühmorgens lautstark und physisch bedrängt wurde, jetzt endlich aufzustehen, bewirkte der Blick auf den Wecker (05:50) den bestätigenden Gedanken "Zu früh! Ihr habt mich schon die halbe Nacht wachgehalten" und unmittelbare Wut und Selbstmitleid und Beharren auf dem "Recht, wenigstens bis 7 zu schlafen" ;-)
Generell taucht im Moment öfter so ein Gedanke/Gefühl des Selbstmitleids auf, und das es anders sein müsste als das permanente Da-Sein für Kinder und Haushalt.
Hihi :) Ich glaube keine Untersuchung kann dies beseitigen ;) Der Zweck der Untersuchung ist es auch nicht Gefühle loszuwerden, sondern zu sehen was sie sind und dass sie niemandem gehören. Du erkennst es ja schon gut und kannst es mit Humor nehmen. Und das ist bei weitem das Beste was man tun kann – über sich selbst zu lachen... :)

Schauen wir uns mal Selbstmitleid oder Wut an (wie gesagt für die Untersuchung sollte es aktuell da sein):

Wenn wieder „Selbstmitleid“ oder „Wut“ da ist dann schau dir an, was davon wirklich konkret wahrnehmbar ist – also zu spüren – und was davon nur eine Gedankengeschichte. (Natürlich geht das mit jeder anderen Emotion auch) Dann lass die Gedanken ziehen und fokussiere auf den Körper.

Wo und wie im Körper ist die Emotion zu fühlen? Sind die Empfindungen statisch oder verändern sie sich? Sind sie immer gleich stark oder eher wellenmäßig? Sind sie immer da? Ist immer ein körperliches Gefühl vorhanden, oder manchmal nur Gedanken die erzählen, dass sie eine Emotion sind (=verkleidete Gedanken).

Du kannst das dann auch im Alltag immer wieder checken wenn irgendwelche Emotionen aufkommen, ganz egal welche auch Freude, Aufgeregtheit, Hektik usw... Und schau dann auch mal nach, ob manche Emotionen sich vielleicht körperlich ziemlich gleich anfühlen wie andere, ob da wirklich so ein großer Unterschied im Empfinden ist... :)

Wichtig ist es auch, in die Untersuchung mit einer Haltung der Neugier hineinzugehen, wie ein Forscher oder Detektiv, und nicht mit dem Zweck sie loswerden zu wollen. So heranzugehen, als dürfte die Emotion für immer da bleiben wenn sie will und sie als Freund zu betrachten (sie sind ja oft auch Schutzfunktionen).
Wahrnehmung ist grenzenlos.
Ja genau :)
Da ist nur Beobachten, nur Wahrnehmen der Fülle. Gedanken, für die "ich mich" früher heimlich geschämt habe, dürfen da sein (müssen sogar..), sie sind Erscheinungen wie ein vorbeifahrendes Auto.
Wunderbar :)
Fehlen ist nur ein Gedanke. Da ist Wahrnehmung einer endlosen Fülle- Wunder neben Wunder.
<3
Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?
Da ist niemand, der diesen Moment oder irgendetwas verändern könnte!
Unser "Handeln", unser "Wissen", unser "Wille" - nur Gedanken, Bilder, die von selber erscheinen :-)
Es ist immer so schön, wenn „sehen“ geschieht...

Wenn du sicher bist, dass das getrennte Ich nur eine Illusion ist, dann würde ich dir gerne noch mal die Abschlussfragen geben um zu schauen ob noch was angeschaut werden will. Gib Bescheid, wenn du bereit dazu bist.
Deren Beantwortung ist natürlich nicht das Ende, danach bekommst du eine Einladung in div. FB-Gruppen und auch weitere Bereiche des Forums tun sich auf. Du kannst dich natürlich auch jederzeit an mich wenden... :)
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Re: Suche nach Gewissheit

Postby seeadler » Tue Jun 30, 2020 10:26 pm

Hallo barb!
ich schweife kurz etwas von der Untersuchung ab.
Mir scheint es gerade so, dass es "ganz vorne dran" einen "Punkt" gibt, der absolute Gegenwart, absolutes Gewahr-Sein ist und größtmögliche Leichtigkeit und Lebendigkeit.
Kann es sein, dass das Verhältnis zwischen geglaubten Gedanken und diesem Punkt so ist wie ein Erwachsener, der gerade bemerkt hat, dass das Kind mit dem Finger in die Butter bohrt und ausruft: "Nein! Das macht man nicht!" ?
Also wie ein Segelboot, welches dauernd von hinten gebremst wird?
Hinlaufen und Ausschalten finden auch nicht aufgrund dieses Gedankens statt, sondern beides sind wohl einfach Ausdruck einer "Bewegung" des Lebens. Alles "passiert ", mal mit und mal ohne Gedanken.
Es ist noch nicht ganz klar, ob das so ist. Also ob nicht auch etwas aufgrund eines Gedanken passieren kann. In jedem Falle aber braucht es dafür kein "Ich".

Danke für deine Hinweise zu den Emotionen! Mal schauen, wann was kommt ;-)

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Re: Suche nach Gewissheit

Postby barb » Wed Jul 01, 2020 11:26 am

ich schweife kurz etwas von der Untersuchung ab.
Mir scheint es gerade so, dass es "ganz vorne dran" einen "Punkt" gibt, der absolute Gegenwart, absolutes Gewahr-Sein ist und größtmögliche Leichtigkeit und Lebendigkeit.
Wo ist vorne? Schau mal ob dieser „Punkt“ vielleicht sogar überall ist? Einfach alles ist?
Kann es sein, dass das Verhältnis zwischen geglaubten Gedanken und diesem Punkt so ist wie ein Erwachsener, der gerade bemerkt hat, dass das Kind mit dem Finger in die Butter bohrt und ausruft: "Nein! Das macht man nicht!" ?
Also wie ein Segelboot, welches dauernd von hinten gebremst wird?
Haha, die Kinderbetreuung hinterlässt ihre Spuren... ;)) Das sind nette Geschichten, Metaphern, jedoch gibt es kein Wort, keine Geschichte die ES in Worte fassen kann. ES ist einfach nicht erklärbar... Denk nochmal an die Fruchtübung zurück ob ein Wort den Geschmack oder Geruch beschreiben kann... Kennst du den Ausspruch von Laotse? Die Wahrheit die ausgesprochen werden kann ist nicht die Wahrheit...

Viel wichtiger die Frage: Wer oder was will eine Erklärung? Schau da mal nach...
Es ist noch nicht ganz klar, ob das so ist. Also ob nicht auch etwas aufgrund eines Gedanken passieren kann.
Wenn man der Gehirnforschung glaubt, dann wird schon einige Zeit im Gehirn eine Entscheidung getroffen bevor überhaupt eine Handlung oder ein Gedanke dazu auftaucht...

Aber: Wen kümmerts? Wer will das wissen und warum? Was wäre damit gewonnen, wenn man das genau wissen würde? Gedanken tauchen ja auch einfach so auf, wäre es da nicht völlig egal wenn etwas mal aufgrund eines Gedankens geschähe?
In jedem Falle aber braucht es dafür kein "Ich".
Ganz genau, das ist der springende Punkt... :)
Danke für deine Hinweise zu den Emotionen! Mal schauen, wann was kommt ;-)
:)
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Re: Suche nach Gewissheit

Postby seeadler » Wed Jul 01, 2020 7:07 pm

Wo ist vorne? Schau mal ob dieser „Punkt“ vielleicht sogar überall ist? Einfach alles ist?
Ja natürlich. Es kommt immer wieder die Vorstellung auf, dass es "so" richtig ist und anders nicht so gut.
Vorne und hinten gibt's nicht und ebensowenig wird das Segelboot gebremst - nur Gedanken..... der Verstand will seine Beurlaubung nicht akzeptieren ;-)
Es gibt nichts zu sagen.
Wenn ich weg bin, ist alles da. Und sonst auch ;-)
Viel wichtiger die Frage: Wer oder was will eine Erklärung? Schau da mal nach...
Gestern kam der Gedanke: bevor ich mir erneut die Abschlussfragen zukommen lasse, muss die Sache wirklich klar sein- und schon waren Verstandes-Fragen zur Stelle.
Ob nun erst Gedanke oder erst Handeln oder was auch immer ist wurscht, denn es ist sowieso keiner da der darauf Zugriff hätte, der etwas ändern könnte.

Also du merkst, die Gedanken spielen mir immer wieder mal einen Streich.. aber du kannst mir die Fragen gerne nochmal schicken.

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Re: Suche nach Gewissheit

Postby barb » Thu Jul 02, 2020 12:13 pm

Ja natürlich. Es kommt immer wieder die Vorstellung auf, dass es "so" richtig ist und anders nicht so gut.
Vorne und hinten gibt's nicht und ebensowenig wird das Segelboot gebremst - nur Gedanken..... der Verstand will seine Beurlaubung nicht akzeptieren ;-)
Haha :)...
Aber dennoch: Das wird gesehen, oder?

Außerdem ist der Verstand ja für vielerlei Dinge ein wunderbares Werkzeug, er darf sich mal ein bisschen entspannen und für das da sein was er wirklich gut kann... :)
Es gibt nichts zu sagen.
Wenn ich weg bin, ist alles da. Und sonst auch ;-)
Wie kannst „du“ weg sein und sehen dass alles da ist? Ist da mal ein „Ich“ und dann ist es wieder weg? Bist "du" dieses "Ich"?

Dass es kein getrenntes Ich gibt bedeutet nicht, dass da ein „Nicht-Ich“ ist... Weder „Ich“ noch „Nicht-Ich“... Es ist einfach immer nur das was gerade da ist... :)

Eine kleine Übung. Schließe die Augen und stell dir vor, dass du eine Wassermelone in den Händen hältst. Stell dir sie so lebhaft vor, dass du ihr Gewicht, ihre Form und ihre Oberfläche fühlen kannst. Halte sie, spüre sie, und öffne dann die Augen.

Was ist mit der Melone geschehen? Ist sie verschwunden? Kann etwas verschwinden das gar nie wirklich existiert hat? Ist an der Stelle wo vorher die Melone war eine Nicht-Melone?
Gestern kam der Gedanke: bevor ich mir erneut die Abschlussfragen zukommen lasse, muss die Sache wirklich klar sein- und schon waren Verstandes-Fragen zur Stelle.
Es geht hier nur mal darum, ob es ein getrenntes Ich gibt oder nicht.

Was bedeutet „wirklich klar sein“? Erwartest du einen Champagnerkorken-Knall? DadA... das wars jetzt aus, jetzt bin ich endgültig angekommen? Was muss „klar“ sein um zu sein? Was musst du wissen, was musst du tun um zu sein?


Probier mal folgendes:
Von da aus wo du jetzt gerade sitzt, steh mal auf und geh in Richtung „Sein“...

Wie weit musst du gehen? Wie viele Schritte braucht es um im Sein anzukommen?

Es gibt kein endgültiges Ankommen, da ist nur das sich ständig verändernde Fließen des Lebens...:)
Ob nun erst Gedanke oder erst Handeln oder was auch immer ist wurscht, denn es ist sowieso keiner da der darauf Zugriff hätte, der etwas ändern könnte.
Genau :))
Also du merkst, die Gedanken spielen mir immer wieder mal einen Streich.
.

Zum Thema Gedanken oder auch Emotionen kann dennoch weiterhin einiges kommen. Man läuft ihnen nur nicht mehr so leicht auf wenn gesehen wird, dass sie niemandem gehören, dass sie auch einfach nur Erscheinungen sind die nicht „persönlich“ sind...
aber du kannst mir die Fragen gerne nochmal schicken
erst wenn du es möchtest ;)
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Re: Suche nach Gewissheit

Postby seeadler » Thu Jul 02, 2020 7:53 pm

Mir scheint es gerade so, dass es "ganz vorne dran" einen "Punkt" gibt, der absolute Gegenwart, absolutes Gewahr-Sein ist und größtmögliche Leichtigkeit und Lebendigkeit.
Wo ist vorne? Schau mal ob dieser „Punkt“ vielleicht sogar überall ist? Einfach alles ist?

"Punkt der absoluten Gegenwart, Leichtigkeit" etc. blabla - alles Gedanken, die erscheinen. Es kann nichts verstanden werden. Da ist nur Wahrnehmung, Fließen, der Moment. Weder Zeit noch Raum.
Wenn ich weg bin, ist alles da. Und sonst auch
Wie kannst „du“ weg sein und sehen dass alles da ist? Ist da mal ein „Ich“ und dann ist es wieder weg? Bist "du" dieses "Ich"?
wollte sagen: wenn das "Verstehen-Wollen" aufhört, ist alles da. Aber "Verstehen-Wollen" oder irgendein Gedankeninhalt darf natürlich erscheinen... Eine Erscheinung des Lebens, wie andere Gedanken auch.
Nur kein Ich, das etwas verstehen wollen könnte.
Was muss „klar“ sein um zu sein? Was musst du wissen, was musst du tun um zu sein?
Wie viele Schritte braucht es um im Sein anzukommen?
Ha! Alles ist Sein. Nichts muss "getan" oder "gewusst" werden, um das zu sehen.
Eine kleine Übung. Schließe die Augen und stell dir vor, dass du eine Wassermelone in den Händen hältst. Stell dir sie so lebhaft vor, dass du ihr Gewicht, ihre Form und ihre Oberfläche fühlen kannst. Halte sie, spüre sie, und öffne dann die Augen.
Was ist mit der Melone geschehen? Ist sie verschwunden? Kann etwas verschwinden das gar nie wirklich existiert hat? Ist an der Stelle wo vorher die Melone war eine Nicht-Melone?
Die Melone war leider komplett eingebildet. Sie war nie da und kann daher auch nicht verschwinden. Genauso hat ein eigenständiges Ich nie existiert. War immer nur etwas, das geglaubt wurde. Habe mich früher oft gewundert, warum "da nichts ist", nur permanente Wahrnehmung - wo bei anderen eine "interessante, unterhaltsame Persönlichkeit" war.


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