Meine Reise
Re: Meine Reise
Da die Vorstellungen sich aus vorangegangenen Sinneseindrücken speisen, sind die Vorstellungen nicht etwas völlig unabhängig anderes, aber im Großen und Ganzen sind die Vorstellungen über etwas und die aktuellen Sinneseindrücke, wenn ich etwas wahrnehme, zwei verschiedene Dinge.
- Barbarossa
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Re: Meine Reise
Ganz genau.im Großen und Ganzen sind die Vorstellungen über etwas und die aktuellen Sinneseindrücke, wenn ich etwas wahrnehme, zwei verschiedene Dinge.
Ein Geräusch ist ein Geräusch. Ein Gedanke über ein Geräusch ist ein Gedanke.
Anders ausgedrückt: wie schmeckt der Gedanke "salzig"?
Das zu sehen, Gedanken und Sinneseindrücke von einander unterscheiden zu können ist von äußerster Wichtigkeit.
Das bildet die Basis unserer Untersuchung.
Wie ist das nun mit dem Ich, kann das Ich mit den Sinnen gefunden werden? Was ist das Ich genau?
Re: Meine Reise
Das Ich kann nicht mit den Sinnen gefunden werden.Wie ist das nun mit dem Ich, kann das Ich mit den Sinnen gefunden werden?
Das Wort Ich bezeichnet, dass bspw. ich eine Zentrale habe, die eine gewisse Kohärenz besitzt, und dass von mir Handlungen ausgehen, für die ich verantwortlich bin, dass ich einen einzigartigen Charakter habe, dass ich mich erinnern kann an meine Geschichte. Es ist eine soziale Konvention, das Ich so zu denken. Nur, es ist eben nicht mehr als eine Vorstellung. Es gibt kein Ich im materiellen Sinne. Es lässt sich nicht finden, nicht wahrnehmen. Unsere Kultur bläst die Vorstellungen rund ums Ich sehr auf. Ich sehe, dass das alles Illusionen sind. Wir haben Gedanken untersucht. Ich konnte keine Quelle finden. Sie kommen einfach. Genauso ist mit Entscheidungen, und auch mit Gefühlen. Der Verstand knüpft ein Erinnerungsband von einem Moment zum anderen, aber das macht er auch etwas eigenwillig.Was ist das Ich genau?
Was ist das Ich? Eine Vorstellung.
- Barbarossa
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Re: Meine Reise
Sehr gut!Das Ich kann nicht mit den Sinnen gefunden werden.
Auch das ist richtig.Was ist das Ich? Eine Vorstellung.
Aaaber, wenn das Ich nur eine Vorstellung wie jede andere wäre, würde sie sich nicht so hartnäckig halten.
Was ist es, was das Ich so echt erscheinen lässt?
Re: Meine Reise
Lieber Barbarossa, hier bin ich wieder, sorry, dass ich diesmal länger gebraucht habe!
Kultur
Das Ich erscheint so echt, weil alle davon ausgehen, dass es das Ich gibt und es einem als Kind so beigebracht wird. Darüber ließen sich Bücher füllen, wie genau die Illusion vom Ich im Kontakt mit den Kindern entsteht, und eben auch, wie man den Kontakt mit Kinder gestalten kann, so dass sie wissen, dass das Ich eine Illusion ist (gibt es so ein Buch schon?)
Unterscheindung Ich/Du und Verantwortung
Mein Ich erscheint mir so echt, weil es klar ist, was bspw. ich rede oder eben jmd anders. D.h. es gibt da eine klare Zuordnung der Nutzung der Fähigkeit des Sprechens. Wie auch immer die Kontrolle über das Sprechen funktioniert, wenn jmd. sagt, "seid alle ruhig", dann kann ich nur dafür sorgen, dass ich ruhig bin, und du musst dafür sorgen, dass du ruhig bist. Die Verantwortung liegt bei mir. Ich muss mich darum kümmern, mein Redeverhalten anzupassen.
Der Begriff Ich unterscheidet also zwischen mir und den anderen und markiert auch Verantwortlichkeiten.
Logik
Das Ich erscheint echt, weil es die Quelle oder Urheberschaft von Handlungen angibt. Wenn es kein Ich gibt, wo liegt dann die Urheberschaft? Hier entsteht einen Erklärungslücke. Der Verstand hätte aber gern eine Erklärung.
Kontrolle
Das Ich erscheint echt, weil es gerichtetes/intentionales Verhalten erklären will, und wir verhalten uns oft gerichtet und es erscheint intentional. "Ich will heute endlich Barbarossa antworten, also mache ich das jetzt." Sieht so aus, als hätte ich etwas gewollt, entschieden und gemacht, bei sowas entsteht kein Zweifel, dass hier eine steuernde Zentrale am Werk wäre. Zweifel entstehen erst, wenn das nicht klappt...
Erinnerung und Prägung
Und dann gibt es noch das Phänomen, dass ich mit mir allein bin, mit meinen Erinnerungen, Gefühlen, Kränkungen, Erfahrungen. Insbesondere bei Schmerz wird das deutlich. Ich muss ihn verarbeiten, scheitere daran evtl. habe Angst in bestimmten Situationen, bin also geprägt, man sagt, man trägt einen Rucksack. In diesen Erfahrungen über die Lebensspanne bildet sich das Ich scheinbar immer weiter heraus.
Ich hätte gern mit einem Satz geantwortet. Aber hier kommt nun doch ein Roman. Ich habe den Aspekten jetzt Überschriften gegeben. Ich bin wirklich sehr gespannt auf Deine Antwort!Aaaber, wenn das Ich nur eine Vorstellung wie jede andere wäre, würde sie sich nicht so hartnäckig halten.
Was ist es, was das Ich so echt erscheinen lässt?
Kultur
Das Ich erscheint so echt, weil alle davon ausgehen, dass es das Ich gibt und es einem als Kind so beigebracht wird. Darüber ließen sich Bücher füllen, wie genau die Illusion vom Ich im Kontakt mit den Kindern entsteht, und eben auch, wie man den Kontakt mit Kinder gestalten kann, so dass sie wissen, dass das Ich eine Illusion ist (gibt es so ein Buch schon?)
Unterscheindung Ich/Du und Verantwortung
Mein Ich erscheint mir so echt, weil es klar ist, was bspw. ich rede oder eben jmd anders. D.h. es gibt da eine klare Zuordnung der Nutzung der Fähigkeit des Sprechens. Wie auch immer die Kontrolle über das Sprechen funktioniert, wenn jmd. sagt, "seid alle ruhig", dann kann ich nur dafür sorgen, dass ich ruhig bin, und du musst dafür sorgen, dass du ruhig bist. Die Verantwortung liegt bei mir. Ich muss mich darum kümmern, mein Redeverhalten anzupassen.
Der Begriff Ich unterscheidet also zwischen mir und den anderen und markiert auch Verantwortlichkeiten.
Logik
Das Ich erscheint echt, weil es die Quelle oder Urheberschaft von Handlungen angibt. Wenn es kein Ich gibt, wo liegt dann die Urheberschaft? Hier entsteht einen Erklärungslücke. Der Verstand hätte aber gern eine Erklärung.
Kontrolle
Das Ich erscheint echt, weil es gerichtetes/intentionales Verhalten erklären will, und wir verhalten uns oft gerichtet und es erscheint intentional. "Ich will heute endlich Barbarossa antworten, also mache ich das jetzt." Sieht so aus, als hätte ich etwas gewollt, entschieden und gemacht, bei sowas entsteht kein Zweifel, dass hier eine steuernde Zentrale am Werk wäre. Zweifel entstehen erst, wenn das nicht klappt...
Erinnerung und Prägung
Und dann gibt es noch das Phänomen, dass ich mit mir allein bin, mit meinen Erinnerungen, Gefühlen, Kränkungen, Erfahrungen. Insbesondere bei Schmerz wird das deutlich. Ich muss ihn verarbeiten, scheitere daran evtl. habe Angst in bestimmten Situationen, bin also geprägt, man sagt, man trägt einen Rucksack. In diesen Erfahrungen über die Lebensspanne bildet sich das Ich scheinbar immer weiter heraus.
- Barbarossa
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Re: Meine Reise
Wie ist das beim Sprechen, kann ein Ich gefunden werden, welches spricht?Mein Ich erscheint mir so echt, weil es klar ist, was bspw. ich rede oder eben jmd anders.
Kann ein Ich gefunden werden, welches die Worte bestimmt?
Wenn Schmerz verarbeitet wird, kann dabei ein Ich gefunden werden, welches diesen Schmerz verarbeitet?Insbesondere bei Schmerz wird das deutlich. Ich muss ihn verarbeiten, scheitere daran evtl. habe Angst in bestimmten Situationen, bin also geprägt, man sagt, man trägt einen Rucksack.
Benötigt dieses Wollen ein Ich?"Ich will heute endlich Barbarossa antworten, also mache ich das jetzt."
Re: Meine Reise
Lieber Barbarossa,
ich hoffe, ich habe Deine letzte Frage "Was ist es, was das Ich so echt erscheinen lässt?" nicht falsch verstanden... ich habe dann Aspekte aufgereiht, die das Ich für mich echt erscheinen lassen.
Was denkst Du, warum das Ich so echt erscheint?
ich hoffe, ich habe Deine letzte Frage "Was ist es, was das Ich so echt erscheinen lässt?" nicht falsch verstanden... ich habe dann Aspekte aufgereiht, die das Ich für mich echt erscheinen lassen.
Nein, es kann kein Ich gefunden werden, das spricht und die Worte bestimmt. Und doch macht es einen Unterschied, ob ich spreche oder Du. Das wollte ich skizzieren. Da scheint das Ich etwas zu markieren, das echt erscheint.Wie ist das beim Sprechen, kann ein Ich gefunden werden, welches spricht?
Kann ein Ich gefunden werden, welches die Worte bestimmt?
Nein, dieses Ich, welches den Schmerz verarbeitet, kann nicht gefunden werden. Und doch scheint es klar zu sein, dass ich meinen Schmerz empfinde und Du ggf. Deinen. Hier scheint das Ich etwas Echtes zu markieren, einen echten Unterschied oder nicht?Wenn Schmerz verarbeitet wird, kann dabei ein Ich gefunden werden, welches diesen Schmerz verarbeitet?
Das ist das Schwerste, und an diesem Punkt waren wir ja auch schon zuvor. Das Wollen benötigt kein Ich, und das Entscheiden benötigt kein Ich, das Ausführen der Handlung benötigt kein Ich. Und doch entsteht der Eindruck einer zielgerichteten Handlung. Das war ein Beispiel von mir dafür, warum das Ich echt erscheinen kann."Ich will heute endlich Barbarossa antworten, also mache ich das jetzt."
Benötigt dieses Wollen ein Ich?
Was denkst Du, warum das Ich so echt erscheint?
- Barbarossa
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Re: Meine Reise
Nein nein, das passt schon.ich hoffe, ich habe Deine letzte Frage "Was ist es, was das Ich so echt erscheinen lässt?" nicht falsch verstanden
Aber schauen wir uns folgendes an:
Es macht einen Unterschied zu sagen "ich empfinde meinen Schmerz", oder "Schmerz wird empfunden".Nein, dieses Ich, welches den Schmerz verarbeitet, kann nicht gefunden werden. Und doch scheint es klar zu sein, dass ich meinen Schmerz empfinde und Du ggf. Deinen.
Hier werden gerade Verspannungen empfunden, wo anders vielleicht nicht.
Und trotzdem existiert hier kein Ich.
Ich habe nachgefragt, weil, auch wenn es so scheint als wäre da ein Ich, nachgeschaut werden muss, ob da wirklich eines ist. Oder ob der Schein trügt.
Ich könnte jetzt schreiben: "ich schreibe dir gerade eine Nachricht".Und doch macht es einen Unterschied, ob ich spreche oder Du.
Aber was wird in Wirklichkeit erfahren?
Worte werden gelesen, Überlegen passiert, Antworten werden gefunden, Fingertippen.
Ist hier ein Ich, welches das alles macht oder koordiniert?
Nein.
Versuche mal eine Handlung zu beobachten.
Handlungen werden z.b. als "ich mache..." ausgedrückt.
Was aber wird in Wirklichkeit erfahren?
Re: Meine Reise
Es wurde etwas Kälte empfunden, dann entstand der Wunsch nach Wärme, die Wolldecke wurde entdeckt, und sie wurde mit den Händen über die Beine gezogen. Es entstand die Frage, was wohl heute in der Ukraine passiert ist, es wurde auf Twitter nach Antworten gesucht. Es entstand ein Zweifel, ob die Nachrichten die Sorge um die Kriegsentwicklungen klären können. Hörte meine Mann am Computer und meine Tochter vor dem Fernseher, dann tauchte der Gedanke auf, jetzt ist ein guter Moment für Barbarossa. Es klärte sich, dass das Fragen beantworten viel wertvoller ist als Nachrichten zu lesen, auch wenn eine große Neugierde bzgl. der Kriegsnachrichten da ist. In dem Moment wurde der Impuls zum Aufstehen vom Sofa gegeben, ich ging zum Computer, oder anders gesagt, es gab ein Bild/Wunsch von dem Fragen beantworten in mir, und mein Körper bewegte sich in Richtung Computer.Versuche mal eine Handlung zu beobachten.
Handlungen werden z.b. als "ich mache..." ausgedrückt.
Was aber wird in Wirklichkeit erfahren?
Es gibt beim Handeln ein Zusammenspiel von Wahrnehmung, Gedanken, Gefühlen und Bewegungen, ein Handlungsimpuls wird ausgelöst, eine Handlung entsteht. Woher der Impuls genau kommt, und was dem genau vorausgeht, warum genau in dem Moment genau so, kann nicht beobachtet werden.
- Barbarossa
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Re: Meine Reise
Sehr gut beobachtet, das liest sich sehr schön!
War dabei irgendwo ein Ich, eine Kontrollinstanz im Spiel?
War dabei irgendwo ein Ich, eine Kontrollinstanz im Spiel?
Re: Meine Reise
Es war dabei kein Ich im Spiel.War dabei irgendwo ein Ich, eine Kontrollinstanz im Spiel?
Wenn ich nun denke, ich habe das gemacht, ich habe Dir geschrieben, ich wollte das so machen, und deshalb habe ich das so gemacht, dann ... fügen meine Gedanken den Geschehnissen die Ich-Geschichte hinzu. Verrückt eigentlich. Es wirkt so glaubhaft.
- Barbarossa
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Re: Meine Reise
:-)
Was ist das Ich in Wirklichkeit?
Was ist das Ich in Wirklichkeit?
Re: Meine Reise
Es ist eine Vorstellung, es ist eine Geschichte, eine Kultur vielleicht. Es ist nichts richtiges. Es ist nichts.Was ist das Ich in Wirklichkeit?
- Barbarossa
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Re: Meine Reise
Wurde die Ich-Illusion durchschaut?
Wenn du dich umsiehst, fehlt etwas?
Wenn du dich umsiehst, fehlt etwas?
Re: Meine Reise
Ja, ich sehe und begreife, dass das Ich eine Illusion ist. Da ist viel Gefühl rund um diese Wahrnehmung von Traurigkeit über Ängstlichkeit, auch Wut. Es gibt etwas, das meint, ohne Ich wäre das Leben vielleicht schwierig. Wie ein eingebautes Misstrauen gegenüber meiner Wahrnehmung. Dass meine Wahrnehmung so gestärkt wurde mithilfe Deiner Fragen, war wirklich toll. Die neue Wahrnehmung macht mich etwas schwindelig. Ich glaube, ich brauche etwas Zeit, um das zu erkunden.Wurde die Ich-Illusion durchschaut? Wenn du dich umsiehst, fehlt etwas?
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