Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

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barb
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Fri Jan 01, 2021 12:21 pm

Ja, sind auch das, was ist. Ich löse mich peu à peu von den Vor-stellungen und Bewertungen. Ich sehe ein, dass alles ist, was erscheint. Nichts ist besser oder schlechter, es könnte besser oder schlimmer sein und es ist alles okay. Zeigt sich vielleicht nicht immer, und das ist ja dann auch okay. Ich merke gerade, wenn ich mich aus diesen Illusionen löse, in einen vielleicht insgeheim doch ersehnten Ultimo»zustand« (der kommt und geht) zu geraten und mehr Abstand durch das Sehen bekomme, ist es sowas wie: es ist okay wie es ist, »ich« muss es nicht abwerten. Ui, ja, ulkiges Gefühl. Deine Fragen sind gut. Ich merke, dass ich erstmal mit Abwehr darauf reagiert habe und wenn ich mich aber dann drauf einlasse, merke ich beim Schreiben, dass da was aufgeht. Das wurschtelt sich so seit dem letzten post von dir durch mich durch.
Wunderbar... :)
Also her mit dem Spaten, die Erwartungen, Vorstellungen, Hoffnungen wieder rausschaufeln, danke für deine Fragen. (ich hab es wirklich! gemacht mit dem Hoffnungszettel, hab alles notiert, was da unter Hoffnung immer noch auftaucht und dann ab damit)
Super :)
Ja, genau, ist ein Wunder, vor allem, dass sie dazu verführen, anzunehmen, ein »Ich« hätte sie gedacht.
Haha, ja das ist der größte Witz.... Der kosmische Witz... :))
Siehst du irgendwie schlecht, vernebelt? Hörst du nicht gut? Ist dein Spürsinn taub? Diese Fragen sind ganz wortwörtlich gemeint... :)
Ich muss echt grinsen und kichern. Ich glaub, wenn ich als du das lesen würde, würde ich auch solche Fragen stellen : ))) was für ein Jammertal – Drama! ; )
Hihi... :)) Ja diese wunderbaren Dramen... Wer weiß vielleicht stellst du ja selbst mal solche Fragen...
Glaubst du dass es das Leben interessiert ob du irgendwas richtig findest oder annimmst oder nicht? Mal ist richtig sehen da, mal nicht... (Wer entscheidet schon was „richtig“ ist...) Mal geht annehmen, mal geht es nicht...
Das ist auch eine interessante Perspektive. Nein, dem Leben ist das schnurzegal, lustig und belustigend.
:)

ich sehe es. Es ist nicht leicht zu sehen (findet Ich), und wenn es jetzt so angeschaut wird, ist es leicht.
Einfach immer wieder hinschauen...

Ich habe hier noch ein sehr schönes Experiment für dich, mach das ruhig mehrmals:

Erzählen Gedanken die Wahrheit oder Unwahrheit?

Was würde es bedeuten, wenn ALLER Gedankeninhalt nur eine Geschichte wäre?


Finde einen Sportclip auf Youtube, der ca. fünf Minuten lang dauert, oder nimm den folgenden Link führt zu einem Fußballspiel:

https://www.youtube.com/watch?v=AoWRcUvTqVM

1. Betrachte den Clip eine Minute lang mit ausgeschaltetem Ton, beobachte wie die Leute mit einem runden Ding auf einem Feld herumtollen, hoch und runter, hoch und runter. Lass diese gesamte Erfahrung hineinsinken.

2. Wenn die erste Minute vorbei ist, schaue eine weitere Minute mit eingeschaltetem Ton und Kommentar.

Beobachte den Unterschied. Beobachte wie der Kommentator (Gedanken) sehr viel zu wissen scheint, sogar Hinweise gibt, wie es am besten zu tun wäre. Sieh wie der Kommentator sich fühlt, als könne er das Geschehen beeinflussen, als ob ein Ausgang dem anderen bevorzugt werden würde.
Sieh wie der Kommentator versucht, die Gefühle der Zuschauer aufzustacheln und Identifizierung mit dem ein oder dem anderen Team hervorruft und wie er die Wichtigkeit des Spiels als Ganzes unterstreicht.

3. Schalte den Ton nun wieder aus und beobachte das Treiben ohne hörbaren Kommentar, wie die Farben und Formen auf dem Bildschirm herumtanzen. Beobachte wieder alle Unterschiede im Erleben der Szene.

Erzähle mir, wie das für dich ist...


Viel Spaß beim Clip schauen und dir auch alles gute fürs neue Jahr :)
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MarieAnna
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Sat Jan 02, 2021 6:59 pm

Erzählen Gedanken die Wahrheit oder Unwahrheit?

Wenn ich mir ein Fußballvideo anschaue (ich hatte das hier: https://www.youtube.com/watch?v=oqFXKe50oEs , den link, den du geschickt hattest, hat die fifa rausgenommen) ohne Ton, merke ich, dass es mich relativ unberührt lässt, obwohl die schnelle Handlung etwas Treibendes hat. Ich bin überhaupt kein Fußballfan, aber beim Anschauen mit Ton bemerke ich, wie mitreißend die Emotionen sind, die Gesichter und die treibende Stimme des Kommentators. Ich spüre, wie in meinem Körper etwas anspringt, wie eine Spannung im Bauch entsteht. Es ist interessant, das zu beobachten, und es ist interessant zu sehen, wie sehr die Menschen dieser Geschichte folgen von Sieg und Niederlage.

Erzählen die Gedanken die Wahrheit? Es ist weder Wahrheit noch Unwahrheit, es ist eine Geschichte, der geglaubt wird, so umfänglich, als ginge es um Leben und Tod. Es ist irre, wie sehr dem Spiel Wichtigkeit beigemessen wird, was die Gesichter ausdrücken. Und der Kommentator versucht das zu verstärken. Aber es ist nichts weiter als eine Vereinbarung: wer den Ball in dieses Dings bugsiert, ist King, wer nicht, ein Looser. Auch wenn viel Glück und günstige / ungünstige Umstände im Spiel sind. Es ist etwas, das geschieht da auf dem Rasen und es ist wie eine Projektion für die Zuschauer. Es ist auch eine Geschichte von Auf- und Abwertung, von vielen Emotionen, durch den Kommentator verstärkt, auch durch die Zuschauer. Es ist wie ein Theater, in dem die eigenen Emotionen nach außen verlagert werden können, um sie auszuagieren. Dafür stellen sich die «Fußballer« zur Verfügung.


Was würde es bedeuten, wenn ALLER Gedankeninhalt nur eine Geschichte wäre?

Mir scheint es so, als seien alle Gedankeninhalte Geschichten. Es sind Bilder, Vorstellungen, Projektionen, Ausagieren, und es wird so getan, als wäre es Realität, bzw. es wird so erlebt, als sei es Realität. Es ist, als wäre alles zu verhandelnde Sachen, die hier den Alltag dominieren oder im Alltag auftauchen, damit wir was zu tun haben. Gedanken tauchen auf und es wird geglaubt und entsprechend gehandelt. Dann kommt noch die Ebene: wer hat Recht, Meinungen, meine gegen deine, Begründungen, Streit darum, ein echt umfangreiches Theaterstück hier. Das Fußballspiel ist ja nur EIN Theaterstück, in dem eine Geschichte von Erfolg und Misserfolg, Auf- und Abwertung, eine Nationalität gegen die andere, stattfindet / gespielt wird. Das findet auf vielen Ebenen sonst im Leben auch statt. Es geht um Rollen, Wichtigkeit, Macht, Über-/Unterlegenheit und die Kämpfe darum, eigentlich ganz oft, vielleicht sogar meistens. Also, es geht immer um ein »Ich«. Wie toll und stark bin »ich«. Vielleicht ist das alles so in uns verinnerlicht, dass wir es gar nicht wahrnehmen, dass wir dem allen Glauben schenken und so tun, als sei es das Leben. Gerade sehe ich es, als lägen über dem Lebendigsein Geschichten, die verhandelt und gespielt werden.

Was würde es nun bedeuten, wenn aller Gedankeninhalt nur eine Geschichte wäre? Dass wir hier eine Theaterwelt haben, dass Gedanken dafür da sind, unsere Themen zu projizieren, uns zu verzahnen mit anderen, mit deren Geschichten, um alle Gefühle und Handlungen anzutreiben, damit Gefühle und Handlungen geschehen und erlebt werden.
Die Sequenz des Fußballspiels ohne Ton ist wie eine Metapher dieses Interagierens, dieses Ausagierens, dieses Ernstnehmens des großen Theaterspiels hier.

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barb
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Sun Jan 03, 2021 12:25 pm

den link, den du geschickt hattest, hat die fifa rausgenommen)

Danke für die Info... :)

ohne Ton, merke ich, dass es mich relativ unberührt lässt, obwohl die schnelle Handlung etwas Treibendes hat. Ich bin überhaupt kein Fußballfan, aber beim Anschauen mit Ton bemerke ich, wie mitreißend die Emotionen sind, die Gesichter und die treibende Stimme des Kommentators. Ich spüre, wie in meinem Körper etwas anspringt, wie eine Spannung im Bauch entsteht. Es ist interessant, das zu beobachten, und es ist interessant zu sehen, wie sehr die Menschen dieser Geschichte folgen von Sieg und Niederlage.
:)
Vielleicht ist das alles so in uns verinnerlicht, dass wir es gar nicht wahrnehmen, dass wir dem allen Glauben schenken und so tun, als sei es das Leben.

Gerade sehe ich es, als lägen über dem Lebendigsein Geschichten, die verhandelt und gespielt werden.
Sehr schön ausgedrückt...
Was würde es nun bedeuten, wenn aller Gedankeninhalt nur eine Geschichte wäre? Dass wir hier eine Theaterwelt haben, dass Gedanken dafür da sind, unsere Themen zu projizieren, uns zu verzahnen mit anderen, mit deren Geschichten, um alle Gefühle und Handlungen anzutreiben, damit Gefühle und Handlungen geschehen und erlebt werden.
Die Sequenz des Fußballspiels ohne Ton ist wie eine Metapher dieses Interagierens, dieses Ausagierens, dieses Ernstnehmens des großen Theaterspiels hier
Was bedeutet das für „deine“ Geschichte? Der Geschichte der Suche, der Geschichte der Trennung und des autonomen „Ichs“? Ist diese Geschichte mehr als die Stimme eines Kommentators der gemäß des Inputs der Zeitlebens eingetrichtert wurde Geschichten über das direkte Erleben legt?

Es wäre eine gute Idee eine Gelegenheit zu finden, in der Natur oder in einem Park mit einigen Bäumen spazieren zu gehen. Sobald du dort bist, setze dich oder stehe einfach für eine Weile still und bemerke, was passiert: Vogelgezwitscher, Wind, vielleicht Sonne, Bäume, Gras, vielleicht Wasser, alle Erlebnisse die in diesem Moment geschehen. Tiere, Geräusche, Pflanzen, Gefühle, Gedanken...

Wenn das nicht geht, dann kannst du auch einfach aus dem Fenster schauen und dort das Treiben beobachten den Verkehr oder was auch immer... Was gerade für dich möglich ist..

Schau dich um und benutze dabei deine Sinne und lasse die Gedanken über das Geschehen ruhig weiterziehen wie Wolken am Himmel. Beobachte und staune!

Dann frage dich:

Woher kommt all das Steuern in der Natur?
Woher weiß der Vogel, das er jetzt weg fliegt?
Woher weiß der Baum dass er jetzt ruhen muss?
Wer bewegt das Gras? Und den Wind?



Schau dir das alles mit den Augen eines Kindes an!

Sei ganz im Moment, wenn du bemerkst, dass du in Gedanken bist, dann freue dich, dass du es gemerkt hast und komme wieder zum Beobachten zurück.

Dann schau:

Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”? Fehlt hier irgendetwas?
Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein? Gibt es “unvollständige, halbe oder geviertelte” Erfahrung?
Sollte irgendetwas geschehen, damit dieser Moment "vollständiger" wäre?
Gibt es irgendetwas anderes als Wahrnehmung/Erfahrung?


Lass dir ruhig wieder ein paar Tage Zeit und beobachte immer wieder... :)
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Wed Jan 06, 2021 10:24 pm

Was bedeutet das für „deine“ Geschichte? Der Geschichte der Suche, der Geschichte der Trennung und des autonomen „Ichs“? Ist diese Geschichte mehr als die Stimme eines Kommentators der gemäß des Inputs der Zeitlebens eingetrichtert wurde Geschichten über das direkte Erleben legt?

oh nein, es ist ganz und gar nicht mehr, es ist dasselbe, mit Inbrunst erlebte Suche, alle Register werden gezogen: Hoffnung, Ohnmacht, Wut, Wissenwollen, Vertrauen, Nicht-Vertrauen, Verzweiflung, Zuversicht, Genervtsein, Verstehen, nicht-Verstehen, alles das und vielleicht noch mehr sind im Spiel und werden ausgelebt.
Aber manno: ohne die Suche, woher sie auch immer angetrieben kam, würde ich das gar nicht erkennen …

In den letzten drei Posts bin ich irgendwie tiefer reingerutscht in das Sehen, in so ein anderes Fahrwasser von Erleben und Sein. Ich glaube, es fing an mit dem Widerstand gegen deinen letzten Post im alten Jahr, mit dem Erkennen, dass meine Erwartungen im Wege stehen und auch mit der Erforschung der Aufgabe mit dem youtube-Fußball-Video.
Ich bin seitdem irgendwie tiefer reingesackt in so ein dickeres Erleben, keine Ahnung wie zu erklären. Auch bin ich sehr berührt von vielem. Beim Meditieren verschwimmt das innere Bild des Körperschemas, es ist ein grenzenloseres Erleben.

Im Park ist es schön.
Woher kommt all das Steuern in der Natur?
Woher weiß der Vogel, das er jetzt weg fliegt?
Woher weiß der Baum dass er jetzt ruhen muss?
Wer bewegt das Gras? Und den Wind?

Ich kann nicht sagen, woher all das Steuern in der Natur kommt. Es geschieht einfach. Der Vogel fliegt einfach, er macht es nicht, es geschieht genau so, wie Gehen beim Menschen geschieht oder schauen oder hören ohne eine Instanz, die das veranlasst wie einen Geher, einen Seher, einen der hören veranlasst. Der Baum ruht einfach, das Gras bewegt sich, der Wind weht einfach. Es ist schön, in diesem stillen Bewegen zu sein.

Ich bin auch in Kontakt damit, wie abgefahren es eigentlich wirklich ist, dass Menschen, Tiere, Pflanzen so existieren, wachsen, gedeihen. Dass unser Menschsein EINER Zelle entspringt. Dass wir uns bewegen können, dass wir überhaupt funktionieren!, dass der ganze komplexe Aufbau dieses Körpers mit all den ineinandergreifenden Funktionen lebendig ist!! Es ist sooo abgefahren. Das Lebendigsein ist das Irre, dass alles lebendig ist, und keiner kann das machen. Das ist irgendwie so umwerfend und überwältigend. Und wir machen uns nen Kopf um son Kleinkram, will ich gar nicht aufzählen. Aber wir sind wohl so konstruiert, dass wir uns im Erleben verstricken, durch unsere Gefühle und Gedanken, die so einen Zug haben, so eine Zugkraft zum Ausagieren. Unsere Gesellschaft des Spätkapitalismus, des höher, weiter, besser peitscht das an.

Mir ist auch heute beim Hören eines Vogelgezwitschers bewusst geworden, dass das nicht außen, sondern irgendwie zu »mir« gehört, zusammengehört im Bewusstsein.


Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”? Fehlt hier irgendetwas?
Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein? Gibt es “unvollständige, halbe oder geviertelte” Erfahrung?
Sollte irgendetwas geschehen, damit dieser Moment „vollständiger“ wäre?
Gibt es irgendetwas anderes als Wahrnehmung/Erfahrung?

Nein, alles ist vollständig, absolut vertrauenswürdig in diesem Lebendigsein, in diesem ganzen Lebendigsein.

Es gibt nur Wahrnehmung und Erfahrung, nichts anderes. Wie schön ist das, Lebendigsein wahrzunehmen und zu erfahren.

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Thu Jan 07, 2021 11:20 am

Wow, wie wundervoll <3

Lass einfach alles mal ein bisschen sacken für ein paar Tage, lass dich treiben, lass die Suche auslaufen...

Melde dich wenn dir danach ist und erzähl mal so ein klein wenig aus deinem Alltag wie es dir so ergeht mit der neuen Perspektive... :)
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Mon Jan 11, 2021 12:24 pm

Melde dich wenn dir danach ist und erzähl mal so ein klein wenig aus deinem Alltag wie es dir so ergeht mit der neuen Perspektive... :)

es geht alles schön … berührend … einfach … da ist eine Sehnsucht nach mehr Natur, nach mehr draußen sein, eine Sehnsucht, dahin zu lauschen unter das Gebrabbel der Welt, unter das, was auch hier an Gedanken auftaucht. Eine Sehnsucht auch, mehr zu lauschen, einfach zu sein, auch weniger zu arbeiten (glücklicherweise ist die Arbeit dafür sehr gut vorbereitet und eingefädelt, es ist nicht sooo viel, wie extra dafür bereitgestellt ; )
Gefühle sind momentan wenig außer diesem wunderbaren Gefühl, das wie ein lieblicher Geschmack ist und im ganzen Körper spürbar. Wenn Gefühle auftauchen, tauchen sie auf und können gesehen werden und gefühlt werden ohne Not, ohne Identifikation. Es wird gesehen, dass die Dinge geschehen, ich schaue »mir« zu, wie die Dinge geschehen aus den Händen heraus, Beinen heraus, Mund heraus. Es ist gar nicht »mein« Körper, es ist ein wunderbares Ding, das hier wahrnimmt. Das Leben läuft quasi normal weiter, und darunter ist eine Verbundenheit, ein tiefes Berührtsein. Ein tiefes Berührtsein zum Beispiel auch darüber, dass dieser Körper hier FUNKTIONIERT!, Da gluckert ein Magen und da ist viel Dankbarkeit, Berührtsein darüber, dass dieser Körper das alles hier macht, ganz von allein. Auch ein Gedanke: bekommt er genug Gutes, um seine »Arbeit« zu machen? Da taucht auf, dass draußen sein und Bewegung und gutes Essen ein Interesse ist, eine Freude und für den Körper gleichzeitig gut ist. Und hier in der Wohnung einfach zu sein, draußen die Flocken zu sehen, die Vögel zu hören, die Wärme zu spüren, das Bewegen der Zehen in der Socke fühlt sich so behaglich schön an ; ) . Es ist so schön, das alles wahrzunehmen, Alles ist so stimmig und gut, dieses ganze Lebendigsein von allem.
Und gerade merke ich, dass das Schreiben darüber, das dem Nachgehen und Worte finden, noch mehr Erkennen bereitstellt. <3

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Tue Jan 12, 2021 10:24 am

So schön... <3

Es freut mich total wie sich das bei dir entwickelt... :) Willst du das alles mal einfach so genießen? Ich hätte sonst auch noch ein paar obligatorische Fragen für dich um zu sehen ob noch irgendwas angeschaut werden möchte...

:))
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Fri Jan 15, 2021 9:01 pm

in den Tagen hat sich im Alltagsgerausche das Tägliche mehr nach vorn geschoben, und dennoch: etwas ist gewiss und anders, ich merke es auch daran, dass die Suche irgendwie zum Ende zu kommen scheint, so ist meine Wahrnehmung. Wer hätte das gedacht! Gleichzeitig ist da ein Gedanke: halte ich da doch noch irgendwie ein Ich nebenher aufrecht? Oder ist das nur das gewohnte Zentrum, von hier aus zu erleben? Ich weiß es nicht und bin da ein bisschen unsicher. Zweifel ist zweifelsohne ein Prägungsmuster von diesem neuronendurchfluteten Zellhaufen hier. Aber: ich erlebe nicht durchgehend Ich-frei. Kann mir aber auch denken: zu was wäre das denn gut? Wenn ich Zeit habe und zur Ruhe komme, lausche ich hinein und erlebe keine Grenzen zwischen innen und außen, erlebe, dass es weder innen noch außen gibt. Aber ich sehe nicht, dass Ich auch das Haus bin oder so was. Und da ist aber auch eine andere Wahrnehmung dieses Körpers hier: irgendwie ein anderer Körperbezug, es lässt sich nicht mal in Worte fassen, leichter, nicht-identifiziert oder etwas in der Art, nicht-ich. Ein Körper, der geht, der handelt, nicht durch ein Ich. Und erlebe auch sowas: wenn gerade gesehen wird: hier ist keine Steuerfrau, schwindelt es energetisch im System. Oft erlebe ich einen physischen Ablauf, eine Geste, dazu ein Wort, im Nachhall: Das, was »ich« gerade gesagt hatte und es ist deutlich: es geschieht, aber nicht durch »mich«.
Ich weiß nicht, ob da tieferes oder weiteres Schauen gut wäre, bin ein bissel unsicher. Und gleichzeitig ist da auch eine Sicherheit. Verstehst du das?

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Sat Jan 16, 2021 11:55 am

in den Tagen hat sich im Alltagsgerausche das Tägliche mehr nach vorn geschoben, und dennoch: etwas ist gewiss und anders, ich merke es auch daran, dass die Suche irgendwie zum Ende zu kommen scheint, so ist meine Wahrnehmung. Wer hätte das gedacht!
Wunderbar :) Ja, das ist normal, und so wie du es beschreibst hört es sich an wie ein Perspektivenwechsel – genau das ist es... :) Irgendwie läuft das Leben ziemlich gleich wie vorher doch der Blickwinkel hat sich ein wenig verschoben... Es ist irgendwie so wie bei einem Ventilator der ausgeschaltet wurde, und der dreht sich halt einfach noch ein paar Runden weiter...
Gleichzeitig ist da ein Gedanke: halte ich da doch noch irgendwie ein Ich nebenher aufrecht?
Du siehst das ganz richtig: Es ist da ein Gedanke... ;) Gedanken werden immer mal dies und dann mal das erzählen, gemäß der Konditionierungen. Es reicht schon ihn als solches zu sehen, es muss nichts geschehen damit, einfach immer wieder die Gedanken hinterfragen und mit der direkten Erfahrung vergleichen...
Oder ist das nur das gewohnte Zentrum, von hier aus zu erleben? Ich weiß es nicht und bin da ein bisschen unsicher. Zweifel ist zweifelsohne ein Prägungsmuster von diesem neuronendurchfluteten Zellhaufen hier. Aber: ich erlebe nicht durchgehend Ich-frei.
Wie ist der Unterschied zwischen Ich-frei und nicht Ich-frei? Wie zeigt sich dieses vermeintliche Ich? Beschreibe es mir unter Einbeziehung der fünf Sinne. Was davon ist zu sehen-hören-spüren-riechen-schmecken? Was davon ist Gedanke?
Kann mir aber auch denken: zu was wäre das denn gut?
Genau, es ist nichts verkehrt wenn da Ich-Gefühle und Ich-Gedanken sind, und sie werden/sollen auch gar nicht verschwinden. Es ist nur wichtig sie als solches zu erkennen und nicht wieder der Fabel einer getrennten Entität aufzulaufen...

Wenn ich Zeit habe und zur Ruhe komme, lausche ich hinein und erlebe keine Grenzen zwischen innen und außen, erlebe, dass es weder innen noch außen gibt.
Wenn du keine Zeit hast und im Stress bist, ist da dann tatsächlich innen und außen? Haben die Gedanken dann überhaupt Zeit was davon zu erzählen, oder ist da einfach der Autopilotenmodus an der von einem Eck zum anderen hetzt und hinterher plaudern die Gedanken wieder was vom Märchen der Trennung?

Aber ich sehe nicht, dass Ich auch das Haus bin oder so was.
Hihi :)) Wieso solltest du das auch so sehen oder spüren? Wäre das nicht total unpraktisch wenn du dich körperlich als alles spüren würdest? Woher wüsstest du dann dass du das Essen in den Mund und nicht in den Briefkasten geben musst?... ;)
Zu erkennen, dass es keine Trennung gibt bedeutet nicht, dass du dich auf einmal eins mit dem Baum fühlst oder so (im Sinne von körperlich spüren)... Zwicke dich jetzt gleich mal in den linken Oberarm so dass du es gut spürst. Dann spüre mal in den rechten großen Zeh... Der kann das Zwicken vermutlich nicht spüren, und du würdest das auch nicht erwarten, oder? Trotzdem denkst du da nicht an Trennung...

Und da ist aber auch eine andere Wahrnehmung dieses Körpers hier: irgendwie ein anderer Körperbezug, es lässt sich nicht mal in Worte fassen, leichter, nicht-identifiziert oder etwas in der Art, nicht-ich. Ein Körper, der geht, der handelt, nicht durch ein Ich. Und erlebe auch sowas: wenn gerade gesehen wird: hier ist keine Steuerfrau, schwindelt es energetisch im System. Oft erlebe ich einen physischen Ablauf, eine Geste, dazu ein Wort, im Nachhall: Das, was »ich« gerade gesagt hatte und es ist deutlich: es geschieht, aber nicht durch »mich«.
:)
Ich weiß nicht, ob da tieferes oder weiteres Schauen gut wäre, bin ein bissel unsicher. Und gleichzeitig ist da auch eine Sicherheit. Verstehst du das?
Ja ich glaube zu verstehen was du meinst... Und dieses Unsicherheit – Sicherheitsgefühl ist das irgendwie so wie im freien Fall zu sein, ohne irgendeinen Halt zu haben? Und aber irgendwie zu sehen dass das in Ordnung ist, weil es keinen Boden zu aufklatschen gibt... ;)
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Sat Jan 16, 2021 10:26 pm

Wie ist der Unterschied zwischen Ich-frei und nicht Ich-frei? Wie zeigt sich dieses vermeintliche Ich? Beschreibe es mir unter Einbeziehung der fünf Sinne. Was davon ist zu sehen-hören-spüren-riechen-schmecken? Was davon ist Gedanke?
Aijai, du kehrst nochmal in den Ecken, danke. Ist natürlich nirgendwo ein Ich, Ich ist Gedanke, nicht real. daher auch keine Sinneswahrnehmung.


Es ist nur wichtig sie als solches zu erkennen und nicht wieder der Fabel einer getrennten Entität aufzulaufen..

ja, das ist gesehen: es gibt keine getrennte Entität, das ist deutlich.


Wenn du keine Zeit hast und im Stress bist, ist da dann tatsächlich innen und außen? Haben die Gedanken dann überhaupt Zeit was davon zu erzählen, oder ist da einfach der Autopilotenmodus an der von einem Eck zum anderen hetzt und hinterher plaudern die Gedanken wieder was vom Märchen der Trennung?

: ) ja, so ähnlich ist das: der Autopilotmodus ist dann an. Über innen und außen kommt dann kein Gedanke auf. Innen und außen ist nie real. Erst später taucht manchmal so ein Gedanke auf, ob das Ganze, die neue Perspektive » denn auch sitzt« (ja, ein GEDANKE, der einfach ein Gedanke ist entlang der Konditionierungen hier; ein Gedanke, der nicht wahr ist). Vielleicht auch, weil es zwar in Phasen der Entspannung sehr offen und weit sich anfühlt, aber sonst im Leben alles normal läuft, und doch ist eine neue Grundierung da und das macht wiederum alles anders. Diese Grundierung, Unterlegung oder Perspektive ist so vertrauenswürdig, macht irgendwie tiefinnerlich froh, verbunden, berührt. Es ist immer wieder abgefahren: wenn ich Worte finden möchte und auf der Suche tiefer reinlausche, spüre, öffnet sich das Ganze tiefer dem Sehen.


Zu erkennen, dass es keine Trennung gibt bedeutet nicht, dass du dich auf einmal eins mit dem Baum fühlst oder so (im Sinne von körperlich spüren)... Zwicke dich jetzt gleich mal in den linken Oberarm so dass du es gut spürst. Dann spüre mal in den rechten großen Zeh... Der kann das Zwicken vermutlich nicht spüren, und du würdest das auch nicht erwarten, oder? Trotzdem denkst du da nicht an Trennung...

Danke für den hilfreichen Hinweis, den hatten wir sogar schon mal, ich erinnere mich. Ich krieg mit, dass es nur Gedanken (hier Zweifel gemäß der Konditionierungen) oder Vorstellungen sind, ebenfalls entlang der Konditionierungen.


Und dieses Unsicherheit – Sicherheitsgefühl ist das irgendwie so wie im freien Fall zu sein, ohne irgendeinen Halt zu haben? Und aber irgendwie zu sehen dass das in Ordnung ist, weil es keinen Boden zu aufklatschen gibt... ;)

ja, ein bisschen das, aber es ist eher das vom vorigen Absatz: Gedanken (Zweifel) und Vorstellung, die anscheinend auftauchen und Unsicherheit erzeugen, wo eigentlich Gewissheit ist, weil es gesehen ist.
Dass da kein Handelnder ist, ist gesehen, aber die Dimension dieser Realität noch nicht umfänglich.
Ich genieße dieses wundervolle Gefühl im Körper über den Körper hinaus, das sich besonders in Zeiten der Entspannung zeigt. Da ist Verbundenheit, klares Erleben der Nicht-Trennung bzw. dass da keine getrennte Person ist. Die Person wird in »meiner« Wahrnehmung irgendwie undeutlicher, ganz eigenartig, als wenn »ich mich« nicht mehr so erkenne und erlebe. Das ist der Perspektivwechsel, das nicht-identifzierte Sehen, dass da ein Körper agiert, aus sich selbst heraus.
Hab so großen Dank : ) <3

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Sun Jan 17, 2021 11:31 am

: ) ja, so ähnlich ist das: der Autopilotmodus ist dann an. Über innen und außen kommt dann kein Gedanke auf. Innen und außen ist nie real. Erst später taucht manchmal so ein Gedanke auf, ob das Ganze, die neue Perspektive » denn auch sitzt« (ja, ein GEDANKE, der einfach ein Gedanke ist entlang der Konditionierungen hier; ein Gedanke, der nicht wahr ist). Vielleicht auch, weil es zwar in Phasen der Entspannung sehr offen und weit sich anfühlt, aber sonst im Leben alles normal läuft, und doch ist eine neue Grundierung da und das macht wiederum alles anders. Diese Grundierung, Unterlegung oder Perspektive ist so vertrauenswürdig, macht irgendwie tiefinnerlich froh, verbunden, berührt. Es ist immer wieder abgefahren: wenn ich Worte finden möchte und auf der Suche tiefer reinlausche, spüre, öffnet sich das Ganze tiefer dem Sehen.
Oh ja, diese allem zugrunde liegende „Okayness“...<3....

Es wird immer wieder Turbulenzen geben, mal auch heftigere Achterbahnfahrten... Und die Persönlichkeit bleibt fast vollständig intakt, wenn das Selbst durchschaut wird. Alle Konditionierungen von Kindheit an, alle Traumata, alle gesammelten emotionalen Schmerzen lösen sich nicht sofort auf, nur weil die Illusion durchschaut wird. Viele werden höchstwahrscheinlich bleiben, sind jedoch viel zugänglicher und einfacher zu bearbeiten, nach der Durchschauung. Das Abfallen der Konditionierung kann bis zum Ende des Organismus anhalten. Die Ich-Illusion zu durchschauen ist sowas wie der erste Schritt - erst der Anfang und nicht das Ende... Manchen reicht das schon, andere schauen danach noch weiter... Du weißt schon: Niemand da der was steuert... ;)
ja, ein bisschen das, aber es ist eher das vom vorigen Absatz: Gedanken (Zweifel) und Vorstellung, die anscheinend auftauchen und Unsicherheit erzeugen, wo eigentlich Gewissheit ist, weil es gesehen ist.Dass da kein Handelnder ist, ist gesehen, aber die Dimension dieser Realität noch nicht umfänglich.
Ich würde mal sagen, es ist eventuell einfach nur ungewohnt... :)

Ist es nicht schon wieder eine Erwartung eine umfänglichere Sicht „dieser Dimension der Realität“ zu erlangen? Es ist immer nur so wie es ist – basta! Wenn die Wahrheit jetzt nicht da ist, wo sollte sie denn sonst sein?
Ich genieße dieses wundervolle Gefühl im Körper über den Körper hinaus, das sich besonders in Zeiten der Entspannung zeigt. Da ist Verbundenheit, klares Erleben der Nicht-Trennung bzw. dass da keine getrennte Person ist.
Schön... Zum Thema Entspannung können wir gerne noch ein wenig plaudern wenn wir hier fertig sind... :)
Die Person wird in »meiner« Wahrnehmung irgendwie undeutlicher, ganz eigenartig, als wenn »ich mich« nicht mehr so erkenne und erlebe. Das ist der Perspektivwechsel, das nicht-identifzierte Sehen, dass da ein Körper agiert, aus sich selbst heraus.
Hab so großen Dank : ) <3
<3

Lass uns einfach mal einen Blick auf die Fragen werfen, dann sehen wir schon weiter:

1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?


2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Mon Jan 18, 2021 12:25 am

1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges „Ich“, „Mich“ oder „Selbst“?
Gab es das jemals?

Nein, es gibt kein eigenständiges Ich, Mich, Selbst. Es ist ein Wunder, wie und dass es geschieht, dass Handeln, Fühlen, Sehen, Hören, Schmecken, Riechen stattfindet. Wie sollte ein »Ich« das jemals tun können? Es geschieht und so war es immer, auch bevor es erkannt wird, dass es kein Ich, Mich, Selbst gibt. Auch wenn das nicht so erlebt wurde und ein Ich angenommen wurde, ist keins da gewesen. Es ist nicht real, sondern eine Annahme, die wir über unsere Erziehung / die Gesellschaft gelernt haben und auf diese Weise konditioniert wurden, diese Annahme zur Wirklichkeit zu erheben.



2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.

Die Ich-Illusion: wenn irrtümlicherweise angenommen wird, dass »Ich« der Auslöser, die Intitiatorin für »mein« Handeln, »mein« Fühlen, »mein« Sehen, »mein« Hören ist. Dass da eine implementierte Instanz im System ist, die das alles tut und macht und regelt und anschiebt. Dass »Ich« als Erleberin von Erlebnissen gedacht / angenommen wird. Wenn »Ich« mich als die Urheberin sehe, glaube »ich meinen« Gedanken. Wenn sich dementsprechend eine Gemengelage von Gedanken, daran anknüpfenden Gefühlen/Befindlichkeiten etc ergibt, ein ganzer Film von gedachten Welten, in die sich hineinmanövriert wird, wird das alles geglaubt und sich damit identifiziert. Es wird dem geglaubt, was sich da an Gefühl/Gedanken-Komglomerat durch den Körper schiebt. Was sich da durchschiebt, ist jedoch das, was sich da durchschiebt: Körperempfindungen, die Gedanken auslösen und Gedanken, die Körperempfindungen auslösen. Die Ich-Illusion ist, wenn dem geglaubt wird, wenn sich damit identifiziert wird. Wenn das dann so auf sich selbst, auf ein »eigenes Selbst« bezogen erlebt wird, wird geglaubt, dass das auch bei dir und den anderen auf der Welt so ist. Jeder steht für sich allein da und fühlt sich getrennt und dafür verantwortlich, dass »er« sich mies fühlt, nur weil eine unbehagliche Körperempfindung durch den Organismus zieht, sich darauf bezogene konditionierte Gedanken einstellen, was die Körperempfindung verstärkt oder zuerst der Gedanke und darauf bezogen stellt sich die Körperempfindung ein, was weitere Gedanken- und Empfindungsspiralen in Gang setzt. Dass sich damit identifiziert wird und es »mich« total anfüllt, also »Ich bin das und das«, das unterstützt die Ich-Illusion.

Wenn die Verbindungen aus Gedanken und Gefühlsgebilden viel Raum im Erleben einnehmen, wird das reine Erleben mit den Sinnen auch zurückgedrängt bzw. nicht bewusst wahrgenommen. Im reinen Erleben wie dem Sehen, Spüren, Hören ist die Nichtgetrenntheit, das Nicht-Selbst wahrnehmbar, die Übungen, die wir gemacht haben, haben das schöne nahe gebracht.

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barb
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Mon Jan 18, 2021 10:15 am

Sehr schöne Antworten, habe dem nichts hinzuzufügen... <3

Eine Frage hast du vermutlich übersehen, bitte beantworte diese auchnoch.
Du hast geschrieben:
Dass da kein Handelnder ist, ist gesehen, aber die Dimension dieser Realität noch nicht umfänglich.
Und meine Frage darauf war: Ist es nicht schon wieder eine Erwartung eine umfänglichere Sicht „dieser Dimension der Realität“ zu erlangen? Es ist immer nur so wie es ist – basta! Wenn die Wahrheit jetzt nicht da ist, wo sollte sie denn sonst sein?

Hier zwei weitere Fragen:

3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.

4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
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MarieAnna
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Tue Jan 19, 2021 12:28 am

Dass da kein Handelnder ist, ist gesehen, aber die Dimension dieser Realität noch nicht umfänglich.
Und meine Frage darauf war: Ist es nicht schon wieder eine Erwartung eine umfänglichere Sicht „dieser Dimension der Realität“ zu erlangen? Es ist immer nur so wie es ist – basta! Wenn die Wahrheit jetzt nicht da ist, wo sollte sie denn sonst sein?

schön, dass du erinnerst und das eröffnet die Möglichkeit, das nochmal durchlaufen zu lassen. Ja, es ist eine Erwartung und es ist einfach immer wieder gut, dieses Konstrukt zu überprüfen. Es ist so entlang dieser Prägung und wirklich gut, wieder zu sehen, was Erwartung macht: sie steht dem Erleben im Weg wie eine Wolke vor der Sonne (entschuldige die Plattitüde). Es ist so wie es ist, und es ist gut so wie es ist und es ist wunderbar so wie es ist und hier ist die ganze Wahrheit, und sie ist vollständig, das wird mehr und mehr gesehen.


3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.

Es ist ein Erleben von tiefer Verbundenheit, Lebendigkeit, Freude, Leichtigkeit, Weite, Dankbarkeit, Stimmigkeit (und ja: da ist auch Streit mit Herzklopfen ; ) und nach dem Streit nehme ich wahr, dass da ein sehr energetisches Kribbeln im ganzen Körper sich wohlig anfühlt). Ja, dieser wunderbare Körper, der nicht »meiner« ist! Da werden sanfte, schöne, weite, ganz wunderbare Körperempfindungen erlebt, mal weniger, mal mehr, je nachdem, ob es hier gerade gemütlich ist oder mehr Dampf gemacht wird. Der Körper wird erlebt als hingebungsvolles, bereitwilliges Instrument, als treuer selbstloser Gefährte, der hier Erleben ermöglicht, all die Schritte gelaufen ist und läuft, all den Stress und die Nöte und das Herzklopfen, das Hetzen und Jagen, den kritischen Blick dieser Person hier und den vollgestopften Magen und soviel anderes mitgemacht hat. Dafür ist viel Berührung und Dankbarkeit da, dass dieser Körper einfach da ist. Ehemals kritische Blicke auf manche Körperstellen sind einer Dankbarkeit gewichten über die Verbindlichkeit und Treue dieses abgefahren komplexen lebendigen Gebildes, in dem es ohne Unterlass pulsiert und pumpt und verstoffwechselt und transformiert. Und wieviel abgefahren komplexe Gebilde es noch so gibt!

Da ist ein Erleben wie an der Mutterbrust genährt zu sein, ohne Ende und ohne Sorge vor dem Ende. Ein Genährtsein, das immer da ist, keine Quelle, nach der gesucht werden muss, sondern die, die immer da ist. Dieses vertrauenswürdige Bett, das gemacht ist, um in der Geborgenheit zu ruhen, auch im Tun. Oh meine Güte, was schreibe ich da für Metaphern, aber es sind wirklich ganz passende Bilder, um das zu beschreiben und in Worte zu fassen. Es gibt nicht diese Person hier, die handelt, die das ganze Zeug hier im Leben richten muss, sondern es ist ein Erleben, ein Geschehen, das hervorströmt aus der allgegenwärtigen großzügig gebenden »Mutterbrust«. Ein Vertrauen ist einfach da, dass alles richtig und gut ist.

Das Leben geschieht weiter, und es ist einfach schön, da mitzuströmen im Fluss der Geschehnisse und der Betrachtungen. Herausforderungen sind einfacher zu nehmen, weil dieses nicht-identifizierte Erleben es viel leichter macht. Manchmal ist da auch (wie vorhin im Streit) identifiziertes Erleben, und das ist auch okay, und es ist schnell klar: da werden Muster ausagiert, die sich ineinander verfangen und dann lösen sie sich auch wieder. Das Leben strömt weiter.

Das alles ist anders als vor dem Dialog. Da war soviel heftige Not und Ambitioniertheit, jetzt endlich einmal weiterzukommen, dann diese Widerstände und die Gedanken, es nicht zu blicken, es niemals zu blicken, entlang der Prägung natürlich.
Da war auch zuvor oft dieses Hinwirken, Hinorientieren auf etwas in der Zukunft, auf das Nächste und das Folgende. Das verebbt gerade, da ist ein Genießen und freudiges Verweilen im jetzt, auch mit Gedanken, ja durchaus, und auch ohne. Viel angenehmens, weites, ganz neues und entspanntes Körpergefühl, das war zuvor nicht da. Eigentlich kann gesagt werden: das, was die Sinne erleben, macht Freude, einfach eine Freude des direkten Erlebens.


4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

Das war eine Mischung, die aber ungefähr damit begann, dass dein Post die Widerstände in mir ausgelöst hast Ende des alten Jahres und ich die Erwartungen entdeckte als das, was sie sind: eine Behinderung, nichts anderes als eine VOR-Stellung – ein wirklich gut gefasstes Wort: Die Vor-Stellung stellt sich vor das Erleben.
Dann kam da die Aufgabe mit dem Fußballvideo wenig später und das, was sich da abspielte ohne Ton, mit Ton – das waren gute Hinweise von dir – machten klar, dass (Wunsch-)Vorstellungen und Gefühle und die Identifizierung damit so ein krasses Erleben hervorrufen können. Und Fußballspiel ist nur EINE Vorstellung, EINE Geschichte. Da sind ja unendlich viele Geschichten im Leben und Einladungen dazu, sich emotional-gedanklich-identifiziert in Welten zu schwingen, die einfach eins nicht sind: Wirklichkeit.
Und dann wurden die Hingucker zu den Handlungen, die sich handeln, aber nicht von »mir« gemacht werden, mehr und deutlicher und es fühlte sich unwirklicher, nicht-ichiger an. Ungefähr an Neujahr begann es, in diesem Erleben hier anders zu werden.

Hab großen ewigen Herzensdank, dass du dich bereitgestellt hast für dieses Ganze hier und wirklich gute und wirksame Hinweise gegeben hast. <3

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barb
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Tue Jan 19, 2021 11:10 am

Oh meine Güte, was schreibe ich da für Metaphern, aber es sind wirklich ganz passende Bilder, um das zu beschreiben und in Worte zu fassen.
Wunderschön... <3

Metaphern sind doch eine ganz hervorragende Möglichkeit zu versuchen sich dem Unaussprechlichen anzunähern... :)

Hier noch die letzten Fragen:

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden werden oder geschehen können?

6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
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