If I were the subject of this thread, what would I be?

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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby barb » Mon Nov 11, 2019 1:06 pm

OK, neuer Versuch. Manche Dinge nehmen mehr Bandbreite in der Wahrnehmung ein als andere. Wenn du fragst, was nimmt Sehen wahr, dann ist ein Teil der Wahrnehmungsbandbreite auf dem Gesehenen und ein anderer Teil auf dem Vorgang des Sehens selbst; Wahrnehmung nimmt Wahrnehmen war. Wenn aber z.B. physischer Schmerz von einer Hand auf der Herdplatte wahrgenommen wird, läuft der Vorgang die Hand schnellstmöglich wegzuziehen ab ohne dass Bandbreite für diese zweite Form des bewussten Wahrnehmens übrig bleibt.
Es geht hier nicht darum alles analytisch zu zerlegen und „richtige“ Antworten zu finden. Jede Frage die ich stelle soll dich einfach nur dazu veranlassen zu schauen und eventuell mal zu sehen wie EIN-FACH alles ist ganz ohne den konzeptuellen Überbau... Es ist einfach immer nur wahrnehmen/erfahren da, danach geht die Einteilung los. An der sind wir aber nicht interessiert, sondern einzig nur an der Frage: Jenseits von Konzepten, gibt es da ein getrenntes „Ich“?
Was ist Verstand?
Eher: Wasser löst nicht ganz so viele Gedankenkonstrukte aus, die dann die Wahrnehmung dominieren.
Wie gesagt, das ist kein Quiz auf der Suche nach richtigen Antworten? Gibt es in DE (direkter Erfahrung) sowas wie „Verstand“?
Was würdest du sagen, wo wir seit dem Beginn unserer Untersuchung stehen? Könnte/sollte etwas anders sein als es ist? Was willst du und wo willst du hin?
Es sind ein paar interessante Dinge geschehen. Gedanken von direkten Sinneserfahrungen unterscheiden zu lernen ist mächtig.
Das ist das Allerwichtigste :) Immer wieder Nachzuschauen, ob Gedanken etwas mit dem was jetzt hier ist zu tun haben, also wie real das ist was sie erzählen, und ob das getrennte „Ich“ bzw. generell Trennung mehr ist als ein Gedanken...
In emotional schmerzvollen Situationen nur auf körperliche Sinneseindrücke zu achten hat mir gezeigt wie viel Leiden aus Gedanken kommt. Die Gewohnheit fokussiert noch gerne Gedanken, aber häufig kommt dann die Intention in den Körper zu gehen und das nimmt den Gedanken den Wind aus den Segeln.
Großartig... :)
Irgendwie ist da aber immer ein Widerstand die Gedanken bei Seite zu legen...
Das ist ganz normal... Jahrelange oder gar jahrzehntelange Gewohnheiten verschwinden nicht plötzlich. Der Widerstand gegen Neues ist eine Energiesparmaßnahme des Gehirns, das Gehirn mag keine Veränderungen... Warum auch, wenn das was bisher gewesen ist zum Überleben beigetragen hat, weshalb dann ein Risiko eingehen... :))
Da ist auch ein genereller Widerstand gegen die Übungen den ich nur schwer beschreiben kann. Ich habe vorher ein bis zwei Stunden am Tag Atem-Meditation gemacht, label aber jetzt oft statt dessen. Häufig stehe ich dann einfach auf bevor der Gong schlägt und weiß nichteinmal warum. Irgendwie wird es unangenehm. Manchmal ist da der leere Gedanke "Was tu ich hier überhaupt", "Warum", "Was ist der Zweck"; manchmal werde ich ungemein schläfrig; manchmal stehe ich auf ohne offensichtlichen Grund.
Hört sich alles gut an, gute Gelegenheit um zu beobachten wie ALLES einfach so geschieht, ohne Kontrolle... Entspann dich einfach so gut du kannst. Es klingt fast so, als ob das Sehen, dass es nirgendwo hinzukommen gilt immer mehr Raum einnimmt, also wozu dann noch quälende Übungen... ;) Es ist einfach so wie es ist. Für mich das Schönste nach dem Gatecrash war, dass es plötzlich absolut uninteressant wurde was jemand gemeint hat welche Praxis man machen sollte um da oder dort hin zu kommen... Es ist doch alles immer schon da... Folge doch dem Weg der Freude...:)
Generell mag ich die Übungen, sehe grob wo die Reise hin geht. Irgendwie windet sich etwas in mir ohne offensichtlichen Grund, ist mal müde, mal regt es sich auf und ist wütend. Ich habe das Gefühl ich habe so viele Geschichten von Ausreden durchschaut dass da einfach nur purer Widerstand ohne Geschichten ist, den ich nicht begreifen kann.

Was ich will? Ich dachte keine Erwartungen... ;-)
Haha, Fangfrage... ;)
Wenn ich mir was wünschen könnte, dann das der Widerstand aufhört und ich in Ruhe und Klarheit Wahrnehmen kann. Im Grunde ist es sehr lehrreich und ungemein interessant. Wo will ich hin? Nirgends. Hier und jetzt Sein ohne den Wunsch das es anders wäre wäre wünschenswert
Hach, dieses herrliche Paradox, der Wunsch nach Wunschlosigkeit...:) Ist nicht Wunsch und Widerstand auch einfach das was da ist, das was gesehen wird? (Zugegeben, je besser die Natur der Gedanken durchschaut wird, desto leichter wird gesehen, was jetzt hilfreicher Wunsch bzw. Widerstand ist, und was nur Gedankenzirkus...)


Das nächste Mal, wenn der kleinste Wunsch oder Widerstand auftaucht, lass ihn voll und ganz da sein, inklusive aller Empfindungen sowie Sekundärgedanken und -gefühle, Ich-Gedanken etc. Möglicherweise ist da auch ein Gedanke/Gefühl, dass dieser Wunsch persönlich ist, wehr dich nicht dagegen ...

Danach konzentriere dich voll und ganz auf das was da ist, lass jegliche gedanklichen Etiketten los, dazu gehört auch z.B. sowas wie "Spannung in der Brust" oder ein subtiles Anhängsel wie "unangenehm" oder "will ich nicht". Nimm den Moment mit allen Sinnen wahr.

Nun stell dir die folgenden Fragen (ohne auf das zu hören, was Gedanken möglicherweise dazu zu sagen haben):

Könnte diese Erfahrung in irgendeiner Art und Weise anders sein, als sie ist?

Könnte irgendein Moment jemals anders sein, als er ist?

Könnte es jemals einen Moment geben, der NICHT vollkommen ist, wie er ist? Fehlt hier und jetzt in direkter Erfahrung irgendwas? Wenn ja was?

Mach das ruhig mehrmals täglich. Suche wie ein Detektiv nach der Unperfektion innerhalb der Empfindungen! Kannst du sie finden?
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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby starflower » Tue Nov 12, 2019 10:23 am

Könnte diese Erfahrung in irgendeiner Art und Weise anders sein, als sie ist?

Könnte irgendein Moment jemals anders sein, als er ist?

Könnte es jemals einen Moment geben, der NICHT vollkommen ist, wie er ist? Fehlt hier und jetzt in direkter Erfahrung irgendwas? Wenn ja was?

Mach das ruhig mehrmals täglich. Suche wie ein Detektiv nach der Unperfektion innerhalb der Empfindungen! Kannst du sie finden?
Wow.

Absolut nichts könnte anders sein als es jetzt gerade ist. Ich kann nichts finden was fehlen könnte. Sicher, da sind Gedanken an "besser", aber das sind nur Gedanken.

Das würde ich gerne für mehrere Tage untersuchen. Heute geht es mir im Allgemeinen recht gut, lies da sind wenige Gedanken mit negativen Urteilen. Ich denke diese Übung wird mächtiger wenn sie in Zeiten mit negativ urteilenden Gedanken gemacht wird.
Jenseits von Konzepten, gibt es da ein getrenntes „Ich“?
Ich wüsste nicht wonach ich überhaupt suchen sollte.

Von der grundlegendsten Erfahrung ausgehend ist da Bewusstsein, Existenz, Sein, Wahrnehmung. In dieser Wahrnehmung können Sinneseindrücke auftauchen - sehen/hören/fühlen/denken - aber selbst ohne diese ist da Existenz. Existenz selbst ist dimensionslos und _alles_ was ist, also kann gar keine Trennung wahrgenommen werden.

Fühlen für sich allein genommen ist vollständig. Da ist keine Trennung von etwas das gefühlt werden kann und etwas das nicht gefühlt werden kann; Fühlen ist alles was ist. Erst wenn Fühlen mit Sehen abgeglichen wird, wird _geschlussfolgert_ dass Fühlen irgendwo aufhört und außerhalb dessen nicht gefühlt werden kann (die Grenzen des Körpers). Ditto mit Kombinationen von anderen Sinnesmodalitäten; es werden z.B. andere Dinge gesehen die so aussehen wie der eigene Körper aber deren Gedanken können nicht wahrgenommen werden, ergo muss Gedanken-Wahrnehmung Grenzen haben. All dies sind aber nur Schlussfolgerungen. Jede Sinnesmodalität für sich selbst genommen sind vollständig, ohne Trennungen - ganz einfach.

"Trennung" ist eine Schlussfolgerung, "Ich" ist eine Schlussfolgerung.
Gibt es in DE (direkter Erfahrung) sowas wie „Verstand“?
Im hören ist nur Hören, im denken nur Gedanken. Ein Auto das Geräusche macht oder ein Verstand der Gedanken produziert sind nur Schlussfolgerungen.

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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby barb » Tue Nov 12, 2019 12:31 pm

Ganz wunderbar geschaut :)

Nimm dir gerne alle Zeit die du zum Schauen möchtest.. Schreib dann einfach wenn du soweit bist und erzähl ein bisschen, wie es dir so gegangen ist...
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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby starflower » Tue Nov 12, 2019 9:53 pm

Nimm dir gerne alle Zeit die du zum Schauen möchtest.. Schreib dann einfach wenn du soweit bist und erzähl ein bisschen, wie es dir so gegangen ist...
Ich dachte zu der ersten Frage werde ich in Zukunft weiter Dinge schreiben wenn sie mir auffallen.

Ich würde trotzdem gerne dein Feedback zu den anderen zwei Antworten hören und da weiter graben wenn du Fragen / Anregungen / Kommentare hast.

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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby barb » Wed Nov 13, 2019 12:09 pm

Ja, gute Idee... :) Versuch immer wieder ins Schauen zu gehen...

Die Antworten für die zwei anderen Fragen klingen für mich ziemlich klar, ich hätte da im Moment jetzt nichts zum Nachhaken. Zum Thema Körper werden wir uns später noch ein, zwei Experimente anschauen... :)
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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby starflower » Thu Nov 14, 2019 9:27 am

Hier meine Beobachtungen der letzten Tage.

Selbst in einer unangenehmen Situation konnte ich nichts finden was fehlt. Klar waren da Gedanken, aber die waren über die Zukunft. Das hier und jetzt ist wie es ist, inklusive dem Drang es zu ändern. Aber es könnte _nichts_ anders sein und es fehlt auch nichts.

Nichts kann jemals anders sein als es jetzt gerade ist. "Jetzt" ist vollständig so wie es ist, alles ist da, sehen/hören/fühlen/denken. Und "Perfekt" / "Unperfekt" ist nur ein Gedankenkonstrukt.

Bewusst die Frage zu stellen, was jetzt und hier anders sein könnte, nimmt den Gedanken den Wind aus den Segeln. "Na, nichts, also warum aufregen?"

Es war recht stressig heute auf der Arbeit und da war ein Gedanken "Ich muss hier raus." Dann war da der Gedanke "Wohin denn?" Hier und jetzt ist alles was ist und nichts könnte anders sein.

Sehr schöne Übung!

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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby barb » Thu Nov 14, 2019 11:43 am

Großartig :)

Willst du da noch ein wenig dranbleiben? Oder gibt es irgendwas was du gerne näher anschauen möchtest?
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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby starflower » Fri Nov 15, 2019 1:04 pm

Ich fühle dass das abgeschlossen ist.

Du sagtest du hast noch andere Übungen auf dem Plan?

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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby starflower » Fri Nov 15, 2019 1:15 pm

Da ist eine Frage, aber ich bin mir nicht sicher ob die hier hin gehört:

Ich kann kein Ich mit den Sinnen finden. Aber trotzdem teilen du und ich nicht die gleiche Wahrnehmung. Ist das nicht eine Trennung?

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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby barb » Fri Nov 15, 2019 1:31 pm

Ich kann kein Ich mit den Sinnen finden. Aber trotzdem teilen du und ich nicht die gleiche Wahrnehmung. Ist das nicht eine Trennung
Ich würde es als Perspektive bezeichnen...

Was will das wissen und wozu? Wenn es anders wäre, würde der Verstand auch fragen warum ... :) Such nicht nach Antworten auf Fragen, die Fragen werden nie aufhören... Schau ob du eine Entität finden kannst, die wissen will...

Da wo du jetzt sitzt, streiche und/oder klopfe zuerst mit dem Zeigefinger über die Tischoberfläche. Dann mach das selbe mit dem Mittelfinger, dann mit dem Ringfinger... Wenn du es mit dem einen Finger machst, spürt das dann ein anderer? Sie gehören trotzdem zur selben Hand... :) Oder wenn du mit einer Hand ins kalte Wasser greifst und mit der anderen etwas warmes fühlst... Der Inhalt des Wahrnehmens ist ein anderer, doch wahrnehmen ist immer gleich...

Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen? "Wohnt" Präsenz an einem bestimmten Ort?

Schau bitte nacheinander mit Sinnen einzeln nach ganz ohne gedankliche Interpretation:

Gibt es in direkter Erfahrung einen Körper? Oder kannst du nur Empfindungen finden?

Ist es wahr, dass da tatsächlich ein Körper um ein "dich" herum vorhanden ist? Dann müsstest du ja wie aus einem Zelt heraus nach draußen schauen können. Kannst du eine wirkliche Hülle um das Gespürte herum wahrnehmen? eine klare Umgrenzung? Kannst du tatsächlich spüren, wo genau innen aufhört und außen beginnt? Wo genau ist diese Linie?

Kannst du z. B. sitzend mit geschlossenen Augen den Ort definieren, an dem Körper aufhört und Stuhl beginnt? Ist da tatsächlich "Körper" und "Stuhl", ohne eine Erinnerung, die "weiß", wie sich das jeweils anfühlt?

Werden nicht die Empfindung von Körper und alles andere gleichermaßen unmittelbar wahrgenommen? Oder kannst du da irgendwelche Unterschiede erkennen? Also z.B. beim Hören von Atemgeräusch vs. Windgeräusch.
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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby starflower » Sat Nov 16, 2019 8:00 am

Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen? "Wohnt" Präsenz an einem bestimmten Ort?
Es scheint als wäre Fühlen ein Wahrnehmungsfeld in dem, wie der Name schon sagt, Fühlen wahrgenommen wird. Es gibt kein Zentrum, es kann an jedem Ort in diesem Feld gleich klar wahrgenommen werden, manche Empfindungen sind nur weniger intensiv.
Werden nicht die Empfindung von Körper und alles andere gleichermaßen unmittelbar wahrgenommen?
Das gleiche gilt für Hören. Geräusche die mit dem Gedankenkonstrukt "weiter weg" auftreten sind einfach nur leiser als andere. Hören kennt kein nah und fern und "weiter weg" ist nur ein Gedanke. "Körpereigene" Geräusche sind auch nur Geräusche. Hören kann Richtungen ausmachen, aber diese zu einem "Zentrum" zurück zu verfolgen ist nur ein Gedankenkonstrukt.

Im Sehen mögen Dinge am Rand des Feldes andere Qualitäten haben als die in der Mitte, aber "unscharf" ist nur ein Konzept. Sogar Perspektive, nah und fern, kann wegfallen. Wieder gibt es das Konstrukt eines Zentrums, besonders in Bewegung. Wenn ich aber z.B. in der Welt mit Konstrukten meinen Finger immer näher ans Auge bewege, bewegt sich in der Welt ohne Konstrukte nur etwas, hat mal schärfere und mal unschärfere Konturen, wird größer und kleiner. Und sehr groß und unscharf scheint nicht das erreichen irgendeines Zentrums nahezulegen.

Gedanken sind sehr interessant. Visuelle Gedanken haben einen sehr reproduzierbaren Bereich in dem sie auftreten (mit Konstrukten vor den Augen), auditive Gedanken auch (im Kopf oder zu den Seiten) und auch sensorische Gedanken (im Körper). Logisch gesehen, wenn diese kleine Exkursion erlaubt ist, ist der Gedankensinn ja nicht beschränkt und theoretisch könnte ein Gedanken "unendlich" weit weg erscheinen und wahrgenommen werden, Exkursion Ende.

Kurz, "Präsenz" innerhalb eines bestimmten Wahrnehmungsfeldes _ist_ das Feld und alles in diesem Feld ist gleichermaßen klar wahrgenommen. Qualitäten wie "fern" oder "unscharf" sind Interpretationen.
Gibt es in direkter Erfahrung einen Körper? Oder kannst du nur Empfindungen finden?
Da sind Empfindungen im Fühlen-Feld. Die müssen nicht mal zusammenhängend sein (- mit Interpretationen könnte man dann sagen da ist ein Fuß aber kein Bein ;-) ). Fühlen ist ein Universum für sich, ohne klare Dimensionen, ohne definierbare Grenze. Dennoch scheint es mir nicht unendlich. Würde eine Empfindung deutlich außerhalb von dem stattfinden wo "normalerweise" empfunden wird, wäre ich doch arg erstaunt.
Kannst du z. B. sitzend mit geschlossenen Augen den Ort definieren, an dem Körper aufhört und Stuhl beginnt?
Nein, da sind nur Empfindungen mit verschiedenen Qualitäten. Interessanter Weise, wenn ich mit Konzepten schaue, könnte es sogar sein dass ich manchmal ein bisschen außerhalb des Körpers fühlen kann, in den Stuhl hinein, oder dass mein Körper eher aufhört als die sichtbaren Grenzen. Was die Haut berührt ist ja Teil der Sinneserfahrung.

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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby barb » Sat Nov 16, 2019 12:40 pm

Dennoch scheint es mir nicht unendlich. Würde eine Empfindung deutlich außerhalb von dem stattfinden wo "normalerweise" empfunden wird, wäre ich doch arg erstaunt.

Ohne Konzepte – gibt es da sowas wie „endlich“ oder „unendlich“? Gibt es überhaupt Raum und Distanz?


Leg dich gemütlich auf den Rücken. Schau hoch zur Decke.
Wir gehen davon aus, zumindestens ‚sagt‘ das ein Gedanke, dass zwischen dem was wir denken als Körper zu kennen und dem was Decke genannt wird, ein Abstand ist.

Schließ deine Augen und fokussiere dich jetzt auf den Abstand zwischen Körper und Zimmerdecke.
Lass dir alle Zeit der Welt, atme ein und aus und untersuche einfach, nimm wahr. Halte die Augen geschlossen.
Was fällt dir auf?
Gibt es einen Körper?
Ist da eine Zimmerdecke?
Gibt es einen Abstand?
Ist da ein getrenntes “Ich”?
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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby starflower » Sun Nov 17, 2019 11:27 am

Ohne Konzepte – gibt es da sowas wie „endlich“ oder „unendlich“? Gibt es überhaupt Raum und Distanz?
Ja, es scheint mir als wären die Sinne nicht ohne Grenzen. Wie erwähnt finden Empfindungen in einem gewissen Rahmen statt. Es wäre auch unerwartet wenn ich plötzlich deutlich "links" oder "rechts" des Sichtfeldes sehen würde. Wenn es Grenzen gibt, kann es nicht unendlich sein.

Auch Distanz kann zwischen mehreren Sinneseindrücken eines Sinns wahrgenommen werden. Die Empfindung von dem was später als linker Fuß interpretiert wird ist nicht am gleichen Ort wie das was später als rechter Fuß interpretiert wird. Es ist nicht so als wären diese zwei Empfindungen eine bestimmte Distanz von einem Zentrum entfernt, aber die zwei zueinander haben eine Relation in einem Fühlen-Raum.
Was fällt dir auf?
Gibt es einen Körper?
Ist da eine Zimmerdecke?
Gibt es einen Abstand?
Ist da ein getrenntes “Ich”?
Ohne Sinnesobjekte ist da trotzdem noch Sehen-Wahrnehmung selbst. Es ist bewusst dass da diese Sinnesmodalität ist, aber dass sie aktuell keinen Input liefert.

Ohne dass das visuelle Feld aktiviert wird, _ist_ da nichts. Körper im visuellen Feld und in Empfindungen sind zwei unterschiedliche Sinnesobjekte. Es gibt im Sehen also nun keinen Körper mehr.

Mit geschlossenen Augen ist "Decke" höchstens ein Gedanke.

Mit weder Körper noch Decke mach die Frage nach "Abstand" oder "Ich" keinen Sinn mehr.

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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby barb » Sun Nov 17, 2019 12:10 pm

Ja, es scheint mir als wären die Sinne nicht ohne Grenzen.
Ist das wahr? Wie schaut dieses "scheint mir" aus? Was davon ist direkt erfahrbar und was nur angelerntes Konzept/künstliche Trennung (was natürlich für den Alltag sehr sinnvoll sein kann, damit z. B. das Getränk auch in den "richtigen" Mund geschüttet wird... ;))?

Ohne Konzepte – wie ist so eine Grenze beschaffen? Ist irgendwo ein Anfang bzw. Ende zu finden ohne Interpretationen? Ist nicht alles was zu sehen ist Farbe? Ist nicht alles was zu hören ist Geräusch? Ist nicht alles was zu spüren ist Empfindung? In unterschiedlichen Erscheinungsinterpretationen... Hast du jemals das Ende von „Farbe“ gesehen? Kannst du mit offenen Augen sehen abstellen? Eine Grenze von „Geräusch“ gehört? Kannst du hören ausschalten? Ein plötzliches Ende einer Empfindung gespürt? Kannst du empfinden beenden? Wo hört sehen auf und wo fängt hören an? Und wie getrennt ist spüren davon? Ohne auf die scheinbaren „Wahrnehmungsobjekte der Gedanken“ zu achten, ist nicht alles einfach gleichermaßen „wahrnehmen“? Was von "Grenze" ist zu sehen-hören-spüren? Schau nicht in konditionierten Erinnerungen, schau mit allen Sinnen! Sieh hin – hör zu – spür nach!
Mit weder Körper noch Decke mach die Frage nach "Abstand" oder "Ich" keinen Sinn mehr.
Hier bei LU geht es in erster Linie darum geht, die Illusion des getrennten Ichs zu durchschauen – was oftmals sowas wie ein erster Schritt ist (Stromeintritt nennen es die Buddhisten). Du hast in dieser Hinsicht schon einige Male gesehen, dass es kein getrenntes „Ich“ gibt – würdest du sagen, du hast die Illusion durchschaut?
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Re: If I were the subject of this thread, what would I be?

Postby starflower » Tue Nov 19, 2019 8:58 am

Entschuldige die Verspätung. Gestern ging es ziemlich drunter und drüber.
Hast du jemals das Ende von „Farbe“ gesehen? Kannst du mit offenen Augen sehen abstellen? Eine Grenze von „Geräusch“ gehört? Kannst du hören ausschalten?
In direkter Erfahrung kann ein Sinn nicht abgeschaltet werden. Ein Ende im Sinne von einem Stopp an Input kann also nicht wahrgenommen werden.
Ohne Konzepte – wie ist so eine Grenze beschaffen?
Ein anderes Ende ist die Endlichkeit des Wahrnehmungsfeldes als solches. Sehen ist nicht 360 grad und es kann nichts außerhalb des Körpers empfunden werden. Das klingt jetzt natürlich sehr nach Konzepten, vielleicht hilft dieses Beispiel: In direkter Erfahrung des Empfindens können Sinneseindrücke gefühlt werden. Zwei Sinneseindrücke können in räumlicher Relation zueinander stehen. Fühle ich für längere Zeit fällt mir auf, dass Empfindungen nur aus einem bestimmten Raum kommen, aber nicht jenseits davon. Das würde ich mit Endlichkeit beschreiben. Es gibt keine "harte" Grenze. Im Sehen ist da Farbe und dann ein Farbverlauf zu Nichts.
Wo hört sehen auf und wo fängt hören an? Und wie getrennt ist spüren davon?
Die "externen" Sinne sind alle völlig unabhängig voneinander. Das einzige was Relationen zwischen ihnen erzeugt sind Gedanken. Etwas Gehörtes und etwas Gesehenes wird assoziiert und als "das Geräusch kommt von diesem Gesehenen" präsentiert.
würdest du sagen, du hast die Illusion durchschaut?
Hmm, das habe ich mich auch schon gefragt. Wenn du schon Buddhismus erwähnst:

Die Fessel "Persönlichkeitsglaube": Oben habe ich schon einmal geschrieben, ich weiß gar nicht mehr wonach ich suchen soll. Da sind nur die "externen" Sinne und Gedanken. Ich sehe wie Gedanken verschiedene Ich-Konstrukte in verschiedenen Situationen erzeugen. Aber keines davon ich _das_ Ich oder von dauerhaftem Bestand.

Die Fessel "Zweifel": Das Ich kann durchschaut werden, ich habe es persönlich mehr als einmal getan. Da ist auch kein Zweifel daran dass dies eine gesünderere und realitätsgetreuere Weltanschauung ist. Zweifel existiert in sofern als dass ich mir nicht sicher bin ob ich die Kriterien hinreichend erfülle. Aber mit Sicherheit zu einem gewissen Grad.

Die Fessel "Anhaften an Regeln und Riten": Ich habe gesehen dass Glaube an Nicht-Selbst zu nichts führt und nur direkte Erfahrung gilt.

Nicht in der Lage

irgendeine Gestaltung (saṅkhāra) für beständig halten,
irgendeine Gestaltung für angenehm halten,
irgendein Ding (Dhamma) für Selbst halten,

Die Gedankenkonstrukte kommen noch auf, werden aber in der Regel schnell als Humbug erkannt und mit einem lächeln abgelegt.

seine Mutter töten,
seinen Vater töten,
einen Arahat töten,
böswillig das Blut eines Buddha vergießen,
den Orden spalten,

Ich sehe wie Leid zuzufügen nur mehr Leid erzeugt und habe den Wunsch einen guten Ausgang für alle zu finden. Oder zumindest einen der gut für mich ist und neutral für andere ;-) Mein Wohl ist nicht mehr das Maß aller Dinge. Es ist nicht alles egozentrische Verhalten abgelegt, ich sehe aber dass dies erstrebenswert ist.

einem anderen Lehrer als dem Buddha folgen.

Im übertragenen Sinn kann ich anderen Lehren weniger abgewinnen.

In der englischen Wikipedia finde ich auch Überwindung von

Envy
Jealousy
Hypocrisy
Fraud
Denigration
Domineering

Wieder kann ich hier nicht sagen dass sie 100% überwunden sind. Die Gedanken kommen noch auf, werden aber als solche erkannt und als nicht hilfreich empfunden. Sie werden als weniger "ernst" / elementar / wichtig beurteilt.

Das war jetzt ziemlich viel Text und vielleicht einige Anreize für weitere Konverstationen, haha. Im Allgemeinen kann ich sagen dass Freiheit empfunden wird, ich mir selbst weniger im Weg stehe (weniger innerer Konflikt), Situationen weniger Leid durch Gedankenkonstrukte verursachen und bestimmte Gedanken schneller durchschaut werden. Ob ich die formalen Kriterien erfülle wage ich irgendwie nicht selbst zu beurteilen ;-)


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