Wenn ich mich eine Weile konzentriert habe, spüre ich eine Erschöpfung, das Bedürfnis, den Fokus zu lösen, der Kopf, bzw. das Gehirn fühlt sich angespannt an, oder auch dumpf. Oder ich merke es daran, dass ich die Augen nicht mehr so gut fokussieren kann, oder dass die Konzentration nicht mehr geling, d.h. die Gedanken vom Thema abschweifen und ich keine Kraft mehr übrig habe, den Fokus auf dem Thema zu halten, auf das ich mich konzentriert hatte. Aber sinnlich betrachtet ist es ein bestimmtes Ziehen unterm Schädel und das Gefühl von müden Augen.Was wird in Wirklichkeit erfahren, was mit dieser Metapher ausgedrückt wird?
Dies ist eine schwere Frage. Das ist ja die gleiche Frage wie "gibt es einen "Willen"? Ich bin unsicher und taste mich an die Antwort heran. Denn einerseits bemerke ich kein "Zentrum", das da wäre und von dem Entscheidungen ausgingen. Ich kann es nicht finden. Das gibt es nicht. Aber irgendwas spielt ja zusammen, wenn ich, traditionell formuliert, "etwas entscheide", und wir würden ja nicht von Handeln oder Entscheiden sprechen, wenn da nicht etwas Bestimmtes passiert. Nur, was passiert?Gibt es die Möglichkeit Entscheidungen zu beeinflussen?
Entscheiden passiert, wenn es einen Anlass gibt, aufgrund dessen ich aus meinem gleichsam automatischen Handeln heraus muss. Es ist ein Moment, wo der Verstand eine größere Rolle einnimmt als zuvor. Ich mache dies, das, la la la und plötzlich fällt auf, wenn ich x wirklich will, dann heißt das ich muss y machen, d.h. ich muss y machen oder x aufgeben. Es entsteht eine Unterbrechung des Vorherigen, es stellt sich eine Aufgabe: die Entscheidungssituation, d.h. ein Bedürfnis ist aufgetaucht, das etwas mehr Aufmerksamkeit und eine Veränderung der aktuellen Lage erfordert. Es braucht also entweder Verhaltensveränderung oder ein Loslassen des Bedürfnisses.
Es gibt keine Möglichkeit zu beeinflussen, dass Entscheidungssituationen entstehen.
Was ist, wenn eine Entscheidungssituation entstanden ist? Sie kündigt sich an durch so etwas wie Druck, oder Unbehagen, vllt. aber auch Vorfreude und Lust auf Neues. Die Zeit steht irgendwie still, solange die Entscheidung noch nicht gefällt ist. Es finden Abwägungsüberlegungen statt, der Verstand bringt sich also ein, es kommt zu erhöhter Achtsamkeit, die Kräfte und Ressourcen werden ggf. überprüft, aus der Aktivierung des ganzen Systems heraus entsteht dann die Entscheidung. Bei kleinen Entscheidungen steht die Zeit nicht sehr still. Manche Entscheidungen werden nicht aktiv sondern passiv gefällt, durch eine Art Verweigerung, dann driften Verstand und Handeln auseinander.
Auf jeden Fall ist es nicht klar spürbar oder erfahrbar, wie genau die konkrete Entscheidung letzlich zustande kommt.
Ich vermute, Du schmunzelst darüber, wie ich mich darum herumschreibe, das Nein auf Deine Frage zu finden. Aber ich bin wirklich etwas auf der Suche, ich durchschaue es nicht.
Es scheint mir bei der ganzen Sache bspw. beeinflussbar, ob der besagten Entscheidungs-Unterbrechung Raum gegeben wird zum Erörtern der Lage oder nicht. Ob es eine liebevolle achtsame Haltung dabei gibt oder nicht. Und was ich auch nicht verstehe, es erscheint mir so, dass es beeinflussbar ist, welche Informationen zum Entscheidungsprozess hinzugezogen werden.
Und was ist mit den Werten? Wenn eine Entscheidung im Kontext einer Überzeugung gefällt wird, diese Überzeugung ist doch beeinflussbar?
Ich belasse es erstmal bei diesem Stand der Beobachtungen. Ich brauche eine Pause... Vielen Dank fürs Lesen und Fragen!!

