Was bleibt vom "Ich bin"?

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nosceteipsum
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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby nosceteipsum » Fri Sep 13, 2019 11:55 am

Auf was beziehst du dich, wenn du sagst "von mir" ausgehend? Was und wo ist dieses „mir“? SCHAU ganz eindringlich, such danach wie nach einem Schlüssel, den du auf der Stelle sofort brauchst! Ist da was?
ich finde nichts, egal wie sehr ich schaue.
Wie ist es so damit, dass einfach nichts zu finden ist?
Es fühlt sich recht entspannt an. Selbst Gedanken sind "ja dann..."
braucht es zum einsehen einen „Einseher“? Ist nicht alles einfach ein „Happening“?
Hm, "einsehen" und "glauben" sind tatsächlich sticky: Wenn da einfach "einsehen" und "glauben" ist - wieso ist da "glauben"? Was macht einen Gedanken "glaubwürdig" - für wen?
Wer entscheidet, dass einem Gedanken geglaubt wird und tut es dann? Wer unterliegt der Illusion?

Wenn da niemand ist - ist es dann einfach ein "Fokus" auf diese Gedanken? Ein "halten" der Gedanken?
Wie schaut es aus mit dem Selbst-bild? Ist das ein Identifikationspunkt? [/quote]
Das Selbstbild ist selten im Bewusstsein - da ist immer wieder eine gewisse Überraschung, wenn ich in den Spiegel schaue.
Und auch beim agieren entdecke ich selten eine Referenz darauf.
Für gewöhnlich gibt es ein Selbstbild basierend auf Erinnerungen... Was von diesem Selbstbild ist real direkt erfahrbar? Wie sehr unterscheidet sich dieses Bild von dem Selbstbild das in einem nächtlichen Traum erscheint?
Es ist warhnehmbar, wie Hände, Extremitäten, Körperäusseres aussehen, wenn ich an mir heruntersehe. Die Vorstellung, die dann von mir entsteht, sind schon Gedanken darüber.
Im Traum erscheine ich manchmal als Kind, mal "wie jetzt" - reine Illusion beides.

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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby barb » Fri Sep 13, 2019 12:27 pm

Hm, "einsehen" und "glauben" sind tatsächlich sticky: Wenn da einfach "einsehen" und "glauben" ist - wieso ist da "glauben"? Was macht einen Gedanken "glaubwürdig" - für wen?
Ist einsehen und glauben das gleiche?
Ist einsehen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt und an ihn glauben gleich?
Wer entscheidet, dass einem Gedanken geglaubt wird und tut es dann? Wer unterliegt der Illusion?
Braucht es ein "wer" damit Entscheidungen geschehen? SCHAU HIN – Ist da wer?
Wenn da niemand ist - ist es dann einfach ein "Fokus" auf diese Gedanken? Ein "halten" der Gedanken?
Ich hab mal irgendwo gelesen, dass Studien gemacht wurden, und dass einfach etwas nur oft genug wiederholt werden muss (gedanklich oder gelesen usw.) dass daraus ein Glaube wird. Also sich ständig wiederholende Gedanken – ganz egal ob wahr oder nicht – könnte man als Glauben bezeichnen. Kannst du was damit anfangen?

Wenn ich dich frage, welche Farbe deine Socken haben, die du gerade trägst, hast du zwei Möglichkeiten, eine Antwort zu finden:

Du kannst darüber nachdenken, du kannst an den heutigen Morgen zurückdenken und versuchen, dich daran zu erinnern, wie du deine Socken angezogen hast, und du kannst mir sagen, welche Farbe du für wahrscheinlich hältst, also was du glaubst.

Alternativ kannst du deine Socken kurz ansehen und mir sagen, welche Farbe sie tatsächlich haben :)

Das eine ist glauben, das andere sehen... Sicher sein kannst du nur wenn du nachschaust, oder?
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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby nosceteipsum » Fri Sep 13, 2019 4:22 pm

Ist einsehen und glauben das gleiche?
Ist einsehen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt und an ihn glauben gleich?
Nein, Einsicht und Glauben sind natürlich zwei paar Schuhe.
Braucht es ein "wer" damit Entscheidungen geschehen? SCHAU HIN – Ist da wer?
Nein, Entscheidungen geschehen, siehe gestern. Also "wird entschieden zu glauben" - einfach so.
Also sich ständig wiederholende Gedanken – ganz egal ob wahr oder nicht – könnte man als Glauben bezeichnen. Kannst du was damit anfangen?
Ja, das "klingt wahr" - wenn es natürlich auch nur eine Gedankegneschichte ist. ;-) Das "immer wieder gleiche" stiftet "Identität". Und das Bedürfnis nach "immer wieder gleich" ist stark. Und gleichzeitig ist es nicht "direkt erfahrbar" - es ist ein Gedanke.
Das eine ist glauben, das andere sehen... Sicher sein kannst du nur wenn du nachschaust, oder?
Ah, hier ist eine Crux: den Gedanken zu glauben ist eine starke Gewohnheit bei mir - weil sie meistens, in solchen Fällen, etwas korrektes sagen - sei es aus der Erinnerung oder deduktiv. Also schaue ich im Alltag gar nicht nach, sondern vertraue den Gedanken. Also viel "virtuelle Welt", wenig "Erfahrung".

Die Welt wird momentan auf den Kopf gestellt - bzw. auf die Füsse...

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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby barb » Sat Sep 14, 2019 11:26 am

Nein, Entscheidungen geschehen, siehe gestern. Also "wird entschieden zu glauben" - einfach so.
:)
Ja, das "klingt wahr" - wenn es natürlich auch nur eine Gedankegneschichte ist. ;-) Das "immer wieder gleiche" stiftet "Identität". Und das Bedürfnis nach "immer wieder gleich" ist stark. Und gleichzeitig ist es nicht "direkt erfahrbar" - es ist ein Gedanke.
Wieder mal toll ausgedrückt: „Gewohnheit stiftet Identität“, gefällt mir – klaue ich wenn ich darf … :))

Ja, wir sind nun mal Gewohnheitstiere und das ist ja auch sehr energiesparend... So ist halt das „Menschsein“... :) Es reicht vollkommen das immer wieder zu sehen...
Ah, hier ist eine Crux: den Gedanken zu glauben ist eine starke Gewohnheit bei mir - weil sie meistens, in solchen Fällen, etwas korrektes sagen - sei es aus der Erinnerung oder deduktiv. Also schaue ich im Alltag gar nicht nach, sondern vertraue den Gedanken. Also viel "virtuelle Welt", wenig "Erfahrung".
Das wird uns ja schon von klein auf eingetrichtert. In der Schule schon dreht sich alles nur um denken, denken, denken. Und wissen... Etwas nicht zu wissen ist „schlecht“, führt zu negativer Bewertung... Das sind ganz tiefe Konditionierungen die sich natürlich nicht plötzlich auflösen...

Gedanken sind ja nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil, sie können ein wunderbares Werkzeug sein. Es ist halt ganz gut die Gedanken zu entlarven die stressen oder sorgen. Die die sagen, dass etwas anders sein sollte oder könnte als es ist...

Immer wieder schauen, immer wieder die „virtuelle Welt“ mit der direkten Erfahrung abgleichen – speziell wenn „sich unwohl fühlen“ zugegen ist... :)
Die Welt wird momentan auf den Kopf gestellt - bzw. auf die Füsse
Magst du vielleicht mal ein bisschen sacken lassen, mal ganz entspannt schauen wie alles einfach so fließt?

Möchtest du irgendwas Spezielles anschauen?
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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby nosceteipsum » Sun Sep 15, 2019 2:44 pm

„Gewohnheit stiftet Identität“, gefällt mir – klaue ich wenn ich darf … :))
Nur zu - da ist ja niemand, von dem gestohlen werden könnte ;)
Immer wieder schauen, immer wieder die „virtuelle Welt“ mit der direkten Erfahrung abgleichen – speziell wenn „sich unwohl fühlen“ zugegen ist... :)
Genau so ein Erlebnis hatte ich gestern - ein plötzliches Gefühl von "Zurückweisung" und "Schmerz" darüber, und dann kam die Frage "Wo ist der Schmerz?". Da war keiner zu finden in der "direkten Erfahrung", und es löste sich sofort auf. Die Gedanken dazu kamen wieder, und noch ein paar mal, nur ohne Drama (fast ;)
Magst du vielleicht mal ein bisschen sacken lassen, mal ganz entspannt schauen wie alles einfach so fließt?
Das passiert, und es ist schon fast ein "running gag". irgenwelche Ich-Claims auseinander zu nehmen. Und gleichzeitig ist da der Gedanke "weiter! noch nicht fertig!" (Da hängt eine Vorstellung von Jed wohl in mir)

Das würde ich gerne anschauen mit Dir, wenn es passt: Was mache ich mit "weiter!"? Wie komme ich (bzw. eben nicht "ich") zu "fertig"? Wo kann noch geschaut werden?

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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby barb » Mon Sep 16, 2019 11:33 am

Genau so ein Erlebnis hatte ich gestern - ein plötzliches Gefühl von "Zurückweisung" und "Schmerz" darüber, und dann kam die Frage "Wo ist der Schmerz?". Da war keiner zu finden in der "direkten Erfahrung", und es löste sich sofort auf. Die Gedanken dazu kamen wieder, und noch ein paar mal, nur ohne Drama (fast ;)
Hört sich super an, und ein bisschen Drama gehört ja wohl dazu, sonst wärs ja ganz schön langweilig... ;)
Das passiert, und es ist schon fast ein "running gag". irgenwelche Ich-Claims auseinander zu nehmen. Und gleichzeitig ist da der Gedanke "weiter! noch nicht fertig!" (Da hängt eine Vorstellung von Jed wohl in mir)
Welche Vorstellung von Jed hängt da noch und wie schaut das aus?
Das würde ich gerne anschauen mit Dir, wenn es passt: Was mache ich mit "weiter!"? Wie komme ich (bzw. eben nicht "ich") zu "fertig"? Wo kann noch geschaut werden?
Wie schaut dieses „weiter wollen“ in direkter Erfahrung aus? Was davon ist mit den Sinnen erfahrbar, und was davon ist Gedankeninhalt?
Wenn du damit gleich verfährst wie mit dem was du oben beschrieben hast (Zurückweisung und Schmerz), wie geht es damit? Wo ist dieses „weiter wollen“ zu finden?
Woher die Idee, dass es jemals eine Endstation geben sollte oder gibt? Ist nicht diese Vorstellung und Erwartung erst der Motor der die Suche am Laufen hält (egal welche)?
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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby nosceteipsum » Mon Sep 16, 2019 9:00 pm

Welche Vorstellung von Jed hängt da noch und wie schaut das aus?
Die Vorstellung, dass es eine bestimmte Anzahl Schritte zu tun, eine bestimmte Zahl Glaubenssätze aufzulösen gäbe, und dadurch die Illusion zum Verschwinden käme.
Im direkten Erfahren ist das einfach eine auftauchende Gedankengeschichte. Wenn ich hier sitze und schaue, höre, spüre, …, ist davon nichts zu finden.
Wie schaut dieses „weiter wollen“ in direkter Erfahrung aus? Was davon ist mit den Sinnen erfahrbar, und was davon ist Gedankeninhalt?
"Weiter wollen" taucht ausschliesslich als Gedanke auf. Ich spüre, sehe, höre, rieche, schmecke kein "weiter" - nur was eben "da" ist.
Wenn du damit gleich verfährst wie mit dem was du oben beschrieben hast (Zurückweisung und Schmerz), wie geht es damit? Wo ist dieses „weiter wollen“ zu finden?
Als Gedankeninhalt. Der sich beim "Hinschauen" auflöst.
Woher die Idee, dass es jemals eine Endstation geben sollte oder gibt? Ist nicht diese Vorstellung und Erwartung erst der Motor der die Suche am Laufen hält (egal welche)?
Die Idee kommt aus zahllosen Geschichten, die auch alle "ein Ende" haben, in denen "ein Held" etwas "erreicht": "ans Ziel kommt." Eine Geschichte, eine Meta-Geschichte: Auch die spirituelle Suche soll eine Heldengeschichte sein, die einen Abspann haben kann.

Aber genau umgekehrt wird offenbar ein Schuh draus (und das ist tatsächlich lustig): Es endet, wenn es kein Ende haben muss. Wenn es immer weiter gehen darf, dann geht es nicht mehr weiter. Wenn es kein vorher/nachher braucht, dann ist das das Nachher erreicht.

Amen. :-) Oder "Heureka - da ist gar nichts zu finden."
Danke, Barb! :-)

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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby barb » Tue Sep 17, 2019 11:58 am

Die Vorstellung, dass es eine bestimmte Anzahl Schritte zu tun, eine bestimmte Zahl Glaubenssätze aufzulösen gäbe, und dadurch die Illusion zum Verschwinden käme.
Im direkten Erfahren ist das einfach eine auftauchende Gedankengeschichte. Wenn ich hier sitze und schaue, höre, spüre, …, ist davon nichts zu finden.
Ja genau, immer ins direkte Erfahren kommen...

Probier mal Folgendes (mach es wirklich jetzt gleich, nicht nur mental):

Von da aus wo du jetzt sitzt, steh auf und geh ein paar Schritte Richtung Sein, Richtung Hier-Sein...

Wie weit musstest du gehen um im Hier-Sein anzukommen?
"Weiter wollen" taucht ausschliesslich als Gedanke auf. Ich spüre, sehe, höre, rieche, schmecke kein "weiter" - nur was eben "da" ist.
Und das wird es vermutlich noch länger, es ist vermutlich eine so tiefsitzende Konditionierung. Und vielleicht ist ja auch genau das der Motor der uns antreibt? Der Grund warum wir jetzt in beheizten Wohnungen sitzen, Elektrizität, fließendes Wasser und Hallelujah! - das www haben... :))

Es kann schon sein, dass eine Art Anspannung zusammen mit diesem Gedanken auftritt – einfach immer wieder isolieren und schauen: WAS IST JETZT WIRKLICH HIER
Woher die Idee, dass es jemals eine Endstation geben sollte oder gibt? Ist nicht diese Vorstellung und Erwartung erst der Motor der die Suche am Laufen hält (egal welche)?
Die Idee kommt aus zahllosen Geschichten, die auch alle "ein Ende" haben, in denen "ein Held" etwas "erreicht": "ans Ziel kommt." Eine Geschichte, eine Meta-Geschichte: Auch die spirituelle Suche soll eine Heldengeschichte sein, die einen Abspann haben kann.
Haha :) Diesen ganzen Märchen die uns als Kinder schon eingetrichtert wurden, und gar nicht zu reden von unserer Hollywood-Konditionierung... :)
Aber genau umgekehrt wird offenbar ein Schuh draus (und das ist tatsächlich lustig): Es endet, wenn es kein Ende haben muss. Wenn es immer weiter gehen darf, dann geht es nicht mehr weiter. Wenn es kein vorher/nachher braucht, dann ist das das Nachher erreicht.
Amen. :-) Oder "Heureka - da ist gar nichts zu finden.
Genau so – willkommen auf der „anderen Seite“..... :)

Mach heute vielleicht mal einen Spaziergang in der Natur. Beobachte dabei alles was dir so begegnet. Menschen, Tiere, Bäume, Gräser, usw. Schau dich um und benutze dabei deine Sinne und lasse die Gedanken über das Geschehen ruhig ruhen. Beobachte und staune!

Sobald du dort bist, setze dich oder stehe einfach für eine Weile still und bemerke, was passiert: Vogelgezwitscher, Wind, vielleicht Sonne, Bäume, Gras, vielleicht Wasser, alle Erlebnisse die in diesem Moment geschehen. Tiere, Geräusche, Insekten. Alles ist gleichzeitig lebendig und erfahrbar. Und bemerke auch Gefühle und Gedanken, die geschehen.

Suche nun nach einer Grenze oder Trennung in der Erfahrung, hinter der sich "Du" befindest und hinter der sich "alles andere" befindet.

Ist es möglich, eine solche Grenze zu finden?


Schau dir das alles mit den Augen eines Kindes an!

Du kannst dich auch in ein Café setzen und dort das Treiben beobachten, oder du schaust einfach aus dem Fenster, auf den Verkehr oder so... Was auch immer für dich möglich ist..

Sei ganz im Moment, wenn du bemerkst, dass du in Gedanken bist, dann freue dich, dass du es gemerkt hast und komme wieder zum Beobachten zurück.

Dann schau: Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”? Fehlt hier irgendetwas? Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein? Sollte irgendetwas geschehen, damit dieser Moment "vollständiger" wäre? Gibt es irgendetwas anderes als wahrnehmen/erfahren?

:)
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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby nosceteipsum » Tue Sep 17, 2019 3:38 pm

Probier mal Folgendes (mach es wirklich jetzt gleich, nicht nur mental):
Ich bin tatsächlich vom WC aufgestanden ;-)
Wie weit musstest du gehen um im Hier-Sein anzukommen?
Überhaupt nicht. Da bin ich immer.
Genau so – willkommen auf der „anderen Seite“..... :)
Danke! :-)
Mach heute vielleicht mal einen Spaziergang in der Natur.
Es war ein Gehen beim Warten auf die S-Bahn: Viele Menschen, viel zu sehen - Baustellen, Natur, Bahnen, viel zu hören - Verkehr, Stimmen, Wind und Sonne, Boden unter den Füssen zu spüren, dabei ein Eis gegessen, also auch noch riechen und schmecken können :-)
Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”? Fehlt hier irgendetwas? Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein? Sollte irgendetwas geschehen, damit dieser Moment "vollständiger" wäre? Gibt es irgendetwas anderes als wahrnehmen/erfahren?
Da war einfach beobachten. Da kamen Gedanken - rein praktischer Natur, bezüglich Abfahrt des Zuges. Da kam ein Wegdriften in virtuelle Gedankengebäude, zurückkehren ins Wahrnehmen. Kein Beobachter.
Es fehlte nichts. Und da alles "ist", kannes auch nie "unvollständig" sein - wahrnehmen ist, und dann kommen Gedanken.
Da ist ausschliesslich wahrnehmen/erfahren: warm, kalt, wehen, fest, Farben, Geräusche :-)
Suche nun nach einer Grenze oder Trennung in der Erfahrung, hinter der sich "Du" befindest und hinter der sich "alles andere" befindet.
Beim Gehen zum Zug kam noch der Gedanke: "wenn mich ein Zug erwischt, dann spüre ich deutlich eine Grenze zwischen ihm und mir." Und ja, körperliche Grenzen, Ränder, nehme ich war. Keine Grenze zwischen der Wahrnehmung und der Wahrnehmung, aber.

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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby barb » Tue Sep 17, 2019 4:48 pm

wenn mich ein Zug erwischt, dann spüre ich deutlich eine Grenze zwischen ihm und mir.
Sicher? ;)

Du klingst ziemlich klar, kannst du mir ein dickes JA geben, dass kein getrenntes Ich existiert?
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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby nosceteipsum » Tue Sep 17, 2019 8:04 pm

wenn mich ein Zug erwischt, dann spüre ich deutlich eine Grenze zwischen ihm und mir.
Sicher? ;)
Nein, dann ist das wahrnehmen vermutlich genauso unbegrenzt, und der Zug löst jegliche körperliche Grenze "zügig" auf ;-)
Du klingst ziemlich klar, kannst du mir ein dickes JA geben, dass kein getrenntes Ich existiert?
Da ist kein Zweifel, und egal, wohin und wann ich schaue, da findet sich kein "getrenntes Ich". Also "JA" :-)

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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby barb » Wed Sep 18, 2019 12:04 pm

Nein, dann ist das wahrnehmen vermutlich genauso unbegrenzt, und der Zug löst jegliche körperliche Grenze "zügig" auf ;-)
Lol :D
Da ist kein Zweifel, und egal, wohin und wann ich schaue, da findet sich kein "getrenntes Ich". Also "JA" :-)
Dann würd ich sagen schauen wir uns mal ein paar abschließende Fragen an, ob da noch was näher betrachtet werden will...

Hier sind sie:

1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.

4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden oder geschehen können?

6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?


Nimm dir dafür alle Zeit die du brauchst... :)
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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby nosceteipsum » Fri Sep 20, 2019 4:17 pm

1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
In "meiner" Wahrnehmung taucht kein solches auf: weder zu Beginn des Dialogs, noch währenddessen, noch jetzt. Weder gab es also zu Anfang, noch vorher, noch irgendwann.
2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Da ist keine "unmittelbare Erfahrung" der Ich-Illusion, sie ist selbst ein Label und eine Gedankengeschichte.
Da ist eine Wahrnehmung, dann erscheint ein Gedanke dazu, in dem "ich" vorkommt - und dann bleibt Fokus auf diesem Gedanken. Es tauchen Gedanken, Wahrnehmungen wiederkehrend auf, und ein weiterer Gedanke kommt hinterher, der "schau, das bin ich" zum Inhalt hat. Der Fokus bleibt darauf hängen, das übrige Wahrnehmen tritt in den Hintergrund.
3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.
Da ist etwas mehr "Weite" in der Wahrnehmung. Manche Gedankenspiele sind weggefallen, insbesondere der Art "suchen, noch mehr suchen" (Fakten oder sonst etwas). Manches Verhalten, das viele "das bin ich"-Gedanken anhaftet, tritt weniger auf. Gestern spielte sich eine Gedankengeschichte ab, an der viele "so bin ich"-Gedanken hängen, und beim direkten Hinschauen löste sie sich auf.
Ein Ziffernblatt einer Wanduhr löste Freude aus, und es war eine grosse Ruhe im einfachen Betrachten des Ziffernblatts.
Da ist mehr wahrnehmen, weniger Inhalten und Labeln nachhängen.
Das Gefühl/der Gedanke "suchen zu müssen" ist verschwunden.
Gedanken, die "ein selbst-loses Ich" erzählen, tauchen auf und vergehen.
4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Die Einsicht, dass "es vorbei ist" wenn es "nicht vorbei sein muss." Dass es "nachher" ist, wenn es kein "vorher/nacher" braucht. Da kam Klarheit, dass es klar ist.

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden werden oder geschehen können?
Entscheidungen erscheinen ohne Intervention eines "Agenten".
"Absichten" sind Gedankengeschichten, die zur Illusion der Steuerbarkeit und Kontrolle zählen.
Ich ging mit der "Absicht", ein Getränk zu kaufen in einen Kiosk, drehte mich um und ging heraus. Die Entscheidung, es doch nicht zu tun, fiel einfach. Gedanken begleiteten das Ganze, aber der Moment der Entscheidung war nicht zu finden, und widersprach den Gedanken.

"Freier Wille" nimmt an, dass da "jemand" ist, der "Willen haben" könnte. Da ist niemand, da sind keine Absichten, da ist also auch kein Wille.

"Wahl" ist ein anderes Wort für "Entscheidung", s.o.
"Kontrolle" existiert nicht. Wahrnehmungen erscheinen, keine Instanz ist da sie zu kontrollieren.
Mein Arm hebt sich, oder auch nicht. Ein Gedanke erscheint, dass "mein Wille" das tut, doch weder ein Wille noch ein ich sind findbar: Da ist die Wahrnehmung eines Armes, der sich hebt (oder nicht).

Da es "mich" nicht gibt, da niemand Entscheidungen trifft, bin "ich" auch für nichts verantwortlich. Die Dinge, die entstehen, haben Konsequenzen, entfalten sich. Eine Handlung, die Gesetzen widerspricht, hat Konsequenzen, auch wenn da "niemand" ist, der die Handlung begangen hat: Sie erschien, die Konesquenz erscheint ebenso.

Entscheidungen hätten auch anders fallen können, aber sie haben sie haben sich so gezeigt, wie sie sind - es konnte sie "niemand" beeinflussen. Alles geschieht, wie es geschieht. "Es hätte auch so sein können" ist einfach ein Gedanke.

6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
Da sind Gefühle: Weite, Dankbarkeit, Freude erscheinen als passende Labels. :-) Danke allen bei "Liberation Unleashed", danke Dir besonders, Barb - für all die liebevollen und hilfreichen Pointer!

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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby barb » Fri Sep 20, 2019 8:17 pm

Entscheidungen hätten auch anders fallen können
Ist das wirklich wahr? Könnte je etwas anders sein oder entschieden werden?
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Re: Was bleibt vom "Ich bin"?

Postby nosceteipsum » Fri Sep 20, 2019 9:32 pm

Entscheidungen hätten auch anders fallen können
Ist das wirklich wahr? Könnte je etwas anders sein oder entschieden werden?
Bis zur Wahrnehmung der Entscheidung ist sie noch offen - bis dahin könnte sie in irgendeine Richtung fallen.
Ist sie gefallen - wenn sie entschieden ist, kann sie nicht anders sein, nein.
Direkt erfahren ist aber auch die "Entscheidung" und "vor/nach der Entscheidung" nur eine Gedankengeschichte: Eine Weggabelung erscheint, einer der Wege wird gegangen. Die "Entscheidung" ist ein Label dazu.
Alles kann nur so sein, wie es ist - denn so ist es ja.
Der Gedanke von absoluter Ohnmacht taucht auf. Er löst sich auf, Entspannung tritt ein. Wenn alles "einfach ist", dann "muss auch nichts getan werden."


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