Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

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Mina7777
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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mina7777 » Mon Mar 07, 2022 2:34 pm

Doch auch hier muss ich sagen, dass gerade eine Angst hochkommt, die mir die klare Sicht etwas verzerrt. Für den weiteren Tag werde ich ausprobieren, diese Angst als impersonales Phänomen zu betrachten und sie zu erkunden (Denn ich weiß ja, dass es nicht "meine" Angst ist).
Wie ist es dir bei der Betrachtung der Angst ergangen?


Vielleicht ist Folgendes auch noch hilfreich:

In dem Moment wo Angst da ist, versuche dich zu entspannen und komm in einen kindlich-wissenschaftlichen Neugier-Modus:
Konzentriere dich auf die Empfindungen und schau genau hin, was spürbar ist.
Wenn du alle Gedankeninhalte dazu in diesem Moment ignorierst, was bleibt übrig von "Angst"?

Bin gespannt, was du findest!

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Mindisseeker
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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mindisseeker » Mon Mar 07, 2022 3:34 pm

Wie ist es dir bei der Betrachtung der Angst ergangen?
Sie ist dann einfach relativ schnell verschwunden. Diese Übung mache ich schon seit längerem und mir fällt jedes mal auf, dass die Angst (oder auch andere Emotionen) vor allem dann bleibt oder gar größer wird, wenn sie von Gedanken "gefüttert" wird. Und die Gedanken kommen umso schneller, wenn man die Angst erstmal als was Negatives einstuft. Dann ist da auf einmal eine Person, die Angst hat und sich tausende Gedanken macht, woher die Angst eigentlich kommt und warum sie da ist. Dadurch wird das ganze dann noch bedrohlicher und man ist noch schneller in der Ausflucht aus dem Moment. Betrachtet man sie einfach ohne Bewertung, ist das zwar eine Zeit lang auch nicht sonderlich angenehm, aber sie kann auch nicht sehr lange überleben.

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Mina7777
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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mina7777 » Tue Mar 08, 2022 9:52 pm

Tja, das ist verblüffend mit diesen Emotionen, oder?
Vielleicht ist dir auch schon aufgefallen, dass unterschiedliche Emotionen ganz ähnlich sind in direkter Erfahrung.
Flaues Gefühl im Magen bei Angst und Verliebt sein z.B..... und die Gedanken machen dann daraus die Geschichte.

Aus dem Denken rauskommen

Ist es nicht unglaublich, wie leicht wir in Gedanken versinken und glauben, was wir denken sei tatsächlich da?
Möchtest du wieder "zu Sinnen" kommen?
Dann stelle kurz fest, woran du gerade denkst.
Anschließend schau dich um. Was ist zu sehen?
Welche Geräusche sind zu hören?
An welcher Stelle berührt der Körper gerade etwas?
Wonach riecht es?
Was für ein Geschmack ist gerade im Mund?

Haben das Denken und was du gerade erlebst etwas miteinander zu tun?


Wie geht es dir nach den paar Tagen Dialog?
Möchtest du noch etwas Bestimmtes anschauen?


Liebe Grüße

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Mindisseeker
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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mindisseeker » Thu Mar 10, 2022 7:26 pm

Moin!
Wie geht es dir nach den paar Tagen Dialog?
Möchtest du noch etwas Bestimmtes anschauen?
Mir geht es auf jeden Fall gut damit. Ich glaube ich habe gesehen, dass es in mir kein "Ich", keine separate Existenz gibt. Die Realisation am Anfang des Dialogs war dabei am ausgeprägtesten. Ich glaube ich weiß auch jetzt ganz gut, wie ich damit umgehen kann, wenn ich wieder der Geschichte, die mein Verstand erzählt, glaube. Oder anders gesagt, ich bin etwas mehr raus aus der Verwirrung und weiß, dass Zweifel-Gedanken manchmal halt einfach da sind und die Referenz auf das "Ich" eben durch die jahrelange Konditionierung kommt. Das Einzige, was ich von hier an machen muss ist immer wieder zu sehen, wie der Mechanismus des Verstandes (Benennen, etikettieren etc.) funktioniert und mich dabei ertappen, wenn ich Gedanken etc. mit dem, was wirklich da ist, verwechsele.

Allerdings bin ich bei der anderen Seite der Inquiry noch verwirrt. Ich sehe, dass es das "Ich" nicht gibt, aber ich kann die meiste Zeit nicht wirklich behaupten, dass ich nun weiß, was das Bewusstsein ist, das vor allen Gedanken, Wahrnehmungen und Emotionen da ist. Manchmal erscheint es sehr klar, aber die meiste Zeit nicht. Ich weiß einfach nicht, wie man im "Sein" verweilen kann ohne es "fassen" zu wollen. Wenn ich einfach still werde und mich "fallen lasse" dann ist das zwar ein gutes Gefühl, aber oftmals ist da keine Spur von "Awareness". Ich weiß theoretisch, dass ich genau das bin und es nie weg ist, aber das wirklich zu sehen fällt mir sehr schwer. Aber hierfür ist LU ja auch nicht gedacht, so wie ich es verstehe. Wenn du hier dennoch Ressourcen/Lehrer/Bücher etc. empfehlen willst, kannst du das natürlich machen :)

Ich danke dir schon mal für den aufschlussreichen Dialog!

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mina7777 » Fri Mar 11, 2022 6:51 pm

Mir geht es auf jeden Fall gut damit. Ich glaube ich habe gesehen, dass es in mir kein "Ich", keine separate Existenz gibt. Die Realisation am Anfang des Dialogs war dabei am ausgeprägtesten. Ich glaube ich weiß auch jetzt ganz gut, wie ich damit umgehen kann, wenn ich wieder der Geschichte, die mein Verstand erzählt, glaube. Oder anders gesagt, ich bin etwas mehr raus aus der Verwirrung und weiß, dass Zweifel-Gedanken manchmal halt einfach da sind und die Referenz auf das "Ich" eben durch die jahrelange Konditionierung kommt. Das Einzige, was ich von hier an machen muss ist immer wieder zu sehen, wie der Mechanismus des Verstandes (Benennen, etikettieren etc.) funktioniert und mich dabei ertappen, wenn ich Gedanken etc. mit dem, was wirklich da ist, verwechsele.
Ich weiß einfach nicht, wie man im "Sein" verweilen kann ohne es "fassen" zu wollen.
Ich finde, du hast dir diese Frage oben eh schon selbst beantwortet :)
Im "Sein" musst du nicht verweilen. "Es ist immer da"... wenn man es mit Worten versuchen möchte...
Einfach immer wieder hinschauen und erkennen, wie dieses "fassen wollen" passiert (benennen, etikettieren, ec.) und nach und nach werden die Geschichten darüber uninteressanter.

Setz dich mal entspannt hin und atme tief ein und aus.
Wenn du zur Ruhe gekommen bist, dann nimm folgende Fragen mit in deine direkte Erfahrung:

Ist es möglich irgendwo anders zu sein als jetzt hier?

Wenn da ein Gedanke über etwas Vergangenes ist, WANN erscheint der Gedanke?

Und wann passiert eine Fantasie über die Zukunft?

Ist es möglich, aus diesem gegenwärtigen Moment herauszufallen?


Wenn da ein Gedanke (Wort/Bild) über die Vergangenheit ist, IST der dann die Vergangenheit?

Gibt es eine andere Zeit, einen anderen Raum als HIER JETZT?

Musst du versuchen, jetzt hier zu sein?
Oder "gegenwärtig" zu sein? 
Kannst du "nicht gegenwärtig" sein, ist das möglich?


Wünsche dir einen schönen Abend!

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Mindisseeker
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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mindisseeker » Sun Mar 13, 2022 7:54 pm

Hello,
Ist es möglich irgendwo anders zu sein als jetzt hier?

Wenn da ein Gedanke über etwas Vergangenes ist, WANN erscheint der Gedanke?

Und wann passiert eine Fantasie über die Zukunft?

Ist es möglich, aus diesem gegenwärtigen Moment herauszufallen?


Wenn da ein Gedanke (Wort/Bild) über die Vergangenheit ist, IST der dann die Vergangenheit?

Gibt es eine andere Zeit, einen anderen Raum als HIER JETZT?

Musst du versuchen, jetzt hier zu sein?
Oder "gegenwärtig" zu sein? 
Kannst du "nicht gegenwärtig" sein, ist das möglich?
Nein, es ist nicht möglich irgendwo anders zu sein als jetzt und hier. Die Gedanken erscheinen immer im Hier und Jetzt, ohne jeden Zweifel und egal, ob sie sich auf die Zukunft oder Vergangenheit beziehen. Eine Wahrnehmung außerhalb vom Hier und Jetzt ist nicht möglich. Weiterhin ist es nicht möglich aus dem gegenwärtigen Moment herauszufallen (außer im Tiefschlaf, aber selbst dort muss etwas von mir da sein, damit man überhaupt sagen kann "ich habe geschlafen"). Es gibt ohne den geringsten Zweifel keinen anderen Raum/ Zeit als Hier und Jetzt. Alles was je passiert ist, ist im Hier und Jetzt passiert. Ich muss dafür nicht die geringste Kraft aufwenden, um jetzt und hier zu sein. Ich kann zwar versuchen meine Gegenwärtigkeit zu verneinen, aber selbst dann muss ich ja gegenwärtig sein, um das zu tun.

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mina7777 » Tue Mar 15, 2022 11:32 am

Lieber Max,

ich habe das Gefühl, du bist bereit für die Abschlussfragen.
Währenddessen können wir immer noch womöglich auftauchende Dinge anschauen.
Wie siehst du das?

Liebe Grüße
Mina

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mindisseeker » Fri Mar 18, 2022 6:57 am

Hi Mina,

Ja das können wir so machen! Ich bin gespannt :)

Sorry für die späte Antwort, die Seite hat die letzten Tage nicht geladen. Lag aber vielleicht auch an meinem Laptop.

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Mina7777
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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mina7777 » Fri Mar 18, 2022 2:45 pm

Sorry für die späte Antwort, die Seite hat die letzten Tage nicht geladen. Lag aber vielleicht auch an meinem Laptop.
Keine Sorge, leider kommt das ab und zu vor, dass die Seite Probleme macht... liegt nicht an deinem Laptop.

Nun zu den ersten beiden Abschlussfragen:

1. Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges „Ich“, „mich“ oder „Selbst“? Gab es das jemals?

2. Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.

Freue mich auf deine Antworten :)

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mindisseeker » Mon Mar 21, 2022 6:18 pm

1. Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges „Ich“, „mich“ oder „Selbst“? Gab es das jemals?

2. Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
1. Nein das gibt es nicht. Das eigenständige Ich ist eine Illusion, die vor allem durch die selbstzentrierten Gedanken aufrechterhalten wird. Der "Ich"-Gedanke bezieht sich auf bestimmte Elemente der direkten Erfahrung wie z.B Wahrnehmungen, Emotionen oder Gedanken und etikettiert sie mit der Bezeichnung "Ich". Dadurch wird eine Dualität mit Subjekt und Objekt hergestellt, die allerdings keiner Prüfung stand hält. Das Etikett "Ich" ist eben nur ein Etikett. Es bezieht sich auf das Bewusstsein, das alle Elemente der direkten Erfahrung registriert und wahrnimmt. Indem wir dieses Bewusstsein "Ich" nennen, beschränken wir es auf einen bestimmten Bereich. Dazu gehören dann die körperlichen Empfindungen, Emotionen und Gedanken. Alle weiteren Wahrnehmungen werden der "Außenwelt" zugeschrieben. Also nein, es gibt und gab nie ein eigenständiges "Ich", nur den Ich-Gedanken, der einen Ausschnitt des Bewusstseins mit "Ich" etikettiert und den Rest als "Nicht-Ich" oder als Außenwelt.

2. Die Ich-Illusion ist im Grunde nicht mehr als eine Einschränkung unseres Bewusstseins. Das Bewusstsein, was alle Elemente der direkten Erfahrung (Sinneswahrnehmungen, Gedanken, Emotionen) registriert, wird auf eine Auswahl dieser Elemente beschränkt. Das heißt, bestimmte Elemente der direkten Erfahrung werden mit der Bezeichnung "Ich" etikettiert. Der Ich-Gedanke referiert hierbei auf Gedanken, Emotionen und einen Ausschnitt von Sinneswahrnehmungen (z.B das Körpergefühl, das Erscheinungsbild im Spiegel, der Klang der eigenen Stimme etc.) und kennzeichnet diese als "Ich" oder "zu mir gehörend". Es findet also eine Identifikation mit diesen Elementen statt. Wenn das Bewusstsein, das alle Dinge (auch im scheinbaren Außen) registriert beschränkt wird auf einen kleineren Teil aller Wahrnehmungen, dann entsteht Dualität.

(Ich habe gerade etwas vergessen aus meiner direkten Erfahrung zu beschreiben, deswegen hänge ich das nochmal an)

Wenn ich hier am Laptop sitze und schreibe dann merke ich, dass die Wörter von ganz alleine kommen, ohne irgendein Zutun von "mir". Erst wenn ein Hindernis auftritt und ich nicht mehr weiß, wie ich z.B den nächsten Satz anfangen soll, kommt das scheinbare "Ich" ins Spiel. Dann sitze ich hier und grübele, wie ich den Satz nun formulieren könnte. Was dann aber eigentlich passiert ist folgendes: Wenn der Schreibfluss unterbrochen ist, kommen viele Gedanken. In Gedanken werden die verschiedensten Optionen abgewägt. Ich frage mich z.B, ob ich den Satz so formulieren kann oder ob es dann komisch klingt. Was in dem Moment des Grübelns aber eigentlich nur da ist, sind Gedanken, aber kein Ich! Indem eine Identifizierung von Bewusstsein mit den grübelnden Gedanken stattfindet, gewinnt die Ich-Illusion an Kraft. Auf einmal habe ich nicht mehr das Gefühl, dass alles von alleine passiert. Es fühlt sich an, als ob ich hier als eigenständige Person sitze und Schwierigkeiten beim Formulieren hab. Indem ich das, was sich wie "Ich" anfühlt (Bewusstsein) als "Ich" kennzeichne, ist da auf einmal ein Container. In diesem Container ("Ich") sind Gefühle, Gedanken, Erinnerungen und verschiedene Sinneswahrnehmungen, die sozusagen "nah" an meinem "Ich-Gefühl" sind. Der Container entsteht hierbei durch die Kennzeichnung "Ich". Alles was nicht im Container ist, gehört nicht zum "Ich". Nur sehe ich jetzt, dass es diesen Container nie gab. Ich muss ihn nicht ausleeren und wegwerfen, sondern nur sehen, dass es den Container nie gab! Die Illusion des Containers wird aufrecht erhalten, da immer wieder Zeug reingeworfen wird. Wie gesagt, z.B Emotionen, Geschichten und Gedanken über meine Person etc.

Klarer bekomme ich es gerade nicht hin!

Grüße!

Max

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mina7777 » Mon Mar 21, 2022 7:59 pm

Danke für deine ersten beiden Antworten!

Es ist nicht so leicht, das alles in Worte zu fassen und vielleicht verstehe ich da etwas falsch. Darum hake ich nochmal nach:
Du schreibst, dass sich das Ich-Etikett auf ein Bewusstsein bezieht, das alle Elemente der direkten Erfahrung wahrnimmt.
Nun meine Frage: Findest du in direkter Erfahrung ein Bewusstsein, das wahrnimmt?

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mindisseeker » Tue Mar 22, 2022 9:00 am

Moin!

Nachdem ich meine Antworten nochmals gelesen habe, fällt mir auf, dass sie etwas konfuser sind als ich dachte :D
Findest du in direkter Erfahrung ein Bewusstsein, das wahrnimmt?
Nein, finden kann ich es nicht. Hier sind nur Gedanken, Gefühle und Sinneswahrnehmungen. Das sind die Dinge, die ich fassen kann.

Mit Bewusstsein meinte ich, dass alle diese fassbaren Dinge in einer Art "Nichts" stattfinden. Wenn ich die Augen zu mache, dann fühlt es sich so an, als wäre da eine unendlich weite Fläche (oder eben ein Nichts) auf dem alle Elemente meiner direkten Erfahrung (von Körperwahrnehmung bis leisesten Geräuschen in der Entfernung) stattfinden. Aber nein, ich kann es weder fassen, sehen oder "es" überhaupt als "etwas" erkennen. Dieses Nichts zu fassen ist das, was ich den größten Teil meines Lebens unbewusst versucht habe. Der Versuch, das zu fassen, zeigt sich im Ich-Gedanken. Ich nenne es "Ich" und es wird scheinbar zu einem Objekt. Das Einzige, was ich aber finden kann sind wie gesagt Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen. Also nehme ich fälschlicherweise an, dass Ich die Summe aus meinen Gedanken, Gefühlen und Sinneswahrnehmungen (ich meine hier vor allem Körperwahrnehmung, Erscheinungsbild etc.) bin. Doch der Ich-Gedanke ist und bleibt nur ein weiterer Gedanke. Ein weiteres Element, das in diesem Nichts stattfindet.

Ich habe mich etwas mehr auf diesen Aspekt bezogen, da sich meine Wahrnehmung in der letzten Woche wirklich etwas verändert hat. Ich hatte bis dahin die meiste Zeit noch das Gefühl, dass hier ein Körper ist, in dem "Ich" bin (obwohl ich sah, dass alles von selber passiert, ohne Steuerung von mir). Aber jetzt sehe ich, dass es auf eine Art und Weise kein Innen und kein Außen gibt. Ich bin scheinbar überall und doch nirgendwo. Doch ich muss sagen, dass mich das auch etwas orientierungslos macht. Es ändert sich etwas, das merke ich ganz deutlich, aber es fühlt sich oftmals noch etwas verwirrend an.

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mina7777 » Tue Mar 22, 2022 7:54 pm

Doch ich muss sagen, dass mich das auch etwas orientierungslos macht. Es ändert sich etwas, das merke ich ganz deutlich, aber es fühlt sich oftmals noch etwas verwirrend an.
Schau einfach immer wieder hin, was wirklich da ist und was Gedanken im Nachhinein vielleicht als "orientierungslos" oder "verwirrend" benennen.

Hier kommen schon die nächsten beiden Fragen:

3. Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4. Was hat dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?


:)

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mindisseeker » Fri Mar 25, 2022 4:59 pm

Hi!

späte Rückmeldung, bin gerade im Umzugsstress. Aber jetzt gerade habe ich etwas Zeit, um gewissenhaft zu antworten.
3. Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4. Was hat dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
3. Es fühlt sich in vielen Momenten befreiend an. Die Tatsache, dass es "mich" nicht gibt, nimmt mir in vielen Bereichen eine große Last von den Schultern. Ich hatte einen großen Teil meines Lebens immer mal wieder mit Dingen wie Scham und Angst zu kämpfen. Es war z.B oft eine große Angst da, dass "ich" irgendwie alles vermassele und mein Leben an die Wand fahre. Ich sehe jetzt, dass das schon immer alles nur Gedanken oder Geschichten waren, die mein Verstand erzählt hat und denen "ich" geglaubt habe. Ich merke deutlich, dass vor allem Angst, Scham und Schuld deutlich abnehmen. Wenn ein Fehler passiert, quäle ich mich nicht mehr so sehr mit negativen selbstzentrierten Gedanken. Es ist tatsächlich alles nicht persönlich! Unangenehme und negative Dinge passieren eben und es gibt im absoluten Sinne keine persönliche Verantwortung (was nicht heißen soll, dass z.B Kriminelle keine rechtlichen Konsequenzen mehr erfahren sollten - im relativen Sinne gibt es diese Verantwortung meiner Meinung nach schon)

Aber ich muss auch hervorheben, dass ich immer noch oft genug in meine unbewussten Muster abrutsche und die Energie in vielen Momenten nicht da ist, um das dann alles wertfrei und ohne Etikett zu betrachten. Aber es wird besser. Was ich aber noch nicht ganz so erfahre, ist das, weswegen ich ursprünglich an diesem Thema Interesse gefunden habe: Innerer Frieden und Zufriedenheit. Also ich merke das in einigen Momenten schon ein bisschen, aber im Allgemeinen ist es bis hier hin eher ein Akzeptieren der Abwesenheit von Frieden und Zufriedenheit. Trotzdem freue ich mich sehr das gemacht zu haben und merke, dass es vielleicht die beste Sache ist, die ich je in meinem Leben gefunden habe.

4. Es war auf jeden Fall die Realisation am Anfang (dass Zweifel Gedanken genau so unpersönlich sind, wie alle anderen Gedanken auch). Danach wusste ich dann irgendwie einfach, dass es mit allen Dingen (Emotionen etc.) genau so ist. Einfach immer wieder hinschauen und sehen, was wirklich da ist.

Ich danke dir schon einmal recht herzlich, Mina! Es hat mir Spaß gemacht :)

Viele Grüße

Max

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Re: Ich weiß, dass es kein Ich gibt, aber nun scheint der Prozess zu stagnieren!

Postby Mina7777 » Sat Mar 26, 2022 8:38 am

Was ich aber noch nicht ganz so erfahre, ist das, weswegen ich ursprünglich an diesem Thema Interesse gefunden habe: Innerer Frieden und Zufriedenheit.
Das sind wohl noch Erwartungen, die schlummern.
Ohne die Gedanken "Innerer Friede" oder "Zufriedenheit"... fehlt da wirklich etwas?
Trotzdem freue ich mich sehr das gemacht zu haben und merke, dass es vielleicht die beste Sache ist, die ich je in meinem Leben gefunden habe.
Das ist schön zu hören und freut mich sehr für dich!

Dann kommen wir mal zu den letzten beiden Fragen:

5. Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus deiner direkten Erfahrung.

6. Möchtest du noch etwas ergänzen?


Wünsche dir einen schönen Tag!


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