Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

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barb
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Tue Nov 24, 2020 12:53 pm

Da ist ein Gedankenbild, das legt sich nicht auf die gesehene Realität, sondern ist im selben Wahrnehmungsfeld, sie ist AUCH da, nur ist der Fokus auf dem Gedankenbild, dadurch wird die Realität nicht gesehen.
Es wird gesehen dass Gedanken(bilder) da sind, ist das nicht ebenso Realität? (nur „dass“ nicht „was“...:))

Mit diesen Begriffen wie „Realität“, „Wahrnehmung“ usw. bewegen wir uns sowieso auf dünnem Eis. Aber irgendwie müssen wir ja kommunizieren, doch letztendlich müssen wir aufpassen, dass wir nicht einen Glaubenssatz mit einem anderen ersetzen.

Weißt du, was Wahrnehmung ist und wie sie funktioniert?

“Wahrnehmung” ist eine Ansammlung von Erinnerungen, die die empfangenen Daten bearbeitet sobald ein Reiz auftritt, noch bevor die Daten bewusst werden. Nur was das Gehirn für relevant und überlebenswichtig hält, scheint dann auf. Wahrnehmung ist dieser Bezugsrahmen, die Voreingenommenheit, die wir alle entwickeln, welche unsere Erfahrungen bewertet und verändert.

Und weil jeder Reiz Daten erzeugt, die wahrgenommen und eingeteilt werden, noch bevor sie bewusst werden, können wir die Realität niemals so wahrnehmen, wie sie wirklich ist. Unsere Wahrnehmung wird unsere Erfahrungen immer so formen, dass sie zu unseren Erinnerungen passen... :)

Aber ja, hier in unserem Kontext nennen wir „Realität“ das was jetzt wahrgenommen werden kann, und dazu gehört das Auftauchen von Gedanken auch, oder?
Das Gedankenbild ist auch da, beides ist da, Realität und Gedanke. Es ist nicht vor mir, sondern irgendwie inmitten von mir, inmitten dieses »meines« Wahrnehmungsfelds, oder anderes gesagt: da ist eigentlich nichts anderes als dieses Bild, es geht durch »mich« hindurch bzw. es ist das, was da ist ohne mich, wenn »mich« ja nur ein Gedanke ist …
Es ist (m)ein Wahrnehmungszentrum in dem Gedankenbild da und gleichzeitig das Gedankenbild in dem Wahrnehmungszentrum. Es füllt den gesamten Warhrnehmungsbereich aus, d.h. es hat keine Begrenzung. Und vielleicht gibt es auch gar keinen Unterschied zwischen dem Wahrnehmungszentrum, oder besser gesagt der Wahrnehmung und dem Bild. Es ist eins. Wahrnehmung = Gedankenbild. Und kein Ich. Da ist nur Wahrnehmung.
Hört sich ganz gut an, die Frage ist nur: Ist das eine intellektuelle Schlussfolgerung (was natürlich erstmal nicht schlecht ist... ;)) oder ist das so in direkter Erfahrung?
umgetrieben, seitdem guck ich da öfter hin, das geht leichter. Es scheint alles derselben Herkunft zu sein, ohne Vorder- und Hintergrund, ohne Unterscheidung vom Gedanken »Ich« und dem Gedanken an etwas anderes.
Perfekt :)
Gerade schau ich den Teebecher vor mir auf dem Tisch an. Die direkte Erfahrung ist, dass da sehen ist, sehen findet statt im Sehen. Da ist alles drin im Sehen.
Ja genau, einfach nur sehen...
Das Sehen findet weder draußen noch drinnen statt. Es findet statt. Im Sehen. Ich kann keine Grenze zwischen außen und innen festmachen. Ich kann auch nicht sagen, dass die Wahrnehmung zwischen »mir« und dem Apfel stattfindet, es gibt auch Umfeld um den Apfel herum, die weiße Fläche, der Tisch, die Wand, Arm (von mir) etc. Der Apfel ist in der Wahrnehmung enthalten, in der auch Ich enthalten bin. Und wenn Ich nur ein Gedanke ist: in der Wahrnehmung ist dieser Körper enthalten. Es gibt kein draußen und drinnen. Alles ist da zusammen im Wahrnehmungsgeschehen.
Und wenn du nun versuchst alle Konzepte, alles Gelernte außen vor zu lassen: Kannst du mehr sehen als „Farben“? Weiß das reine „Sehen“ etwas von Apfel, Fläche, Tisch, Körper etc... ?
Ich guck und guck weg und wieder hin, manchmal scheint es flacher zu sein, nicht 3D, aber es ist eher 3D.
Es ist auch nicht nötig, dass du plötzlich 2D siehst, das Gehirn rechnet ja augenblicklich um (siehe oben – Wahrnehmung), also wie immer – kein Druck... :)
Nur Farbe zu sehen ohne den Gedanken Apfel geht nicht so richtig. Ich hab mal ne Mandarine genommen, ging etwas besser, weil sie nicht soviel Licht reflektiert, aber nur orange sehen ging nur sehr wenig.
Es muss gar nicht sein, dass die Gedanken verstummen (das geht auch gar nicht), sondern die Unterscheidung zu lernen was wirklich gesehen wird und was durch Angelerntes dazu interpretiert wird...
Ich kenne aber so etwas wie heute morgen im Park: ich laufe da lang und sehe die Baumstämme ganz zweidimensional. Wie Bäume, die aus Pappe geschnitten und in verschiedenen Hintergrundebenen aufgestellt sind. Das Sehen auf diese Weise ist bei Bäumen öfter mal da.
:)
Da ist sehen, kein Jemand. Auch keine Instanz, aber Sehen ist abhängig von der Wahrnehmung durch die Sinne dieses Körpers, beim Sehen die Augen.
Sicher? Wie ist es beim Träumen? Werden da nicht auch Bilder gesehen?
Aber mit geschlossenen Augen wird auch nicht die Realität gesehen. Und das ist vielleicht auch der konditionierte Bezug, es gäbe ein Ich.
Ist das wahr? Wenn die Augen zu sind dann wird auch Farbe gesehen, oder? Schwarz vielleicht mit ein paar Lichtpunkten oder Farben, oder wenn du in eine helle Lichtquelle schaust wird da eher eine rötliche Farbe gesehen, nicht wahr? Probier es gleich mal aus...

DAS ist die Realität von der wir hier sprechen! Farben, Geräusche, Empfindungen, Geschmack, Geruch, Gedanke... Natürlich sind das auch schon wieder Konzepte und Einteilungen, aber wie gesagt ohne Worte können wir nicht kommunizieren. Also wir versuchen hier einfach alles so weit wie möglich runterzudampfen. „Wahrnehmen“ ist noch das neutralste Wort, die Einteilung in sehen-hören-spüren-riechen-schmecken-denken ist noch ziemlich wertfrei, und mit jedem weiteren Wort springen schon die Geschichten an...
Denke ich die Erfahrung? Nein, da geschieht Erfahrung, weil es kein Ich gibt, das erfährt. Sinnesbezogen wird erfahren, aber ohne einen Denker
Kommt diese Antwort aus der unmittelbaren Erfahrung?

Hier mal eine schöne Übung dazu. Nimm dir dafür 10 – 20 Minuten Zeit. Setze dich irgendwohin und schreibe alles was du wahrnimmst folgendermaßen auf:

Die erste Halbzeit (stell dir am besten einen Timer)z. B.

ich sehe einen Baum,
ich schreibe auf was ich wahrnehme,
ich habe Nackenverspannungen,
ich höre Autos
ich spüre ein Jucken am Fuß usw.......

Nach der Halbzeit ändere die Art wie du schreibst in: z. B

sehen eines Hauses,
schreiben geschieht,
da sind Nackenverspannung,
Vogelgezwitscher hören
jucken im Gesicht usw....

Welche von den beiden Varianten klingt wahrheitsgetreuer und entspannter?
Wie reagiert der Körper jeweils?
Gibt es etwas was dir noch aufgefallen ist, falls ja, was?


Viel Spaß dabei... :)
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MarieAnna
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Wed Nov 25, 2020 4:22 pm

ist das nicht ebenso Realität? (nur „dass“ nicht „was“...:))
das ist wieder dieses: alles ist einer Herkunft, da ist kein Vorder-/Hintergrund. Alles ist da und auf gleicher Ebene.
Weißt du, was Wahrnehmung ist und wie sie funktioniert?
Ja, das hab ich auch schon mal gelernt irgendwo. Ist wirklich schon ziemlich krass, wie das funktioniert. Aber irgendwie auch erleichternd / entspannend.

Und vielleicht gibt es auch gar keinen Unterschied zwischen dem Wahrnehmungszentrum, oder besser gesagt der Wahrnehmung und dem Bild. Es ist eins. Wahrnehmung = Gedankenbild. Und kein Ich. Da ist nur Wahrnehmung.

Hört sich ganz gut an, die Frage ist nur: Ist das eine intellektuelle Schlussfolgerung (was natürlich erstmal nicht schlecht ist... ;)) oder ist das so in direkter Erfahrung?
es war teils direkte Wahrnehmung, teils Schlussfolgerung und auch teils Gewusstes von irgendwo her aus dem Advaita-Gedöns.
Und wenn du nun versuchst alle Konzepte, alles Gelernte außen vor zu lassen: Kannst du mehr sehen als „Farben“? Weiß das reine „Sehen“ etwas von Apfel, Fläche, Tisch, Körper etc... ?
… das fällt schon schwerer, vielleicht erhasch ich manchmal einen glimpse davon, ich bleib dran.

Sicher? Wie ist es beim Träumen? Werden da nicht auch Bilder gesehen?
ja, das stimmt. Wahrnehmen geschieht so wie du oben beschrieben hast, aber wie es in Träumen geschieht: automatische Verarbeitung der Wahrnehmungen des Tages oder Lebens oder sowas.
Kommt diese Antwort aus der unmittelbaren Erfahrung?
Nein, irgendwie nicht. Nachdem, was du oben über Wahrnehmung geschrieben hast, ist das eher gedacht oder aus dem Speicher geholt als erfahren. Hui, das wird kompliziert …

Aber die Erfahrung mit der Übung (ich schreibe den Text / schreiben des Textes) war aufschlussreich:
beim Ichen war es naja, normal irgendwie, dokumentieren der Wahrnehmungsvorgänge.
Aber beim »schreiben des Textes, kratzen am Kopf« war da eine Entpanntheit, irgendwie mehr Nähe, die ich beobachten konnte, mehr Dichte, mehr Raum, die Erfahrung war volumiger irgendwie. Auch krass. hab ich vorhin nochmal gemacht, dasselbe, irgendwie fühlt »es sich« schön an.

Ich bleib auch dran mit dem Wahrnehmen, wenn Ich nur ein Gedanke ist.
Danke dir für die Begleitung

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barb
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Thu Nov 26, 2020 11:35 am

irgendwie auch erleichternd / entspannend.
:)
Und vielleicht gibt es auch gar keinen Unterschied zwischen dem Wahrnehmungszentrum, oder besser gesagt der Wahrnehmung und dem Bild. Es ist eins. Wahrnehmung = Gedankenbild. Und kein Ich. Da ist nur Wahrnehmung.
Hört sich ganz gut an, die Frage ist nur: Ist das eine intellektuelle Schlussfolgerung (was natürlich erstmal nicht schlecht ist... ;)) oder ist das so in direkter Erfahrung?
es war teils direkte Wahrnehmung, teils Schlussfolgerung und auch teils Gewusstes von irgendwo her aus dem Advaita-Gedöns.
Hihi, ja dieses Advaita-Gedöns... :)) Sind schon gute Wegweiser dabei, aber wichtig ist bei allem immer es selbst in der eigenen direkten Erfahrung zu überprüfen – alles andere ist und bleibt Märchenwelt... Schau einfach immer wieder nach...
Und wenn du nun versuchst alle Konzepte, alles Gelernte außen vor zu lassen: Kannst du mehr sehen als „Farben“? Weiß das reine „Sehen“ etwas von Apfel, Fläche, Tisch, Körper etc... ?
… das fällt schon schwerer, vielleicht erhasch ich manchmal einen glimpse davon, ich bleib dran.
Ach machs dir nicht so schwer... :) Dir ist doch völlig klar, dass der Apfel- oder Tischgedanke nur deshalb aufkommen kann weil du es mal gelernt hast, oder? Das reicht ja auch schon, deshalb müssen diese Gedanken nicht verschwinden. Dir ist klar, dass du in einen Apfel der nur in Gedanken auftaucht nicht hinein beißen kannst, und dass gedachtes Wasser keinen Durst löschen kann, oder?
Aber die Erfahrung mit der Übung (ich schreibe den Text / schreiben des Textes) war aufschlussreich:
beim Ichen war es naja, normal irgendwie, dokumentieren der Wahrnehmungsvorgänge.
Aber beim »schreiben des Textes, kratzen am Kopf« war da eine Entpanntheit, irgendwie mehr Nähe, die ich beobachten konnte, mehr Dichte, mehr Raum, die Erfahrung war volumiger irgendwie. Auch krass. hab ich vorhin nochmal gemacht, dasselbe, irgendwie fühlt »es sich« schön an.
:) Kannst ja auch probieren während des Alltags wenn dir irgendwelche Gedanken bewusst werden mit „Ich“ drinnen, dass du den einfach nochmal denkst nur ohne ich... :)
Es ist zwar nichts verkehrt mit Pronomen zu sprechen oder denken, aber solange noch nicht völlig klar ist, dass das nur Konzepte, Etiketten und Kommunikationswerkzeuge sind ist es ganz hilfreich diese mal wegzulassen. Und lustig ist es auch noch... :)

Wir nutzen Etikette für Aspekte der direkten Erfahrung, sie sind praktisch und helfen uns in der Gesellschaft zu navigieren.

Z.B. das Wort ‚Universität‘, worauf bezieht sich das Etikett? Gibt es wirklich eine "Universität"? Kann man "Universität" sehen-hören-spüren? Es gibt Gebäude, Studenten, Bücher, Auditorien, Professoren. Ist irgendetwas oder irgendjemand davon "Universität"? Oder ist das nur ein Wort das wir für Kommunikation benutzen um uns miteinander zu verständigen?

Jetzt schau dir mal das Wort "Ich/mich” an. Worauf bezieht sich dieses Label? Gibt es sowas wie das “Ich” im echten Leben? Da gibt es Gedanken, Gefühle, körperliche Wahrnehmungen, gehörte Geräusche, Gesehenes – ist irgendwas davon ein “mich”? Oder ist das nur ein Wort das wir für Kommunikation benutzen um uns miteinander zu verständigen?

Es scheint sehr einfach und nützlich zu sein Etiketten für eine Sammlung von Dingen zu benutzen, aber ist es immer so harmlos?

Es könnte auch geschehen, dass auffällt, dass sich ein Großteil der Gedanken um ein „Ich“ dreht, dass es nur in Gedanken gibt.

Kleines Experiment dazu:

Nimm dir wieder Zettel und Stift, teile ihn mit einem Strich in der Mitte und dann mache es dir zu Hause wieder richtig gemütlich, entspannt, weicher langer Atem. Schließe kurz die Augen und beobachte die Gedanken.

Und dann mache für jeden Gedanken, der sich um „Ich“ dreht einen Strich, und für jeden nicht-Ich Gedanken einen Kreis. Achte auch auf verkleidete Ich-Gedanken wie z. B. Das Wetter ist heute miserabel; schon wieder so viel Verkehr heute; es müsste mal aufgeräumt werden (gefällt "mir" nicht) usw....

Bin neugierig was du da findest... :)
Danke dir für die Begleitung
Sehr gerne, es freut mich sehr dass du voll dabei bist :)
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MarieAnna
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Fri Nov 27, 2020 10:12 pm

Dir ist klar, dass du in einen Apfel der nur in Gedanken auftaucht nicht hinein beißen kannst, und dass gedachtes Wasser keinen Durst löschen kann, oder?
ja, ich krieg mit, dass ich mich manchmal zu sehr auf da rein drehe … ich versuchs mal mit mehr Leichtgang ; )
:) Kannst ja auch probieren während des Alltags wenn dir irgendwelche Gedanken bewusst werden mit „Ich“ drinnen, dass du den einfach nochmal denkst nur ohne ich... :)
ja, mach ich, und es ist ein interessantes Erleben, weiter unten mehr dazu : )

Z.B. das Wort ‚Universität‘, worauf bezieht sich das Etikett? Gibt es wirklich eine "Universität"? Kann man "Universität" sehen-hören-spüren? Es gibt Gebäude, Studenten, Bücher, Auditorien, Professoren. Ist irgendetwas oder irgendjemand davon "Universität"? Oder ist das nur ein Wort das wir für Kommunikation benutzen um uns miteinander zu verständigen?

Jetzt schau dir mal das Wort "Ich/mich” an. Worauf bezieht sich dieses Label? Gibt es sowas wie das “Ich” im echten Leben? Da gibt es Gedanken, Gefühle, körperliche Wahrnehmungen, gehörte Geräusche, Gesehenes – ist irgendwas davon ein “mich”?
nein, nix davon ist ist ein »mich«. das Fühlen, Schmecken, Hören, Sehen als Vorgang, als Geschehen zu erleben, ist so, als wenn darin geschwommen wird. Es ist entspanntes Erleben, gedämpft irgendwie, trotzdem näher im Erleben, dicht, verbunden mit dem Erleben, langsamer und irgendwie anders als wenn von einem Ich erlebt wird: ich sehe, schmecke, höre … Das ist irgendwie so, als müsste ich es auf eine bestimmte Weise verantworten, bewerten, mich dafür oder dagegen entscheiden. Während: da ist essen, sehen, hören von Geräuschen lässt den Dingen ihr Sein, überlässt es dem Sein und es ist wie ein interessiertes Beobachten und gleichzeitiges Teilnehmen daran. Es ist kein Verantworten des Erlebens, eher ein passiveres, beobachtens, unaufgerechtes Teilnehmen. (Verantwortung ist übrigens ein aufgetauchtes Thema, das mich auch irgendwie umtreibt, wenn ich sehe, dass es kein Ich gibt.)
Wenn »ich höre«, ist da eine Tendenz, es zu tun, es vielleicht auch zu bewerten, z.B. »ich höre die Autos da draußen« könnte mich veranlassen, das zu laut zu finden, Gedanken daran zu haben, nicht an der Straße wohnen zu wollen etc.
Kaum in Worte zu fassen, aber vielleicht als Tendenz zu verstehen, in der ich versuche, die / meine Erfahrung zu beschreiben.


Es scheint sehr einfach und nützlich zu sein Etiketten für eine Sammlung von Dingen zu benutzen, aber ist es immer so harmlos?
Es ist irgendwie verallgemeinernd, weil die Wahrnehmung der einzelnen Elemente unter dem Etikett verloren geht. Es ist außerdem abstrakt und kann dazu führen, Distanz zu den Einzelteilen zu haben.
Auf ein Ich bezogen kann es zu selbstzentriertem Egoismus führen, unser Kapitalismus befördert und wird befördert von diesem »Ich will mehr und besser sein als du«. Auch diese bewertende, steuernde, selbstüberschätzende und auch selbstüberfordernde Facette ist nicht harmlos.


Die Übung Striche und Kreise:
Ich hab eigentlich keine Kreise gefunden, nur Striche. Alles sind mehr oder weniger ich-bezogene Gedanken. Sie implizieren fast alle, dass ich etwas tun werde, tun müsste, dass mit bestimmten Gefühle zu tun haben, die ich hatte oder haben werde, alles Gedanken, die sich um »mein« Erleben in irgendeiner Form drehen.
Und wenn es kein Ich gibt, nur als etikettierender Gedanke, sind das alles Gedanken, die Luftschlösser sind.

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Sat Nov 28, 2020 11:30 am

nein, nix davon ist ist ein »mich«. das Fühlen, Schmecken, Hören, Sehen als Vorgang, als Geschehen zu erleben, ist so, als wenn darin geschwommen wird. Es ist entspanntes Erleben, gedämpft irgendwie, trotzdem näher im Erleben, dicht, verbunden mit dem Erleben, langsamer
Klingt schön... :)
und irgendwie anders als wenn von einem Ich erlebt wird:
Beobachte mal genau wenn wieder dieser „Modus“ an ist: Ist da wirklich eine Entität „Ich“ von dem etwas erlebt wird? Was macht den Unterschied aus zu dem was du oben geschrieben hast? Kann es sein dass da einfach nur eine Gedankengeschichte am laufen ist die für wahr gehalten wird aber näherer Betrachtung nicht standhalten kann? Versuche mir zu beschreiben wie die reine direkte Erfahrung, das Erleben von „wenn das von einem Ich erlebt wird“ ist. (Also wie gesagt die direkte Erfahrung nicht weitere Geschichten, nur dass was wirklich da ist... :))
ich sehe, schmecke, höre … Das ist irgendwie so, als müsste ich es auf eine bestimmte Weise verantworten, bewerten, mich dafür oder dagegen entscheiden. Während: da ist essen, sehen, hören von Geräuschen lässt den Dingen ihr Sein, überlässt es dem Sein und es ist wie ein interessiertes Beobachten und gleichzeitiges Teilnehmen daran. Es ist kein Verantworten des Erlebens, eher ein passiveres, beobachtens, unaufgerechtes Teilnehmen. (Verantwortung ist übrigens ein aufgetauchtes Thema, das mich auch irgendwie umtreibt, wenn ich sehe, dass es kein Ich gibt.)
Ja, das Thema Verantwortung, Entscheidung, Kontrolle kann auch ein ziemlicher Brocken und ein Schlüsselelement der Illusion sein. Das schauen wir uns demnächst noch genauer an... :)
Wenn »ich höre«, ist da eine Tendenz, es zu tun, es vielleicht auch zu bewerten, z.B. »ich höre die Autos da draußen« könnte mich veranlassen, das zu laut zu finden, Gedanken daran zu haben, nicht an der Straße wohnen zu wollen etc.
Kaum in Worte zu fassen, aber vielleicht als Tendenz zu verstehen, in der ich versuche, die / meine Erfahrung zu beschreiben.
Ja ich glaube zu verstehen was du meinst. Wurden wir doch so erzogen, dass wir uns immer anstrengen sollten, und uns immer zu konzentrieren. Schon in der Schule wenn man mal einen weichen Blick hatte und nur in die Gegend schaute hieß es: „Schaust du Löcher in die Luft? Konzentriere dich gefälligst!“ Und schon wurde alles wieder eng. Die Augenmuskeln spannten sich an, der Blick fokussiert, und auch die Ohren wurden gespitzt... Die Kieferpartie bereit zu einer Antwort...

Versuch einfach mal, wenn du wieder eine Art Anspannung bemerkst, vom „aktiven schauen“ ins „sehen“ zu kommen. Also nicht als würden die Augen nach etwas „greifen“, sich etwas zuwenden, sondern ganz passiv sehen geschehen lassen. Das selbe mit dem hören. Nicht „horchen“, sondern einfach geschehen lassen.
Und vielleicht ist es dir auch möglich in diesem Zusammenhang gleich zu beobachten wie die Gesichtsmuskeln mit den Gedanken interagieren...
Die Übung Striche und Kreise:
Ich hab eigentlich keine Kreise gefunden, nur Striche. Alles sind mehr oder weniger ich-bezogene Gedanken. Sie implizieren fast alle, dass ich etwas tun werde, tun müsste, dass mit bestimmten Gefühle zu tun haben, die ich hatte oder haben werde, alles Gedanken, die sich um »mein« Erleben in irgendeiner Form drehen.
Sehr schön, eine wunderbar realistische Beobachtung... :)
Und wenn es kein Ich gibt, nur als etikettierender Gedanke, sind das alles Gedanken, die Luftschlösser sind
Du hast jetzt schon öfter geschrieben „wenn es kein Ich“ gibt... :) Hoffst, glaubst oder erwartest du, dass dieses „kein Ich“ auffindbar ist? Das „nicht-Ich“ gesehen werden kann? Oder dass es noch irgendwo eine verborgene Wahrheit gibt, die du jetzt noch nicht kennst?

Dazu habe ich wieder ein feines Experiment für dich:

Schließe die Augen und stell dir vor, dass du eine Wassermelone in den Händen hältst. Stell dir sie so lebhaft vor, dass du ihr Gewicht, ihre Form und ihre Oberfläche fühlen kannst. Halte sie, spüre sie, und öffne dann die Augen.

Was ist mit der Melone geschehen? Wo ist sie hin? Ist die Melone “verschwunden”? Kann etwas verschwinden was nie wirklich da war? Ist stattdessen jetzt eine “Nicht-Melone” da?

Wünsche dir schönes entspanntes wahrnehmen... :)
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MarieAnna
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Mon Nov 30, 2020 12:16 am

Beobachte mal genau wenn wieder dieser „Modus“ an ist: Ist da wirklich eine Entität „Ich“ von dem etwas erlebt wird? Was macht den Unterschied aus zu dem was du oben geschrieben hast? Kann es sein dass da einfach nur eine Gedankengeschichte am laufen ist die für wahr gehalten wird aber näherer Betrachtung nicht standhalten kann? Versuche mir zu beschreiben wie die reine direkte Erfahrung, das Erleben von „wenn das von einem Ich erlebt wird“ ist. (Also wie gesagt die direkte Erfahrung nicht weitere Geschichten, nur dass was wirklich da ist... :))

»Ich sitze hier und schreibe«: in diesem Modus ist die eigene Geschichte mit dabei. Es ist dieses Gefühl, den ganzen Sack mit allem, was zu »Ich« gehört, dabei zu haben. »da geschieht sitzen und schreiben« scheint mich davon zu entledigen. Und die Geschichte wird geglaubt, das fühlt sich so vertraut an vielleicht auch aufgrund des Gefühle, die sich im Körper zeigen, die schon oft gefühlt wurden. Jetzt gerade so ein frustiges Gefühl, weil ich da irgendwie nicht so richtig weiterkomme mit dem Schauen.

gestern morgen habe ich beobachtet: den Gedanken »ich mach das jetzt fertig».
Es ist wieder dieses: dem Gedanke: »ich mach das jetzt fertig« wird eine andere Priorität beigemessen als dem Z.B. »es geschieht fertig werden …«
Der Gedanken »ich mach das jetzt …« wird anderes bewertet, weil er im Körper ein Gefühl auslöst, das wiederum eine Reaktion hervorruft, entlang der Prägungen. Jedoch ist es einfach ein Gedanke. Ein Ich-Gedanke ist nicht anders einzuordnen als andere Gedanken. Das hatte ich neulich schon einmal, und dein Hinweis, dass das auch einfach ein Gedanke ist, war da schon sehr hilfreich. Es ist aber offensichtlich so, dass das nicht immer gesehen wird, grrr : |

gestern abend:
»ich sitze«, »ich sehe«, »ich schreibe« haben in meiner Beobachtung immer diese Prägung von »mir«, diese Färbung, die ich gut kenne, »meine« Gefühle, »meine« Geschichte, vor deren Hintergrund das, was ich mache, erlebt wird. Während des Beobachtens kommt auf: was wäre, wenn diese Geschichte einfach weg wäre für diesen Moment? Einfach so erleben, als wäre ich ein Alien from outer space oder ein Baby ohne Prägung. Und dann ist »ich sitze«, »ich sehe«, »ich schreibe« wiederum ganz anders im Erleben, offener, neugierig, interessiert, »ich sitze!?« »ich schau mich um« … Aber da ist immer noch ein Ich im Spiel, zwar als Idee ohne Geschichte, aber noch Ich.
Da hat »ich schaue« noch einen Bezug zum Zentrum in mir, ich kann das spüren an meinen Augen, die sich etwas verspannen, wenn der Modus »ich schaue« an ist. Beim »da ist schauen«, entspannen sich die Muskeln, der Blick öffnet sich.
Das ist ein guter Hinweis von dir:
Versuch einfach mal, wenn du wieder eine Art Anspannung bemerkst, vom „aktiven schauen“ ins „sehen“ zu kommen. Also nicht als würden die Augen nach etwas „greifen“, sich etwas zuwenden, sondern ganz passiv sehen geschehen lassen. Das selbe mit dem hören. Nicht „horchen“, sondern einfach geschehen lassen.
Und vielleicht ist es dir auch möglich in diesem Zusammenhang gleich zu beobachten wie die Gesichtsmuskeln mit den Gedanken interagieren...
nicht aktiv greifen, sondern geschehen lassen, und ja: die Gesichtsmuskeln sind dann entspannter, alles ist entspannter … aber ich bin dem im Tagesgeschehen noch nicht oft nachgegangen …


Ich kann keine Instanz »Ich« finden, dennoch ist da im Erleben dieser Bezug, der nicht zu übersehen ist.
Das »Ich« als Gedanke entfleucht mir immer wieder bzw. anders herum: das »Ich« als Gedanken zu sehen, passiert nur manchmal. Und das schiebt mich ein klein weniglich in den Frust. Aber ich beobachte gerade in diesem Moment: mit diesem Frustgefühl springt das »Ich« schnell wieder an und hält sich so am Laufen: das ist die Färbung, Prägung, die Geschichte, die Fixierung auf ein »Ich«.
Ich komme schnell wieder in eine »Geschichte« über »mich«, das stimmt, wenn ich das so beobachte, was gerade jetzt geschieht. Da kommt ein Gefühl auf, alt und gleichzeitig aktualisiert durch Geschehnisse im Jetzt. Dadurch bestätigt sich das scheinbare »Ich«.

Du hast jetzt schon öfter geschrieben „wenn es kein Ich“ gibt... :) Hoffst, glaubst oder erwartest du, dass dieses „kein Ich“ auffindbar ist? Das „nicht-Ich“ gesehen werden kann? Oder dass es noch irgendwo eine verborgene Wahrheit gibt, die du jetzt noch nicht kennst?

Ja, da hast du den Punkt getroffen: das scheine ich zu erwarten, dass das Nicht-Ich deutlich wird und vor meinem inneren Auge als Illusion zerplatzt, wodurch der Blick aus der Bewusstseinsblase heraus klar wird und Erkennen eintritt. Und damit ist das ganze Erleben vollkommen anders, so wow, wie Elena Nezhinsky im Video auf dieser Seite in ihrem Intro rüberkommt: glücklich, von Staunen über die Schönheit des Seins erfüllt. So stell ich mir das vor : ) Ja, und eine verborgene Wahrheit könnte auch im Spiel sein, wer weiß!?
Und ja: ich erinnere mich: ich lasse alle Erwartungen beiseite. Aber ja: ich scheine da – wie du wahrgenommen hast – eine Erwartung zu haben. Du hast absolut Recht.
Aber es ist auch eine Unsicherheit, über den Gedanken »Ich« zu schreiben, als ob ich das sähe, denn das tue ich nur entfernt, punktuell und dann verebbt das Gesehene wieder. Das verunsichert mich, weil ich auch die Vorstellung (da ist sie wieder) habe: einmal gesehen, immer gesehen. Und das scheint aber so nicht zu sein. Ober ich habs nicht tief genug gesehen (kein Riss durch mein Universum ; ) Und dann fällt mir ein: du hast ganz am Anfang geschrieben, ich soll öfter tagsüber hinschauen, und wenn‘s nur für ein paar Sekunden ist. Ist das, um den Blick klarer zu kriegen und damit den Gewohntheits-Ich-Nebel peu à peu zu durchdringen, um ein Bild zu malen?

heute früh:
»Nicht-ich« entdecken wollen: da kommt diese Energie auch wieder entlang der Prägungen: das Check ich nicht und ich kann sehen, dass das genau das ist, was dem vermeintlichen Ich zugeschrieben wird: ICH checke es nicht, durchblicke es nicht, o Schreck und Not! Aber ich sehe gerade gut, dass das kein Ich nicht durchblickt, sondern dass es wie gesagt eine Körperreaktion ist, die an bekannte Muster andockt wie an einen Rezeptor, das ist rein biochemisch, was da läuft. Das könnte kein Ich machen, wird nur dem Ich zugedacht. Ich als Gedanke. Das ist das, was durch das direkte Erleben und Hinschauen ermöglicht wird.

Und jetzt nicht drauf reinfallen: das zu sehen, macht ein angenehmeres Gefühl als das Gefühl, im eigenen Gefängnis zu sitzen, ist aber auch eine körperliche Reaktion, die nichts mit: oh schön, „»Ich« check das doch“ zu tun hat …
Und Reaktivierungen alter Muster heißt dann »meine Geschichte« und wird so erlebt. (Sorry, ich merke, ich wiederhole dieselbe Schleife).

Aber wie davon weg kommen?
Heute Abend: das Sehen des Ich-Gedanken ist immer wieder nur punktuell. Aber ist es denn so, dass ich das lieber ganz oft am Tag sehen und erforschen soll? Ja, oder?

Dazu ist das Melonen-Bild von dir schön:
Was ist mit der Melone geschehen? Wo ist sie hin? Ist die Melone “verschwunden”? Kann etwas verschwinden was nie wirklich da war? Ist stattdessen jetzt eine “Nicht-Melone” da?

heute frustige Grüße

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Mon Nov 30, 2020 12:24 pm

Der Gedanken »ich mach das jetzt …« wird anderes bewertet, weil er im Körper ein Gefühl auslöst, das wiederum eine Reaktion hervorruft, entlang der Prägungen. Jedoch ist es einfach ein Gedanke. Ein Ich-Gedanke ist nicht anders einzuordnen als andere Gedanken. Das hatte ich neulich schon einmal, und dein Hinweis, dass das auch einfach ein Gedanke ist, war da schon sehr hilfreich. Es ist aber offensichtlich so, dass das nicht immer gesehen wird, grrr : |
Ist ja schon gut dass es hin und wieder gesehen wird, oder? Einfach immer wieder schauen... :)
Aber da ist immer noch ein Ich im Spiel, zwar als Idee ohne Geschichte, aber noch Ich.
Mit was ist direkt von „Ich“ erfahrbar ist gemeint: Ist davon irgendwas zu sehen, zu hören, zu spüren, zu riechen, zu schmecken? Oder ist es nur Gedankeninhalt?
nicht aktiv greifen, sondern geschehen lassen, und ja: die Gesichtsmuskeln sind dann entspannter, alles ist entspannter … aber ich bin dem im Tagesgeschehen noch nicht oft nachgegangen …
Es ist ganz wichtig – und das habe ich anfangs und auch schon öfter erwähnt – dass du alles was wir hier untersuchen in deinen Alltag einbaust. Es hilft nicht viel mal eben nur kurz nachzuschauen und dann wieder so zu tun als würde diese Untersuchung nicht stattfinden... Um wirkliche Einsichten zu bekommen muss der Prozess schon die oberste Priorität haben, es muss das wichtigste sein für dich die Illusion durchschauen zu wollen um jeden Preis!

Ich kann keine Instanz »Ich« finden, dennoch ist da im Erleben dieser Bezug, der nicht zu übersehen ist.
Das »Ich« als Gedanke entfleucht mir immer wieder bzw. anders herum: das »Ich« als Gedanken zu sehen, passiert nur manchmal.
Wenn du „Ich“ nicht als Gedanken erkennst ist dann andauern irgendein Ich-Bezug da? Oder läuft das Leben da einfach in seinen Automatismen ab und irgendwann kommst du dann drauf, dass da halt wieder Ich-Gedanken waren?
Und das schiebt mich ein klein weniglich in den Frust. Aber ich beobachte gerade in diesem Moment: mit diesem Frustgefühl springt das »Ich« schnell wieder an und hält sich so am Laufen: das ist die Färbung, Prägung, die Geschichte, die Fixierung auf ein »Ich«.
Ist das mehr als eine Geschichte?
Zeig mir diese „Ich“ das anspringt! Zeig mit dem Finger drauf und horche hin, beschreibe mir was du gefunden hast! (Keine Geschichten, nur was du wirklich gefunden hast)
Hoffst, glaubst oder erwartest du, dass dieses „kein Ich“ auffindbar ist? Das „nicht-Ich“ gesehen werden kann? Oder dass es noch irgendwo eine verborgene Wahrheit gibt, die du jetzt noch nicht kennst?
Ja, da hast du den Punkt getroffen: das scheine ich zu erwarten, dass das Nicht-Ich deutlich wird und vor meinem inneren Auge als Illusion zerplatzt, wodurch der Blick aus der Bewusstseinsblase heraus klar wird und Erkennen eintritt. Und damit ist das ganze Erleben vollkommen anders, so wow, wie Elena Nezhinsky im Video auf dieser Seite in ihrem Intro rüberkommt: glücklich, von Staunen über die Schönheit des Seins erfüllt. So stell ich mir das vor : )
So und jetzt mal ganz schnell diese Erwartungen auch noch in eine Kiste packen und die in eine Rakete stecken und zum Mond schicken! (Stell dir das wirklich vor!)

Es gibt kein Happyeverafter! Diese Videos sind Momentaufnahmen, und du kannst dir sicher sein, dass Elena nicht jeden Augenblick glücklich ist... Du würdest dich wundern... ;) Da könntest du von dir ein Video in einem besonders glücklichen Augenblick aufnehmen und sagen: „Sodala! So will ich jetzt immer drauf sein, und alles was anders ist wird nicht akzeptiert!“ Siehst du wie unrealistisch das ist? Das ist noch unser Kinderglauben von den Märchen die uns erzählt wurden: Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende aller Tage...Zeit erwachsen zu werden!

Und dann gibt auch noch die spirituellen Lehrer die ewige Glückseligkeit usw. versprechen und auch vorgaukeln, aber es ist ja auch eine sehr lukrative Erleuchtungsindustrie geworden. Wusstest du dass Ramana regelmäßig Wutanfälle in der Küche bekommen hat? Und dass er gesagt haben soll: „Ach sollen sich die Doshas doch ausspielen...“

Lies dir bitte an dieser Stelle nochmal die einführenden Worte, speziell „LU ist nicht“ durch...
viewtopic.php?f=18&t=6280

Glücklich und staunend sein sind Zustände. Genauso wie frustriert und unzufrieden sein. Das sind einfach Stimmungen die kommen und gehen. So wie das Wetter. Man könnte sagen so wie die Erde „Wetter“ hat, hat Mensch „Stimmungen“. Nimmt die Erde das Wetter persönlich? Außerdem wenn immer nur die Sonne scheinen würde wäre alles eine einzige Wüste und kein Leben möglich...

Diese Untersuchung dient nicht dazu, dass sich irgendetwas ändert, sondern dazu dass gesehen wird dass alles so ist wie es ist und so erscheint wie es erscheint. Und dass dieses „persönlich nehmen“ und das „Ich-Gefühl“ auch nur Erscheinungen sind...
Ja, und eine verborgene Wahrheit könnte auch im Spiel sein, wer weiß!?
Das ist der Treibstoff für unendliche Suche... Das ist die ewige Karotte der der Verstand nachjagt...

Was wäre das denn für eine Wahrheit wenn sie verborgen wäre? "Wahrheit" ist natürlich in erster Line mal ein Wort, das von jedem anders interpretiert werden könnte. Aber die Wahrheit von der wir hier sprechen ist ganz einfach. So einfach dass sie nicht vom Verstand erfasst werden kann. Sie ist allgegenwärtig, immer da, auch jetzt. Nicht in einer imaginierten Zukunft.

Was ist es was immer da ist – unabhängig von jeglicher Erscheinung? SCHAU JETZT!
Dazu ist das Melonen-Bild von dir schön:
Was ist mit der Melone geschehen? Wo ist sie hin? Ist die Melone “verschwunden”? Kann etwas verschwinden was nie wirklich da war? Ist stattdessen jetzt eine “Nicht-Melone” da?
Das war nicht als Metapher gedacht, sondern als Übung :) Mach die Übung und erzähl mir was du gefunden hast!

:)
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MarieAnna
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Tue Dec 01, 2020 11:07 pm

Mit was ist direkt von „Ich“ erfahrbar ist gemeint: Ist davon irgendwas zu sehen, zu hören, zu spüren, zu riechen, zu schmecken? Oder ist es nur Gedankeninhalt?
Ja, danke. Und: es ist ein Gedanke, wenn ich geschrieben habe, dass da immer noch ein Ich im Spiel ist. Es ist ein Gedanke. und ich krieg mehr und mehr mit, dass es keine unterschiedlichen Ebenen von Gedankeninhalten gibt. Das war schon neulich eine wichtige Erkenntnis, und jetzt wieder.

Es ist ganz wichtig – und das habe ich anfangs und auch schon öfter erwähnt – dass du alles was wir hier untersuchen in deinen Alltag einbaust. Es hilft nicht viel mal eben nur kurz nachzuschauen und dann wieder so zu tun als würde diese Untersuchung nicht stattfinden... Um wirkliche Einsichten zu bekommen muss der Prozess schon die oberste Priorität haben, es muss das wichtigste sein für dich die Illusion durchschauen zu wollen um jeden Preis!
ja, hat es, es ist manchmal eher so, dass ich nicht genau weiß, was genau ich schauen soll. Aber das scheint m.E. Widerstandszeugs oder sowas zu sein. Ich hatte manchmal die Vorstellung, dass es schwer sei, da hinzuschauen und ich dafür Zeit brauche. Aber es IST nicht so. Danke also für diesen Hinweis.

Und das schiebt mich ein klein weniglich in den Frust. Aber ich beobachte gerade in diesem Moment: mit diesem Frustgefühl springt das »Ich« schnell wieder an und hält sich so am Laufen: das ist die Färbung, Prägung, die Geschichte, die Fixierung auf ein »Ich«.
Ist das mehr als eine Geschichte?
Zeig mir diese „Ich“ das anspringt! Zeig mit dem Finger drauf und horche hin, beschreibe mir was du gefunden hast! (Keine Geschichten, nur was du wirklich gefunden hast)

Da ist kein Ich, auch keins, das anspringt. Es ist nur das Gefühl von Frust, Ärger da. Aber es ist kein Ich, gerade sehe ich deutlich, dass da kein Ich ist, sondern einfach nur Frust. Es ist der Gedanke, dass »Ich Frust hab«. Aber es ist nur das Gefühl von Frust da. Momentan sehr deutlich.

So und jetzt mal ganz schnell diese Erwartungen auch noch in eine Kiste packen und die in eine Rakete stecken und zum Mond schicken! (Stell dir das wirklich vor!)
Ja! hab ich gemacht! Und danke für die Aufklärung. Manno, wie kann ich darauf immer wieder reinfallen?! es ist wie du sagst: Zeit, erwachsen zu werden. Da sind Gefühle da! Auch Ärger, Wut, Hilflosigkeit. Das ist die Breite der Erfahrung, die hier möglich ist. Vielleicht einfach nur gut, das alles nicht persönlich zu nehmen. Denn es ist ja eine jeweils eine Erfahrung, die abläuft, ein Gefühl. »Die Erde hat Wetter und der Mensch hat Stimmungen«. Kein Grund sich zu beschweren oder das persönlich zu nehmen. DANKE ; )

Diese Untersuchung dient nicht dazu, dass sich irgendetwas ändert, sondern dazu dass gesehen wird dass alles so ist wie es ist und so erscheint wie es erscheint. Und dass dieses „persönlich nehmen“ und das „Ich-Gefühl“ auch nur Erscheinungen sind...
Ja, ich stimme dir voll und ganz zu. Ich hab mich die letzten Tage verheddert in der Annahme eines scheinbar schwer handhabbaren Dings, diese Untersuchung, irgendwie ein unbewusster Kampf gegen die Untersuchung oder sowas, keine Ahnung. Ich bin wieder klarer und die Einführenden Worte zusammen mit deinen haben mich noch mal auf den Punkt gebracht. Hab Dank für deine Geduld.

Was ist es was immer da ist – unabhängig von jeglicher Erscheinung? SCHAU JETZT!
Es ist das Gefühl von Lebendigkeit, das Gefühl, lebendig zu sein, wahrzunehmen, zu empfinden.

Das war nicht als Metapher gedacht, sondern als Übung :) Mach die Übung und erzähl mir was du gefunden hast!
Das vorgestellte Bild der Melone löst sich mit offenen Augen auf. Wenn ich da verweile, taucht das Bild der Melone wieder auf und wieder ab. »Kann etwas verschwinden, was nie wirklich da war?« Nein, es ist nur das Bild, der Gedanke, nichts, was wirklich geschmeckt, gerochen, gefühlt, gesehen werden kann. Es ist eine Vorstellung, die auftaucht und wieder verschwindet, ein Gedanke, keine Realität. Mit dem Ich ist es genauso. Es ist eine Vorstellung von einem Ich, ein Gedanke, ebenso wie die vorgestellte Melone nicht real.

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Wed Dec 02, 2020 12:40 pm

Ja, danke. Und: es ist ein Gedanke, wenn ich geschrieben habe, dass da immer noch ein Ich im Spiel ist. Es ist ein Gedanke. und ich krieg mehr und mehr mit, dass es keine unterschiedlichen Ebenen von Gedankeninhalten gibt. Das war schon neulich eine wichtige Erkenntnis, und jetzt wieder.
Super! Ja, man muss einfach immer wieder hinschauen. Bei den meisten ist es nicht wie der Knall eines Champagnerkorkens, sondern durch kontinuierliches Hinschauen wird die Illusion immer mehr entschleiert...

Ein sehr wirksames Mittel dazu ist auch, wenn bemerkt wird dass die Gedanken wieder Karussell fahren, diese einfach durch "blablablablabla" oder sonstiges Kauderwelsch zu ersetzen und währenddessen nachzuschauen ob irgendetwas von dem sie (die Gedanken) erzählen aktuell wirklich zu sehen-hören-spüren-riechen oder schmecken ist. Wenn nicht läuft gerade wieder ein Märchendrama... ;)
es ist manchmal eher so, dass ich nicht genau weiß, was genau ich schauen soll.
Das ist für den Verstand viel zu einfach und da kommt dann eine Art Unsicherheit auf. Es ist langweilig, nicht fordernd genug, das kann es doch nicht sein... :) Aber genau dieses einfache sehen-hören-spüren ist ES.
Musst du irgendwas tun um zu sehen-hören-spüren? Braucht es irgendeinen Gedanken dazu? Kann es abgestellt werden?
Das ist die Breite der Erfahrung, die hier möglich ist. Vielleicht einfach nur gut, das alles nicht persönlich zu nehmen.
Auf jeden Fall, wobei das nichts ist was getan oder nicht getan werden kann... :) Es ist wie es ist... Wenn „persönlich nehmen“ erscheint reicht es schon das immer wieder mal zu sehen. Das gelingt auch nicht immer auf der Stelle, oft wird das erst hinterher gesehen, und da hilft es enorm sich darüber zu freuen das erkannt zu haben, dadurch wirds immer leichter... :) Einfach immer wieder hinschauen üben...
Ich hab mich die letzten Tage verheddert in der Annahme eines scheinbar schwer handhabbaren Dings, diese Untersuchung, irgendwie ein unbewusster Kampf gegen die Untersuchung oder sowas, keine Ahnung.
Ist ein gutes Zeichen, zeigt dass was in Bewegung kommt... :)
Ich bin wieder klarer und die Einführenden Worte zusammen mit deinen haben mich noch mal auf den Punkt gebracht. Hab Dank für deine Geduld.
Spitze! Und keine Geduld erforderlich – wie gesagt wir haben keine Eile und ich begleite dich wirklich sehr gerne <3
Was ist es was immer da ist – unabhängig von jeglicher Erscheinung? SCHAU JETZT!
Es ist das Gefühl von Lebendigkeit, das Gefühl, lebendig zu sein, wahrzunehmen, zu empfinden.
Ja genau – Sein/wahrnehmen/erfahren ist immer da, ungeachtet welche Erscheinungen „darin“ auftauchen...
Es ist eine Vorstellung, die auftaucht und wieder verschwindet, ein Gedanke, keine Realität. Mit dem Ich ist es genauso. Es ist eine Vorstellung von einem Ich, ein Gedanke, ebenso wie die vorgestellte Melone nicht real
Sehr gut, mach dir das einfach immer und immer wieder bewusst...
Da ist kein Ich, auch keins, das anspringt. Es ist nur das Gefühl von Frust, Ärger da. Aber es ist kein Ich, gerade sehe ich deutlich, dass da kein Ich ist, sondern einfach nur Frust. Es ist der Gedanke, dass »Ich Frust hab«. Aber es ist nur das Gefühl von Frust da. Momentan sehr deutlich.
Sehr gut :)

Lass uns mal diesen Frust oder Ärger näher unter die Lupe nehmen. Du kannst das auch mit jeder anderen Emotion machen, aber nur wenn aktuell wirklich eine da ist und nicht aus der Erinnerung.

Ist es dir möglich, wenn eine Emotion auftaucht diese einfach mal da sein zu lassen und ganz neugierig zu untersuchen? Kannst du die Gedanken dazu einfach durchziehen lassen und dich ganz aufs Spüren fokussieren?

Wo und wie im Körper ist die Emotion spürbar? Was davon ist wirklich spürbar und was nur Gedankengeschichten?

Schau mal ob es manchmal so ist, dass da ein Gedanke ist gefolgt von einer Emotion/Stimmung, und ob es manchmal umgekehrt ist. Schau auch, ob hin und wieder vielleicht die gleichen körperlichen Empfindungen mit anderen Emotionen assoziiert werden.

Könnte es sein, dass manche "Gefühle" einfach nur verkleidete Gedanken sind? Dass einfach manchmal nur Gedanken da sind ohne körperliche Empfindung und die auch als Gefühl bezeichnet werden?


Lass dir viel Zeit für die Untersuchung der Emotionen, schau immer wieder nach, nimm es mit in den Alltag. Emotionen können ein guter Wecker sein, der uns daran erinnert genau hinzuschauen... :)
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Thu Dec 03, 2020 10:32 pm

Ja, man muss einfach immer wieder hinschauen. Bei den meisten ist es nicht wie der Knall eines Champagnerkorkens, sondern durch kontinuierliches Hinschauen wird die Illusion immer mehr entschleiert...

das ist ein guter Hinweis, der entspannt und irgendwie auch zu dem passt, was ich erlebe, nämlich gelegentlich ein diffuses Gefühl der Bezugslösung, ein diffuser Bezug zu »meinem« Körper als Vehikel, der sich ausdrückt, wenn ich untersuche, ob es eine Geherin oder eine Instanz gibt, die sich setzt und Fragen in der Art.

danke auch für die blablabla-Gedanken-Karussel-Märchendrama-Übung, es gelingt momentan leichter, diese Sachen in den Alltag zu integrieren, es ist irgendwie einfacher geworden.

Musst du irgendwas tun um zu sehen-hören-spüren? Braucht es irgendeinen Gedanken dazu? Kann es abgestellt werden?

nein, es gechieht von selbst und braucht keinen Gedanken, kann auch nicht abgestellt werden.

es ist eine Vorstellung, die auftaucht und wieder verschwindet, ein Gedanke, keine Realität. Mit dem Ich ist es genauso. Es ist eine Vorstellung von einem Ich, ein Gedanke, ebenso wie die vorgestellte Melone nicht real
Sehr gut, mach dir das einfach immer und immer wieder bewusst...

es gelingt jetzt ganz gut, das immer mal wieder reinzunehmen und es mir bewusst zu machen. Oft.

Ist es dir möglich, wenn eine Emotion auftaucht diese einfach mal da sein zu lassen und ganz neugierig zu untersuchen? Kannst du die Gedanken dazu einfach durchziehen lassen und dich ganz aufs Spüren fokussieren?

Wo und wie im Körper ist die Emotion spürbar? Was davon ist wirklich spürbar und was nur Gedankengeschichten?

Hatte gerade vorhin so etwas: Es kam der Gedanke auf an eine zukünftige etwas herausfordernde Situation mit meiner Arbeit. Fast gleichzeitig zu diesem Gedanke ploppte blitzartig ein Körperempfinden auf, ein bekanntes grummeliges Gefühl im Bauch, dem ich mich dann gewidmet habe. Der Gedanke löst das bekannte Körperempfinden aus. Mit dem Verweilen beim Empfinden ohne Gedanken verebbte das Empfinden, auch dadurch, dass da ein Erkennen des Mechanismus war: ein Gedankenbild, das gar nicht real ist, das einfach auftaucht als Gedanke, macht ein Gefühl, das wiederum gewohnheitsmäßig als mulmig-grummelig-negativ betrachtet wird und eine weitere Schleife dreht: weitere Gedanken zu dem Thema tauchen auf, es könnte sich eine ganze Kaskade auftun und einen runterziehen. (Was aber jetzt nicht der Fall war.)
Also: ja, es handelt sich da wohl um einen verkleideten Gedanken, oder? Der Gedanke war sowas wie: krieg ich das hin? Das Gefühl war das bekannte, konditionierte Synomym dazu. Seh ich das richtig?

Ich untersuche das weiter.
Die Erforschung des Ich-Gedanken gelingt gut, wenn ich die Frage stelle, ob es eine Wahrnehmerin, eine Geherin, eine Instanz also, die das tut, gibt. Das scheint irgendwie leichter zu sein.

Ich hab aber wohl doch noch nicht so ganz intus, wie das mit mit dem sehen, hören, spüren, schmecken, riechen in Bezug auf die Ich-Untersuchung gehen kann. Da muss ich nochmal zurück zur Badstraße ; ) Meinst du es so, dass wenn ich z.B. danach frage, ob es ein Ich beim Gehen gibt, was also bei diesem Ich erfahrbar ist durch sehen, hören, spüren, …?

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Fri Dec 04, 2020 1:11 pm

das ist ein guter Hinweis, der entspannt und irgendwie auch zu dem passt, was ich erlebe, nämlich gelegentlich ein diffuses Gefühl der Bezugslösung, ein diffuser Bezug zu »meinem« Körper als Vehikel, der sich ausdrückt, wenn ich untersuche, ob es eine Geherin oder eine Instanz gibt, die sich setzt und Fragen in der Art.
Sehr gut :) Und gutes Stichwort „Körper“... Da habe ich heute eine wundervolle Untersuchung für dich...
danke auch für die blablabla-Gedanken-Karussel-Märchendrama-Übung, es gelingt momentan leichter, diese Sachen in den Alltag zu integrieren, es ist irgendwie einfacher geworden.
:))
es gelingt jetzt ganz gut, das immer mal wieder reinzunehmen und es mir bewusst zu machen. Oft.
Perfekt. Es werden hier einfach alte Konditionierungen und nicht überprüfte Glaubenssätze immer und immer wieder angeschaut und untersucht. Und je öfter gesehen wird, desto mehr verdünnisieren sich diese ausgetretenen automatisierten Pfade...
Wo und wie im Körper ist die Emotion spürbar? Was davon ist wirklich spürbar und was nur Gedankengeschichten?

Hatte gerade vorhin so etwas: Es kam der Gedanke auf an eine zukünftige etwas herausfordernde Situation mit meiner Arbeit. Fast gleichzeitig zu diesem Gedanke ploppte blitzartig ein Körperempfinden auf, ein bekanntes grummeliges Gefühl im Bauch, dem ich mich dann gewidmet habe.
Versuchen wir das „grummelige Gefühl“ noch weiter runterzuschrauben jenseits von gut oder schlecht: („grummelig ist eine Bewertung, Beurteilung, Einteilung)

Weiß das reine „spüren“ etwas von „grummelig“? Oder ist da einfach sowas in der Art wie Druck, Zug, Schwere oder irgendwas in der Richtung, und erst Gedanken machen es zu „grummelig“?
Der Gedanke löst das bekannte Körperempfinden aus.
Bist du dir da ganz sicher? Vielleicht war ja das oder ein Gefühl vorher schon da und erst mit der Bewusstwerdung des selbigen sind erzählende Gedanken dazugekommen? Ich behaupte nicht dass das immer so ist, aber könnte es sein dass es auch mal so abläuft?
Mit dem Verweilen beim Empfinden ohne Gedanken verebbte das Empfinden, auch dadurch, dass da ein Erkennen des Mechanismus war: ein Gedankenbild, das gar nicht real ist, das einfach auftaucht als Gedanke, macht ein Gefühl, das wiederum gewohnheitsmäßig als mulmig-grummelig-negativ betrachtet wird und eine weitere Schleife dreht: weitere Gedanken zu dem Thema tauchen auf, es könnte sich eine ganze Kaskade auftun und einen runterziehen. (Was aber jetzt nicht der Fall war.)
Super :) Genau so... Und das ist wieder etwas was immer wieder angeschaut werden sollte.
Also: ja, es handelt sich da wohl um einen verkleideten Gedanken, oder? Der Gedanke war sowas wie: krieg ich das hin? Das Gefühl war das bekannte, konditionierte Synomym dazu. Seh ich das richtig?
Als verkleideten Gedanken bezeichne ich eine Geschichte, die gar kein Körperempfinden auslöst. Vielleicht kannst du das ja auch beobachten, dass hin und wieder ein Gedanke auftaucht mit z. B. dem Inhalt: Mag ich nicht; das geht mir aber auf den Keks; ach nervt mich dieses Wetter... usw.. Und wenn man dann nachschaut ist auf körperlicher Ebene rein gar nichts dazu zu finden - nada, nothing. Der Gedanke tut so als wäre er ein Gefühl (genervt sein, ärgerlich...), aber es ist nichts dazu zu spüren, also reine Geschichte...

Und dann kann es auch mal sein, dass vielleicht irgendwo eine Enge, Druck, Ziehen oder so im Körper zu spüren ist, einfach ein Gefühl ganz ohne Gedankengeschichten. Wenn man da dran bleibt und das genau beobachtet, könnte es sein dass man dahinterkommt, dass sich vermeintlich verschiedene Emotionen ziemlich ähnlich anfühlen können. Sogar solche die man mal als negativ bzw. positiv bezeichnen würde...
Ich untersuche das weiter.
Es könnte sogar geschehen, dass sich ein immer größeres Amüsement einstellt je mehr das beobachtet wird... :)
Ich hab aber wohl doch noch nicht so ganz intus, wie das mit mit dem sehen, hören, spüren, schmecken, riechen in Bezug auf die Ich-Untersuchung gehen kann. Da muss ich nochmal zurück zur Badstraße ; ) Meinst du es so, dass wenn ich z.B. danach frage, ob es ein Ich beim Gehen gibt, was also bei diesem Ich erfahrbar ist durch sehen, hören, spüren?
Ja genau... Wir haben ja schon gesehen, dass alles was wahrnehmbar ist in sehen-hören-spüren-riechen-schmecken und den Vorgang des Denkens eingeteilt werden kann. Und alles was NICHT mit den Sinnen wahrnehmbar ist fällt in die Kategorie Geschichte.

Die Gedanken vergeben Namen für alles und heften diese an die Empfindung oder Sinneswahrnehmung.

Die Namen können für etwas stehen, was es wirklich gibt, was mit den Sinnen wahrnehmbar ist: Tisch, Fenster, Wasser.

Oder sie bezeichnen etwas, was es nur als Konstrukt gibt, z.B. Berlin. Man kann sich nicht mit Berlin treffen. Aber die Komponenten sind sehr wohl mit den Sinnen erfahrbar, die Häuser, Straßen, Menschen, U-Bahn.

Und dann gibt es noch Namen für reine Phantasiefiguren, z.B. Weihnachtsmann, Zahnfee, Spiderman, Ich... :)

So, hier die versprochene Körperübung, lass dich ganz auf das sinnliche Erleben ein. Vielleicht fällt es ja leichter wenn du sie dir aufs Handy oder so sprichst...

Finde einen ruhigen Ort und eine ruhige Zeit.
Lege dich hin, schließe die Augen und entspanne dich, atme langsam und sanft in den Bauch ein und aus. Spüre ganz achtsam das was wir als Körper bezeichnen.

Wenn du dort angekommen bist, betrachte bitte folgende Fragen:

Im reinen Spüren mit geschlossenen Augen, kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?
Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?

Hat der Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Ist eine Grenze spürbar zwischen dem Körper und der Kleidung?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?

Nur im Spüren, weißt du wieviel Zehen du hast, weiß das Spüren überhaupt was von Zehen, oder ist da einfach nur eine Empfindung?

Gibt es ein Innen oder außen? Falls es ein Innen gibt - innen wovon genau?
Falls es ein Außen gibt, außen wovon genau?

Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen?
Wohnt "Wahrnehmung/Präsenz" an einem bestimmten Ort?

Fehlt irgendetwas, wenn du so erfährst?



Viel Freude mit der Körperuntersuchung, bin schon neugierig wie es damit geht... :)
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Sat Dec 05, 2020 10:36 pm

Es werden hier einfach alte Konditionierungen und nicht überprüfte Glaubenssätze immer und immer wieder angeschaut und untersucht. Und je öfter gesehen wird, desto mehr verdünnisieren sich diese ausgetretenen automatisierten Pfade...

das hört sich gut an und ich nehme davon auch was wahr. Das stete damit-Sein, hinschauen, fragen, prüfen ist gut und irgendwie werden die Halterungen der »Ich«-Konditionierung lockerer, ist meine Wahrnehmung.

Weiß das reine „spüren“ etwas von „grummelig“? Oder ist da einfach sowas in der Art wie Druck, Zug, Schwere oder irgendwas in der Richtung, und erst Gedanken machen es zu „grummelig“?

Nein, weiß es nicht, das Spüren ist eher so ein leichtes Drücken, verbunden mit einer Farbe hat und ist das ist tatsächlich eine Interpretation und Bewertung, ein Label und füttert die (Leidens-)Geschichte, hält sie am Laufen.

Bist du dir da ganz sicher? Vielleicht war ja das oder ein Gefühl vorher schon da und erst mit der Bewusstwerdung des selbigen sind erzählende Gedanken dazugekommen? Ich behaupte nicht dass das immer so ist, aber könnte es sein dass es auch mal so abläuft?

Wie »bestellt«, um das zu prüfen, hatte ich gestern eine Empfindung im Körper und dann die abstrakte Interpretation: irgendwie negativ, dann es folgt die nächste Emotion und Interpretation, was tiefer in die (Leidens-)Geschichte zieht.
Und auch andersrum kenne ich es wie gerade jetzt: da ist ein bestimmtes Körperempfinden, kribbelig im Bauch, das wird als freudig interpretiert. Wenn die Interpretation weggelassen wird, ist da einfach feines Kribbeln. Genauso gut könnte es als sticheliges Aufregungsempfinden interpretiert werden. Ulkig.

Ja genau... Wir haben ja schon gesehen, dass alles was wahrnehmbar ist in sehen-hören-spüren-riechen-schmecken und den Vorgang des Denkens eingeteilt werden kann. Und alles was NICHT mit den Sinnen wahrnehmbar ist fällt in die Kategorie Geschichte.

super, danke schön, das machts deutlicher ; )


Ich erwisch mich manchmal bei »meinen« Aktivitäten / Gesten ohne ein »mich« und es ist wie ein automatisches Geschehen. Es geschieht öfter im spontanen Wahrnehmen von Bewegungen, Aktionen, Handeln, die kein »Ich« initiiert hat. Da geschieht dann Bewegung, Gehen, etwas hochheben, auch etwas sagen ohne ein Ich, der Bewegungen, Schritte macht, einzelne Sätze formt … die Automatismen ohne ein Ich werden deutlicher.


Die Körperübung:
ich kann keine Grenzen oder Übergänge zwischen Köper und Kleidung oder Körper und Unterlage feststellen. Im Erleben / Wahrnehmen ist alles eine formlose Sache, deren Grenzen ich auch nicht in Körpernähe spüren kann. Ein Haufen formloses sehr feines Kribbeln. Ich nehme wahr, dass da ein inneres Bild als nicht realer Gedanke auftaucht: das innere Abbild des Körpers, wie er da liegt, aber es ist ein Gedankenbild, nicht real. Es gelingt, den Fokus vom inneren Körperbild auf das Spüren des Kribbelns zu setzen. Und wenn sich der Fokus auf das Kribbeln richtet und es gelingt, ganz unbefangen zu spüren, wie gerade jetzt, wenn ich hier sitze, kann ich eigentlich nicht wirklich sagen, dass das Prickeln irgendwo aufhört. Selbst die Frage, was genau da eigentlich spürbar ist, lässt sich erstmal nicht eindeutig mit passenden Worten beantworten. Feines Prickeln / Kribbeln oder so etwas sind vielleicht Annäherungen an das Erleben. Und dieses feine Prickeln scheint eine Art Verdichtung in Körpernähe zu haben, aber ich will nicht ausschließen, dass das nur so ist, weil das immer auf diese Weise geglaubt wurde, dass es innerhalb des Körpers stattfindet, bzw. das Körperschema als inneres Bild oder das »Wissen«, dass da ein Körper ist, mit dem Erleben des Kribbelns verknüpft wird. Und das wird dann so im Laufe der Jahre konditioniert. Tatsächlich ist da keine eindeutige Grenze spürbar. Da ist dann auch die Grenze zwischen innen und außen nicht da / erlebbar. Es verschwimmt alles ineinander. Vielleicht ganz ähnlich oder genauso wie Gedanken, die nicht auf unterschiedlichen Ebenen wie vordergründigen oder hintergründigen Ebenen da sind, sondern alle auf einer Ebene sind, auftauchen, abtauchen, keine Grenzen, kein Vordergrund oder Hintergrund, kein innen oder außen.
Und wenn das Kribbeln auch weiter weg bzw. keine Grenze wahrgenommen wird, kann ich sagen: der Körper wird wahrgenommen, nicht andersrum. Und Wahrnehmung hat irgendwie keinen Ort. Wenn ich etwas anschaue wie neulich die Mandarine (den Apfel) oder jetzt auch den Becher: das Sehen findet nicht in mir statt, aber auch nicht im Becher, es scheint überall zu sein, auch wenn die Rückseite des Bechers nicht zu sehen ist ; )
Auch die Frage, ob da Zehen wahrgenommen werden kann ich nur so beantworten: da ist eine formlose Sache, die irgendwie als Kribbeln spürbar ist. Und das Erleben weiß nichts von Zehen, da ist nur Empfindung von formlosem Kribbeln.

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Sun Dec 06, 2020 12:55 pm

Das stete damit-Sein, hinschauen, fragen, prüfen ist gut und irgendwie werden die Halterungen der »Ich«-Konditionierung lockerer, ist meine Wahrnehmung.
Ja genau... :)
wie gerade jetzt: da ist ein bestimmtes Körperempfinden, kribbelig im Bauch, das wird als freudig interpretiert. Wenn die Interpretation weggelassen wird, ist da einfach feines Kribbeln. Genauso gut könnte es als sticheliges Aufregungsempfinden interpretiert werden. Ulkig.
:))
Ich erwisch mich manchmal bei »meinen« Aktivitäten / Gesten ohne ein »mich« und es ist wie ein automatisches Geschehen. Es geschieht öfter im spontanen Wahrnehmen von Bewegungen, Aktionen, Handeln, die kein »Ich« initiiert hat. Da geschieht dann Bewegung, Gehen, etwas hochheben, auch etwas sagen ohne ein Ich, der Bewegungen, Schritte macht, einzelne Sätze formt … die Automatismen ohne ein Ich werden deutlicher.
Wenn da kein automatisches Geschehen abläuft ist dann ein tatsächliches „Ich“ involviert? Geschieht überhaupt irgendetwas nicht automatisch, also ist jemals bei irgendeiner Handlung eine Steuerfrau, eine Frau Kapitän namens „mich“ beteiligt? Initiiert jemals ein „Ich“ etwas, oder ist das auch nur eine weitere Geschichte?

Dazu ein kleines spontanes Experiment:

Jetzt in diesem Augenblick hebe deinen rechten oder linken Arm (oder lass ihn unten). Während des Hebens oder Nicht-Hebens wird eine Entscheidung getroffen, zumindest geschieht etwas (oder nicht).

Kannst du den genauen Augenblick der Entscheidung bestimmen und das konkrete Wesen finden, das diese Entscheidung zu treffen scheint?

Ist es wirklich möglich, den Moment der Entscheidung sowie den scheinbaren „Entscheider“ zu finden? Taucht eventuell wenn überhaupt eine Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?


Beobachte während des Alltags wie Entscheidungen getroffen werden. Beginne bei den kleinen alltäglichen: Was zu essen, trinken, anziehen, aufstehen, zur Toilette gehen, Zähne putzen usw... Beobachte, beobachte, beobachte. Zwischendrin picke dir ein, zwei Entscheidungen heraus und versuche sie bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen.

Ist das möglich?

Und wenn sich der Fokus auf das Kribbeln richtet und es gelingt, ganz unbefangen zu spüren, wie gerade jetzt, wenn ich hier sitze, kann ich eigentlich nicht wirklich sagen, dass das Prickeln irgendwo aufhört. Selbst die Frage, was genau da eigentlich spürbar ist, lässt sich erstmal nicht eindeutig mit passenden Worten beantworten. Feines Prickeln / Kribbeln oder so etwas sind vielleicht Annäherungen an das Erleben.
:) Da kommen wir jetzt dahin, dass die Wahrheit die ausgesprochen wird nicht die Wahrheit ist...
Und dieses feine Prickeln scheint eine Art Verdichtung in Körpernähe zu haben
„Verdichtung“ ist schon wieder Interpretation, oder? Weiß „spüren“ was von Verdichtung?
Und wenn das Kribbeln auch weiter weg bzw. keine Grenze wahrgenommen wird, kann ich sagen: der Körper wird wahrgenommen, nicht andersrum. Und Wahrnehmung hat irgendwie keinen Ort. Wenn ich etwas anschaue wie neulich die Mandarine (den Apfel) oder jetzt auch den Becher: das Sehen findet nicht in mir statt, aber auch nicht im Becher, es scheint überall zu sein,
Oh ja sehr schön... Komm da immer wieder hin... Bau diese Art des Schauens in den Alltag ein. Z.B wenn das Wasser über die Hände läuft frage dich, ob eine Grenze zwischen Wasser und Händen wahrnehmbar ist oder einfach nur Empfindung usw....
In dieser nicht verortbaren Wahrnehmung, ist da irgendwo ein "vom Ganzen getrenntes Selbst“ zu finden?
auch wenn die Rückseite des Bechers nicht zu sehen ist ; )
Hihi, ja... :) Das würde aber das alltägliche Leben ganz schön verkomplizieren wenn alles auf einmal wahrnehmbar wäre...

Eine weit verbreitete Idee oder Erwartung/Vorstellung von Einheit oder Nichttrennung ist, dass Einheit bedeuten würde, dass „mein Körper“ irgendwie mit anderen Körpern oder mit einem Tisch oder einem Baum verschmelzen könnte, also dass wir uns irgendwie ineinander auflösen. Da würden wir uns ziemlich schwer damit tun das Essen in den "richtigen" Mund zu geben... ;)
Eine andere beliebte Idee ist dass wir irgendwie Zugang zu den Erfahrungen der sogenannten Anderen haben könnten, wie zum Beispiel, was sie denken oder fühlen.

Aber Einheit oder Nichttrennung bedeutet etwas anderes. Nichttrennung bedeutet nicht, dass du jemals die Erfahrungen deines Mannes fühlen oder kennen könntest oder die Rückseite von etwas sehen könntest.
Das wird niemals passieren und das muss es auch nicht, So wie der Zeigefinger niemals spüren wird wenn du dir den großen Zeh irgendwo anstößt, oder? Da käme man nicht auf die Idee von Trennung zu sprechen nur weil der Finger das nicht wahrnimmt... :)

Unabhängig vom Inhalt der Erfahrung/Wahrnehmung ist "erfahren/wahrnehmen" immer bekannt.
Das ist die einzige „stabile Sache“, alles andere (Erfahrungsinhalt) verändert sich ständig... :)
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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby MarieAnna » Tue Dec 08, 2020 9:39 pm

… diesmal hat`s etwas länger gebraucht.

Jetzt in diesem Augenblick hebe deinen rechten oder linken Arm (oder lass ihn unten). Während des Hebens oder Nicht-Hebens wird eine Entscheidung getroffen, zumindest geschieht etwas (oder nicht).

Kannst du den genauen Augenblick der Entscheidung bestimmen und das konkrete Wesen finden, das diese Entscheidung zu treffen scheint?

Ist es wirklich möglich, den Moment der Entscheidung sowie den scheinbaren „Entscheider“ zu finden? Taucht eventuell wenn überhaupt eine Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?

ich kann überhaupt keinen Moment irgendeiner Entscheidung finden, auch keinen Entscheider, schon gar nicht nachverfolgen, wie ein Tun wie das Heben des Arms zustande kommt. Es geschieht einfach. Da ist dieser Text von dir, der zum Arm-Heben oder sein lassen einlädt. Und irgendwann hebt sich der Arm, aber eigentlich kann »ich« zuschauen, dass sich der Arm hebt.


Beobachte während des Alltags wie Entscheidungen getroffen werden. Beginne bei den kleinen alltäglichen: Was zu essen, trinken, anziehen, aufstehen, zur Toilette gehen, Zähne putzen usw... Beobachte, beobachte, beobachte. Zwischendrin picke dir ein, zwei Entscheidungen heraus und versuche sie bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen.

Das ist nicht gelungen, das zurückzuverfolgen, es ist mir nicht möglich. Es ist mehr und mehr so, dass ich zuschaue, wie die Arme meinen Pulluver runterziehen, wie die Hand zum Becher greift, wie ein Fuß vor den anderen gesetzt wird. Ich sehe / bemerke das, was schon läuft, was schon geschieht. Ich weiß es nicht vorher. Da ist keine Entscheidung getroffen worden, das zu tun und auch kein Ich am Werk. Es geschieht tatsächlich und wenn ich dem so zuschaue, fühlt es wirklich recht merkwürdig an, wie das alles so läuft. Und ich sehe nicht, dass irgendwo ein Handelnder eine Handlung initiiert. Da ist kein Ich involviert.

„Verdichtung“ ist schon wieder Interpretation, oder? Weiß „spüren“ was von Verdichtung?

Ja, das kann ich sehen, das spüren weiß nichts von Verdichtung.

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Re: Suche nach dem Selbst-losen Ganzen

Postby barb » Wed Dec 09, 2020 12:14 pm

diesmal hat`s etwas länger gebraucht.
Kein Thema, nimm dir immer alle Zeit die du brauchst... :)
ich kann überhaupt keinen Moment irgendeiner Entscheidung finden, auch keinen Entscheider, schon gar nicht nachverfolgen, wie ein Tun wie das Heben des Arms zustande kommt. Es geschieht einfach. Da ist dieser Text von dir, der zum Arm-Heben oder sein lassen einlädt. Und irgendwann hebt sich der Arm, aber eigentlich kann »ich« zuschauen, dass sich der Arm hebt.
:)
Das ist nicht gelungen, das zurückzuverfolgen, es ist mir nicht möglich. Es ist mehr und mehr so, dass ich zuschaue, wie die Arme meinen Pulluver runterziehen, wie die Hand zum Becher greift, wie ein Fuß vor den anderen gesetzt wird. Ich sehe / bemerke das, was schon läuft, was schon geschieht. Ich weiß es nicht vorher. Da ist keine Entscheidung getroffen worden, das zu tun und auch kein Ich am Werk. Es geschieht tatsächlich und wenn ich dem so zuschaue, Und ich sehe nicht, dass irgendwo ein Handelnder eine Handlung initiiert. Da ist kein Ich involviert.
Wunderbar gesehen... :)
Wie ist es mit den „größeren“ Entscheidungen? Auch den vergangenen wie z.B. welche Arbeit, Wohnung, Gegend, Lebenssituation, Kinder oder keine, Partner oder nicht usw...
War bei diesen Vorgängen irgendwo ein Entscheider, eine Handelnde involviert? Ist für diese Entscheidungen ein Ursprung auffindbar?
fühlt es wirklich recht merkwürdig an, wie das alles so läuft.
Ja das kann noch ein Weilchen dauern, das ist ganz üblich und ein gutes Zeichen... :) Wie kommst du klar damit?

Eine Frage vom letzten Mal hast du vermutlich übersehen:
In dieser nicht verortbaren Wahrnehmung, ist da irgendwo ein "vom Ganzen getrenntes Selbst“ zu finden?

Du hast deinen Thread „Suche nach dem Selbst-losen Ganzen“ genannt.

Ist es aus heutiger Sicht möglich da was zu finden? Gibt es überhaupt etwas anderes als das „Ganze“? Wenn etwas vom Ganzen getrenntes existieren würde (wie ein Selbst z.B.), wäre dann das Ganze noch das Ganze? Ist das Ganze nicht einfach immer das was gerade vor sich geht? Könnte man das „Ganze“ vielleicht einfach „wahrnehmen/erfahren“ nennen?


Suche nicht nach „etwas“, schau einfach immer auf das was gerade hier ist... Das ist ES... :)

Was würdest du generell sagen wo wir stehen mit der Untersuchung? Gibt es irgendwas spezielles was du gerne anschauen möchtest?
Looking —> Seeing....Seeing —> Freedom


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