Postby MartaFeb » Wed Jul 21, 2021 7:50 pm
So, jetzt. Hier bleibt gerade kein Stein auf dem anderen, deswegen hat es nun etwas gedauert.
Nun die Antworten auf die Fragen:
1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Das Ich ist eine Überzeugung, ein Gedankenkonstrukt. Es ist eine Geschichte, die sich der Verstand erzählt und die geglaubt wird. Es ist ein sehr solides Konzept, breit geteilt, mit Körpergrenzen und getrennten Objekten in Verbindung gebracht. Eine Täuschung, die sehr wahr scheint. Verwirrend auch, weil ja tatsächlich zum Beispiel „Schmerz“ gespürt wird, wenn der Körper verletzt wird.
Es lässt sich beobachten, dass der Körper von selbst agiert, unzählige Bewegungen absolviert, komplexe Bewegungsabläufe durchführt (wie zum Beispiel Auto fahren), Gegenstände in rasender Geschwindigkeit zielsicher auffängt, aufsteht, den Kopf abstützt, sich kratzt, und so vieles mehr. Impulse zu Handlungen kommen einfach auf und werden ausgeführt.
Darauf sattelt sich immer erst im Anschluss ein aufkommender Gedanke, der mit „ich“ beginnt und das Geschehende beschreibt, so dass es den Anschein hat, der Urheber des ablaufenden Geschehens zu sein. Bei genauer Beobachtung, passiert aber immer zuerst die Tat oder Bewegung an sich und aus sich heraus und erst dann entsteht der beschreibende Gedanke.
2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich-Illusion ist erlernt, vermutlich als Kind durch die umgebenden Erwachsenen, die ebenfalls der Illusion aufsitzen und dem Kind das Etikettieren und das Personensein mit einem Namen vermitteln. Das gesamte Umfeld nimmt so wahr. Es sind Gewohnheiten. Das Gefühl zu leben wird mit einem Ich-Gedanken zusammen gebracht und erscheint von da an als real.
Jetzt gerade wird dem noch einmal nachgespürt, der Kopf wird in die Hände gestützt, Finger reiben über die Augenbrauen, Haare werden weggestreift, der Impuls etwas zu schreiben kommt auf, die Idee entsteht, Finger tippen über die Tastatur. Ohne Gedanken geschieht dies einfach. Mit Gedanken denkt es, dass eine Absicht dahinter steht, ein Entschluss gefasst wird, jemand dies tut. Aber man kann Ideen und Gedanken nicht machen. Warum drückt der Finger die Maus, um den Cursor an eine bestimmte Stelle im Text zu setzen? Weil einer Idee, einem Impuls, einer Eingebung gefolgt wird. Warum unterbricht es gerade und lehnt sich zurück? Weil es so geschieht.
3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.
Es gibt ein tiefes Empfinden von keine Kontrolle zu haben. Dinge geschehen, und da sind Geschichten, die das Geschehende bewerten. Das erzeugt Schmerz und Leid.
Aktuell fällt gerade vieles zusammen und im Glauben an diese Geschichten ist der Prozess sehr qualvoll. Es gibt jedoch – und das ist neu – eine Art „Wissen“, dass nichts eine Bedrohung ist, dass geschieht, was geschieht und dass nichts manipuliert, beeinflusst oder gestoppt werden muss, um das Geschehen im Sinne der geglaubten Geschichte zu verändern. Da ist ein stilles Gewahrsein, im Frieden, einverstanden, dankbar. Die Geschichte wird wahrgenommen, zunächst geglaubt, dann drücken sich all die damit verbundenen Gefühle aus und dann – von ganz alleine – wird erkannt, dass keine Bedrohung daraus resultiert, im Gegenteil sogar eine große Freiheit entsteht.
4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Der kritische Geist verhindert, das wahre Erleben, das hier eher subtil vorhanden ist, anzuerkennen. Es ist immer schon da gewesen, aber die Erwartung ließ nach etwas anderem Ausschau halten. Der letzte Schubs jetzt kam durch das Angebot, die Abschlussfragen gestellt zu bekommen. Dadurch wurde endlich gesehen, was schon immer da war, aber aus falsch verstandenem kritischen Blick immer wieder in Frage gestellt wurde.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden sein oder anders geschehen können?
Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle sind alles eine Illusion. Die letzten Monate seit Beginn der Untersuchung, aber auch schon die Monate davor, haben aufgezeigt, dass es keinerlei Kontrolle gibt. Die Dinge geschehen einfach. Passt eine Ergebnis mit dem zuvor gewünschten Ausgang zusammen, eignet sich der Verstand das Ergebnis an und glaubt, es herbeigeführt zu haben. Weicht es ab, wird es als „Pech“ oder „Versagen“ ebenso angeeignet.
Hier in Martas Leben haben sich nahezu alle als konstant geglaubten Lebensumstände in den letzten Monaten verändert. Dies könnte eine Bedrohung sein, ist es aber nur, solange eine Geschichte geglaubt wird. Geschichten kommen aktuell heftig auf, werden durchlaufen und dann als Geschichte erkannt und ziehen gelassen.
Ohne eine Geschichte ist das Leben eine ständige Überraschung.
6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
Dieses Eine Unbeteiligte ist weiterhin eher sehr still im Hintergrund vorhanden. Der Glaube eine getrennte Person zu sein, findet weiterhin im Vordergrund immer wieder statt.
Es gibt kein Tor, das es zu durchschreiten gilt. Hier gibt es auch keine leuchtenden Blitze, glitzernde Wahrnehmungen und auch kein Ineinanderfließen von allem. Die Stille ist subtil, stetig. Sie ist mit allem einverstanden.