Erwachen

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Erwachen

Postby poshgeek » Thu Jan 26, 2017 6:45 pm

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Meine Suche nach dem gateless gate.

Mein bisheriger Weg:
Als Kind konnte ich mich nicht gut ausdrücken, da ich mich mit Emotionen nicht auskannte. Dadurch erhielt ich von Erwachsenen oft keine Hilfe. So hatte ich schon früh keine erwachsenen Vertrauten mehr und versuchte, alleine klar zu kommen. Gekonnt versteckte ich die Stimmungsschwankungen und Depressionen, die begannen, als ich mit 13 in die Pubertät kam. Es wurde immer schlimmer und kein Arzt konnte mir nachhaltig helfen - war überzeugt, etwas in mir sei kaputt. Mit 30 waren Stimmungsschwankungen, Depressionen, Manien, Zwänge und Stress unerträglich geworden und ich wollte sterben. Plötzlich klar, dass es noch einen anderen Weg gab:
was ich noch nicht probiert hatte, war mein Leben komplett auf Eis zu legen und mich einzig und allein um meine Genesung zu kümmern. Ich gab mir das Versprechen, auf diesem Weg zu bleiben, solange Hoffnung auf Besserung bestünde. Jetzt erst war ich bereit, alles nötige zu tun und lieferte mich für 5 Monate in eine psychiatrische Klinik ein. Mit der Diagnose Bipolar II begann mein jahrelanger Weg zurück ins Leben.

Mich auf den Weg zu begeben war somit nicht ganz freiwillig. Aber mein Versprechen nach "besser" machte nicht halt, als ich wieder arbeiten konnte. So folgten auf schulmedizinischen Medikamente, alternative Techniken, Meditation, Spiritualität, der Weg zum Erwachen, der mich nun hierher geführt hat.

Vor etwa zwei Jahren hatte ich ein kurzes, 2-3-minütiges Erlebnis: ich war einfach, ohne Trennung, ohne Gedanken, ohne Ziel, völlig unspektakulär. Danach hatte ich ein Gefühl von „aha, so sollte es wohl sein“.

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Zu Krankheit und Haftungsauschluss:
"Falls du ... Medikamente ... einnimmst, um dich ... zu stabilisieren, ..." -> dies trifft aus schulmedizinischer Sicht auf mich zu, sowie dass ich diese unheilbare Krankheit Bipolar II immer haben werde. Es gibt aber noch andere mögliche Blickwinkel auf diese Realität: heute fällt mir Emotionsregulation viel leichter als den "gesunden" Personen in meinem Umfeld. Es ist mir Wichtig, klarzustellen, dass ich nicht hier bin, um eine Krankheit zu heilen. Was ich bisher erlebt habe, war einfach mein Weg - es gab nie eine Krankheit ausserhalb von mir. Die oben genannte Diagnose war damals wichtig für mich und wie das Zigarettenrauchen begleitete sie mich eine Weilen, bis ich sie nicht mehr brauchte. Ich verstehe, warum Menschen in meiner Position abgeraten. Ich bitte darum, mich aufzunehmen. Für mich gibt es kein zurück.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Es begann mit Erich von Däniken, als ich etwa 13 Jahre alt war. Er machte mich mit der Idee vertraut, dass die Wahrheit oder Realität nicht immer offensichtlich sind. Meine Interessen flossen weiter zu Parapsychologie, Esoterik. Astralreisen, welche ich aus Angst nie meisterte. Bob Monroes Hemi-Sync-Meditationen (binaural beats). Achtsamkeit (mindfulness). Systemisches Stellen. Aktive und passive Meditationen, Chakra-Meditationen, 5 Rhytmen, Sitting in the Power. Yoga- & Tantra-Philosophie. Tantramassage. Kurse zu Aura-lesen, Geistführer, Trance, Channeling, Mario Amenti (awakening code), Bahar Yilmaz (TREP).

Im Moment mache ich aktiv und regelmässig: TREP jeden Abend, morgens eine aktive Chakrameditation. Plus ich achte auf meine Ernährung - reich an Frischem und Rohem - was mir scheinbar hilft, meine Gedanken weniger Gewicht zu geben.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Erwarten? Nichts. Ich sehne mich nach dem Sein auf der anderen Seite des gateless gate. Ich hatte möglicherweise eine kurze Vorschau auf das Gefühl. Dahin möchte ich

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Fri Jan 27, 2017 9:20 am

Hallo poshgeek,

ich bin Truthcounts (m) und begleite Dich gerne durch das gateless Gate. Wie möchtest Du angesprochen werden?

Du bringst schon einiges an Läuterung mit, das wird es vereinfachen.

Es ist nicht selten, dass man auf dem spirituellen Weg zwischen Minderwert und Größenwahn schwankt, aber hier geht es um die Wahrheit, dass Du weder Erdwurm noch Gott bist sondern dass jegliches Ich eine Illusion ist. Also gibt es in Wahrheit auch niemanden zu ermächtigen oder jemanden, der sich hingeben müsste. Du kannst Deine Reise hier unterstützen, indem Du parallel keine Praktiken machst, die ein Ich auf den Trohn setzen – das wäre keine gute Voraussetzung, das Ich als Illusion zu durchschauen. Hier musst Du Dich entscheiden, was Dir wichtiger ist und ob Du bereit für die radikale Wahrheit bist.

Es geht hier auch nicht um außersinnliche Erfahrungen oder metaphysische Fähigkeiten, ganz im Gegenteil wird die direkte Erfahrung über die fünf Sinne unser Anker für die Wahrheit sein. Ganz nach dem Motto „Real ist was bleibt, wenn nicht daran geglaubt wird“.

Wir nutzen hier Ich, mir, mein und Du, Dir, Dein für kommunikative Zwecke, weil das auch nach dem Durchschauen nützlich bleibt für die zwischenmenschliche Kommunikation - ein Konzept wird erst zum Problem, wenn es mit der Realität verwechselt wird.
ich war einfach, ohne Trennung, ohne Gedanken, ohne Ziel, völlig unspektakulär
Gut, dass Du das zu würdigen weißt. Aber lass auch diese Erwartung los.
Für mich gibt es kein zurück.
Was hat Dich zurückgehalten, eine 10 oder 11 anzugeben?

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Fri Jan 27, 2017 3:35 pm

Hallo Truthcounts

Danke, dass du mich begleitest. Bitte nenn mich Sarah (w, Schweiz). Wie soll ich dich nennen?

Die zwei Extreme, die du beschreibst, tauchen im Moment häufig in meinen Gedanken auf. Es geht von "ha, morgen bin ich erleuchtet und wertvoller als ihr!" zu "ich getrau mich nicht, mich bei LU anzumelden, mich will doch niemand unterstützen."
keine Praktiken machst, die ein Ich auf den Trohn setzen
Darf ich dich in Zukunft fragen, ob eine bestimmte Praktik hinderlich ist? Und siehst du etwas auf der Liste, was nicht sinnvoll ist? Ich wollte nächstens einen MBSR-Meditationeskurs machen...
Was hat Dich zurückgehalten, eine 10 oder 11 anzugeben?
-Wenn ich komplett bereit wäre, wäre ich den Weg schon komplett gegangen. Also am Ziel.
-wegen meiner bisherigen Erfahrung mit mir und meinem Weg. Manchmal bin ich stur und halte lange an schmerzhaften alten Sachen fest, auch wenn ich schon weiss, dass sie weg müssen. Wie jetzt im Büro. Mein Kollege ignoriert mich, ich hab was falsch gemacht, aber er sprichts nicht an, weil ers wohl nicht kann, er ist sozial schwach. Ich könnte, aber bin stur, schliesslich wäre es "seine Aufgabe ". So projiziere ich das Gefühl, dass ich oft nur 90% bereit war, von meiner Vergangenheit in meine Zukunft. Jetzt da ich das aufschreibe kommt folgendes hervor:
Es gibt kein zurück für mich, aber: ich bin bis jetzt immer nur 90% des übrigen Weges gegangen. Immer wieder. Und wieder. So komme ich weiter, aber niemals an. Mein Gefühl: Etwas (was?) wird hoffentlich in meiner Zukunft passieren, um das zu ändern.
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Sat Jan 28, 2017 8:33 am

Liebe Sarah,

ich bleibe bei Truthcounts - das ist für diese Reise als Motto besser geeignet als mein tatsächlicher Name ;o)

Hast Du die Bekanntmachungen im oberen Teil des Forums gelesen und verstanden? Bitte bestätige dies kurz in Deiner nächsten Nachricht.
"Falls du ... Medikamente ... einnimmst, um dich ... zu stabilisieren, ..." -> dies trifft aus schulmedizinischer Sicht auf mich zu, sowie dass ich diese unheilbare Krankheit Bipolar II immer haben werde. Es gibt aber noch andere mögliche Blickwinkel auf diese Realität: heute fällt mir Emotionsregulation viel leichter als den "gesunden" Personen in meinem Umfeld. Es ist mir Wichtig, klarzustellen, dass ich nicht hier bin, um eine Krankheit zu heilen. Was ich bisher erlebt habe, war einfach mein Weg - es gab nie eine Krankheit ausserhalb von mir. Die oben genannte Diagnose war damals wichtig für mich und wie das Zigarettenrauchen begleitete sie mich eine Weilen, bis ich sie nicht mehr brauchte. Ich verstehe, warum Menschen in meiner Position abgeraten. Ich bitte darum, mich aufzunehmen.
Ich bin kein Therapeut und Du musst diesbezüglich selber darauf achten, wie weit Du in dieser Forschungsreise mitgehen kannst. Dass Du "diese unheilbare Krankheit Bipolar II immer haben" wirst, identifiziert Dich allerdings mit der Krankheit und gehört zu den Erwartungen, die hier besser alle losgelassen werden. Lass uns unvoreingenommen mit der frischen Unschuld eines Kindes schauen.

Wenn du magst, kannst du jeden Tag schreiben, spätestens jedoch jeden zweiten wäre gut. Fokus und Kontinuität ist wichtig. Auch wenn es nur ein „ich bin noch da“ ist. Wenn einmal etwas für länger dazwischenkommt, schreibe mir kurz. Ich werde Dir auch Bescheid geben.

Du kannst unsere Untersuchung unterstützen, indem Du alle Videos, Audios und Bücher über das Thema beiseite legst.
Darf ich dich in Zukunft fragen, ob eine bestimmte Praktik hinderlich ist?
Ich möchte hier nicht pauschal von bestimmten Praktiken oder Lehren abraten und schon gar nicht dauerhaft. Für unsere Ausrichtung hier, wo es nicht um den Ersatz einer schwierigen Ich-Illusion durch eine angenehmere Ich-Illusion geht, ist es aber hilfreich, wenn die ohnehin schon vorhandene Verwirrung darüber, was Realität und Illusion ist, nicht noch durch weitere Informationsaufnahme mit einer anderen Ausrichtung verstärkt wird. Du wirst bald ein eigenes Gefühl dafür entwickeln, was Du vorerst besser ruhen lässt.

Ich werde Dir Fragen stellen, damit Du sie in der unmittelbaren Erfahrung untersuchst und dann beantwortest. Das Einzige, was hier zählt, ist deine unmittelbare Erfahrung, d. h. direktes sehen, hören, spüren/fühlen, riechen, schmecken. Das Denken ist eine besondere Kategorie: Zwar kann die Erscheinung von Gedanken, inneren Bildern und Filmen als reale Erfahrung gesehen werden, aber deren Inhalt, d. h. die darin enthaltene Information ist Fiktion – das werden wir noch genauer untersuchen.

Bitte sei zu 100% ehrlich und berichte, was Du tatsächlich erfährst, auch wenn Du meinst, dass Du es eigentlich schon besser wissen solltest.

Wie die Zitierfunktion funktioniert findest du unter:
viewtopic.php?f=18&t=4229
Dies erleichtert uns das Verständnis, worauf wir uns beziehen in unserem Dialog.

Du kannst auf dieser Forumsseite oben bei dem mittleren Dropdown-Feld (Werkzeugschlüsssel) die Auswahl "Thema abbonieren" anklicken und damit aktivieren. Dann solltest du automatisch eine E-Mail bekommen, sobald ich Dir schreibe.


Dann lass uns gleich loslegen - zum Anfang ganz bewusst ausnahmsweise mit einer Fantasiereise:

Nimm Dir 15 min Zeit an einem Platz wo Du ungestört bist. Schließe die Augen und stell Dir vor, dass Du am Ufer eines schönen Bergsees sitzt. Mal ihn Dir richtig aus. Es ist sonnig. Du kannst Fische aus dem Wasser springen sehen und hörst das Plätschern - immer wieder. Neben Dir nimmst Du einen strahlenden Schutzengel wahr, ohne ihn direkt anzuschauen spürst und geniesst Du seine Wärme und Liebe, während Du weiter einfach den Blick auf den See genießt und den Fischen zuhörst. Wenn Du nun die Augen langsam wieder öffnest, erlaube, dass die Wahrnehmungen von See, Plätschern und Engel noch bleiben. Vielleicht spürst Du noch die Wärme des Engels, hörst noch das Plätschern der Fische, siehst schemenhaft noch den See.

Berichte, inwieweit Du den Anweisungen folgen konntest und was in Deinem Erleben kurz nach dem Öffnen der Augen geblieben ist.

Bin gespannt auf Deinen Bericht,
Truthcounts

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Sat Jan 28, 2017 11:50 pm

Lieber Truthcounts
Bitte bestätige dies kurz in Deiner nächsten Nachricht
Ich habe die Bedingungen zu diesem Guiding gelesen und verstanden.

Ich verstehe, dass du kein Therapeut bist und ich die volle Verantwortung für meine Gesundheit trage. "Meine" Gesundheit, hmm. Meine Sprache ist voller Ichs und Mirs und Meines!
Du musst diesbezüglich selber darauf achten, wie weit Du in dieser Forschungsreise mitgehen kannst
Mein internes Warnsignal ist das Gefühl, dass mir alles zu schnell geht. Sollte das auftreten, werde ich dir das mitteilen und ein Timeout von etwa einer Woche nehmen. In solchen Zeiten hilft es mir, kein Nachrichten zu lesen, auch nicht von Freunden und Familie, sondern zuerst wieder die gefühlt verlorene Verbindung zu mir selbst herzustellen.

Ansonsten werde ich dir gerne täglich schreiben oder dich entsprechend informieren.
Krankheit Bipolar II immer haben werde
Die Bipolare Störung ist aus schulmedizinischer Sicht unheilbar. Aus meiner Sicht bin ich mit einem etwas breiterem Spektrum an Emotionen geboren worden. Eine Störung entwickelte ich seither als Reaktion auf Erlebtes und kann sie daher auch wieder verlernen. Oder vielleicht hast du Recht und ich glaube trotzdem irgendwie an die Unheilbarkeit, irgendwo, ein Bisschen, und das andere rede ich mir nur ein? Hmm. Grad nicht sicher.
gehört zu den Erwartungen, die hier besser alle losgelassen werden
Wie lasse ich Erwartungen los? Das fand ich schon immer schwer.
Bitte sei zu 100% ehrlich und berichte, was Du tatsächlich erfährst, auch wenn Du meinst, dass Du es eigentlich schon besser wissen solltest.
Ok.
Manchmal belüge ich mich selber sehr überzeugend :-/ und bemerke es erst nach dem Senden einer Nachricht. Schreiben hilft mir beim Verarbeiten von Erfahrungen.

---
Berichte, inwieweit Du den Anweisungen folgen konntest und was in Deinem Erleben kurz nach dem Öffnen der Augen geblieben ist.
Ich setzte mich für die Übung hin und bevor ich starten konnte schweifte ich ab in Gedanken und hing Tagträumen nach - etwa 20 Minuten. Es waren einerseits vergangene und andererseits Fantasien von zukünftigen Erfahrungen. Ich konnte hin und her wechseln wie ein Überblenden bei einer Diashow. Es gab sehen und hören und körperliche Reaktionen z.B. bei einer sinnlichen Fantasie.

Die eigentliche Aufgabe:
Fantasiereisen fallen mir leicht. Ich habe mir einen hübschen See vorgestellt, den ich vorher noch nie gesehen hatte. Das Wasser fühlte sich eiskalt an, auch beim Trinken. Es war sonnig und dadurch der Stein, auf dem ich sass, warm. Aber es windete auch und meine nassen Hände wurden kalt. Ich sah die Fische springen und mit einem Plopp wieder eintauchen. Aber ein Gedanke kam und sagte, das Geräusch töne nicht echt und ich wisse gar nicht, wie das Geräusch richtig tönen sollte. Immer wenn ich die Aufmerksamkeit vom Hören weglenkte, hörte das Ploppen auf. Da stelle ich mir ein gurgelndes Bächlein vor. Dieses Geräusch konnte ich aufrecht erhalten. Der Schutzengel stand rechts von mir und ich spürte seine Wärme. Wenn ich meine Aufmerkamkeit auf den Engel lenkte, spürte ich auch ein Kribbeln im Körper.

Beim Öffnen der Augen war das Bild weg und ich sah sofort mein Zimmer. Aber das Plätschern des Bächleins wurde nur ganz langsam leiser. Wenn ich mich auf das Geräusch konzentrierte, wurde es wieder deutlicher und ich konnte auch wieder die Sonne auf der Haut sprüren und schemenhaft den See und gleichzeitig mein Zimmer sehen. Ich spielte etwas damit, zwischen den "Ebenen" hin und her zu faden, z.T. verstärkt durch Augen wieder kurz schliessen. Beim offen lassen der Augen verschand das Bild sehr rasch und Körpergefühle und Geräusche blendeten etwas langsamer aus.

Mit dem Schutzengel wars anders. Die Wahrnehmung des Engels war genau gleich im Zimmer wie am See, sie veränderte sich überhaupt nicht. Wärme rechts am Körper und goldenes Licht im Augenwinkel. Sie änderte sich erst, als ich mich von meinem Platz im Zimmer wegbewegte.

Auch wenn ich Strassengeräusche gehört haben muss, als ich am See war, und die Kleider auf dem Körper gespürt haben muss, kann ich mich jetzt nicht daran erinnern. Ich befinde mich nun in der Küche. Die Erinnerung an den See und die an das Zimmer unterscheiden sich nicht, in einer Art, dass ich sagen könnte die eine ist echt und die andere nicht.

---

Ich bemerke seltsames Verhalten an mir. Zuerst gucke ich alle 5 Minuten, ob du schon geantwortet hast. Und sobald deine Nachricht da ist, hab ich grad spontan was anderes, Superwichtiges vor! Ich denke, das hat mit Angst zu tun.

Soll ich die Texte kürzer halten? Interpretiere ich zu viel? Ich möchte nichts falsch machen (auch so eine Angst).

Von Herzen,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Sun Jan 29, 2017 8:48 am

Liebe Sarah,

danke, das gibt uns eine sehr gute Ausgangslage für den weiteren Dialog.
Ich setzte mich für die Übung hin und bevor ich starten konnte schweifte ich ab in Gedanken und hing Tagträumen nach … Fantasiereisen fallen mir leicht.
Dir ist also schon bewusst, dass Du bereits von selbst häufig in der Fantasie unterwegs bist. Bei vielen Menschen läuft das viel subtiler ab und insofern haben wir für unsere Zwecke hier großen Vorteil, dass es nicht versteckt ist.
Ich konnte hin und her wechseln wie ein Überblenden bei einer Diashow. Es gab sehen und hören und körperliche Reaktionen z.B. bei einer sinnlichen Fantasie.


Sehr gut gesehen. Die tatsächlichen Sinneswahrnehmungen können von einem Schleier von Fantasie überlagert werden und tatsächliche Reaktionen auslösen, wenn dem Schleier geglaubt wird. Das zeigt auch Deine Übung deutlich, selbst bei offenen Augen kannst Du das Strahlen des Engels sehen und bei offenen Ohren das Plätschern. Ist die Vorstellungskraft nicht ein fantastisches Spielzeug, dessen Versuchung man sich kaum erwehren kann? Könnte es aber sein, dass man mit der Zeit dabei aber die Fähigkeit verloren hat, zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden? Welche Auswirkungen hat das auf die Fähigkeit, situationsgerecht zu handeln?

Wie kann Einbildung als solche entlarvt werden?

Freue mich auf Deine Antwort,
Truthcounts

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Sun Jan 29, 2017 12:17 pm

Lieber Truthcounts
Ist die Vorstellungskraft nicht ein fantastisches Spielzeug, dessen Versuchung man sich kaum erwehren kann?
Doch, absolut! Meinem Geist wird so schnell langweilig, Fantasie schafft Abhilfe. Das Gedanken-Spiel, welches ich am häufigsten beobachte, habe ich den Erzähl-Modus genannt. Dabei erzählt mein Geist in der Ich-Form ein Erlebnis, dass ich kürzlich hatte, als ob mir ein Zuhörer gegenüber sitzen würde. Gleichzeitig wird aber an Wortwahl, Aufbau, Spannungsbogen gefeilt, eher wie beim Schreiben eines Buches. Dabei wir aus einer simplen, wahren Begebenheit beim Einkaufen ein fantastisches und witziges Abenteuer.
Könnte es aber sein, dass man mit der Zeit dabei aber die Fähigkeit verloren hat, zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden?
Ja, das wäre möglich.

Ich vergleiche gerade die Erinnerungen von gestern als ich „am See“ war mit als ich „im Zimmer“ war. In der Erinnerung finde ich keinen qualitativen Unterschied, von dem ich ableiten könnte, dass das erste Einbildung und das zweite Realität war.

Fragen tauchen auf:
1. Aber ist nicht ein Merkmal der Einbildung, dass es einen besonderen Fokus meines Geistes bedarf, um z.B. das Plätschern des Wassers zu hören?
2. Und dass dabei die anderen Wahrnehmungen wie z.B. das Sehen des Sees schwächer werden?
3. Hebt sich das nicht von der Realität ab, welche Sinneseindrücke von sich aus dir zuträgt und oft auch mehrere Sinne gleichzeitig stark gereizt werden?
4. Ist nicht die Realität diejenige Ebene, wo es mich wieder hinzieht, wenn meine Konzentration nachlässt?

Untersuchung:
1. Ja, das scheint auf den ersten Blick so. Aber darauf müsste ja folgen, dass ich das Blubbern der Heizung in meiner Wohnung ständig hören würde. Dass ich die Kleider am Körper ständig spüren müsste. Tue ich das? Wenn ja, dann nicht bewusst. Auch hier, genau wie in der Einbildung, benötige ich dazu als weitere Komponente noch meinen Fokus, um diese Dinge bewusst wahrzunehmen.
2. Auch in der Realität werden andere Sinneseindrücke schwächer, wenn ich mich stark auf einen Sinn konzentriere.
3. Hmm. Bei einer bewussten Fantasiereise scheint es so, dass ich Sinneseindrücke nur dort wahrnehme, wo ich meinen Fokus hinlenke, wo hingegen ein lautes Geräusch in der Realität meine Fokus lenken kann. Das könnte bei der Unterscheidung helfe.
4. Nein, grad wenn ich den Geist baumeln lasse, geht er gerne auf Reisen. Wenn die Konzentration nachlässt, verlässt der Geist gerne die aktuelle Ebene, egal welche das grad ist.

Unbewusste Gedankenreisen & der Moment:
In meinem Alltag sind meine Gedanken viel öfters „unterwegs“ als bei dem, was ich im Moment tue (=Achtsamkeit). Die meiste Zeit sind die Gedanken selbständig unterwegs, nicht so bewusst wie bei der Fantasiereise. Für diese Zustände gilt: wenn ich drin bin, scheinen sie real. Das wirkt sich insofern auf das Zurückkommen in die Realität aus, dass ich oft das Gefühl von „zurückkommen“ habe, als wäre ich wirklich fort gewesen. Wenn ich drin scheinen sie real. Vielleicht könnte ich sie entlarven als Einbildung, diese Frage taucht jedoch gar nie in meinem Kopf auf. Mein Gehirn schmerzt fast - es muss doch einen Unterschied geben! Was mir auch noch auffällt: diese Zustände sind mir sehr wohlbekannt und ich verbringe sehr viel Zeit darin.
Welche Auswirkungen hat das auf die Fähigkeit, situationsgerecht zu handeln?
Ich nehme an, der Instinkt des Menschen ist so programmiert, dass wir für unsere Reaktion alle uns zu Verfügung stehenden Fakten einbeziehen. Wenn wir nun aber nicht zwischen der Realität einer Situation, und unserer Einbildung unterscheiden können, wird unsere Reaktion suboptimal ausfallen. Im schlimmsten Fall hat unsere Reaktion nur noch wenig mit einer sinnvollen Reaktion gemeinsam. Ein typisch menschliches Beispiel ist das Einbeziehen unserer Vergangenheit, der Sammlung unserer bisherigen Erfahrungen.
Wie kann Einbildung als solche entlarvt werden?
Hmm. Wie ist Einbildung definiert? Als Nicht-Wahrheit? Nicht-Realität? Und was ist Realität? Ich verspüre grad den Drang, etwas Schlaues zu rezitieren… :-/
Ich würde vielleicht die Frage stellen: „Was ist dahinter?“ und so immer weiter fragen, bis es entweder auf sich selbst zurück führt, lächerlich wird oder ich eben etwas Wahres finde, fühle. Aber dann wieder die Frage: „wie erkenne ich wahr?“ Und auch: „wer erkennt?“ Denn wenn die Erkennende nicht wahr ist, haben wir wieder den sich selbst begründenden Grund. Der wissenschaftliche Ansatz zu diesem Zeitpunkt wäre wohl, alles generell als Einbildung zu definieren und von dort aus zu starten, einzelne Dinge wieder auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Wobei hier alles mit der Definition von „wahr“ steht und fällt. Wenn die Fragende zur Einbildung gehört, ist es überhaupt möglich, zu dieser Definition zu gelangen?

———

100% ehrlich sein? Ok, dann muss ich noch etwas anfügen:
Solche Analysen machen mir Spass, da hüpft mein Ego, tanzt mein Geist. Machmal komme ich auf so Schlüsse und es macht alle irgendwie Sinn, aber ich habe noch kein Gefühl dazu und glaube es auch nicht unbedingt.

Lg, Sarah


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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Sun Jan 29, 2017 9:45 pm

Liebe Sarah,
Wenn wir nun aber nicht zwischen der Realität einer Situation, und unserer Einbildung unterscheiden können, wird unsere Reaktion suboptimal ausfallen. Im schlimmsten Fall hat unsere Reaktion nur noch wenig mit einer sinnvollen Reaktion gemeinsam.
Genau, wenn der Schleier der Vorstellung mit der Realität verwechselt wird, dann ist Dein System über die tatsächliche Situation fehlinformiert und kann nur suboptimal reagieren.
Ich vergleiche gerade die Erinnerungen von gestern als ich „am See“ war mit als ich „im Zimmer“ war. In der Erinnerung finde ich keinen qualitativen Unterschied, von dem ich ableiten könnte, dass das erste Einbildung und das zweite Realität war.


Es war eine Fantasiereise und See, Plätschern und Engel reine Erfindungen, die im nächsten Augenblick durch andere Vorstellungen hätten ersetzt werden können. Das Zimmer dagegen bleibt unausweichlich in der Wahrnehmung, wenn Du hinsiehst und hinhörst. Die Einbildung kann also durch direkte Erfahrung über die fünf Sinne im Hier und Jetzt durchschaut werden oder verschwinden. Wenn das wieder geübt ist, kann die eigentliche Suche nach dem Ich losgehen.

Mach einen ganzen Tag lang folgende Übung. Immer wenn Du bemerkst, dass Du in die Vorstellungswelt abgedriftet bist, frage Dich, was spüre ich momentan tasächlich (z. B. die Fußsohlen am Boden, den Stuhl unterm Hintern, Wärme in den Händen, ein Gefühl von Freude etc.), was sehe ich jetzt tatsächlich, was höre ich jetzt, was schmecke oder rieche ich. Das nenne ich den Reality Check.

Bin gespannt über Deinen Erfahrungsbericht,
Truthcounts

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Mon Jan 30, 2017 11:42 pm

Hallo Truthcounts,
Mach einen ganzen Tag lang folgende Übung. Immer wenn Du bemerkst, dass Du in die Vorstellungswelt abgedriftet bist, frage Dich, was spüre ich momentan tasächlich
Heute morgen hab ich mich noch darauf gefreut, dir von meinen Abenteuern zu berichte. Es ist aber nichts aufregendes passiert und so habe ich das Schreiben immer weiter hinausgezögert und jetzt ist es schon fast zu spät zum schreiben, ich bin total müde :(

Meine Erfahrungen:
⁃ Zum Zurückholen aus Abschweifungen habe ich immer das Spüren meiner Füsse, den Kontakt mit dem Boden benutzt. Automatisch, es fällt mir erst jetzt auf.
⁃ Ich bin oft, wenn nicht ständig abgeschweift
⁃ es war aber auch leicht, mich zurückzuholen
⁃ als ich im Gespräch mit meiner Schwester abgeschweift bin und wieder zurück ins Gespräch kam, fühlte ich mich richtig traurig, weil ich Zeit verpasst hatte, die ich mit meiner Schwester hätte verbringen können
⁃ aus früheren Beobachtungen kannte ich das schon: das Drama, dass ich manchmal lebe, spielt sich in der Vergangenheit oder Zukunft ab. Der jetzt beobachtete, gefühlte Moment ist niemals so schlimm wie der Drama-Gedanke. So hatte ich auch heute normale Sorgen wie genervt sein wegen Verspätungen, Stress fühlen, wenn ich an die Arbeit morgen denke, ess ich jetzt einen Burger oder nicht… Diese unguten Gefühle waren aber weg beim Reality Check. In der Realität war das extremste, was ich erlebte, Freude, meine Schwester zu sehen, leichte Unterzuckerung, Frieren.

Ich hoffe das passt so. Ich war mir nicht sicher, was dich interessiert. Sonst liefere ich morgen noch nach.

Gute Nacht,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Tue Jan 31, 2017 8:21 am

Liebe Sarah,
Meinem Geist wird so schnell langweilig, Fantasie schafft Abhilfe. ...Dabei wird aus einer simplen, wahren Begebenheit beim Einkaufen ein fantastisches und witziges Abenteuer.

Heute morgen hab ich mich noch darauf gefreut, dir von meinen Abenteuern zu berichten. Es ist aber nichts aufregendes passiert und so habe ich das Schreiben immer weiter hinausgezögert.

In der Realität war das extremste, was ich erlebte, Freude, meine Schwester zu sehen, leichte Unterzuckerung, Frieren.
Langeweile ist eine Unterform von Wut. Wut, dass Dir das Leben nicht genug Unterhaltung bietet. Gehe einmal davon aus, dass sich Dein System von selber soviel Aufregung holt wie es braucht. Und wenn es ständig aus der Fantasie überversorgt wird, dann ist gar kein Platz mehr für eine spannende Realität. Natürlich mag es erst einmal eine Durststrecke geben, da das System umlernen muss und der Versuchung widerstehen, sich im Handumdrehen in der Fantasie zu versorgen. Die Fantasie kann aber immer nur ein Abklatsch der Realität sein und es bedarf vieler Superlative, um einen ähnlichen Effekt wie eine reale Begebenheit zu erreichen. Ähnlich wie Kinofilme mit immer mehr special effects ausgestattet werden müssen, damit man überhaupt was spürt, während einen im realen Leben eine leichte Berührung in enorme Aufregung versetzen kann.

Dieser Dialog hier dient nicht dazu, uns gegenseitig das Leben unterhaltsamer zu machen, sondern von der Illusion befreit zu werden, dass da überhaupt jemand existiert, der zu bespaßen wäre. Es wird dabei von großém Nutzen sein, wenn Wut und Langeweile einfach da sein dürfen, ohne dass damit irgendetwas gemacht werden müsste oder davor in die Fantasie geflohen werden müsste. Daher mache bitte heute die Übung weiter und beobachte auch Deine Gefühle und ob Du Dich darein entspannen kannst oder direkt ein Fluchtimpuls kommt.

Truthcounts

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Tue Jan 31, 2017 10:45 pm

Hallo Truthcounts,
Es wird dabei von großém Nutzen sein, wenn Wut und Langeweile einfach da sein dürfen, ohne dass damit irgendetwas gemacht werden müsste oder davor in die Fantasie geflohen werden müsste. Daher mache bitte heute die Übung weiter und beobachte auch Deine Gefühle und ob Du Dich darein entspannen kannst oder direkt ein Fluchtimpuls kommt.
Mir ist immer noch nicht ganz klar worauf du hinaus willst. Es gäbe abertausende Details - von welchen soll ich erzählen? Das frustriert mich. Ich hoffe, damit komme ich der Sache näher...

Reality Check zum zweiten:

Heute habe ich bezüglich Gefühle einiges wiederentdeckt. Gefühle sind wie Wellen. Sie kommen von selber, steigen an, flachen wieder ab und gehen von selber. Ich beobachte nur. Das habe ich in der Klinik gelernt, bzw. erfahren. Und dann kommt der Alltag und ich vergesse es wieder. Wenn ich nämlich einem Gefühl gegenüber nicht achtsam bin, ist es wie pausiert und sobald ich mich entspanne kommt das Gefühl wieder. Wenn ich es hingegen versuche wegzudrücken, wird es höher und stärker.

Durch die Erfahrung die ich schon mit Gefühlen habe, durch das erfahrene Wissen um die Natur der Gefühle, dass sie von selber wieder weggehen, konnte ich mich im Verlauf des Tages immer mehr in die Gefühle hinein entspannen. Nur beobachten, entspannen, ohne zu beeinflussen. Ich hatte für heute Abend eine Verabredung gehabt, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Die hat er heute abgesagt. Daraus resultierten heute Nachmittag Enttäuschung, mittelstark, und später dann Trauer, ziemlich stark. Alle Gefühle bis und mit der Enttäuschung konnte ich gut nehmen. Kein Fluchtimpuls wegen „negativen“ Emotionen. Bei der Trauer kam dann der Fluchtimpuls immer wieder. Ich war auch unterwegs und wurde immer abgelenkt. Zuhause habe ich mich dann hingelegt und das Gefühl ausgefühlt. Und geweint. Das schönen daran ist die Stille danach. Irgendwie eine angenehme Leere. Als ob nach der Gefühlswelle die Lücke zwischen den Gedanken grösser wäre. Ein warten, aber ohne erwarten. Je intensiver die Gefühlswelle davor war, desto tiefer diese Ruhe. Sowieso scheint mir eine Einteilung in gute und schlechte Gefühle nicht sinnvoll. Mich ganz auf die Trauer einzulassen ist auch irgendwie echt, berührend, heilsam, schön(?). Ich würde Gefühle eher in intensive / weniger intensive einteilen.

Durch meine Beobachtung würde ich schätzen, dass mein Fluchtimpuls zu 90% aus der Langeweile entstand und nur selten aus „negativen“ Gefühlen oder anderen Gründen. Ich arbeite als Programmiererin, da arbeitet der Geist noch 100 Mal schneller als die Finger auf der Tastatur. Kaum muss ich mal auf was warten, rast mein Geist wie wild umher. Vor allem wenn ich körperlich müde bin und mich nicht mehr so gut konzentrieren kann, wird dann sogar der Reality Check schwierig. Es ist als ob ich ich „vergesse“. Je müder ich bin, desto länger dauert es, bis ich mich ich die Realität zurück hole. Ich habe es heute immer wieder probiert, aber es gelingt mir nur für kurze Zeit, nicht aus der Langeweile zu flüchten.
Dieser Dialog hier dient nicht dazu, uns gegenseitig das Leben unterhaltsamer zu machen, sondern von der Illusion befreit zu werden
Ich glaube, ich habe mich nicht klar ausgedrückt, entschuldige. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Mir ist klar, dass wir nicht hier sind, um uns gegenseitig zu unterhalten. Was ich eigentlich sagen wollte, ist dass mein Geist immer wider so irrwitzige Sprüche erfindet und solche komplett unpassenden Gedanken ständig gegen meinen Willen in meinem Kopf auftauchen.

Danke für deine Zeit und Aufmerksamkeit.

Liebe Grüsse,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Wed Feb 01, 2017 6:53 am

Liebe Sarah,
Mir ist immer noch nicht ganz klar worauf du hinaus willst. Es gäbe abertausende Details - von welchen soll ich erzählen? Das frustriert mich.
Danke für Deinen ausführlichen Bericht - damit fühle ich mich wirklich gut ins Bild gesetzt. Sehr gut, dass Du das Ausfühlen kennst, und berührend, wie das bei der Trauer zum Einsatz kam. Was verhindert, dass es bei der Langeweile ebenso geschieht. Was ist Langeweile anders als ein "negatives" Gefühl. Ungeduld. Wut gegen den Moment, dass er gefälligst schnell anders werden soll, damit der Adrenalin-Kick weitergehen kann, der Dich sogar die Erschöpfung übersehen lässt. Da ist Pause und Ruhe nicht willkommen, sondern fühlt sich bedrohlich an, weil die Energie der Wut jetzt nicht mehr in die Tasten abfließen kann, sondern gefühlt werden müsste und Du fliehst in die Fantasie. Und die Fantasie ist das Zuhause des Ich - das ist der Zusammenhang, warum ich hier einhake. Wie steht es generell mit Wut bei Dir, kannst Du auch manchmal ohne Rechtfertigung einfach richtig wütend sein oder ist das ein in Deiner Erziehung tabuisiertes Gefühl? Wär nicht auch Wut ein passendes Gefühl zu dem geplatzten Date gewesen? Hast Du sie vorher in die Tasten gehauen und dann konnte sich erst die Trauer darunter zeigen?
Durch meine Beobachtung würde ich schätzen, dass mein Fluchtimpuls zu 90% aus der Langeweile entstand
Du siehst, mit der Langeweile, die durch den vorherigen Adrenalin-Rausch entsteht, sind wir an einem wichtigen Punkt. Für das Durchschauen der Ich-Illusion brauchen wir Deine Aufmerksamkeit im Reality Check. Und Entspannung und Gelassenheit sind sehr hilfreich dafür, die Wahrheit zu erfahren. Daher nimm heute mal beim Programmieren das Tempo raus. Kuschele mit den Programmierzeilen. Nimm immer wieder Deine Körpferempfindungen und Gefühle wahr. Nutze die Pausen für den Reality Check und dafür, Dir was Gutes zu tun, nicht in der Fantasie, sondern tatsächlich.

Ich freue mich wieder auf Deinen Bericht,
Truthcounts

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Wed Feb 01, 2017 5:29 pm

Lieber Truthcounts,
Was verhindert, dass es bei der Langeweile ebenso geschieht. Was ist Langeweile anders als ein "negatives" Gefühl
Die Langeweile fühlt sich von den anderen Gefühlen verschieden an. Andere Gefühle sind "etwas", da bin ich unterhalten, auch wenn ich traurig bin. Langeweile hingegen ist "nichts". In dieser Leere und Stille taucht eine Angst auf. Die Angst fragt: "wenn es mir (Sarah?) auch in dieser Gedankenleere gut geht, wozu braucht es denn mich (den denkenden)? Braucht es mich, den Denkende, überhaupt? Panik!"
Wie steht es generell mit Wut bei Dir, kannst Du auch manchmal ohne Rechtfertigung einfach richtig wütend sein oder ist das ein in Deiner Erziehung tabuisiertes Gefühl? Wär nicht auch Wut ein passendes Gefühl zu dem geplatzten Date gewesen?
Doch, Wut wäre sehr passend gewesen.
"Wenn man sich streitet, liebt man sich nicht" hat meine Mutter früher geglaubt. Erst seit 15 Monaten lebe ich auch manchmal Wut, früher hab ich es meist gegen mich gerichtet. Mein Umgang mit Wut ist immer noch nicht natürlich. Ohne guten Grund wütend sein? Hmm, kann mich nicht erinnern...
Daher nimm heute mal beim Programmieren das Tempo raus. Kuschele mit den Programmierzeilen. Nimm immer wieder Deine Körpferempfindungen und Gefühle wahr. Nutze die Pausen für den Reality Check und dafür, Dir was Gutes zu tun, nicht in der Fantasie, sondern tatsächlich.
Das hab ich am morgen gelesen und mir für heute vorgenommen. Ich bin auf dem Heimweg und bemerke - ich habs komplett vergessen! Ich vergesse während der Arbeit oft alles andere... Ich bin absorbiert, wie aufgesogen. Ich mache's morgen nochmals - mit Erinnerungsfunktion.

Liebe Grüsse,
Sarah
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Re: Erwachen

Postby Truthcounts » Wed Feb 01, 2017 8:01 pm

Liebe Sarah,
Langeweile hingegen ist "nichts". In dieser Leere und Stille taucht eine Angst auf. Die Angst fragt: "wenn es mir (Sarah?) auch in dieser Gedankenleere gut geht, wozu braucht es denn mich (den denkenden)? Braucht es mich, den Denkende, überhaupt? Panik!"
Gut, mach dazu folgende Übung von Ilonas Blog ...

http://markedeternal.blogspot.de/2014/0 ... ation.html

Truthcounts

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Re: Erwachen

Postby poshgeek » Fri Feb 03, 2017 1:05 am

Lieber Truthcounts,

Seit ich mir vorgenommen habe, die Langeweile zu beobachten, war mir nie mehr langweilig. Seither beherrscht Drama mein Leben. Albträume, Schmerzen beim Training, Stress mit den Männern, dem Finanzamt, dem Essen, den Arbeitskollegen. Ständig abgelenkt. Es dauerte fast zwei Tage, bis ich es durchschaute: auch dies ein Mechanismus, der mich davor beschützt, hinter die Tür zu gucken. Als mir das auffällt, fällt mir eine schwere Last von den Schultern. Ich kann grad viel besser atmen.

Es fällt mir schwer, den Moment zu bemerken, wann ich unachtsam werde. Oft bemerke ich es erst, wenn ich schon lange am Tagträumen war.

Wenn ich dann hinter die Angst gucke: 
einmal fand ich noch 2 weitere Gefühle, Wut und eine andere Angst, und dann nichts. Oder von Beginn weg nichts. Die Angst verschwindet dann, löst sich irgendwie auf, da grundlos. Dieser Zustand hält aber nicht an - beim nächsten Mal Langeweile, beim nächsten Mal hingucken ist die Angst wieder da, gleich oder ein klein wenig anders.

Ich bemerke grad, dass meine Nachrichten immer kürzer werden. Dies soll nicht heissen, dass mein Interesse nachlässt. In den nächsten Tagen werde ich wieder mehr Zeit zum Schreiben haben.

Liebe Grüsse,
Sarah
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