sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

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Sharifa
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sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Fri Dec 16, 2016 9:47 pm

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Der Weg, das Leben...
Das Gefühl, dass es Zeit ist für eine Offenheit meinerseits, einen Dialog zu führen.
Besonders durch Byron Katies "the work" habe ich erfahren, dass ich nicht meine Gedanken bin. Ich kann Gedanken im allgemeinen ganz gut loslassen, auch ist die Identifikation mit vielem, wovon ich früher gesagt hätte, dass es "meine Persönlichkeit ausmacht" weg. Trotzdem "switche" ich noch zwischen zwei Bewusstseins-Ebenen hin und her, "falle" in manchen Situationen in den "EgoModus" zurück. Ich würde gerne von diesem Hin und Her weg- und weiterkommen.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Kindheit und Jugend in einer gläubigen katholischen Familie.
Weitergegangen von der organisierten Religion, vom „Glauben“ an einen persönlichen Gott. Interesse an anderen Religionen und verschiedenen Mitteln/Wegen: Yoga, Thai chi, Sufismus. Viel gelesen. In den letzten Jahren deutliche Beschleunigung des Prozesses durch Eckhart Tolle, Byron Katie's „the work“ und Douglas Harding: „Die Entdeckung der Kopflosigkeit“.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Konzepte wie „Erwartung“ (Wünschen, Hoffen) sind mir auf dem Weg weitgehend verloren gegangen. Der Begriff „Offenheit“ trifft es besser. Ich bin offen für das, was geschieht, offen dafür, durch das Gespräch weiterzukommen, letzte hartnäckige Reste vom „Ego-Modus“ wegzuschmelzen. Durch die Hilfe mit einem Gegenüber denke ich, dass ich nicht so leicht „ausweichen“ kann.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden? 10

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Ichbin01
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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Sat Dec 17, 2016 8:04 pm

Hallo Sharifa,

herzlich Willkommen bei Liberation Unleashed.

Ich werde dich ein Stück begleiten, wenn du magst.

Zu Beginn lass uns noch administratives klären:

Die Bekanntmachungen im oberen Teil des Forums hast Du gelesen und verstanden? Bitte bestätige dies kurz in Deinem nächsten Post.

Wenn du magst, kannst du jeden Tag schreiben, spätestens jedoch jeden 2ten wäre gut. Fokus und Kontinuität ist wichtig. Auch wenn es nur ein „ich bin noch da“ ist. Wenn einmal etwas für länger dazwischenkommt, schreibe mir kurz. Ich werde dir auch Bescheid geben.

Für unsere Untersuchung hier lege bitte alle Videos, Audios und Bücher über das Thema beiseite. Sie werden dir nicht weiterhelfen, wie du bereits gemerkt hast.

Wie die Zitierfunktion funktioniert findest du unter:
viewtopic.php?f=18&t=4229
Dies erleichtert uns das Verständnis, worauf wir uns beziehen in unserem Dialog.

Du kannst bei deinem Thread oben bei dem mittleren dropdown-feld (werkzeugschlüsssel) die Auswahl "Lesezeichen setzten" anklicken und damit aktivieren. Dann solltest du automatisch eine Nachricht bekommen sobald ich dir schreibe.

Wir arbeiten so:
Ich werde dir Fragen stellen, die du in der unmittelbaren Erfahrung untersuchst und dann beantwortest. Das Einzige, was zählt, ist deine unmittelbare Erfahrung. Damit meine ich all das, was du mit deinen Sinnen wahrnehmen kannst. Dein Verstand wird dir hier nicht helfen können. Bitte sei zu 100% ehrlich. Es gibt keine richtigen und falschen Antworten! Und du darfst natürlich Fragen stellen, wenn welche auftauchen.

Dann könne wir auch schon starten… Hier sind meine ersten Fragen:

Wie wird sich der Augenblick anfühlen, wenn der "Ego-Modus weggeschmolzen ist?
Was wird sich dadurch verändern, was gleichbleiben?
Was erhoffst du Dir davon, wenn es klar ist, dass es kein "Ego" gibt?
Herzliche Grüße - Ichbin

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Sharifa
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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Sun Dec 18, 2016 11:17 am

Hola, Ichbin,
ja, erst mal super, dass das so schnell geklappt hat! Ich hatte mich schon auf eine längere Wartezeit eingestellt...
Zu Beginn lass uns noch administratives klären:

Die Bekanntmachungen im oberen Teil des Forums hast Du gelesen und verstanden?
Äh, jetzt muss ich schon mal ganz blöd anfangen: Welche genau meinst du? Ich habe "da oben" etliches gelesen. Muss auch gleich sagen, dass ich noch nie bei so einem Forum aktiv war, das ist völliges Neuland für mich!
Wenn du magst, kannst du jeden Tag schreiben, spätestens jedoch jeden 2ten wäre gut.
Ich lebe in Paraguay und habe nur per Handystick Internetzugang. Normalerweise sitze ich früh morgens draußen (wo Empfang ist) und checke Mails. Das passt dann gut, um mit dir in Kontakt zu bleiben. (Ab und zu gibt's mal Probleme, dass ich keinen Empfang habe oder so.)
Für unsere Untersuchung hier lege bitte alle Videos, Audios und Bücher über das Thema beiseite. Sie werden dir nicht weiterhelfen, wie du bereits gemerkt hast.
Geht klar. Der Bücherstapel wird einsortiert...

Dann werde ich mal den heutigen Tag den ersten Fragen widmen und mich morgen wieder melden!

Liebe Grüße
Suerte!

Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Sun Dec 18, 2016 5:00 pm

Hallo Sharifa,

ich freue mich, dass Du bereit bist.

Mit den Bekanntmachungen meinte ich insbesondere diese hier:

http://liberationunleashed.com/nation/v ... =18&t=4232

Die Zitierfunktion hast Du ja schon bestens verstanden.

Es macht gar nichts, dass Du noch nie bei einem Forum aktiv warst. Ich war es vorher auch nicht. Es ist hier auch eher ein persönliches Guiding.

Gut, das Du erwähnt hast, dass Du in Paraguay lebst und mit Handystick "arbeitest". Dann weiß ich Bescheid, sollte ich mal von Dir nichts hören. Dankeschön für diese Information.
Der Bücherstapel wird einsortiert...
Prima :-)

Bin gespannt auf Deine Antworten...
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Sun Dec 18, 2016 11:02 pm

Hola," Dubist"/Ichbin,
okay, den link habe ich gelesen und halte mich für innerlich ausreichend stabil!

Die drei ersten Fragen habe ich mir 'rauskopiert, um dann tagsüber immer mal wieder an den Laptop zu gehen und meine „Erkenntnisse“ zu notieren.

Als ich die Fragen zum ersten Mal durchlas, war meine spontane Reaktion „Oh je, was soll ich dazu sagen? Da fällt mir nix ein.“ (Wie du gleich siehst, ist mir im Laufe des Tages dann doch was eingefallen, grins.)

Die erste Frage
Wie wird sich der Augenblick anfühlen, wenn der "Ego-Modus weggeschmolzen ist?
kommt mir fast wie eine „Fangfrage“ vor... Ja, wie wird er sich anfühlen – das kann ich JETZT gar nicht wissen.
In der Hängematte liegend schaue ich den Wolken am Himmel zu, höre die Zikaden im Wald und andere Geräusche, es fühlt sich warm an, ich fühle mich wohl und entspannt, „Störendes“ Gedankengeplapper ist gerade nicht im Gange. Sollte es einsetzen wollen, mache ich's wie mit den Wolken: ich lasse sie vorüberziehen und „beiße“ mich nicht fest.
Also, aufgrund dieser Erfahrung lautet die Antwort im Augenblick so: Der Augenblick wird so wahrgenommen, wie er geade ist. Nicht mehr und nicht weniger. Kein „Ich-Gedanke“ mischt sich störend/trennend ein und überlagert/verschleiert/etikettiert die unmittelbare Erfahrung.
Ist natürlich in der Hängematte relativ einfach zu erleben, da gibt es sicher Augenblicke in denen es schwieriger wird, wenn durch äußere Umstände das „Ego gekitzelt“ wird. Dazu habe ich bei der letzten Frage was aufgeschrieben, was ich heute erlebt habe.
Was wird sich dadurch verändern, was gleichbleiben?
Schon wieder eine Fangfrage?! Spontan würde ich sagen: es ändert sich Alles und NICHTS. Der Augenblick ist, wie er ist. Die Wahrnehmung ändert sich ein Stück weit. (s.o.)

Was erhoffst du Dir davon, wenn es klar ist, dass es kein "Ego" gibt?
Ja, wie in meinem Eingangstext schon geschrieben, sind „Hoffen und erwarten“ Haltungen, in die ich mich nicht (mehr) hineinsteigere... Aber es geht in der Frage wohl eher um meine „Vorstellung“ von diesem Zustand. Die kommt mir fast ein bisschen kindisch vor. Um ehrlich zu sein, stelle ich mir den Zustand als eine Art „permanente Glückseligkeit“ vor.

Aber vielleicht ein persönliches Beispiel: Mein Mann hatte heute auf seiner Internetseite zwei ziemlich gehässige Kommantare, anonym. Im Gespräch darüber habe ich gemerkt, dass ich sehr stark das Bedürfnis hatte, das Geschriebene „richtig zu stellen“ und dass ich es bedauerte, dass die Schreiber den anonymen Weg gewählt haben. Kurz überlegte ich, die in Frage Kommenden anzuschreiben. Dann kam mir plötzlich die Frage in den Sinn, wen ich da meine verteidigen zu müssen und was sich ändern würde, wenn ich auf die Geschichte jetzt einsteige. Und da war das Bedürfnis nach Rechtfertigung verschwunden. Ich fühlte mich „durchlässig“. Das Geschriebene wurde wahrgenommen, ich „psychologisierte“ noch ein bisschen, was das über den Zustand der anderen aussagt, fühlte mich aber „selbst“ nicht mehr be- oder getroffen.

Und das „erhoffe“ ich mir tatsächlich, mich gar nicht mehr in diese „Spielchen“ hineinziehen zu lassen, sondern in jedem Moment so wach und durchlässig zu sein.

So, ich lasse das mal als Resümee des heutigen Tages so stehen!

Saludos y suerte!
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Mon Dec 19, 2016 11:43 am

Hallo Sharifa,
okay, den link habe ich gelesen und halte mich für innerlich ausreichend stabil!
Prima.

Ich freue mich sehr über die Offenheit Deiner Antworten. Das ist sehr gut und wird Dir helfen. Ja, im Grunde wird Dir alles wie "Fangfragen" vorkommen. Macht Dir nichts draus. Es geht hier nicht um mich, sondern ganz alleine um Deinen Prozess. Es geht nur um die 100%ige Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber.

Zu den Erwartugen:
es ändert sich Alles und NICHTS. Der Augenblick ist, wie er ist.
Ja, so ist es .
stelle ich mir den Zustand als eine Art „permanente Glückseligkeit“ vor...
fühlte mich aber „selbst“ nicht mehr be- oder getroffen.
Und das „erhoffe“ ich mir tatsächlich, mich gar nicht mehr in diese „Spielchen“ hineinziehen zu lassen, sondern in jedem Moment so wach und durchlässig zu sein.
Das sind Konzept und Vorstellung aus der Esoterik.
Bei LU geht es nur darum, dass glasklar gesehen wird, dass es das ICH, den Generalmanager nicht gibt.
Keiner kann sagen, wie es danach bei Dir weiter geht.
Nicht mehr und nicht weniger. Kein „Ich-Gedanke“ mischt sich störend/trennend ein und überlagert/verschleiert/etikettiert ...quote]
Ganz genau, darum geht es hier!

Achte auf alle Reaktionen, wenn du den nächsten Satz liest, Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen:

Es gibt kein Ich, nirgends, und es hat noch nie ein Ich gegeben. Es gibt niemanden, der ein wahres Selbst erkennen könnte, niemanden, der täglich um Dinge und Erwartungen kämpft, niemanden, der etwas erwartet oder das Leben einfach nur erfährt. Niemand, der ständig glückselig ist oder ständig durchlässig oder Dinge an sich vorbeiziehen lassen kann. Es ist niemand am Steuer, kein Generalmanager. NADA ni NADIE!

Möchtest Du trotzdem weitermachen?
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Wed Dec 21, 2016 12:50 pm

Achte auf alle Reaktionen, wenn du den nächsten Satz liest, Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen:

Es gibt kein Ich, nirgends, und es hat noch nie ein Ich gegeben. Es gibt niemanden, der ein wahres Selbst erkennen könnte, niemanden, der täglich um Dinge und Erwartungen kämpft, niemanden, der etwas erwartet oder das Leben einfach nur erfährt. Niemand, der ständig glückselig ist oder ständig durchlässig oder Dinge an sich vorbeiziehen lassen kann. Es ist niemand am Steuer, kein Generalmanager. NADA ni NADIE!
Nach deiner „Vorwarnung“, war ich ja auf alles Mögliche gefasst. Als ich die Sätze las und danach war das Gefühl innerlich so wie Fallen, aber kein unangenehmes, angsterzeugendes Gefühl. Eher wie so ein „sanftes Herunterschweben“, wie eine Feder.
Mein Internetplatz ist oben auf der offenen Plattform eines Turmes, mit einem tollen Blick über den Wald. Am Himmel waren gigantische Wolkenformationen. Die Umgebung war nach dem Lesen sehr deutlich, „ich“ mittendrin, dazu-gehörend.

Wir hatten den Rest des Tages Stromausfall, so dass ich den Computer ausschaltete, um Aku zu sparen, da man nie genau weiß, wie lange es dauert, bis wieder Strom da ist, sonst hätte ich mich schon früher gemeldet.

Ach, so, noch vor ein paar Tagen habe ich beim Lesen ähnlicher Sätze in dem „Gateless Gatecrashers“ noch inneren Widerstand gespürt. Deshalb hat mich das jetzt schon auch ein bisschen erstaunt.
Und tagsüber kam mir dann noch in den Sinn: Ja, wenn „ich“ niemand bin, dann sind „die anderen“ ja auch alle niemand, ob sie das jetzt wissen oder nicht.
Und komischerweise führte das dazu, dass ich die Menschen um mich herum – also meinen Mann und unsere Kinder – heute ganz anders wahrgenommen habe. - wie neu, sozusagen.

Insgesamt finde ich diese Reaktion noch leicht verwirrend.
Möchtest Du trotzdem weitermachen?
Ja, klar!

Grüße von der Südhalbkugel!
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Wed Dec 21, 2016 9:46 pm

Hallo Sharifa,
ich war heute den ganzen Tag unterwegs und bin nicht dazu gekommen, Dir zu antworten.
Ich melde mich morgen.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Thu Dec 22, 2016 4:36 pm

Liebe Sharifa,

vielen Dank für Deinen Bericht. Schön, dass Du dabei bleiben möchtest.
Ja, wenn „ich“ niemand bin, dann sind „die anderen“ ja auch alle niemand, ob sie das jetzt wissen oder nicht
Genauso ist es. Und so ist es auch bei Sharifa. Da ist niemand, ob sie es nun weiß oder nicht.

Es ist wie mit dem Weihnachtsmann. Den Weihnachtsmann gibt es nicht, richtig oder?
Und dennoch bekommen Kinder Geschenke, Glauben an ihn, überall erschallt sein Name, die ganze Welt spricht von ihm jetzt um diese Zeit.. aber gibt es ihn deswegen wirklich? NEIN!!! Und dennoch... für die Kinder, die an ihn glauben ist er "real"!

Aber wie ist es nun: ist er tatsächlich "wirklich", nur weil man an ihn glaubt? Nein! Er ist eine Illusion! Und: macht die Illusion ihn real(er)? Nein!

Und was ist mit dem Leben - egal ob Du nun an den Weihnachtsmann glaubst oder nicht- ?
Schau ihn: es geschieht einfach. Du atmest, schaust, hörst.
Das war auch genauso so, als Du als Kind an den Weihnachtsmann geglaubt hat und geschieht jetzt immer noch genauso, obwohl du nicht mehr an ihn glaubst. Dem "Leben", Deiner Atmung ist es egal, ob Du an ihn glaubst oder nicht. Es geschieht einfach....

Kannst Du das nachvollziehen?
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Thu Dec 22, 2016 8:48 pm

Ja, ich kann das nachvollziehen.

Und nur diese simple Feststellung provoziert in mir schon eine ganze Fragenlawine: nach dem Warum? Nach dem Sinn usw.

Wenn Leben einfach geschieht – gibt es nicht für alles eine Ursache?
Und außerdem impliziert diese Haltung, dass alles gleich-gültig ist. Bis zu einem gewissen Grad erlebe ich das als Befreiung. Aber wenn ich dann daran denke, dass es dann genauso okay ist, wenn Menschen andere Menschen quälen – das ist ja dann wohl auch Ausdruck des einen Lebens?! Das widerstrebt mir dann doch irgendwie.

In den Tag hineinleben, die unmittelbaren Sinneswahrnehmungen erleben und nicht an einen Weihnachtsmann glauben ist das eine. Aber um die „dunkle Seite“ hinnehmen zu können, fand ich es bisher ganz hilfreich, doch an eine steuernde Instanz zu glauben (ohne Rauschebart und Wolke) oder an so etwas wie Karma. Mag sein, dass das alles anerzogene und angelesene „Krücken“ sind, weil das andere ja schon eine gewisse Sinnlosigkeit impliziert...

Also, kurzum, der simple Schritt das Gesagte nachzuvollziehen, wirft viele Fragen auf, die ich bisher beantwortet glaubte.
Wahrscheinlich sagst du mir jetzt, dass es überhaupt keine Frage gibt?!

Ich stoße auf gewisse Widerstände in mir!

Saludos!
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Fri Dec 23, 2016 2:23 pm

Liebe Sharifa,
ich danke Dir für Deine offene und ehrliche Antwort.
Ja, aus der Perspektive der ICH-Illusion ist es schwer nachzuvollziehen, dass alles einfach "nur" geschieht.

Du hast viele wichtige Fragen angesprochen, z.B. gibt es nicht doch eine Ursache, ist alles gleich-gültig, was ist mit Karma, und gibt es nicht doch eine Instanz, die alles lenkt und leitet, was ist mit der "dunklen Seite" in dieser Welt ... etc..? Alle diese Fragen werden wir im Laufe unseres Gespräches anschauen. Und du wirst die Antworten darauf in Deiner Direkten Erfahrung selber beantworten können.
Ich stoße auf gewisse Widerstände in mir!
Gut. Dann lass uns zunächst bitte erst einmal den Widerstand etwas genauer betrachten.
Lass den Widerstand ganz und gar zu! Lass alles da sein, was ihn ausmacht!

Was für eine Emotion ist es genau? Liegt eine andere Emotion hinter dem Widerstand, wenn Du den Widerstand (aus)fühlst? Welche ist das? In Deinem Körper, wo würdest Du mit Deinem Zeigefinder hinzeigen, um das Gefühl (Spüren/Körpersensation) zu lokalisieren? Wie fühlst sich die Emotion in Deinem Körper an?

Ich bin sehr gespannt auf Deinen Bericht.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Fri Dec 23, 2016 11:37 pm

Hola, Ichbin,
ich finde das ja jetzt schon ein bisschen lustig! Es ist nämlich so, dass ich die Fragen zum „Widerstand“ nicht beantworten kann. Ich muss passen. Der Widerstand ist weg, keine Ahnung wohin. Kurz habe ich mich gefragt, ob ich mich jetzt quasi künstlich in dieses Gefühl hineinsteigern soll, indem ich vielleicht meine gestrigen Fragen/Zweifel nochmal so richtig zu durchdenken versuche. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich dazu (heute zumindest) keine Lust habe!
Ich habe die Fragen jetzt zur späteren Analyse unter „Stichwort Widerstand“ abgelegt. Er kommt ja bestimmt mal wieder vorbei, vermute ich...

Aber diese ganze Geschichte hat mir etwas anderes ganz deutlich gemacht, was mir bisher so nicht bewusst war:
Gestern noch war diese Thematik ganz stark in meinem Denken präsent, heute ist sie wie weggeblasen. Das ist tatsächlich ein Aspekt davon, dass „Ich“ nichts Festes oder Festgefügtes bin. So deutlich ist mir das noch nie bewusst gewesen. Bisher war ich davon überzeugt, so eine Art „Wesenskern“ zu haben, feststehende (Charakter-)Eigenschaften. Dieser „Kern“ scheint eine ziemlich wabbelige Angelegenheit zu sein...

Grüße von der
heute nicht widerständigen, sondern erstaunten
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Sat Dec 24, 2016 1:53 pm

Liebe Sharifa,

das ist schön zu lesen, wie rasant alles geht.
Ich habe die Fragen jetzt zur späteren Analyse unter „Stichwort Widerstand“ abgelegt. Er kommt ja bestimmt mal wieder vorbei, vermute ich
Kann sein, kann aber auch nicht sein. Sicher ist aber, dass Du zu all den Fragen die Antwort erkennen wirst.
Gestern noch war diese Thematik ganz stark in meinem Denken präsent, heute ist sie wie weggeblasen. Das ist tatsächlich ein Aspekt davon, dass „Ich“ nichts Festes oder Festgefügtes bin. So deutlich ist mir das noch nie bewusst gewesen. Bisher war ich davon überzeugt, so eine Art „Wesenskern“ zu haben, feststehende (Charakter-)Eigenschaften. Dieser „Kern“ scheint eine ziemlich wabbelige Angelegenheit zu sein...
Ja, so ist es.

Manche Gedanken deuten auf reale Dinge hin. Computer, Tisch, Körper. Andere Gedanken deuten auf VORGESTELLTE Dinge: Batman, der Weihnachtsmann, die Zahnfee…das ICH. Der Gedanke als solcher ist real, wir erfahren ihn in der Realität. Aber der INHALT des Gedankens ist buchstäblich eine ausgedachte, bildhafte Vorstellung. Und deswgen erscheint Dir das ganze mittlerweile als "eine zeimlich wabbelige Angelegenheit".

Real ist, was nicht verschwindet, wenn Du nicht mehr daran glaubst.

Hier eine Aufgabe dazu:
Lege eine Frucht vor dich auf den Tisch.
Was ist zu sehen? Was ist nicht zu sehen? Wie fühlt sich die Frucht an? Wie riecht sie? Wie schmeck sie? Was ist zu hören wenn du in die Frucht beißt?
Beziehe dich bei deiner Beobachtung ausschließlich auf deine Sinne des Sehens, Fühlens, Riechens, Schmeckens und Hörens.
Was wird in der Wahrnehmung von den Gedanken ergänzt oder hinzugefügt?
Kannst du feststellen wie der Gedankenablauf ist? Hier musst du besonders gut schauen.

Ich bin gespannt auf deinen Erfahrungsbericht.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Sun Dec 25, 2016 11:26 am

Hola, Ichbin,
danke für deine Rückmeldung! Die „Obst-Aufgabe“ werde ich heute im Laufe des Tages machen.

Übrigens, ein weiterer Nebeneffekt: habe das Gefühl, dass das „Bücherverbot“ mir gut tut. Zwar dachte ich vorher, Byron Katie und Eckhart Tolle „müsste“ ich unbedingt weiter „konsultieren“. Jetzt merke ich, dass auch das, was ich einmal als wertvoll, wichtig für mich gefunden habe, auf Dauer auch eher zu einer „Krücke“ wird, und daran hindert, die eigene Erfahrung genau wahrzunehmen und zu schätzen.

Ich weiß nicht, ob dieses „Leseverbot“ auch für das LU-Forum zutrifft? Ab und zu packt mich ja die Neugier, was sich bei anderen so tut, dann denke ich wieder, es ist vielleicht auch hier erstmal besser, bei „meinem“ Prozess zu bleiben. In den wenigen Tagen hat sich da ja durchaus was getan...
Daher auch mal ein explizites Dankeschön für die Zeit, die du dir für meine Begleitung nimmst!

Suerte!
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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Sun Dec 25, 2016 2:36 pm

So, meine Erfahrungen mit der „Frucht-Aufgabe“ - Teil 1.
Ich hatte deine Fragen nur im Kopf und habe, wie ich jetzt sehe, einiges vegessen.
Also, erstmal Griff in die Obstschale: Das ausgewählte Objekt ist eine Banane. Die Benennung mit dem Begriff erfolgt automatisch, blitzschnell. Ich vermute mal, das lässt sich (in meinem Fall) nicht vermeiden, höchstens wenn ich mir auf dem Markt etwas aussuchen würde, was ich vorher noch nie gesehen habe.
Mit visuellen Eindrücken habe ich mich nicht aufgehalten, da ich direkt angefangen habe, die Banane „zu streicheln“ und erstaunt war, dass sich das sehr angenehm anfühlte. Ich bin vorher noch nie auf die Idee gekommen, eine Banane zu streicheln! Das mit dem Streicheln ist sowieso irgendwie ein Hammer, auch wenn man jemand anders streichelt, ist mir nie so ganz klar, wo genau dieses Gefühl zu lokalisieren ist. Ist das jetzt angenehm, was meine Haut spürt oder eben die „andere“ Haut (oder die Bananenschale). Ich kann das schwer erklären, habe jetzt beim Aufschreiben nochmal über meinen Arm gestreichelt, um es genauer zu beschreiben. Fällt mir schwer, aber es ist ein sehr intensives Gefühl, die „Grenzen“ lösen sich sozusagen auf, das ist so eine stimmige Erklärung, die mir einfällt.
Nach dem Streicheln kam dann das Riechen. Fantastisch, dieser Duft, die blöden Gedanken wären jetzt vermutlich weiter am Begriff „Banane“ hängengeblieben, aber da kamen meine Kinder und die Frage meiner Tochter: „Was wird das jetzt?“ sowie die lapidare Feststellung meines Sohnes: „Eine Banane riecht doch nicht!“ Dem habe ich dann mal direkt widersprochen und erklärt, dass das so eine Art Aufmerksamkeitsübung ist. (Dabei fällt mir als „interne“ Zussatzinfo noch für dich ein: Meine Aktivität in diesem Forum habe ich vor der Familie bisher „geheimgehalten“. Irgendwie war es mir wichtig, diesen Prozess erstmal „für mich zu behalten“. Normalerweise ist mein Mann derjenige, mit dem ich über spirituelle Fragen spreche, manchmal erscheint mir das dann auch so ein bisschen, wie ein Lehrer-Schüler-Verhältnis – ich in der Schüler-Rolle. Aber hier wollte ich irgendwie bewusst von Anfang an keine „Einmischung“. Vielleicht in einiger Zeit. Aber im Moment finde ich es ganz gut so.) - So, jetzt bin ich aber abgeschweift. Zurück zur Banane: Durch die Fragen und Anwesenheit der Kinder konnte ich meinen Gedankenstrom nicht wirklich beobachten. Daher will ich die Übung nachher nochmal in Ruhe machen und auch die Punkte nochmal genauer betrachten, die ich diesmal vergessen hatte, also Sehen, Hören und die Gedankentätigkeit natürlich.
Wollte aber diesen ersten Versuch trotzdem dokumentieren.

Sharifa


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