Vom Verstand zum Fühlen

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Britta11
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Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Sun Dec 11, 2016 7:44 pm

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Eine Freundin ist den Weg mit Liberation Unleashed gegangen, und ihr überzeugender Bericht hat mich sehr fasziniert. Sie hat mich auch auf die Webseite aufmerksam gemacht. Ich habe das Gefühl, dass ich es vom Verstand her begriffen habe, bin aber auf der Gefühlsebene noch weit hinterher. Und ich habe noch viele Fragen.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Ich habe mich über eine lange Zeit mit diesen Fragen auseinandergesetzt, bin auch über einige Mediationskurse mit dieser Perspektive in Berührung gekommen. Die Auseinandersetzung war eher "privat", z.B. über Bücher. Im Vergleich zu anderen Mitgliedern des Forums war ich eher wenig in richtigen Gruppen aktiv, ich habe eher z.B. meiner Freundin "über die Schulter geschaut" und von ihr gelernt. Deshalb habe ich zunächst auch gezögert, mich hier anzumelden, da ich nicht sicher war, ob ich wirklich schon so weit bin. Ich habe jedoch gerade einen Punkt erreicht, wo ich das Gefühl habe, dass mir Bücher nur wenig weiter helfen (alles, was ich lese, scheint sich gerade alles zu wiederholen), die Dinge aber zugleich auch nicht mehr richtig an ihrem Platz stehen. Und ich sollte ergänzen, dass ich als Wissenschaftlerin tätig bin -- deshalb auch der "Verstand" im Titel.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Hilfe, dies nicht nur vom Verstand her zu erfassen, sondern wirklich durchfühlen zu können. Und die Klärung von offenen Fragen -- ich habe mir Gateless Gatecrashers durchgelesen, aber einige Dinge bleiben hier nur angedeutet.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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prembodha
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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Sun Dec 11, 2016 9:51 pm

Hallo Britta,

herzlich Willkommen bei Liberation Unleashed.

Ich werde dich ein Stück begleiten, wenn du magst.

Zu Beginn lass uns noch administratives klären:

Die Bekanntmachungen im oberen Teil des Forums hast Du gelesen und verstanden? Bitte bestätige dies kurz in Deinem nächsten Post.

Wenn du magst, kannst du jeden Tag schreiben, spätestens jedoch jeden 2ten wäre gut. Fokus und Kontinuität ist wichtig. Auch wenn es nur ein „ich bin noch da“ ist. Wenn einmal etwas für länger dazwischenkommt, schreibe mir kurz. Ich werde dir auch Bescheid geben.

Für unsere Untersuchung hier lege bitte alle Videos, Audios und Bücher über das Thema beiseite. Sie werden dir nicht weiterhelfen, wie du bereits gemerkt hast.

Wie die Zitierfunktion funktioniert findest du unter:
viewtopic.php?f=18&t=4229
Dies erleichtert uns das Verständnis, worauf wir uns beziehen in unserem Dialog.

Du kannst bei deinem Thread oben bei dem mittleren dropdown-feld (werkzeugschlüsssel) die Auswahl "Lesezeichen setzten" anklicken und damit aktivieren. Dann solltest du automatisch eine Nachricht bekommen sobald ich dir schreibe.

Wir arbeiten so:
Ich werde dir Fragen stellen, die du in der unmittelbaren Erfahrung untersuchst und dann beantwortest. Das Einzige, was zählt, ist deine unmittelbare Erfahrung. Damit meine ich all das, was du mit deinen Sinnen wahrnehmen kannst. Dein Verstand wird dir hier nicht helfen können. Bitte sei zu 100% ehrlich. Es gibt keine richtigen und falschen Antworten! Und du darfst natürlich Fragen stellen, wenn welche auftauchen.


Dann könne wir auch schon starten… Hier sind meine ersten Fragen:

Wie wird sich der Augenblick anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?
Was wird sich dadurch verändern, was gleichbleiben?
Was erhoffst du dir davon die Ich-Illusion zu durchschauen?
Liebe Grüße, prembodha

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Britta11
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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Tue Dec 13, 2016 9:07 am

Liebe Prembodha,

wie schön, ich freue mich schon sehr!

Und ja, ich habe die Bekanntmachungen im Forum gelesen und verstanden.

Zu Deinen ersten Fragen:

Wie wird sich der Augenblick anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?
Meine erste Reaktion war: So als ob eine Last abfällt ("ich" muss nicht mehr alles selber machen), Erleichterung, Staunen.. Aber dann kommen auch einige zweifelnde Stimmen: Fällt dann nicht alles auseinander? (So wie Mikadostäbchen oder ein Haus, dessen Stützpfeiler auf einmal wegfallen)? Eine andere zweifelnde Stimme fragt auch: Wenn da nichts ist -- ist das Leben dann nicht völlig ziel- (oder sogar sinn-)los?

Was wird sich dadurch ändern, was gleichbleiben?
Das alltägliche Leben läuft wahrscheinlich weiter seinen Gang (und "ich", mein Körper, etc.) ändern sich wohl nicht; aber die Art und Weise, wie das Leben wahrgenommen wird, ändert sich (?).

Was erhoffe ich mir davon?
Ich möchte es einfach verstehen -- bzw. erfahren (denn das abstrakte Verstehen ist schwierig); ich bin auch einfach neugierig darauf.

Liebe Grüsse
Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Tue Dec 13, 2016 5:52 pm

Liebe Britta,

vielen Dank für deine ehrlichen Antworten. Zweifel und Angst wahrzunehmen ist ja nicht unbedingt immer angenehm.
Aber dann kommen auch einige zweifelnde Stimmen: Fällt dann nicht alles auseinander? (So wie Mikadostäbchen oder ein Haus, dessen Stützpfeiler auf einmal wegfallen)? Eine andere zweifelnde Stimme fragt auch: Wenn da nichts ist -- ist das Leben dann nicht völlig ziel- (oder sogar sinn-)los? ... Das alltägliche Leben läuft wahrscheinlich weiter seinen Gang (und "ich", mein Körper, etc.) ändern sich wohl nicht; aber die Art und Weise, wie das Leben wahrgenommen wird, ändert sich (?).
Es gibt kein Ich, kein Selbst. Nirgends. Es gibt niemanden, der die Fäden in der Hand hat, entscheidet, kontrolliert, die Regie führt. Niemand, der weiß was zu tun ist oder was das Richtige ist. Im schlimmsten Fall wird es weniger friedlich und entspannter und Gedanken, das Leben anders haben zu wollen nehmen zu.

Also lautet meine Antwort: Ja es fällt möglicherweise alles auseinander und ist sinnlos. Allerdings erlebt jeder das Erwachen anders; sowohl den Moment wo die Illusion durchschaut wird als auch die Zeit danach.

Was nimmst du wahr, wenn du das liest? Welche Körperempfindungen sind da? Und vor allem.... würdest du trotzdem weitermachen wollen?
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Wed Dec 14, 2016 3:06 pm

Liebe Prembodha,

es ist fast unheimlich -- während ich die Zeilen lese ("Es gibt niemanden, der die Fäden in der Hand hat, entscheidet, kontrolliert, die Regie führt. Niemand, der weiß was zu tun ist oder was das richtige ist") kommt in meinem Körper -- ohne dass ich es weiter kontrollieren kann -- ein Gefühl von Weite auf. So als ob während des Lesens die Spannung nach rechts und links aus meinem Körper herausfließt. Über dieses Gefühl, das zunehmend anhält, wird deutlich, dass es richtig ist, weiterzumachen!

Auf der Verstandesebene aber auch eine Veränderung der Vorstellung. Wenn jemand die Fäden in der Hand hält, dann -- so die alte Vorstellung -- ist da ja eine Trennwand zwischen "mir" und dem, was das Ganze lenkt. Wenn also das hinter der Trennwand wegfällt und da nichts ist, kann da überhaupt eine Trennwand sein? Die muss also auch wegfallen. Und dann? Entscheidungen passieren ja -- oder? Aber ohne Entscheider.

Und beim Lesen kommt auch noch ein weiterer -- zunächst -- Gedanke. Wenn hier niemand ist, der weiß, was zu tun ist oder was das Richtige ist -- was wurde uns da eigentlich die ganze Zeit erzählt? Dazu ein Bild, das in mir aufkommt. Dass einem als -- vielleicht vierjährigem -- Kind erzählt wurde, dass da jemand ("da oben") ist, der einen immer beobachtet und alles sieht. Das habe ich dann als Kind zwar ausgetestet -- und die Zunge herausgestreckt. Es passierte nichts, aber der Beobachter blieb trotzdem -- und es wurde alles irgendwie grauer. Ich habe dann überlegt, was für mich davor war -- und da ist das Bild von einem Weihnachtsgottesdienst gekommen. Die Rituale oder Texte, die gesprochen wurden, waren einem als Kind völlig egal -- da war nur dieses unglaublich schöne Licht, die Stimmung, die einen dann als Kind erfasst und nicht stillsitzen lässt. Was keine gute Idee war, aber die Kontrolle waren da noch die Eltern oder Familie -- keine übergeordnete Macht.

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Thu Dec 15, 2016 7:51 pm

Liebe Britta,
Entscheidungen passieren ja -- oder? Aber ohne Entscheider.
das hast du sehr gut erkannt. Entscheidungen passieren einfach, ohne einen Entscheider.

Wie sieht das bei den 5 Sinnen in der direkten Erfahrung aus. Direkte Erfahrung ist schmecken, fühlen, riechen, hören, sehen. Braucht es ein ICH, das erfährt, einen Hörenden, einen Sehenden, einen Fühlenden, einen Riechenden, einen Schmeckenden? Wo wäre das ICH zu finden im Körper das das erfährt?

Mache dazu folgende kleine Übung:

Lege eine Frucht oder Obst vor dich auf den Tisch.

Wie fühlt sich die Frucht an? Wie riecht sie? Wie schmeck sie? Was ist zu hören wenn du in die Frucht beißt? Was ist zu sehen? Was ist nicht zu sehen? Was wird von den Gedanken ergänzt? Kannst du feststellen wie der Gedankenablauf ist? Hier musst du besonders gut schauen :-)

Ich freue mich auf deine Antwort.
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Fri Dec 16, 2016 5:12 pm

Liebe Prembodha,

nachdem ich dies jetzt mit mehreren Mandarinen durchprobiert habe... ich kann das ICH nicht wirklich finden. Die Finger berühren die Schale, es gibt ein Geräusch beim Schälen, aber der Sinneseindruck passiert jeweils ohne weiteres Dazutun. Der Körper macht das von ganz alleine. Am deutlichsten ist dies beim Schmecken -- es passiert so unmittelbar, dass das Denken hier sehr deutlich "hinerherhinkt". Beim Sehen sind die Gedanken am stärksten präsent. Sie ergänzen den Namen der Farbe, die Beschreibung der Oberfläche, vorherige Erfahrungen (etwa wie die Frucht von Innen aussieht/ aussehen sollte), Erwartungen an einen bestimmten Geschmack. Und sie ergänzen, "wie" etwas schmeckt -- als Rückgriff auf vorherige Erfahrungen, sagen, ob etwas gut oder schlecht ist, riecht, schmeckt.

Aber ist das ICH diese Gedanken oder ist es in diesen Gedanken? Es lässt sich auf alle Fälle auch kein Ort für die Gedanken im Körper finden, sie scheinen im Kopf oder auch über die Stimmbänder in den Kopf aufzukommen und wieder zu gehen. Die Frage, die aber jetzt aufkommt, ist folgende: Wie und von wem/was werden die Impulse für das gezielte Ansehen, Riechen, Schmecken gegeben? Denn der Körper atmet bei der Fokussierung auf den Geruch ja tiefer ein. Die Gedanken scheinen auch hier etwas hinterherzuhinken, sie kommen erst, wenn der Impuls passiert ist. Es können also nicht die Gedanken sein.

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Fri Dec 16, 2016 10:56 pm

Liebe Britta,

das hast du alles gut gesehen.
nachdem ich dies jetzt mit mehreren Mandarinen durchprobiert habe... ich kann das ICH nicht wirklich finden.
Was meinst du mit "nicht wirklich"? Ein ICH war irgendwie da aber auch nicht? Bitte beschreibe mir dies genauer und schaue nochmal hin, ob und wo du ein ICH finden kannst in der direkten Erfahrung.
Die Finger berühren die Schale, es gibt ein Geräusch beim Schälen, aber der Sinneseindruck passiert jeweils ohne weiteres Dazutun. Der Körper macht das von ganz alleine. Am deutlichsten ist dies beim Schmecken -- es passiert so unmittelbar, dass das Denken hier sehr deutlich "hinerherhinkt". Beim Sehen sind die Gedanken am stärksten präsent. Sie ergänzen den Namen der Farbe, die Beschreibung der Oberfläche, vorherige Erfahrungen (etwa wie die Frucht von Innen aussieht/ aussehen sollte), Erwartungen an einen bestimmten Geschmack. Und sie ergänzen, "wie" etwas schmeckt -- als Rückgriff auf vorherige Erfahrungen, sagen, ob etwas gut oder schlecht ist, riecht, schmeckt.
Ja so ist es. Alles geschieht einfach. Es gibt keinen der etwas macht. Die Gedanken kommen nach der Erfahrung und benenn aus der Erinnerung das was geschieht. Manadrinen schauen geschieht und die Gedanken sagen "Ich sehe eine Mandarine". Genauso mit den anderen Sinnen/Erfarhungen.
Aber ist das ICH diese Gedanken oder ist es in diesen Gedanken?
Wie und von wem/was werden die Impulse für das gezielte Ansehen, Riechen, Schmecken gegeben?
Hier eine Aufgabe für Dich zu deinen Fragen.
Nimm Dir 10-15 Minuten Zeit. Mach es Dir bequem. Gib Deine Aufmerksamkeit auf die Gedanken:
Bitte beantworte mir nachfolgende Fragen aus Deiner direkten Erfahrung! Also nicht, was Du gelesen, gehört hast oder was Du darüber denkst etc...

Was erfährst Du hier und jetzt bei dieser Übung?

1.Wo kommen die Gedanken her und gehen sie hin? Warte neugierig auf den nächsten Gedanken und sieh nach.

2. Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als Nächstes kommt? Kannst du verhindern, dass er erscheint, wenn er dir nicht gefällt? Kannst du einen Gedanken beseitigen, wenn er einmal erschienen ist?

3. Kannst du die Entscheidung treffen, NICHT zu denken?

4. Nimm dir vor, einen besonderen Gedanken zu denken. Was geschieht dabei, wenn du genau hinschaust?

5. Ist der Gedanke "Ich" eine besondere Art Gedanke, der andere Gedanken denken kann? Oder kommt er von derselben Stelle wie die anderen Gedanken?

6. Denke an eine Zahl zwischen 1 und 100. Weißt du, welche Zahl kommt, bevor sie erscheint?

7. Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker? Gibt es einen Denkmanager, einen Kontrollmanager oder einen Impulsmanager? Findest du überhaupt einen Manager für irgendetwas?

Bin mal sehr gespannt :-)
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Sat Dec 17, 2016 8:13 pm

Liebe Prembodha,

nach den spannenden Übungen ist mir klar, dass ich mit "nicht wirklich" tatsächlich "nicht vorhanden" meine. Aber zu den Fragen:
1.Wo kommen die Gedanken her und gehen sie hin? Warte neugierig auf den nächsten Gedanken und sieh nach.
Sie kommen einfach. Ich schaue aus dem Fenster und es gibt einen Gedanken dazu, aber "ich" steuere das nicht. Und dann ist der Gedanke auch schon wieder weg, er kann nicht festgehalten werden.
2. Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als Nächstes kommt? Kannst du verhindern, dass er erscheint, wenn er dir nicht gefällt? Kannst du einen Gedanken beseitigen, wenn er einmal erschienen ist?
Nein. Er ist einfach da und ich kann ihn auch nicht abhalten oder beseitigen.
3. Kannst du die Entscheidung treffen, NICHT zu denken?
Nein, das geht nicht. Mir ist zwar aufgefallen, dass die Gedanken bei der Mandarinen-Übung manchmal erst NACH dem Schmecken, Hören oder Riechen kommen, aber auch das kann "ich" nicht bewusst entscheiden.
4. Nimm dir vor, einen besonderen Gedanken zu denken. Was geschieht dabei, wenn du genau hinschaust?
Das geht nicht. Ich kann dem Gedanken zwar eine Geschichte aus der Vergangenheit anhängen, damit er besonders ist oder wird, aber ich kann nicht bewusst steuern, dass da etwas kommt, das jetzt ganz besonders ist und sich von den anderen unterscheidet.
5. Ist der Gedanke "Ich" eine besondere Art Gedanke, der andere Gedanken denken kann? Oder kommt er von derselben Stelle wie die anderen Gedanken?
Nein. Und mir wird immer deutlicher, dass es nur ein Wort ist. Es ist in die anderen Gedanken genauso eingebettet wie alles andere auch -- es sticht in keinster Weise hervor.
6. Denke an eine Zahl zwischen 1 und 100. Weißt du, welche Zahl kommt, bevor sie erscheint?
Nein.
7. Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker? Gibt es einen Denkmanager, einen Kontrollmanager oder einen Impulsmanager? Findest du überhaupt einen Manager für irgendetwas?
Nachdem ich das jetzt immer wieder durchprobiert habe -- ich finde nichts, was abgetrennt Impulse gibt oder auch nur irgendetwas steuert... Wow!

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Sat Dec 17, 2016 9:53 pm

Liebe Britta,
nachdem ich dies jetzt mit mehreren Mandarinen durchprobiert habe... ich kann das ICH nicht wirklich finden. nach den spannenden Übungen ist mir klar, dass ich mit "nicht wirklich" tatsächlich "nicht vorhanden" meine.
ich finde nichts, was abgetrennt Impulse gibt oder auch nur irgendetwas steuert... Wow!
genau so ist es. Es gibt keinen Generalmanager für irgendetwas.
Und wenn es keinen Generalmanager gibt und der Körper einfach tut, heißt einfach alles geschieht... Wie sieht das den dann mit Entscheidungen, Kontrolle, freier Wille und Verantwortung aus? Gibt es einen Entscheider, Kontrolleur usw, eine ICH das das tut?

Untersuche dies mit Hilfe folgender "Übung": Beobachte, wie du dich durch den Tag bewegst –
die Körperbewegungen, Reaktionen auf Situationen. Sieh nach, ob du in diesem Augenblick ein ICH finden kannst, das Entscheidet oder diese kontrollieren kann oder Gefühle, die auftauchen oder Körperfunktionen lenkt. Wer entscheidet z.B, morgens was du aus dem Schrank nimmst und anziehst? Wer entscheidet was du zu Mittag isst? Kannst du daraus schließen, und feststellen, ob du einen freien Willen hast etwas zu tun? Gibt es ein ICH das das kann und wo wäre es zu finden?

Du kannst dies nur im eigenen direkten Erleben dieses Momentes finden. Mit Direkten Erleben meine ich das, was du mit deinen Sinnen wahrnehmen kannst. Wie bei der Übung mit den Mandarinen

Liebe Britta, das ist jetzt vielleicht etwas viel auf einmal. Lass dir Zeit um das herauszufinden.

Ich bin gespannt was du diesmal erfährst und berichtest.
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Tue Dec 20, 2016 5:21 pm

Hallo Britta,

ist bei dir alles ok? Kann ich dir irgendwie helfen?

Sag doch kurz Bescheid bitte.
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Tue Dec 20, 2016 7:54 pm

Liebe Prembodha,

nein, alles in Ordnung -- nur ein dichtes Semesterende, so dass ich eher selten zum Mailen komme... Und ich musste auch die Fragen mehrfach durchtesten und -durchfühlen. Also:
Wer entscheidet z.B, morgens was du aus dem Schrank nimmst und anziehst? Wer entscheidet was du zu Mittag isst?
Es wird eindeutig entschieden, gehandelt, etc. -- aber, das fühle ich jetzt immer deutlicher, da ist kein separates, abgetrenntes ICH, welches hier lenkt. Da ist nichts. In keiner Handlung. Es passiert alles.
Kannst du daraus schließen, und feststellen, ob du einen freien Willen hast etwas zu tun? Gibt es ein ICH das das kann und wo wäre es zu finden?
Das ICH ist nicht da! In keiner der Handlungen, Entscheidungen.

Aber es gibt da noch eine Frage meinerseits -- und das ist auch der Grund, weshalb "ich" immer noch etwas herumprobiere (und noch nach der richtigen Formulierung der Frage suche):
Also... die Entscheidung, was ich zum Mittag esse, passiert. Oder was ich wann mache. Aber ich kann mich ja umentscheiden. Da passiert dann ja auch, ohne dass da ein ICH lenkt. Da ist sogar zunehmend das Gefühl, dass das Handeln/ Entscheiden, etc., wenn "ich" es geschehen lasse, stimmig ist.
Das ist aber nicht immer das, was "ich" (kann man dieses ICH dann als die Illusion des Verstandes beschreiben?) mir vielleicht vorher vorgestellt habe. Wenn "ich" dieser vorher fixierten Vorstellung folge, wird das Handeln schwierig, sperrig -- so als ob es sabotiert wird. Wenn das ICH aber nicht vorhanden ist -- wer oder was schafft dann diese fixierte Vorstellung, die auch das Gefühl vermittelt, dass da ein lenkendes "ich" ist?

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Wed Dec 21, 2016 8:22 pm

Liebe Britta,

genau so ist es. Da ist kein ICH. Kein Entscheider, Kein Handelnder. Kein Steuermann. Das Steuer ist leer, niemand der lenkt. Alles geschieht einfach!
Das ist aber nicht immer das, was "ich" (kann man dieses ICH dann als die Illusion des Verstandes beschreiben?) mir vielleicht vorher vorgestellt habe. Wenn "ich" dieser vorher fixierten Vorstellung folge, wird das Handeln schwierig, sperrig -- so als ob es sabotiert wird. Wenn das ICH aber nicht vorhanden ist -- wer oder was schafft dann diese fixierte Vorstellung, die auch das Gefühl vermittelt, dass da ein lenkendes "ich" ist?
Ja, das ICH ist eine Illusion des Verstandes. ICH = Gedanke.

Wenn wieder eine fixierte Vorstellung entsteht, wie etwas ablaufen soll, zum Beispiel das Weihnachtsfest.... Schau genau hin!. Wie entsteht diese feste Vorstellung? Gibt es eine Instanz, die diese feste Vorstellung erschafft?

Untersuche bitte ausschließlich in der direkten Erfahrung, nicht durch Schlussfolgerung und Logik!
Liebe Grüße, prembodha

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Thu Dec 22, 2016 9:02 pm

Liebe Prembodha,

und ich kann es zunehmend auf der Gefühlsebene auch wahrnehmen -- wie spannend!
Wenn wieder eine fixierte Vorstellung entsteht, wie etwas ablaufen soll, zum Beispiel das Weihnachtsfest.... Schau genau hin!. Wie entsteht diese feste Vorstellung? Gibt es eine Instanz, die diese feste Vorstellung erschafft?
Hmmmm... Wenn ich mir jetzt das Weihnachtsfest vorstelle -- oder auch die darauffolgenden Tage, wo ich meistens viele Freunde treffe: Es gibt ein klares Bild, weil ich es ja in den Jahren zuvor schon so erlebt habe. Ich kenne den Ablauf aus der Vergangenheit und gestalte um diese alte Erfahrung herum ein Bild, eine Erwartungshaltung mit Gefühlen, eine Geschichte, wie es sein wird. Oder wie "ich" möche, dass es sein soll, denn das Treffen mit bestimmten Personen, das Austauschen der Geschenke oder die Spaziergänge waren wunderschön -- und das erwarte ich dann. Und bin dann enttäuscht, wenn es nicht so war -- weil vielleicht jemand keine Zeit hatte, es jemandem schlecht ging -- oder sich die Dinge einfach verändert haben: All die Jahre habe ich immer noch mit meinem alten Chor zum Weihnachtsgottesdienst gesungen, aber jetzt ist der Alt-Kantor wirklich alt und es ist auch kein Platz mehr für den Chor, weil andere jetzt da sind. Das Singen gehörte aber immer zu "meinem" Weihnachten, ohne das ist es kein richtiges Weihnachten -- so zumindest die alten Gedanken. Aber eigentlich versperre ich ja hier etwas, denn "ich" (oder vielmehr die Erwartungshaltung meiner Gedanken) haben schon festgelegt, wie ein richtiges Weihnachten zu sein hat, so dass ich mögliche neue Dinge, die vielleicht auch schön sind oder die ich vielleicht jetzt dringender brauche, überhaupt gar nicht mitbekomme. Es sind die Gedanken, die alle diese Vorstellungen erschaffen, die dann ent-täuscht werden... Aber es ist keine übergeordnete Instanz hinter diesen Gedanken...

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby prembodha » Sat Dec 24, 2016 5:03 pm

Liebe Britta,

ich bin schon im Weihnachtsurlaub.

Ich wünsche dir und deiner Familie ein schönes Weihnachtsfest. Am Dienstag geht es dann weiter.
Liebe Grüße, prembodha


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