aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

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ElkeWe
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aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Mon Nov 14, 2016 5:48 pm

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Der Wunsch, zu verstehen und die Wahrheit zu erfahren. Zunächst wollte ich verstehen um mein Leben besser kontrollieren zu können (Finanzen, Beziehungen verbessern, Gesundheit, Leid vermeiden). Inzwischen habe ich verstanden, dass es darum nicht geht. Die Suche führte mich schließlich zu spirituellen Lehren und Lehrern, u.a. Gangaji und Ramana Maharshi. Ich habe mir selbst schon öfter die Frage gestellt "Wer bin ich?".
Vom Verstand her gibt es ein Verstehen, dass ich nicht mein Körper, meine Gedanken oder meine Gefühle bin. Einige Male meinte ich auch schon, ein Stück mehr wirklich zu erfassen, was es bedeutet. Aber es war immer nur so als lüftet sich der Vorhang ein Stück und fällt kurz darauf wieder - vielleicht nicht mehr ganz so tief. Im Alltag geht mir dieses Bewusstsein wieder verloren und ich agiere als "ICH"
Ich wünsche mir ein dauerhaftes Erwachen, ein Loslassen alter Glaubensvorstellungen und Muster. Ich habe für mich erkannt, dass alles Handel aus dem WOLLEN (haben wollen, vermeiden wollen) heraus anstrengend ist und möchte gern einfach nur entspannt SEIN.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Verlust und andere Krisensituationen bzw. Leid war der Beginn meiner Suche. Zum einen wollte ich Leid und Krankheit loswerden, zum anderen tauchte die Frage auf "wer bin ich, wenn ich nicht mehr Mutter, Partnerin oder über meinen Beruf definiert bin?. Und wozu bin ich überhaupt da? Was ist meine Aufgabe?Hat mein Leben überhaupt irgendeinen Sinn? Meine Suche führte mich zum Thema Erwachen und Erleuchtung und schließlich zu Ramana Maharshi (s.o.). Ich hatte mich auf keine bestimmte Lehre konzentriert. Das Buch von Ramana Maharshi "Gespräche des Weisen..." hat mich schon ein Stück vorwärts gebracht.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Ich erwarte mir Fragen, die helfen, alte Denkmuster zu durchbrechen, eine andere Perspektive einzunehmen und mich aus der ICH-Verhaftung erlösen, möglichst dauerhaft.
Nicht nur zu verstehen, sondern zu erfahren, was wirklich ist und was Illusion ist.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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prembodha
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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Tue Nov 15, 2016 1:26 pm

Hallo Elke,

herzliche willkommen bei Liberation Uleashed :-)

Mein Name ist Birgitta und ich werde dich ein Stück begleiten, wenn du magst.

Zu Beginn lass uns noch administratives klären:

Die Bekanntmachungen im oberen Teil des Forums hast Du gelesen und verstanden? Bitte bestätige dies kurz in Deinem nächsten Post.

Wenn du magst, kannst du jeden Tag schreiben, spätestens jedoch jeden 2ten wäre gut. Fokus und Kontinuität ist wichtig. Auch wenn es nur ein „ich bin noch da“ ist. Wenn einmal etwas für länger dazwischenkommt, schreibe mir kurz. Ich werde dir auch Bescheid geben.

Für unsere Untersuchung hier lege bitte alle Videos, Audios und Bücher über das Thema beiseite. Sie werden dir nicht weiterhelfen, wie du bereits gemerkt hast.

Ich werde dir Fragen stellen, die du in der unmittelbaren Erfahrung untersuchst und dann beantwortest. Das Einzige, was zählt, ist deine unmittelbare Erfahrung. Bitte sei zu 100% ehrlich. Es gibt keine richtigen und falschen Antworten.

Wie die Zitierfunktion funktioniert findest du unter:
http://liberationunleashed.com/nation/v ... =18&t=4229
Dies erleichtert uns das Verständnis, worauf wir uns beziehen in unserem Dialog.

Dann könne wir auch schon starten… Hier sind meine ersten Fragen:

Wie wird sich der Augenblick anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?
Was wird sich dadurch verändern, was gleichbleiben?
Was erhoffst du dir davon die Ich-Illusion zu durchschauen?

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

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ElkeWe
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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Wed Nov 16, 2016 9:13 pm

Liebe Brigitta,

schön, dass du mich in diesem Prozess begleitest. Ich bin neugierig auf die Fragen und auch auf meine Antworten.

Den oberen Teil des Textes habe ich gelesen und bin damit einverstanden.
"Wie wird sich der Augenblick anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?“
Entspannt. Erleichtert. Wahrscheinlich werde ich lachen darüber, dass ich so lange gesucht habe und nicht durchschauen konnte. Vielleicht auch weinen.
„Was wird sich dadurch verändern, was gleichbleiben?“
Das Leben wird entspannter, friedlicher. Gedanken über die Vergangenheit oderSorgen um die Zukunft werden weniger oder bleiben aus. Keine Gedanken mehr daran, das Leben anders haben zu wollen als es gerade ist. Ich würde mehr im Augenblick und präsent sein. Ich werde mich nicht mehr mit Entscheidungsfragen herumplagen („soll ich…“ oder „was ist jetzt die richtige Entscheidung..?“), sondern werde wissen, was zu tun ist. Es wird mehr Klarheit im Handeln und im Denken geben. Mein Körper wird entspannter.
Gefühle und Gedanken werden nach wie vor auftauchen, aber ich werde sie mit mehr Abstand betrachten und mit Klarheit sehen, dass es einfach nur Gefühle und Gedanken sind. Keine Geschichten mehr daraus stricken.
„Was erhoffst du dir davon die Ich-Illusion zu durchschauen?“
Nachdem ich die Fragen zur Registrierung beantwortet hatte, wurde mir klar, dass ich gehofft hatte, dass meine körperlichen Beschwerden dann auch aufhören würden. Vielleicht wird es nicht so sein, aber ich werde damit einverstanden sein. Ich erhoffe mir Klarheit, Präsenz, entspannt SEIN, Friede mit dem, was ist. Ohne Widerstände jede Erfahrung voll und ganz durchleben. Mich verbunden zu fühlen mit allem, was mir begegnet, und als Teil des Großen, Ganzen.

P.S. Die nächste Antwort wird wahrscheinlich erst Freitag kommen, ich bin morgen sehr lange unterwegs. Lieben Gruß, Elke

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prembodha
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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Thu Nov 17, 2016 3:20 pm

Liebe Elke,

vielen Dank, dass du deine Erwartungen so offen mitgeteilt hast.
Das Leben wird entspannter, friedlicher. Gedanken über die Vergangenheit oderSorgen um die Zukunft werden weniger oder bleiben aus. Keine Gedanken mehr daran, das Leben anders haben zu wollen als es gerade ist. Ich würde mehr im Augenblick und präsent sein. Ich werde mich nicht mehr mit Entscheidungsfragen herumplagen („soll ich…“ oder „was ist jetzt die richtige Entscheidung..?“), sondern werde wissen, was zu tun ist. Es wird mehr Klarheit im Handeln und im Denken geben. Mein Körper wird entspannter.
Bitte achte auf deine Reaktionen - Gefühle, Körperempfindungen und Gedanken - wenn du liest:

Es gibt kein Ich, kein Selbst. Nirgends. Es gibt niemanden, der die Fäden in der Hand hat, entscheidet, kontrolliert, die Regie führt. Niemand, der weiß was zu tun ist oder was das Richtige ist. Im schlimmsten Fall wird es weniger friedlich und entspannter und Gedanken, das Leben anders haben zu wollen nehmen zu.

Als Kind hat man dir sicherlich auch beigebracht, dass es einen Weihnachtsmann gibt. Irgendwann hast du dann festgestellt, dass es ihn gar nicht gibt. Was hat sich da für dich verändert als die „Illusion Weihnachtsmann“ gefallen ist? Genauso ist es wenn die ICH-Illusion durchschaut wird.

Berichte ausführlich, was diese Sätze in dir auslösen. Würdest du trotzdem weitermachen wollen?

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Fri Nov 18, 2016 6:08 pm

Liebe Birgitta,
hier meine Antworten:
Bitte achte auf deine Reaktionen - Gefühle, Körperempfindungen und Gedanken - wenn du liest:

Es gibt kein Ich, kein Selbst. Nirgends.
Stress, Anspannung und Angst tauchen auf. Und die Frage „Was, nicht mal ein Selbst? Was ist das denn hier, was auf dem Stuhl sitzt und Geschichten erlebt? Und hier gerade schreibt?“. So was wie Orientierungslosigkeit. Etwas bricht zusammen, was mir Halt gegeben hat.
Es gibt niemanden, der die Fäden in der Hand hat, entscheidet, kontrolliert, die Regie führt. Niemand, der weiß was zu tun ist oder was das Richtige ist.
Ich spüre Unsicherheit. Dass ich nicht die Fäden in der Hand habe, habe ich ja bereits bemerkt. Aber soll es nicht mal so was wie einen Schöpfer geben, der die Regie führt? Gedanken an Chaos und Hilflosigkeit tauchen auf. Dann aber auch eine Entspannung. Der Gedanke „Wenn keiner die Regie führ und Kontrolle hat, kann ich auch entspannen und alles so laufen lassen wie es gerade läuft“. Der Stress weicht langsam aus dem Körper.

I
m schlimmsten Fall wird es weniger friedlich und entspannter und Gedanken, das Leben anders haben zu wollen nehmen zu.
Zuerst muss ich lachen über das völlig Unerwartete und denke nur „Ach du Scheiße….!“ Gleichzeitig ein Erschrecken: Das ist es ja gerade nicht, was ich mir erhofft hatte. Dann kann ich mich aber langsam mit dem Gedanken anfreunden und denke „Na, dann wird das ja auch seinen Sinn haben“. Außerdem ist da Neugier. Das was vorher war, kenne ich ja schon. Mal sehen, was es da noch so Neues gibt. Etwas Angst ist noch da. Aber auch die Bereitschaft zum Einlassen.
Als Kind hat man dir sicherlich auch beigebracht, dass es einen Weihnachtsmann gibt. Irgendwann hast du dann festgestellt, dass es ihn gar nicht gibt. Was hat sich da für dich verändert als die „Illusion Weihnachtsmann“ gefallen ist? Genauso ist es wenn die ICH-Illusion durchschaut wird.
Ich weiß es nicht mehr so genau wie es war. Wahrscheinlich war ich etwas enttäuscht. Vielleicht sogar etwas erleichtert, da es ja immer hieß „Böse Kinder kriegen was mit der Rute“. Auf Weihnachten mit Weihnachtsbaum und allem drum und dran und die Geschenke habe ich mich jedenfalls trotzdem noch gefreut.
Würdest du trotzdem weitermachen wollen?
Ja. Ich bin gespannt, wo es hinführt.

Danke für die Fragen, liebe Grüße, Elke

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Sat Nov 19, 2016 5:42 pm

Liebe Elke,
Zuerst muss ich lachen über das völlig Unerwartete und denke nur „Ach du Scheiße….!“ Gleichzeitig ein Erschrecken: Das ist es ja gerade nicht, was ich mir erhofft hatte. Dann kann ich mich aber langsam mit dem Gedanken anfreunden und denke „Na, dann wird das ja auch seinen Sinn haben“. Außerdem ist da Neugier. Das was vorher war, kenne ich ja schon. Mal sehen, was es da noch so Neues gibt. Etwas Angst ist noch da. Aber auch die Bereitschaft zum Einlassen.
Ja Elke, manchmal kommt es ganz anders und Unerwartet als man denkt und auch Angst kann auftauchen. Lass sie einfach da sein als ein Freund. Es ist schön, dass du trotzdem mit Neugier weitermachen willst.
Stress, Anspannung und Angst tauchen auf. Und die Frage „Was, nicht mal ein Selbst? Was ist das denn hier, was auf dem Stuhl sitzt und Geschichten erlebt? Und hier gerade schreibt?“. So was wie Orientierungslosigkeit. Etwas bricht zusammen, was mir Halt gegeben hat.

Bei unserer Untersuchung kommt es darauf an zu erforschen was unmittelbar erlebt wird im Unterschied zu Interpretationen des Erlebens.

Hier eine Aufgabe dazu:
Lege eine Frucht vor dich auf den Tisch.

Was ist zu sehen? Was ist nicht zu sehen? Wie fühlt sich die Frucht an? Wie riecht sie? Wie schmeck sie? Was ist zu hören wenn du in die Frucht beißt?

Beziehe dich bei deiner Beobachtung ausschließlich auf deine Sinne des Sehens, Fühlens, Riechens, Schmeckens und Hörens.

Was wird in der Wahrnehmung von den Gedanken ergänzt oder hinzugefügt?


Ich bin gespannt auf deinen Erfahrungsbericht.

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Sat Nov 19, 2016 9:07 pm

Liebe Birgitta,

hier mein Bericht:
Lege eine Frucht vor dich auf den Tisch.

Was ist zu sehen?
Beziehe dich bei deiner Beobachtung ausschließlich auf deine Sinne des Sehens, Fühlens, Riechens, Schmeckens und Hörens.

Was wird in der Wahrnehmung von den Gedanken ergänzt oder hinzugefügt?
Vor mir liegt eine Frucht. Sie ist so groß, dass sie gut in meiner Hand liegen kann. Sie hat runde Formen. Der Verstand sagt „Die Form ist kugelförmig und das ist ein Apfel“.
An der oberen Seite ist eine kleine Vertiefung (wie ein Trichter, sagt der Verstand). In dieser Vertiefung ist ein schmales längliches Teil von brauner Farbe. Der Verstand: „Das ist ein Stiel“. Die Vertiefung ist bräunlich gefärbt. Die Frucht ist rot und auf der linken Seite gelblich-grün., wobei in der Mitte ein Bereich ist, bei dem beide Farben vertreten sind - rote Streifen und Punkte auf grünem Hintergrund. Auf der roten Seite gibt es etwa in der Mitte eine dunklere Stelle, die leicht nach innen gewölbt ist. Der Verstand interpretiert das als Druckstelle vom Herunterfallen.
Was ist nicht zu sehen?
Nicht zu sehen sind die Rückseite und das Innere der Frucht. Der Verstand macht sich aber sofort eine Vorstellung davon, wie es dort aussieht: helles, festes Fruchtfleisch, Kerngehäuse……und er urteilt: essbar, lecker, gesund….
Wie fühlt sich die Frucht an? Wie riecht sie? Wie schmeck sie? Was ist zu hören wenn du in die Frucht beißt?
Die Frucht fühlt sich kühl, glatt und fest, aber nicht hart an. Sie riecht fruchtig-herb. Der Geruch ist schwer zu beschreiben ohne den Verstand und einen Vergleich. Der schaltet sich sofort ein und sagt: „Na wie ein Apfel riecht es eben, vielleicht auch ein wenig wie frisches Gras. Der Geruch ist angenehm.“
Mein Körper entspannt beim Riechen, im Mund läuft das Wasser zusammen und die Mundwinkel gehen nach oben. Beim Hineinbeißen gibt es erst ein leicht knackendes Geräusch, welches dann leiser und weicher wird und an ein Raspeln erinnert.( Der Verstand versucht einen Vergleich zu finden um das auszudrücken.). Es schmeckt leicht süßlich, auch ein wenig säuerlich und herb. Es fühlt sich irgendwie harmonisch an. Auf der Zunge kribbelt es leicht.

Ich merke, wie schwierig es ist ohne den Verstand etwas zu beschreiben, ohne Bewertungen oder Vergleiche.

Danke für diese interessante Aufgabe. Hab ein schönes Wochenende.
Liebe Grüße, Elke

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Sun Nov 20, 2016 2:26 pm

Liebe Elke,
Vor mir liegt eine Frucht. Sie ist so groß, dass sie gut in meiner Hand liegen kann. Sie hat runde Formen. Der Verstand sagt „Die Form ist kugelförmig und das ist ein Apfel“.
An der oberen Seite ist eine kleine Vertiefung (wie ein Trichter, sagt der Verstand). In dieser Vertiefung ist ein schmales längliches Teil von brauner Farbe. Der Verstand: „Das ist ein Stiel“.
Das machst du wirklich gut! Die Gedanken benennen alles sofort aufgrund von dem was uns beigebracht wurde, Erfahrungen und Bilder.


Mache einen Tag lang folgende Übung und schaue genau hin, inwieweit Gedanken die Welt erschaffen:

Benenne jede Erfahrung einfach als Farbe/Bild, Geräusch, Geruch, Geschmack, Empfindung, Gedanke.
Beispiele: Einen Baum sehen=Bild, Kaffee riechen=Geruch, Ein Auto hören=Geräusch, Zahnpasta schmecken=Geschmack, Gedanke an die Arbeit=Gedanke

Was stellst du fest? Wann benennen die Gedanken ein Erleben? Davor oder danach?
Findest du unter diesen Erfahrungen ein „Ich“, ein „Selbst“?

Ich bin gespannt was du entdeckst.

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Mon Nov 21, 2016 6:40 pm

Liebe Birgitta,

das war eine interessante Übung und (ich) habe festgestellt, dass da zuerst das Erleben ist, dann wird es benannt. Wenn der Focus mehr auf den Sinneswahrnehmungen liegt, sind da weniger Gedanken.
Da ist noch kein „ICH“. Auch kein „Selbst“

Später war da unter den Gedanken, die so auftauchen auch eine Frage nach der „dunklen“ Seite eines Menschen. Und die Erkenntnis, dass es so was wie eine dunkle Seite nicht gibt. Auch keine helle Seite, sondern nur aufeinanderfolgende Erfahrungen, Wahrnehmungen, Handlungen, Gefühle, Gedanken. Wenn „man“ (wer auch immer das sein mag) an den Gedanken darüber festhält und eine Geschichte daraus macht, entsteht ein Bild von einer Person – „so bin ich und das ist meine Geschichte“ oder „so ist der andere…“. Die Person als solche gibt es also nicht.
Aus den gedanklichen Festlegungen wird vielleicht so was wie ein (Computer)Programm erschaffen.

Es tauchte noch die Frage auf „aber wer macht das denn?“ vielleicht ist es ja nicht wichtig, das zu wissen. Es ist jedenfalls eine Änderung eingetreten, die ich nicht so genau definieren kann. Es macht sich auch körperlich bemerkbar durch Müdigkeit, Schmerzen in allen Muskeln. Aber da ist gerade niemand, der damit etwas tun müsste und keine Gedanken, dass das irgendwie so nicht in Ordnung ist.

Gibt es da noch mehr zu erforschen? Dann freue ich mich auf weitere Fragen oder Aufgaben.
Liebe Grüße, Elke

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Mon Nov 21, 2016 8:19 pm

Hallo Elke,

das hastu du sehr gut gesehen. Zuerst kommt das Erleben, dann wird benannt.
Da ist noch kein „ICH“. Auch kein „Selbst“
Wann/wie kommt es dann? Wie entsteht die ICH-Identifikation? Kannst du ein ICH-Zentrum irgendwo in deinem Körper konkret finden?
Aus den gedanklichen Festlegungen wird vielleicht so was wie ein (Computer)Programm erschaffen.
Es tauchte noch die Frage auf „aber wer macht das denn?“
Und die Frage geht auch gleich an dich zurück liebe Elke: Wer entscheidet und handelt? Handelt jemand oder findet Handeln einfach statt? Gibt es jemand der darüber entscheidet oder geschieht einfach?
Es macht sich auch körperlich bemerkbar durch Müdigkeit, Schmerzen in allen Muskeln. Aber da ist gerade niemand, der damit etwas tun müsste und keine Gedanken, dass das irgendwie so nicht in Ordnung ist.
Lass dir Zeit und ruhe dich auch aus. Es es ist jetzt viel Neues für dich. Nur mit genug Ruhe kannst du richtig hinschauen. Und prima, das da niemand ist, der etwas tun müsste!

Ich freu mich darauf was du entdeckst.

Liebe Grüße
Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Wed Nov 23, 2016 11:36 am

Liebe Birgitta,
beim Erforschen der Fragen gibt es an manchen Stellen mehr Klarheit, an anderen aber eher Verwirrung, Fragen und Rätsel.
Wann/wie kommt es dann? Wie entsteht die ICH-Identifikation? Kannst du ein ICH-Zentrum irgendwo in deinem Körper konkret finden?
In meinem Körper kann ich kein ICH - Zentrum finden. „ICH“ ist ein Gedanke, der mit einer bestimmten Vorstellung verknüpft ist. Säuglinge haben diesen Gedanken noch nicht. Er entsteht, wenn Gedanken an eine eigenständige, von anderen getrennte Person, entstehen. Er wird verbunden mit einer Einheit von einem Körper und den vermeintlich dazugehörigen Gedanken und Gefühlen. Es erfolgt auch eine Verknüpfung vergangener Erfahrungen mit der Gegenwart.
Wer entscheidet und handelt? Handelt jemand oder findet Handeln einfach statt? Gibt es jemand der darüber entscheidet oder geschieht einfach?
Wenn das ICH nur eine gedankliche Vorstellung ist, kann ICH auf jeden Fall nicht der Entscheider oder der Handelnde sein. Da ist noch der Gedanke, dass es so was wie einen geistigen Schöpfer (der dann auch der Entscheider ist) gibt, oder ein SELBST (wobei ich auch nicht so genau weiß, was das sein soll – es ist ja auch nur ein Wort). Aber irgendwo müssen ja auch die Gedanken herkommen. Für mich als scheinbare Person sind sie einfach da. Auch, wenn da noch manchmal der Gedanke ist, dass es „meine“ Gedanken sind.
Dann sehe ich eine Rechnung vor mir auf dem Tisch liegen. Und es kommt der Gedanke, dass es einen Menschen gibt, der diese Rechnung geschrieben und abgeschickt hat. Aber weiß ich es wirklich? Ich habe es nicht gesehen, so wie ich auch das Innere und die Rückseite des Apfels nicht sehen konnte. Nur in meiner Vorstellung ist er vollständig zu sehen.
In meiner Vorstellung sitzt auch irgendwo ein Mensch Namens Birgitta, der mir per Mail Fragen stellt und schreibt. Aber ist das wirklich so? Ich weiß es nicht. Vor mir erscheint ein Text auf dem Bildschirm und das andere denke ich hinzu. Es könnte also auch anders funktionieren…. Unklar ist nur, „wie?“.
Für mich als Mensch geschieht Handlung. Obwohl ich noch oft denke, ich tue etwas. Manchmal sehe ich aber deutlich, dass es einfach geschieht. Da ist schöne Musik und der Körper fängt ohne zu denken oder zu fragen „soll ich.. oder nicht…?“ einfach an, sich zu bewegen. Oder er springt plötzlich auf und tut etwas ohne dass es vorher eine bewusste gedankliche Entscheidung dazu gab.
Aber, es muss ja auch was geben, was diesen Körper belebt und ihn in Bewegung bringt, ihn steuert und vorher schon entschieden hat, dass da was passieren soll. Da sind gerade mehr Fragen und Rätsel als Wissen.

Ich hoffe, du hast noch ein paar gute Fragen, die helfen, des Rätsels Lösung zu finden.
Liebe Grüße, Elke

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Wed Nov 23, 2016 10:09 pm

Liebe Elke,
Da ist noch der Gedanke, dass es so was wie einen geistigen Schöpfer (der dann auch der Entscheider ist) gibt, oder ein SELBST (wobei ich auch nicht so genau weiß, was das sein soll – es ist ja auch nur ein Wort)...Aber, es muss ja auch was geben, was diesen Körper belebt und ihn in Bewegung bringt, ihn steuert und vorher schon entschieden hat, dass da was passieren soll....
Beobachte, wie du dich durch den Tag bewegst –
die Körperbewegungen, Reaktionen auf Situationen. Sieh nach, ob du in diesem Augenblick eine zentrale Instanz finden kannst, ein „Ich“, das die ganze Show leitet. Prüfe, ob du ein konkretes „Ich“ erkennen kannst, das Gedanken denkt, Gefühle hat oder die Körperfunktionen lenkt. Du kannst dies nur im eigenen direkten Erleben dieses Momentes finden.

Mit Direkten Erleben meine ich das, was du mit deinen Sinnen wahrnehmen kannst. Wie bei der Übung mit dem Apfel

Wenn du eine zentrale Instanz, ein ICH findest, beschreibe sie. Wie sieht sie aus? Hat sie eine Stimme? Kann sie angefasst werden? Riecht sie nach etwas, z .B. Rauch oder hat sie einen Geschmack?

Liebe Grüße,
Birgitta



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Liebe Grüße, prembodha

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Fri Nov 25, 2016 6:10 pm

Liebe Birgitta
Beobachte, wie du dich durch den Tag bewegst –
die Körperbewegungen, Reaktionen auf Situationen. Sieh nach, ob du in diesem Augenblick eine zentrale Instanz finden kannst, ein „Ich“, das die ganze Show leitet. Prüfe, ob du ein konkretes „Ich“ erkennen kannst, das Gedanken denkt, Gefühle hat oder die Körperfunktionen lenkt.
Die Gedanken sind einfach da, ich kann kein ICH oder eine andere Instanz im Körper oder meiner Umgebung finden, die diese Gedanken produzieren. Manchmal denke ich, ich will jetzt weniger denken, aber es funktioniert nicht.

Gefühle erscheinen ebenso. Oft geht dem Gefühl ein Gedanke voraus, so als könnte er die Ursache für ein Gefühl sein. Es gibt aber auch Gefühle, die einfach so erscheinen ohne Verbindung zu Gedanken. Die Gefühle erscheinen und werden im Körper wahrgenommen. Eine Stelle oder Instanz, wo sie herkommen oder jemanden, der sie hat,finde ich nicht.

Mit den Handlungen ist es ähnlich. Manchmal ist vor einer Handlung ein Gedanke da, „Ich sollte…./will jetzt mal….“ Und dann erscheint es nur als steuere „ich“ die Handlungen. Manchmal denke ich aber auch, z.B. „Ich sollte mal die Küche putzen….oder X. anrufen…“ Tue es aber nicht. Sondern tue ganz was anderes. Oft laufen Handlungen oder Reaktionen auf eine Situation „wie automatisch“ ab ohne, dass Gedanken dazu da sind.
Manchmal nehme ich so was wie einen Impuls wahr, bevor sich der Körper in Bewegung setzt, kann aber nicht feststellen, wo er herkommt. Er ist einfach da. Und die Handlungen finden einfach statt.

Auch, wenn ein Gedanke vor einer Handlung auftaucht, finde ich weder für den Gedanken noch für die Handlung den Verursacher oder den Lenker. Mit den Sinnen kann ich nur die Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Handlungen wahrnehmen. Nicht aber eine Instanz, die das erzeugt oder steuert.

Diese Erkenntnis war einigermaßen erschütternd. Dann habe ich ja auf nichts in meinem Leben einen Einfluss! Und habe es noch nie gehabt!
Kann weder stolz sein auf das, was „ich“ scheinbar erreicht habe, noch brauche ich mich schlecht fühlen, wenn ich was „falsch“ gemacht habe. Es ist ja nicht mal mein Verdienst, mir bewusst zu werden über etwas. Denn dann passiert auch das einfach so. Die Erkenntnisse kommen oder nicht und ich kann nichts dazu tun. Nicht mal die Entscheidung treffen, die Illusion durchschauen zu wollen oder „mich zu öffnen“ für irgendetwas.
Andererseits war es auch erleichternd. Dann sind Schuldgefühle überflüssig, da die Handlungen einfach stattfinden und „ich“ nichts falsch gemacht habe. Aber auch die Gedanken etwas falsch gemacht zu haben oder ein Schuldgefühl waren ja einfach da.

Dann kann ich ja jetzt ohne Kontrollversuche und Gedanken an die Zukunft ganz entspannt einfach nur das wahrnehmen, was jetzt gerade im Moment da ist! Wenn ich das nur entscheiden könnte...

Seit der Erkenntnis der Illusion über mich als Person vor ein paar Tagen ist es jedenfalls schon friedlicher gworden, obwohl es für den Körper einige Tage eher schmerzhafter, anstrengender war. Die Gedanken sind meist friedlicher und es ist weniger Widerstand da, weniger Gedanken, etwas regeln zu müssen.Öfter das Bewusstsein darüber, dass das jetzt nur Gedanken sind und gerade eine Geschichte daraus wird. Oder die Illusion einer Person, die gerade etwas regeln muss, sich schützen will o.ä.

Also herzlichen Dank für die hilfreichen Aufgaben und liebe Grüße, Elke

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby prembodha » Sat Nov 26, 2016 1:33 pm

Liebe Elke,

du hast das alles wirklich ganz toll und richtig erkannt. Ein großes Lob an dich.
Dann kann ich ja jetzt ohne Kontrollversuche und Gedanken an die Zukunft ganz entspannt einfach nur das wahrnehmen, was jetzt gerade im Moment da ist! Wenn ich das nur entscheiden könnte..
Ja so ist es. Es gibt keinen Steuermann, kein freien Willen und keine Kontrolle. Ist doch aber auch schön, wenn die erste Erschütterung der Erkenntnis erstmal vorüber ist. Du kannst dich ganz entspannt zurücklehnen :-)

Hier eine weitere Übung für dich:
Geh raus in die Natur... in einen Wald, Park oder Lichtung. Achte darauf wie sich Bäume, Sträucher, Blätter, Gräser, evtl. Tiere, Woken bewegt.

Was bewegt sich alles? Gibt es etwas was das Wetter macht, was sich die Bäume Sträucher usw bewegen lässt?
Was macht, dass die Wolken am Himmel ziehen und der Wind bläst? Gibt es irgendwo jemanden, einen Macher, der das alles macht?
Richte deine Aufmerksamkeit auch auf deinen Körper. Welche Empfindungen sind da? Beobachte wie auch dies sich bewegen und verändern. Sieh wie die Gedanken ein Teil von dieser Bewegung ist.

Gibt es irgendetwas was von allem anderen getrennt ist?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich dir.

Birgitta
Liebe Grüße, prembodha

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Re: aus dem selbst gezimmerten Stall ausbrechen

Postby ElkeWe » Sun Nov 27, 2016 7:56 pm

Liebe Birgitta,
ich bin selbst jedes Mal gespannt auf meine Antworten. Es braucht auch immer etwas Zeit.
Was bewegt sich alles? Gibt es etwas was das Wetter macht, was sich die Bäume Sträucher usw. bewegen lässt?
Was macht, dass die Wolken am Himmel ziehen und der Wind bläst? Gibt es irgendwo jemanden, einen Macher, der das alles macht?
Sehen kann ich nichts, was den Wind und die Bewegungen der Wolken oder der Bäume macht. Aber ich kann den Wind auf der Haut spüren.
Dazu sagt zunächst mein Verstand: „Der Wind entsteht, weil dort, wo die Sonne die Erde am meisten erwärmt, die Luft aufsteigt und dann von den Seiten neue Luft nachfließt. Dadurch entsteht Wind, der dann die Wolken und Pflanzen bewegt. Die Sonne lässt das Wasser verdunsten und es entstehen Wolken. Wenn es sich abkühlt, fällt das Wasser wieder als Regen zur Erde.“
Letztendlich „macht“ die Sonne aber gar nichts. Sie ist einfach nur da. Sie ist irgendwie Teil des Ganzen, Teil der Bewegungen. Das Wetter entsteht also einfach, da ist keiner, der was macht.
Richte deine Aufmerksamkeit auch auf deinen Körper. Welche Empfindungen sind da? Beobachte wie auch die sich bewegen und verändern. Sieh wie die Gedanken ein Teil von dieser Bewegung ist.
Im Körper kann ich verschiedene Empfindungen wahrnehmen: leichtes Kribbeln, wie ein Strömen durch den Körper, Druck auf dem Kopf, Wärme oder Kälte, zusammenziehen oder ausdehnen, vibrieren. Manchmal benennt der Verstand die Empfindung als Gefühl oder Körperwahrnehmung und teilt ein in angenehm oder unangenehm. Bei dem Urteil „unangenehm, will ich nicht“ zieht sich meistens etwas zusammen oder der Körper wird veranlasst, etwas zu tun. Bei „angenehm“ entspannt sich etwas. Wenn ich die Aufmerksamkeit auf eine Empfindung richte, ändert sie sich oft. Ein ständiges Wechselspiel und ein Kommen und Gehen.
Wenn im Außen eine Änderung geschieht (es wird kalt, regnet, die Sonne kommt hervor, Geräusche o.a.), reagiert der Körper darauf und die Empfindungen ändern sich wieder.
Gibt es irgendetwas was von allem anderen getrennt ist?
Wohl nicht. Mir scheint, viele kleine Systeme sind irgendwie mit einander verwoben und wenn irgendwo was passiert, hat das auf alle anderen Teile eine Auswirkung.

Liebe Grüße, Elke


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