Lang gesucht - noch nicht gefunden

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Lucas369
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Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Wed Dec 30, 2015 10:47 pm

Was führt dich zu Liberation Unleashed?:
Ich bin durch das Interview von Tom mit Theresa Arrieta auf Liberation Unleashed aufmerksam gemacht worden. Die Möglichkeit, einen direkten Guide zu haben, finde ich klasse und möchte mich gern darauf einlassen. Wirklich (endlich) frei zu sein, ist das einzige Ziel, das noch übrig geblieben ist. Alle anderen Ziele sind dem nach und nach zum Opfer gefallen :-) Ich bin schon seit ca. 25 Jahren auf der Suche, habe diverse Satsangs besucht, v.a. Maria-Anna Groß, Eli Jaxon-Bear und Samarpan. Diese Besuche waren jedoch nicht sehr zahlreich, vielmehr habe ich durch Selbsterforschung, nach den "Methoden" von Sri Nisargadatta Maharaj und Ramana Maharshi versucht, die Suche selbst zu einem Ende zu bringen. Nach dem Anschauen des Interviews (https://www.youtube.com/watch?v=pnby797e_Ko) habe ich das Gefühl, dass ich mich wahrscheinlich zu lange mit dem intellektuellen Verarbeiten - auch diverser Bücher - aufgehalten habe, anstatt viel häufiger (oder nur ein mal richtig...) direkt hinzuschauen.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?:
Ich habe so viele Bücher, v.a. der Advaita Tradition (Nisargadatta Maharaj, Ramana Maharshi, Ramesh Balsekar, Susan Segal, Satyam Nadeen, Maria-Anna Groß, etc.) gelesen und sogar selbst ein eigenes über das Thema verfasst*, dass ich in Satsangs oder Interviews immer das Gefühl habe, all die Antworten fast genau so geben zu können, wie die "Erwachten". Und doch scheint das zum Großteil nur intellektuell zu funktionieren. Obwohl ich direkt wahrnehmen kann, dass es nur die Kanäle der Sinne gibt, plus einen Denkkanal, der nicht nur Gedanken, sondern auch Vorstellungen wie Zeit, Raum und eben ein "Ich" vor die Wahrheit zu stellen vermag, so gibt es trotzdem noch immer das Gefühl, dass "ich" der Handelnde bin, gefolgt von den Folgen davon, wie etwa dem Gefühl der Verantworung oder der Schuld, falls etwas nicht wie gewünscht abgelaufen ist.
Ich meditiere jeden Abend direkt vor dem Schlafengehen und von Zeit zu Zeit, meist, wenn die Illusion mal wieder zu schmerzhaft ist, auch tagsüber. Dabei versuche ich, so wie Nisargadatta es immer empfohlen hat, alles loszulassen und mich auf das Gefühl "ich BIN" zu konzentrieren. Nach der Meditation fühle ich mich auch wieder gelassener und freier, doch bleibt eben die Identifikation bisher bestehen.

*Dieses wurde jedoch noch nicht veröffentlicht, da ich immer das Gefühl hatte, dass ich gern erst sicher wäre, ES wirklich vollständig erfasst zu haben.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?:
Ich erhoffe mir zum einen einen gewissen "Druck", den Anleitungen des Coachs auch wirklich nachzugehen. Wenn jemand nachfragt, ist es etwas anderes, als wenn ich mich nur mir selbst gegenüber zur Selbsterforschung verpflichten würde. Das "Ich" findet dann immer leichter Ausreden, warum es gerade heute wichtigeres zu tun gibt...
Zum Anderen kann jemand, der 100%ig weiß - und zwar nicht nur intellektuell - wovon er spricht, einfach besser erkennen, was mich vielleicht noch daran hindert, den entscheidenden Blick nach innen auf die richtige Art und Weise anzustellen.
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby 0kay » Thu Dec 31, 2015 6:42 pm

Willkommen, Lucas,

ich bin einer der Guide und wenn du magst begleite ich dich ein wenig.

Wie das funktioniert und was das Ziel des Nachschauens ist steht in den Bekanntmachungen, wenn du bitte oben neben der Forenübersicht das Wort Deutsch anklickst. Bitte lies zuerst alle Bekanntmachungen dort durch, bevor du hier antwortest.

(Wenn zwischendurch mal Zeit ist schau gern die abgeschlossenen Dialoge an.
Sie stehen dort etwas tiefer unter den Bekanntmachungen in "Abgeschlossene Dialoge - Archiv")

Wenn du mit den Bekanntmachungen fertig bist beantworte gern die ersten Fragen:

In welcher Weise wird dein Leben danach anders sein, was erwartest du davon?
Was stört, wodurch entsteht die Annahme, daß das Ziel noch erreicht werden muß?

Liebe Grüße
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Tue Jan 05, 2016 10:08 pm

Hallo Okay,

zunächst danke ich dir, dass du da bist, um mir zu helfen! Ich hatte nicht gewusst, dass es dieses Forum gibt und bin auch dankbar, es gefunden zu haben (oder es hat mich gefunden, was ja wohl dasselbe ist...:-)

Zu den Fragen:
In welcher Weise wird dein Leben danach anders sein, was erwartest du davon?
Ich erwarte einfach mehr Leichtigkeit, da ich erhoffe, nicht mehr das Gefühl zu haben, "ich" müsste mich um alles kümmern. Bisher fühlt es sich so an, als müsste "ich" Entscheidungen treffen, als würde "ich" die Verantwortung dafür haben und als müsste "ich" die Folgen ausbaden. Wenn ich Satsangs oder Interviews mit Erwachten anschaue, dann ist da immer die ähnliche Aussage, dass alles einfach geschieht und dass das Gefühl eines persönlich Handelnden nicht mehr vorhanden ist.
In der Folge müsste dann die Akzeptanz des Jetzt steigen (was Erwachte dann auch so beschreiben), denn wenn wirklich vollständig akzeptiert wird, dass das was IST, unabhängig von einem "ich" erscheint (weil es dieses ich gar nicht gibt), dann gibt es auch keinen Grund mehr, sich dagegen zu wehren, da es ja nicht mehr die Konsequenz von etwas ist, das "ich" getan - oder nicht getan - habe.
Was stört, wodurch entsteht die Annahme, daß das Ziel noch erreicht werden muß?
Es ist einfach immer so ein Druck da. Am besten hat das Satyam Nadeen in seinem Buch "Von der Zwiebel zur Perle" beschrieben: Er sagte, dass er vor dem Erwachen immer das Gefühl gehabt habe, etwas dringend tun zu müssen, ohne aber sagen zu können, was das denn genau sei.
Und genau so fühlt es sich an. Warum ist das so? Weil ich rein oberflächlich gesehen, den Eindruck habe, dieses Leben könnte so viel glücklicher und erfolgreicher verlaufen. Mir ist schon klar, dass dieses Gedankenmuster ständiges Leiden verursacht, aber es gelingt einfach nicht, das abzuschalten. Ich bin Musiker (ja, ich weiß, auch eine Identifikation...) und sehe wirkliche Begabung, die aber nur sehr begrenzt in Erfolg umgesetzt werden kann. Auch leide ich seit über 20 Jahren an Verdauungsbeschwerden und Durchblutungsstörungen an Händen und Füßen, die sich kaum verändern. Diese Dinge werden einfach vom Verstand als BEWEIS aufgefahren, dass nicht alles in Ordnung sein kann und dass ich eben etwas TUN müsste - und sei es, nach Erwachen zu streben.

[Ich weiß, dass das Erwachen nicht unbedingt Krankheitssymptome beseitigt. Mir ist auch klar, dass dies ein falsches Motiv ist, um nach Erwachen zu suchen. Ich fände es nur schon hilfreich, wenn mir diese Dinge ein Stück weit EGAL wären...]

Und irgendwie würde ich auch gern anderen helfen zu erwachen. Ich glaube, das würde mir Spaß machen.

Was ich noch sagen kann: Ich mache Selbsterforschung schon wirklich lange, mit Phasen, in denen ich es wirklich fast fanatisch betrieben habe, z.B. wenn ich nachts auf Toilette gegangen bin, habe ich mich sofort gefragt, wer das nun tut u.s.w.
Die Gedanken scheinen, wenn ich sie beobachte, wirklich nicht zu mir zu gehören. Ich kann ihnen zuhören, so wie man jemandem in der U-Bahn zuhört, wenn es einen nicht wirklich interessiert. Dadurch sind sie auch viel weniger geworden.
Doch es ist immer so eine Vorstellung da, die sagt, dass "ich" das sei (und irgendwie glaube ich es) - eine Mischung aus Gefühlen und einem Bild von meinem Gesicht (so wie ich denke, dass ich jetzt aussehe, mit dem Gesichtsausdruck etc.). Mir ist auch aufgefallen, dass dieses Bild sich verändert, je nachdem mit welchen Personen ich umgeben bin. Vermutlich mischt sich das mit den Vorstellungen, die diese Personen von "mir" haben... Aber das muss ich wahrscheinlich auch alles loslassen. Wenn ich genau hinsehe, sehe ich schon, dass es gar keine "anderen Personen" gibt und dass die Trennung zwischen "mir" und "den Anderen" vollkommen willkürlich ist...

So, nun hab ich ziemlich viel geschrieben, hoffe, du kannst damit was anfangen. Nochmals danke.
Liebe Grüße
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby 0kay » Tue Jan 05, 2016 11:02 pm

Danke fuer die ausfuehrliche Darstellung. Ich hatte das im April durchschaut, bin seit Mai Guide und sieben Suchende haben seitdem die Angelegenheit zusammen mit mir durchschaut, wobei ich lediglich der Tippgeber war, wo als naechstes geschaut werden koennte. Wenn etwas unklar ist oder Sorgen macht schreib das gern, wir koennen dann darauf naeher eingehen.
Wir untersuchen hier zuerst die direkte Erfahrung. Das, was die Sinne direkt hergeben, bevor Gedanken und Assoziationen hinzu kommen.
Das, was die Sinne direkt hergeben ist oft einfach und knapp zu beschreiben.

Beginnen wir mit der Suche nach dem ich. Ist da in dem, was die Sinne in direkter Erfahrung hergeben eines zu finden? Wo, welche Form hat es und wie macht es sich bemerkbar?
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Wed Jan 06, 2016 9:43 pm

Hallo Okay.

beim Riechen, Schmecken, Hören ist es ziemlich eindeutig, dass darin kein ich enthalten ist. Bei der Körperwahrnehmung ist es so, dass das Suchen hier visuell, also mit den Augen, geschieht. Dabei kann in den Wahrnehmungen, die z.B. den Händen oder Füssen zugeordnet sind, auch kein ich gefunden werden.

Schwierig wird es bei den Augen. Es wird irgendwie angenommen, dass ich mich "vor" den Augen (also quasi im Inneren des Kopfes) befinde. Der Versuch, hier ein ich zu finden, führt dann dazu, dass versucht wird, mit den Augen in die andere Richtung, also nach "innen" zu schauen, was aber kein Ergebnis bringt. Es führt nur dazu, dass die Augen angespannt sind und irgendwann leicht brennen. An diesem Punkt war ich schon ganz oft. Da komme ich irgendwie nicht weiter. Es ist zwar kein ich zu finden, aber es scheint doch eins - vor den Augen - da zu sein.

Daher habe ich mich dann immer lieber (wie Nisargadatta es empfiehlt) auf das Gefühl ich BIN konzentriert. Das fühlt sich zwar auch nicht wie ein ich an, aber dort stellt sich die Frage nach einem ich irgendwie auch gar nicht mehr...
Das Problem ist nur, dass ich im Alltag mich ja nicht ständig auf das ich BIN konzentrieren kann. Und dann scheint es da eben doch ein ich zu geben.

Liebe Grüße
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby 0kay » Wed Jan 06, 2016 11:19 pm

... auf das Gefühl ich BIN konzentriert.
Hier geht es eher darum ob das Gefühl ich BIN einen Besitzer hat, etwas konkretes, auf das es sich bezieht, oder ob das Gefühl auf einem Irrtum beruht.
Das ist vielleicht wie Schauen nach dem Weihnachtsmann: Alle erzählen davon, aber kannst du ihn finden, kannst du ein ich finden, wo?
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Fri Jan 08, 2016 4:55 pm

Hier geht es eher darum ob das Gefühl ich BIN einen Besitzer hat, etwas konkretes, auf das es sich bezieht, oder ob das Gefühl auf einem Irrtum beruht.
Wenn ich in das ich Bin eintauche, gibt es kein ich. Es ist dann einfach nur SEIN - ohne dass es sich auf jemanden bezieht.
Das scheinbare ich taucht erst wieder auf, wenn ich z.B. danach aufstehe, um andere Dinge zu tun. Am häufigsten scheine "ich" dann so ein Bild von meinem Gesicht zu sein, so wie dieses im Moment angenommenerweise aussieht, so als würde man sich im Spiegel betrachten. Ist es dann eine gute Idee zu schauen, WEM dieses Selbstbild erscheint, ob es also ein ich gibt, auf das sich das Selbstbild bezieht?

Ich habe noch eine andere Frage: Meinst du es ist gut, so wie ich es irgendwo hier gelesen habe, jeden Tag zu antworten? Oder macht es Sinn, manchen Hinweisen von dir auch mal mehrere Tage nachzugehen?

Liebe Grüße
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby 0kay » Fri Jan 08, 2016 9:05 pm

Hier ist mal so-sein, dann wieder Konzentration, arbeiten.
Dann wieder Entspannen und das tut sich dann einfach so, Tippen am PC oder hin und her schauen.

Schreib gern mehrfach täglich, damit das Arbeiten mit der direkten Erfahrung Gewohnheit wird und das Nachschauen.
Der ich-Eindruck und das vermeintliche drum herum: Sind da Grenzen?

Wenn ein Staat in den nächsten über geht, Deutschland und Dänemark vielleicht, ist da eine Grenze wenn der Schlagbaum weg ist, oder ist da keine Grenze wenn da kein Schild steht?
Wann ist Grenze, oder ist das nur so ein Wort ohne echten Wert?

Eine Übung:
Die Hand liegt auf dem Tisch, die Augen geschlossen.
So-sein, direkte Erfahrung was der Tastsinn fühlt.
Ist da eine Grenze bei Wahrnehmung Hand, Tisch, Welt, ich-Empfinden?
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Sat Jan 09, 2016 3:49 pm

Sorry, die Antwort ist etwas umfangreicher geworden, waren aber auch mehrere Fragen und die Dinge sind nicht immer einfach zu beantworten ;-)

Ich habe die letzten beiden Tage immer wieder diese Ich-Vorstellung in Form eines Gesichtes ("mein" Gesicht, wie ich es im Spiegel zum jeweiligen Zeitpunkt sehen würde) beobachtet und gestern abend habe ich ziemlich viel hier im Forum gelesen. Auch das scheint Veränderungen in Gang zu bringen.

Ich hatte später beim ins Bett gehen einen Moment, wo die Frage auftauchte: Was ist, wenn sich dieses Ich-Bild auf niemanden bezieht?
Bisher war in unbewussten Momenten dieses Bild als ich angesehen worden. Und in Momenten bewussten Beobachtens schien das ich einen Schritt zurückgetreten zu sein, um eben dieses Bild zu "entlarven", selbst aber eben noch als Beobachter anwesend zu sein. Und gestern nun dieser Eindruck, dass sich das Bild auf niemanden bezieht. Es ist nicht ganz leicht, das zu beschreiben, auch war es ganz subtil. Also das nur am Rande. Nun zu deinen Fragen:
Der ich-Eindruck und das vermeintliche drum herum: Sind da Grenzen?
Wenn ich bewusst nachschaue, dann gibt es natürlich keine Grenzen. Wo sollte ich aufhören und ein anderer anfangen? Also ganz klar: in den Wahrnehmungen gibt es keine Grenzen. Paradox ist aber, dass - obwohl ich auch sehen kann, dass es nur Wahrnehmungen gibt - es eine Art Parallelebene gibt (natürlich nicht wirklich, nur als ein erklärendes Konzept), die Vorstellungen enthält, z.B. "ich und die Anderen", "die große weite Welt" (der Raum an sich), die Zeit und andere. Und diese Vorstellungsebene bewirkt bestimmte Veränderungen in der klaren Wahrnehmung. Damit es nicht zu abgehoben ist, ein Beispiel:

Ich war eben draußen spazieren. Dabei begegnete mir ein Mann, den ich nicht kenne. Neben der Wahrnehmung, dass das gesehene Bild sich verändert, verändern sich auch andere Dinge: das Selbstbildnis (von dem ich oben sprach) wird stärker, d.h. die Wahrnehmung des Bildes wird stärker davon "überlagert". Die Gefühle verändern sich, es wird ein leichtes Unbehagen gefühlt. Man könnte auch sagen, der Mann wird als Nicht-Ich wahrgenommen und im Gefühl entsteht eine Ablehnung gegen diese Vorstellung.

Ich habe beobachtet, dass Dinge oder Personen immer dann stärker als Nicht-Ich empfunden werden, wenn sie entweder abgelehnt werden (d.h. das ich möchte sie ausgrenzen) oder ein Verlangen danach besteht (das ich möchte sie integrieren).

Aber, um das abzuschließen (bevor ich mich in Konzepten verheddere): Wenn man genau hinschaut, dann kommt eigentlich nie ein ich ins Spiel. Alles was da ist, sind sich verändernde Wahrnehmungen. Und trotzdem wird es immer wieder so empfunden. Ist schon ein merkwürdiges Spiel ;-)
Wenn ein Staat in den nächsten über geht, Deutschland und Dänemark vielleicht, ist da eine Grenze wenn der Schlagbaum weg ist, oder ist da keine Grenze wenn da kein Schild steht?
Wann ist Grenze, oder ist das nur so ein Wort ohne echten Wert?
Grenzen dieser Art sind für mich nur Worte. Es sind einfach Vorstellungen, auf die sich alle Leute geeinigt haben, die diese Dinge mitspielen wollen. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht trotzdem seinen Pass einstecken sollte :-))
Eine Übung:
Die Hand liegt auf dem Tisch, die Augen geschlossen.
So-sein, direkte Erfahrung was der Tastsinn fühlt.
Ist da eine Grenze bei Wahrnehmung Hand, Tisch, Welt, ich-Empfinden?
Es gibt keine Grenze. Weder kann man Hand und Tisch voneinander trennen, noch haben diese Worte etwas mit dem, was gespürt wird, zu tun. Selbst der Ort der Empfindung ist eigentlich nicht vorhanden. Es gibt (bzw. es gibt sie nicht...) eine Art Landkarte in der Vorstellung, die jeder Empfindung einen virtuellen Ort zuweist, wie bei einem dreidimensionalen Koordinatennetz. Der (0/0/0)-Punkt sind die Augen. Doch diese Vorstellung verblasst zusehends. Es scheint weder oben noch unten zu geben, alle Wahrnehmungen schweben irgendwo im Jetzt.
Zu ergänzen ist noch folgendes: Wenn ich mich auf die Wahrnehmung (der Hand) noch mehr konzentriere, dann bleibt nur diese eine Wahrnehmung im Fokus und alles andere wird ausgeblendet. Aber das ist nur, wenn der Wille, sich darauf zu konzentrieren vorhanden ist. Sonst werden auch andere Empfindungen wahrgenommen, aber - wie mir scheint - immer nur eine zur Zeit.

DANKE nochmal für deine Unterstützung. Es tut wirklich gut, endlich jemanden zu haben, mit dem man sich austauschen kann, noch dazu jemanden, der die Illusion durchschaut hat... Alle anderen in meiner Umgebung (Ahh, auch hier schon wieder eine Trennung :-) interessieren diese Dinge so gar nicht...
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby 0kay » Sat Jan 09, 2016 11:51 pm

Wenn ich bewusst nachschaue, dann gibt es natürlich keine Grenzen.
Wie sind denn die Grenzen des ich, deren Positionen?
Im Kopf?
Um den Körper?
Um den Häuserblock?
Mal hier, mal da?
Gar keine?

Wenn das ich keine Grenzen hat, wo ist es dann?
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Sun Jan 10, 2016 4:46 pm

Ich habe heute den ganzen Tag über immer wieder hingeschaut, ob bzw. wo die Grenzen des ich sind. Aber so sehr ich auch schaue, ich finde nichts wirklich neues. Es ist so, wie oben beschrieben. Das ich macht sich v.a. an diesem Ich-Bild fest. Alles drum herum wird dann als Nicht-Ich wahrgenommen. Der Körper wird da nicht so sehr beachtet. Die Grenzen sind daher am ehesten im Kopf zu finden.

Wenn ich mit der Taschenlampe der bewussten Wahrnehmung schaue, dann lösen sich die Schatten der Grenzen auf - und ich kann keine mehr entdecken. Aber das nützt halt wenig, da die Illusion bestehen bleibt...

Es tut mir leid, dass ich nichts neues herausgefunden habe... Aber ich bleibe dran ;-)

Nachtrag: Wenn ich allein bin, dann nehme ich kaum Grenzen wahr. Wenn ich dann die Frage stelle: Wer bin ich? , dann komme ich schon ab und an ins Sein, wo es weder ich noch etwas anderes gibt. Wenn aber andere Menschen um mich herum sind, dann sind die imaginären Grenzen eher zu spüren.
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby 0kay » Sun Jan 10, 2016 7:27 pm

Die Befindlichkeit hier und jetzt, kannst du den Zustand festhalten, daß er so bleibt?
Kannst du einen Gedanken festhalten, anhalten?
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Sun Jan 10, 2016 9:08 pm

Die Befindlichkeit hier und jetzt, kannst du den Zustand festhalten, daß er so bleibt?
Nein, das kann ich nicht. Der Zustand ändert sich ständig. Ich kann zwar versuchen, mich gesund zu ernähren und z.B. keine Schokolade zu essen, damit der Körper fit bleibt. Aber auch das klappt manchmal und manchmal nicht. Ich habe darauf irgendwie keinen Einfluss... (Gute Vorsätze sind das Tor zur Hölle...)
Kannst du einen Gedanken festhalten, anhalten?
Auch Gedanken lassen sich nicht festhalten. Es ist zwar möglich, beispielsweise den Gedanken "Ich fühle mich gut." immer wieder hintereinander zu denken. Aber da das anstrengend ist, verliert man irgendwann die Lust, damit weiter zu machen. Und dann kommen und gehen wieder andere Gedanken.

Es macht also wohl keinen Sinn, zu versuchen, bestimmte Dinge tun zu wollen oder denken zu wollen... Denn wenn es ein ich gäbe, das Einfluss hätte, dann könnte es diese Dinge verändern...

***

Ich hab noch eine andere Frage: Wie siehst du das? Muss man, um die Illusion zu durchschauen, alle anderen Ziele fallen lassen? Darf man nur dieses eine Ziel haben oder ist es ok, wenn auch andere Ziele verfolgt werden, z.B. beruflich erfolgreich zu sein? Eli Jaxon-Bear hat mal gesagt, man dürfe nur das eine Ziel haben, zu erwachen und dieses dürfe nicht nur irgendwo auf einer Liste von Zielen stehen... Er sagt: " First start with: What do you want?"

Oder sind das wieder nur nutzlose Konzepte? Wenn ein Ziel da ist, dann ist das eben so. Wenn viele Ziele da sind, ist das auch einfach so. Lieber sich nicht darum kümmern und statt dessen, schauen, was JETZT ist???
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby 0kay » Sun Jan 10, 2016 10:41 pm

Hier war es so, daß das Leben stattfand. Unruhig zwar, aber es wurde eingekauft, gearbeitet, spazieren gegangen. Die Suche hatte allerdings einen hohen Stellenwert, ich war mehrfach täglich nachschauen, ob es eine neue Frage gab.

Kann es anders sein, ist da ein ich das die Suche ändern kann?
Ist da ein ich, das die momentanen Gedanken und Gefühle ändern kann?
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Mon Jan 11, 2016 10:06 am

Guten Morgen,

ich freue mich immer, wenn ich neue Fragen bekomme :-) Etwas Irritation ist allerdings vorhanden, dass du viele meiner Fragen nicht beantwortest, sondern statt dessen neue stellst. Magst du etwas darüber sagen? [Ansonsten sehe ich es einfach so, dass die Antworten - und die Fragen - wohl nicht wirklich wichtig waren...]
Kann es anders sein, ist da ein ich das die Suche ändern kann?
Ist da ein ich, das die momentanen Gedanken und Gefühle ändern kann?
Wenn ich direkt schaue, gibt es kein ich - und auch keine Suche. Ebenso ist kein ich zu finden, dass Gedanken und Gefühle ändern könnte. Aber ich gebe mich damit nicht zufrieden, sondern schaue heute weiter danach...

Bis später...
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