Direct Pointing mit Ernesto

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Ernesto
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Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Wed May 14, 2014 9:20 pm

Liebe Guides,

hiermit gebe ich mich in eure Hände. Ich bin 2012 erwacht, d.h. ich hatte eine Erfahrung, die mich radikal
verändert hat. Meine Ängste sind von mir gefallen und ich habe mich mit allem eins gefühlt. Es war unspektakulär,
während einer Bahnfahrt nach dem Anschauen eines Videos von Eckhart Tolle. Mit dieser Neugeburt habe ich auch
erkannt, dass das Ich wie ein Traum ist. Seitdem bin ich auf dem Weg. Ich würde dennoch gerne diese Erfahrung wiederholen und das Durchdringen der Illusionen des Geistes festigen.
Da ein Nicht-Erwachter mich in einer Konversation zu LU mit dem Hinweis lotste hier könne ich Hilfe bekommen,
bin ich hier. Ich wusste gar nicht, dass ich Hilfe brauche :-), aber oben habe ich ein Ziel beschrieben, bei dem ich
Hilfe gebrauchen kann. Wie kann ich euch also bei eurer Hilfe behilflich sein? Danke.

LG

Ernesto

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Joram
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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Thu May 15, 2014 4:21 pm

Hallo Ernesto,

ich möchte dich gerne ein Stück begleiten.

Die Regeln des Forum`s hast du gelesen?
http://liberationunleashed.com/nation/v ... f=18&t=337

Ich gehe davon aus und lege einfach los.
Solche Erfahrungen wie Du sie eben gemacht hast, kennt hier jeder. Es ist ganz normal. Jeder hier weiß, dass das „Ich“, eine Illusion ist.
Seitdem bin ich auf dem Weg. Ich würde dennoch gerne diese Erfahrung wiederholen und das Durchdringen der Illusionen des Geistes festigen.
Wie passen „auf dem Weg“ und „Erleuchtet“ zusammen?
Erleuchtet, oder „nicht ganz erleuchtet“? ;-)
Und wenn auf dem Weg – was suchst Du genau?
Was bedeutet „Durchdringen“? Was fehlt noch?
Bist Du dauernd „mit allem ‚Eins‘“?
Ist die Empfindung, dass das „Ich“ eine Illusion ist, beständig?
Sind die Ängste dauernd verschwunden?

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Ernesto
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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Fri May 16, 2014 10:19 pm

Lieber Joram,

danke, dass du mit mir diesen Dialog führst.

Die Frage wie "Auf dem Weg" und "erwacht" zusammen passen suggeriert, dass sie nicht ganz zusammen passen :-).
Ich hatte ein Erwachens-Erlebnis, es war tatsächlich ein Beginn eines neuen Lebens. Vorher fand ich den Atheismus überzeugend, doch seitdem Erwachen verstehe ich jede Religion und empfinde Sanftmut mit allen, die auf der Suche sind. Dem Erwachen folgten weitere Schritte. Das Ich, das sich Jahrzehnte gefestigt hatte, war durchschaut, aber nicht sofort außer Kraft. Die Konditionierungen sind stark. Es ist ein wenig wie im Film die Matrix wenn Neo wehmütig in etwa sagt "Dort drüben in dem Restaurant, dort habe ich immer Nudeln gegessen. Die waren lecker."
Kurz gesagt (ich weiß nicht wieviel ich lamentieren darf :-)), passen Erwachen und auf dem Weg sein zusammen.
Ersteres ist ein Erlebnis, das ich noch nicht als Erleuchtung ansehen würde, oder als eine abgeschwächte Form davon. Mein Erwachen war nicht eine sofortige, vollkommene Auslöschung des Ich und auch kein sofortiges durchdringendes Verständnis. Zur Erfahrung gesellt sich mit der Zeit auch das geistige Verständnis.

Auf dem Weg, ja, dies bejahe ich. Ich bin auf dem Weg und glaube, werde es immer, solange ich lebe sein. Denn ich lerne und frage mich wie Gott diese Welt beschaffen haben möge und ob er und wie mit uns kommuniziert, was die Welt im Kleinsten zusammenhält und was Liebe ist und Emergenz und der Sinn des Leidens.
Dem Jetzt gesellte ich ein Hier später bei, und verstand, dass das Jetzt nicht reicht. Das Hier gehört dazu. Ich möchte auch die Zeit besser verstehen. Ich frage mich, warum die Welt so beschaffen ist, dass jederzeit die Glaubensfrage offen bleiben kann und ob dies der Preis der Freiheit ist, dass wir leiden können/müssen.
Zuletzt dachte ich, dass das Durchschauen der Ich-Illusion nahezu bedeutungslos sei, weil man nur mehr über sich weiß aber die Welt, versteht man sie, oder Gott, zutiefst? Yogananda beschreibt spirituelle Fähigkeiten, von denen ich weit entfernt bin. Wie etwa, dass er sich räumlich von seinem Körper entfernte um nachzuschauen, was in einem Lokal passiert. Ich frage mich ob dies und die magisch anmutenden Fähigkeiten der Yogi wahr und jedem wirklich jedem zugänglich sind. Vielleicht suche ich Gott. Ich glaube ihn gefunden zu haben doch es zieht mich hinan, ihm noch näher zu kommen.

Durchdringen bedeutet für mich mehr als nur die Ich-Illusion zu durchschauen oder dessen Traumhaftigkeit erfahren zu haben. Ich kann perspektivisch zum ICH wechseln und verweile gerne im Bewusstsein des Bewusstseins und lerne im Jetzt zu leben. Diese Vertiefung im Jetzt intensiviert sich mit der Zeit. Dies ist auch ein Weg. Das neue ICH wird zum natürlichen, zentralen Mittelpunkt.

Ich bin nicht dauernd mit allem eins. Dieses tiefe Gefühl fühlte ich beim Erwachen oder kurz danach einige Tage, Wochen. Ich fühlte wie mein Herz wie ein Lotusblüte sich öffnete und dachte an Arme Menschen. Einst spürte ich etwas, das ich umschreiben würde als ein Gefühl Jesus im Körper zu Besuch zu haben, um dann zu verstehen, dass jede Regung, jedes Atom zählt, um seine Reinheit anzunehmen. Vielleicht stattete mir der Herr einen kurzen Besuch ab, um mir etwas mitzuteilen :-).

Die Empfindung, dass das Ich eine Illusion ist, ist beständig. Dieses Thema ist für mich sozusagen durch. Ich habe erfahren und weiß, dass meine Gedanken, Emotionen, Wahrnehmungen nicht eine gesonderte, sich nicht wandelende Entität bilden, der ein Name gegeben werden kann und der unabhängig von der Welt existiert. Dieser Traum ist aufgelöst und die Erfahrung sehr viel Wert. Dennoch habe ich Wünsche und genieße Dinge und leide auch an Dingen, wobei das Leiden sich stark reduziert. In Zeiten des Leidens besinne ich mich auf den Augenblick und schätze es diesen akzeptieren zu dürfen und genieße den Witz des Herren, den er mir auch gerne kredenzt.

Die Ängste sind dauernd verschwunden. Zuvor waren diese Ängste unbewusst stärker da, jetzt bin ich glaube ich frei von ihnen. Es gibt mir eine unglaubliche Stärke und eine Freiheit, die ich liebevoll verwalten möchte.

LG

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Joram
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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Sat May 17, 2014 6:44 am

Ich würde dennoch gerne diese Erfahrung wiederholen
Was genau wünschst Du zu wiederholen? Was hattest Du „damals“, was Du jetzt nicht mehr hast?
Zur Erfahrung gesellt sich mit der Zeit auch das geistige Verständnis.
Hast Du ein Beispiel, aus der eigenen Erfahrung, für dieses geistige Verständnis was mit der Zeit sich verändert/wächst?
Denn ich lerne und frage mich wie Gott diese Welt beschaffen haben möge und ob er und wie mit uns kommuniziert, was die Welt im Kleinsten zusammenhält und was Liebe ist und Emergenz und der Sinn des Leidens.
Gott und Du - getrennt? Und wenn getrennt – wer bist Du?
Ich frage mich, warum die Welt so beschaffen ist, dass jederzeit die Glaubensfrage offen bleiben kann und ob dies der Preis der Freiheit ist, dass wir leiden können/müssen.
Ist die Welt so beschaffen, dass jederzeit die Glaubensfrage offen bleiben kann, oder ist es vielleicht nur eine/deine Vorstellung, dass es so ist? Woher die Sicherheit, dass es so ist?
Zuletzt dachte ich, dass das Durchschauen der Ich-Illusion nahezu bedeutungslos sei, weil man nur mehr über sich weiß
Was weiß man mehr über „Sich“? Ist der Satz „es gibt nichts ‚über sich‘ zu wissen“, unstimmig?
Yogananda beschreibt spirituelle Fähigkeiten, von denen ich weit entfernt bin.
Na nu, das liest sich wie ein Verlangen nach einem noch größeren spirituellen „Ich“, was viel mächtiger ist, als das „alte Ich“, das gerne geopfert werden soll, um noch größer aus dem „Nicht-Ich“ aufzuerstehen - so eine Art spirituellen „Superman“… oder habe ich Dich falsch verstanden?
Vielleicht suche ich Gott. Ich glaube ihn gefunden zu haben doch es zieht mich hinan, ihm noch näher zu kommen.
Wieder: Gott und Du - getrennt? Und wenn getrennt – wer bist Du?
Ich kann perspektivisch zum ICH wechseln und verweile gerne im Bewusstsein des Bewusstseins und lerne im Jetzt zu leben. Diese Vertiefung im Jetzt intensiviert sich mit der Zeit. Dies ist auch ein Weg. Das neue ICH wird zum natürlichen, zentralen Mittelpunkt.
Neues „Ich“, altes „Ich“ – Oben hast Du geschrieben: "Mit dieser Neugeburt habe ich auch
erkannt, dass das Ich wie ein Traum ist." Neues „Ich“, altes „Ich“, neuer Traum alter Traum...
Dennoch habe ich Wünsche und genieße Dinge und leide auch an Dingen, wobei das Leiden sich stark reduziert. In Zeiten des Leidens besinne ich mich auf den Augenblick und schätze es diesen akzeptieren zu dürfen
Solange die Ichillusion nicht wirklich durchschaut wird, wird es Leiden geben, weil die Identifikation mit einer falschen Vorstellung unmöglich zu inneren Frieden führen kann.


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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Sat May 17, 2014 8:54 pm

Sorry, dies ist mein zweiter, etwas müder Versuch zu antworten, da meine erste durch eine Timeout-Funktion im Nirvana aufging. Die Technik scheint damit weiter zu sein als ich. :-)

Ich würde gerne dieses Erleuchtungserlebnis wiederholen. Diese Nähe zu der „Quelle“ war damals gegeben, heute ist es etwas verblasst und hat sich gewandelt. Heute erlebe ich auch Glück im Jetzt und Frieden aber diese tiefe Verbundenheit mit allem verspüre ich nicht mehr derart, es ist nun mehr eine Erinnerung daran.

Beispiele für die Entwicklung und Vertiefung des geistigen Verständnisses sind die Annäherung an das Jetzt, das Erkennen, dass alle Menschen an der Verfangenheit des konditionierten Geistes leiden. Das Erkennen, dass das Akzeptieren des Augenblicks die natürliche Begegnung des Geistes mit der Welt darstellt. Das Verständnis, dass alle Religionen das Eine suchen, das nicht gewusst sondern nur erfahren werden kann.

Gott und ich sind getrennt, je nachdem wie man sprachlich „Trennung“ verwendet. Ich bin Teil der Welt, damit nicht getrennt. Auch das Erwachen ist eine Erfahrung, die die Trennung aufhebt. Dennoch besteht eine Trennung im Sinne eines unterschiedlichen Seins. Ich oder ICH bin nur eine Spiegelung Gottes, ein Licht, das weniger Lumen hat als der Allmächtige :-).
Zur Glaubensfrage: Ich stellte diese als Frage, also keine Sicherheit. Ich glaube, dass die Welt so beschaffen ist, dass jederzeit die Glaubensfrage offen bleibt. Denn selbst das Erwachen und die jegliche Erfahrung der Liebe, des Mitgefühls und der Einheit noch eine Funktion eines programmatischen Ablaufs eines Naturwerkes sein könnte. Wer mag beweisen, ob das Bewusstsein nicht allein ist? Ist nicht jede Deutung eines jeden Erlebnisses nicht letztich eine Deutung? Auch wenn sie eine Sicherheit suggeriert, dass hinter dem Erlebnis eine bewusste Gottheit mit uns spricht? Ich glaube man kann in jedem Augenblick Gott auch zurückweisen und sich auf die Kälte der Welt berufen, die deterministisch erscheint. Und das Leiden ist aber auch ein Teil der Welt, also Teil Gottes. Wenn an den Formen sich Gott spiegelt und erfährt, so lotet er die Kraft seiner Liebe aus, die befähigt, zu glauben. Aber warum? Eltern tragen ihre Kinder durchs Leben und schenken ihnen Freiheit, lassen sie auch mal bewusst stolpern damit es Erfahrungen sammelt, doch wäre Gott eines solchen Schauspiels würdig, uns das Thema Freiheit durchexerzieren zu lassen? Eltern verstehen nicht die Welt, also könnte ein solcher Gott nur in einer Zwischenwelt, in einer zwischengöttlichen Welt Sinn machen, wo er bereits mächtig genug ist, derart zu walten und Welten zu erzeugen aber hinter welchem immer noch eine tiefere Wahrheit steht, die auch er nicht ganz versteht oder durchdrungen hat. Das bedeutet wir wären eine Art Simulation in der wahren Welt. Falls dem so ist, sei hiermit den Beobachtern, sofern sie zuschauen viel Freude an dieser Konversation gewünscht :-).

Ist der Satz „es gibt nichts ‚über sich‘ zu wissen“, unstimmig?
Wenn das ICH nur erfahren und nicht gewusst werden kann, ist er stimmig. Über den Menschen kann man viel wissen und lernen. Ist für Erwachte Bildung notwendig? Oder wissen sie bereits alles? Sie werden anders lernen. Die Erfahrung der Ich-Illusion kann auch als ein Wissen aufgefasst werden. Es ist sogar ein ungeheuer schwer wiegendes Wissen, um deren Verantwortung man sich den Kopf zerbrechen kann. :-)

Neuer Traum, alter Traum. Gibt es einen Beweis des endgültigen Erwachens? :-) Der neue Traum kann aber auch rein durch sprachliche Verwirrung suggeriert sein, wenn man nach dem Erwachen immer noch in Ich-Form spricht um Selbstbezug anzudeuten. Das neue Ich ist mehr ein ICH, wenngleich das alte Ich aber nicht vollkommen ausgelöscht ist und als Erinnerung und auch als teils noch aktive Form besteht auch wenn ihr illusionärer Charakter zutiefst verstanden wird, weil es erfahren wurde. Mit dem Erwachen beginnt eine Dekonstruktion des alten Ich, evtl. haben auch Manche ein derart perfektes Erwachen, dass ihr altes Ich plötzlich gänzlich von ihnen abfällt und sie der Welt vollkommen neu begegnen. Aber auch sie werden sich an ihr altes Ich erinnern, es wird nicht vergessen sein.

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Sun May 18, 2014 6:24 am

Sorry, dies ist mein zweiter, etwas müder Versuch zu antworten, da meine erste durch eine Timeout-Funktion im Nirvana aufging. Die Technik scheint damit weiter zu sein als ich. :-)
schade. Eine mögliche Lösung wäre eine Textverarbeitungsprogramm zu verwenden ;-)
Ich würde gerne dieses Erleuchtungserlebnis wiederholen. Diese Nähe zu der „Quelle“ war damals gegeben, heute ist es etwas verblasst und hat sich gewandelt. Heute erlebe ich auch Glück im Jetzt und Frieden aber diese tiefe Verbundenheit mit allem verspüre ich nicht mehr derart, es ist nun mehr eine Erinnerung daran.
Übersetzt: “Ich“ möchte die „Ichlosigkeit“ wieder erleben...
Wie groß ist der Abstand zwischen Dir und die „Quelle“ gerade jetzt?
Gott und ich sind getrennt, je nachdem wie man sprachlich „Trennung“ verwendet.
Gott und Du seid nicht getrennt und es hat mit der Sprache nichts zu tun.
Du bist Gott. – Wie willst Du diese „nicht-Trennung“ wiederlegen? - Oder macht Dir diese Vorstellung - Ich bin Gott - Angst?
Ist der Satz „es gibt nichts ‚über sich‘ zu wissen“, unstimmig?
Wenn das ICH nur erfahren und nicht gewusst werden kann, ist er stimmig. … … Die Erfahrung der Ich-Illusion kann auch als ein Wissen aufgefasst werden.
Wiederspricht Du dich selber gerade? Das „Ich“ kann erfahren werden und dann „Die Erfahrung der Ich-Illusion“? - Wie kann ein „Ich“ erfahren werden, wenn das „Ich“ nur eine Illusion ist? Oder ist das „Ich“ doch „echt“? Oder „mal ‚echt‘ und mal ‚nicht echt‘?


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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Sun May 18, 2014 10:35 am

Zur Technik: Genau, ich antworte jetzt in Word und kopiere den Text in die Schnellantwortbox.
Zum Abstand zur „Quelle“ jetzt: Es ist ein gewisser Abstand da. Familie (2 Kleinkinder) und Alltag haben Einfluss auf die Aktivität des alten Ich. Ich ruhe nicht immer in mir selbst , dennoch bin ich mit der Quelle unentwegt verbunden würde ich sagen.

„Du bist Gott. – Wie willst Du diese „nicht-Trennung“ wiederlegen? - Oder macht Dir diese Vorstellung - Ich bin Gott - Angst?“
Wenn Gott als das Bewusstsein verstanden wird, habe ich Anteil an diesem Gewahrwerden. Ja, dann bin ich Gott. Das „Sei still und wisse du bist Gott.“ ist sicher eine tiefe und manchmal vielleicht beängstigende Weisheit. Nein, keine Angst. Wenn Gott aber als die gesamte Welt aufgefasst wird, so bin ich dies nicht, nur ein Teil davon, nur eine Abfärbung. Ich bin d’accord mit der spirituellen Einsicht, dass wir mit Gott oder der Natur verbunden sind. Das Erwachen hat mich befähigt dieses ICH zu werden. Ich habe Respekt vor Gott, der sich nicht im ICH erschöpfen mag. Es gibt größeres neben meinem ICH, auch wenn das ICH daran Anteil hat. Vielleicht hat das Christentum dafür die Konzepte der Dreifaltigkeit erdacht. Das ICH wäre der Heilige Geist etwa, Gott ist aber nicht der Heilige Geist, in Gott wird das Gewahrwerden erst möglich, er trägt den Heiligen Geist als wahrnehmbares Erleben in sich. Also hieher kommt meine ich denke nur scheinbar paradoxe Differenzierung zwischen Verbundensein und gleichzeitiger Trennung zu Gott. Wir hantieren letztlich doch mit Begriffen, die man unterschiedlich mit Bedeutungen belegen kann.
Zur Frage: „Ernesto: Wenn das ICH nur erfahren und nicht gewusst werden kann, ist er stimmig. … … Die Erfahrung der Ich-Illusion kann auch als ein Wissen aufgefasst werden.
Joram: Wiederspricht Du dich selber gerade? Das „Ich“ kann erfahren werden und dann „Die Erfahrung der Ich-Illusion“? - Wie kann ein „Ich“ erfahren werden, wenn das „Ich“ nur eine Illusion ist? Oder ist das „Ich“ doch „echt“? Oder „mal ‚echt‘ und mal ‚nicht echt‘?“
Nein, es besteht kein Widerspruch. Die Ich-Illusion, einmal durchschaut, besteht auch als Wissen im Geist. Ich weiß, dass das kleine Ich eine Illusion ist. Ich bin nicht meine Gedanken etc. Ich habe gelernt, dass dies ein traumhafter Zustand ist. Dieses kleine Ich ist aber nicht gänzlich aufgelöst, es besteht als abgeschwächte Konditionierung fort und kann in schwierigen Situationen zum Vorschein kommen. Ich habe sicher viel mehr Kontrolle darüber aber eine 40-jährige Konditionierung ist zumindest für mich nicht über Nacht abgelegt. Auch wenn ich manchmal augenblicklich sehe, dass meine Nerven mich treiben, so ist aber eben so. Es löst sich auf in meinem ICH, aber es passiert, dass ich sozusagen „rückfällig“ werde. Der Traum ist wie eine Droge. Dies knüpft an meinen Wunsch an, dieses Ich gänzlich aufzulösen, sodass nur noch das ICH weiter besteht. Bildlich gesehen passiert mir also Folgendes, dass wenn man es in der Terminologie des Matrix-Films formuliert, ich gelegentlich in das Lokal gehe, wo es diese leckeren Nudeln gibt. 

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Sun May 18, 2014 12:47 pm

Zum Abstand zur „Quelle“ jetzt: Es ist ein gewisser Abstand da. Familie (2 Kleinkinder) und Alltag haben Einfluss auf die Aktivität des alten Ich. Ich ruhe nicht immer in mir selbst , dennoch bin ich mit der Quelle unentwegt verbunden würde ich sagen.
Gibt es WIRKLICH ein gewisser Abstand, oder ist es nur eine "Vorstellung vom Abstand"? – Schau genau hin.
Wenn Gott als das Bewusstsein verstanden wird, habe ich Anteil an diesem Gewahrwerden. Ja, dann bin ich Gott. Das „Sei still und wisse du bist Gott.“ ist sicher eine tiefe und manchmal vielleicht beängstigende Weisheit. Nein, keine Angst. Wenn Gott aber als die gesamte Welt aufgefasst wird, so bin ich dies nicht, nur ein Teil davon, nur eine Abfärbung.
Da sprichst Du von „Gott“, ohne klare Vorstellung zu haben was Gott sei, oder? Können wir uns einigen, dass das Wort „Gott“ ein Konzept ist? Können wie den Austausch ohne diesen Konzept, da ziemlich beladen, weiter führen?
Wie wäre es mit „Ich bin mit allem verbunden“, oder: „Alles ist leer“ - Beschreibungen, die die eigene Empfindungen darlegen und weniger „unklare, undefinierbare Konzepte“? ;-)
Nein, es besteht kein Widerspruch. Die Ich-Illusion, einmal durchschaut, besteht auch als Wissen im Geist. Ich weiß, dass das kleine Ich eine Illusion ist.
okay, das kleine Ich eine Illusion. Das können wir festhalten. Was für ein „Ich“ ist keine Illusion?
Dieses kleine Ich ist aber nicht gänzlich aufgelöst, es besteht als abgeschwächte Konditionierung fort und kann in schwierigen Situationen zum Vorschein kommen.
Na, Du sagst es doch selber: „es besteht als abgeschwächte Konditionierung“. Wie will man eine abgeschwächte Konditionierung auflösen – das wäre eine pragmatische Frage ;-) Die Antwort hat mit Übung zu tun. Immer wieder sich daran erinnern, immer wieder sich damit beschäftigen, bis die Konditionierung (vielleicht…) sich auflöst.
Es löst sich auf in meinem ICH, aber es passiert, dass ich sozusagen „rückfällig“ werde. Der Traum ist wie eine Droge. Dies knüpft an meinen Wunsch an, dieses Ich gänzlich aufzulösen, sodass nur noch das ICH weiter besteht. Bildlich gesehen passiert mir also Folgendes, dass wenn man es in der Terminologie des Matrix-Films formuliert, ich gelegentlich in das Lokal gehe, wo es diese leckeren Nudeln gibt.
Wer will das „Ich“ loswerden? „Ich“ ;-) So geht es nicht. Nicht „loswerden“. Erkennen was IST.
Gehe doch in das Lokal wo es diese leckeren Nudeln gibt. – Wisse aber um die „Echtheit/Unechtheit der Erfahrung“ ;-)
Und wieder: "ICH" oder "ich" - was meinst Du mit dem "ICH" was bestehen soll? Erkläre es bitte so genau wie möglich.

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Sun May 18, 2014 9:41 pm

„Gibt es WIRKLICH einen gewissen Abstand, oder ist es nur eine "Vorstellung vom Abstand"? – Schau genau hin.“:
Jetzt gibt es keinen Abstand. Wenn ich manchmal schimpfe wegen Alltagsstress, deute ich dies als echten Abstand.
„Da sprichst Du von „Gott“, ohne eine klare Vorstellung zu haben was Gott sei, oder? Können wir uns darauf einigen, dass das Wort „Gott“ ein Konzept ist? Können wie den Austausch ohne dieses Konzept, da ziemlich beladen, weiter führen? Wie wäre es mit „Ich bin mit allem verbunden“, oder: „Alles ist leer“ - Beschreibungen, die die eigene Empfindungen darlegen und weniger „unklare, undefinierbare Konzepte“? ;-)“
Jeder Gottesbegriff ist ein Konzept, einverstanden.

„okay, das kleine Ich eine Illusion. Das können wir festhalten. Was für ein „Ich“ ist keine Illusion?“
Erinnerungen an das Ich und dessen Wiederaufflackern z.B. in Form des Mitreißen-Lassens von Emotionen oder Gedanken.

„Na, Du sagst es doch selber: „es besteht als abgeschwächte Konditionierung“. Wie will man eine abgeschwächte Konditionierung auflösen – das wäre eine pragmatische Frage ;-) Die Antwort hat mit Übung zu tun. Immer wieder sich daran erinnern, immer wieder sich damit beschäftigen, bis die Konditionierung (vielleicht…) sich auflöst.“

Diesen Übungen bin ich unterworfen, kann ja gar nicht anders als zu üben seit dem Erwachen. Ich verstehe und dies passiert bereits. Eine Frage hätte ich hier, da wie im Kern bei dem Punkt bin, für den ich im Grunde um Hilfe hier ersuche: Könntest du mir deinen Tipp (letzten Satz: Immer wieder sich daran erinnern...) näher beschreiben. Mich würde interessieren welche Erfahrungen hier Andere Erwachte gemacht haben.
„Gehe doch in das Lokal wo es diese leckeren Nudeln gibt. – Wisse aber um die „Echtheit/Unechtheit der Erfahrung“ ;-)“

Wenn also die Welt unecht ist und das Leiden ein Spiel von Formen, kann Leiden noch berühren? Mich berührt das Leiden in der Welt und ich würde am liebsten heilen. Ist dies nur eine Verfangenheit in eigenen ankonditionierten Ordnungsschemata? Ist Mitgefühl nur ein Vergleichsergebnis gegen eine im Grunde willkürliche Ordnung, die man sich wünscht? Ist nicht sogar das buddhistische Ziel der Auflösung von Leiden ein blindes Unterfangen, das nicht versteht, dass Leiden nur eine Spielform ist? Kann man alles Leiden durch erwachtes Sein auflösen? Diese Fragen kommen in mir hoch, wenn ich die Welt nur als Spiel von Formen ansehen soll. Aber diese Fragen sind nicht zentral für unseren Austausch, wir können sie unter dem Stichwort Leidenskonzepte abheften. :-)

Zur letzte Frage (danke für deine Geduld und beharrliche Behandlung meines „Leidens“): „Und wieder: "ICH" oder "ich" - was meinst Du mit dem "ICH" was bestehen soll? Erkläre es bitte so genau wie möglich.“

Das ICH ist die Erfahrung des Seins im Hier und Jetzt, es fühlt sich wie eine grenzenlose Fläche an, es ist ein Bewusstsein, dass ich bin und dass dieses Bewusstsein der Rahmen für Gedanken, Emotionen, Wahrnehmung ist. Oh, jetzt bin ich gerade eingedöst. ICH spendete soviel Ruhe. Freue mich auf die weitere Konversation. Im Grunde glaube ich sogar, dass der Ratschlag, um dessen Präzisierung ich oben bitte, bereits das Richtige für meine Frage ist, wie man eine abgeschwächte Konditionierung ganz auflöst. Die Welt der Gedanken lebt auch nach einem Erwachen weiter. Tolle sagt auch, die Gedanken haben auch ihren Platz. Also geht es um eine Umkultivierung der Gedanken, die aber auch eine Eigendynamik haben. Ein Erlernen der Kontrolle über sie. Das Durchschauen der Illusion ist sicher ein mächtiges Hilfsmittel. So gehe ich meinen Weg und kann man denn anders nach dem Erwachen? Nein, ich kann gar nicht anders, es ist wie ein Sog. Darf man dem Geist seine Konzepte erlauben? Wenn man doch um ihre Konzepthaftigkeit weiß. Wenn wir doch letztlich praktisch walten und handeln müssen, brauchen wir auch Konzepte oder reicht die Verbindung mit dem Sein? Dies ist mir nicht ganz klar, denn wenn ich alle Konzepte, zu denen auch Ordnungen zählen, ablege, verliere ich jedes Motiv. Welches Motiv trägt das „ICH bin“ fürs Handeln, das nach Handeln verlangt? Wie soll ich handeln? Die Kant’schen Fragen sind so wunderbar. Was darf ich hoffen? Ist die Welt voller vor sich hindösender glücklicher Erwachter fertig? Zeigt sich nicht in der Natur selbst eine Entwicklung zu höherem Bewusstsein? Also müssten wir nicht höhere Bewusstseinsebenen anstreben? Und gibt es derer mehrere nach dem Erwachen? Sorry für so viele Fragen. Vielleicht tragen sie zur Klärung meiner noch bestehenden Verklärung bei :-).

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Mon May 19, 2014 7:51 am

Gibt es WIRKLICH einen gewissen Abstand, oder ist es nur eine "Vorstellung vom Abstand"? – Schau genau hin.“

Jetzt gibt es keinen Abstand. Wenn ich manchmal schimpfe wegen Alltagsstress, deute ich dies als echten Abstand.
Es gibt also ein „Beobachter“, der das Schimpfen wahrnimmt und den Alltagsstress deutet. – ist dieser „Beobachter“ gestresst?
okay, das kleine Ich eine Illusion. Das können wir festhalten. Was für ein „Ich“ ist keine Illusion?
Erinnerungen an das Ich und dessen Wiederaufflackern z.B. in Form des Mitreißen-Lassens von Emotionen oder Gedanken.
Mir ist immer noch nicht klar, was das „ICH“, was „keine Illusion“ sein soll, ist.
Könntest du mir deinen Tipp (letzten Satz: Immer wieder sich daran erinnern...) näher beschreiben. Mich würde interessieren welche Erfahrungen hier Andere Erwachte gemacht haben.
Hast Du ein Handy? Stell den Wecker (oder Terminerinnerung) so ein, dass er zweimal am Tag sich mit: „nur Ichillusion“ meldet. – Wäre nett zu wissen was diese Übung mit Dir macht. :-)
Zu „Andere Erwachte“: Es liest sich so merkwürdig an…. Erkennst Du warum?
Mich berührt das Leiden in der Welt und ich würde am liebsten heilen. Ist dies nur eine Verfangenheit in eigenen ankonditionierten Ordnungsschemata?
Das Leiden in der Welt ist ein wunderbares Werkzeug um NICHT bei „sich“ schauen zu müssen und ein wunderbarer „Ich-macher“ – Die Achtsamkeit geht nach Außen und dabei fühlt man sich „Gut“, „Groß“ und „bestätigt“ ;-)
Zu „Mitgefühl“: Wenn keine Trennung da ist, muss man sich um das Mitgefühl überhaupt nicht kümmern. Es entsteht ganz natürlich und ohne Mühe. Der Schlüssel ist also sich um die „keine Trennung“ zu kümmern ;-)
Das ICH ist die Erfahrung des Seins im Hier und Jetzt, es fühlt sich wie eine grenzenlose Fläche an, es ist ein Bewusstsein, dass ich bin und dass dieses Bewusstsein der Rahmen für Gedanken, Emotionen, Wahrnehmung ist.
Das „ICH“ ist eine Erfahrung“? – Und wer/was „erfährt die Erfahrung“? Die Instanz die von „der Erfahrung des Seins im Hier und Jetzt“ berichtet, muss wohl VOR der Erfahrung des Seins im Hier und Jetzt sein – wie könnte sonst über die Erfahrung des Seins im Hier und Jetzt berichtet werden?


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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Mon May 19, 2014 8:02 pm

"Es gibt also einen „Beobachter“, der das Schimpfen wahrnimmt und den Alltagsstress deutet. – ist dieser „Beobachter“ gestresst?":
Gute Frage :-). Ich weiß es gar nicht so genau, weil ich mich nur an die Emotion erinnere nicht aber an die Wahrnehmungssituation. Der Beobachtende ist ja der Berichtende. Ein Beobachter deutet auf ein Ich hin. Sein Gestresstsein ist Indiz dafür, dass er Bestandteil des "Ich" ist, nicht wahr? Das Ich ist ge-stresst. Ein sehr guter, wichtiger Hinweis. Da operiert das kleine Ich, denn auch die Bewertung ist eine Funktion des kleinen Ichs. Das ICH kann nicht gestresst sein. Das ICH erlebe ich als Seligkeit. (Sind wir nicht alle ein wenig schizophren? :-)))
"Mir ist immer noch nicht klar, was das „ICH“, was „keine Illusion“ sein soll, ist."

Ich bin jetzt auch verwirrt, weil ich dachte, die Frage bezog sich auf das kleine Ich. Jetzt steht aber ein großes ICH. Dieser Frage gehen wir ja unten nach. Ausgangspunkt dieses Themas war meine Aussa-ge, dass das Ich auch nach einem Erwachen weiter besteht und keine Illusion ist. Es besteht in der Form der Erinnerung daran. Das Ich wird auch wieder real, wenn es Überhand nimmt und wieder ope-riert - da folge ich z.B. einem Gedankenstrang und identifiziere mich mit ihm, falle also in die Ich-Illusion zurück. Die Illusion ist dann wieder im Gange.Hier kommt evtl. die Verwirrung her. Ich wollte aussagen, dass wenn die Ich-Illusion wieder greift, sie da ist, also in dem Moment nicht aufgelöst ist.
Sich immer wieder erinnern: "Hast Du ein Handy? Stell den Wecker (oder Terminerinnerung) so ein, dass er zweimal am Tag sich mit: „nur Ichillusion“ meldet. – Wäre nett zu wissen was diese Übung mit Dir macht. :-)"
Werde ich ausprobieren und berichten. Ich habe seit unserem Dialogbeginn die Häufigkeit dieser Er-innerungen erhöht. Ich versuche das ICH zu halten. Heute z.B. den ganzen Tag.
"Zu „Andere Erwachte“: Es liest sich so merkwürdig an…. Erkennst Du warum?"
Gut :-). Du meinst wahrscheinlich, dass der Satz Trennung impliziert und erst mit einem Ich-Konstrukt Sinn macht. Guter Punkt. Aber es gibt doch auch das Buch "Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen", ist also die Frage nach dem Erleben bei Anderen ganz abwegig? Im Zustand des ICH mag es keine Trennung geben, materiell erscheinen wir doch getrennt. Joram und Ernesto sind formhaft nicht eins, oder? Im Spiegel bilden wir zwei unterschiedliche Kleckse nebeneinander?!
Zu „Mitgefühl“: Wenn keine Trennung da ist, muss man sich um das Mitgefühl überhaupt nicht küm-mern. Es entsteht ganz natürlich und ohne Mühe. Der Schlüssel ist also sich um die „keine Trennung“ zu kümmern ;-)"
Wie kümmere ich mich am besten um "keine Trennung"? Ich habe diese Einheit Ende 2012 tief gespürt, oder wenn der Beobachterstatus im Berichten hier stört, war ich tiefer verbunden als jetzt. Wie kann die Trennung vollkommen und endgültig aufgehoben werden? Die Sprache bedient sich begrifflicher Konzepte, gut, sie mögen nur Fingerzeige sein, aber wie sonst gelangt man zur Ein-heit? Was hat dir geholfen, wenn ich fragen darf? Wie kam es bei dir zum Erwachen? Tolle hat über Nacht sich gewandelt, wie er feststellte, dass er nicht als Beobachter und Leidender zugleich eins sein kann. Wer ist es, der sich sagt "Ich kann so nicht weiterleben?". :-)
"Das „ICH“ ist eine Erfahrung“? – Und wer/was „erfährt die Erfahrung“? Die Instanz die von „der Erfah-rung des Seins im Hier und Jetzt“ berichtet, muss wohl VOR der Erfahrung des Seins im Hier und Jetzt sein – wie könnte sonst über die Erfahrung des Seins im Hier und Jetzt berichtet werden?"
Ich beschreibe das "ICH" gerne als Erfahrung um es vom Wissen abzugrenzen. Es soll heißen es ist wie das Schmecken eines Apfels anstatt Bücher über Apfelkunde gelesen zu haben. Erfahrung, Erle-ben, wie soll ich es benennen? Ich verstehe deinen Punkt, der auf die Auflösung von Subjekt und Ob-jekt abstellt, richtig? Wenn ich berichte, wer berichtet. Eine gute Frage. Ich kann noch sprechen - "es spricht", wäre dies besser? Wenn ich sage, das ICH ist ein Gewahrwerden, impliziert dies auch ein Subjekt. Es ist ein Sein, dies trifft es besser, kein Tun. Das ist, was Babaji mit dem leichtesten Zugang beschrieben hat :-). Man muss nichts tun. Das Tun ist im Wege, Ideen sind im Weg, Konzepte. Dieses ICH wird aber von einem emotionalen Erleben begleitet, hierauf wollte ich abstellen. Es fühlt sich an, wenngleich es wie eine Verbindung mit einer Weite, einer Leere ist. Für schönere Beschreibungen bin ich dankbar. Es ist ein beruhigendes, friedliches, seliges Gefühl. Zuletzt habe ich mich daran erinnert, dass es gut ist daran zu denken, dass ICH der Raum ist, in dem alles geschieht, anstatt dass man denkt, man bewege ich in einem externen Raum. Aber kann es sein, dass ich gänzlich wieder in einer Ich-Illusion bin, nachdem ich 2012 dieses Erwachenserlebnis hatte. Kannst du dies feststellen oder spüren? Nein, ich habe mir radikal geändert, diese Blindheit ist nicht mehr da, aber auch keine vollkommene Freiheit. Die Frage nach dem rechten Handeln, wie würdest sie beantworten? Generiert es sich aus dem ICH automatisch? Ist es ein Erlauben, ein Zulassen von dem was im ICH erscheint? Wie im Wei Wu Wei? Ist das Annehmen des Augenblicks natürliche (will nicht sagen göttliche) Führung genug? Und wenn das Mitgefühl ein natürliches Resultat des ICH-Zustandes ist, und meines die Sehnsucht nach Heilung und Ordnung beinhaltet, ist nur für reaktives Handeln Raum oder ist planmäßiges Handeln auch möglich. Oder ist jeder Plan bereits Produkt des kleinen Ich?

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Joram
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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Tue May 20, 2014 4:01 am

Gute Frage :-). Ich weiß es gar nicht so genau, weil ich mich nur an die Emotion erinnere nicht aber an die Wahrnehmungssituation. Der Beobachtende ist ja der Berichtende. Ein Beobachter deutet auf ein Ich hin. Sein Gestresstsein ist Indiz dafür, dass er Bestandteil des "Ich" ist, nicht wahr? Das Ich ist ge-stresst. Ein sehr guter, wichtiger Hinweis. Da operiert das kleine Ich, denn auch die Bewertung ist eine Funktion des kleinen Ichs. Das ICH kann nicht gestresst sein. Das ICH erlebe ich als Seligkeit. (Sind wir nicht alle ein wenig schizophren?
Sogar bei der Theorie von Babaji kann der Beobachter nicht gestresst sein, weil der Beobachter (oder im Buddhismus die BEOBACHTUNG OHNE BEOBACHTER!) unpersönlich und unbeteiligt ist. Beide sprechen von „reine Beobachtung“, wie eine Leinwand, in der alles, die ganze Geschichte, passiert. Wie der Himmel, der von den Wolken unberührt ist.
Wir drehen uns immer wieder um das „großes ICH“ „kleines ich“, was wir gelesen hatten und stricken uns Geschichten Drumherum. Das was in 2012 war, was Babaji beschrieben hat, Erinnerungen usw., ist alles nicht die eigene Erfahrung und schon gar nicht JETZT.

Such Dir eine alltägliche Erfahrung aus und beschreibe was im Körper stattfindet. Zum Beispiel beim lesen, schreiben, sitzen am PC, oder sonst was dir gefällt. Gibt es da mehr als: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Denken? Wo ist da ein "Ich" zu finden? Beschreibe den Ablauf aus der Erfahrung. Ganz einfach, nur das was ist, ohne Theorien.

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Ernesto
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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Tue May 20, 2014 8:25 am

"Wir drehen uns immer wieder um das „großes ICH“ „kleines ich“, was wir gelesen hatten und stricken uns Geschichten Drumherum. Das was in 2012 war, was Babaji beschrieben hat, Erinnerungen usw., ist alles nicht die eigene Erfahrung und schon gar nicht JETZT.
Such Dir eine alltägliche Erfahrung aus und beschreibe was im Körper stattfindet. Zum Beispiel beim lesen, schreiben, sitzen am PC, oder sonst was dir gefällt. Gibt es da mehr als: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Denken? Wo ist da ein "Ich" zu finden? Beschreibe den Ablauf aus der Erfahrung. Ganz einfach, nur das was ist, ohne Theorien."
Zu "ist alles nicht die eigene Erfahrung": Mein Erwachen (sorry, ich erwähne es oft) war eine eigene Erfahrung. Mit dieser früheren Aussage (Erfahrung) erntete ich die Begegnung, dass Erfahrung einen Beobachter bedeute. Hier wird aber zugleich der Ruf nach eigener Erfahrung laut. Dies ist das Ziel, damit ist die Rückführung der vielen Stränge auf diesen Punkt gut. Ich folge gerne und bedanke mich für die Geduld und die Führung.

Ich fühle einen starken Drang, eine Art emotionale Verzweiflung, einen tiefen Wunsch, die Trennung aufzuheben. Mir fiel heute ein Bild ein, das meine Situation beschreibt: Als sei ich ein Ball wie vom Himmel gefallen und hätte den Boden der Realität berührt, um danach wieder in die Luft abzuprallen. Jetzt zieht mich die Schwerkraft erneut an und ich möchte die Erde erneut spüren.
Ich frage mich, wer bin ich und denke mir, dass Beobachter, Beobachtetes und Beobachtung dasselbe sind. Ich suche die Loslösung von Gedanken und Konzepten und übe mich im Schauen. Mir fallen mehr Dinge in meiner Umwelt auf durch diese größere Offenheit. Sie waren bereits da, aber ich habe sie übersehen, weil ich gewohnt war ein Muster zu sehen.
Wenn ich mich auf das Jetzt konzentriere wandelt sich meine Wahrnehmung, sie wird direkter und ich glaube die Trennung damit ein Stück aufheben zu können aber es fühlt sich noch nicht richtig an.
Alltägliche Erfahrungen: Ich gehe auf dem Nachhauseweg an einem Haus mit Hunden vorbei. Ihr plötzliches Gebell erschreckt mich, zucke zusammen. Frage mich, ob diese Angstreaktion, dieser Reflex nicht bedeutet, dass ich in einem Traum bin. Ich spürte einen Schreck, einen Adrenalinstoß.
Ich sehe Unordnung im Haushalt und denke, Mensch, geht das nicht anders, so fühlt man sich nicht wohl. Ich verspüre eine Verstimmung, Ärger, weil ich denke, es sei die Achtlosigkeit des Anderen, Blindheit. Zurückverfolgt macht es Angst. Es könnte die Angst sein, allein und unverstanden zu sein oder die Angst, in finanzielle Probleme zu geraten.
Ich habe das Buch Gateless Gatecrachers angefangen zu lesen, verspürte zwischendurch die Lust, es abzulegen, denn ich dachte: nein, nicht noch mehr Inhalt, Inhalt. Ich kenne bereits soviel, warum noch mehr Inhalt und wollte gerne die Zeit nutzen, um in mich zu gehen, zu meditieren. Früher fiel mir dies leichter, egal wo, sogar im Bus. Ich hatte einen Zugang, dies ist verblasst. Ich glaube es hat mir früher geholfen sämtliche Videos von Tolle zu schauen, weil ich eine Schwingung aufnehmen konnte, die mich damals zum Erwachen führte.
Gibt es da mehr als: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Denken? Als ich gestern in der Bahn die Augen schloss, flackerte das Licht durch die Bäume am Wegesrand durch meine Lider. Ich sah mit geschlossenen Augen dieses Lichtspiel, das ich früher so noch nie wahrgenommen habe. Es war sehr intensiv und wunderschön. Ich fühle mich seitdem ich wieder mehr daran denke, dass ich den Raum stelle als dass ich mich in einem Raum bewege, fühle seitdem also diesen Raum und lade alles darin ein, sich zu entfalten. Ihr dürft sein, sage ich den Ereignissen. Gestern bat mich mein Sohn ein Plantschbecken aufzubauen. Es passte zeitlich nicht gut, es mussten viele Dinge arrangiert werden, Teppiche auslegen auf der unfertigen Terrasse, aufpusten, Wasser organisieren usw. und ich fühlte den Widerstand in mir aufsteigen, der im Satz geendet hätte: "Geht jetzt nicht, morgen." Doch dann fühlte ich den Raum und das Jetzt und meine innere Stimme sagte mir, mach es, warum Angst? Und eine Leichtigkeit fiel mir zu. Ich verspüre diese Leichtigkeit in vielen Dingen nun, weil ich meinem spontanen Handeln Raum gebe und es nicht mit Ängsten konfrontiere und Gedanken.
Zu " Wo ist da ein "Ich" zu finden?" Wenn ich in diesem Raum bin und mit dem Jetzt verbunden, gibt es kein Ich. Ich falle aber öfters in das Ich zurück, wenn ich Unordnung sehe. Ich sollte dazusagen, Unordnung ist eine größere Herausforderung für mich, da ich einen Asperger verwalte, wenn man dies so sagen darf. Asperger in Form eines hochfunktionalen Autismus. Die Emotionalitäten und Wahrnehmungswelten, die ich verwalte, sind einerseits ungeheuere Last, andererseits das treibende Feuer und die Beharrlichkeit, die mich dazu antreibt, Dinge zu durchdringen. Mir scheint sogar, dass der Modus der Erleuchtung wie geschaffen ist, um dieses unschuldige Anheimfallen an Aufrechterhaltung von Ordnungsmustern zu meistern. Ordnung ist eine Vereinfachung, die die Last der Übersensibilität lindern kann. Die Übersensibilität oder die größere Sensibilität (denn die Norm mag nur frei gewählt sein) bedeutet ein Bewegen durch emotionale Stürme, die Leere ist eine willkommene Zuflucht, wie schön noch, wenn sie mit der Wahrheit zusammenfällt. Die Wahrheit, dies ist, was antreibt, die Liebe und der Drang zur Wahrheit. Das Leiden ist das Verständnis, dass diese nicht (immer) zugänglich ist. Es ist letztlich die Sehnsucht, die Trennung weitestgehend aufzuheben.

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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Joram » Tue May 20, 2014 10:21 am

Ich fühle einen starken Drang, eine Art emotionale Verzweiflung, einen tiefen Wunsch, die Trennung aufzuheben.
Wie soll eine Trennung aufgehoben werden, die gar nicht existiert??? Du BIST das was Du suchst. Du merkst es nur nicht. Das einzige was aufgehoben werden soll, ist eine falsche Vorstellung, eine falsche Illusion, die „Ichillusion“.
Ich frage mich, wer bin ich und denke mir, dass Beobachter, Beobachtetes und Beobachtung dasselbe sind.
Na, wenn keine Trennung da ist – wie willst Du die Trennung aufheben? Solange Du aber es nur DENKST und nicht WEIßT, wird es nichts mit der Empfindung der „Nicht-Trennung“.
Um die „Nicht-Trennung“ zu ERLEBEN, muss man erleben und nicht denken/konzipieren.
Ich sehe Unordnung im Haushalt und denke, Mensch, geht das nicht anders, so fühlt man sich nicht wohl. Ich verspüre eine Verstimmung, Ärger, weil ich denke, es sei die Achtlosigkeit des Anderen, Blindheit.
Gibt es „Ich“ in der Erfahrung? Beschreibe den Ablauf vom „Sehen“ – jetzt gerade – was ist „Sehen“ als Erfahrung, wie läuft „Sehen“ ab?

Und bitte nicht mehr als 15 Zeilen. Es reicht um das erlebte zu beschreiben und spart die ausschweifenden Gedanken. ;-)

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Ernesto
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Re: Direct Pointing mit Ernesto

Postby Ernesto » Tue May 20, 2014 1:33 pm

Beschreibe den Ablauf vom „Sehen“ – jetzt gerade – was ist „Sehen“ als Erfahrung, wie läuft „Sehen“ ab?
Unordnung sehen: Ich schaue etwas an, richte den Blick auf einen Gegenstand. Er sollte nicht da sein, gehört nicht dorthin. Habe also sehr schnell ein Urteil gefällt. Die Ölflasche gehört nicht an die Wand gelehnt, die Wand ist jetzt ölig. Mist, jetzt muss man die Wand wahrscheinlich wieder streichen. Ärger. :-)
Sehen jetzt: Schaue auf meinen Monitor, sehe Buchstaben, schaue auf die Tastatur, sehe Tasten. Es ist eine ständige Rückkopplung, ein Abgleich zwischen Gedanken und Geschriebenem. Der Ablauf des Sehens im Detail: Stufe eins ist wohl optische Wahrnehmung, Stufe zwei ist Konstruktion von Symbolen (Buchstaben, Wörter), Bedeutungsbelegung, Erleben einer Emotion des Gedeuteten.
Es fällt mir schwer das Sehen in seine Bestandteile zu zerlegen, was über das Obige hinausgehen könnte. Mir fällt auf, dass dem obigen Ablauf die Unmittelbarkeit fehlt, es ist ein Konstruktionsprozess. Ein paar Zeilen habe ich noch :-). Das Gesehene bin ich. Vielleicht schreibe ich aber auf, was ich gelesen habe, weil ich das Sehen nicht beobachten kann. Ich sehe einfach und habe kein zweites Männlein im Kopf, das den Vorgang von nebenan mitnotiert. Gehe ich hier falsch heran? Wie sollte ich sehen?
Wenn ich den Kontakt zum Jetzt suche, sehe ich ein wenig anders. Ich konzentriere mich mehr auf den Vorgang des Sehens und spüre eine direktere Nähe zum Gesehenen, das Gesehene kommt mir realer vor. Wenn ich mein Ich auflösen möchte, ziehe ich mich in der Wahrnehmung zurück und erlebe mich als Wahrnehmung, wie eine randlose Fläche, ein Raum.
Was bedeutet "_()_"? Bist du der junge Man von dem Video auf der LU-Seite, habe mir dieses Video angeschaut, es ist sehr gut, wollte aber nicht abschweifen. Bin bereit für die weitere Zurechtrückung :-).


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