Klares erkennen der Ichlosigkeit

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Nilay
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Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Nilay » Sun May 11, 2014 11:02 pm

Hallo Tom,

ich freue mich auf deine täglichen `Direkt Pointing` - Anregungen um klar und dauerhaft zu sehen,
dass das `Ich` als eigenständig Handelnder wirklich nur eine Illusion ist.

In den Untersuchungen, die ich bisher gemacht habe waren da zwar immer mal wieder kürzere Einblicke
von Ichlosigkeit - aber die restliche Zeit des Tages war eben doch wieder die``Ich als Person-Überzeugung `` am Ruder.

Danke für Deine Bereitschaft, mich auf diesem ``Weg zur Klarheit`` zu begleiten !

Herzlichst
Nilay

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Tompi
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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Tompi » Mon May 12, 2014 8:13 pm

Hallo Nilay,

herzlich Willkommen im Forum. Wir haben uns ja schon eine Zeit per eMail unterhalten - bis Du bereit Dich auf die Regeln des Forums einzulassen? Hast Du den Einführungstext (http://liberationunleashed.com/nation/v ... f=18&t=337) gelesen und Dich z.B. mit dem Zitieren hier im Forum vertraut gemacht?

Damit die anderen Guides unseren Dialog mitverfolgen können, würde ich gerne bei Null starten. Erzähl' doch noch mal kurz, warum Dich die Frage nach dem Ich beschäftigt, welchen Weg Du hinter Dir hast und wo Du auf diesem Weg gerade stehst. Ausserdem würde mich interessieren, was Du Dir von dem Dialog hier versprichst - also welches Ziel wir hier Deiner Meinung nach erreichen sollten. Was wäre anders als jetzt, wenn das Ziel erreicht ist?

Tom

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Nilay » Mon May 12, 2014 10:32 pm

Hallo Tom,

den Einführungstext und die Regeln habe ich gelesen. Passt alles für mich.

Ok, dass lass uns bei Null starten.

Warum interessiert mich das erforschen der Ichlosigkeit:
Weil es mir sehr erstrebenswert erscheint wirklich klar zu sehen, dass das Ich nur eine Illusion ist.
Obwohl es mir die meiste Zeit so scheint, als wenn es mich als Entscheider wirklich gibt, ist trotzdem - wenn es überprüft wird - keine feste Überzeugung vorhanden, dass das der Wirklichkeit entspricht.
Trotzdem hält sich die Illusion bisher recht hartnäckig.

Welchen Weg habe ich hinter mir und wo stehe ich jetzt auf diesem Weg: Seit über 15 Jahren interessiere ich mich für Satsang. Dadurch hat sich mein Leben sehr verändert.
Oft empfinde ich die Gegenwart als in sich vollkommen erfüllt und in Frieden.
Aber was mich von Anfang an immer wieder aus diesem ursachenlosen Glück des Hier und Jetzt gebracht hat, war und ist die Tatsache, dass die ``Ich-Illusion`` noch nicht vollkommen erkannt wird.

Was verspreche ich mir von dem Dialog bzw. welches Ziel möchte ich hier erreichen:
Ich verspreche mir von dem täglichen Dialog eine intensivierte Erforschung, bei der die Illusion des Ich durch das
fokussierte untersuchen effektiver und dauerhafter durchschaut werden kann.
Als Ziel wünsche ich mir aus ganzem Herzen ein klares und dauerhaftes Erkennen, dass es wirklich keinen persönlichen Handelnden gibt und noch nie gegeben hat.

Was wäre anders als jetzt, wenn dieses Ziel erreicht ist:
In meiner Vorstellung wäre es das Ende der Suche &
der Anfang von einer bisher unbekannten Entspannung, die daraus resultiert das kein ``Jemand`` handelt.

Gruß
Nilay

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Tompi » Tue May 13, 2014 12:37 pm

Obwohl es mir die meiste Zeit so scheint, als wenn es mich als Entscheider wirklich gibt, ist trotzdem - wenn es überprüft wird - keine feste Überzeugung vorhanden, dass das der Wirklichkeit entspricht.
Trotzdem hält sich die Illusion bisher recht hartnäckig.
Hast Du die Erwartung, dass es nach dem Durchschauen der Illusion nicht mehr so zu sein scheint, dass es da einen Entscheider gibt? Würdest Du in der Kneipe dann nicht mehr "Hier!" rufen, wenn gefragt wird wer das Wasser bestellt hat - weil es ja niemanden gibt, der sich für ein Wasser entschieden hat? Oder wie stellst Du Dir das vor?
Aber was mich von Anfang an immer wieder aus diesem ursachenlosen Glück des Hier und Jetzt gebracht hat, war und ist die Tatsache, dass die ``Ich-Illusion`` noch nicht vollkommen erkannt wird.
Was bedeutet das genau? Was ist erkannt und was nicht?

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Nilay » Tue May 13, 2014 5:16 pm

Hallo Tom,

meine Vorstellung ist, dass es zwar von außen für andere so aussieht als ob es einen Entscheider gibt aber
das ein klares Wissen da ist, dass Entscheidungen einfach geschehen.
Klar würde ich ``Das bekomme ich`` sagen ( besser: Das würde dann einfach gesagt werden ) - aber es wäre eben auch die Klarheit da, dass das Wasser nicht einem ``Jemand`` serviert werden würde.
Eher würde alles mit dem Wissen geschehen, dass sich das Leben einfach so lebt ohne dass ``Ich`` es regeln müsste
weil Entscheidungen eben einfach auftauchen.
Klar ist das eine Vorstellung - wie es dann wirklich ist kann erst gesagt werden, wenn die Illusion voll durchschaut ist...

Zu deiner Frage was es genau bedeutet, dass mich die Tatsache das die ``Ich-Illusion`` noch nicht voll erkannt wurde und mich diese Tatsache immer wieder aus dem Glück des Hier und Jetzt gebracht hat:
Ich sehe es so, dass Frieden und Glück da sind wenn kein ``Haben - wollen`` der Erfahrung der Ichlosigkeit da ist und einfach die Aufmerksamkeit sozusagen in sich selber ruht.
Sobald aber der Gedanke ``Ich habe noch nicht erkannt, dass das `Ich als Handelnder` eine Illusion ist`` auftaucht und verfolgt wird, wird ein Mangel und eine Unzufriedenheit erlebt und das Glück des Hier und Jetzt wird nicht mehr gesehen.

Zu deiner Frage was bezüglich der ``Ich- Illusion `` erkannt ist und was nicht...
a) Was wurde erkannt:
Es wurde immer wieder bei Erforschungen erkannt, dass das Ich eher ein ``Ich- Gedanken-Gefühl`` ist, dass so wie alle anderen Wahrnehmungen auch einfach so auftaucht und dass es nicht alle Wahrnehmungen erfährt sondern auch einfach eine Erfahrung ist - wie alles andere auch.
Dieses erkennen war aber immer nur sehr kurz und hat bis heute im täglichen Leben keinen Einfluss an den Glauben an einen ``Jemand`` der dieses Leben lebt !
Das heißt, wenn es gerade nicht intensiv und konzentriert untersucht wird, dass es kein eigenständiges ``Ich`` gibt, hält sich die Illusion einfach bisher recht hartnäckig.

Gruß
Nilay

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Tompi » Wed May 14, 2014 5:27 pm

Das heißt, wenn es gerade nicht intensiv und konzentriert untersucht wird, dass es kein eigenständiges ``Ich`` gibt, hält sich die Illusion einfach bisher recht hartnäckig.
Du meinst also, wenn nach dem Ich gesucht wird, wird keines gefunden - und das ist in dem Moment klar. Im nächsten Moment denkst Du aber "Mist, ICH habe den Herd angelassen" und das ist dann wieder die Illusion - oder wie muss ich mir das vorstellen?
Eher würde alles mit dem Wissen geschehen, dass sich das Leben einfach so lebt ohne dass ``Ich`` es regeln müsste weil Entscheidungen eben einfach auftauchen.
Wie ist es denn jetzt? Wenn Entscheidungen nicht einfach auftauchen, was tust Du dafür, damit sie da sind? Wie und was regelst Du im Moment in Deinem Leben? Versuche das mal an einem ganz konkreten Beispiel zu erklären.

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Nilay » Thu May 15, 2014 6:24 pm

[/Du meinst also, wenn nach dem Ich gesucht wird, wird keines gefunden - und das ist in dem Moment klar. Im nächsten Moment denkst Du aber "Mist, ICH habe den Herd angelassen" und das ist dann wieder die Illusion - oder wie muss ich mir das vorstellen?
quote]

Ja genau so wie Du es beschreibst ist es !
Wenn Entscheidungen nicht einfach auftauchen, was tust Du dafür, damit sie da sind?
Es wird so erlebt, dass wenn es z.B. darum geht etwas bestimmtes zu kaufen, dann die Pros und Contras
geistig im Wechsel gegenübergestellt werden und dann eine Seite überwiegt.
Oder es überwiegt keine der beiden Seiten und dann wird einem Gedanken geglaubt der sagt, dass die Entscheidung von alleine klarer wird und die Pros und Contras werden nicht weiter verfolgt.

Außer die Entscheidung erscheint sehr wichtig. Dann erscheinen die Pro und Contra Argumente öfter und werden
von einem `Ich bin der Entscheider - Ich Gedanken Gefühl` abgewogen.

Bei unwichtigen Entscheidungen ist es öfters schön zu beobachten wie sich die Entscheidung einfach zeigt, z.B. wenn ich gerade nicht weis ob ich besser links oder rechts abbiege und dann kurz vorher eben klar in eine der beiden Richtungen abbiege.
( Ich sehe gerade, dass das Ich behauptet es würde links oder rechts abbiegen - das ist aber totaler Quatsch !!
Der Körper lenkt, das Auto fährt und der Ich- Gedanke sitzt auf einem imaginären Bestimmer -Thron und behauptet
er würde abbiegen... - bzw. die Arbeit machen.)

Gerade wird mir klar, dass Deine Frage wohl eher darauf abzielt was die ``Ich - Überzeugung`` dafür tut damit
Entscheidungen auftauchen bzw. damit Entscheidungen da sind...

Hmmm - wenn es genau betrachtet wird, erscheinen Pro und Contra - Argumente und das Ich hängt sich blitzschnell
dran und behauptet es hätte diese Argumente jetzt erschaffen.
Dann erscheint ein Argument überzeugender - uns so wird es dann gemacht.
Und der Ich-Gedanke hängt sich dran und behauptet, er hätte das jetzt gemacht !
Wie und was regelst Du im Moment in Deinem Leben? Versuche das mal an einem ganz konkreten Beispiel zu erklären.
Zum Beispiel die Entscheidung wohin ich zum Mittagessen gehe.
Da läuft eigentlich die Entscheidung wie bereits untersucht ab.
Verschiedene Optionen erscheinen, ein Ich das vorgibt sie erschaffen zu haben, die Pros und Contras zu den Optionen ( ist manchmal nur so ein Pro oder Contra - Gefühl ) und dann ein Pro das am attraktivsten erscheint und dann der Ich - Gedanke der sagt ``Ich gehe jetzt aus diesem Grund dort hin.``

Ich merke, dass bei diese Erkenntnisse zwar bei den Untersuchungen - mal etwas klarer und mal etwas vager - gesehen werden aber das steht alles noch auf sehr ``wackligen Füßen`` und wird im Alltag nicht erkannt...

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Tompi » Thu May 15, 2014 10:01 pm

Also bei allen Deinen Antworten geht es darum, dass Gedanken auftauchen. Es tauchen Gedanken mit verschiedenen Argumenten auf. Oder Gedanken, die ein Ich zum Inhalt haben, das angeblich die anderen Gedanken hervor gebracht hat. Du hast auch schon erkannt, dass sich diese Ich-Gedanken einfach an die anderen Gedanken dranhängen. Aber... geht das überhaupt? Können Gedanken etwas tun - nämlich sich irgendwo dran hängen? Führen die Ich-Gedanken ein Eigenleben und können bestimmen, was gedacht wird? Kannst Du bestimmen was gedacht wird - oder nicht gedacht werden soll? Hast Du Kontrolle über die auftauchenden Gedanken?

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Nilay » Fri May 16, 2014 4:58 pm

Können Gedanken etwas tun - nämlich sich irgendwo dran hängen?
Nein, es geht nicht das sich Gedanken an andere Gedanken dranhängen ! Es ist so, dass Gedanken nacheinander
auftauchen. Es scheint manchmal so,dass 2 Wahrnehmungen auftauchen.
Eine Entscheidung parallel mit einem Ich - Gedanken der behauptet das entschieden zu haben.
Bzw. um das Bild von der Wahl des Restaurants nochmal aufzugreifen - unterschiedliche Restaurants die als Bilder
erscheinen und der Ich-Gedanke der behauptet diese unterschiedlichen bildlichen Vorschläge der verschiedenen
Restaurants initiert zu haben.

Gedanken können auch nichts tun - sie geben eher Anweisungen.
Wie z.B ```Heute ist es warm, da ziehe ich lieber ein T - Shirt an und kein Hemd.``
Dann nimmt sich der Körper ein T-Shirt aus dem Schrank.
Führen die Ich-Gedanken ein Eigenleben und können bestimmen, was gedacht
(Hier finde ich sehr erhellend, dass Du schreibst ``die Ich-Gedanken`` und nicht ``der Ich-Gedanke``
denn daruch wird mir gerade klarer, dass es ja kein durchgängiger Ich-Gedanke ist sondern eher viele Ich-Gedanken
die nacheinander auftauchen...)
Dieses Ich-Gedanken-Gefühl wird den Tag über sehr oft wahrgenommen, deshalb fühlt es sich an als führt es ein Eigenleben. Aber das Ich-Gedanken-Gefühl führt kein wirkliches Eigenleben.
Es taucht auf, wie alles andere auch auftaucht - nur eben sehr häufig.
Es ist nicht von ´´mir`` erschaffen worden und ``ich``habe keine ursprüngliche Beeinflussung, wie sich das
Ich-Gedanken-Gefühl anfühlt.
( Dieses ``mir´´ und ´´ich´´ erhebt sich jetzt imaginär über das Ich-Gedanken-Gefühl und ist aber auch das Ich-Gedanken-Gefühl. Quite confusing... )
Außer wenn gerade ein Traurigkeits-Gefühl da ist und es kommen Vorschläge was getan werden kann um nicht mehr traurig zu sein. Aber auch diese Vorschläge kommen von sich aus ohne einen Jemand der sie herbeizaubert.

Zum zweiten Teil der Frage ``Können die Ich-Gedanken bestimmen was gedacht wird ?``:

Es ist klar, dass es unklar ist was in einer Minute gedacht wird.
Es scheint so, dass Gedanken ablaufen parallel mit dem Ich-Gefühl.
Es wird angenommen, dass das Ich-Gedanken-Gefühl diese Gedanken denkt. Aber vielmehr ist es so,
dass Gedanken ablaufen und parallel auch das Ich-Gefühl abläuft.
Das gleichzeitige Erscheinen läßt es so aussehen als wenn das IGG die Gedanken denkt.
Kannst Du bestimmen was gedacht wird - oder nicht gedacht werden soll?
Nein, kann es nicht - es scheint nur so durch das parallele Erscheinen von Gedanken und dem IGG.
Hast Du Kontrolle über die auftauchenden Gedanken?
Nein, dass IGG hat keine Kontrolle über die aufsteigenden Gedanken. Die Gedanken steigen einfach auf,
zusammen mit dem IGG das vorgibt die Gedanken zu denken. Aber das ist eben nur eine Behauptung die
die einer Untersuchung nicht standhält.

Allgemeine Beobachtung:
Wenn etwas Trauriges gedacht wird, fühlt sich der Körper anders an als wenn etwas Erfreuliches gedacht wird.

Kurze Info:
Ich kann erst übermorgen um ca.15.00 auf deine nächste Mail antworten.....

Grüße
Nilay

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Tompi » Sat May 17, 2014 11:22 am

Die Illusion des Ich besteht also aus auftauchenden Gedanken und Gefühlen. Diese tauchen einfach so auf und es gibt keine (Ich-) Instanz, die dieses Auftauchen planen, bestimmen und verhindern könnte. Habe ich Deine Beobachtungen so richtig zusammen gefasst? Ist es das, was bei der Untersuchung der direkten Wahrnehmung für Dich klar ist?
Gedanken können auch nichts tun - sie geben eher Anweisungen.
Wie z.B ```Heute ist es warm, da ziehe ich lieber ein T - Shirt an und kein Hemd.``
Dann nimmt sich der Körper ein T-Shirt aus dem Schrank.
Hmm... sind es wirklich die Gedanken, die Anweisungen geben? Also wenn gedacht wird "Ich ziehe ein T-Shirt an" geschieht genau das, weil die Gedanken da waren? Also "T-Shirt anziehen" kann nicht ohne die vorausgehenden Gedanken geschehen? Und wenn der Gedanke "T-Shirt anziehen" gedacht wird, kann es unmöglich passieren, dass danach kein T-Shirt angezogen wird?

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Nilay » Sun May 18, 2014 1:20 pm

Die Illusion des Ich besteht also aus auftauchenden Gedanken und Gefühlen.
Um nochmal genau hinzuschauen, zähle ich nochmal auf:
( Da erscheint wieder der ``zweite Ich-Gedanke`` der das ``erste Ich-Gedanken-Gefühl`` beschreiben möchte
und sich als ´´neutraler und entlarvender Beobachter ausgibt.
So wie das Beispiel von Ramana ``Der Räuber der sich selbst als Polizist ausgibt um den Räuber zu fangen.``)

Also jetzt die Aufzählung:
Die Illusion des Ich besteht
a) aus sich vertraut anfühlender Gedankenenergie und
b) aus sich vertraut anfühlenden Körperwahrnehmungen und
c) aus sich vertraut anfühlenden Emotionen und
d) aus sich vertraut anfühlenden Verhaltensweisen.

Wobei die Identifizierung mit der Körperwahrnehmung ( bei mir) der intensivste Pfeiler der Identifizierung ist !
Gedanken und Gefühlen tauchen einfach so auf
Ja, allgemein gesehen tauchen Gedanken und Gefühle einfach so auf.
Die Illusion des Ich besteht also aus auftauchenden Gedanken und Gefühlen. Diese tauchen einfach so auf und es gibt keine (Ich-) Instanz, die dieses Auftauchen planen, bestimmen und verhindern könnte. Habe ich Deine Beobachtungen so richtig zusammen gefasst?
( Habe deine Frage nochmal zusammengefasst, weil dann wohl der gesammte Sinn dahinter sichtbarer wird.)

Ob das die Zusammenfassung meiner Beobachtungen ist weiss ich nicht, aber ich würde dem total zustimmen.
Hmm... sind es wirklich die Gedanken, die Anweisungen geben? Also wenn gedacht wird "Ich ziehe ein T-Shirt an" geschieht genau das, weil die Gedanken da waren? Also "T-Shirt anziehen" kann nicht ohne die vorausgehenden Gedanken geschehen?
Ich würde sagen, ``T-Shirt anziehen`` kann ganz klar auch geschehen ohne die gedankliche Anweisung vorher.
Ich kann sehen, dass das meiste pasiert ohne gedankliche Anweisungen vorher...!
Aber manchmal scheint es so als würde etwas gemacht werden, weil der gedankliche Vorschlag bzw. die
gedankliche Idee da war.Evtl. sehe ich hier etwas nicht klar...wenn es gut wäre das zu erkennen, würde ich mich freuen wenn du die Frage nochmal etwas anders stellen könntest oder mir einen kleinen Hinweis zur Klärung geben könntest.

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Tompi » Mon May 19, 2014 3:57 pm

Die Illusion des Ich besteht
a) aus sich vertraut anfühlender Gedankenenergie und
b) aus sich vertraut anfühlenden Körperwahrnehmungen und
c) aus sich vertraut anfühlenden Emotionen und
d) aus sich vertraut anfühlenden Verhaltensweisen.

Wobei die Identifizierung mit der Körperwahrnehmung ( bei mir) der intensivste Pfeiler der Identifizierung ist !
Ok, dann sind da halt Gedankenenergie, Körperwahrnehmungen, Emotionen und Verhaltensweisen. Aber wo ist das Ich? Wo ist der, der das hier gerade liest? Wo ist der, der eine Antwort dazu schreiben wird? Da mögen noch so viele Gedanken und Wahrnehmungen sein, wir suchen aber nach dem oder das, das diese Gedanken und Wahrnehmungen hat. Kannst Du das auch finden?
Aber manchmal scheint es so als würde etwas gemacht werden, weil der gedankliche Vorschlag bzw. die gedankliche Idee da war.
Scheint es so, oder ist es so? Beobachte das noch mal in Deinem Alltag. Bei welcher Handlung ist allein durch die Handlung klar, dass vorher ein auslösender Gedanke da war? Wie bemerkt man an einer Handlung, ob sie durch einen Gedanken ausgelöst wurde? Wird sie irgendwie anders ausgeführt? Könntest Du bei anderen sehen, ob deren Handlung auf einem vorherigen Gedanken beruht? Ist das "WEIL" bereits vor der Handlung klar? Während der Handlung? Oder entsteht das "WEIL" erst nach der Handlung?

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Nilay » Mon May 19, 2014 9:57 pm

Ok, dann sind da halt Gedankenenergie, Körperwahrnehmungen, Emotionen und Verhaltensweisen. Aber wo ist das Ich?
Wenn nach dem Ich geschaut wird, gibt es tatsächlich nur immer wieder die oben genannten Wahrnehmungen.
Die z.B. auch immer wieder mit Beschwerden rumjammern wie: ``Aber es fühlt sich doch so sehr nach einem persönlichen Ich an``.
Aber das nützt ja nichts, es gibt nur Erleben und keinen Erleber d.h. kein Ich das es erlebt sondern nur diese Vielzahl von Erleben ohne einen Jemand der es besitzt.

Ich habe ja auch geschrieben ``Die Identifizierung mit der Körperwahrnehmung ist ( bei mir ) der intensivste
Pfeiler der Identifizierung``. Da kann ich jetzt sehen, dass das was den Körper erlebt auch das ist was z.B das Laptop erlebt - dass der Körper in einer anderen Intensität erlebt wird, oder sich möglicherweise vertrauter anfühlt, ist unerheblich
Wo ist der, der das hier gerade liest?
Wieder nur Erleben. Eine Stimme die sagt, ``Ich lese das``-aber auch diese Stimme ist Erleben.
Wenn konkret geschaut wird nach dem der liest, ist da lesen und ein vertrautes Gefühl eine Person zu sein.
Aber das ist eben auch nur Erleben -auch wenn die Behauptung auftaucht ``Ich erlebe das`` - das ist auch nur Erleben.
Erleben das erlebt wird ohne einen Jemand der erlebt, denn der wäre ja auch Erleben.
Wo ist der, der eine Antwort dazu schreiben wird?
Es gibt keinen ``Außenstehnden´´der die Antwort schreiben könnte.
Es gibt nur Erleben, das über Erleben reflektiert.
Erleben, dass sich wie ein Jemand anfühlt - aber auch nur Erleben ist.
Da mögen noch so viele Gedanken und Wahrnehmungen sein, wir suchen aber nach dem oder das, das diese Gedanken und Wahrnehmungen hat. Kannst Du das auch finden?
Ok - stimmt, wir suchen nach dem oder nach dem ``Etwas``, das dieses Erleben erlebt.
Also: Es gibt kein ``außenstendes greifbares Etwas``das erlebt !
Mann kann nur sagen, dass da Erleben ist - aber mann kann nicht sagen, was dieses Erleben erlebt.
Derjenige der bisher dachte es zu erleben ist jedenfalls auch nur ´´ Teil des Erlebens``.
Ich (= Erleben) kann nichts finden das mich (= Erleben) erlebt.

............................................................

Die zweite Untersuchung über den Zusammenhang von Handlung und Gedanken werde ich morgen machen.
( sagt das Erleben ;-) und macht es sehr wahrscheinlich auch ;-)

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Nilay » Tue May 20, 2014 5:31 pm

Scheint es so, oder ist es so?
Ich kann nur sagen, dass es so scheint - denn ich wüsste ja nicht wie es genau wäre, wenn nicht der Gedanke
vorher gewesen wäre.
Bei welcher Handlung ist allein durch die Handlung klar, dass vorher ein auslösender Gedanke da war?
Wenn ich Mittags z.B. etwas zu essen bestelle, gibt es vorher Gedanken was ich mag und was nicht.
Und manchmal geschieht ein gedankliches hin und her abwägen zwischen den verschiedenen Gerichten.

Das ganze geht aber auch ohne Gedanken vorher - es ist dann manchmal einfach klar wenn ich ein bestimmtes
Gericht lese, ich dieses dann auch bestelle. ( Nachdem ich kurz gecheckt habe ob nicht ein Gericht angeboten wird
aus das ich noch mehr Lust habe.)

Wie bemerkt man an einer Handlung, ob sie durch einen Gedanken ausgelöst wurde? Wird sie irgendwie anders ausgeführt?
Auch hier kann ich nur sagen, dass ich nicht weiß ob die Handlung anders ausgeführt wird wenn vorher der Gedanke
war oder wenn sie einfach ohne vorherigen gedanklichen Impuls geschieht.
Könntest Du bei anderen sehen, ob deren Handlung auf einem vorherigen Gedanken beruht?
Nein, das könnte ich nicht sehen.
Außer sie drücken es aus, wie z.B. ``Jetzt ist mir gerade noch eingefallen, meine Jacke mitzunehmen...``
Ist das "WEIL" bereits vor der Handlung klar? Während der Handlung? Oder entsteht das "WEIL" erst nach der Handlung?
Folgendes Beispiel:
Ich habe noch 10 min Mittagspause und noch eine halbe große Flasche Wasser zum trinken übrig, dann bemerke
ich das, dann kommt ein Gedanke der sagt: `` Oh, da muss ich mich etwas beeilen das Wassern zu trinken`` und
dann trinke ich schneller als ich getrunken hätte, wenn ich noch mehr Zeit gehabt hätte.

Es braucht aber kein so stark durchformulierter Gedanke zu sein, sondern nur ein kürzerer Gedankenimpuls.
So eine Art kurze Zusammenfassung der Situation...

Ja, wenn ich genau schaue, sind das nur kürzere Gedankenimpulse !

Es gibt aber auch die Variante, dass das `WEIL` erst nach der Handlung entsteht.
Ich folge z.B. einem Impuls in ein bestimmtes Restaurant zu gehen und wenn mich später jemand fragt, warum
ich dort hingegangen bin, würde ich möglicherweise Begründungen aufführen die zwar stimmig wären, aber beim folgen des Impulses nicht bewusst bzw. nicht direkt ausschlaggebend waren.

Was auf jeden Fall klar ist, ist dass auf jeden Fall der Großteil aller Handlungen ohne gedanklichen Vorimpuls geschehen !

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Re: Klares erkennen der Ichlosigkeit

Postby Tompi » Wed May 21, 2014 8:00 am

Wenn nach dem Ich geschaut wird, gibt es tatsächlich nur immer wieder die oben genannten Wahrnehmungen.
Und was ist, wenn nicht nach einem Ich geschaut wird? Gibt es dann mehr oder weniger als die genannten Wahrnehmungen? Ist das "nach dem Ich schauen" nicht auch nur eine der Wahrnehmungen?
Aber das nützt ja nichts, es gibt nur Erleben und keinen Erleber d.h. kein Ich das es erlebt sondern nur diese Vielzahl von Erleben ohne einen Jemand der es besitzt.

Ich habe ja auch geschrieben ``Die Identifizierung mit der Körperwahrnehmung ist ( bei mir ) der intensivste
Pfeiler der Identifizierung``. Da kann ich jetzt sehen, dass das was den Körper erlebt auch das ist was z.B das Laptop erlebt - dass der Körper in einer anderen Intensität erlebt wird, oder sich möglicherweise vertrauter anfühlt, ist unerheblich.

[...]

Wieder nur Erleben. Eine Stimme die sagt, ``Ich lese das``-aber auch diese Stimme ist Erleben.
Wenn konkret geschaut wird nach dem der liest, ist da lesen und ein vertrautes Gefühl eine Person zu sein.
Aber das ist eben auch nur Erleben -auch wenn die Behauptung auftaucht ``Ich erlebe das`` - das ist auch nur Erleben.
Erleben das erlebt wird ohne einen Jemand der erlebt, denn der wäre ja auch Erleben.

[...]

Ok - stimmt, wir suchen nach dem oder nach dem ``Etwas``, das dieses Erleben erlebt.
Also: Es gibt kein ``außenstendes greifbares Etwas``das erlebt !
Mann kann nur sagen, dass da Erleben ist - aber mann kann nicht sagen, was dieses Erleben erlebt.
Derjenige der bisher dachte es zu erleben ist jedenfalls auch nur ´´ Teil des Erlebens``.
Ich (= Erleben) kann nichts finden das mich (= Erleben) erlebt.
Damit hast Du ziemlich genau das beschrieben, was hier zu entdecken ist. Da ist kein Ich, da ist nur Erleben ohne "Erleber". Gibt es daran noch einen Zweifel? Ist da noch etwas unklar?


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