Direct Pointing

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Martinma
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Postby Martinma » Sat Mar 16, 2013 10:36 pm

Hallo,
habe ein Interview mit Tom gesehen und bin so auf eure Seite gestoßen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir dabei helfen könnt, die Ich-Illusion
zu durchschauen. Ich heiße Martin und bin 58 Jahre alt.
Besonders die letzten Jahre bin ich auf der Suche nach dem "Erwachen" und habe
-allerdings meist nicht sehr konsequent - meditiert, Kurs in Wundern praktiziert
und viele Seminare besucht und Bücher gelesen. Mein Ego war sehr erfreut, doch nach
und nach und spätestens nachdem ich Tony Parsons gelesen habe, gehe ich es ruhiger an.
Dennoch - auch wenn ich mit meinem Leben zufrieden sein könnte - ist da diese Sehnsucht
nach Geborgensein, nach Stille, nach Lebendigkeit, nach dem Vertrauen, dass alles gut ist, wie es ist.
Ich beobachte mich allzu oft dabei, wie stumpf ich bin, wie unruhig, wie suchend, wie sehr ich Ablenkung brauche.
Mittlerweile habe ich Gateless Gatecrashers und die Enlightening Quotes gelesen.
Ich glaube vieles dabei auf eine rationelle Weise zu verstehen. Ich kann dann kein ich finden, fühle keine Grenze.
Doch im Alltag ist es wieder da. Martin denkt, fühlt, geht, redet, entscheidet, ist getrennt.
Auch wenn es mir im Laufe eines Tages oft zu Bewusstsein kommt, dass es hier kein ich gibt und keinen, der
denkt, entscheidet und will. Dieses unmittelbare Erleben, ganz im Jetztsein, verbunden sein, stellt sich aber nicht ein. Irgendwo steht, es ist direkt vor meiner Nase. Wer hilft mir bitte, die Ich-Illusion zu durchschauen?

Vielen Dank und liebe Grüße
Martin

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Renate
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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Wed Apr 03, 2013 7:13 pm

Hallo Martin,

ich freue mich dich durch das "torlose Tor" zu begleiten.

Hast du schon den Willkommenstext gelesen?
http://liberationunleashed.com/nation/v ... f=18&t=337

Das wichtigste ist ehrlich schauen und keine Angst vor scheinbar "dummen" Antworten.
Kaue alles durch wie z.B. ein dreijähriges Kind. Schaue ganz naiv als hättest du kein Plan wovon
geredet wird.
Ich kann dann kein ich finden, fühle keine Grenze.
Ist es im Moment ein Glaube oder weißt du es?
Wie ist das Gefühl kein ich zu finden?
Wie sehen deine Erwartungen aus wenn du es "siehst"?
Was soll dann anderster sein?

Liebe Grüße
Renate

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Martinma
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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Wed Apr 03, 2013 8:08 pm

Hallo Renate!
Ist es im Moment ein Glaube oder weißt du es?
Es ist ein Glaube.
Wie ist das Gefühl kein ich zu finden?
Da ist ein wenig Verblüffung, aber im Großen und Ganzen ist es neutral, ruhig.
Manchmal ist da auch das Gefühl des Beobachters.
Dann kommen Zweifel und alles ist wieder beim Alten.
Wie sehen deine Erwartungen aus wenn du es "siehst"?
Ich weiß nicht, ob ich die Frage richtig verstanden habe.
Ich wünsche mir die unmittelbare, direkte Erfahrung dessen, was ich jetzt Leben nenne,
jede Menge Lebendigkeit, Achtsamkeit und Ruhe.
Ich wünsche mir Vertrauen, dass alles gut ist, so wie es ist, ohne Zukunftsängste oder Erwartungen
glauben erfüllen zu müssen.
Einmal vor langer Zeit habe ich wirklich jemandem zugehört und verstanden. Das war schön.
Was soll dann anderster sein?
Etwas ist in der obigen Antwort bereits enthalten. Aber ich glaube, es braucht nichts anders sein.
Dennoch sind da auch Hoffnungen, teils nach Gesundheit, Glück für meine Kinder und mich.
Und Hoffnungen nach Lebendigkeit in dem Sinne z.B. der Sommerregen zu sein.

Aber gleichzeitig glaube ich zu wissen, dass ich garnichts tun kann, außer diesen Prozess ernsthaft zu
machen. Und es ist ok und mein Wunsch, dass danach kein Ich mehr da ist.
Aber ich weiß wirklich nicht, außer aus Erzählungen, Büchern und Filmen, was dann anders sein wird.
Mit den letzten beiden Fragen habe ich mir schwer getan. Eigentlich geht es nur darum, das Ich als Illusion zu erkennen.

Liebe Grüße Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Thu Apr 04, 2013 11:30 am

Hallo lieber Martin.
Eigentlich geht es nur darum, das Ich als Illusion zu erkennen.
Genau und um nichts anderes.

Hier im Forum habe ich schon öfter erlebt, dass die Erwartungen doch sehr groß waren so dass die bereits durchschaute Illusion nicht erkannt wurde.
Es sollte halt auf einem Schlag alles „anders“ sein und wenn dies nicht eintrifft dann ist die Illusion auch nicht durchschaut, so die These.
Es schrieb mal jemand sehr drastisch, „vor dem Tor ein Arschloch nach dem Tor auch ein Arschloch“.
Die Konditionierungen werden nicht wegfallen. Ich redete früher nicht so viel genau so ist es heute.

Es ist ja eine Illusion, so wie der Weihnachtsmann. Wenn du sie durchschaut hast, bekommst du keine Angst mehr vor diesem Mann mit rotem Mantel.
Dennoch siehst du jedes Jahr viele Männer mit roten Mänteln ;-). Ein Spiel, jedes Jahr auf`s Neue aber Angst bekommst du nicht mehr.

Lege also bitte deine oben genannten Wünsche und Hoffnungen beiseite und erlebe
was kommt.
Manchmal ist da auch das Gefühl des Beobachters.
Beschreibe dies bitte etwas genauer.
Beobachtest du oder findet es einfach statt?
z.B. der Sommerregen zu sein.
Diese Worte gefallen mir. :-)

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Thu Apr 04, 2013 8:03 pm

Hallo liebe Renate,

danke dir sehr für deine Antworten. Werd ich machen, soweit mir
etwas möglich ist.
Den Willkommenstext habe ich übrigens gelesen.
Beschreibe dies bitte etwas genauer.
Beobachtest du oder findet es einfach statt?
Heute habe ich vom Aufstehen weg versucht, mich sooft wie möglich daran
zu erinnern, dass es mich nicht gibt. Ich habe mich z.B. gefragt, ob da ein ich ist,
welches das Geräusch des abfahrenden Zuges hört und wo das Geräusch gehört wird,
am Bahnhof oder in meinem Kopf oder anderswo und ob hören einfach stattfindet.
Das Ergebnis war: Das Geräusch ist sowohl bei mir an meinem Ohr als auch in der Umgebung
im Raum, und auch kurz - hören geschieht, nicht ich höre. Obwohl - da schaltet sich vielleicht auch
mein Verstand ein und vermittelt mir gelesenes und akzeptiertes Wissen.

Oder ich gehe zum Waschbecken Wasser holen, wer entscheidet das bzw. gibt es für meine Tätigkeiten
bewusste Entscheidungen, die ich treffe? Dabei erfahre ich, dass stets Gedanken voran gehen, die
auf Grund von Gewohnheit (z.B. weil ich etwas immer auf die gleiche Weise zur ungefähr derselben Zeit tue)
auftauchen, aber mich nicht wirklich brauchen.
Bei der ersten Mitarbeiterbesprechung morgens reagierte eine Kollegin auf eines meiner Argumente
mit Angriff. Äußerlich bin ich zwar ruhig geblieben und ich hab mich beinahe sofort an die "Illusion" erinnert,
aber es hat mich doch emotinal aufgewühlt und ich hab mich gegenüber meiner Kollegin abgekapselt.
Fühlte mich auch kurz etwas unwohl, weil ich innerlich so reagiert habe (Selbstkritik).
Ab der zweiten Besprechung am Vormittag vergaß ich dann auf das Untersuchen und Erinnern des Illusions-Ich.

Gegen Dienstschluss dachte ich wieder daran, aber ich schob den Gedanken, weiter nachzuforschen
aus Bequemlichkeit von mir. Außerdem machen mich diese Gedanken unruhig. Vielleicht setze ich mich selbst
unter Druck bzw. glaube, ich könnte etwas bewirken oder über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Wenn ich dann allerdings die Unruhe näher anschaue, sie einlade, dann wird es wieder ruhiger in mir.
Der Widerstand zur Konzentration bzw. zur Selbstbeobachtung zeigt sich auch oft darin, dass ich Süßigkeiten esse, Solitär spiele oder arbeite, um mich abzulenken.

Nun aber zu deiner Frage:
Ich glaube, wenn ich mich beobachte, geht dem ein Gedanke voran, der sagt, schlüpfe in die Rolle des Beobachters. So gesehen, beobachte ich. Beim Beobachten stellt sich meist eine Art Gleichgültigkeit ein, eine Distanziertheit, Gefühllosigkeit.
Wenn ich wie heute morgen das Hören oder Sehen anschaue, dann begebe ich mich auch häufig in die Rolle
des Beobachters. Wenn ich dann den Beobachter suche, kann ich ihn aber nicht finden. Doch irgendwie geistert
ein Ich herum, dass das alles ist - Beobachter und Beobachteter. Der Beobachter fühlt sich aber häufig weniger getrennt von seiner (meiner) Umwelt.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Fri Apr 05, 2013 8:42 pm

Hallo lieber Martin.
Das Ergebnis war: Das Geräusch ist sowohl bei mir an meinem Ohr als auch in der Umgebung
im Raum, und auch kurz - hören geschieht, nicht ich höre. Obwohl - da schaltet sich vielleicht auch
mein Verstand ein und vermittelt mir gelesenes und akzeptiertes Wissen.
Verstehe ich das richtig, du denkst das durch.... „da schaltet sich vielleicht auch mein Verstand ein und vermittelt mir gelesenes und akzeptiertes Wissen“ ....du nur denkst „hören geschieht“?
Wenn es so ist dann fange an es zu überprüfen. Auch wenn da von irgendwo Widerstand gegen dieses ‚“schauen“ herkommt, dann nimm diesen „Widerstand“ prüfe ob er einfach geschieht.
Oder ob es ein „Täter“ gibt.
Wenn ja, wer hört?
Oder ich gehe zum Waschbecken Wasser holen, wer entscheidet das bzw. gibt es für meine Tätigkeiten bewusste Entscheidungen, die ich treffe?
Gute Frage :-))
Dabei erfahre ich, dass stets Gedanken voran gehen, die
auf Grund von Gewohnheit .....
Genau. Auf Grund von Gewohnheiten und/oder Konditionierung.
Der Widerstand zur Konzentration bzw. zur Selbstbeobachtung zeigt sich auch oft darin, dass ich Süßigkeiten esse, Solitär spiele oder arbeite, um mich abzulenken.
Du bemerkst ein Gefühl von Widerstand, schön, begrüße den Widerstand er gibt dir eine Möglichkeit zum Forschen.
Was ist die Ursache? Gibt es „jemand“ der ihn erzeugt? Braucht es „jemand“ der ihn hat?
Ich glaube, wenn ich mich beobachte, geht dem ein Gedanke voran, der sagt, schlüpfe in die Rolle des Beobachters. So gesehen, beobachte ich.
So gesehen, ist da ein Gedanke der Handlung auslöst. Mehr nicht.
Wie kommt da das „ich“ ins Spiel?
Beim Beobachten stellt sich meist eine Art Gleichgültigkeit ein, eine Distanziertheit, Gefühllosigkeit.
Ja, der reine Akt des beobachtens ist Gefühlsneutral.
Der Beobachter fühlt sich aber häufig weniger getrennt von seiner (meiner) Umwelt.
Ja, der reine Beobachter ohne „Ich“ ist und sieht Alles. Die Trennung fällt.
Wer oder was ist dieser Beobachter?

Ich bin mal wieder Unterwegs und kann mich erst wieder Montag melden.

Liebe Grüße und viel Spass beim forschen.
Renate

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Martinma
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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Mon Apr 08, 2013 8:07 am

Guten Morgen liebe Renate,
Wenn ja, wer hört?
Ich lese deine Frage „Wer hört?“. Der Gedanke steigt auf: Höre. Da ist das Geräusch des Computers, welches plötzlich deutlich zu hören ist. Von wem? Wieder steigen Gedanken in Form von Fragen auf: „Das Geräusch war vorher auch schon da, aber es wurde nicht bewusst gehört. Nun wird es bewusst gehört. Aber braucht es mich, um es zu hören?“ Die Antwort ist „Nein“. Dennoch ist eine Form von Konzentration erforderlich, um es zu hören.
Was, wenn keine Gedanken da wären? Dann würde hören einfach geschehen. Bloß, so erlebe ich es noch nicht. Noch braucht es einen Täter. Vielleicht ist es der Beobachter?
Du bemerkst ein Gefühl von Widerstand, schön, begrüße den Widerstand er gibt dir eine Möglichkeit zum Forschen. Was ist die Ursache? Gibt es „jemand“ der ihn erzeugt?
Nein, niemand erzeugt ihn. Er ist einfach da, kommt und geht. Steht mit meiner Unruhe in Verbindung, welche auch niemand erzeugt.
Braucht es „jemand“ der ihn hat
Nein, es braucht niemanden, der ihn hat. Aber wieder ist dieses Bewusstmachen notwendig, ansonsten ist ein Ich (bin ich) mit dem Widerstand identifiziert.
So gesehen, ist da ein Gedanke der Handlung auslöst. Mehr nicht.
Wie kommt da das „ich“ ins Spiel?
Gute Frage. Das „ich“ kommt nur ins Spiel, wenn ich an das "ich" glaube, wenn ich glaube, das ich den Gedanken ausgelöst habe. Eine Art Kreislauf.
Wer oder was ist dieser Beobachter?
Dieser Beobachter ist Geist, der dennoch nicht Gedanken- und ichfrei erscheint.

Etliches an diesem Wochenende hat mich gefühlsmäßig aufgewirbelt, Ich spürte einige „negative Gefühle“ – welche ich ansonsten eher nicht zulasse - wie Ärger, Aggressivität, Beleidigtsein - ziemlich stark. Ich fragte mich, ob es mich dafür braucht. Die Antwort war nein, aber die Gefühle hatten mich fest im Griff. Sie waren auch heute früh noch präsent. Ich weiß, dass die Ich-Illusion dies alles so erscheinen lässt. Aber dieses Wissen alleine nützt diesmal nicht und „ich“ leide.
Normalerweise gelingt es relativ schnell, diese "Opferrolle" zu durchschauen und auszusteigen.

Ich glaube, ich interpretiere zu viel anstatt die direkte Erfahrung zu schildern.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Mon Apr 08, 2013 7:19 pm

Guten Abend lieber Martin,
Ich lese deine Frage „Wer hört?“. Der Gedanke steigt auf: Höre. Da ist das Geräusch des Computers, welches plötzlich deutlich zu hören ist. Von wem? Wieder steigen Gedanken in Form von Fragen auf: „Das Geräusch war vorher auch schon da, aber es wurde nicht bewusst gehört. Nun wird es bewusst gehört. Aber braucht es mich, um es zu hören?“ Die Antwort ist „Nein“.
Genau, zum Hören braucht es kein Ich, hören passiert. Erst wenn der Verstand durch den Impuls der Frage ein Etikett dran klebt, dann geht es los. Ich höre.
Dennoch ist eine Form von Konzentration erforderlich, um es zu hören.
Ist es Konzentration oder einfach Gewahr werden?

Ich erlebe bei einer Konzentration auf das Hören, im Vorfeld Gedanken. Z.B „Huch war das eine Katz?“ Dann findet bewusstes, konzentrietes Hören statt.
Prüfe ob Gewahr werden von Geräuschen statt findet und dann Gedanken kommen.
Das der Verstand aus der Konditionierung heraus ein „Täter“ im Nachgang erschafft.
Was, wenn keine Gedanken da wären? Dann würde hören einfach geschehen. Bloß, so erlebe ich es noch nicht. Noch braucht es einen Täter. Vielleicht ist es der Beobachter?
Hm, setze dich auf das Sofa, schließe die Augen und höre, ohne Plan und Ziel.
Braucht es da Konzentration, ein Täter? Ohren hören, mehr nicht.

Nein, es braucht niemanden, der ihn hat. Aber wieder ist dieses Bewusstmachen notwendig, ansonsten ist ein Ich (bin ich) mit dem Widerstand identifiziert.
Zerlege die Identifizierung.
Was passiert vor der Identifizierung?
Wann wird das scheinbare „mein“ Widerstand angehängt?
Bitte ausführlich berichten. :-)
Gute Frage. Das „ich“ kommt nur ins Spiel, wenn ich an das "ich" glaube, wenn ich glaube, das ich den Gedanken ausgelöst habe. Eine Art Kreislauf.
Genau. Durchschaust du dieses Spiel?
Wenn das gesehen wir kann man nur noch lachen oder schmunzeln über alle scheinbaren Dramen.
Dieser Beobachter ist Geist, der dennoch nicht Gedanken- und ichfrei erscheint.
Ich frag mal etwas provokativ: Geistert da ein Gespenst rum. Ein Geist?
Wenn ja, wie sieht „Geist“ aus?

Es geht hier nicht um Gedanken- und Ichfreiheit es geht nur um eine Illusion!!!
Ob du Gedanken- und oder Ichfreiheit erleben wirst, wissen wir nicht.
Etliches an diesem Wochenende hat mich gefühlsmäßig aufgewirbelt, Ich spürte einige „negative Gefühle“ – welche ich ansonsten eher nicht zulasse - wie Ärger, Aggressivität, Beleidigtsein - ziemlich stark. Ich fragte mich, ob es mich dafür braucht. Die Antwort war nein, aber die Gefühle hatten mich fest im Griff. Sie waren auch heute früh noch präsent. Ich weiß, dass die Ich-Illusion dies alles so erscheinen lässt. Aber dieses Wissen alleine nützt diesmal nicht und „ich“ leide.
Du beschreibst quasi das „Endprodukt“ Gefühle wie Ärger, Aggressivität, Beleidigtsein.
Schau dir an was davor war. Was erschien in deinem Verstand. Was für Gedanken waren davor? Gehe mal die Gedankenkette zurück.
Ich glaube, ich interpretiere zu viel anstatt die direkte Erfahrung zu schildern.
Ich gehe davon aus, dass du Alles in direkter Erfahrung prüfst. Nicht nur einmal kurz hinschaust
und wenn möglich, es in deinem Alltag einbaust.
Besonders bei den Gefühlen: Ärger, Aggressivität, Beleidigtsein, Angst.

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Tue Apr 09, 2013 7:31 pm

Liebe Renate,

bin heute morgen mit den Antworten nicht fertig geworden, hab sie abgespeichert und nach dem Büro mit einigen Widerständen weitergemacht. Beim Absenden hat sich der PC plötzlich von Liberation Unleashed abgemeldet und
das am Abend Geschriebene war weg. Jetzt versuche ich es noch einmal.
Prüfe ob Gewahr werden von Geräuschen statt findet und dann Gedanken kommen.
Das der Verstand aus der Konditionierung heraus ein „Täter“ im Nachgang erschafft.
Es geht alles so schnell. Aber ja, der Verstand erschafft aus der Konditionierung heraus
im Nachgang einen Täter.
Hm, setze dich auf das Sofa, schließe die Augen und höre, ohne Plan und Ziel.
Braucht es da Konzentration, ein Täter? Ohren hören, mehr nicht.
Ich schließe die Augen und höre ohne Plan und Ziel. Es braucht keine Konzentration. Ohren hören.
Leichter Zweifel kommt auf, ob das stimmt, weil es gedanklich so erscheint, als hätte ich das Ziel gehabt,
zu hören. Diese Zweifel sind auch konditioniert. Ohren hören, mehr nicht.
Zerlege die Identifizierung. Was passiert vor der Identifizierung?
Wann wird das scheinbare „mein“ Widerstand angehängt?
Heute nach dem Abendessen war der Widerstand wieder da. Ich spürte Müdigkeit, Heißhunger nach Schokolade,
wollte mich ablenken, aber nicht weiterschreiben. Das mein hängte sich scheinbar zeitgleich an. Ich interpretierte das alles als Widerstand und Unlust, mich mit der Identifizierung zu beschäftigen.
Im Körper machte sich Unwohlsein breit, welches ich gedanklich als Hunger nach Schokolade und Unruhe interpretierte.
Ich frag mal etwas provokativ: Geistert da ein Gespenst rum. Ein Geist?
Wenn ja, wie sieht „Geist“ aus?
Stimmt, klingt wie Gespenst. Was ich mit Geist meinte, ist etwas Nichtmaterielles,
Durchlässiges, Unbegrenztes, aber kein Gespenst, welches auch ähnliche Eigenschaften hätte.
Du beschreibst quasi das „Endprodukt“ Gefühle wie Ärger, Aggressivität, Beleidigtsein.
Schau dir an was davor war. Was erschien in deinem Verstand. Was für Gedanken waren davor? Gehe mal die Gedankenkette zurück.
Genau, da waren Gedanken - an Menschen, die mich scheinbar verletzt habe. Gedanken, was ich falsch gemacht habe, dann kamen die Gefühle.

Ich will morgen mit der Identifizierung weitermachen.

Danke dir für deine Begleitung.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Thu Apr 11, 2013 9:32 am

Ich schließe die Augen und höre ohne Plan und Ziel. Es braucht keine Konzentration. Ohren hören.
Leichter Zweifel kommt auf, ob das stimmt, weil es gedanklich so erscheint, als hätte ich das Ziel gehabt,
zu hören. Diese Zweifel sind auch konditioniert. Ohren hören, mehr nicht.
Genau, denn davor war der Impuls, „Renate schreibt: setze dich auf das Sofa….
Und tun passiert. Der Verstand hängt blitzschnell ein Ich dran und konstruiert einen Täter.
Stimmt, klingt wie Gespenst. Was ich mit Geist meinte, ist etwas Nichtmaterielles,
Durchlässiges, Unbegrenztes, aber kein Gespenst, welches auch ähnliche Eigenschaften hätte.
Dieses Gefühl kenne ich auch, besonders das Unbegrenzte. Dies sind Gefühle, ich ordne sie unter Gefühle ein weil ich es nicht wirklich weiß. Man muss aufpassen, dass das „ICH“ nicht getauscht wird mit dem „Nichtmateriellen“ oder andere Begriffe.
Dann gibt es wieder ein „Täter“ der jetzt „Nichtmareriell“ heißt.
Ich will morgen mit der Identifizierung weitermachen.
Was hast du herausgefunden?

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Thu Apr 11, 2013 8:51 pm

Was passiert vor der Identifizierung?
Wann wird das scheinbare „mein“ Widerstand angehängt?
Es kommt mir vor, als würde ich regelrecht davor flüchten, um mich nicht mit diesen Fragen beschäftigen
zu müssen. Andererseits hatte ich früher schon oft Widerstände, zu meditieren, still zu werden,
bei mir nachzuforschen, wer ich bin bzw. nicht bin. Vielleicht sind mir diese Widerstände jetzt bloß sehr bewusst.

Ich habe nun noch einmal den Willkommenstext gelesen.
- Ehrlichkeit.
- Den Drang, die Wahrheit herauszufinden, egal wie unbequem sie erscheinen mag
- Den Willen, den begonnenen Prozess nicht zu verlassen, auch wenn unangenehme Gefühle aufkommen sollten.

Morgens und nach Dienstschluss habe ich immer das gleiche Ziel. Während der Arbeit gerät dieses Ziel sehr schnell in Vergessenheit. Nach Dienstschluss jedoch fahre ich nach Hause und will nachforschen, ob und in welcher Form ein Ich existiert. Ich will den begonnenen Prozess ehrlich weiterführen und die Wahrheit herausfinden.
Oft habe ich dann zuhause nicht mehr viel zu tun, ich esse etwas und dann kommt der Widerstand. Plötzlich ist er da. Ich fühle mich leer, daneben, ferngesteuert, suche nach mehr Essen, einem Buch/Zeitung/Film, einer Arbeit oder einem Spiel, um mich abzulenken. So vergeht einige Zeit, bis ich mich dann doch hinsetze und nachzuforschen beginne. Ich bin auch manchmal müde, aber das soll keine Ausrede sein.
Zerlege die Identifizierung.
Die Identifizierung und der Widerstand treten zeitgleich auf. Da ist vorerst kein Gedanke, dass da kein Ich nötig ist. Der Widerstand scheint mir vor allem etwas körperlich Unangenehmes zu sein, zu spüren als Anspannung, Unruhe. Ich kann das Auftreten des Widerstandes nicht verhindern, ebensowenig die damit verbundenen Symptome. Er dirigiert quasi mich. Da ist Leere, Abwesenheit, Müdigkeit. Der Gedanke "es gibt keinen Täter" kommt, aber er ist zu schwach und entgleitet. Ich strenge mich an, zu beschreiben, was da kommt oder da ist.
Wieder Leere. Ich starre auf den Bildschirm. Ich will schlafen.

Der Widerstand ist nicht immer so hartnäckig. Morgens ist er deutlich weniger oft da. Wenn ich nur öfters früher aus dem Bett kommen würde.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Sat Apr 13, 2013 5:44 pm

Morgens und nach Dienstschluss habe ich immer das gleiche Ziel. Während der Arbeit gerät dieses Ziel sehr schnell in Vergessenheit.
Verstehe ich das richtig?
Damit meinst du hinschauen ob es ein ICH bedarf, wenn z.B. kritisiert wird?
Während der Arbeit bist du so eingespannt, das nur reagieren möglich ist?
Mache dir ein Merkzettel für den Schreibtisch, mit dem Wort „ICH?“ :-)
Nach Dienstschluss jedoch fahre ich nach Hause und will nachforschen, ob und in welcher Form ein Ich existiert. Ich will den begonnenen Prozess ehrlich weiterführen und die Wahrheit herausfinden.
Schön, wenn es „tiefer sackt“(das ist nur eine Metapher) dann kommt es zu Widerständen.
Der Verstand möchte sein gewohntes Bild malen. Dabei findet Veränderung permanent statt.
Mit jedem Gespräch wird der Verstand konditioniert.
Oft habe ich dann zuhause nicht mehr viel zu tun, ich esse etwas und dann kommt der Widerstand. Plötzlich ist er da. Ich fühle mich leer, daneben, ferngesteuert, suche nach mehr Essen, einem Buch/Zeitung/Film, einer Arbeit oder einem Spiel, um mich abzulenken. So vergeht einige Zeit, bis ich mich dann doch hinsetze und nachzuforschen beginne. Ich bin auch manchmal müde, aber das soll keine Ausrede sein.
Wenn beim Hören kein Ich zu finden ist, wie kann es sein, dass da ein Täter ist der nicht weiter machen möchte. Wer möchte nicht weiter machen?
Du schreibst der Widerstand ist plötzlich da. Ja, alles erscheint. Meistens durch ein Impuls (Gedanke, Gefühl, Geräusch) ausgelöst.
Die Identifizierung und der Widerstand treten zeitgleich auf. Da ist vorerst kein Gedanke, dass da kein Ich nötig ist.
Verstehe ich das richtig, du erlebst, es ist kein Impuls vorab nötig um Identifizierung/Widerstand
erscheinen zu lassen?
Der Widerstand scheint mir vor allem etwas körperlich Unangenehmes zu sein, zu spüren als Anspannung, Unruhe. Ich kann das Auftreten des Widerstandes nicht verhindern, ebensowenig die damit verbundenen Symptome.
Ja da ist kein Täter, nur eine Kette von Ereignissen.
Der Widerstand ist nicht immer so hartnäckig. Morgens ist er deutlich weniger oft da. Wenn ich nur öfters früher aus dem Bett kommen würde.
Nimm diesen Widerstand um zu prüfen ob es ein Täter gibt oder einfach nur das Tun erscheint.

Auch beim Essen oder geschirrspülen kannst du schauen ist da einfch tun aus einer Kette von Impulsen oder
gibt es eine "großen Entscheider" ;-) beschreibe bitte solche Erlebnisse und das Gefühl dabei.

Liebe Grüße
Renate

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Mon Apr 15, 2013 8:33 pm

Verstehe ich das richtig?
Damit meinst du hinschauen ob es ein ICH bedarf, wenn z.B. kritisiert wird?
Während der Arbeit bist du so eingespannt, das nur reagieren möglich ist?
Mache dir ein Merkzettel für den Schreibtisch, mit dem Wort „ICH?“ :-)
Ja, das meinte ich wohl. Kritik passiert einfach. Diese Tatsache aber habe ich vergessen, weil die Identifikation mit dem "Ich" so gefestigt ist und zu wenig oft hinterfragt wird. Wer aber könnte dies hinterfragen oder Kritik daran üben, wenn ihm bewusst wird, dass das vergessen wurde? Und wem könnte dies bewusst werden und wer könnte vergessen?
Es erscheint so, dass während der Arbeit ein "Ich" sagt, was zu tun ist, ein "Ich" entscheidet, jemanden anzurufen, ein "Ich" diskutiert usw. und nicht allzu oft dieses "Ich" hinterfragt wird. Bei konzentrierten Arbeiten ist aber auch nur Arbeiten da und das "Ich" im Hintergrund, sozusagen passiert da Leben im Jetzt.
Wenn beim Hören kein Ich zu finden ist, wie kann es sein, dass da ein Täter ist der nicht weiter machen möchte. Wer möchte nicht weiter machen?
Stimmt, das ist nicht logisch. Es erscheint nur so bzw. es wird bei mir so erlebt, als wäre da ein "Ich", welches diesen Widerstand verspürt, der es ihm schwer macht, weiter zu machen. Doch wie könnte ein nicht vorhandenes "Ich" sich mit einem Widerstand identifizieren oder glauben, dieser Widerstand würde ihm das Weitermachen schwer machen? Wie könnte es irgendetwas wollen oder tun?
Verstehe ich das richtig, du erlebst, es ist kein Impuls vorab nötig um Identifizierung/Widerstand
erscheinen zu lassen?
Das kann nicht sein. Dennoch fällt es mir schwer, dieses Impulses gewahr zu werden.
Nimm diesen Widerstand um zu prüfen ob es ein Täter gibt oder einfach nur das Tun erscheint.
Es erscheint einfach nur das Tun. Das dürfte auch die Antwort auf die letzte Frage sein.
Auch beim Essen oder geschirrspülen kannst du schauen ist da einfch tun aus einer Kette von Impulsen oder
gibt es eine "großen Entscheider" ;-) beschreibe bitte solche Erlebnisse und das Gefühl dabei
Derzeit beides, einmal so, einmal anders, wobei bei solchen Tätigkeiten der große Entscheider weniger oft in Erscheinung tritt. Vielleicht deshalb, weil ich dabei alleine bin und nicht aufpassen muss, welchen Eindruck ich hinterlasse, was ich sage etc.?
Die Erlebnisse und Gefühle will ich weiter beobachten und dir morgen beschreiben.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Martinma » Tue Apr 16, 2013 9:21 pm

Liebe Renate,
Auch beim Essen oder geschirrspülen kannst du schauen ist da einfch tun aus einer Kette von Impulsen oder
gibt es eine "großen Entscheider" ;-) beschreibe bitte solche Erlebnisse und das Gefühl dabei
Also, es ist einfach tun aus einer Kette von Impulsen. Da sind Gedanken, die dieses Tun, Wörter oder bestimmte Verhaltensweisen auslösen.
Magenschmerzen sind da und lösen Unwohlsein aus. Der Gedanke kommt, in die Apotheke zu fahren und Medikamente zu kaufen. Nach Dienstschluss wird dieser Gedanke in die Tat umgesetzt. Ich setze mich ins Auto und fahre in die Apotheke. Die Frage taucht auf: Ist da ein Fahrer oder geschieht fahren einfach? Das ist schwierig zu beantworten. Es scheint so, als würde ich fahren, das Auto lenken, Gas geben etc.
Andererseits sind da Impulse, selbstverständliche Bewegungsabläufe, welche meine Hände und Beine ausüben und damit das Auto steuern.
Nach dem Einkauf fahre ich nach Hause und bereite ein Essen vor. Während des Essens spiele ich zwei Partien Solitär am PC. Dem Ganzen gehen immer Gedanken und Impulse voran, die mich etwas Bestimmtes essen lassen, spielen und danach Geschirr waschen. Auch der Gedanke und dadurch ausgelöst leichter Frust steigen auf, dass ich nicht gleichzeitig essen und spielen sollte.
Dann kommt der Gedanke Bügeln, alles wird vorbereitet, der Fernseher eingeschaltet und ich bügle, zumindest erscheint es so. Die Erinnerung steigt auf zu schauen, ob da ein Täter ist. Bügeln passiert, Fernsehen passiert. Gedanken kommen und gehen. "Ich" habe keinen Einfluss, welche Gedanken kommen.
Ich gehe in das Schlafzimmer und lege die gebügelte Wäsche in den Schrank. Komme mir wie ein Roboter vor.
Alles geschieht irgendwie automatisch. Dann wieder fühle ich mich wie in einem unsichtbaren Wattebausch, wie in Trance, nicht verbunden, nicht lebendig. Die Gedanken für sich, der Körper für sich, die Luft, der Regen für sich. Auch spüre ich kaum meinen Körper außer vielleicht Hunger oder Schmerz.
Da ist aber auch Klarheit beim Schauen. Allem, was hier geschreiben wird, gehen Gedanken voraus. Diese Gedanken werden in diesem Fall angestoßen durch die Aufforderung "Denk nach". Ansonsten kommen und gehen sie einfach, lösen weitere Gedanken und Gefühle, wie Angst, Vorfreude, Zufriedenheit, Hoffnung aus.
Gibt es einen großen Entscheider? Der Verstand, die Erfahrungen der letzten Zeit sagen nein. Aber manchmal kommen auch Zweifel wie beim Autofahren. Und über Jahrzehnte leben mit der Selbstverständlichkeit eines Ich als den großen Entscheider hat dieses Ich ganz schön gefestigt. Da ist aber auch das Gefühl größerer Gelassenheit.

Liebe Grüße
Martin

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Re: Direct Pointing

Postby Renate » Wed Apr 17, 2013 7:29 pm

Hallo lieber Martin,

ich bin mal wieder unterwegs.
Kann möglicherweise erst man Samstag antworten.

Liebe Grüße
Renate


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