Besteht die Erinnerung aus Gedanken und Emotionen, oder nur aus Gedanken?
Sagen wir: es besteht ein enger, wenn auch nicht zwingender Zusammenhang zwischen den Gedanken und den Emotionen, das genau ist es ja, was Erinnerungen beispielsweise von banaleren Beliebigkeitsgedanken unterscheidet.
Ja, manche Erinnerungen haben diese Tendenz, immer wieder dieselben Emotionen hervorzurufen. Diese Frage bezog sich aber spezifisch darauf, was in dem Fall passiert, dass eine Erinnerung nicht mehr die damalige Emotion hervorruft. Teil der Erinnerung ist das Wissen, dass du wütend warst, aber jetzt spürst du keine Wut mehr.
Besteht eine solche Erinnerung aus Gedanken und Emotionen, oder sind die erinnerten Emotionen ebenfalls Gedankeninhalt?
Vielleicht ruft diese Erinnerung aber auch eine ganz andere Emotion hervor, die „damals“ nicht mit im Spiel war, z.B. Scham über das erinnerte Verhalten.
Ist diese Emotion Teil der Erinnerung (also ausschließlich Gedankeninhalt), oder wird sie jetzt, hier, direkt erfahren?
Erinnerungen haben also tatsächlich oft so oder so einen starken emotionalen Bezug, indem sie entweder die erinnerte Emotion erneut triggern oder eine sonstige emotionale Reaktion anstoßen. Das unterscheidet sie von vielen „Nicht-Erinnerungsgedanken“. Der entscheidende Punkt in diesem Bereich der Untersuchung ist, wie auch in den anderen Bereichen, dabei klar zu sehen, was Gedankeninhalt ist, und was direkte Erfahrung.
Überhaupt: nur weil wir die eine breite Kategorie "Gedanken" benutzen, heißt das in meiner direkten Erfahrung noch lange nicht, dass alle Gedanken der gleichen Natur sind, es gibt da gewaltige Unterschiede, die mir bedeutsam erscheinen. Alles andere wäre zu kurz gegriffn.
Wie genau zeigen sich diese Unterschiede in der direkten Erfahrung?
Wer oder was ist es, was die Kategorie „Gedanken“ in Subkategorien einteilt? (Die Frage impliziert nicht, dass es falsch sei, sie in Subkategorien einzuteilen - sie meint nur: Wie genau kommt diese Einteilung zustande?)
Da wir an diesem Punkt viel von Emotionen sprechen, ist es ein guter Moment, diese selbst einmal genau unter die Lupe zu nehmen:
Nutze entweder die Gelegenheit, wenn du spontan eine starke Emotion empfindest, oder nimm eine Erinnerung zur Hilfe, die Emotionen auslöst, und arbeite damit. Dann:
1. Werde dir der Gedanken und der Körperempfindungen bewusst, die präsent sind, wenn du die Emotion erlebst.
2. Lass die Emotion dann wachsen, „größer werden“, geh voll hinein: Lass den Gedanken freien Lauf (vielleicht schimpfen sie ja gerade über etwas, etc.) und spüre gleichzeitig, was im Körper vor sich geht. Lass Gedanken und Körperempfindungen sich gegenseitig so richtig „in Fahrt bringen“.
3. Sobald die Emotion intensiv und „groß“ geworden ist, lass die Gedanken beiseite und beobachte anschließend nur noch die Empfindungen im Körper. Was passiert?
Experimentiere ruhig mehrere Male, mit verschiedenen Emotionen, und berichte, was du entdeckst.