Ende der Suche

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Ryodo
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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Sun Jan 18, 2026 1:15 pm

Wie genau kommt dieser Zusammenhang zustande?
Durch Gedankenassoziation, also. ein Gedanke führt zu einem anderen.
Was ist das, was wir Vergangenheit nennen, in der direkten Erfahrung?
Es ist in der direkten Erfahrung nicht greifbar.
Besteht die Erinnerung aus Gedanken und Emotionen, oder nur aus Gedanken?
Sagen wir: es besteht ein enger, wenn auch nicht zwingender Zusammenhang zwischen den Gedanken und den Emotionen, das genau ist es ja, was Erinnerungen beispielsweise von banaleren Beliebigkeitsgedanken unterscheidet. Überhaupt: nur weil wir die eine breite Kategorie "Gedanken" benutzen, heißt das in meiner direkten Erfahrung noch lange nicht, dass alle Gedanken der gleichen Natur sind, es gibt da gewaltige Unterschiede, die mir bedeutsam erscheinen. Alles andere wäre zu kurz gegriffn.

Sind diese Empfindungen Bestandteil der Erinnerung? Oder sind sie neue, direkte Erfahrung?
Sowohl als auch. Sie sind eng mit der Erinnerung verbunden, können aber auch verblassen.
Erscheinen diese Gedanken jemals wann anders als jetzt?
Nichts kann zu einer anderen Zeit als jetzt auftauchen.
Was genau ist es, was Erinnerungsgedanken persönlicher erscheinen lässt?
Eben das: die assoziative Nähe zu Emotionen und - bei nachhaltigen Erinnerungen - auch die gefühlte Bedeutung für das gegenwärtige Leben, z.B. als Gelegenheit zu lernen oder etwas, wovor wir Angst haben, es zu wiederholen.

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You
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Re: Ende der Suche

Postby You » Sun Jan 18, 2026 11:30 pm

Besteht die Erinnerung aus Gedanken und Emotionen, oder nur aus Gedanken?
Sagen wir: es besteht ein enger, wenn auch nicht zwingender Zusammenhang zwischen den Gedanken und den Emotionen, das genau ist es ja, was Erinnerungen beispielsweise von banaleren Beliebigkeitsgedanken unterscheidet.
Ja, manche Erinnerungen haben diese Tendenz, immer wieder dieselben Emotionen hervorzurufen. Diese Frage bezog sich aber spezifisch darauf, was in dem Fall passiert, dass eine Erinnerung nicht mehr die damalige Emotion hervorruft. Teil der Erinnerung ist das Wissen, dass du wütend warst, aber jetzt spürst du keine Wut mehr.
Besteht eine solche Erinnerung aus Gedanken und Emotionen, oder sind die erinnerten Emotionen ebenfalls Gedankeninhalt?

Vielleicht ruft diese Erinnerung aber auch eine ganz andere Emotion hervor, die „damals“ nicht mit im Spiel war, z.B. Scham über das erinnerte Verhalten.
Ist diese Emotion Teil der Erinnerung (also ausschließlich Gedankeninhalt), oder wird sie jetzt, hier, direkt erfahren?

Erinnerungen haben also tatsächlich oft so oder so einen starken emotionalen Bezug, indem sie entweder die erinnerte Emotion erneut triggern oder eine sonstige emotionale Reaktion anstoßen. Das unterscheidet sie von vielen „Nicht-Erinnerungsgedanken“. Der entscheidende Punkt in diesem Bereich der Untersuchung ist, wie auch in den anderen Bereichen, dabei klar zu sehen, was Gedankeninhalt ist, und was direkte Erfahrung.


Überhaupt: nur weil wir die eine breite Kategorie "Gedanken" benutzen, heißt das in meiner direkten Erfahrung noch lange nicht, dass alle Gedanken der gleichen Natur sind, es gibt da gewaltige Unterschiede, die mir bedeutsam erscheinen. Alles andere wäre zu kurz gegriffn.
Wie genau zeigen sich diese Unterschiede in der direkten Erfahrung?

Wer oder was ist es, was die Kategorie „Gedanken“ in Subkategorien einteilt?
(Die Frage impliziert nicht, dass es falsch sei, sie in Subkategorien einzuteilen - sie meint nur: Wie genau kommt diese Einteilung zustande?)



Da wir an diesem Punkt viel von Emotionen sprechen, ist es ein guter Moment, diese selbst einmal genau unter die Lupe zu nehmen:

Nutze entweder die Gelegenheit, wenn du spontan eine starke Emotion empfindest, oder nimm eine Erinnerung zur Hilfe, die Emotionen auslöst, und arbeite damit. Dann:
1. Werde dir der Gedanken und der Körperempfindungen bewusst, die präsent sind, wenn du die Emotion erlebst.
2. Lass die Emotion dann wachsen, „größer werden“, geh voll hinein: Lass den Gedanken freien Lauf (vielleicht schimpfen sie ja gerade über etwas, etc.) und spüre gleichzeitig, was im Körper vor sich geht. Lass Gedanken und Körperempfindungen sich gegenseitig so richtig „in Fahrt bringen“.
3. Sobald die Emotion intensiv und „groß“ geworden ist, lass die Gedanken beiseite und beobachte anschließend nur noch die Empfindungen im Körper. Was passiert?

Experimentiere ruhig mehrere Male, mit verschiedenen Emotionen, und berichte, was du entdeckst.

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Ryodo
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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Tue Jan 20, 2026 9:46 pm

Hmm, irgendwie habe ich mich bei dem Thema "Erinnerungen" verzettelt, die Sache wird immer unklarer statt klarer. Ich lege das Thema mal beiseite und greife stattdessen deine anderen Anregungen auf:
Wie genau zeigen sich diese Unterschiede in der direkten Erfahrung?
(gemeint waren: Unterschiede zwischen Gedankenarten)

Manche Gedanken fühlen sich an wie Treibsand, wie ein Strudel, ein Gedanke löst den nächsten aus, in z.T. chaotischer Abfolge. Andere Gedanken hingegen sind klare Statements und bleiben einfach da stehen. Dann wieder gibt es Gedanken, die völlig unvermittelt auftauchen, z.T. ohne erkennbaren Zusammenhang mit der Situation und ebenso wieder verblassen, ohne ein weiteres Gedankenkarussel auszulösen. Für eine Unterhaltung mit anderen versuche ich, mich der zweiten Art von Gedanken zu bedienen, gerade bei der Diskussion über Erinnerungen ist mir das leider nicht so recht geglückt...
Experimentiere ruhig mehrere Male, mit verschiedenen Emotionen, und berichte, was du entdeckst.
Nach intensiven (oder intensivierten) Emotionen schwingt die Emotion noch recht lange körperlich nach, z.T. ist es schwer, die narrative Komponente fallen zu lassen, da Emotionen und Gedanken sich so schön gegenseitig hochschaukeln können.
Manchmal bleibt aber auch nur die körperliche Komponente, eine (zumeist als unangenehm erlebte) Empfindung bspw. von Druck in einem bestimmten Körperteil, bestehen wie ein untergründig schwelendes Feuer.

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Re: Ende der Suche

Postby You » Wed Jan 21, 2026 7:29 am

Manchmal bleibt aber auch nur die körperliche Komponente, eine (zumeist als unangenehm erlebte) Empfindung bspw. von Druck in einem bestimmten Körperteil, bestehen wie ein untergründig schwelendes Feuer.
Diese körperliche Komponente lässt sich also gar nicht mehr als Emotion definieren, wenn sie allein übrig bleibt, oder?
Emotionen bestehen nämlich aus genau den beiden Komponenten, die du genannt hast: der narrativen und der körperlichen. Sie sind ein Zusammenspiel von Gedanken und Körperempfindungen - und es sind die Gedanken und die Körperempfindungen, die sich oft gegenseitig hochschaukeln, wodurch dann die Emotion intensiviert wird.
Emotion = Gedanke(n) + Empfindung(en)

Nun beobachte folgendes:

Wenn die körperliche Komponente allein übrig bleibt:

Was passiert, wenn du die Empfindungen länger beobachtest? Bleiben sie gleich oder verändern sie sich?

Was passiert, wenn sogar die Kategorisierung „unangenehm“ und „angenehm“ wegfällt?



Wenn sowohl die gedankliche als auch die körperliche Komponente präsent sind:

Sind die Empfindungen eine direkte Erfahrung?

Ist es eine direkte Erfahrung, dass Gedanken da sind?

Sind die Inhalte der Gedanken eine direkte Erfahrung?


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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Thu Jan 22, 2026 4:02 pm

Was passiert, wenn du die Empfindungen länger beobachtest? Bleiben sie gleich oder verändern sie sich?
Manche verändern sich, andere hingegen bleiben gleich, zumindest kann ich keine Veränderung bemerken.
Was passiert, wenn sogar die Kategorisierung „unangenehm“ und „angenehm“ wegfällt?
Nun ja, dann bleibt halt die Empfindung als solche, namenlos.

Sind die Empfindungen eine direkte Erfahrung?
Ja.
Ist es eine direkte Erfahrung, dass Gedanken da sind?
Ja.
Sind die Inhalte der Gedanken eine direkte Erfahrung?
Nein, wohl aber die gespürte Verbindung/Gleichzeitigkeit von Gedanken und Empfindungen.

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Re: Ende der Suche

Postby You » Thu Jan 22, 2026 7:11 pm

Schau jetzt: Von allem, was in der direkten Erfahrung präsent ist (u.a. alle Empfindungen, alles Seh- und Hörbare, die Anwesenheit von Gedanken) - ist irgendetwas davon eine getrennte Entität, die denkt, wahrnimmt, entscheidet oder kontrolliert?

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Fri Jan 23, 2026 8:33 pm

Schau jetzt: Von allem, was in der direkten Erfahrung präsent ist (u.a. alle Empfindungen, alles Seh- und Hörbare, die Anwesenheit von Gedanken) - ist irgendetwas davon eine getrennte Entität, die denkt, wahrnimmt, entscheidet oder kontrolliert?
Nein, keine getrennte Entität, kein Agent, Wahrnehmer, Entscheidender etc. - nur das, was auftaucht, und der Raum, in dem es auftaucht.

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Re: Ende der Suche

Postby You » Fri Jan 23, 2026 9:12 pm

Wie ist es, das zu sehen?

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Fri Jan 23, 2026 9:26 pm

Wie ist es, das zu sehen?
Entspannend, nach all den Versuchen, etwas zu definieren, zu begreifen oder zu sehen.
Ist es wirklich so einfach?

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Re: Ende der Suche

Postby You » Fri Jan 23, 2026 9:51 pm

Ja :)

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Re: Ende der Suche

Postby You » Fri Jan 23, 2026 10:10 pm

Schau jetzt, in diesem Moment:
Fehlt irgendetwas? Gibt es etwas, das noch gesucht werden müsste?

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Sat Jan 24, 2026 8:52 pm

Fehlt irgendetwas? Gibt es etwas, das noch gesucht werden müsste?
Es fühlt sich sehr merkwürdig an, und meine "Suchen-Energie" läuft etwas verunsichert ins Leere - da müsste doch noch etwas sein... aber so sehr ich auch schaue, da ist nichts und die Erkenntnis sinkt langsam vom Kopf tiefer in den Körper hinein.
Noch bin ich ein wenig auf der Hut: so viele Jahre des Suchens... kann das wirklich ein Ende finden?

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Re: Ende der Suche

Postby You » Sun Jan 25, 2026 1:10 am

Ja. Wenn das Suchen plötzlich nichts mehr zu tun hat, ist das erst einmal sehr ungewohnt.

Lass es jetzt einfach ein paar Tage sacken – im Leben, im Alltag, und auch draußen in der Natur, wenn möglich.
Schau, was da ist, ohne etwas Bestimmtes zu suchen.
Sieh, ob sich irgendwo noch ein Gefühl von Suchen zeigt oder etwas auftaucht, was noch unklar erscheint – oder auch nicht.

Schreib mir dann, was du bemerkst.

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Re: Ende der Suche

Postby Ryodo » Sun Jan 25, 2026 1:55 pm

Einverstanden. War gerade auf einem langen Waldspaziergang alleine, noch bevor ich deine Nachricht gelesen hatte ;-)

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Re: Ende der Suche

Postby You » Fri Jan 30, 2026 6:39 am

Lieber Andreas,

ich melde mich mal kurz zwischendurch.
Bin da, wenn etwas auftaucht.

Liebe Grüße
Elea


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