Realisation
Posted: Thu Jan 24, 2019 7:29 am
Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Bei meiner Selbsterforschung konnte ich erkennen, dass das „Ich“ wahrscheinlich ein Konstrukt in der sozialen Interaktion ist. Statt „ich“ könnte auch der Schreiber dieser Zeilen stehen.
Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Mich hat vor allem angezogen, was ihr in der Anleitung zur Registrierung schreibt: dass es nicht um Erleuchtung, Glück und Glückseligkeit, ein Selbstverbesserungsprogramm usw. geht. Ich habe bei spirituellen Veranstaltungen oft erlebt, das viele „Suchende“ gerade diese von Euch ausgeschlossenen Ziele im Blick haben.
Viele spirituellen Lehrer betonen, dass spirituelle Einsichten nicht durch „den Kopf“ erreichbar sind. Es wird ein grundlegender Unterschied zwischen Wissen durch Verstehen, Erkenntnis und durch irgendwie geartete nicht näher erklärte Erfahrungen gemacht.
Meine Erfahrung ist eine andere, nämlich, dass ich dies nicht klar trennen kann. Das englische Wort „realisation“ ist geeigneter, es zu beschreiben. Wie die Erkenntnis zustande kommt, ist ein ungeheuer komplexer Prozess, den ich nicht durchschauen kann. Auf jeden Fall ist mein Gehirn beteiligt, das von einer schier unendlichen Zahl innerer und äußerer Einflüsse gesteuert wird. In der frühen Kindheit, in der wir alles naiv aufnehmen, was unsere Eltern oder andere Personen sagen und tun, entsteht ein implizites Wissen, dessen Herkunft wir nicht kennen, das uns aber gleichwohl als selbstverständlich gegeben erscheint. Dann gibt es die Macht der Kultur in der jemand aufwächst und die Indoktrinierung, der er ausgesetzt ist.
Ich habe von einem ZEN-Meister ein blumigen Spruch gehört, der auch meiner eigenen Erfahrung entspricht: “Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an“. Wichtig ist, aufmerksam zu verfolgen, welche Gedanken in meinem Kopf herumschwirren und welche Konditionierung ich habe. Das Enneagramm kann mir helfen, meine Fixierungen zu erkennen und mich etwas davon frei zu machen.
Vielleicht kann Liberation Unleashed mir in Bezug auf diese Themen Anregung geben, meine Realization zu vertiefen.
Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Als Jugendlicher habe ich mich gefragt, was ich in dieser Welt eigentlich „soll“. Dies vor dem Hintergrund des unermesslich großen Universums, in dem ich völlig bedeutungslos bin.
Ich habe Physik studiert und war dann durch Studium, Beruf und Familie so eingespannt, dass ich mich erst seit meiner Rentnerzeit und einer neuen Partnerin wieder intensiver mit spirituellen Gedanken beschäftigt habe. Neben einer Menge von spirituellen Büchern über Advaita, die ich gelesen, habe ich bei verschiedenen Lehrern Satsangs und Retreats besucht, insbesondere bei Samarpan und Christian Meyer.
Im Moment habe ich den Eindruck, die Suche ist eigentlich beendet und ich brauche keine neuen Lehrer. Ich bin jetzt 83 Jahre alt.
Bei meiner Selbsterforschung habe ich erfahren: Ich kann zwar meinen Körper (Arme, Beine, innere Organe, Haut, Muskeln, usw.) spüren und weiß, wo genau welche Empfindungen auftreten, aber mein Bewusstsein, meine Gedanken, meine tieferen Erfahrungen kann ich nirgends wo in meinem Körper lokalisieren. Auch wie meine Gedanken meinen Körper bewegen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Es ist vielmehr so, dass aus einem wimmelnden Strom von unbewussten oder halbbewussten Impulsen plötzlich eine Bewegung, ein neuer Gedanke, ein Impuls entsteht (z.B. morgens aufzustehen), ohne dass „ich das eigentlich mache“.
Mir wurde bewusst, dass möglicherweise das, was ich als mein „ich“ erlebe, ein soziales Konstrukt ist, das erst im Kontakt mit anderen Menschen, insbesondere in meiner frühen Kindheit entstanden ist. Diese soziale Konditionierung ist überlebenswichtig für alle Kinder und wird von ihnen als Primärerfahrung (implizite Erfahrung) wahrgenommen. Ähnlich ist es mit dem freien Willen, auch er ein Konstrukt, das durch die Sozialisation fest in mir „eingebrannt“ ist.
Spiritualität hat mich deshalb angezogen, weil es nicht um Glauben, Ideologie oder Übernahme der Meinung von anderen geht, sondern jeder „Suchende“ selbst herausfinden muss, was für ihn stimmt und was er auf Grund seiner Erfahrung für wahr halten kann. Als Physiker ist mir Esoterik und jede Form „mythischer, übersinnlicher oder überirdischer“ Erfahrung suspekt.
Deshalb ist es für mich wichtig, dass die moderne Hirnforschung und überhaupt die Naturwissenschaft zu Ergebnissen kommt, die meine geschilderten Erfahrungen nicht als Spinnerei erscheinen lassen, sondern im Gegenteil zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen ist. Ich will hier nur kurz erwähnen, dass die Hirnforscher bekanntlich kein „Ich“ im Gehirn gefunden haben und auch der freie Wille in seiner absoluten Form als unvereinbar mit den Naturgesetzen angesehen wird (Willensfreiheit ist bekanntlich ein komplexes Thema, „absolute Form“ soll hier die dualistische Position kennzeichnen).
Selbstverständlich kann auch die Naturwissenschaft kein endgültiges „absolutes“ Wissen hervorbringen, sondern immer nur das, was gegenwärtig erkannt werden kann. Schon gar nicht können wir uns auf „Autoritäten“ verlassen. Ich muss damit leben, „vorläufig“ zu sein. Auch unser Erkenntnisvermögen ist relativ, sicher kann es im Universum Wesen geben, deren Intelligenz die unsere weit übersteigt.
Ich glaube, dass wir in Zukunft viel mehr über unsere Hirnfunktionen, über unser Bewusstsein, über das, was den Menschen ausmacht, wissen werden und dass dieses Wissen unsere spirituellen Erfahrungen sehr verändern werden.
Die Suche nach Spiritualität hat für mich zwei Motivationen. Bisher habe ich über die erste gesprochen, das Erkennen: „wer bin ich?“ (oder besser „was bin ich?“).
Die zweite, grundlegendere Motivation ist, was Buddha „Befreiung vom Leiden“ nennt. Es geht mir darum zu erkennen, dass Schuldzuweisungen in Bezug auf mein Leben keine „eigene Substanz“ haben. Es handelt sich um etwas, was vergangen ist. Und es gibt in Wirklichkeit nur das Jetzt. Auch kann ich sehen, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht anders handeln konnte und auch dort mein Bestes gegeben habe. Die Dinge sind so wie sie sind und nicht wie ich sie gerne hätte. Auf den ersten Blick eine Trivialität, auf den zweiten Blick aber keineswegs.
Es geht mir darum, ehrlich zu mir selber zu sein und zu erkennen, wer und was ich wirklich bin. Und den Tod zu akzeptieren, ja nicht nur zu akzeptieren, sondern zu sehen, dass ohne den Tod ich auch nicht da wäre, dass er letztlich ein Freund ist. Diese Erfahrungen möchte ich vertiefen. Ich kann sehen: die erste Motivation „wer bin ich“ unterstützt die zweite Motivation „Befreiung vom Leiden“.
Auch wenn ich immer von „Ich“ rede, so bin ich mir doch bewusst, dass dieses „Ich“ keine eigene Substanz hat.
Damit mag ich erst mal enden. Ich hoffe, ich habe meinen Hintergrund (Titel der Frage) etwas verständlich machen können.
Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Es gibt viele spirituelle Sucher mit unterschiedlichen Motivationen und sehr verschiedene Vorstellungen, was Spiritualität im Kern eigentlich bedeutet. Ich möchte ausprobieren, ob ich durch dieses Forum Gesprächspartner finde, die eine ähnliche spirituelle Ausrichtung haben wie ich oder die mir zeigen können, wo ich mich eventuell irre und sehen kann, was ich bisher noch nicht „realisiert“ habe.
Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Bei meiner Selbsterforschung konnte ich erkennen, dass das „Ich“ wahrscheinlich ein Konstrukt in der sozialen Interaktion ist. Statt „ich“ könnte auch der Schreiber dieser Zeilen stehen.
Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Mich hat vor allem angezogen, was ihr in der Anleitung zur Registrierung schreibt: dass es nicht um Erleuchtung, Glück und Glückseligkeit, ein Selbstverbesserungsprogramm usw. geht. Ich habe bei spirituellen Veranstaltungen oft erlebt, das viele „Suchende“ gerade diese von Euch ausgeschlossenen Ziele im Blick haben.
Viele spirituellen Lehrer betonen, dass spirituelle Einsichten nicht durch „den Kopf“ erreichbar sind. Es wird ein grundlegender Unterschied zwischen Wissen durch Verstehen, Erkenntnis und durch irgendwie geartete nicht näher erklärte Erfahrungen gemacht.
Meine Erfahrung ist eine andere, nämlich, dass ich dies nicht klar trennen kann. Das englische Wort „realisation“ ist geeigneter, es zu beschreiben. Wie die Erkenntnis zustande kommt, ist ein ungeheuer komplexer Prozess, den ich nicht durchschauen kann. Auf jeden Fall ist mein Gehirn beteiligt, das von einer schier unendlichen Zahl innerer und äußerer Einflüsse gesteuert wird. In der frühen Kindheit, in der wir alles naiv aufnehmen, was unsere Eltern oder andere Personen sagen und tun, entsteht ein implizites Wissen, dessen Herkunft wir nicht kennen, das uns aber gleichwohl als selbstverständlich gegeben erscheint. Dann gibt es die Macht der Kultur in der jemand aufwächst und die Indoktrinierung, der er ausgesetzt ist.
Ich habe von einem ZEN-Meister ein blumigen Spruch gehört, der auch meiner eigenen Erfahrung entspricht: “Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an“. Wichtig ist, aufmerksam zu verfolgen, welche Gedanken in meinem Kopf herumschwirren und welche Konditionierung ich habe. Das Enneagramm kann mir helfen, meine Fixierungen zu erkennen und mich etwas davon frei zu machen.
Vielleicht kann Liberation Unleashed mir in Bezug auf diese Themen Anregung geben, meine Realization zu vertiefen.
Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Als Jugendlicher habe ich mich gefragt, was ich in dieser Welt eigentlich „soll“. Dies vor dem Hintergrund des unermesslich großen Universums, in dem ich völlig bedeutungslos bin.
Ich habe Physik studiert und war dann durch Studium, Beruf und Familie so eingespannt, dass ich mich erst seit meiner Rentnerzeit und einer neuen Partnerin wieder intensiver mit spirituellen Gedanken beschäftigt habe. Neben einer Menge von spirituellen Büchern über Advaita, die ich gelesen, habe ich bei verschiedenen Lehrern Satsangs und Retreats besucht, insbesondere bei Samarpan und Christian Meyer.
Im Moment habe ich den Eindruck, die Suche ist eigentlich beendet und ich brauche keine neuen Lehrer. Ich bin jetzt 83 Jahre alt.
Bei meiner Selbsterforschung habe ich erfahren: Ich kann zwar meinen Körper (Arme, Beine, innere Organe, Haut, Muskeln, usw.) spüren und weiß, wo genau welche Empfindungen auftreten, aber mein Bewusstsein, meine Gedanken, meine tieferen Erfahrungen kann ich nirgends wo in meinem Körper lokalisieren. Auch wie meine Gedanken meinen Körper bewegen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Es ist vielmehr so, dass aus einem wimmelnden Strom von unbewussten oder halbbewussten Impulsen plötzlich eine Bewegung, ein neuer Gedanke, ein Impuls entsteht (z.B. morgens aufzustehen), ohne dass „ich das eigentlich mache“.
Mir wurde bewusst, dass möglicherweise das, was ich als mein „ich“ erlebe, ein soziales Konstrukt ist, das erst im Kontakt mit anderen Menschen, insbesondere in meiner frühen Kindheit entstanden ist. Diese soziale Konditionierung ist überlebenswichtig für alle Kinder und wird von ihnen als Primärerfahrung (implizite Erfahrung) wahrgenommen. Ähnlich ist es mit dem freien Willen, auch er ein Konstrukt, das durch die Sozialisation fest in mir „eingebrannt“ ist.
Spiritualität hat mich deshalb angezogen, weil es nicht um Glauben, Ideologie oder Übernahme der Meinung von anderen geht, sondern jeder „Suchende“ selbst herausfinden muss, was für ihn stimmt und was er auf Grund seiner Erfahrung für wahr halten kann. Als Physiker ist mir Esoterik und jede Form „mythischer, übersinnlicher oder überirdischer“ Erfahrung suspekt.
Deshalb ist es für mich wichtig, dass die moderne Hirnforschung und überhaupt die Naturwissenschaft zu Ergebnissen kommt, die meine geschilderten Erfahrungen nicht als Spinnerei erscheinen lassen, sondern im Gegenteil zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen ist. Ich will hier nur kurz erwähnen, dass die Hirnforscher bekanntlich kein „Ich“ im Gehirn gefunden haben und auch der freie Wille in seiner absoluten Form als unvereinbar mit den Naturgesetzen angesehen wird (Willensfreiheit ist bekanntlich ein komplexes Thema, „absolute Form“ soll hier die dualistische Position kennzeichnen).
Selbstverständlich kann auch die Naturwissenschaft kein endgültiges „absolutes“ Wissen hervorbringen, sondern immer nur das, was gegenwärtig erkannt werden kann. Schon gar nicht können wir uns auf „Autoritäten“ verlassen. Ich muss damit leben, „vorläufig“ zu sein. Auch unser Erkenntnisvermögen ist relativ, sicher kann es im Universum Wesen geben, deren Intelligenz die unsere weit übersteigt.
Ich glaube, dass wir in Zukunft viel mehr über unsere Hirnfunktionen, über unser Bewusstsein, über das, was den Menschen ausmacht, wissen werden und dass dieses Wissen unsere spirituellen Erfahrungen sehr verändern werden.
Die Suche nach Spiritualität hat für mich zwei Motivationen. Bisher habe ich über die erste gesprochen, das Erkennen: „wer bin ich?“ (oder besser „was bin ich?“).
Die zweite, grundlegendere Motivation ist, was Buddha „Befreiung vom Leiden“ nennt. Es geht mir darum zu erkennen, dass Schuldzuweisungen in Bezug auf mein Leben keine „eigene Substanz“ haben. Es handelt sich um etwas, was vergangen ist. Und es gibt in Wirklichkeit nur das Jetzt. Auch kann ich sehen, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht anders handeln konnte und auch dort mein Bestes gegeben habe. Die Dinge sind so wie sie sind und nicht wie ich sie gerne hätte. Auf den ersten Blick eine Trivialität, auf den zweiten Blick aber keineswegs.
Es geht mir darum, ehrlich zu mir selber zu sein und zu erkennen, wer und was ich wirklich bin. Und den Tod zu akzeptieren, ja nicht nur zu akzeptieren, sondern zu sehen, dass ohne den Tod ich auch nicht da wäre, dass er letztlich ein Freund ist. Diese Erfahrungen möchte ich vertiefen. Ich kann sehen: die erste Motivation „wer bin ich“ unterstützt die zweite Motivation „Befreiung vom Leiden“.
Auch wenn ich immer von „Ich“ rede, so bin ich mir doch bewusst, dass dieses „Ich“ keine eigene Substanz hat.
Damit mag ich erst mal enden. Ich hoffe, ich habe meinen Hintergrund (Titel der Frage) etwas verständlich machen können.
Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Es gibt viele spirituelle Sucher mit unterschiedlichen Motivationen und sehr verschiedene Vorstellungen, was Spiritualität im Kern eigentlich bedeutet. Ich möchte ausprobieren, ob ich durch dieses Forum Gesprächspartner finde, die eine ähnliche spirituelle Ausrichtung haben wie ich oder die mir zeigen können, wo ich mich eventuell irre und sehen kann, was ich bisher noch nicht „realisiert“ habe.
Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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